politikorange "fertig!"

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Erste von zwei politikorange-Ausgaben zu den Jugendmedientagen 2011 in Stuttgart

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  • Fertig!

    November 2011 Magazin zu den JugendMedientagen 2011HeRauSgegeBen von deR JugendpReSSe deutSCHLand

  • \\ 2

    Foto: Martin Knorr

  • Bettina Benzinger24 Jahre, StuttgartEkaterina Karabasheva22 Jahre, Sofia

    sind Masterstuden-tinnen im Medienbereich und haben fr euch bis

    spt in die Nacht in Echtzeit gearbeitet.

    H abt ihr schon einmal vor dem Te-lefon gesessen und auf den Anruf eures letzten Dates vom Abend zuvor ge-wartet? Wenn dieses doofe Ding einen un-schuldig und stumm anschaut. Man hofft, und wartet, und hofft, und wartet. Er kann sich in einer Minute melden. Oder in fnf. Oder 50. Oder auch erst morgen. Oder gar nicht. Wie lang fhlen sich diese Minuten an? Viel zu lang. Und wenn ihr als junge Journalisten eure Artikel bis zur Deadline fertig haben msst, eure Fakten recherchiert haben msst, wie fhlen sich die Minuten jetzt an? Viel zu kurz.

    Die Echtzeit ist realer denn je. Das Internet erzwingt Journalismus in Echt-zeit. Die Journalisten mssen flott ar-beiten knnen, immer den Nachrichten-verkehr im Auge behalten, verschiedene Informationsquellen bercksichtigen und Themen mglichst schnell umsetzen.

    Doch lasst uns kurz weg von Jour-nalismus, weg von Zeitdruckdebatten, hin zu einer ganz anderen Thematik ge-hen. Wenn man in der Informatik von

    Echtzeit spricht, dann meint man nicht die Geschwindigkeit oder die Qualitt eines Vorgangs. Es geht eher darum, dass man dessen Dauer im Voraus einschtzen kann. Betrachtet man eine Uhr, deren Zei-ger unermdlich wandern, so wei man, wann der Glockenschlag kommen wird. Pnktlich, wenn der groe Zeiger auf der Zwlf steht. Stellt man sich dagegen vor ein Telefon, wei man nicht, wie lange man warten muss, bis es klingelt. Aber wenn es klingelt, dann muss man abneh-men, also reagieren. Die Folgen sind real

    So ist es auch in unserer Gesell-schaft. Man wei nicht, wie lange es dau-ern wird, bis die nchste berichtenswerte Neuigkeit kommt und welches Ausma sie haben wird ob es ein Fukushima sein wird oder ein kleinerer Strfall, der bald in Vergessenheit gert. Aber man wei, dass man darauf reagieren muss. Denn die Medienwelt ist wie ein Telefon ohne Anrufbeantworter. Keine Nachricht nach dem Piepton. Keine Info darber, ob man etwas verpasst hat. Und wenn man nicht da war, wenn es geklingelt hat, dann ist man raus aus dem Spiel.

    So ist es eben auch im Journalismus will man drin bleiben, muss man schnell sein. Das heit aber oft fr die Journa-listen: schnelle Bearbeitung unerwarteter Themen, wenig Zeit zum Recherchieren, kaum Zeit zum Redigieren. Resultiert das in einer sinkenden Qualitt? Und bringt

    die Schnelligkeit einen besseren Service fr die Leser mit sich oder enttuscht sie mit unzureichenden Hintergrundinforma-tionen?

    Mit solchen Fragen haben sich die Diskutierenden auf der Auftaktveranstal-tung in der Carl Benz Arena auseinander-gesetzt. Vor dem mit 500 Jugendlichen ge-fllten Saal setzten Spiegel-Chefredakteur Mathias Mller von Blumencron und Joa-chim Dorfs, Chefredakteur der Stuttgarter Zeitung, Impulse fr die kommenden Tage, die euch voll bepackt mit Medien-workshops und Diskussionen spannende Einblicke in aktuelle journalistische Ent-wicklungen und Debatten bieten.

    Liebe Leserinnen und Leser, was bedeutet es fr dich, in Echtzeit zu leben? Wie viele Stunden verbringst du tglich auf Facebook? Nur, um zu erfahren, was deine Freunde machen; nur, um up to date zu sein? Wie oft checkst du auf dei-nem iPhone deine Mails, um nichts Wich-tiges zu verpassen? Du bist gehetzt. Wir alle sind gehetzt. Journalismus ist gehetzt. Journalismus in Echtzeit ist das Thema dieser Jugendmedientage in Stuttgart. Al-les schneller, mehr Output in krzerer Zeit. Fastfood-Journalismus in einer McJourna-lismus-Gesellschaft. Doch da gibt es nicht nur den Journalismus. Da gibt es die Men-schen in der Gesellschaft. Da gibt es uns. Da gibt es dich. Was bedeutet Echtzeit fr dich? Auf den JMT 2011 begleiten wir die zahl-reichen Workshops und Diskussionen, in denen ihr herausfinden knnt, was Echt-zeit fr euch bedeutet. Fast drei ganze Tage, 71 Stunden, 4260 Minuten oder ex-akt 255 600 Sekunden Echtzeit stecken in den Stuttgarter Jugendmedientagen. 255 600 Sekunden, in denen ihr die Jugendme-dientage in Echtzeit erleben knnt.

    Wir wnschen euch eine echt spannende Echtzeit und bleiben mit der politikorange dabei! Eure ChefredaktionBettina Benzinger und Ekaterina Karabasheva

    editorial

    iNhalt

    haudegen Chuck Norris wrde auch vor Twitter auf dem Tahir-Platz sein. Seite 10

    Fastfood Werden Nachrichten nur noch in bekmmlichen Hppchen konsumiert?Seite 11

    bitten wenden 10 Autos, 14 Fahrer. Und jede Menge Stress. Eine Stunde mit dem Fahrdienst. Seite 05

    dreamteam Ein Interview mit Anja Elser und Jessica Hefti, den Kpfen hinter den JMT. Seite 06

    In eIner Gesellschaft ohne anrufbeant-worter wenn eIne neuIGkeIt rauskommt, mssen dIe JournalIsten schnell darauf reaGIeren. Genauso wIe man an das telefon ranGehen soll, wenn es klInGelt. Verpasst man dIe mGlIchkeIt, Ist es zu spt. denn In der echt-zeIt GIbt es keIne zweIte chance fr dIe lanGsamen und keIne nachrIcht auf dem anrufbeantworter. von Bettina BenzingeR und eKateRina KaRaBaSHeva

    AllES FESTHAlTEN, NICHT vErPASSEN.

    3 //

    Foto: Martin Knorr

  • \\ 4

    fahr! mach mal! du machst das Gut! als besucher sIeht man dIe JuGendmedIentaGe (Jmt) als VeranstaltunG, doch was luft eIGentlIch Im hInterGrund ab? transporte und chauffeurdIenste wollen erledIGt werden. tanJa diSCHingeR beGleItete fr eInIGe stunden chrIs (23), der als fahrer beI den Jmt dabeI Ist.

    NachrichteN

    teamVorstellunG Wer sind eigentlich die Teamer und was machen sie? In der Tagungsschrift findest du auf Seite 58 & 59 die Vorstellung des Teams in Echtzeit. Verfolge die Posts am Samstag stndlich live unter www.face-book.com/jugendmedientage. Egal ob Springer, Fahrer, Teilnehmerbetreuung oder Koordination Programm. Was hin-ter den Kulissen passiert, erfhrst du am Samstag live.

    Jmt In echtzeIt-radIoHeute morgen wurdest du in der Turn-halle vom Morgenprogramm der JMT in Echtzeit Redaktion geweckt. Bei jedem Essen wird im Hintergrund das JMT in Echtzeit laufen, und dir Einblicke in das Programm liefern, Umfragen ausstrahlen und wichtige Hinweise fr die kommen-den Tage geben. Darunter auch: Was steht in der nchsten po.

    open nIGht

    medIeneInblIcke

    Nach einer langen Nacht am Donners-tag und einem anstrengenden Tag am Freitag, erwartet dich Abends das offene Programm der Open Night. Hier hast du die Gelegenheit, dich bei Stnden von Medienunternehmen informieren, bei der Poetry-Slam Bhne kreativen Kpfen zuzuhren oder mit deinen neu gewon-nenen Freunden WII zu spielen.

    Gewinne Einblicke in die Medienmacher und das kulturelle Programm von Stutt-gart. Bei den Medieneinblicken schaust du bei Radiosendern vorbei, beim Land-tag, bei der Landesbibliothek oder beim Du-Mont-Verlag. In Teams gelangt ihr zu den Medieneinblicken und wieder zurck.

    I ch durfte heute auch hinter die Ku-lissen blicken und die Logistik da-hinter erfahren. Ich treffe mich also um 11 vormittags mit Chris. Er soll von der Carl-Benz-Arena zum Bro der Jugend-presse fahren und etwas transportieren. Wir fahren also mit einem roten Liefer-wagen dorthin und ich lerne ihn etwas nher kennen. Er erzhlt mir, dass er ein freiwilliges soziales Jahr bei der Jugend-presse absolviert und bei den JTM das erste Mal dabei ist eingeteilt als Fahrer. Da man die Fahrtzeit abhngig vom Ver-kehr vorher schlecht einschtzen kann, sagt er: Alle maulen einen an: Wo bist du? oder Wo bleibt die Butter? Ich habe keine Ahnung, ich bin nur der Fah-rer! Als solcher hat er einen flexiblen Dienstplan. Ich lebe von der Hand in den Mund: Die Auftrge, die ich be-komme, schiebe ich rein. Nachdem wir durch die Stadt gefahren sind, kommen wir schlielich im Jugendpressebro an. Wir tragen nun also drei Transportw-gen in den Lieferwagen, holen noch ein Flipchart, Presseausweise und Visiten-karten und fahren alles wieder zurck zur Carl-Benz-Arena. Dort angekommen und fertig abgeladen bekommt Chris den

    Auftrag, Saskia Brauer, eine Referentin des Deutschen Journalisten-Verbandes vom Flughafen in ihr Hotel zu bringen. Dieses Mal ist unser Transportmittel ein PKW. Chris schaltet das Navi an und los gehts in eine wiederum verquatsche Autofahrt mit einem sehr sicheren Fah-rer. Angekommen am Flughafen, betre-ten wir die Eingangshalle und warten am Terminal auf die Referentin, von der Chris sagt, dass er sie nicht kenne, nur wisse, dass er sie holen msse. Das ko-mische Gefhl, das er beim Warten im Magen hat, liegt aber nicht an der Aufre-gung und Ungewissheit, sondern daran, dass er schlichtweg Hunger hat. Es ist schlielich mittlerweile schon nach 14 Uhr. Nachdem wir Frau Brauer empfan-gen haben, bringt Chris sie zum Auto, whrend ich das Parkticket lse. Die Fahrt verluft ziemlich zgig und ist be-gleitet von Gesprchen zwischen Chris und der Referentin. Als wir das Hotel erreicht haben, checkt Frau Brauer ein und ein weiterer Referent kommt an die Rezeption. Er solle sich um 16 Uhr in der Carl-Benz-Arena einfinden. Diese Fahrt berschneidet sich allerdings mit Chris nchsten. Er erledigt einige Telefonate,

    muss improvisieren, damit er den Herrn zur Carl-Benz-Arena bringen kann und organisiert fr seine darauffolgende, ge-plante Fahrt schlielich Ersatz. Hektisch fahren wir vom Hotel los, um rechtzeitig zur Arena zu gelangen. Natrlich stecken wir mitten in einem Stau und die Zeit wird knapp. Chris meint dazu: Stuttgart ist schwbisch und Schwaben sind spar-sam auch an den Straen. Obwohl Chris sich nun im Zeitdruck befindet, bleibt er relativ gelassen und schafft es sogar noch bis fnf Minuten vor 16 Uhr in die Arena. Whrend des Staus uerte sich der chauffierte Referent zu Chris:

    Fahr! Mach mal! Du machst das gut! und genau das hat Chris.

    erzhlca