Ist die Förderung ökologischer Untersuchungen „indifferenter” und „wirtschaftlich kaum beachtenswerter” Insektenarten wirtschaftlich vertretbar?

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  • 118 A . BRAUNS : Ist die Forderung okologisclter Lntersuchungen u .w .

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    Ist die Forderung okologiseher Untersuehungen,,indifferenter" and wirtschaftlich kaum beachtens-werter" Insektenarten wirtschaftlich vertretbar?

    Von Dr. rer . nat . A . BRAUNS, Hams. Miinden

    Die Formulierung des Themas fir diese AusfiihrungenmuS zunachst fur jeden Wissenschaftler befremdend sein .Die wissenschaftliche Forschungsarbeit darf an sich nichtdanach beurteilt werden, .,inwieweit sin wirtschaftlicherNut3en davon eu erwarten ist" (vgl. HAHN, 1952). Es kannalso leidit durch die Stellung einer derartigen Fragc iiber-haupt der Eindruck erweckt werden, als ob die Forderungokologischer Untersuchungen .,indifferenter" and .,wirt-schaftlidr kaum heachtenswerter" Insektenarten nur danngegeben sci. wenn damit ein ausgesprochener Nut3en fiirdie praktische Wirtsehaft verbunden ist. Nun ist zweifel-los der Land- and Forstwirtschaft insofern nosh ein ge-wisses Redrt auf seordringiiche Behandlung anstehenderFragen einzuraumen, well auf diesen wirtschaftlichen Sek-toren sich das Auftreten wirtschaftlidter Grollschadlingein kiirzester Zeit derart katastrophal bemerkbar machenkann - es sei nur an das Borkenk5ferauftreten in denersten Nachkriegsjahren erinnert - dali von Sciten derPraxis die wissenschaftliche Bearbeitung dieser Artenallein fiir erforderlich gehalten wird, um zu einer baldigenEinschrankung der Sdtaden durch entsprechende Gegen-maBnahmen zu kommen . Auch die wissenschaftliche Be-arbeitung der in den 1el5ten Jahrzehnten neu auftretendenSduiidlinge, deren Massenvermehrung nicht so plot3licheinsebt and zumeist auch nidtt das Ausmal der bekanntenklimatisch sensiblen Arten erreicht . .. . . side vielmehrdurch anhaltende, fiber die Norm hinausgehende Uber-vcrmehrung hemerkbar" macht (vgl . GbSSWALD, 1952),wird allenfalls von der Praxis noch anerkannt, da derimmerhin sich stark summierende Zuwachssehaden etwain einem forstlichen Bestande schliel3lich auffallt, and eineAhwendung dieser den Zuwachs hemmenden Faktorenvom wirtschaftlichen Standpunkt aus vertretbar erscheint .

    Eine Unterstli ung alter jener Untersuchungcn, diesidr mit der Okologie ausgesprochen wirtsehaftlich gleidr-giiltiger Insektenarten befassen, wird unter den augen-blicklich herrschenden, wirtschaftlichen Verhaltnissen vonder Praxis gelegentlich fur unverantwortlich gehalten .Jch halte es daher an der Zeit, so weit es im enggestetk-ten Rahmen mi5glich 1st, cult cinigen Iiinweisen Tatsachenherauszustellen, die 9m Gegensat3 zu dieser zumindest ein-scitigen Einstellung zeigen mogen, da13 es dringend erfor-

    derlich ist, Forschungen in dieser Richtung auszubauenand dal3 selbst derartige Forschungen let3ten Endes, wennsuch die Ergebnisse erst in einigen Jahren sichtbar wer-den. der Praxis vollauf zugute kommen .

    Zuvor mag nadageholt werden, was zur Begriffserkla-rung der ;,wirtschaftlichen Indifferenz" noch zu sagen ist,veil dieser Begriff vielfads tnrterschiedlidi angewendetwird. Einmal zahlt man zu dieser Gruppe jene Insekten-arten, die wirtschaftlidi vollig gleichgiiltig sind . Anderer-seits versteht man darunter bisweilen auch jene Insekten,die gewisse Schaden verursadren ; das Ausmal3 ihrer Schad-wirkungen ist aber so gering, daU man ihr Auftreten zwarverfolgt, irgendwelche GcgenmaBnahmen bisher jedochnirgends erforderlich wurden. In legterem Falle kann manstreng genommen eigentlich nicht mehr von einer ,wirt-schaftlichen Indifferenz" sprechen . Vielleicht kdnntendiese Arten als wirtschaftlich kaum beachtenswert" be-zeichnet werden . Im folgenden rind beide Gruppen zurvereinfachten Behandlung der mit der Ersdreinung derIndifferenz" verkniipften Fragen zusammengefaut .

    Bei dem Problem der Indifferenzz haben wir es nunmehrzweifellos mit einer Frage zu tun, die zur Ldsung desProblems der rhythmisdren Schwankungen in der Starkedes Auftretens der prim5ren Schadinsekten viol beizu-tragen vermag . So folgerte idi schon in einer friiherenVeroffentlichung : ,Die weitere Untersuchung dieser ur-sachlichen, zu einer Kalamitat fiihrenden Faktoren istnotwendig, da andere nidrt sclten im gleichen Biotop vor-kommende verwandte Arten nicht zu Massenvermehnm-gen neigen bzw . hither nods nidrt schwcre wirtschaftlicheSchaden verursacht haben" (BRAUNS . 19 .11 ; pag . 65) . THA-L.ENHORsT (1952) stellt semen Untersuchungen fiber dieNematinen des Siidharzes ahnliche Forderungen voran,wenn er sagt : .,Die Kenntnis der Dynamik des Massen-wedrsels von Schadinsekten mul3 vertieft werden durdrUntersudhungen fiber die Bevolkerungsbewegung von In-sekten a u I3 e r h a I b der eigentlichen Mass envermehrun-gen". In dieser Ilinsicht halt er dann Untersuchungeneines Sdradlings zeitlidr zwischen den Gradationen eiderraumlich auf3erhalb seines Massenwechselgebictes fiir ge-gehen, um lct;tlich aber auch anzufiihren eine einerSdradling systematisch and okologisch nahe verwandte

  • E . ScHthuTscHEK : Stephanopachys substriatus Payk . . (Bostrychidae) als Zerstorer von Fichtengerbrinde

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    Insektenart, die nur ausnahmsweise oder gar nicht zuMassenvermehrungen neigt".

    Wahrend man bci einer Ausdehnung zielgerichteterUntersuchungen auf (lie Verbreitung and Biologic wirt-sdiaftlich gleiehgultiger Arten also den Faktorenkomplexder Entstehung der lnscktenkalamitaten zu analysierenversuchen wird, ist die Bedeutung eines Ausbaues wissen-schaftlicher Untersuchungen auf die K r a n k h e i t e njener Arten fur die Erarbeitung artspezifischer Bekiimp-fungsma8nalinien vielleicht noch griiler . Die neuen orga-nisdien Gifte zur Bekampfung schadigender Insekten andihrer Larven- bzw. Raupenstadien haben einen wahrenSiegeszug angetreten ; trot3dem ist die biologische Schad-lingsbekampfung nicht als iiberholt zu betrachten . Dieneuerlichen Erfolge auf diesem Gebiet in au8creuropa-ischen Landern (vgl . FRANZ, 1951 b) and die dort vorbild-lidi sich zeigende Aufgeschlossenheit bei dcr Schaffungmoderner Forschungsstatten Air diesen Forschungszweig(vgl . FRANZ . 1951 a) mussen dock zu denken geben. Vorallem die neuerdings gelegentlich zu beobachtende Ent-stehung gift resisten ter Rassen ist ein Zeichen dafur, da13wir den Ausbau biologisdier Bekampfungsmafhnahmenneben der Entwicklung spezifischer Giftstoffe nicht ver-nachlassigen durfcn. Ohne die Bedeutung von Untersu-chungen hei wirtschaftlich gleichgultigen Insektenarten indieser Hinsicht his in alle Einzelheiten beleuchten zu kon-rten, sei es in diesern Zusammenhange erlaubt, zumindestauf zwei Mdglichkeiten hinzuweisen .

    Trot3 erheblicher Skepsis von Seiten der Wissenschaf t-ier and Praktiker, dal sick die kunstliche Erregung vonPolyederkrankheiten bei Insektengradationen kaum wiir-de verwirklichen lassen (siche Angaben bei BRAUNS, 1951u . 1953), beriditet schon 1945 BALCH nach FRANZ (1951b)iiber Versuche zur kunstlichen Verhreitung and Aufbe-reitung infektiiscr, wasseriger Ausziige polyederkrankerLarven der Fichtenblattwespe Gilpinia (Diprion) herey-niae Htg. Es zeigte side, dab die Infektion von neuge-schaffenen Krankheitsherden aus, die innerhalb seudien-f r e i e r Fraligehiete lagen, schnell weiterwanderte. Esblieb zwar (!in kleiner Bestand iihrig, der von der Polye-drose nicht vernichtet wurde bzw . die Seudre uberstand .Bei gelegentlidier Steigerung der Populationsdichte

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