Die wirtschaftlich wichtigsten Gallmilbenarten (Acari, Eriophyoidea) der Obstgehölze

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  • Sch dlin.Qskunde Pflanzenschutz Umwe'Itschutz 56. dahrgang 9 Heft 7 9 Oktober 1983

    Anz. Sch/idlingskde., Pflanzenschutz, Umweltschutz 56, 121--125 (1983) @ 1983, Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg ISSN 0340---7330 / InterCode: ASUMDT

    AL W ltzehoe, Abt. Pflanzenscbutz Rellingen

    Die wirtschaftlich wichtigsten Gallmilbenarten (Acari, Eriophyoidea) der Obstgeh61ze

    Von j. 8CHLIESSKE

    Mit 2 Tabellen

    Abstract Economic important species of gall mites (Acari, Eriophyoidea) on fruit trees and shrubs

    The economically most important gall mite species in or- chards were compiled from annual reports (1969--1981) of the plant protection services in W-Germany. Cecidophyopsis ribis on black currant was the most frequently reported species (37 %), followed by Eriopbyes erineus on walnut (12 %), and Aculus fockeui on morello cherries (10 %). Sixteen noxious gall mite species are listed with emphasis on their characteristic symptoms of damage.

    1. Einleitung Im Erwerbsobstbau treten in den letzten Jahren ver-"

    mehrt sch~idliche Gallmilben auf, die die Erzeugung von qualitativ hochwertigem Obst erschweren. Wegen ihrer geringen K6rpergr6fle und der oft schwer zu diagnosti- zierenden ersten Befallssymptome wird die Schadursache h~iufig anderen Sch~idlingen oder Krankheiten zuge- schrieben. So ist auch zu verstehen, daft die Gallmilben, verglichen mit anderen Schiidlingen, bis auf wenige Aus- nahmen nicht die Beachtung finden, die ihnen aufgrund der verursachten Schiiden zukommt.

    2. Gallmilbenschadensmddungen in der Bundes- republik Deutschland

    Nach Davls und Mitarbeiter (1982) gibt es weltweit etwa 1800 Gallmilbenarten, die sich z.Z. auf 159 Gat- tungen verteilen. J~ihrlich kommen mehrere Neube- schreibungen hinzu, die aber hauptsiichlich Arten aus w~irmeren Klimazonen betreffen. Anhand yon 90 Jahres- berichten der pflanzenschutzdienste der L/inder aus den Jahren 1969 bis 1981 werden im folgenden die wirtschaft- lich wichtigsten Arten im Obstbau vorgestellt.

    Meldungen tiber Gallmilbensch~iden sind nur sehr un- regelm~i8ig zu finden. Hiiufig wird, falls iiberhaupt eine n~ihere Bezeichnung aufgefiihrt ist, ftir freilebende Gall- milben nur die Gattung Vasates und ftir gallenbildende nur die Gattung Eriophyes angegeben. Hier zeichnet sich

    der Mangel an Spezialisten fiir die Artdetermination der Gallmilben ab. In Tabelle 1 sind die gemeldeten Gallmil- bensch/iden in der Bundesrepublik Deutschland aufge- fiihrt, woraus zu erkennen ist, welche Obstkulturen am hiiufigsten gesch~idigt werden. Die in den Meldungen genannten Gallmilben sind nach Lrberpriifung und evtl. erforderlicher Korrektur der Gattungs- und Artbezeich- nung miteinbezogen.

    Tabelle 1. Prozentsatz gemeldeter Gallmilbensch~iden fiir die einzelnen Kulturen im Obstbau in den Jahren 1969 bis 1981 (Auswertung von 90 Jahresberichten der Pflanzenschutzdienste der L~inder)

    %X%

    Kernobst 14 Apfel (ohne Angabe der Art) 3 Apfel (Phytoptus marginemtorquens) 1 Birne (ohne Angabe der Art) 1 Birne (Phytoptus pyri) 8 Birne (Epitrirnerus pyri) 1

    Steinobst 24 Sauerkirsche (Aculus fockeui) 10 Zwetsche/Pflaume (Aculus fockeui) 5 Zwetsche (Phytoptus similis) 7 Pfirsich (Aculus fockeui) 1 Mirabelle (ohne Angabe der Art) 1

    Beerenobst 45 Schwarze Johannisbeere (Cecidophyopsis ribis) 37 Rote Johannisbeere (Cecidophyopsis ribis) 1 Himbeere (Pbyllocoptes gracilis) 4 Brombeere (Acalitus essigi) 3

    Schalenobst 17 Haselnug (Phytocoptella avellanae) 3 Walnufl (Eriophyes erineus) 12 Walnufl (Eriophyes tristriatus) 2

    U.S. Copyright Clearance Center Code Statement: 0340--7330/83/5607--0121502.50/0

  • 122 J. SCHLIESSKEI Die wirtschaftlich wichtigsten Gallmilbenarten

    3. Symptombeschreibungen der an ObstgehiJlzen schiidigenden Gallmilbenarten

    Aufgrund der ausgewerteten Schadensmeldungen und langj~riger eigener Erfahrungen, werden die wirtschaft- lich wichtigsten Gallmilbenarten der einheimischen Obstgeh61ze anhand ihrer charakteristischen Schadsym- ptome dargestellt. Schon die Kennmis dieser Merkmale sollte den Praktiker in die Lage versetzen, bestimmte Sch~iden an seinen Obstkulturen den richtigen Verursa- chern zuzuordnen.

    In Tabelle 2 slnd zur besseren Orientierung die Wirts- pflanzen unter Angabe der dazugeh6renden Gallmilben- arten alphabetisch aufgefiihrt.

    KERNOBST Aculus scblecbtendali (Nalepa) Synonyma: Aculus malivagrans, Phyllocoptes schlechtendali, Vasates schlechtendali, V. malivagrans. Wirtspflanzen: Malus spp., Pyrus spp. Schadbild: BlOtter kriimmen sich kahnf6rmig nach unten ein und werden - - besonders auf der Unterseite - - rostig braun. Vorzeitiger Blatffall ist m6glich. An jungen B~iu- men werden bei starkem Befall die Triebspitzen gesch~i- digt (EAsTEwROOK, 1979; DAVlS u. Mitarb., 1982; FRITZSCHE, 1964; JEPPSON U. Mitarb., 1975).

    PbyUocoptes malinus Nalepa Synonyma: Cecidophyes malinus, Eriophyes malinus, Phytoptus malinus, Wirtspflanze: Malus spp. Schadbild: Auf der Blattunterseite, vonder Hauptblatt- ader ausgehend, dichter Haarfilz (Erineum), der r6tlich verfiirbt sein kann (FRITZSCHE, 1964; JEPPSON U. Mit- arb., 1975).

    Phytoptus marginemtorquens (Nalepa) Synonyma: Eriophyes mali-marginemtorquens, E. pyri margi- nemtorquem, E. pyri marginemtorquem mall, Epitrimerus piri marginemtorquens. Wirtspflanzen: Malus spp., Pyrus spp. Schadbild: Blattrand nach oben eingerollt. Die hiiufig vom Blattstiel ausgehende Rollung muf~ nicht den gesam- ten Rand erfassen. Birnenbl~itter k6nnen ein 16ffelf6rmi- ges Aussehen bekommen (FmTZSCHr, 1964; J~vVSON u. Mitarb., 1975).

    Phytoptus pyri Pagenstecher, Birnenpockenmilbe Synonyma: Eriophyes pyri (piri), Phytoptus arianus, P. aroniae, P. cotoneastri, P. sorbi. Wirtspflanzen: Amelanchier vulgaris, Cotoneaster spp., Crataegus spp., Cydonia oblonga, Malus spp., Pyrus spp., Sorbus aria, S. aucuparia. Schadbild: Auf der Blattunterseite Pocken oder Pusteln mit je einer kleinen Offnung. Die zuerst erscheinenden, winzigen Pusteln sind griin mit leicht r6tlicher T6nung. Mit zunehmender Gr6f~e werden die Pockengallen gl~in- zend rotbraun. Sp~iter, wenn das befallene Gewebe ein- trocknet, entstehen dunkelbraune bis schwarze Flecken. Auf der Blattunterseite k6nnen die geschiidigten Gewe- bezonen korkig und erhaben sein. Die Epidermis ist losgel6st und fakig. Auch junge Friichte k6nnen befallen

    Tabelle 2. Die Wirtspflanzen der im Obstbau sch~idlich werdenden Gallmilbenarten

    Amelancbier vulgaris Moench Corylus avellana L. Cotoneaster spp. Medik. Crataegus spp. L. Cydonia oblonga Mill. ]uglans regia L.

    Malus spp. Mill.

    Prunus armeniaca L.

    P. amygdalus Batsch

    P. avium L.

    P. cerasus L.

    P. domestica L.

    P. insititia L.

    P. persica Batsch

    P. spinosa L.

    Pyrus spp. L.

    Ribes alpint~m L. R. aureum Pursh R. nigrum L. R, rubrum L.

    R. sanguineum Pursh R. uva-crispa L. Rubus fruticosus L.

    R. idaeus L.

    Sambucus nigra L. S. racemosa L. Sorbus aria Crantz S. aucuparia L.

    Phytoptus pyri

    Phytocoptella avellanae Phytoptus pyri

    Phytoptus pyri Pbytoptus pyri Eriophyes erineus Eriophyes tristriatus Aculus schlechtendali Phyllocoptes malinus Phytoptus marginemtorquens Phytoptus pyri Acalitus phloeocoptes Aculus fockeui Phytoptus simitis Diptacus gigantorhynchus Acalitus phloeocoptes Aculus fockeui Aculus fockeui Diptacus gigantorhynchus Aculus fockeui Diptacus gigantorhynchus Acalitus pbloeocoptes Aculus fockeui Phytoptus similis Diptacus gigantorhynchus Acalitus pbloeocoptes Acutus fockeui Acali~us pbloeocoptes Aculus fockeui Diptacus gigantorhynchus Acalitus pbloeocoptes Aculus fockeui Phytoptus similis Diptacus gigantorhynchus Aculus scblechtendali Phytoptus marginemtorquens Phytoptus pyri Epitrimerus pyri Ceddophyopsis ribis Ceddophyopsis ribis Cecidophyopsis ribis Cecidophyopsis ribis Cecidophyopsis selachodon Cecidophyopsis ribis Cecidophyopsis ribis Acalitus essigi Phyllocoptes gracilis Acalitus essigi Phyllocoptes gracilis Epitrimerus trilobus Epitrimerus trilobus Phytoptus pyri Phytoptus pyri

    und verunstaltet Werden (FRITZSCHE, 1964; JEVVSON U. Mitarb., t975).

    Epitrimerus pyri (Nalepa) Synonyma: Epitrimerus pirifoliae, Tegonotus pyri, Trimerus pyri. Wirtspflanze: Pyrus spp. Schadbild: Im Frfihjahr werden Bliitter und Fr[ichte

  • J. SCHLmSSKE: Die wirtschaftlich wichtigsten Gallmilbenarten 123

    geschiidlgt. Hoher Milbenbesatz verursacht eine starke Briiunung der Bl~itter und ein R6teln bzw. eine rotbraune Verfiirbung der Friichte. Bei schw~icherem Besatz ist die Frucht evtl. nur am Kelchgrubenende verf~irbt. Glatt- schalige Birnensorten werden besonders stark geschiidigt (EASTERBROOK, 1978).

    STEINOBST Acalitus phloeocoptes (Nalepa), pflaumenrindengallmilbe Synonyma: Aceria phloeocoptes, Eriophyes phloeocoptes, Phy- toptus phloeocoptes. Wirtspflanzen: Prunus armeniaca, P. amygdalus, P. domestica, p. insititia, P. persica, P. spinosa. Schadbild: Im Winter unterhalb der ein- und zweij~ihri- gen Triebe kleine, bis 2 mm messende Rindengallen an den Narben von Knospenschuppen oder Bliittern; sie sind verholzt und ihre Fiirbung entspricht der der Trieb- rinde. Ab Beginn der Vegetatlonsperiode bilden sich unterhalb des Neuzuwachses neue Rindengallen, die anfangs eremefarben, dann griin und schliefllich orange- rot bis dunkelbraun gefiirbt find. Die rundlichen Gallen finden sich einzeln oder gehiiuft an der Basis der neuen Triebe oder Bl~itter (SCHLmSSKE, 1982).

    Aculus fockeui (Nalepa et Trouessart) Synonyma: PbylIocoptes fockeui, P. hockeni, Vasates fockeui. Wirtspflanzen: Prunus armeniaca, P. amygdalus, P. avium, P. cerasus, P. domestica, P. insititia, P. persica, P. spinosa u. a. Schadbild: Anfang Juni erscheinen auf der Blartoberseite (Pflaume, Zwetsche, Mirabelle, Aprikose) gelblich- griine, punktf6rmige F

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