2010 Status Quo und Herausforderungen inklusiver Bildung in Deutschland

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Status Quo und Herausforderungen inklusiver Bildung in Deutschland Prof. em. Dr. Klaus Klemm Im Auftrag der Bertelsmann Stiftung Wirksame Bildungsinvestitionen

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  • Prof. em. Dr. Klaus KlemmIm Auftrag der Bertelsmann Stiftung

    Wirksame Bildungsinvestitionen

    Gemeinsam lernen. Inklusion leben.

    Status Quo und Herausforderungen inklusiver Bildung in Deutschland

  • 3Inhalt

    Vorwort 4

    Zusammenfassung 8

    1. Einleitung 12

    2. SeparierendeundinklusiveBildungundBetreuungvonKindern

    undJugendlichenEinebildungsstatistischeAnalyse 13

    3. EmpirischeBefundezudenunterschiedlichenFrderkonzepten 24

    4. Handlungsbedarf:VordringlicheManahmenundForschungsbedarf 27

    5. UntermStrich 31

    Anhang 32

    LiteraturundQuellen 48

    berdenAutor 50

    Impressum 51

    Prof. em. Dr. Klaus KlemmIm Auftrag der Bertelsmann Stiftung

    Gemeinsam lernen. Inklusion leben.

    Status Quo und Herausforderungen inklusiver Bildung in Deutschland

  • 4Vorwort

    Vorwort

    Bei ber 480.000 Schlerinnen und Schlern der Primar- und Sekundarstufe bestand im

    Schuljahr 2008/2009 ein diagnostizierter sonderpdagogischer Frderbedarf. Das entspricht

    deutschlandweitsechsProzentallerSchlerinnenundSchler.Dazukommen indenKinder-

    tageseinrichtungenundEinrichtungen derKindertagespflege rund85.000Kindermit beson-

    deremFrderbedarf.DieserGruppevoninsgesamtdeutlichbereinerhalbenMillionKindern

    undJugendlichenwidmetsichdievorliegendeStudiedesBildungsforschersKlausKlemmim

    Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Anhand vergleichender bildungsstatistischer Analysen auf

    EbenederBundeslnderzeigtdieUntersuchung,wiesichdieseKinderundJugendlichenaufdie

    einzelnenFrderschwerpunkteverteilen,wiesiebetreutundunterrichtetwerdenundwelche

    Schulabschlssesieerreichen.ImFokusstehtdabeidieFrage,wieweitDeutschlandaufdem

    WegzueineminklusivenBildungssystemvorangeschritten istbzw.welcherweiterenReform-

    manahmenesbedarf.

    DiegroeMehrheitderSchulkindermitsonderpdagogischemFrderbedarfwirdinDeutschland

    ingetrenntenFrderschulenunterrichtet(Exklusion),einigebesuchenaberauchRegelschulen

    undlernendortgemeinsammitanderenKindernohneFrderbedarf(Inklusion).Insgesamtist

    InklusionberdieBildungsbiographievonKindernhinwegunterschiedlichweitfortgeschritten.

    Whrendbundesweit imBereichderKindertageseinrichtungenein Inklusionsanteil vonber

    60Prozenterreichtwird,werdeninderGrundschulerund34Prozent,inderSekundarstufeI

    nurnoch15ProzentderKindermitFrderbedarfgemeinsammitanderenSchlerinnenund

    Schlernunterrichtet.DieseZahlenweisendaraufhin,dassderweitereAusbauinklusiverBil-

    dungsangeboteinallendreigenanntenbildungsbiografischenStationenntigist.Einbesonderes

    AugenmerksolltedabeijedochaufderSekundarstufeIliegen.DennwederfrdieKindermit

    FrderbedarfnochfrihreElternisteshinnehmbar,dassnachdemgemeinsamenUnterrichtin

    derGrundschuleeinWechselineineseparierteFrderschuleinderSekundarstufenotwendig

    wird,nurweileszuwenigeinklusivunterrichtendeSchulengibt.

    AufdemWegzueineminklusivenSchulsystemsinddieBundeslndersehrunterschiedlichweit

    vorangeschritten.DaswirdschonbeieinemBlickaufdieFrderquotedeutlich.SiegibtdenAnteil

    derSchlerinnenundSchlermitFrderbedarfanallenSchlernwiederundreichtbezogenauf

  • Vorwort

    5

    dieKlassenstufen1bis10derallgemeinenSchulenvon4,5ProzentinRheinland-Pfalzbishin

    zu11,7Prozent inMecklenburg-Vorpommern.WievieledieserKinder (ohneKindermitdem

    FrderschwerpunktGeistigeEntwicklung)inklusiveBildungsangebotenutzenknnen,weistder

    Inklusionsanteilaus.InderGrundschulehatHamburgeinenInklusionsanteilvon12,8Prozent,

    inBremenwerdenhingegenbereits90,7ProzentderGrundschlermitFrderbedarfinklusiv

    unterrichtet.InderSekundarstufeIreichtdieSpannweitevon5,7ProzentinSachsen-Anhaltbis

    zu40,2ProzentinSchleswig-Holstein.GehtmannochetwasweiterindieTiefeundnimmteine

    nachFrderschwerpunktendifferenzierteBetrachtungvor,soverstrktsichdasheterogeneBild

    derinklusivenBildunginDeutschland.WhrendbeispielsweiseimFrderschwerpunktLernen

    demmit44ProzentfastdieHlftederKindermitFrderbedarfzuzuordnensindinBremen

    ber60ProzentallerKinderundJugendlichenmitFrderbedarfinklusivunterrichtetwerden,

    liegtderInklusionsanteilinanderenLndernbeiunterfnfProzent.

    Auch in Bezug auf die Schulabschlsse, die Frderschlerinnen und -schler erreichen, gibt

    es zwischen den Bundeslndern groeUnterschiede. Bundesweit bleibtmit ber 76 Prozent

    derberwiegendeAnteildieserJugendlichenohneHauptschulabschluss.IndenBundeslndern

    reichtdieSpannweitevon56,5Prozentbis96,6Prozent.EinigeBundeslnderbietenzwaran

    FrderschuleneinengesondertenAbschlussodereindifferenziertesAbgangszeugnisan.Esstellt

    sichallerdingsdieFrage, inwieferndieseAbschlssebzw.Zeugnisseeine Integration inden

    Ausbildungs-undArbeitsmarktermglichen.MomentanhabenbereitsJugendlichemiteinem

    Hauptschulabschluss Schwierigkeiten, einenAusbildungsplatz zu bekommen. BeiAbgngern

    mitAbschlssenausFrderschulen,dieunterhalbdesHauptschulabschlussanzusiedelnsind,

    sinddaherauchdeutlicheProblemebeimbergangvonderSchule indenBerufbzw. indie

    Ausbildungzuerwarten.OhneeineAusbildungsinddieChancenaufeinedauerhaftgelingende

    IntegrationindenArbeitsmarktunddamitdieTeilhabeamwirtschaftlichenundgesellschaftli-

    chenLebenstarkeingeschrnkt.

    DamitKindernund JugendlichendiesePerspektivlosigkeiterspartbleibtundsiedie freine

    Teilhabe am gesellschaftlichen Leben notwendigenKompetenzen erwerben knnen, istmehr

    InklusionimdeutschenBildungssystemunabdingbar.NuraufdiesemWegekannesgelingen,

  • 6Vorwort

    dieZahlderSchulabgngerohneHauptschulabschlussinDeutschlanddeutlichzureduzieren

    denn ber die Hlfte dieser Jugendlichen kommt aus Frderschulen. Darber hinaus zeigen

    Studien,dassKinderundJugendlichemitsonderpdagogischemFrderbedarfzumindestim

    SchwerpunktLernenbei inklusiverUnterrichtungdeutlichbessereLernergebnisseerzielen.

    AuchdieKinderundJugendlichenohneFrderbedarfprofitierennachweislichvomgemeinsa-

    menUnterrichtsieknnensozialeKompetenzenundToleranz imtglichenAlltageinben,

    ohne in ihren fachbezogenen Schulleistungen nachzulassen. Daher muss die Devise fr bil-

    dungspolitischeReformen sein: So viel Inklusionwiemglich!Die enormeVarianz zwischen

    denBundeslndernzeigtaber:Es istnocheinweiterWeg,biswir inDeutschlandvoneinem

    inklusivenBildungssystem sprechen drfen. Zudemmacht die groeHeterogenitt zwischen

    denBundeslnderndeutlich,dassesnichtdeneinenWegzueineminklusivenBildungssystem

    inDeutschlandgebenwird.VielmehrmssendieAkteureinjedemBundeslanddievorliegende

    SituationsorgfltiganalysierenunddavonausgehenddierichtigenWeichenstellen.Sicherlich

    knnenBundeslnder,dieschonweitervorangeschrittensind,dabeiguteBeispieleliefern.Auch

    gutePraxisausandereneuropischenLndern,wieItalien,Spanienoderdenskandinavischen

    Staaten,knnenhelfen.IndiesenLndernwerdenschonjetztfastalleKinderimFrderschwer-

    punktLerneninklusivunterrichtet.

    InallenBundeslndernistesnotwendig,dassjetztderAusbauinklusiverBildungsangeboteent-

    schiedenundmitrealistischenZeitplnenvorangetriebenwird.MitderimMrz2009inKraft

    getretenenUN-BehindertenrechtskonventionhatsichDeutschlanddazuverpflichtet,eininklusi-

    vesBildungssystemzuschaffen.EsistanderZeit,dassdiedafrnotwendigenReformenangesto-

    enwerden.DerUmbauderFrderschulenwirdVernderungenimganzenBildungssystemmit

    sichbringen.FrdieBereitschaftzudiesenVernderungenmussbeiallenBeteiligtengeworben

    werdenbeiKindernundJugendlichen,Eltern,Erzieherinnen,LehrerinnenundLehrernaller

    Schulformen,PolitikundVerwaltung.WirmssenStandardsschaffenimHinblickaufdieperso-

    nelle,materielleundfinanzielleAusstattungvoninklusivarbeitendenKindertageseinrichtungen

    undSchulen.FreineguteindividuelleFrderungjedeseinzelnenKindes,frdieQualifikation

    derpdagogischenFachkrfteundfrUmbaumanahmenindenKindertageseinrichtungenund

  • Vorwort

    7

    Dr. Jrg Drger,

    Mitglied des Vorstands

    der Bertelsmann Stiftung

    Anette Stein,

    Programmdirektorin

    Wirksame Bildungsinvestitionen

    SchulenbedarfeszudemderentsprechendenfinanziellenRessourcen.Siewerdensichschnell

    frdieGesellschaftauszahlen.SchlielichsolltedieDatenlageindiesemBereichdeutlichver-

    bessertwerden,sodassderProzesswissenschaftlichbegleitetwerdenkann.

    EininklusivesBildungssystemerscheintangesichtsdervonKlausKlemmvorgelegtenAnalyse

    aktuell invielenBundeslndernnocheine rechtweit entfernt liegendeVisionzu sein.Diese

    Visioneineschancengerechtenund leistungsstarkenBildungssystems fralleKinderRealitt

    werdenzu lassen,gehrtaberzuunserenwichtigstenunddrngendstenAufgaben.Dassind

    wirallejedemeinzelnenKindschuldig,davonhngtaberauchdieZukunftsfhigkeitunserer

    Gesellschaftab.

  • Zusammenfassung

    8

    Zusammenfassung

    InDeutschlandistimMrz2009dieUN-KonventionberdieRechtevonMenschenmitBehinde-

    rungeninKraftgetreten.DamithabenKinderundJugendlichemiteinemsonderpdagogischen

    FrderbedarfeinenRechtsanspruchdarauf,gemeinsammitKindernohneFrderbedarfunter-

    richtetzuwerden.VordiesemHintergrundsowieanaktuelleDiskussioneninderKultusminis-

    terkonferenzanknpfendwilldievorliegendeStudieeinenBeitragzueineranderZielsetzung

    Inklusion orientiertenWeiterentwicklung des deutschen Bildungssystems leisten. Die dazu

    unternommenebildungsstatistischeAnalysezumaktuellenStandundzujngerenEntwicklun-

    geninklusiverBildungundBetreuungvonKinderninKindertageseinrichtungenundSchulen

    fhrtzudenfolgendenzentralenBefunden:

    ImBereichderKindertageseinrichtungenwird imVergleichzumSchulbereichmit61,5Pro-

    zenteinhoherInklusionsanteilerreicht.DieDatenzurBildungundBetreuungvonKindern

    mitbesonderemFrderbedarfinKindertageseinrichtungen(seiesinklusivoderexklusiv)ver-

    weisendarauf,dassei

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