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Öffentliche Philosophische Foren Basel [oepfel] Wachstum und Nachhaltigkeit 3. Veranstaltung Planet 13 21.01.2008 Martin Herzog www.brainworker.ch www.diskussionsforen.ch Programm und Folien unter www.diskussionsforen.ch/programm

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Page 1: Öffentliche Philosophische Foren Basel [oepfel] Wachstum und Nachhaltigkeit 3. Veranstaltung Planet 13 21.01.2008 Martin Herzog  –

Öffentliche Philosophische Foren Basel

[oepfel]

Wachstum und Nachhaltigkeit

3. VeranstaltungPlanet 13

21.01.2008

Martin Herzog www.brainworker.ch – www.diskussionsforen.chProgramm und Folien unter www.diskussionsforen.ch/programm

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Was ist Nachhaltigkeit?

Der Begriff Nachhaltigkeit stammt aus der Forstwirtschaft, wo er seit langem praktisch eingesetzt wird. Er bedeutet dort, dass nur so viel Holz geschlagen werden darf wie nachwächst. Dabei stehen unterschiedliche Verfahren zur Verfügung:

Flächennachhaltigkeit: Für jede geschlagene oder gerodete Fläche muss durch die selbe Fläche an Jungwuchs ersetzt werden (natürlich oder durch Pflanzung).

Massennachhaltigkeit: Der jährliche Zuwachs an Holz (m3) wird durch periodische Forstinventare festgestellt und entspricht dem jährlichen Hiebsatz.

Stammzahlnachhaltigkeit ("Populationskurve"): Kaum zu bewerkstelligen, da durch Sturmschäden und andere Unwägbarkeiten immer wieder Ungleichgewichte entstehen - genau wie in der humanen Population. Ist aber entscheidend bei Plenterwäldern.

Wertnachhaltigkeit: Schwierig - da bei den langen Produktionszeiträumen der Zukunftswert nur schlecht geschätzt werden kann.

Funktionale Nachhaltigkeit: Neu - und immer wichtiger - aber noch zu klären. Wird von holzproduktionsorientierter zu eher ökosystemischer Bewirtschaftung führen.

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Definition der nachhaltigen Entwicklung[Brundtland-Bericht 1987]

Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, welche weltweit die heutigen Bedürfnisse zu decken vermag, ohne für künftige Generationen die Möglichkeit zu schmälern, ihre eigenen Bedürfnisse zu decken.

Eine Perversion des Begriffes Nachhaltigkeit ist hingegen das "nachhaltige Wachstum" - besonders wenn es in Wachstumsprozenten formuliert wird: "Die Wirtschaft braucht mindestens 3% jährliches Wachstum". Es gibt nichts das immer nur wächst, konstant (d.h. linear) nicht - exponentiell noch - ohne auf Grenzen zu stossen durch Verbrauch der Ressourcen, des Raumes, durch Alter oder, last not least, durch Ersticken im eigenen Abfall was auch in der Natur vorkommt wie z.B. in borealen Fichtenwäldern deren Streuschicht ab und zu durch Waldbrände zerstört werden muss. In unserer Wachstumswirtschaft muss die Ueberproduktion ab und zu durch Kriege zerstört werden - zumindest durch Wirtschafts-Kriege.

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Wachstumsgesetzehttp://www.brainworker.ch/Wirtschaft/wachstum.htm

                                  

                                                           

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Das wünscht sich die Schweizer Wirtschaft für alle Teilnehmer:Eigenkapitalrenditen von mindestens 17% - und internationale Grösse

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Kontraproduktive Entwicklung der Wirtschaft, was Lebensqualität betrifft:

Bevölkerungswachstum, Steigerung der Produktionsfaktoren Boden und Arbeit (ev. Erdöl?) durch stärkere Ausbeutung oder kriegerische Eroberungen, längere Arbeitszeiten, spätere Pension, tiefere Löhne, höhere Aufwendungen für Arbeitsweg und Ausbildung (mehr Flexibilität), mehr Unterordnung, weniger Freiheit ... etcetc. sind eben so uninteressant was die Verbesserung der Lebensqualität betrifft, negativ, was Nachhaltigkeit angeht.                                                           

Wege zu mehr Wachstum: Krieg, Potlach, Jubeljahre oder innovative Substitution?Wenn die Nische voll ist, muss die Überproduktion vernichtet werden. Bei Sättigung wie wir sie erreicht haben, heisst die Forderung nach min. 3% Wachstum nichts anderes, als dass wir Jahr für Jahr 3% mehr Abfall produzieren und vernichten müssen. 

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I. Kondratieff: Dampfmaschine, BaumwolleWichtigste Profiteure: Konstruktionsfirmen, Produktions- und Handelsfirmen durch zeitliche Beschleunigung und räumliche Ausdehnung von Produktion und Handel

II. Kondratieff: Stahl, EisenbahnWichtigste Profiteure: Ingenieure, Kapitalisten, Handel, Tourismus, Nutzer.Diese neuen Transportmittel machten riesige Investitionen für Infrastruktur notwendig - die denen Arbeit bot, deren Arbeitsleistung eben durch die neuen Transportmöglichkeiten überflüssig geworden war, also hauptsächlich Bauern. Der Haupteffekt aber dieser Innovationen war der Nutzen dieser Infrastruktur und Transportmittel für die Ausdehnung und Beschleunigung von Handel und Produktion. Leichter, schneller und billiger zur Verfügung stehende Rohstoffe auf der einen, Absatz auf der andern Seite. On demand, on the spot. Der Raum wurde kleiner, die Zeit kürzer. Die Produktion effizienter, schneller, ohne körperliche Anstrengung.

III, Kondratieff: Elektrotechnik, ChemieWichtigste Profiteure: Ingenieure, Firmengründer, Produzenten, Händler, Nutzer.

Wirtschaftszyklen

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IV. Kondratieff: Petrochemie, Automobil. Wichtigste Profiteure: Erdöl- und Autoindustrie + Nutzer.Diese Beschleunigung durch Transporte wie durch Mechanisierung braucht, wie die Physik lehrt, Energie. Holz reichte längst nicht mehr aus. Mitte des 19. JH waren in Mitteleuropa viele Wälder in einem fürchterlichen geplünderten Zustand. Kohle, Gas und später vor allem das Erdöl lösten das Problem vorübergehend, haben aber den Höhepunkt bereits überschritten. Die grosse Hoffnung, die saubere risikofreie Fusionsenergie krabbelt immer noch auf dem Weg zum Sandkasten.

Die Sättigung des Wachstums der Automobilpopulation ist längst erreicht, was deren Auswirkungen betrifft. Sie geht in ganz Europa geht einher mit einer wirtschaftlichen Talfahrt. Der geschätzte Sättigungspunkt sei in den USA noch weiter weg und werde erst mit 173 Millionen Autos erreicht, meinte Modis vor 10 Jahren. [Die Berechenbarkeit der Zukunft. Warum wir Vorhersagen machen

können. Theodore Modis. Birkhäuser Verlag. Basel, Boston, Berlin. 1994].

Eben so wirtschaftlich fulminant wie katastrophal für Mensch und Umwelt dürfte sich die Automobilisierung Chinas erweisen.

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V. Kondratieff: (seit ca. 1970) - Informationstechnik, Computer. Der 5. Kondratieff hat sich durch zwei Effekte vor allem ausgezeichnet:

Durch eine enorme Rationalisierung der Administration und aller anderen wirtschaftlichen Tätigkeiten die mit Daten zu tun haben, also durch eine weitere Verkleinerung des Raumes und eine weitere Beschleunigung der Zeit.Durch das Aufpusten und Platzen eines enormen Spekulationsbalons betr. New EconomyDurch das Aufpusten von Finanztransaktionen und allen möglichen seltsamen Instrumenten des Kapitalmarktes, der die Substanz (diskontiert) verkauft, bevor sie da ist und Kapital gegen jede mögliche Entwicklung (hohe Zinsen, tiefe Zinsen, Kursänderungen, Rohstoffpreise, etc. absichert.

Wichtigster Profiteur: Finanzindustrie + Kapital, Forschung, Firmen, Nutzer (Wirtschafts- und Staatsbürokratie).

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VI. Kondratieff: (ab ca. 2020): Gesundheit und Bildung  - Molekulartechnik - Nanorobotik und Quantencomputer?

Auf Grund der vorhergehenden Kondratieffs können wir bereits sagen, dass die Idee, mit Quantencomputern einen Wirtschaftszyklus auslösen zu wollen sich höchstens für's Cabaret eignet. Es gibt sehr wenige Menschen die einen Supercomputer nutzen können, es ist definitiv nicht wünschbar, das jeder Gott - und an Genen rumspielt - folglich eignet er sich nicht als Basis eines Wirtschaftszyklus.Nanorobotik und Molekulartechnik sind technisch-chemische Spezialgebiete, können also neue Arten von Maschinen, von Heilmethoden, von Produktionsmethoden und Produkten liefern, aber es sieht doch eher weniger danach aus, als ob sie einige Milliarden Menschen beschäftigen könnten oder einer Mehrheit einen Nutzen bieten wie etwa eine Fertigungsmaschine, ein Auto, ein Computer. Falls damit leichter und energiesparsamer produziert werden kann, leisten sie wertvolle Beiträge an die Lösung des Energieproblems, das uns die ersten 4 Kondratieffs geschaffen haben.Bleibt also Gesundheit und Bildung. Behalten Sie's in der Kombination im Kopf, nicht reduziert auf Bildung, getreu dem Grundsatz: Mens sana in Corpore sano.

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Praktisch alle Wachstums-Vorgänge verlaufen Logistisch, durch Umwelteinflüsse wieWind, Boden, Wasser,Verbrauch des Substrates etc. bedingt: •Langsamer Anstieg (Sämling), •Langsames Wachstum als •Gebüsch•rasches Aufschiessen zu •Stangen- und Baumholz,•Alterung.

Oft ändert sich dabei aberAuch das was wächst,Im Wald z.B. von KlimaxZurück auf Lichtbaumarten,Und zu immer stärker Schattenertragenden Sukzessionen bis wieder Zum Buchen- und Fichten-Wald.

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Unterrichtswesen (Weiterbildung - Freizeit und Kultur) müsste eine gute Chance haben, da der Anteil am privaten Konsum, im Gegensatz speziell zum Gesundheitswesen, noch sehr klein ist - die Notwendigkeit sich dauern umzuorientieren, also neue Informationen, neues Wissen zu erwerben aber immer grösser wird. Dem Verkehr wünsch ich persönlich eigentlich kein Wachstum mehr ...

Wo die Schweizer Konsum-Wirtschaft wächst:

Gesundheitspflege &

Kommunikationsdienst-leistungen scheinen die Renner zu sein. Das, womit sich Immigrantenfamilien und Schweizer Kleinstunternehmen immer noch rumschlagen: Tabak (Kiosk) und Alkoholische Getränke, ist a) klein und b) gelaufen.

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Wachstum ist immer zyklisch, um präzise zu sein, eigentlich spiralig.

Wenn von Wachstum geredet wird, müssen also Wellen und Täler berücksichtigt werden.

•Wellen sind Glück: Konjunktur, Umsatz, Verdienst, Erfolg•Täler sind Unglück: Rezession, Sparen, Löhne senken, Mitarbeiter entlassen.

DAS Problem, das hier überspielt wird, sind eigentlich immer die Kosten derTäler. • Früher wurden die Bauern einfach nach Hause geschickt, wo sie noch von Subsistenzwirtschaft leben konnten.• Dann galt die Unterstützung von Familie, Clan, Freunden – was heute noch in den Meisten Ländern der 3. Welt gilt.• Dann übernahm die Arbeitslosenversicherung, also die Allgemeinheit die Kosten für die Täler, zumindest für fest Angestellte.• Zunehmend wird dieses „gegenläufige Wachstum“ aber von den Sozialämtern bezahlt.

Nach Schumpeter ist Kapitalismus schöpferische Zerstörung. Hier ist er der Planwirtschaft eindeutig überlegen, da echte Innovationen sich nicht planen lassen,sondern aus der Begeisterung von Erfindern, Bastlern, Entdeckern und Unternehmern entstehen.

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 Wachstumszwang

Der 1. Grund der zu Wirtschaftswachstum zwingt, ist der Bevölkerungszuwachs:

- denn jeder zusätzliche Bürger will konsumieren, muss also auch produzieren, um Teilhabeberechtigt zu bleiben.     

                                                                  Fragen:

•Womit verdienen sich die Konsumenten das Geld, um sich noch mehr Güter und Dienstleistungen leisten zu können?•Warum steckt unsere Wirtschaft in diesem Wachstumsproblem? Was zwingt sie zu Wachstum? •Was kann man den Konsumenten einer übersättigten Gesellschaft eigentlich noch zusätzlich an Gütern oder Dienstleistungen anbieten?

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Innovation bewirkt Wachstumszwang, denn die mit besseren Maschinen effizienter erzeugten Güter können/müssen billiger angeboten werden, also muss der mengenmässige Umsatz steigen. In der Regel wird sich eine Maschine nur lohnen, wenn die höheren fixen Kosten auf eine grössere Produktionsmenge verteilt werden können. Ungleichheit bewirkt Wachstumszwang durch Wettbewerb, denn:

einerseits will jede(r) zu den Bestbezahlten gehören, andererseits werden durch den fehlenden Penn-Effekt / Balasa-Samuelson-Effekt in Räumen mit  einheitlicher Währung - aber unterschiedlicher Produktivität, die Schwächsten schlichtweg aus dem Markt und damit aus der Existenz gedrängt.

Penn- und Balasa-Samuelson-Effekt haben also im allgemeinen zur Folge, dass man in einer wenig produktiven Gesellschaft mit weniger Geld leben kann, in einer auf Produktivität ausgerichteten aber, und das dürfte die Krux sein, viel Geld braucht - also gar nicht mehr die Wahl hat, auf Subsistenzniveau oder sonst irgendwie bescheiden zu leben. Penn- und Balasa_Samuelson-Effekt sind also gleichzeitig die Peitsche, mit der uns die Wirtschaft zu immer grösseren Anstrengungen zwingt und damit verhindert, die Früchte der Arbeit zu geniessen.

Penn- und Balasa_Samuelson-Effekt sind der schlagende Beweis dafür, dass "Wirtschaft" mit Freiheit nicht mehr am Hut als als die viel geschmähte Politik.

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Der Kampf um Marktanteile erzeugt Wachstumszwang, da jeder der Grösste sein will um möglichst von den Skalenvorteilen zu profitieren (s. economy of scale).

Dies wird durch Eroberungsdrang, protestantisches Arbeitsethos und generell durch Revierdenken und Beherrschungswillen verstärkt. (s. Macht)

Globalisierung ist nur möglich bei einer bestimmten Mindestgrösse der Teilnehmer, zwecks bargaining advantages (Mengenrabatte, Verhandlungsstärke, also Macht nicht Freiheit) oder grösserer finanzieller Spielräume.

Ausschalten der Konkursfähigkeit (s. Swissair, ABB, UBS ...)

Geldvermehrung bewirkt Wachstumszwang, da nun entweder gespart und investiert wird, oder das überschüssige Geld durch Inflation entwertet wird, was dann eben alle Kreditgeber trifft.

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Ungehemmtes, ungelenktes, ungehindertes, ungesteuertes Wachstum wird in der Biologie als Krebs bezeichnet.

Wachstum ist unsere Skylla und Charybis. Fehlendes Wachstum ist ein Problem für Wirtschaft und Gesellschaft - Wachstum aber ist ein Problem für die Umwelt! Die Erde ist beschränkt, ihre Ressourcen sind beschränkt <>aber die Wirtschaft muss auf Grund ihrer inhärenten Dynamik wachsen.

Eigentlich entsteht der Wachstumszwang aus der relativen Unzufriedenheit.

Der eigentliche Wachstumszwang entsteht also präzise aus dem, was uns die Ökonomen als Heilmittel anpreisen, aus der Konkurrenz, die Mitbewerber übertrumpfen und beseitigen will, die ihr eigenes Kapital, genau so wie einstmals die Feudalherren ihren Grund und Boden, über möglichst hohe Erträge und Zinsen vergrössern will.

Mehr Konkurrenz taugt also als Lösung von Wachstumsproblemen genau so viel, wie ein mit Benzin gefüllter Feuerlöscher zum löschen eines Feuers, oder mehr Gewehre zur Beendigung eines Krieges.

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Mehr Wachstum - weniger Glück: Liberté, Ingalité, Anxieté (oder Portemonnaie): Bedürfnisse entstehen schneller als sie befriedigt werden können. (Bosshard: Balance of Wealth) Insbesondere aber kann man Glück nicht kaufen. Die Gleichsetzung von BIP mit nationalem Glücksniveau ist irrig, warum sonst würden so viele in ärmliche Gegenden reisen wie etwa Rio, um dort am Carneval Lebensfreude zu erleben, nachSüd- und Südostasien - oder ins noch ärmere Afrika, dem wir die meisten modernen Rythmen verdanken, die Tanzenden Freude verschaffen?

Zunehmend Abnehmend

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Von Kultur war erstmals die Rede, als Menschen mittels Agri-Kultur begannen den Boden zu bearbeiten. Nach der bewussten Landnutzung zweiter Ursprung der Kultur war die Zivilisierung durch das Leben in der Stadt (civis).

Nach Kant ist Kultur die moralische Setzung und Nutzung seiner Zwecke durch den Menschen. Für Karl Jaspers (Von der Wahrheit) ist Kultur alles was der Menschengeist hervorgebracht hat, also Sprache; Gemeinschaft, Gesellschaft; Handwerk & Technik; Wirtschaft; Mythos, Religion; Sitten, Ethos; Institutionen, Staat, Politik, Recht; Kunst, Dichtung, Wissenschaft, Philosophie.

Kultur umfasst heute die ganze Pflege des Geistes, also Sprache, Religion, Ethik, Institutionen (Familie, Staat, Wirtschaft ...), Recht, Technik, Kunst, Musik, Philosophie und Wissenschaft.

Kultur dient als Orientierung und Motivation für unser Handeln.

<Nachhaltige Entwicklung> bedeutet: Kultur

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Der Uranfang aller Kultur, also der bewussten Gestaltung und Handlung, liegt allerdings noch weiter zurück, denn er liegt in der Sprache. Bereits bei Moses heisst es:

Im Anfang war das Wort, und das Wort war Gott.

Definition Logos (gr.): ursprünglich Wort, Rede, Sprache; dann Gedanke, Begriff, Vernunft, Sinn, Weltgesetz (Philos. Wörterbuch. Kröner).

Anwendungen dieser Grundsätze:.Kultur und Werte sind also keine objektiven, weltweit absolut gültigen Tatsachen -  und damit nicht Sache der Wissenschaften.

Kultur schafft Werte und Werte schaffen Kultur

(s. http://www.brainworker.ch/waldphilosophie/wertesystem.htm).

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Kultur basiert auf Werten, insbesondere auf Commitment, auf Verantwortung - d.h. auf Engagement und Verpflichtung. 

... Schön wär's! Offenbar entspricht dies schon länger nicht mehr der

Realität, denn sogar unser Kulturbegriff wurde vom wirtschaftlichen Denken

umgeprägt.

Erstens wurde Kultur reduziert auf Kunst (und allenfalls

Umgangsformen, also normiertes Verhalten, Zivilisation).

Zweitens wurde Kultur damit zum Marktprodukt das sich je länger je

mehr den Gesetzen des Mediums Geld unterordnet.

Der kulturelle Auftrag ist als ethischer Auftrag nicht zu finanzieren, denn

wer sich bezahlen lässt, lässt sich gleichzeitig kaufen. [Der wichtigste

Grund, warum Händler, wenn auch oft sehr reich, in traditionellen Kulturen

wie im Jemen, oder sogar bei uns im Mittelalter, nur geringes Ansehen

genossen.] > Grundlohn

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Kultur darf sich nicht zu sehr auf Bildung, Malerei, Literatur, Architektur

beschränken, sich verästhetisieren und völlig ätherisch werden.

Kultur muss real bleiben. Kultur ist Agri-Kultur, Sylvi-Kultur, Städtebau, Landbau,

Maschinenbau, das Werk der Ingenieure und aller aktiv Gestaltenden.

Das gegenwärtige Kulturverständnis ist zu eng, zu elitär, zu evasiv. Es kann

zu leicht als Konsumgut und Event genossen werden.

Wie man früher, als noch die Religion(en) die Kultur bestimmten, während sechs

Tagen wohlgemut sündigte, und sich am siebenten vom Pfarrer dafür beschimpfen

liess, um dann wohlgemut und gereinigt im selben Stil weiter zu machen, so wird

heute Kultur zum Konsumgut.

Descartes:

Ich denke als bin ich, wurde längst durch

Ich konsumiere, also bin ich ersetzt.

Was das kulturelle Engagement betrifft so dürfte der Leitsatz lauten:

Ich bezahle für teure Kulturevents - also bin ich kultiviert. Je teurer desto

Kultur.

                               

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Geist kann absolut frei sein, wird dann aber ab und zu als "geistesgestört" bezeichnet, wenn er sich zu weit von dem entfernt, was in der Natur zu finden ist (s. Normalität)

Natur regiert absolutistisch mit einer gewissen, d.h. beschränkten Freiheit/Varianz

Kultur ist die optimale Nutzung der Natur & die optimale Entfaltung des Geistes

Kürzestdefinition:

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Aus-Wege zu einer modernen und nachhaltigen Wirtschaft:

Strukturwandel von Durchlauf- zu Langzeitökonomie

Abnehmender Rohstoff-, Energie- und Ressourcenverzehr

Erkenntnis, dass jedes gesellschaftliche Subsystem sein eigenes

Steuermedium, sein eigenes Managementsystem und seine eigenen Regeln

braucht. Weder Geld noch Macht sind systemübergreifend zur Steuerung

tauglich.

Abnahme der Bedeutung des Steuerungsmediums Geld

Je mehr die Effizienzvorteile des kooperativen (also kollektiven) vor

dem kompetitiven (also privaten) Handeln ins Bewusstsein treten,

desto eher wird es vorstellbar, dass sich ... die Ansicht ausbreitet,

dass das unbegrenzte Wirtschaftswachstum nicht nur unmöglich,

sondern vor allem auch nicht wünschenswert ist.

Entschleunigung und Entmaterialisierung, Zähmung der Gelddynamik

Geld ohne Dauer: Gesell (Freiwirtschaft, die natürliche Wirtschaftsordung),

Steiner (assoziative Wirtschaft, Syndikalismus, soziale Dreigliederung) Ein

Weniger an Menge bedingt höhere Preise! nichts mit billig will-ig

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26http://www.diskussionsforen.ch/Freiheit/

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(Herzogs) 1. Theorem zur Überflusswirtschaft:

Es ist egal was wir produzieren - solange jemand dafür bezahlt!

Alles ist möglich, vorausgesetzt,

dass es genügend

unvernünftig ist.(Nils Bohr)

Basiert auf der wirtschaftspsychologischen Erkenntnis:

Man kann alles verkaufen, wenn es gerade in Mode ist. Das Problem besteht darin, es in Mode zu bringen.

Ernest Dichter, österr. Pionier der Wirtschaftspsychologe

Ableitung aus Herzogs Theorem der Überflusswirtschaft:

Wenn es also egal ist, was wir produzieren, wenn wir aber aus Wachstumszwang (vorerst noch) immer mehr Überflüssiges produzieren müssen, dann:

• Sollten dafür keine Ressourcen verschwendet werden, die nicht nachwachsen.

• Sollte die Produktion zumindest eben so viel Spass * machen wie der Konsum, da das Konsumpotential immer (solange wir Machtunterschiede akzeptieren) höchst ungleich und damit höchst ungerecht verteilt bleiben wird. (= Axiom der Priorität der GUTEN ARBEIT)

• Sollten die in der Produktion tätigen Menschen über genau so viele Freiheiten verfügen wie Betriebe, Konzerne und die Handelsströme an Gütern und Geld.

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1. Axiom der Freiheit in der Überflusswirtschaft: Grundlage der Freiheit ist eine gesicherte Existenz. Parteien und Personen die sich selbst als Förderer der Freiheit propagieren, sind nicht an ihren Worten, sondern an ihrem Beitrag zur Verminderung existentieller Not und Zwänge zu messen. 

Herzogs 2. Theorem zur Überflusswirtschaft:

Da es egal ist, welche Art von Überfluss wir produzieren, können wir genau so gut Überfluss erzeugen, der irgendwie sinnvoll ist, der also Natur,  Familie und Gesellschaft kultiviert (= pflegt).

Herzogs 3. Theorem zur Überflusswirtschaft:

Da unsere Wirtschaft primär Überfluss und damit überflüssige Werte erzeugt, könnten wir nebst den heute dominierenden wirtschaftlichen Werten genau so gut die ethischen Werte stärker fördern. Damit würde die Ökonomie ihrem Namen endlich wieder gerecht, der eigentlich bedeutet: "Ordnung im Hause" - nicht "Lotterie".

http://www.brainworker.ch/Wirtschaft/moderne_wirtschaft.htm