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  • DEM HIMALAYASO FERN

    Mit der Himalayan unternimmt Royal Enfield den Versuch, eine 25 PS starke, 200 Kilo schwere Einzylinder-Reiseenduro am deut-schen Markt zu platzieren. Auf den folgenden Seiten unternimmt MOTORRAD den Versuch, sich diesem Kraftrad in 1000 Punkten zu nhern. Ein Auszug aus dem Testtagebuch.

    Von Johannes Mller; Fotos: Jrg Knstle

    Test Royal Enfield Himalayan

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  • Tag 1: Die Royal Enfield Himalayan kommt in der Redaktion an. Un-gefragt, aber feixend bezieht die Vollgastruppe vom Schwesterheft PS Stellung: Brutales Gert. Kommst du mit so viel Leistung berhaupt zurecht? beraus witzig. Zwar bin ich durchaus Anhnger der Weniger ist mehr-Schule, doch das Weniger an Motor und Ausstat-tung drfte sich dann auch in weniger Gewicht bemerkbar machen. Hier aber trifft augenscheinlich wenig Schwung auf nicht so wenig Masse, muss ein Einzylin-der wirklich vier Zentner wiegen?

    Am Lenkerende findet sich ein Choke-Hebel, hat man lange nicht gesehen. Mar-kus Bibi Biebricher, unser Reiseonkel, will mich einnorden: Dachte auch zuerst, meine Gte, was fr eine mde Gurke. Aber letztes Jahr, bei der Ausfahrt in Indi-en, war die Himalayan ideal. Wirst sehen, ist ein prima Motorrad. Ich schiebe es auf die dnne Luft im Hochgebirge. Des Abends findet meine Partnerin: Die sieht super aus. Voll authentisch. Was ist blo mit allen los?

    Tag 2: Oh, Royal Enfield! Aus England! Nein, Indien. Eine Indian? Nein, aus In-dien. Eine Royal Enfield! Oh, wie schn! Himalayan und Redakteur stehen vor der

    Stuttgarter Filiale eines groen Zubehr-spezialisten, man fhrt denselben Dialog gefhlt zum zehnten Mal: Nein wirklich, ganz neu. Eben vom Band gerollt. Genau, Einzylinder. 411 Kubik. Ja, neuer Motor. Luftgekhlt, zwei Ventile. Lang-hub, wie frher. 25 PS. nur 4600 Euro so lauten die Antworten.

    Klar ist: Wie bei allen Royal Enfields darf man sich auch und besonders auf der Himalayan der wohlmeinenden Aufmerk-samkeit seiner Umwelt erfreuen. Nicht nur Petrolheads, auch Normalos, Kinder und Senioren umschwirren sie. Der knuffig- robuste Military-Look, das weiche Trecker-Geboller wie anno Tobak, der Name Royal Enfield fr viele pure Romantik. Ich aber wre eigentlich lieber woanders. Jens schwrmte eben noch von der H2 SX-Pr-sentation in Portugal, macht jetzt mit Kite-surfer Karsten die Ksten Sardiniens unsi-cher auf Maschinen, die vier- bis fnfmal so teuer sind wie die Himalayan. Schmie-der und Roman powercruisen irgendwo in Sdfrankreich, Peter Mayer, der Moto-cross-Haudegen, tigert durchs Atlasgebir-ge. Nur ich habe die Vergabe der heien Geschichten verpennt. Was hat man blo verbrochen, sich durch die fnfte Jahres-zeit mit dem ganzen Fasnet-Unfug und Helau-Gedns frieren zu mssen? Hoch Dino, das uns am Aschermittwoch noch einmal einen makellos sonnigen Februar-

    tag bescheren wird und die Alb auf muckelige zwei Grad einheizen soll, lsst auf sich warten.

    Tag 3: Daher darf ich die mit 40 Kilometern nahezu unberhrte Himalayan, so ist es mit dem Importeur vereinbart, weil der Produktionsplan drckt, bei Minustempe-raturen einfahren. Whrend die Kollegen im Sden auf sndhaft teuren Edeleisen ihrem Tagwerk nachgehen, tuckere ich mich unter grau grieselndem Februarhim-mel aus Neckartenzlingen ber Bempflin-gen Richtung Dettingen. Kilometerstand: 117. Keine Griffheizung.

    An sich kann das Einfahren eines neu-en Motorrads ja etwas Schnes sein. Ein beinahe intimer Akt, der die Bindung zwi-schen Mensch und Maschine erheblich frdert. Doch die Einfahrprozedur eines bei Vollgas und Nenndrehzahl 18 Kilowatt leistenden Kraftrads erfordert eine Ge-duld, die aufzubringen mir auf der fal-schen Seite des Gefrierpunkts kaum gelin-gen will. Auf ebener Flche ist bei rund 4500 Touren oder Tacho 90 Schluss, berg-auf geht noch weniger. Zapfig kneift die Albluft durch den dicksten Winterhand-schuh. Aus Justingen Richtung Schelkin-gen stellt ein Lkw ein unberwindbares Hindernis dar den berholvorgang brin-ge ich bei diesem Kilometerstand nicht bers Herz. Immerhin sitzt es sich sehr gut.

    Test Royal Enfield Himalayan

    * Herstellerangabe; Leistung an der Kurbelwelle. Messungen auf Dynojet-Rollenprfstand 250, korrigiert nach 95/1/EG, maximal mgliche Abweichung 5 %

    FahrleistungenHchstgeschwindigkeit* 127 km/hBeschleunigung0100 km/h 11,9 sekDurchzug60100 km/h 10,9 sek

    VerbrauchLandstrae 3,1 km Theor. Reichweite Landstrae 500 kmKraftstoffart Super

    Mit 26,3 PS bei 6300 Umdrehungen und 33,3 Nm bertrifft die Himalayan ihre Werksangabe leicht. Die entspannt-line-are Leistungs- und Drehmomentabgabe passt dabei schn zum Traktor-Charakter der Maschine. Dank ppiger Schwung- masse zieht der 411er zwar nicht sehr elanvoll, dafr ver-gleichsweise elastisch aus tiefstem Drehzahlkeller. Ein Eintopf wie frher, solche Motoren baut sonst keiner mehr.

    Motor

    Getriebe

    ZWECKMSSIGKEIT ALS LEITSATZ: Konstruktion und Ausstattung sind robust. Die Verarbeitungsqualitt ist teils gut (Edelstahlauspuff,

    Motorgehuse), teils rustikal. So gerade ausreichend verzgert die einfache Zweikolben-Bremse. Gut ablesbar und chic gemacht, besitzt

    das Cockpit neben Ganganzeige (und exakt acht Grad voreilender Temperaturanzeige) sogar einen echt praktischen Kompass

    -Messungen

    Motordrehzahl in 1/min x 1000

    Gesc

    hwin

    digk

    eit in

    km/h

    0 1 2 3 4 5 6 7 80

    102030405060708090

    100110120130140

    Max

    .Dr

    ehza

    hl

    2. 71

    5. 131

    1. 45

    3. 92

    4. 111

    Nenndrehzahl

    0 1 2 3 4 5 6 7 8

    5

    10

    15

    20

    25Royal Enfield Himalayan19,3 kW (26 PS) bei 6300/min33 Nm bei 5000/min

    Motordrehzahl in 1/min x 1000

    Mot

    orlei

    stung

    25

    10

    15

    30

    20

    5

    kW PS

    Royal Enfield Himalayan19,3 kW (26 PS) bei 6300/min33 Nm bei 5000/min

    0 1000 2000 3000 4000 5000 6000 7000 8000

    25

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    Dreh

    mom

    ent i

    n Nm

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  • Test Royal Enfield Himalayan

    Royal Enfield HimalayanMotorLuftgekhlter Einzylinder-Viertakt-Motor, eine obenliegende, kettengetriebene Nockenwelle, zwei Ventile, Kipphebel, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, 1 x 32 mm, Lichtmaschine 221 W, Batterie 12 V/8 Ah, mechanisch bettigte Mehr-scheiben-lbadkupplung, Fnfganggetriebe, Kette, Sekundrbersetzung 2,533Bohrung x Hub 78,0 x 86,0 mm Hubraum 411 cm Verdichtungsverhltnis 9,5:1 Nennleistung 18,0 kW (25 PS) bei 6500/min Max. Drehmoment 32 Nm bei 4500/min

    FahrwerkDoppelschleifenrahmen aus Stahl, Telegabel, 41 mm, Zweiarmschwinge aus Stahl, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis, Schei-

    benbremse vorn, 300 mm, Zweikolben-Festsat-tel, Scheibenbremse hinten, 240 mm, Einkolben-Schwimmsattel, ABS.Speichenrder mit Stahlfelgen 1.85 x 21; 2.50 x 17Reifen 90/90-21; 120/90-17; Pirelli MT 60

    Mae + GewichteRadstand 1465 mm, Lenkkopfwinkel 64,0 Grad, Nachlauf 111 mm, Federweg vorn/hinten 200/200 mm, Sitzhhe 820 mm, Gewicht vollgetankt 201 kg, Zuladung 164 kg, Tankinhalt 15,0 Liter

    Service-DatenService-Intervalle 5000 km Garantie zwei Jahre Farben Dunkelgrau, Wei Preis inkl. Nebenkosten 4599 Euro

    Schmale Taille, niedrige Rasten, gefllig hoher, nicht zu breiter Lenker, dazu eine bemerkenswert komfortabel gepolsterte Sitzbank. Sympathisch. Bei pfingen (oder Dchingen?) muss Leberkse und Kaffee her. Die Bckerin schaut mitleidig, als k-me ich vom Mond. Lchelt dann aber, als sie drauen die Himalayan erblickt. Auch ihr entgeht nicht: Dieses Motorrad umgibt sich mit der Aura des unerschtterlichen Nutzwerts. Ein Klappspaten auf Rdern. Stahl, der noch nach Stahl aussehen darf, vorne ein Schmutzfnger, der Schmutz fngt. Um den 15-Liter-Tank eine Art Sturz- und Packbgelgerst, an dem sich in Verbindung mit der krftigen Brcke hinten wohl eine indische Kleinfamilie ver-zurren liee. Erstere trgt sogar innen ver-schweite Muttern, man knnte Anbauten montieren. Dick aufgetragene, doch an-sehnliche Schweinhte, eine Badewanne

    von Kurbelgehuse, Motorschutz, Brst-Abdeckungen, sogar Edelstahlauspuff und Stahlflex. Frei liegende Schrubchen hat man nicht immer akkurat abgelngt, aber die Auspuffniete mit Zinkfarbe berpin-selt. Die Optik kommuniziert: Ich berste-he auch einen Atomkrieg. Der Stallgeruch ehrlicher Handarbeit langsam finde auch ich Gefallen an der Sache.

    Also weiter Richtung Westen: Hayin-gen, Gammertingen, Trochtelfingen. Grere Landstraen meiden, um den frostigen Griffeln und dem LS410 genann-ten sohc-Single Schonung zu verschaffen. Man sucht die Strchen kleiner und

    kleinster Kategorien, findet querfeldein Schotter- und Waldwege. Das Tempo sinkt, und es passiert etwas: Zwischen Maschine und dem groberen Terrain stellt sich eine Art Gleichgewicht ein, die Himalayan fin-det ihren Wohlfhlbereich. Bollert mit ihrer fetten Schwungmasse und langem Hub, bei 65 und Halbgas nur unwesentlich langsamer als zuvor, aber weniger ange-strengt und mit seelenschmeichelnd-klas-sischem Einzylinder-Schlag. Die bevorzug-te Bandbreite des Zweiventilers: untere Drehzahlmitte bis obere Drehzahlmitte, so etwa 2500 bis 4500 Touren. Sekundr-tugenden sind neben unbedingtem Cha-rakter seine eigentlichen Strken: leicht-gngige Kupplung, cremiges Getriebe, perfekte Ganganschlsse. Besohlt mit brasilianischem Pseudo-Stller Pirelli MT 60 (hat man auch lange nicht gesehen, funktioniert unter diesen Umstnden aber gut), im enduromigen 21- bzw. 17-Zoll-Format, umschifft die Himalayan mit gm-siger Trittsicherheit Frostaufbrche und Eisplatten. Verliert mit ihren langen 200 Millimeter Federweg auch dann nicht die Fasson,