Weitere Beitrge zur Frage der Kairener Teppiche

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  • Staatliche Museen zu Berlin -- Preuischer Kulturbesitz

    Weitere Beitrge zur Frage der Kairener TeppicheAuthor(s): K. ErdmannSource: Berliner Museen, 9. Jahrg., H. 1. (Nov., 1959), pp. 12-22Published by: Staatliche Museen zu Berlin -- Preuischer KulturbesitzStable URL: http://www.jstor.org/stable/4238176 .Accessed: 24/06/2014 23:12

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  • 12 BERLINER MUSEEN

    21. 22. 23. 25. 27. 29. 30.

    Sci Mathei apli. et evang. Sci Mauricii soc?or. qui eius

    Scor Cosmae et Damiani Sci Michael archang. Sci Iheronimi presb.

    desgl. desgl. Scae Teclae virg. Sci Firmimi ep? et mart desgl. desgl. desgl.

    1.10. Scor Remig?, Germani

    11. 14. 18. 19.

    Sci Leodegarii mart. Scae Cristinae virg. Scae Fidis virg. Scor Marcelli et Apulei et Osithae virg.

    Scor Dionisii, Rustici et Eleutherii Scae Athelburgae virg. Sci Kalixti (papae) Sci Lucae evang.

    desgl. und: Vedasti conf. desgl.

    desgl. desgl. und: Sci Marci papa ohne: Os'itha Scae Benedictae virg. et mart. desgl.

    Transi, sci Augusti epi. desgl. desgl. Scae Fredeswindae virg.

    21. 25. 26. 28. 31.

    Scar XII milia virg. Scor Crispini et Crispin?ani

    Scor ap?stol. Simonis et Judae Sci Quintini mart.

    desgl. Sci Amandi epi et conf. desgl. desgl.

    1.11. Festivitas omnium sanctorum 2. Sci Eustachii socior. qui eius

    Sci Leonardi conf. Scor quatuor coronatorum Sci Theodori mart. Sci Martini conf. sci Mennae mart. Sci Bricii epi Sci Machuti conf. Sci Amani epi

    13. 15. 17. 18. 20. 22. 23.

    24. 25. 26. 27. 29. 30.

    Sci Eadmundi regis Scae Ceciliae virg. Sci Clementis mart, scae Felicitatis virg. Sci Grissogoni mart. Scae Katerinae virg.

    Set Saturnini mart. Passio sci Andreae apost.

    desgl. desgl. und; Com. omnium fidelium def. desgl. und: Winnoc? abb. desgl. desgl. desgl.

    desgl.

    Oct. sci Martini desgl. desgl. desgl.

    desgl. desgl. Sci Lini papae Sci Maximi epi et conf. desgl. desgl.

    1.12. Scor Crisanti et Dariae 3. ? 6. ? 7. ?

    10. Scae Eulaliae virg.

    13. Scae Luciae virg.

    17. ? 21. Sei Thomae apost. 25. Nativitas dom?ni 26. Sci Stephani protomart. 27. Sei Johannis apost. et evang. 28. Scor innocentium 29. Set (. .) archiep. 31. Sci Silvestri

    Eligii epi et conf. Sei Birini epi et conf. Sei Nicholai epi et conf. Oct. sci Andreae, Savin? epi et mart.

    Scor Victorici, Fuscian?, Gentiani. Damasi papae et conf. desgl. Oct. sei Nicholai, Audeberti epi et conf. Sei Ignatii epi et mart. desgl. desgl. desgl. desgl. desgl. Sei Thomae arch, et mart, desgl.

    WEITERE BEITR?GE ZUR FRAGE

    DER KAIRENER TEPPICHE

    Keine Gattung des Orientteppichs ist in den letzten 30 Jahren so eingehend diskutiert wor- den1 wie die, die man heute als Kairener Tep- piche bezeichnet. Die Gr?nde sind verst?ndlich. Unter dem erhaltenen Material, das in den letz- ten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts gesammelt, gesichtet und 1892 von W. v.Bode in einer Form

    vorgelegt wurde2, die jeder, der mit der Materie vertraut ist, noch heute bewundert, gab es, ne- ben vielen anderen, zwei offenbar aus dem Na- hen Osten stammende Gruppen von besonderer

    Eigenart. F?r die eine blumig gemusterte hat schon Bode auf die t?rkische Hofkunst des 16. und 17. Jahrhunderts verwiesen, f?r die andere, mehr geometrisch gegliederte, dachte er an Sy- rien. Im Laufe der Zeit hat sich f?r diese die Be-

    zeichnung ?Damaskusteppiche" eingeb?rgert, w?hrend die andere als Erzeugnisse einer t?rki- schen Hofmanufaktur betrachtet wurde3. Zwei Punkte waren es, die die Aufmerksamkeit erreg- ten: 1. Damaskus kam als Produktionsort wie als Exportort der so benannten Gruppe nicht in

    Frage. 2. Trotz ihrer verschiedenen Musterung hingen die beiden Gruppen so eng zusammen, da? ihr Verh?ltnis zueinander dringend einer

    Kl?rung bedurfte. Es ist das Verdienst F.Sarre's, die ?gyptische

    Herkunft der ?Damaskusteppiche* bewiesen zu haben4. Fu?end auf seinen Ergebnissen habe ich den Nachweis erbracht, da? auch die andere

    Gruppe in ?gypten entstanden ist5. Die t?rki- sche Hofmanufaktur arbeitete also in Kairo. Ich

    schlug dabei vor, die beiden Gruppen dieser Kairener Teppiche als Mamluken- und Osma-

    1 Zu der bei K. Erdmann ?Der Orientteppich. Versuch einer Darstellung seiner Geschichte.", T?bingen 1955, S. 60 gegebenen Bibliographie sind nachzutragen: M. & V. Viale, Arazzi e Tap- peti antichi. Torino 1952, S. 209-221, Tav. 145-151 (Besprechung ?. Erdmann, Ars Orientalts VI, 1957, S. 581-585, Anm. 88-153 Abb. 10-17); Gam?l Muhammad Mehrez ?Doz Trozos de al- fombras Mamluki conservadas en el Museo de Granada*. - Re- vista del Instituto Egipcio de Estudios Isl?micos en Madrid, 1954, S. 174-192; K. Erdmann Besprechung ?Kunst des Orients" II. O.L.Z. 1956, Sp. 404/5; W. von Bode - E. K?hnel ?Vorder- asiatische Kn?pfteppiche aus alter Zeit", 4. Aufl., Braunschweig 1955, S. 64-77, Abb. 45-55; W. von Bode-E. K?hnel ?Antique rugs from the Near East", Braunschweig 1958, S. 70-83, Abb. 45-55 (Besprechung ?. Erdmann, Bibliotheca Orientalis XIII 1956, S. 204 f.; K. Erdmann Besprechung von E. K?hnel ?Ca- talogue of Cairene Rugs and others technically related", Washington 1957, in Oriens (im Druck). ! W. Bode ?Ein altpersischer Teppich im Besitz der Kgl. Mu- seen zu Berlin". Jahrbuch der Preu?ischen Kunstsammlungen XIII, 1892, S. 43 ff., S. 108 ff. s Es w?re eine reizvolle, aber heute wohl schwer noch zu l?sende Aufgabe, die Entstehung und Fixierung dieser und vieler anderer Teppichnamen zu verfolgen. 4 F. Sarre ?Die ?gyptische Herkunft der sogenannten Damas- kus-Teppiche". Zeitschrift f. Bildende Kunst XXXII, 1921, S. 75 f?. - ders. ?Die ?gyptischen Teppiche" Jahrbuch der Asia- tischen Kunst I, 1924, S. 19 ff.

    s K. Erdmann ?Kairener Teppiche". Ars Islamica V, 1938, S. 179 ff.; VII, 1940, S. 55 ff.

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  • BERICHTE AUS DEN EHEM. PREUSSISCHEN KUNSTSAMMLUNGEN ? NEUE FOLGE 13

    nenteppiche zu bezeichnen. Wenn ich damals

    glaubte, das Problem gel?st zu haben, irrte ich. 1957 brachte E. K?hnel eine wichtige Korrek- tur6 durch die Feststellung einer Filiation der Kairener Manufaktur auf in engerem Sinne t?r- kischem Boden (Istanbul oder Brussa) am Ende des 16. Jahrhunderts. In den letzten Jahren ist auch sonst so viel neues Material angefallen, da? ich mich 1958 entschlo?, eine ?bersicht ?ber den

    gegenw?rtigen Stand der Forschung auf diesem Gebiet zu geben7. Das Manuskript, das den Re- daktionstisch in Ann Arbor gerade erreicht hat, ist bereits wieder in einem Punkt korrigiert, in einem anderen ?berholt durch die beiden Funde, ?ber die ich hier referieren m?chte.

    /. Ein Fragment des Mischstils

    Das 36 cm breite und 143 cm lange St?ck

    (Abb. I)8 ist die linke obere Ecke eines Teppichs, dessen urspr?ngliche L?nge sich mit etwa 250 cm errechnen l??t, w?hrend seine Breite zun?chst

    ungewi? bleibt. Da unten rechts ein Segment des wohl kreisf?rmigen (oder doch ann?hernd

    kreisf?rmigen) Mittelmedaillons erhalten ist, l??t sich das Innenfeld rekonstruieren. Es d?rfte bei quadratischem (oder doch ann?hernd qua- dratischem) Format, das man annehmen darf, eine Gr??e von rund 110 cm gehabt haben. Damit ergibt sich f?r den ganzen Teppich (Abb. 2) eine Gr??e von etwa 250 zu 110 cm.

    Eigenartig ist, da? dem Innenfeld oben (und sicher auch unten) anders gemusterte Streifen von 40 cm Breite vorgelegt sind9, die gegen das Innenfeld durch eine schmale Leiste getrennt sind und auf die au?en die Borte folgt, deren 16 cm breiter Hauptstreifen von 4 cm breiten

    Begleitstreifen eingefa?t wird. In allen drei Teilen des Teppichs ist die Grund-

    farbe Karminrot. Das Mittelfeld ist mit gereih- ten kleinen f?nfteiligen Schirmblattstauden von alternierend mattgr?ner und hellblauer F?rbung gef?llt10, deren Richtung zwischen der vierten und f?nften und der neunten und zehnten Reihe wechselt. Die Ecken f?llen Reste eines kleinen

    kreisf?rmigen Medaillons mit drei radial ge- stellten Palmettbl?ten, von denen nur eine ganz im Feld erscheint11. Die Farbskala ist hier um

    Braun, Wei? und Dunkelblau bereichert. Vom wohl kreisf?rmigen Mittelmedaillon, dessen

    Kontur gelbbraun ist, ist so wenig erhalten, da? man nur sagen kann, da? es von der Mitte aus-

    strahlende, naturalistisch gezeichnete Bl?ten an

    Abb. 1. Teppichfragment. Berlin, Ehem. Staatl. Museen ? ?. K?hnel - L. Bellinger ?Catalogue of Cairene Rugs and others technically related", Washington, 1957. 7 K. Erdmann ?Neuere Untersuchungen zur Frage der Kai- rener Teppiche. Ein Lagebericht". (Erscheint demn?chst in Ars Orientalis.) 8 Inv. Nr. 88,146. Kette und Schu? Wolle, gr?n, bzw. ocker. Kn?pfung Wolle, in der Breite 50, in der H?he 43 Knoten, auf 1 qdm also etwa 2150 Knoten, Zahl der Farben acht. ? Quadratische Mittelfelder mit oben und unten vorgelager- ten, querrechteckigen Feldern sind ein gel?ufiges Kompositions- schema der Mamlukenteppiche. 10 ?hnliche Kompositionen kommen in den Vorstreifen der Mamlukenteppiche h?ufig vor, allerdings immer im Wechsel mit anderen Formen, wie Zypressen, Sichelbl?ttern oder Kande- laber-Stauden.

    11 Dieses Motiv kommt bei einer Reihe fr?her Osmanen- teppiche vor, so z. B. bei einem St?ck im Besitz der St?dtischen Kunstsammlungen in D?sseldorf (Abb. Erdmann a. Anm. 1 a.O. Abb. 128).

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  • 14 BERLINER MUSEEN

    Abb. 2. Vorl?ufige Rekonstruktion des Teppichs Abb. 1

    Stielen in der reicheren Farbskala der Eckf?l-

    lungen hatte. Im Zwischenstreifen alternieren achtstrahlige

    Sterne mit f?llenden einfachen Schirmbl?ttern und Quadrate mit ausstrahlenden dreiteiligen oder einfachen Schirmbl?ttern12. Die Farbskala ist auf Karminrot, Mattgr?n und Hellblau be- schr?nkt. Der Hauptstreifen der Borte zeigt eine fortlaufende braune Ranke, die Palmettbl?ten und Lanzettbl?tter in der typischen osmanischen

    12 Beide Motive sind von Mamlukenteppichen gel?ufig.

    Zeichnung und Farbgebung zeigt wie die Eck- zwickel des Feldes. Die trennenden Zwischen- streifen und die Au?enleiste links am Innenfeld

    zeigen einheitlich auf braungelbem Grund eine fortlaufende gr?ne Ranke mit hellblauen, ha-

    kenf?rmigen Abzweigungen und gestielten, ein- fachen wei?en Schirmbl?ttern13. Der Teppich

    1S Diese Form kommt fast identisch bei einem sp?ten Mam- lukenteppich im Museum f. Kunst und Gewerbe in Hamburg vor, bei dem nur die Schr?gen die Form von Sichelbl?ttern ha- ben (Abb. K. Erdmann, Kunstwanderer 1931, S. 199, Abb. 4).

    Abb. 3. Wollener Kn?pfteppich (Tischdecke), Kairo 2. H?lfte des 17. Jahrhunderts London, Victoria and Albert Museum.

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  • BERICHTE AUS DEN EHEM. PREUSSISCHEN KUNSTSAMMLUNGEN ? NEUE FOLGE 1 5

    vereinigt also Elemente der Mamlukenteppiche (Grundmuster des Innenfeldes und Muster der Zwischenstreifen und der Randleisten) mit Ele- menten der Osmanenteppiche (Borte und Eck-

    f?llung des Innenfeldes, gewi? auch F?llung des

    Mittelmedaillons), d. h. er geh?rt zu jener Misch-

    gruppe, von der ich 1940 acht Beispiele vorle-

    gen konnte14, w?hrend ich heute zweiundzwan-

    zig kenne15. Das Berliner St?ck ist an allen Seiten besch?-

    digt, so da? weder Vorstreifen noch Kantschn?re erhalten sind, was es erschwert, sich ?ber die in Abb. 2 gegebene schematische Rekonstruktion hinaus eine Vorstellung vom urspr?nglichen Aussehen des Teppichs zu machen. Wichtig ist, da? die Borte links von einer Leiste mit der glei- chen Musterung wie die der Begleitstreifen ab-

    geschlossen wird. Sie kann also nicht an den

    L?ngsseiten des Teppichs herumgef?hrt gewe- sen sein. Das ist ein Motiv, das wir vereinzelt bei Osmanenteppichen - und nur bei diesen -

    kennen16. Die n?chste Parallele bildet ein Tep- pich im Besitz des Victoria and Albert Museums

    (Abb. 3)17, der zwar sp?ter ist als der Teppich, zu dem das Berliner Fragment geh?rte, bei allen

    Abweichungen im einzelnen aber in der Gesamt-

    anlage zweifellos f?r die Rekonstruktion des Berliner Teppichs herangezogen werden darf

    (Abb. 4), der danach auch eine kreuzf?rmige Tischdecke gewesen ist18.

    Das unscheinbare Berliner Fragment ist mit- hin in mehrfacher Hinsicht interessant: 1. als weiteres und besonders deutliches Beispiel

    f?r die Mischung von Elementen der Mamlu-

    kenteppiche mit solchen der Osmanenteppiche, die beweist, da? die alten Kairener Werkst?t- ten noch eine Zeitlang weiterarbeiteten, als bereits in anderen Manufakturen der Stadt die neuen osmanischen Muster gefertigt wur- den.

    2. als neues Beispiel eines kreuzf?rmigen Tep- pichs, eines Typs, von dem wir bisher nur zwei St?cke, neben dem in Abb. 3 wiederge- gebenen Londoner ein weiteres im Museo Ci- vico von San Gimignano19, kannten.

    3. als Beweis, da? dieser kreuzf?rmige Typ in die Fr?hzeit der Kairener Produktion, d. h. etwa in die vierziger Jahre des 16. Jahrhun- derts, zur?ckreicht20.

    //. Ein datierter Osmanen-Teppich

    Der in Abb. 5 wieder gegebene Teppich (J. 15,64), der 1915 in Rom erworben wurde, hat erst in den letzten Jahren Beachtung gefun- den21. Es handelt sich um einen Gebetsteppich der Gruppe, die man fr?her als osmanische Hof-

    manufaktur, heute als Osmanenteppiche bezeich- net. Das reich gezeichnete, farbig ungew?hnlich reizvolle St?ck zeigt eine ungemusterte, oliv-

    ?T T]

    b_ -O

    Abb. 4. Endg?ltige Rekonstruktion des Teppichs Abb. 1

    gr?ne Nische, auffallend kleine Zwickel mit fein geschwungenem Kontur, gelbem Grund und dunkelroten, spiralig gef?hrten Kelchran- ken mit kleinen wei?en, hellblauen, mattgr?nen oder braunen Bl?ten als F?llung. Der breite dunkelrote Hauptstreifen der Borte zeigt Ro- settbl?ten im Wechsel mit nach au?en gerichte- ten Palmettbl?ten, die jeweils von einem Paar

    gegenst?ndiger zweifarbiger Lanzettbl?tter be-

    gleitet werden. Die den verbleibenden Grund f?llenden mattgr?nen Ranken tragen Rosett- bl?ten (wohl Nelken in Aufsicht), in Seitenan- sicht gegebene Nelken, Tulpen und Hyazinthen. Die Eckl?sung ist sorgf?ltig. Die unter sich glei- chen Begleitstreifen der Borte tragen auf eben- falls dunkelrotem Grund gereihte gr?ne Ro-

    14 a. Anm. 5 a. O. S. 71 ff. 15 a. Anm.7a.O. 18 So bei einem Teppich in der Ca d'Oro in Venedig. (Abb.

    Ars Orientalis II, 1957, S. 571, Abb. 14). Auch der von K?hnel a. Anm. 6 a. O. S. 61 als ?L?ufer* bezeichnete Teppich in Wa- shington, dessen eine Schmalseite erg?nzt ist, d?rfte eine solche ?gerahmte Borte" sein. 17 151-1883; Die Ma?e betragen nach freundlicher Auskunft von G. F. W. Digby 244 X 230 cm. (Vergi. ?. Erdmann a. Anm. 5 a. O., 1940, Abb. 15.) 18 Diese St?cke sind wohl auf abendl?ndische Bestellung ge- fertigt (das in Anm. 19 genannte St?ck tr?gt nicht gedeutete europ?ische Wappen). Die aesthetisch wenig befriedigende An- ordnung kam nicht zur Geltung, wenn das St?ck verwendet wurde, weil dann die Kreuzarme seitlich herabhingen. " Abb. a. Anm. 5 a. O. 1940, Abb. 14. Das St?ck mi?t 230:260 cm (dazu das Londoner St?ck mit 244:230 cm; das rekonstruierte Berliner mit rund 250:250 cm).

    20 Bei der Decke in San Gimignano ist die Mischung der Formelemente weniger deutlich, bei der sp?teren des V & A- Museums fehlt sie.

    21 W. von Bode-E. K?hnel: ?Vorderasiatische Kn?pfteppicbe aus alter Zeit." 4. Aufl. Braunschweig 1955, S. 72. Abb. 51. - dgl. engl. Ausgabe - Braunschweig 1958, S. 78, Abb. 51. - K. Erdmann, ?Der orientalische Kn?pfteppich. Versuch einer Darstellung seiner Geschichte." T?bingen 1955. Abb. 139.

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  • 16 BERLINER MUSEEN

    Abb. 5. Gebetsteppich. Berlin, Ehem. Staatl. Museen

    settbl?ten mit gelbem Kern. Sie werden eingefa?t von schmalen Streifen mit gereihten S-f?rmigen Ranken, die im inneren Begleitstreifen Braun-

    gelb auf Rot, im ?u?eren Dunkelblau auf Rot stehen.

    In der Mitte des Hauptstreifens der oberen Schmalseitenborte sind oberhalb der Rosettbl?te zwei Felder von 30 X 22 mm eingef?gt. Das rechte Feld ist als ?tabula ansata" gebildet, wo- bei die ?ansa" allerdings nur an einer Seite, und zwar oben, gegeben ist. Auf dieser ?tabula an- sata" erscheinen sechs Schriftzeichen, die auf der

    R?ckseite des Teppichs deutlicher zu erkennen sind als auf seiner Vorderseite. Es handelt sich in der oberen Reihe um ha, ha, ta, in der unteren Reihe um ta, b?, alif (Abb. 6). Diese Schriftzei-

    zeichen, die keinen Wortsinn haben, sind ein

    Chronogramm, das die Zahl 919 (d.H.) ergibt, was einem Datum von 1513/14 A. D. entspricht22. So fr?h kann der Teppich nat?rlich nicht sein. Es besteht aber die M?glichkeit, das erste Schrift-

    " Die Schriftzeichen wurden von J. Zick entdeckt und von E. K?hnel als Chronogramm erkannt. Die Zeichnung Abb. 6b verdanke ich Frau J. Zick.

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  • BERICHTE AUS DEN EHEM. PREUSSISCHEN KUNSTSAMMLUNGEN ? NEUE FOLGE 17

    S?? i WSItfcSiWEii?;

    ? fi"

    Abb. 6b. Desgl. Nachzeichnung

    Abb. 6. ?Tabula ansata" in der oberen Schmalseitenborte des Teppichs Abb. 5a. R?ckseite seitenverkehrt

    zeichen der unteren Reihe als ein ta zu lesen, bei dem der obere Punkt mit dem dar?berstehenden h? verbunden ist (Abb. 6b). Damit w?rde sich der Zahlen wert um 100 erh?hen. Das Hedschra-

    Jahr 1019 entspricht in unserer Zeitrechnung dem Jahr 1610/11. Dieses Datum pa?t besser, wenn man auch an sich den Teppich ein oder zwei Jahrzehnte fr?her datiert h?tte. Es ist dies der einzige mir bekannte Fall eines Chrono-

    gramms auf einem Teppich und zugleich die erste

    Datierung auf einem Osmanen-Teppich. Das der ?tabula ansata" entsprechende linke Feld hat keine ?ansa" und ist heute leer. Seine wei- ?en Knoten erwiesen sich als Ausbesserung. Nachdem sie herausgenommen waren, zeigten sich im Grundgewebe geringe Reste von schwar- zen Knoten, leider zu wenig, um eine Deutung zuzulassen. Offenbar war auch hier eine Be-

    schriftung, vielleicht ein Name, eingekn?pft, die aus uns unbekannten Gr?nden sp?ter entfernt

    wurde, worauf man das Feld ausbesserte. Der 122 X 183 cm gro?e Teppich hat nach

    den Untersuchungen von Herrn D. Lehmann seidenes Grundgewebe, und zwar eine Kette aus

    gelblicher (naturfarbener?) Seide, einen Schu? aus hellgr?ner Seide. Bei beiden haben die F?- den Z-Zwirnung. Die Kn?pfung dagegen ist aus Wolle und der einzelne Faden zeigt S-Zwir-

    nung. Die Zahl der Knoten betr?gt in der Breite

    72, in der H?he 85, auf 1 qdm, also 6100, die Zahl der Farben betr?gt acht. Der Teppich ge- h?rt damit zu einer Sondergruppe, die erst k?rz- lich zusammengestellt worden ist23. Im Textile Museum in Washington befinden sich f?nf Tep- piche bzw. Teppich-Fragmente, die nach den

    Untersuchungen von L. Bellinger die gleichen technischen Eigenarten aufweisen. Seide kommt bei Kairener Teppichen sonst nicht vor24. Au-

    Abb. 7. Ausschnitt aus einem fragmentarischen Teppich des T?rk ve Islam Eserleri M?zesi, Istanbul

    23 a. Anm. 6 a. O. S. 57 ff. 24 Sogar bei dem ganz aus dem Rahmen fallenden, in Seide

    gekn?pften Teppich aus Habsburger Besitz im Museum f?r An- gewandte Kunst in "Wien ist nur die Kette aus Seide, der Schu? aus Wolle.

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  • 18 BERLINER MUSEEN

    **a*Tr?yjrTOy^r?^ HfWVttW*

    Abb. 8. Wollener Gebetsteppich. Berlin, Staatliche Museen

    ?erdem sind die F?den in ?gypten immer in S-Form gezwirnt, w?hrend Z-Zwirnung typisch f?r Anatolien ist. K?hnel folgert daraus, da? die Teppiche dieser Gruppe au?erhalb ?gyp- tens entstanden seien und bringt sie ?berzeugend mit der bekannten Berufung von 11 Teppich- meistern aus Kairo nach Istanbul im Jahre 1585 in Verbindung. Diese brachten, wie wir wissen, ihr eigenes Kn?pfmaterial mit. Deswegen zei-

    gen die Knoten S-Zwirnung und stimmen auch farblich mit den in ?gypten gefertigten Teppi-

    chen ?berein. Das Material f?r das Grundge- webe wurde ihnen offenbar in Istanbul oder

    Brussa, wohin K?hnel die Werkstatt lokalisie- ren m?chte, zur Verf?gung gestellt und zeigt daher anatolische Z-Zwirnung. Gleiches gilt von den F?den der in Baumwolle, ein Material, das in ?gypten bei Teppichen unbekannt ist, ge- kn?pften Partien dieser Teppiche. Der Umfang der Produktion dieser Filiation der Kairener Werkst?tten lie?e sich erst ?bersehen, wenn alle

    musterm??ig mit den St?cken in Washington

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  • BERICHTE AUS DEN EHEM. PREUSSISCHEN KUNSTSAMMLUNGEN ? NEUE FOLGE 19

    Abb. 9. Osmanischer Gebetsteppich um 1600. Wien, Museum f?r Angewandte Kunst

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  • 20 BERLINER MUSEEN

    verwandten St?cke, es sind etwa 30, technisch untersucht w?ren. K?hnel nimmt an, und ich habe mich seiner Meinung angeschlossen25, da? die Werkstatt nur beschr?nkte Zeit, von 1585 bis in die ersten Jahre des 17. Jahrhunderts, t?tig war. L. Bellinger nennt auf Grund des Ma- terials in Washington als charakteristische Merk- male der Gruppe neben dem seidenen Grund-

    gewebe und der Verwendung von Baumwolle f?r die wei?en Partien der Kn?pfung, hellgr?ne Farbe f?r die Kette und rote Farbe f?r den Schu?. Die Knotendichte der von ihr untersuch- ten St?cke liegt zwischen 2640 und 411026.

    Zu diesen Feststellungen gibt der hier vorge- legte Teppich eine Reihe von Korrekturen: 1. Die Farbe von Kette und Schu? liegt offen-

    bar nicht so fest, wie es die St?cke in Washing- ton erscheinen lassen. Die Kette kann auch

    gelblich (naturf?rben?) sein und der Schu?

    hellgr?n. 2. Es gibt Teppiche dieser Gruppe, bei denen

    keine Baumwolle verwendet ist, sondern auch die wei?en Partien in Wolle gekn?pft sind27.

    3. Es gibt Teppiche dieser Gruppe, die wesentlich

    enger gekn?pft sind. 4. Zu den durch die St?cke in Washington ge-

    gebenen drei Mustern tritt, was auch K?hnel schon vermutete, als weiteres Muster der Ge-

    betsteppich. 5. Wenn die Deutung des Chronogramms auf

    1019 = 1610/11 richtig ist, hat die Werkstatt

    l?nger gearbeitet als K?hnel (und ich) annah- men, es sei denn, das hier vorgelegte St?ck sei eine der letzten ihrer Arbeiten. Da? das nicht der Fall ist, glaube ich nachweisen zu k?nnen. Sehen wir uns unter dem erhaltenen Material

    nach Verwandten unseres Teppichs um, so ergibt sich als n?chste Parallele ein leider sehr fragmen- tarischer Teppich im T?rk ve Islam Eserleri M?zesi in Istanbul28 (Abb. 7). Er hat ebenfalls eine einfarbige, olivgr?ne Nische, kleine Zwik- kel, die hier wei? sind, aber fast identische rotbraune Ranken mit winzigen Bl?ten tragen. Der Hauptstreifen der Borte, dessen Muster

    (s.u.) in Einzelheiten abweicht, ist hellblau. Die- ser Teppich hat wei?e, stellenweise leicht gr?n- liche Kette und roten Schu?, beide in Seide mit

    Z-Zwirnung. Die Kn?pfung ist in Wolle und Baumwolle, wobei Baumwolle nicht nur bei

    Wei?, sondern auch bei Hellblau vorkommt. ?ber die Dichte der Kn?pfung habe ich keine sicheren Unterlagen29. Als n?chster folgt ein wie- der nur als Fragment erhaltener Teppich im

    Kunstgewerbe-Museum in Budapest80. Seine Nische ist rot, die Zwickel sind wei? oder creme- farben, die sie f?llenden Ranken, die die gleiche F?hrung aufweisen wie bei den beiden bisher

    genannten Teppichen, sind mattblau. Der Haupt- streifen der Borte, der eine weitere Variante

    bringt (s.u.), hat gr?nen Grund. Neu sind die zierlichen S?ulen mit ihren Kelchkapitellen, perspektivisch gezeichneten Basen und geraute- ten Sch?ften, die die Zwickel tragen. Technisch wei? ich ?ber diesen Teppich nur, da? sein

    Grundgewebe aus Seide ist. Ob in der Kn?pfung Baumwolle vorkommt, ist unsicher. Nach der recht guten Farbtafel, die mir vorliegt, k?nnte es beim Grund der Zwickel der Fall sein. Von diesem Teppich ist es nur ein kleiner Schritt zu dem bekanntesten Beispiel der Gruppe, dem

    Teppich 89,156 der Berliner Museen31 (Abb. 8). Das 127 X 172 cm gro?e St?ck hat eine unge- musterte rote Nische, mattgr?ne Zwickel und eine wei?e Borte, deren Zeichnung dem Buda-

    pester St?ck weitgehend entspricht. Mit diesem hat es auch die Ecks?ulen unter den Zwickeln

    gemeinsam. Neu ist die Zwickelf?llung durch mehrere aufsteigende Zweige mit gro?en Bl?- ten. In die gleiche Gruppe geh?ren ein heute im

    Metropolitan-Museum in New York befindlicher

    Teppich mit dreiteiliger Nische32 und wohl auch ein mir nur in einem unzureichenden Klischee bekannter Teppich der Moore-Collection88.

    Bei der Frage, wie sich diese Teppiche zeitlich zueinander verhalten, helfen die einfarbigen Nischen und die Zwickel nicht viel weiter. Al- lenfalls wird man annehmen, da? das Motiv

    15 In meiner demn?chst in Oriens erscheinenden Besprechung des in Anm. 6 genannten Buches und in meinem f?r die Ars Orientalis vorgesehenen Aufsatz ?Neuere Untersuchungen zur Frage der Kairener Teppiche. Ein Lagebericht" (s. o. Anm. 7). " Ein m?t den in Washington befindlichen St?cken eng zu- sammengehendes Fragment in Berlin (J. 97,58) hat 3250 Knoten auf 1 qdm. 17 Es gibt aber, wie im folgenden gezeigt werden wird, auch Teppiche, bei denen nicht nur die wei?en, sondern auch die hellblauen Partien aus Baumwolle sind (s. u. Anm. 31), w?hrend die dunkleren Nuancen von Blau Wolle verwenden.

    18 Alte Inventar Nr. 775.

    M Meine Sch?lerin, Fr?ulein Cerare Yetk?n, der ich auch die anderen technischen Angaben verdanke, teilt mir freundlich mit, da? die Knotendichte 82 in der H?he und 75 in der Breite betr?gt, was auf 1 qdm 6150 Knoten ergibt. Sie k?nne aber nicht f?r die Richtigkeit dieser Zahlen b?rgen, da der Teppich hinterlegt sei. Knotenz?hlungen an der Oberseite eines Tep- pichs sind in der Tat sehr schwierig. Ihr Ergebnis wird aber durch den Befund des Berliner Teppichs best?tigt. " J. de Vegh - C. Layer: ?Tapis turcs provenant des ?glises et collections de Transylvanie" Paris o. J. (um 1925) Taf. XX, Gr??e 114 ? 160 cm.

    11 Das 1889 in Istanbul erworbene St?ck war 1910 in M?n- chen ausgestellt und ist mehrfach in der Literatur abgebildet und besprochen. Kette und Schu? sind aus Seide, beide mit Z-Zwirnung, die Kette teilweise gr?n gef?rbt, der Schu? rot. Die Kn?pfung hat acht Farben, von denen wei? und hellblau aus Baumwolle, alle anderen aus Wolle sind. Die Knotenzahl auf 1 qdm betr?gt rund 5500. " J.Breck-F. Morris: ?The James F. Ballard Collection of oriental rugs" New York 1923. No. 24. Das St?ck war 1907 auf der Versteigerung Chappey (Paris, G.Petit 5.-7. VI. 1907 No. 1909). Seit 1922 befindet es sich im Metropolitan Museum (Acc. No. 22.100.51). Nach den Angaben im Katalog von 1923 mi?t es 4 ft. 2" X 5 ft. 6" und hat bei seidener Kette wollenen Schu? (!?).

    MM. S. Dimand ?Oriental rugs and textiles" New York, Metropolitan Museum 1935, Exhibition Catalogue No. 14. Da- nach das Feld rot, die Borte gelb. Technische Angaben besitze ich nicht.

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  • BERICHTE AUS DEN EHEM. PREUSSISCHEN KUNSTSAMMLUNGEN ? NEUE FOLGE 21

    der Ecks?ulen, das zum erstenmal bei dem Bu-

    dapester Fragment auftritt, eine etwas sp?tere Bereicherung ist und die Zwickelf?llung des zweiten Berliner Teppichs f?r entwickelter hal- ten als die Spiralranken der ersten drei Bei-

    spiele. Aber das schwimmt zu sehr. Weiter kommen wir nur durch eine Analyse der Bor-

    ten, die bei den in Frage kommenden sechs

    Teppichen bei gleicher Grundform nicht un- wesentliche Wandlungen durchmachen. Bevor wir jedoch mit dieser Analyse beginnen, scheint es geraten, sich die Situation klarzumachen: Uns stehen heute sechs Teppiche zur Verf?gung, die bestimmt nur einen Bruchteil des einmal Vorhandenen darstellen. Gebetsteppiche dieses Musters wird es zu Dutzenden gegeben haben. Sie k?nnen Erzeugnisse verschiedener Werkst?t- ten sein und ihre Produktion kann sich ?ber einen l?ngeren Zeitraum erstrecken. Schl?sse, die wir aus den vorhandenen sechs Exemplaren ableiten, sind daher mit Vorsicht zu betrachten.

    Die Borte des datierten Berliner Teppichs (Abb. 5) zeigt im Hauptstreifen einen Wechsel von Rosettbl?ten mit nach au?en gerichteten Palmettbl?ten, eine Musterung, die innerhalb der Osmanen-Teppiche, soweit ich sehe, nur bei

    Gebetsteppichen vorkommt. Die Eckl?sung ?ber- nimmt eine Rosettbl?te. An den L?ngsseiten sind vier Palmettbl?ten und drei Rosettbl?ten, an den Schmalseiten zwei Palmettbl?ten und eine Rosettbl?te gegeben. Die Palmettbl?ten werden innen, die Rosettbl?ten au?en von Lan-

    zettblattpaaren gerahmt. Den Grund f?llt eine Ranke mit je zwei kleinen Rosettbl?ten, einer Nelke in Seitenansicht und Hyazinthen, die die Palmettbl?ten au?en flankieren. Die Rosett- bl?ten zeigen zwei nach innen gerichtete Tulpen und werden an der Innenseite von einem einzel- nen Lanzettblatt gerahmt34. Daraus ergibt sich eine reiche, in ihrem Aufbau aber etwas un- klare Musterung. Die Borte des Teppichs in Istanbul (Abb. 7) hat die gleiche Zahl von Muster- einheiten, die in derselben Form angeordnet sind, doch ist die Zeichnung dadurch vereinfacht, da? man die Lanzettblattpaare am Fu? der Pal- mettbl?ten und das einzelne Lanzettblatt an der Innenseite der Rosettbl?te weggelassen hat, so da? die verh?ltnism??ig gro? gebildeten Tul-

    pen fast bis zum inneren Begleitstreifen reichen. Das Muster ist klarer als das des Berliner Tep- pichs, aber nicht so gut ausgewogen, weil die

    Abb. 10. Anatolischer Gebetsteppich des 18. Jahrhunderts. Skokloster, Schweden. Slg. Baronin von Essen

    gereihten gro?en Bl?ten nicht mehr au?en und innen gegen die Begleitstreifen durch Lanzett- bl?tter isoliert werden. Wie eine Korrektur die- ser Form wirken die Boten des Budapester Frag- ments und des zweiten Berliner Teppichs (Abb. 8), die untereinander eng verwandt sind. Die Zahl der Mustereinheiten ist an den L?ngsseiten von sieben auf f?nf (drei Palmettbl?ten und zwei

    Rosettbl?ten) reduziert. Die Lanzettblattpaare am Fu? der Palmettbl?ten sind wieder einge- f?hrt, nicht dagegen das einzelne Lanzettblatt an der Innenseite der Rosettbl?ten. Hier wird der verbleibende Raum durch zwei Hyazinthen gef?llt, die den Hyazinthen entsprechen, die die Palmettbl?ten au?en begleiten. Das Muster, das bei dem zweiten Berliner Teppich (Abb. 8) durch dessen schlechte Erhaltung etwas gest?rt ist, kehrt bei den Teppichen im Metropolitan-Mu- seum und in der Moore-Collection wieder. Be- sonders sch?n zeigt es der bekannte Teppich aus

    Habsburger Besitz in Wien35 (Abb. 9), bei dem

    34 Das gel?ufigste Bortenmuster der Osmanenteppiche der mittleren Zeit, d. h. aus den Jahren 1550 bis 1650 (z. B. a. Anm. 1 a. O. Abb. 128-132) zeigt eine in Palmettbl?ten intermittie- rende Ranke mit kleinen Palmettbl?ten auf den Schr?gen, bei der die gro?en Palmettbl?ten an ihrer Spitze ein Lanzettblatt- paar haben, von dem je ein zweites Lanzettblatt ausgeht, das sich rahmend um die Palmettbl?ten der Rankenschr?gen legt. Vermutlich ist das einzelne Lanzettblatt, das auf unserem Teppich (Abb. 5) die Rosettbl?ten innen umfa?t, von dieser Bortenform abgeleitet.

    35 Farbige Abb. u. a. bei F. Sarre-H. Trenkwald ?Altorien- talische Teppiche" I. Leipzig 1926. Taf. 56. Ma?e : 117 X 183 cm. Gr?ne Kette, roter Schu?, beide Seide. Kn?pfung in Wolle und Baumwolle, auf 1 qdm 5600 Knoten. Von den hier besproche- nen Gebetsteppichen weicht dieser darin ab, da? seine rote Nische mit Bl?tenzweigen, wie wir sie von den Medaillon- teppichen der Osmanen-Gruppe kennen, gef?llt ist. Verwandt sind ein Teppich der Walters Art Gallery in Baltimore und ein Teppich, der 1927 als No. 501 mit der Sammlung A. Kann in Paris versteigert wurde. Beide zeigen aber andere Borten- muster.

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  • 22 BERLINER MUSEEN

    (wie eine weitere Korrektur?) die beiden Tul-

    pen an den Rosettbl?ten weggelassen werden36. Damit hat das Muster seine klassische Form ge- funden, in der es, langsam degenerierend, bei den anatolischen Gebetsteppichen, besonders der Ghi?rdes- und Milas-Gruppen37 (Abb. 10), bis in das hohe 18. Jahrhundert weiterlebt. Wenn man diesen Entwicklungsweg ?bersieht, scheint es berechtigt, trotz der im vorangehenden ge- machten Vorbehalte, den 1610/11 datierten Ber- liner Teppich an den Anfang zu stellen, was also f?r die weiteren Beispiele eine Entstehung nach diesem Datum erg?be?. k.erdmann

    DER NEUE TER BORCH

    DER BERLINER MUSEEN

    Ter Borchs charaktervolles Bildnis eines alten

    Mannes, das die Berliner Museen 1958 als Ge- schenk des Kaiser-Friedrich-Museums-Vereins erwarben, wurde von Hofstede de Groot im f?nften Band seines kritischen Verzeichnisses unter Nr. 330 beschrieben. ?ber seine ?ltere Her- kunft ist au?er den dort gegebenen Nachrichten nichts bekannt. Demnach steht lediglich fest, da? es um 1890 aus holl?ndischem Privatbesitz in die Sammlung von Chevalier Alphonse de

    Stuers, des damaligen niederl?ndischen Botschaf- ters in Paris, gelangte. Sp?tere Eigent?merin war dessen Enkelin, Gr?fin Elizabeth Oberndorf in New York. Im Katalog einer bei Sotheby in London am 4. Juli 1956 gehaltenen Versteige- rung wird das Bild unter Nr. 119 angef?hrt, kam aber bei dieser Gelegenheit nicht zum Ver- kauf (Abb. 1).

    Wahrscheinlich geh?rte einst zu diesem Por- tr?t ein Gegenst?ck, doch wie in so vielen ande- ren F?llen, ist auch hier?ber keine Sicherheit mehr zu erlangen. Als zugeh?rig k?me, nach den

    genau entsprechenden Ma?en zu schlie?en, das Bildnis einer alten Dame, das sich fr?her in der

    Sammlung Schloss in Paris befand (HdG. 405), allenfalls in Betracht; der hier in sp?terer Zeit von fremder Hand als Zimmerausschnitt nach-

    erg?nzte Hintergrund wirkt bei der Gegen?ber- stellung der Abbildungen allerdings etwas irre- f?hrend. Au?er Zweifel steht zumindest, da?

    beide Bilder ann?hernd um die gleiche Zeit ent- standen - und zwar gegen 1660. In zeitliche N?he sind eine Reihe verwandter Arbeiten des Meisters einzuordnen, unter denen das Portr?t des 1661 verstorbenen Jan Roe ver in der Ham-

    burger Kunsthalle (HdG. 261) und das beson- ders eindrucksvolle, leider w?hrend des zwei- ten Weltkrieges zugrunde gegangene m?nnliche Bildnis der Sammlung E. Arnhold in Berlin

    (HdG. 290; E. PlietzschTer Borch 1944, Abb. 46) zu nennen sind - ebenso wie das sch?ne Bildnis-

    paar der M?nchener Pinakothek (HdG. 313 und 395; Plietzsch, Abb. 62 und 63).

    Bei aller Gleichf?rmigkeit erf?llt dieser ganz schlichte Bildnistyp sowohl die Verbindlichkei- ten einer zwar sehr zur?ckhaltenden, dabei aber selbstbewu?ten, b?rgerlichen Standesrepr?sen- tation wie auch die Aufgabe individuell ausge- pr?gter Charakterschilderung. Die dargestellten Personen nehmen sich in ihrer schmucklosen, schwarzen Kleidung aus wie eine Versammlung protestantischer Kirchg?nger. Ihre Haltung ist bei aller Abgemessenheit dennoch jeweils ganz individuell. Sehr ausdrucksvoll wirkt auf dem Berliner Bild der etwas gespreizte Stand des nicht mehr ganz sicher auf seinen Beinen stehen- den, offenbar kr?nklichen, alten Mannes. Wie er die Hand vor die Brust h?lt, h?rt man ihn f?rmlich h?steln. Trotz aller Gebrechen spricht resolute Selbstbehauptung aus Habitus und Aus- druck. Gro?e Meisterschaft geh?rte dazu, solch widerstrebende Z?ge zum einheitlichen Pers?n- lichkeitsbild zu verschmelzen.

    Die beiden kurz nach dem letzten Krieg ver-

    lorengegangenen m?nnlichen Bildnisse, die das Kaiser-Friedrich-Museum einst besa?, vertraten einen etwas sp?teren Portr?ttypus Ter Borchs. Sie waren durch Ausstattungsst?cke zu Inte- rieursszenen abgerundet. W?hrend es bei Grup- penbildnissen und bei sitzend dargestellten Per- sonen gelegentlich bereits vor 1660 zur Andeu- tung von Innenr?umen gekommen war, f?llt die entsprechende Ausschm?ckung von Einzelpor- tr?ts stehender und ganzfig?rlich wiedergegebe- ner Gestalten erst in den weiteren Verlauf der

    sechziger Jahre. Das fr?heste Beispiel ist wohl das bekannte Herrenbildnis der National Gal-

    lery in London (HdG. 307; Plietzsch, Abb. 86), bei dem die exzentrische Kleidung auf eine Ent-

    stehungszeit um 1663 schlie?en l??t. Hier be- schr?nkt sich die Andeutung des Wohnraums noch auf die Wiedergabe von Tisch und Stuhl, zwischen denen der Portr?tierte aufgestellt ist. Das eine der Berliner Bildnisse (HdG. 289; Plietzsch, Abb. 75) wiederholt diese Anordnung, doch der sammetbezogene Stuhl und die Tisch- decke sind hier violett anstatt rot; die Farb-

    stimmung ist demnach ernster geworden und deutet auf eine etwas sp?tere SchafFensphase,

    M Nur an der mittleren Rosettbl?te der unteren Schmal- seitenborte kommt noch eine Tulpe vor. " Der in Abb. 10 wiedergegebene Teppich ist ein Ghi?rdes des 18. Jahrhunderts in der Sammlung der Baronin von Essen, Skokloster, Schweden, der ich f?r die freundliche Publikations- erlaubnis danke.

    88 Eine Best?tigung dieses Datums k?nnte man darin sehen, da? der Teppich des T?rk ve Islam Eserleri M?zesi in Istanbul (Abb. 7), der dem 1610/11 datierten St?ck am n?chsten steht, aus der 1609-1617 erbauten Moschee Sultan Achmed's I. stammt.

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    Article Contentsp. 12p. 13p. 14p. 15p. 16p. 17p. 18p. 19p. 20p. 21p. 22

    Issue Table of ContentsBerliner Museen, 9. Jahrg., H. 1. (Nov., 1959), pp. 1-28Eine Attische 'segment-Schale' [pp. 1-6]Bemerkungen zu Zwei Psalterien in Berlin und Cambridge [pp. 6-12]Weitere Beitrge zur Frage der Kairener Teppiche [pp. 12-22]Der Neue Ter Borch der Berliner Museen [pp. 22-25]Chronik [p. 26]Neuerwerbungen [pp. 26-28]