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  • Feldmann, Klaus

    Schler helfen Schlern Schler unterrichten Schler Schler als Tutoren Schler als Lehrer.

    Institut fr Psychologie und Soziologie in den Erziehungswissenschaften, Fachbereich Erziehungswissenschaften, Univ. Hanno-ver, 2002.

    Vorbemerkungen.......................................................................................................................................... 1l. Schler helfen Schlern: Modelle und Projekte .......................................................................................... 2

    Historische und gesellschaftliche Bedingungen von Schlertutorenprogrammen ........................................ 4Amerikanische ShS-Programme................................................................................................................ 5

    Learning Tutoring Cycle von Fitz-Gibbon ............................................................................................. 5Ein ShS-Programm von Jackson und Riessmann (1977) ........................................................................ 6Tutorial Community Project .................................................................................................................. 7

    Gab und gibt es Tutorenprogramme in bundesdeutschen Schulen?............................................................. 7Bericht ber Projekte ............................................................................................................................ 7

    2. Argumente fr ShS................................................................................................................................... 8ShS fhrt zu einem Wandel des schulischen Rollensystems ....................................................................... 8ShS ist ein Schritt zur Differenzierung der Schlerrolle. ............................................................................ 9ShS hat einen positiven Einflu auf die Selbsteinschtzung und Identittsbildung des Schlers. ............... 10ShS verbessert die schulische Sozialisation. ............................................................................................ 11Welches Sozialisationspotential erschliet ein ShS-Programm?............................................................... 11Durch ShS werden zentrale Ziele sozialen Lernens fr viele Schler erreichbar. ...................................... 12ShS wandelt die Schulkultur und erffnet allen Schlern Chancen der Selbstverwirklichung.................... 13

    Gegenwrtige Schulklasse................................................................................................................... 15Emanzipatorische Verhaltensmodifikation .............................................................................................. 16ShS ermglicht eine erfolgreiche innere Differenzierung. ........................................................................ 17ShS bietet eine Lsung fr das Dilemma 'Selektion oder Frderung. ...................................................... 17ShS verndert die Einfluprozesse und Herrschaftsverhltnisse in der Schule. ......................................... 18ShS frdert die gemeinsame Professionalisierung von Lehrern, Schlern und Eltern. ............................... 19Schlertutorenprogramme leisten einen Beitrag zur berwindung der Diskrepanzen zwischen Familie und

    Schule. ....................................................................................................................................................... 203. Probleme von ShS und Einwnde von Lehrern ........................................................................................ 226. Praxis und Organisation .......................................................................................................................... 28

    Gesamtplanung....................................................................................................................................... 30Organisatorische Ratschlge ............................................................................................................... 30Programmeinfiihrung.......................................................................................................................... 31Die Leitung des Programms................................................................................................................ 32Aufgaben im Rahmen eines ShS"-Projekts......................................................................................... 32Zielsetzung ......................................................................................................................................... 33Bedingungen fr eine erfolgreiche Implementation eines ShS"-Programms........................................ 34

    Literatur ..................................................................................................................................................... 34

    VorbemerkungenDie Grundlage dieses Textes ist eine Arbeit aus der zweiten Hlfte der 80er Jahre (Feldmann 1980c). Hoff-

    nungslos veraltet? Nein! Leider und/oder glcklicherweise wirken die Idee und die Begrndungsstrukturen heute in Zeiten des Pisa-Schocks - noch berzeugender und bedeutsamer als damals. Ob sich die Realisierungschan-cen verbessert haben, wird sich erweisen.

    Die Informations- und Kommunikationstechnologien ermglichen neue Formen von Schler-Tutorenprogrammen, die erprobt werden sollten.

  • Die Namen der hier diskutierten schulischen Interaktionsform variieren: peer tutoring, Schler als Tutoren,Schler als Lehrer, Schler unterrichten Schler, Schler helfen Schlern, altersheterogene Partnerarbeit.

    Die Darstellung dieser innovativen schulischen Interaktionsform erfolgt interdisziplinr mit soziologischemSchwerpunkt. Dies ist ungewhnlich bei einem Thema, das fast immer aus pdagogischer und psychologischerSicht behandelt wird.

    l. Schler helfen Schlern: Modelle und Projekte

    Dass Schler bzw. Lernende anderen Lernenden beim Lernen helfen bzw. sie unterrichten, ist wahrlich keineinnovative Idee.

    Schon in den 70er Jahren stellte ich die Frage, warum dieses elementare Lernprinzip in Deutschland so sel-ten eingesetzt und von der Erziehungswissenschaft kaum beachtet wird.

    Dieser Text soll nun darstellen, da ShS ein bedeutsames Prinzip der Lernprozegestaltung ist, das in jederSchule oder anderen Lernorganisation einsetzbar ist

    Was heit Prinzip" der Lernprozegestaltung?

    Ist ShS- eine alternative Unterrichtsform zu Frontalunterricht, Gruppenarbeit etc.,- eine Art innerer Differenzierung,- eine Vernderung der Schulorganisation,- eine Art Frderunterricht- eine neue Form des sozialen Lernens?Man kann zweifellos noch weitere Alternativen finden. ShS ist allen genannten Kategorien in gewissem Maezuzuordnen, bzw. die Zuordnung hngt von der konkreten Durchfhrung eines ShS-Programms ab.Welche Elemente sind charakteristisch fr ShS? Das entscheidende Kennzeichen ist die Lernerorientierung.

    Schler arbeiten mit Schlern.

    Dieses scheinbar triviale Merkmal kennzeichnet zwar jeden Unterricht, doch auf den Grad der der Vernetzungder Schler-Schler-Interaktion kommt es an.

    Schler arbeiten in Klein(st)gruppen miteinander

    Im Gruppenunterricht bestehen die Gruppen in der Regel aus drei bis sechs Schlern, im ShS aus zwei Schlern.

    Ein Tutor arbeitet mit einem Schler

    Partnerarbeit in der Schulklasse ist eine Form dieser intensiven Zusammenarbeit zwischen Schlern, bei der dieWahrscheinlichkeit der aktiven Beteiligung von Schlern grer ist als bei der Arbeit in Gruppen mit drei undmehr Schlern. Doch bei ShS wird versucht, dem Schler mehr Lehrerfunktionen zu bertragen als bei Part-nerarbeit innerhalb der Klasse.

    Folglich mu gewhrleistet sein, da der Tutor mit spezifischen Lehrerkompetenzen ausgestattet ist

    Das einfachste Verfhren, diese Kompetenz bzw. den ausreichenden Kompetenzunterschied zwischen Tutor undTutorschler zu garantieren, ist der Einsatz lterer Schler, die den Stoff der jngeren Schler schon gut beherr-schen.

    Ein lterer Schler unterrichtet einen jngeren Schler.

    Doch es sind nicht nur spezifische fachliche Kompetenzen des Tutors erforderlich, sondern - wie beim Lehrer -erzieherische und soziale Fhigkeiten, um ein positives Lernklima zu erzeugen.

    Folglich mu gewhrleistet sein, da der Tutor ber erzieherische und soziale Kompetenzen verfgt, was in derRegel durch ein Tutorentraining erreicht wird.

  • Ein entscheidendes Merkmal dieses Unterrichtsprinzips ist Lernen durch Lehren.

    Die auch fr Lehrer aus ihrer Erfahrung stammende Erkenntnis, da man durch das Lehren und Unterrichtenselbst am besten lernt, konnte auch durch empirische Untersuchungen bei Schlern erhrtet werden (Devin-Sheehan 1976; Allen 1976, S. 236 ff., Fitz-Gibbon 1977). Deshalb ist es erwnscht, da alle Schler, vor allemaber leistungsschwache Schler, mglichst oft Tutorenfunktionen bernehmen.

    Dies sind m.E. die wichtigsten Elemente von ShS. Diese Schrift soll nun dazu dienen,- dieses Unterrichtsprinzip in seinen vielfltigen Mglichkeiten und Variationen vorzustellen,- die Vorteile durch die Darstellung neuerer Untersuchungsergebnisse zu beweisen,- Hilfen bei der Organisation entsprechender Projekte zu geben,- und vor allem auch die Vorurteile, die gegenber diesem - von manchen als veraltet" empfundenen - Prinzip

    bestehen, zu entkrften.

    Denn manche werden sich fragen: Warum soll ich mich gerade mit diesem Vorschlag zur Verbesserung desUnterrichts befassen und nicht mit innerer Differenzierung, offenem Unterricht, computeruntersttzem Unter-richt, Konstruktivismus, neuen Curricula etc.?

    Meine Antwort auf diese Frage lautet: Dieser Vorschlag ist ohne hohen finanziellen Aufwand durchfhrbarund vermehrt kulturelles und soziales Kapital vor allem bei denjenigen, die es dringend bentigen. Peer tuto-ring set