die neo-grice’sche theorie der implikaturen

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Optimalit tstheorie und Pragmatik Kompaktseminar an der Universit t Wien Sommersemester 2005 Manfred Krifka Die Neo-Gricesche Theorie von Implikaturen nach Larry Horn und Stephen Levinson. Die Neo-Gricesche Theorie der Implikaturen. - PowerPoint PPT Presentation

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  • Optimalittstheorie und Pragmatik

    Kompaktseminar an der Universitt WienSommersemester 2005Manfred Krifka

    Die Neo-Gricesche Theorie von Implikaturen nach Larry Horn und Stephen Levinson

  • Die Neo-Gricesche Theorie der ImplikaturenDie Konversationsmaximen von Grice sind wenig systematisch.Versuche, eine weitgehende Systematisierung einzufhren: Neo-Gricesche AnstzeJay D. Atlas & Stephen Levinson (1981), It-clefts, informativeness, and logical form: radical pragmatics. In Peter Cole (ed.), Radical pragmatics 1-61. New York.Laurence Horn (1984), Toward a new taxonomy for pragmatic inference: Q-based and R-based implicature, in D. Schiffrin (ed.), Meaning, form, and use in context: Linguistic appications, Georgetown University Press.Economy and redundancy in a dualistic model of natural language, in @ (CD)Stephen Levinson (2000), Presumptive Meanings.Cambridge University Press. (teilwiese auf CD)

  • Horn: Sprachliche konomieprinzipienZwei antagonistische Prinzipien:Sprecher-konomie: Krze des Ausdrucks.Hrer-konomie: Verstndlichkeit des Ausdrucks.Vorlufer dieser Idee:Hermann Paul (1880) Prinzipien der Sprachgeschichte: Sparsamkeit des Ausdrucks 218. Die sparsamere oder reichlichere Verwendung sprachlicher Mittel fr den Ausdruck eines Gedankens hngt vom Bedrfnis ab. Es kann zwar nicht geleugnet werden, dass mit diesen Mitteln auch vielfach Luxus getrieben wird. Aber im Grossen und Ganzen geht doch ein gewisser haushlterischer Zug durch die Sprechttigkeit. Es mssen sich berall Ausdrucksweisen herausbilden, die nur gerade so viel enthalten, als die Verstndlichkeit fr den Hrenden erfordert. Paul Zipf (1935): The psycho-biology of language. New York: Houghton-Mifflin (1949): Human behavior and the principle of least effort. Cambride MA: Addison Wesley. Force of Unification, Speakers Economy (= Principle of least effort) Force of Diversification, Auditors EconomyAndr Martinet (1962), A functional view of language, conomie discursive vs. conomie mmorielle:In order to understand how and why a language changes, the linguist must keep in mind two ever-present and antinomic factors: first, the requirements of communication, the need for the speaker to convey his message, and second, the principle of least effort, which makes him restrict his output of energy, both mental and physical, to the minimum compatible with achieving his ends. (139)Caroll & Tanenhaus (1975) Prolegomena to a functional theory of word formation, CLS Functionalism The speaker always tries to optimally minimize the surface complexity of his utterances while maximizing the amount of information he effectively communicates to the listener.

  • Zipf: Law of AbbreviationKonsequenz des antagonistischen Verhltnisses Unification / Diversification: Gesetz der Abkrzungen. High frequency is the cause of small magnitude(...) A longer word may be truncated if it enjoys a high relative frequency [either] throughout the eintire speech community [or] if its use is frequent within any special group. (1935, 31-32).Grund: hufige Ausdrcke werden vom Sprecher eher erwartet, es gengen also krzere Zeichen. Anwendung bei Zipf vor allem Wortlnge: Abkrzungen von gebruchlichen Ausdrcken: Automobil zu Auto, Facsimile zu Fax, etc. Statistische Tendenz: Hufigkeit von Wrtern korreliert invers zu Lnge Beispiel: Zipfs Korpusuntersuchung zum Deutschen, Korrelation Silbenzahl von Wrtern - Tokenfrequenz

    SilbenzahlFrequenz15.426.32623.156.44831.410.4944646.9715187.738654.436716.99385038912251046111591235138142151

  • Weitere Evidenz fr Korrelation Krze / Hufigkeit Fidelholtz (1975): Word frequency and vowel reduction in English, CLS Hufige Wrter haben reduzierte Vokale / sekundre Akzente:astrnomy / gstrnomymistke / mstok, trmbne / trombne, ustrlia / austrliaMarkiertheitsumkehrung durch Vertrautheit: guitar / electric guitar =>acustic guitar / guitarTzeltal: Reh/ Schaf: Vor Kolonialzeit:cih / Kolonialzeit:cih / tunim cih Wollreh Heute:te?tikil cih Wildes Schaf / cihDiachroner Prozess der Grammatikalisierung: -- Ausdrcke bekommen allgemeinere, grammatische Bedeutung -- Sie werden dadurch hufiger -- ihre phonologische Form wird reduziertvgl. vier-teil => vier-tel

  • Die pragmatische Arbeitsteilung nach Horn:Das Q-Prinzip: Mache deinen Beitrag hinreichend fr das Verstndnis des Hrers; sage so viel du sagen kannst.(Hrer-konomie; die erste Submaxime der Quantitt)Das R-Prinzip: Mache deinen Beitrag notwendig fr das Verstndnis des Hrers; sage so viel du sagen mut (um noch verstanden zu werden). (Sprecher-konomie; betrifft Relevanzmaxime, Modalittsmaxime und die zweite Submaxime der Quantitt)Das Q-Prinzip fhrt zu Implikaturen, die mehr Information ausschlieen; die Aussage p implikatiert hchstens p Beispiel: Skalare Implikaturen.Das R-Prinzip fhrt zu Implikaturen, die mehr Information geben; die Aussage p implikatiert mehr als pHorn bezeichnet dies als Division of pragmatic labor: Das Zusammenspiel der beiden Prinzipien determiniert die Konversation.Und er weist auf antike Vorbilder hin:Aristoteles, Rhetorik 3.12-16: Wenn es weitschweifig ist, ist es nicht klar, und auch nicht, wenn es zu kurz ist. Der Mittelweg ist angemessen (...) gerade so viel zu sagen, um die Gegebenheiten deutlich zu machen.

  • Das R/I-Prinzip nach LevinsonLevinson (1987, 2000): I-Prinzip (fr Informations-Anreicherung durch Adressaten):Sprechermaxime: Minimalisierung, Sage so wenig wie ntig!, produziere gerade die linguistische Information, die ausreicht, um den kommunikativen Zweck zu erfllen.Adressatenmaxime: Anreicherung, Maximalisierung, Finde die am meisten spezifische Information, im Hinblick auf den kommunikativen Zweck.Im Folgenden spreche ich von I-Implikaturen die im Gegensatz stehen zu Q-Implikaturen.

  • Beispiele fr I-ImplikaturenIndirekte Sprechakte:Kannst du mir das Salz reichen?Wrtliche Bedeutung: Bist du fhig, mir das Salz zu reichen? Zustzliche Bedeutung durch Implikatur: Reiche mir das Salz!Wrtliche Bedeutung: Frage; Eigentliche Bedeutung: Befehl Grund fr das Entstehen der Implikatur:Die wrtliche Bedeutung ist eine Frage, die trivialerweise bejaht werden mu; sie kann also nicht gemeint sein.Die Bejahung dieser Frage ist aber eine Vorbedingung fr die Ausfhrung des Befehls.(vgl. John Searle, indirekte Sprechakte)

  • Beispiele fr I-ImplikaturenNegationsanhebungvgl. Horn (1978), Remarks on NEG-raising, in Peter Cole (ed.), Pragmatics 129-220. New York: Academic Press.Peter glaubt nicht, dass es bei der Wahl korrekt zugegangen ist.Wrtliche Bedeutung: Es ist nicht der Fall, dass Peter glaubt, dass es bei der Wahl korrekt zugegangen ist.Gemeinte Bedeutung: Peter glaubt, dass es bei der Wahl nicht korrekt zugegangen ist.Negationsanhebung: Vgl. die unterschiedliche Position der Negation in der eigentlichen Bedeutung und im Ausdruck:Peter glaubt nicht, dass es bei der Wahl korrekt zugegangen ist.Es handelt sich dabei um eine Implikatur:Peter glaubt nicht, dass es bei der Wahl korrekt zugegangen ist, er kann das gar nicht glauben, weil er von der Wahl nichts gewusst hat.

  • Illustration der Negationsanhebung

    Peter glaubt nicht, dass es bei der Wahl korrekt zugegangen ist.

    Menge aller SituationenMenge der Situationen, fr die gilt: P glaubt, es ist korrekt zugegangenMenge der Situationen, fr die gilt: Es ist nicht der Fall, dass P glaubt, es ist korrekt zugegangen; die wrtliche Bedeutung des SatzesMenge der Situationen, fr die gilt: P glaubt, es ist nicht korrekt zugegangen; die verstrkte Interpretation des Satzes

  • Grund fr Negationsanhebung

    Verben der propositionalen Einstellung (propositional attitude verbs) wie glauben, denken, wnschen drcken eine Einstellung des Subjekts s zu einer Proposition p aus.In typischen Verwendungsweisen hat s eine bestimmte Meinung ber p, d.h. glaubt/denkt/wnscht, dass p oder dass nicht pIn typischen Verwendungweisen sind also nur diese Situationen relevant:s glaubt dass ps glaubt dass nicht pBei Negation von s glaubt dass p zu es ist nicht der Fall dass s glaubt dass p bleibt nur s glaubt dass nicht p brig.

  • Welche Verben erlauben Negations-Anhebung?Nicht alle propositionalen Einstellungsverben:Peter glaubt nicht, dass die Wahl korrekt durchgefhrt wurde. implikatiert: Peter glaubt, dass die Wahl nicht korrekt durchgefhrt wurde.Peter wei nicht, dass die Wahl korrekt durchgefhrt wurde. implikatiert nicht: Peter wei, dass die Wahl nicht korrekt durchgefhrt wurde.Peter ist sich nicht sicher, dass die Wahl korrekt durchgefhrt wurde. implikatiert nicht: Peter ist sich sicher, dass die Wahl nicht korrekt durchgefhrt wurde.Peter vermutet nicht, dass die Wahl korrekt durchgefhrt wurde. implikatiert nicht: Peter vermutet, dass die Wahl nicht korrekt durchgefhrt wurde.

    Es ist nicht wahrscheinlich, dass die Wahl korrekt durchgefhrt wurde. implikatiert: Es ist wahrscheinlich, dass die Wahl nicht korrekt durchgefhrt wurde.Es ist nicht sicher, dass die Wahl korrekt durchgefhrt wurde. implikatiert nicht: Es ist sicher, dass die Wahl korrekt durchgefhrt wurde.Es ist nicht mglich, dass die Wahl korrekt durchgefhrt wurde. implikatiert nicht: Es ist mglich, dass die Wahl nicht korrekt durchgefhrt wurde (das ist vielmehr bereits eine logische Konsequenz dessen, was ausgesagt wurde -- es ist sicher, dass die Wahl nicht korrekt durchgefhrt wurde!).

  • Horn, A Natural History of Negation (1989):Bei starken Einstellungsverben wie wissen, (sich) sicher sein wrde die verstrkte Interpretation wesentlich strker sein, als die wrtliche Interpretation.Bei schwcheren Einstellungsverben wie glauben, wahrscheinlich sein ist die verstrkte Interpretation nur wenig strker.Annahme: Bewerten der Einstellung zuPropositionen: Intervall [0, ... 1] s wei dass ps wei dass nicht p

  • Weitere Beispiele fr I-ImplikaturenHans konnte das Problem lsen.Eigentlic

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