Der Vierte Weg. Gurdjieff, Ouspensky, Bennett

Download Der Vierte Weg. Gurdjieff, Ouspensky, Bennett

Post on 21-Jul-2015

369 views

Category:

Spiritual

4 download

TRANSCRIPT

  • DER VIERTE WEGGURDJIEFF OUSPENSKY BENNETT

  • GEORGES I. GURDJIEFF. EIN HINWEIS AUF SEINLEBEN UND WERK1

    Am 29. Oktober 1949 starb in Paris ein hchst auerordentlicher Mann: G. Gurdjieff,betrauert von Freunden und Schlern aus vielen Lndern. Er starb, whrend sein erstesBuch in vier Lndern im Druck war - ein Gleichnis gewissermaen seinerimmergewahrten und gewollten Anonymitt der greren ffentlichkeit gegenber,trotzdem sein Aktionsradius von Tibet ber Europa bis nach Amerika reichte.Hinterlassen hat er derWelt ein vierfaches Gut:1. S e i n e S c h r i f t e n 2. S e i n e M u s i k3. S e i n e B e w e g u n g e n u n d T n z e4. S e i n e w o h l v o r b e r e i t e t e b e r l i e f e r u n g

    Mir, als dem einzig Lebenden seiner deutschsprachigen Anhnger und bersetzer seinerSchriften ins Deutsche, fllt die Aufgabe zu, fr alle meine Brder gleicher Zunge, wennauch sehr unzulnglich, so doch auf Gurdjieff hinzuweisen. Gurdjieff wurde 1872 in derGegend des Ararats geboren, von alters her ein Knoten- und Kreuzungspunkt vielerVlker und Kulturen. Seine Vorfahren stammten von Griechenaus Csarea ab, derenGeschichte weit vor Christi zurckreicht. Er wuchs in einer patriarchalischen Familie untergeradezu biblischen Lebensumstnden auf. In der zweiten Serie seiner SchriftenBegegnungen mit hervorragenden Menschen, schildert er seinen Vater, einen letztenBarden und ursprnglichen Denker, seinen ersten Lehrer, den Dechanten der militrischenKathedrale in Kars, der seinen fhigen Schler fr die Laufbahn eines Priesters und Arzteszugleich bestimmte, das heit, zur Heilung desganzen Menschen. Er selber hatte groesInteresse fr alle Wissenschaften und zeigte gleichzeitig groe Geschicklichkeit mit denHnden, weshalb er sich in vielen Gewerben versuchte. Aber einige Jugenderlebnisse inder seltsamen kaukasischen Umgebung, fr die er keine Erklrung in der Wissenschaftfand, lieen ihn frh ber den Sinn des Lebensnachdenken und an dem zweifeln, was dieLeute sagen. So kam es dahin, da er sich noch jung auf die S u c h e n a c h w a h r e mfr a l l e Z e i t e n und fr a l l e M e n s c h e n gltigem W i s s e n aufmachte.Nachdem er verschiedene mittelalterliche Ruinen und altarmenische Literatur studierthatte, kam er zu der berzeugung, da die Menschen frherer Zeiten einWissen besessenhatten, das im Laufe der Zeit verlorengegangen war. Im Verein mit einigen jungenFreunden machte er sich auf die Suche nach berresten oder Spuren dieses alten Wissensauf. Sie nannten sich Wahrheitssucher und kamen in abgelegene Klster, die uralteTraditionen bewahrt hatten, trafen Derwische, heilige Mnner und Mitglieder derverschiedensten religisen Bruderschaften. Spter gesellten sich Leute ausverschiedenenWissenszweigen und mit greren materiellen Hilfsmitteln zu ihnen, einArchologe, einGeologe, ein Ingenieur, ein Arzt, Sprachwissenschaftler usw. Einigen von diesen hatGurdjieff auch in der zweiten Serie seiner Schriften ein Denkmal gesetzt. Ihre Reisen gingnach Persien, Turkestan, Tibet, Indien, der Wste Gobi, gypten. Gerchte, da Gurdjieff

    1 http://gurdjieffclub.com/de/articles-essay-louise-march-g-gurdjieff-a-call-for-attention-to-his-life-and-work

  • in Tibet eine fhrende Rolle im englisch-tibetanischen Krieg gespielt habensoll, sind ausdieser Zeit erhalten geblieben. Gelegentlich tauchte er zu Hause auf und verschwandwieder, betrieb auch zwischendurch verschiedene Geschfte und Gewerbe, um sich seinenUnterhalt zu verdienen. Seine Spuren werden fr uns erst um 1912 herum deutlich.Damals war er an die vierzig, lebte in St. Petersburg und hatte Schler um sich, die vonseiner ungewhnlichen Originalitt und Echtheit angezogen waren. Sie empfanden alleetwas von dem, was eines meiner Kinder so zum Ausdruck brachte: Er sieht a n d e r sa u s und er i s t a n d e r s als alle anderen L e u t e.

    Damals lernte ihn der Schriftsteller D. P. Ouspensky kennen,der durch seine Erforschung der vierten Dimension aufpsychologisch-philosophischem Gebiet bahnbrechendgeworden ist. Er fand in ihm alles, was er, der selbst geradeaus Indien zurckgekehrt war, an verschiedenen Orten imOsten vergeblich gesucht hatte. In seinem letzten Buch Aufder Suche nach dem Wunderbaren. Fragmente einerunbekannten Lehre schildert Ouspensky seinZusammentreffen mit Gurdjieff und gibt wrtlich viele seinerGesprche mit Gurdjieff wieder, oder genauer gesagt,Gurdjieffs gewichtige Antworten auf die prgnanten FragenOuspenskys sowie anderer Schler. Gurdjieff kannte sich aufallen Gebieten aus und brachte Licht in die dunkelstenEcken. Besonders gab er eine neue Auffassung vom Sinn undZweck des menschlichen Daseins und dem, was Evolution

    wirklich ist. Er ging ber alles bekannte Universittswissen hinaus, auch ber das, wasgewhnlich Religion genannt wird; er konnte helfen, wo die blichen rzte undSeelsorger versagten. Aber er hielt keine Vorlesungen, er drngte sein Wissen niemandemauf, im Gegenteil, es war schwer, es aus ihm herauszuholen und man mute wirklichernsthaft suchen, wirklich es sich etwas kosten lassen, w i r k l i c h m e h r a l s W o r t ew o l l e n. Bei ihm hatte alles Hand und Fu, das groe Ferne kam einem nahe und wurdedeutlich wie die eigene Hand, das nahe Kleine wurde millionenfach vergrert unddeshalb erkennbar. Alles brige Denk- und Glaubensgut des modernen Menschenflatterte wie Motten am Licht, wenn es in das Blickfeld Gurdjieffs kam. Dafr gab er zuahnen, in seiner Sprache zu kosten, w a s d e r W e g, d i e W a h r h e i t, d a s L eb e n i n W i r k l i c h k e i t i s t.

    Damals war er im Begriff, ein groes Institut zu grnden, Institut fr die harmonischeEntwicklung des Menschen , in dem der physische, emotionelle und denkerische Teil desMenschen auf gleiche Weise erzogen und Aufmerksamkeit und Wille zur Erkenntnis undLenkung seiner selbst herangebildet werden soll. Er hatte schon viele wissenschaftlicheApparate aus Deutschland kommenlassen, als die politischen Ereignisse alles vereitelten;der erste europische Krieg brach aus. So unglaublich es klingen mag, auch ein solchesenormes Ereignis brachte Gurdjieff nicht von seinem Vorhaben ab; das geplante Institutwurde ein wanderndes Institut, teils mit den gleichen, teils mit verschiedenen Leuten.

  • Dabei machten sie alle Schwierigkeiten der Millionen von Heimatlosen dieses unseligenzwanzigsten Jahrhunderts durch. Gurdjieff wie die Schler kmpften um das tglicheBrot, aber nicht nur in dem einen Sinn, in dem dies gewhnlich verstanden wird, sondernsie arbeiteten auch. Arbeit bei ihm und in seinem Kreis bedeutet: A r b e i t a n s i c hs e l b s t , A r b e i t z u r E r k e n n t n i s s e i n e r s e l b s t u n d z u r S e l b s t-v e r v o l l k o m m n u n g. Je grer die Schwierigkeiten, um so grer die Mglichkeit zuproduktiver Arbeit, vorausgesetzt, da man b e w u t arbeitet. Fr eine Weile schien es, dadas Institut im Kaukasus, dann in Tiflis sehaft werden knnte, aber die politischenEreignisse vereitelten es auch dort nach kurzer Zeit. Gurdjieffs Takt, Menschenkenntnisund ganz ungewhnlicher allgemeiner Umsicht war es zu verdanken, da dieverschiedenen feindlichen Parteien ihn und seine Gruppe unbehelligt lieen, ja es kamsogar dazu, da die Weie und Rote Armee ihn unparteiisch genug fanden, so da zumBeispiel beide ihm eine schriftliche Erlaubnis gaben, Waffen tragen zu drfen. Daswandernde Institut gelangte schlielich nach fast unberwindlichen Schwierigkeiten nachKonstantinopel. Alfons Paquet, der Frankfurter Schriftsteller, traf ihn dort 1921, am Tagvor seiner Rckkehr nach Deutschland, und sah eine Vorfhrung der sakralen Tnze vonGurdjieffs Gruppen. Es ist erstaunlich, wie viele Ahnungen er an jenem einen Abend vonder Universalitt von Gurdjieffs Lehre gewann.2

    Nach einem fehlgeschlagenen Versuch, das Institut in Hellerau zu erffnen, und GurdjieffsWeigerung, es in London zu tun, kam es schlielich 1922 dazu, da es in Fontainebleau imhistorischen Chteau du Prieur eine - wie es schien - bleibende Behausung fand. Es hatteSchler aus aller Herren Lnder, vorwiegend jedoch Russen und Englnder. Das groeHaus und der groe Garten und Wald gaben mehr als genug Gelegenheit zu praktischerArbeit. Es wurde gebaut, gefarmt, studiert, gewoben, gemalt und in dem aus einerZeppelinhlle eigens dafr errichteten Study House wurden bis tief in die Nacht dieBewegungen und heiligen Tnze gebt, psychologische bungen gemacht und es gabGurdjieff seine auf Fragen gegebene Antworten. Eine Vorfhrung im Theater der ChampsElyses lie die Welt sehen, was Gurdjieff und sein Kreis leisteten. 1924 ging er mit 40Schlern seines Instituts nach Amerika und gab dort groe Vorfhrungen in CarnegieHall, New York, Boston, Chicago und anderen Stdten. Diese Vorfhrungen vonTempeltnzen und psychologischen Phnomenen erregten grtes Aufsehen. Damalswollte er in Amerika und in verschiedenen anderen Lndern Zweigstellen des Instituts frdie harmonische Entwicklung des Menschen grnden. Wiederum unterbrach dasSchicksal seine Plne und wiederum wurde dadurch nur die Form der Mittel, seine Lehrean andere weiterzugeben, verndert. Kurz nach seiner Rckkehr nach Frankreich erlittGurdjieff eine sehr schweren Autounfall, der seinem Lebenfast ein Ende machte. Whrender wochenlang im Bett lag und mit groer innerer Anstrengung sein Bewutseinwiedererkmpfte, erkannte er, wieviel er noch zu tun und wie wenig Zeit er noch hatte.Damals eben beschlo er zu schreiben. Es war sein eigener Entschlu, seine ihm von sichselbst diktierte Aufgabe, sein freiwillig auf sich genommenes Kreuz. Er schlo sein Institutfr die harmonische Entwicklung des Menschen, schickte seine Schler nach Hause, schlosich selbst von allem ab und begann zu schreiben. Der von ihm gewhlte Rhythmus seines

    2 Siehe Alfons Paquet, Delphische Wanderung, Seite 218 ff.

  • Tages blieb berall derselbe; alle nur mgliche Kraft und Zeit verwandte er auf dasSchreiben. Davon wich er nicht ab, ganz gleich, was die ueren Umstnde waren erschrieb auch in der Eisenbahn oder auf dem Schiff. Meistens sa er im Caf de la Paix inParis, oder in einem kleinen Caf in Fontainebleau, oder wenn er fr kurz nach New Yorkkam, bei Childs, und schrieb. Der Lrm der redenden Menschen und das Klappern desGeschirrs drangen nicht an sein Ohr - ja selbst Besucher, deren viele kamen, mutenwarten, bis er sich ihnen zuwandte, und darber konnten ein und zwei und drei Stundenvergehen. Manche sprten in der Nhe des seltsamen Meteors den Gegensatz zwischender geruschvollen, hastenden, trgerischen ueren Welt und der Ruhe, Sicherheit undinneren Flle dessen, der da sa und schrieb. Ziemlich am Anfang meiner Arbeit, als ichnoch verwundert war, da Gurdjieff nichts von dem suchte, was die Annehmlichkeitenund das Streben aller anderen Menschen ausmacht, setzte er sich einmal, als er sichtlichermdet aus dem Caf zurckkam, neben mich auf die Terrasse mit dem schnen Blick aufdem historischen Garten der Prieur, wo ich an der bersetzung arbeitete. Warumarbeiten Sie nicht auch hier, mit dem Blick auf die Rosen, den Goldfischteich und diebeschnittene Platanenallee, in so guter Luft? Ich arbeite immer nur in Cafs, Tanzlokalenund hnlichen Sttten, wo ich die Menschen sehe, wie sie sind, wo ich die sehe, die ammeisten betrunken sind, am anormalsten. Bei ihrem Anblick kann ich den Impuls derLiebe in mir erzeugen. Und aus dem heraus schreibe ich meine Bcher. Eine ArtErholung war fr ihn das Kochen. Er nannte sich Dr. Kulinari und konnte dieverschiedensten Gerichte aller asiatischen Stmme zubereiten, so wie sie durch dieJahrhunderte berliefert worden sind, und viele eigene Kombinationen dazu, die nicht nurden uns immer mehr abhanden kommen den Geschmackssinn beleben, sondern denMenschen auch zu einem gewissen Bewutwerden der in ihm vor sich gehendenVerdauungsvorgnge fhren. Acht oder neun Jahre verwandte er zum Schreiben und esentstanden drei Serien von Bchern, fr einen einzigen Menschen von ungewhnlicherFlle, Originalitt und Vielfalt der Bedeutung. Die zweite Serie, die zugleich ein Reisebuchvon unvergleichlicher Schnheit ist, ging ihm so leicht wie seine Musik vonstatten, die andie 5000 Stcke zhlt. Die Hauptanstrengung fr Gurdjieff war die erste Serie seinerSchriften, betitelt; E i n e o b j e k t i v e - u n p a r t e i i s c h e K r i t i k d e s L e b e ns d e s M e n s c h e n oder B e e l z e b u b s E r z h l u n g e n f r s e i n en E n ke l

    Manche Kapitel der ersten Serie, vor allem das Kapitel Gedankenerwachen,zuerstWarnung genannt, hat er sieben- und dieses sogar zwlfmal umgearbeitet. Was fr eineMhe, bis alle Themen seines Werkes, das keine Frage unberhrt lt, in dieser Ouvertreangeschlagen und verbunden waren. Bei den nderungen war deutlich zuerkennen, daer den Knochen tiefer vergraben wollte, das heit, nichts auf billige Weise geben wollte.Dies war unbedingt ntig zur Erreichung des sich von ihm gesteckten Zieles. Es kannkeinem etwas geschenkt werden; auch das Beste, was uns gegeben wird, kann nur dannunser eigen genannt werden, wenn wir es selbst erarbeiten. Auf keinem Fall wollte erneues Wissen geben, was sich leicht in Worten sagen lt, sondern etwas im W e s e ndes Menschen ndern, ffnen, entfalten, was ihn langsam zur Erschaffung seiner eigeneninneren Welt fhren und ihm V e r s t e h e n geben sollte. Er, der die Menschen mit einem

  • Blick erkannte, wute, da dieser Vorgang eine ungeheure Operation bedeutet und dieerste Serie hatte eben die Aufgabe, aufzurumen mit den im Denken und Fhlen desLesers seit Jahrhunderten eingewurzelten Vorstellungen und Anschauungen ber alles inder Welt angeblich Existierende, um Platz zu schaffen zur Aufnahme von etwas Neuemund Wirklichem. Damit komme ich auf das Hauptziel von Gurdjieffs Schriften zusprechen und vor allem zu seiner ersten Serie: an Stelle eines persnlichen Lehrers gibt siealles, was wir in diesem zwanzigsten Jahrhundert brauchen, um uns eine wahrhafte undunvernderliche innere Welt erwerben zu knnen. Dies kann aber nur geschehen, wennder Leser langsam lernt, da seine Mitarbeit, sein sich-wundern, Vergleichen, Gegenber-stellen, Fragen-lernen, und auf Antwort-warten, ebenso ntig ist, wie die Hilfe des Buches.Durch unsere falsche Erziehung sind die uns verliehenen Krfte des Denkens, Fhlensund Empfindens ganz vermechanisiert und einseitig ausgebildet; erst recht, wenn wirsogenannte gebildete Menschen sind. Der Kern in uns, das Samenkorn, das sich nach einerEntfaltung und Kontinuierlichkeit sehnt, liegt deshalb erstickt und eingezwngt zwischenden falschen Ttigkeiten unserer vielen vermeintlichen Ichs.

    Whrend der acht Jahre des Schreibens lie Gurdjieff tglich vor oder nach Tisch, imkleinen Kreis oder fr viele Gste das eine oder andere Kapitel in der einen oder anderenSprache vorlesen. Gurdjieff beobachtete die Zuhrer und erkannte an ihnen den Grad derVollendung des von ihm neu geschrieben wie auch die Exaktheit der bersetzung. Oftwhlte er Kapitel, die dem einen oder anderen Menschentyp mehr entsprachen, oder aberdas Kapitel ber die Nation des Betreffenden. Neue Gste waren erstaunt, da er einkleines Wort oder eine Satzverdrehung so wichtig nehmen konnte, die bersetzer dagegenkannten Gurdjieff schon als L e h r e r d e r E x a k t h e i t. Fr uns geschah diebersetzung nicht eigentlich um der bersetzung willen sondern war unsere Schulung,die uns aus unseren subjektiven Vorstellungen und Ansichten herausschlte und mit derSchaffung einer neuen exakten Sprache zu einem Verstehen brachte, das wir am Anfangnicht einmal htten ahnen knnen. Vor allem wurde in uns allmhlich die Fhigkeit desSich-leer-machen-knnens, des Hren-knnens herangebildet. Nur wo Platz ist, kannetwas neues Platz finden. Nun ist das ein schwierigerer Proze als die meisten Leuteglauben wollen: d i e B e f r e i u n g v o n d e m a u t o m a t i s c h e r w o r b e n e n,r e i n s u b j e k t i v e n D e n k - u n d V o r s t e l l u n g s k a l e i d o s k o p und d i eE r w e r b u n g e i n e s b e w u t a r b e i t e n d e n, i m m e r g l t i g e n, o b j e k-t i v e n V o r s t e l l u n g s g u t e s an seiner Stelle. Alle mglichen Anekdotenillustrieren diesen Vorgang, und wenn sie erst einmal gesammelt werden, um GurdjieffsLehre in seiner grandios-humorvollen Weise zu veranschaulichen, werden die bersetzereinen guten Beitrag liefern knnen. Aus dem Lesen um Gurdjieff erwuchsen allmhlichGruppen in den verschiedensten Hauptstdten der Welt, wobei die Zuhrer, jeder fr sich,die erstaunliche Tatsache feststellten, da seine erste Serie, dieses kosmische Mrchen,wirklicher als alle Mrchen, mit einer sicherlich auerirdischen Wissensquelle, die ihnenunerllich ntige Hilfe in der Erkenntnis ihrer selbst und aller Dinge in dieser Welt gibt.Wenn sie eine Frage hatten, auf die sie keine Antwort finden konnten, eine Schwierigkeit,die sie nicht annehmen oder berwinden konnten, so brachte ihnen dieses Buch die ntigeHilfe. Dabei konnte man im Laufe der Jahre bemerken, da ihr uerer Mensch, ihr sich

  • Wichtignehmen, ihr mit tausend kleinen tglichen Aufregungen und Begeisterungengeflltes Dasein gewhnlich stiller, ruhiger und ernster wurde, und ihr innerer Mensch,derin fast keinem Menschen der heutigen Zeit zum Durchbruch kommen kann, anfangsgelegentlich und spter hufiger in Erscheinung trat. Man mute nicht mit ihnen reden,aber man sprte, da dieses Buch ihnen eine wirkliche Nahrung und Mastab war.

    S e l b s t z u f r i e d e n h e i t k o n n t e n i c h t a u f t r e t e n, wenn man erkannte, wielange es gebraucht hatte, bis man die eine oder andere Sache verstand, oder, richtigergesagt, auf dem Wege war, zu verstehen; oder wenn man bemerkte, da zwei Stunden desZuhrens schon zuviel waren fr unser nur auf flchtige Beobachtung eingestelltesDenken und unser immer flatterndes oder lahmes Gefhl. Jede Seite, jedes Kapitel inGurdjieffs Schriften lieen den Zuhrer sein eigenes Unvermgen, seine eigeneUneinheitlichkeit, seine eigene Nichtigkeit erkennen und gleichzeitig verstrkten sie inihm den Drang nach etwas Bleibendem, Sicherem, Dauerndem, erweiterten seineFragemglichkeiten, frderten sein Forschungsvermgen und seine nachdenkendenFhigkeiten und erweckten in ihm Krfte, die ihm zwar niemals recht, aber dafr denGeschmack dessen geben knnen, was ein Mensch sein knnte und sein sollte. Gurdjieffsprach in den acht Jahren, in denen er die verschiedenen Serien seiner Schriften schrieb,oft von deren Verffentlichung, ja, er fuhr sogar eigens nach Leipzig, um mir den Ort zuzeigen, wo seine Schriften gedruckt werden sollten. Damals, in den spten zwanziger undfrhen dreiiger Jahren, verstand ich das Gedrucktwerden hauptschlich in dem Sinne,da es in mir gedruckt werden msse, nmlich, um in mir jenen Menschen zu erweckenund wach und ttig zu erhalten, der das Verlangen in meiner Kindheit gewesen war, wennich darber nachsann, was es denn eigentlich bedeute, dieses Lieben deinen Nchstenwie dich selbst. Gerade als ich nach allen mglichen Versuchen und unter Zuhilfenahmeder mir bekannten Religionen, philosophischen Richtungen, Wissenschaften und Knsteendgltig die Hoffnungslosigkeit jedes wirklichen Versuches in dieser Richtungeingesehen hatte, hrte ich selber zum erstenmal ein Kapitel aus Eine objektiv unparteiischeKritik des Lebens des Menschen (man konnte es damals nie selber lesen, nur hren), um ihmmeine erste gesegnete schlaflose Nacht zu verdanken. Anfang 1949, bei einem Besuch inNew York, sagte Gurdjieff im Kreise einiger seiner lteren Schler, da die Zeit gekommensei, seine Schriften zu drucken und da es noch im gleichen Jahre geschehen msse. Erbestimmte, da die erste Serie, die schwierigste, unbedingt als erste herauskommenmsse, und zwar im Taschenformat, damit jeder sie in seiner Tasche bei sich tragen knne.Gleichzeitig gab er die Erlaubnis das letzte Werk von Ouspensky, der in England undAmerika sehr bekannt und ob seiner frheren Bcher sehr geschtzt wird, zuverffentlichen: Auf der Suche nach demWunderbaren, Fragmente einer unbekannten Lehre istsowohl Vorlufer als auch ein erster Kommentar zu Gurdjieffs Schriften. In Deutschlandlas ich 1929 zum erstenmal in Gegenwart von Gurdjieff einige Kapitel aus BeelzebubsErzhlungen vor. Es war im Hause von Alfons Paquet in Frankfurt. Zu der Lesung ludenPaquet und ich Freunde ein; nach Gurdjieffs Weisung sollten mindestens siebenFamilienvter darunter sein. Drei Stunden ununterbrochenen Lesen waren auch fr dieauf ihre Auffassungskraft stolzen Deutschen zuviel. Spter wollte mich einer meinerFreunde enttuschen, indem er mir sagte, nur ein Wort sei ihm von dem langen Lesen im

  • Gedchtnis geblieben: Kundabuffer. Mir schien dies genug: Kundabuffer an Stelle desechten Menschen, Tuschung an Stelle der Wahrheit, auerdem die erste und einzigeErklrung dessen, was in der Sprache der Kirche Erbsnde genannt wird. Wider seinenWillen war mein Freund beim Regnen nass geworden. In Berlin liess mich Gurdjieff alserstes das Kapitel ber Frchte alter Zivilisationen und die Blten der modernen lesen,wobei mir schien, das einige der Anwesenden ber das, was darin ber die Erfindungender Deutschen gesagt wird, fast Blut schwitzten. Beim Studium der Massenpsychose,jenem Greuel, der die Entartung der modernen Menschheit am schrfsten zeigt, nimmtGurdjieff alle Nationen unter seine Lupe, keine kann sich berlegen fhlen, alle sind in dieIrre gegangen. Inzwischen hat das Schicksal denDeutschen sehr mitgespielt und ihnen ihre liebstenTuschungen, die manchem selbst lieber waren als dasLeben, entrissen. Als ich Mitte der dreissiger Jahrewieder ein paar Jahre lang in Deutschland lebte,berhrte es mich sehr schmerzlich, zu erkennen, wie derj e d e m M e n s c h e n innewohnende D r a n g n ac h e i n e m W e g w e i s e r, nach einem Lehrer oderFhrer, in einer ganz falschen Richtung dort arbeitete.Auch die, die nicht davon verblendet oder angestecktwaren, tappten im Dunkeln und konnten nichts alseinleidendes, passives Ertragen aus dieserMassenpsychose machen. Gurdjieff dagegen lebtedamals zurckgezogen in Paris, immer von einerGruppe an sich arbeitender Menschen umgeben, wardenselben ueren Schwierigkeiten ausgesetzt wie alleanderen Menschen und machte seine grandiosen Statistiken. Ihm diente diese grte allerbisherigen Massenpsychosen zu einer letzten berprfung dieser Hauptkrankheit, die derMensch selbst, durch Schaffung der a n o r m a l e n u e r e n L e b e n s v e r- h l tn i s s e verursacht hat, ein weder von der Natur noch von Gott gegebener Faktor. Mirscheint, da das deutsche Volk vielleicht mehr als jedes andere danach lechzt, in GurdjieffsSchriften und auch in den von Ouspensky aufgezeichneten Gesprchen die Gesetzeeindeutig klar aufgezeichnet zu finden, nach denen diese entsetzlichen, des Menschenunwrdigen letzten Jahrzehnte verliefen. Wer schuld war, der Kaiser oder Hitler, dieEnglnder, Russen oder Amerikaner - alle Theorien und subjektiven Deutungen werdenbei ihm hinfllig. Viel nutzloses Gerede, viele nutzlose Bcher werden einfachverstummen. Was ist denn der Tod? Was wird durch ihn frei? Wozu dient es? W a s k a n n a n d i e S t e l l e v o n K r i e g u n d u e r e r G e w a l t t r e t e n?Wo fngt der Krieg an, und wo ist er immer zu Hause? In jedem Menschen und in denBeziehungen jedes einzelnen zu den anderen. Wo kann er aufhren? Nur im einzelnenund in seinen Beziehungen zu den anderen. Hat der einzelne Mensch eine Wahl? Knnenwir lernen zu whlen? Deswegen mu dieses Buch, das aus einem wirklichen Wissen, auseiner Gerechtigkeit und Liebe, deren Ausma wir nicht begreifen knnen, geschriebenworden ist, jetzt an die ffentlichkeit kommen.

    Sommer 1950. L o u i s e M a r c h, Frankfurt am Main, Praunheim, Alte Mhle 2

  • DER VIERTE WEG3Dieser Ausdruck bezieht sich generell auf eine Lehre der mglichen geistigen Entwicklungdes Menschen, die der westlichen Kultur von George Gurdjieff in der ersten die Hlfte des20. Jahrhunderts vorgestellt wurde. P. D. Ouspensky, ein Zeitgenosse und Student vonGurdjieff, hat viele Aspekte dieser Lehre in einer verdichteten Form im seinem Buch Aufder Suche nach dem Wunderbaren beschrieben. Der Vierte Weg ist ein Pfad der spirituellenEntwicklung, der sich von den drei traditionellen Wegen unterscheidet. Diese sindder Weg des Fakirs, der die Beherrschung des physischen Krpers hervorhebt, der Weg desMnchs, der die Beherrschung der Emotionen betont, und der Weg des Yogis, der denVerstand diszipliniert. Diese verschiedenen Wege oder Annherungen zu spirituellerEntwicklung entsprechen auch den drei Arten von Mensch. Der Vierte Weg versucht, inder Umgebung des alltglichen Lebens alle drei traditionellen Wege gleichzeitig zubeschreiten. Im Gegensatz dazu verlangen alle anderen Wege ein vollstndiges Entsagendes tglichen Lebens oder erfordern die Abgeschiedenheit einer klsterlichen Umgebung.Der Vierte Weg wird deshalb manchmal auch der Weg des schlauen Menschen genannt.Jedoch knnen alle vier Wege zu den gleichen Einsichten fhren und deren Praktizierendevon den ueren Kreisen der Menschheit zu den exoterischen und in weitererFolge mesoterischen oder sogar esoterischen Kreisen fhren. Die Prmisse des Vierten Wegesist, dass der Mensch grundstzlich mechanisch ist, und der Freie Wille, echtes Bewusstseinund Freiheit nur selten realisierte Mglichkeiten sind. Im Normalzustand ist der Menschden Umstnden unterworfen und verlebt sein Leben in einem Zustand des Schlafs.Kernideen und verwendete Begriffe des Vierten Weges beinhalten: kleine Ichs, Tun, Sein,

    Identifikation, Selbsterinnernung, Zentren, Mensch1, 2, und 3, Fusion bzw. Verschmelzung (vonSpnen), Welten, Wasserstoff, Futter fr denMond. Whrend die Form der ersten drei Wegerelativ gleichbleibend vorgegeben ist, erscheinenund verschwinden die Schulen des Vierten Wegesnach Bedarf, in einer fr die jeweilige Zeitgeeigneten Form. Die Arbeit des Vierten Wegeserscheint, um eine spezifische esoterischen Aufgabeerfllen zu knnen, wie es die Zeiten erfordernknnen. Ouspenskys Buch Auf der Suche nach demWunderbaren ist wahrscheinlich die prziseste undstrukturierteste Prsentation des Hintergrunds undder Grundstze des Vierten Weges. DieHauptwerke Gurdjieffs sind: Beelzebubs Erzhlungenfr seinen Enkel, Begegnungen mit auergewhnlichenMenschen und Das Leben ist nur real, wenn ich bin.Die Quantum Future School (QFS) betrachtetGurdjieff als Lehrer von zentraler Wichtigkeit derunmittelbaren Vergangenheit und verweist oft auf

    seine Arbeit. Gurdjieff wird als Wegbereiter betrachtet, der seiner Zeit weit voraus war,

    3 http://de.cassiopaea.org/2011/06/05/vierter-weg-definition/

  • und viele Dinge hinter Allegorien verstecken musste, von denen die QFS heute im Klartextspricht. Das trifft besonders auf die Idee des Futters fr den Mond zu, d.h. die Art, wiehyperdimensionale Lebewesen die Menschheit verwalten, so wie ein Landwirt seineSchafe htet. Gurdjieffs Konzepte der Kosmologie, des Schlafs der Menschheit, derNotwendigkeit des Erwachens des Bewusstseins, usw., stimmen im Allgemeinen mit demCassiopaea-Material berein, obwohl sich die Terminologie unterscheidet. Wie Gurdjieff inAuf der Suche nach dem Wunderbaren meint, bentigt es nur etwa 200 Leute, die demesoterischen Kreis der Menschheit angehren, um die Welt in einer dramatischen Weiseverndern zu knnen wenn sie es wollten. Allerdings existieren vielleicht berhauptnicht so viele Menschen dieser Art, oder sie haben beschlossen, dass die Menschheit vielzu tief schlft und nicht nach einer Vernderung fragt. Dies kann man nicht wissen ohneselbst diesem Level nahe zu sein. Das bezieht sich auf die Idee, dass es bestimmte Fensterkosmischer Gelegenheiten gibt, in denen Bewusstsein eine entscheidende Rolle zurBestimmung einer zuknftigen Richtung spielen kann. Viele Schulen des Denkens sehendie aktuelle Zeit als einen solchen Angelpunkt, an dem unsere Zukunft hngt. An denSchulen des Vierten Weges verluft die Arbeit in drei verschiedenen Linien. Diese sind

    1. die Arbeit des Schlers an sich selbst,

    2. die Arbeit mit anderen Schlern und

    3. die Arbeit fr die Schule.

    Die erste Linie besteht aus Aktivitten wie Selbstbeobachtung, Selbsterinnerung undverschiedene individuell angepasste bungen. Der Schler muss Antrieb und Willenbereitstellen, die Schule kann Fhrung und einen konzeptuellen Rahmen bieten, inwelchem der Schler die gemachten Beobachtungen hineinstellen kann. Die zweite Linie,die Arbeit mit anderen Schlern, ist ein Auslser fr den Empfang von neuen Schocks.Durch die Teamarbeit mit nicht selbst ausgewhlten, relativ fremden Personen, erfhrtman Reibung. Diese Reibung kann als Treibstoff fr Selbstbeobachtung und Umwandlungnegativer Emotionen verwendet werden. Man bt externe Rcksichtnahme und innereNicht-Rcksichtnahme. Die dritte Linie, die Arbeit fr die Schule, ist wiederum abhngigvom Schler. Der Schler muss rechtzeitig einen Bereich unabhngiger Bettigung finden,durch welchen man der Schule etwas zurckgeben kann. Es muss aus freiem Willengeschehen und hauptschlich dem Talent und Vermgen des Schlers entsprechen. Diesknnte krperliche Arbeit sein, Lehren, Kunstschaffen, Nachforschungen oder vieleandere Dinge. Die Grundidee dabei ist, dass es vom Schler kommen muss und derSchule ntzt. Alle Prozesse laufen gem dem Gesetz der Sieben ab, entsprechend demVierten Weg. Die Arbeit ist dabei keine Ausnahme. Oktaven haben zwei Intervalle bzw.Schocks, wo nicht ohne ueren Ansto bzw. zustzlichen Impuls weitergekommenwerden kann. Die Arbeit des Schlers auf jeder der drei Linien kann zu einem Stillstandoder Plateau fhren. An einem solchen Punkt kann die Arbeit auf einer anderen Linie denntigen Impuls bringen, die Kluft zu berwinden. So bildet die Arbeit auf den drei Linienein organisches Ganzes. In seinen fnf edlen Bestrebungen hebt Gurdjieff den Gedankendes Zahlens fr den eigenen Aufstieg hervor. Rckgabe an die Schule kann als einsolches Beispiel und als ebenso notwendig gesehen werden. Dies ergibt sich aus derTatsache, dass einseitiges Empfangen Empfangen ohne angemessene Wertschtzung,

  • Anstrengung und Rckgabe aus dem Gleichgewicht fllt und das Lernen auf einemoberflchlichen Niveau belsst. Die Cassiopaeaner4 haben weiters hervorgehoben, dasssich viele Leute, die sich selbst als in ihrer Entwicklung feststeckend empfinden, vorwrtsbewegen knnten, wenn sie fr das, was sie erhalten haben, im Sinne des Gleichgewichtszurckgeben wrden. Ein anderer Grundsatz des Vierten Weges ist der Gedanke, dassman nur dann Fortschritt macht, wenn man einen anderen dafr heranbildet, um deneigenen vorherigen Platz einzunehmen. So sind Nehmen und Geben untrennbar in derArbeit verbunden.

    Selbst-Erinnerung

    Keiner von euch hat die wichtigste Sache, auf die ich hingewiesen habe, bemerkt keiner von euch hat bemerkt, dass ihr euch nicht an euch selbst erinnert. (Gurdjieff hat dieseWorte besonders betont.) Ihr empfindet euch nicht, ihr seid euch eures Selbst nicht bewusst.Bei euch beobachtet es, genauso wie es spricht und es lacht. Ihr habt kein Gefhl fr: Ichbeobachte, ich stelle fest, ich erkenne. Es wird alles nur festgestellt, es wird erkannt. Um sichselbst wirklich betrachten zu knnen, ist Selbst-Erinnerung unabdingbar. (Aus Auf der Suchenach dem Wunderbaren, S. 124)

    Selbst-Erinnerung ist die Brcke zwischen Wissen und Weisheit. Es ist eine Bemhung,sich seiner selbst in der Gegenwart bewusst zu sein, jede imaginre Vorstellung, wieverlockend sie auch sein mag, von einem Moment auf den anderen zu verlassen, um in dieWirklichkeit zurckzukehren. Es bedeutet die Fhigkeit zu einer sofortigen, innerlichenReorganisation: Das automatische Denken und Fhlen in den Hintergrund zu stellen, umdas Hhere Selbst hervortreten zu lassen sich seiner selbst zu erinnern. In einem seinerfrhen Gesprche mit russischen Schlern stellte Gurdjieff den Begriff Selbst-Erinnerungzur Debatte und forderte sie auf einander mitzuteilen, was sie whrend ihrer Selbst-Beobachtung empfunden hatten. Keinem war es gelungen, die wichtigste Tatsache zuerkennen: Niemand hatte sich seiner selbst erinnert. Ouspensky, der von diesem Gesprchberichtet, beginnt daraufhin mit Selbst-Erinnerung zu experimentieren und realisiert inder Folge dessen Schlsselfunktion in der Arbeit am Bewusstsein. Hier, wie schon zuvor,beruft Gurdjieff sich auf alte Praktiken und bersetzt diese in eine moderne Sprache. DieUpanishaden sind eine umfassende Abhandlung ber das Selbst, und wie sehr esnotwendig ist, sich daran zu erinnern und es an die vorderste Front zu stellen. DerSufismus verwendet den Begriff der Erinnerung an das Gttliche in ganz hnlicherWeise wie Gurdjieff ihn spter benutzte. Allerdings hat das Wort Gott im 20. Jahrhundertseine ursprngliche Bedeutung verloren, da es zu sehr mit religisen Strmungen inVerbindung gebracht wird, die den Menschen daran hindern, ein konkretes Verhltnis zuihm zu entwickeln. Gurdjieff hat diese lteren Systeme in eine, dem modernen, westlichorientierten Menschen verstndliche Sprache bertragen. Der Unterschied zwischen demSystem und dem Vierten Weg rhrt daher: Gurdjieffs Darstellung des Systems fr das20. Jahrhundert hatte insofern Gltigkeit, als dass der Vierte Weg selbst die Summe allervergangenen und gegenwrtigen Ausdrucksformen dieses Weges beinhaltet das ganzeSpektrum der berlieferungen, die auf der Bhne der Menschheit bisher erschienen undwieder verschwunden sind. Frhere Ausdrucksformen des Vierten Wegs htten sich selbst

    4 http://de.cassiopaea.org/

  • nicht als vierten Weg bezeichnet. Gurdjieff nannte seine Darstellung den Vierten Weg,um dessen Bedeutung in der Quadriga der mglichen Formen der Bewusstseins-erweckung hervorzuheben. Alle vier Wege fhren zu demselben Ziel: Der Erweckung desBewusstseins, der Wahrhaftigwerdung und Fhigkeit zu sein. Die spirituellen Pfade, diezu diesem einen Ziel fhren, knnen sich jedoch wie Straen, die an den selbenBestimmungsort fhren in ihrer Art und Weise unterscheiden Um unserHauptaugenmerk nicht aus dem Blick zu verlieren, werden wir die drei anderen Wegehier nicht nher erlutern; sie alle sind in Auf der Suche nach dem Wunderbaren eingehendbeschrieben. Was dort aber nicht ausdrcklich betont wird, ist, dass GurdjieffsUnterscheidung der drei Archetypen des Wegs auf Grundlage der verschiedenenmenschlichen Wesensarten nur in der Theorie Gltigkeit hat. Praktisch wird sich jederdieser Wege als eine Mischung der drei Mglichkeiten erweisen, wobei lediglich derSchwerpunkt auf jeweils eine Variante gelegt wird. Insofern unterscheidet sich der VierteWeg, da er danach strebt, die drei Wege harmonisch zu vereinigen und gleichzeitig inallen ueren Erscheinungsformen des Menschen zu wirken Wir sagen streben, denngenau das ist der Punkt. Normalerweise wird wohl jede Lehre anfangs als Vierter Wegerscheinen, doch im Laufe der Weiterentwicklung zeigt sich dann, dass sich derSchwerpunkt doch vorrangig auf einen bestimmten Aspekt verlagert. Sie wird zwangs-lufig entweder einen gefhlsbetonten religisen Charakter oder eine akademischintellektuelle Frbung annehmen. Dies scheint sowohl bei Gurdjieff als auch beiOuspensky der Fall gewesen zu sein: Beide begannen an einem ganz hnlichen Punkt,doch entwickelten sie im Laufe der Zeit bestimmte Fokussierungen, die jeweils ihremnatrlichen Wesen entsprachen. Fr Gurdjieff war das rumliche Agilitt und frOuspensky die intellektuelle Auseinandersetzung. Ein grundlegender Aspekt des ViertenWegs, der bei den meisten modernen spirituellen bungen fehlt, besteht darin, dass diegeistige Entwicklung des Menschen an eine Grenordnung gebunden werden muss, dieeben grer als der Mensch ist. Er entwickelt sich nicht blo zu seinem eigenen Nutzen.Im Grunde genommen ist der Mensch fr spirituelle Entwicklung gnzlich ungeeignet. Erist vielmehr dafr geschaffen, krperliche Funktionen zu erfllen, wofuer er in seinemunterentwickelten Zustand auch durchaus imstande ist. Evolution ist die selteneAusnahme, ein Schwimmen gegen den Strom, ein Entkommen aus der sonst gltigenGesetzmigkeit. Der Grund dafr, dass spirituelle Entwicklung berhaupt mglich ist,besteht darin, dass sie auch dem hheren Kosmos einen Nutzen bringt. Parallel zu derabwrts gerichteten Bewegung universellen Wachstums der physikalisch endlosenAusdehnung des Universums existiert eine aufwrts, auf die Bewusstheit gerichteteBewegung, fr die eine kleine Zahl bewusster Individuen unverzichtbar ist. Das sind diebreiten und schmalen Wege, die in den Evangelien erwhnt werden. Gurdjieff verglich diebewussten Individuen mit Eicheln auf einem Feld. Aus wie vielen der AbermillionenEicheln, die die Natur hervorbringt, werden wirklich Bume? Deswegen ist der VierteWeg exklusiv. Er ist fr alle da, aber er schmeichelt niemandem. Es ist auch kein Weg, derhalbherzig gegangen werden kann. Er ist eine letzte Zuflucht, ein Ausweg fr diejenigen,die von allem anderen enttuscht sind, die gesucht, aber nicht gefunden haben. Er ist einWeg fr desillusionierte Menschen, die zuviel wissen die wissen, dass sie nichts zuverlieren haben.

  • METHODEN DER ARBEIT

    BEOBACHTUNG - SELBST-BEOBACHTUNGDie Praxis der Selbst-Beobachtung und der Selbst-Erinnerung sind die zwei Hauptpfeiler derGurdjieff-Arbeit. Selbst-Beobachtung ist das fundamentale Medium des Selbststudiums. DieSelbst-Beobachtung, wenn sie korrekt ausgefhrt wird, beginnt unsere innere und uereSituation zu enthllen - unsere zwei gegenstzlichen Naturen, unseren Mangel anAufmerksamkeit, unsere Mechanitt, die Disharmonie unsere Funktionen und Fhigkeitenund warum alles in unserem Leben einfach nur geschieht. Die Selbst-Beobachtungbekommt einen greren Wert, wenn wir einiges an theoretischem Wissen ber diemenschliche Maschine erwerben, ihre Funktionen, ihre wesentlichen Organe und derenVerbindungen. Beispielsweise spricht Gurdjieff davon, dass wir drei Zentren oderFunktions-Schwerpunkte haben: Denken, Fhlen und instinktiv-motorische Funktionen.ber die Selbst-Beobachtung knnen wir diese Idee verifizieren und feststellen, welcheAssoziation oder welcher Impuls aus welchem Zentrum kommt oder welches Zentrumdavon beeinflusst wird. Wenn ich mich und meine Funktionen beobachte, ist es unabdingbareine objektive Haltung einzunehmen. Diese wird mglich durch eine korrekteWertschtzung fr das Ziel des Erwachens. Ganz klar gesagt, ich muss wissen, was hilft mirzu erwachen und was bringt mich in den Schlaf? Wie Gurdjieff sagte: Wenn ein Mensch sichin Gefangenschaft befindet hat er nur ein Ziel Freiheit. Wenn er also in seiner Zelle sitzt,wie nimmt er jedes Ding, jeden neuen Eindruck auf? Nach welchem Kriterium? Wenn Siefhig sind hier innezuhalten und fr einen Moment nachzudenken

    SELBST-ERINNERUNGGurdjieff zufolge ist die echte Selbst-Erinnerung oder das Gewahrsein des eigenen Daseinsund der mechanischen Existenz, der prinzipielle Prozess, der die gesamte Praxis der Arbeitdurchdringt und mit einer erweckenden Kraft ausgestattet ist. Selbst-Erinnerung ist dasSelbe wie sich seiner Selbst bewusst werden Ich bin: Gurdjieff deutete an, dass diesweder psychische Funktionen, Gedanken, noch Gefhle voraussetzt; es ist ein speziellerZustand einer teilweisen, aber fortwhrenden Transformation des Bewusstseins. Eincharakteristischer Zug der Selbst-Erinnerung ist die geteilte Aufmerksamkeit, diegleichzeitig auf das Objekt und uns selbst gerichtet ist. Es bleibt die wichtige Frage wie mansich seiner selbst erinnert, wie gelangt man in diesen Zustand grerer Bewusstheit? Dererste Schritt dahin ist das Erfassen der Tatsache, dass wir im Wesentlichen unbewusst sind,dass wir schlafen; und wir mssen diese Tatsache vollstndig akzeptieren. Wenn dieAkzeptanz dieser Tatsache, dass wir uns nicht unserer selbst erinnern knnen, in uns stndigvorhanden ist, dann erhalten wir vielleicht die Chance uns unserer selbst zu erinnern. Wirbeginnen die Annherung an die Selbst-Erinnerung mit Hilfe des Verstandes. In der Realittjedoch ist dieses Phnomen keine intellektuelle Anstrengung auf den unteren Ebenen. Eserscheint durch Aufmerksamkeit, die auf Gedanken, Gefhle, Empfindungen gerichtet ist,durch die Kombination von Willen und stndiger Anstrengung, die im zunehmenden MaeMomente von Selbst-Gewahrsein erzeugen und intensiver werden. P.D. Ouspenskyschrieb:Um die Selbst-Erinnerung vollstndiger zu erleben, ist ein hohes Ma anemotionaler Energie notwendig. Das Resultat der Selbst-Erinnerung ist das Gewahrsein deseigenen, erwachten Bewusstseins und mit der Zeit, des eigenen permanenten Ich.

  • HEILIGE GLEICHUNGDie Heilige Gleichung ist eine Praxis der Anrufung, die von Gurdjieff das Gebet derHeiligen Bejahung genannt wurde.

    Heiliges Bejahen,Heiliges Verneinen,Heiliges Vershnen,

    Verkrpert Euch in mirFr mein Sein!

    Gurdjieff glaubte, dass dies eines der universalen Gebete ist, in Verbindung mit demGesetz der Drei, die der Menschheit gegeben wurden. Verneinung existiert in jederSituation im Leben. Die Bedeutung der Bejahung fhrt zu der Notwendigkeit einebewusste, spirituelle Anstrengung zu machen. Dies steht im Zusammenhang mit demAkzeptieren und berwinden der eigenen Trgheit oder Schlafes. Die Heilige Vershnungdarf nicht nur als etwas Abstraktes begriffen werden, sondern muss ihren Ausdruck alseine Kraft finden, die bis in unser Innerstes dringt. Nach Gurdjieff kann dieVerwirklichung des Gesetzes der Drei in einem menschlichen Wesen wie folgt formuliertwerden: Das Hhere verschmilzt mit dem Niederen, um das Mittlere hervorzubringen; welchesdann zum Niedrigen fr das nchst Hhere oder zum Hheren fr das nchst Niedrigere wird.

    ABSICHTLICHES LEIDENGurdjieff glaubte, dass die Spannung, die unweigerlich zwischen unseren bewussten undden unbewussten Teilen entsteht, gebraucht werden kann und auch gebraucht werdensollte. Der Mensch, der nach Erweckung strebt, muss versuchen jedes mgliche Mittel frdiese Arbeit zu gebrauchen, einschlielich des ganzen Spektrums des Leidens. Derschlafende Mensch leidet blind und ohne Hoffnung, dass heit unbewusst. Ein richtigesVerstehen und Anwenden dieser Methode kann zu einer Transformation von Energienund einer zu Vernderung des Wesens fhren. In einem seiner Gesprche sagte Gurdjieff:Man braucht Feuer. Ohne Feuer wird es nichts geben. Dieses Feuer ist Leiden, absichtlichesLeiden, ohne das es unmglich ist etwas zu schaffen. Man muss sich vorbereiten, muss wissenwas einen Leiden lsst und wenn es soweit ist, muss man es gebrauchen.

    BEWUSSTES BEMHENBewusste Arbeit bezeugte anhaltende Anstrengung intelligent angegangen,eingeschtzt und verbessert auf einer fortfhrenden Basis Anstrengungen, die etwasbewirken, werden die Faulheit besiegen und die innere und uere Welt verbinden. DieseAnstrengungen mssen zu einem grndlichen und genauen Selbst-Studium beitragen.Wenn wir den Wechsel unserer Ichs und unserer inneren Zustnden beobachten,beginnen wir die Wirkung kosmischer Gesetze zu sehen, wie sie durch bewusste undmechanische Krfte in uns interagieren. Bewusstes Bemhen ist der erste Schritt weg vomFluch der Selbst-Beruhigung.

  • ERKENNEN DES INDIVIDUELLEN ZIELESJedes menschliches Wesen, das zur Tradition des Vierten Weges gehrt, muss entwederein persnliches Ziel haben oder sich eines schaffen. Echter Fortschritt ist ohne Zweck undzugrundeliegendes Ziel nicht fassbar. Wenn wir nach geborgten Zielen streben riskierenwir Selbsttuschung. Ein generelles Ziel der Arbeit gibt Strke, kann aber das individuelleZiel nicht ersetzen, das damit verbunden sein muss.

    DIE FNF SEINS-VERPFLICHTUNGENDie fnf Seins-Verpflichtungen in sich zu kultivieren und zu untersttzen, ist eine der Seins-Pflichten des Menschen, der in der Arbeit voranschreiten will. Gurdjieff schrieb die folgendenFormulierungen Ashiata Shiemash zu, einer mythischen Figur aus seinem HauptwerkBeelzebubs Erzhlungen.

    Das erste Streben in ihrer gewhnlichen Seins-Existenz alles fr ihren planetischenKrper wirklich Notwendige zufriedenstellend zu haben.Das zweite Streben immer ein unablssiges instinktives Bedrfnis nachSelbstvervollkommnung im Sinne des Seins zu haben.Das dritte Streben das bewusste Streben, die Gesetze der Weltschpfung undWelterhaltung immer mehr und mehr kennenzulernen.Das vierte Streben so bald und so rasch als mglich die Schuld fr ihr Entstehenund die Individualitt ihrer Existenz abzuzahlen, um danach frei zu sein, soviel alsmglich den Kummer UNSERES GEMEINSAMEN VATERS erleichtern zu helfen.Das fnfte Streben ist das Streben, der schnelleren Vervollkommnung andererWesen, sowohl der uns hnlichen als auch der Wesen anderer Formen beizustehen, biszu dem Grade des heiligen Martfotai, das heit, bis zum Grad der Selbst-Individualitt.

    MOVEMENTSIn einem Vortrag von 1923 sagte Gurdjieff: Movements, die als Teil der Arbeit betrachtetwerden, knnen in folgende Kategorien eingeteilt werden:

    I. diejenigen, in denen die besonderen Eigenheiten des Menschen bercksichtigt werden,nicht nur die heutigen, sondern auch diejenigen, die aller Wahrscheinlichkeit nach nochauftauchen werden

    II. wenn der Atem an den Movements beteiligt istIII. wenn das Denken an den Movements teilnimmtIV. wenn die alten, konstanten und unvernderlichen Elemente des Menschen an den

    Movements teilhaben

    Nur wenn die Movements mit den eben aufgezhlten Punkten in Verbindung stehen, knnensie im normalen, alltglichen Leben ntzlich sein. Gurdjieff, der ein bemerkenswertes Talentauf diesem Gebiet besa, nutzte viele Methoden, einschlielich, mit groer Intensitt, die vonihm geschaffenen Movements, die zu einer Musik ausgefhrt wurden, die er und Thomas deHartmann komponierten. Whrend der Ausfhrung der Movements, unter GurdjieffsAnleitung, war es mglich Fhigkeiten der Konzentration und des Gebetes zu erlangen, sowieInformationen ber die spezifischen Charakteristiken der eigenen menschlichen Maschine.

  • BUNGEN ZU DEN 5 ANZUSTREBENDEN ZIELEN

    bungen, die die fnf Obligolnischen Bemhungen betreffen, lassen sich schwer festlegen,da sie sich auf unser persnliches Lebensbild und die Arbeit beziehen. Die Aufgaben, diezur Erfllung dieser Veantwortung vollbracht werden mssen, knnen ganz verschiedensein und richten sich nach unseren wesentlichen Charaktermerkmalen und Fhigkeiten,unseren natrlichen Gaben und Interessen. Oftmals setzen sie nicht nur ein gehriges Maan Selbstkenntnis voraus, sondern auch Geschick und Kenntnis in den betreffendenGebieten. Traditionsgem werden diese Aufgaben oft von einem Lehrer gestellt, derEinblick in Teile unseres Wesens besitzt, die wir noch nicht entwickeln haben, die aber frein harmonisches Wachstum vonnten sind. Natrlich wissen wir in vielen Fllen schonsehr genau, was fr uns ntig wre, sind aber zu stark mit den durch Gewohnheitverfestigten Verhaltensweisen unserer Persnlichkeit identifiziert, um die notwendigenSchritte zu unternehmen, und daher brauchen wir ein wenig Ermutigung. Wenn mankeinen Kontakt zu einem Lehrer hat, liegt es an jedem Einzelnen selbst, sich seiner Fehlerund Mistnde auf diesen Gebieten bewut zu werden und entsprechend zu handeln.

    Erstes Ziel: In seinem normalen Lebenszustand alles zu haben, das dem Wohlergehen desplanetarischen Krpers dient und das er wirklich bentigt.

    Die erste Bemhung lt sich von den meisten von uns leicht bewerkstelligen, sonsthtten wir nicht die Zeit, Mittel oder Inklination, die Arbeit berhaupt erst aufzunehmen.Jeder, der auf diesem Gebiet versagt, disqualifiziert sich dadurch automatisch von derMitgliedschaft in einer Gruppe.

    Zweites Ziel: Ein fortwhrendes und unermdliches instinktives Bedrfnis nachSelbstverbesserung des Wesenskerns zu haben.

    Das zweite Ziel handelt von der Ernsthaftigkeit und Energie, die man fr die Arbeitmitbringt. Viele Leute interessieren sich nur oberflchlich fr die Arbeit, sei es ausGrnden der Selbstliebe oder intellektueller Neugier. Auf diesem Gebiet ist aber absoluteHingabe und Ehrlichkeit abgebracht. Hindernisse sollen bewltigt und nicht auspersnlicher Bequemlichkeit und Faulheit umgangen werden.

    Drittes Ziel: Man mu bewut immerzu danach streben, mehr und mehr ber dieGesetze der Welterschaffung und Welterhaltung zu lernen.

    Das dritte Ziel erfordert die Entwicklung des intellektuellen Zentrums und denwahrhaftigen Wunsch, die Theorien und Prozesse unseres Universums zu verstehen unddie Entwicklung des eigenen Selbst. Wenn man eine gefhhls-zentrierte oder eine krper-zentrierte Person ist, mu man sich auf intellektuellem Gebiet besonders anstrengen.

    Viertes Ziel: Das Ziel, vom Anfang ihres Lebens an danach zu streben, so schnell wiemglich den Preis fr ihr Entstehen und ihre Individualitt zu begleichen, um danach dieFreiheit zu haben, den Kummer unseres Gemeinsamen Vaters so klein wie mglich zuhalten.

  • Das vierte Ziel erfordert Mitleid und Unparteilichkeit, um das Leiden als natrliches Losdes Lebens zu ertragen. Arbeite daran, dich in die Lage eines anderen zu versetzen undVerantwortung fr diejenigen zu bernehmen, die unter schwierigeren Bedingungenleben. Es ist auerdem auch notwendig, eigene Fehler nach Mglichkeit wiedergutzumachen, durch die man andere hat leiden lassen; wenn das nicht mglich ist, sollteman bescheiden seine Last tragen.

    Fnftes Ziel: Das Ziel, immer Beistand zu leisten, um anderen Wesen zu ermglichen,sich schnellstmgllich zu vervollkommnen, sowohl Wesen die einem selbst hneln als auchsolchen einer anderen Gattung, bis der Grad des heiligen Martfotai, das heit, bis der Gradder Untrennbarkeit des Selbst erreicht ist.

    Das fnfte Ziel ist mglicherweise eines der am schwersten zu erreichende, da es uns indie Lage eines Lehrers versetzt. Lehren und jemand etwas beibringen kann vieleverschiedene Formen annehmen, sei es, da man ein guter Vater oder gute Mutter ist, daman mit andern in einer Gruppe teilt oder da man ein Guru ist, der Hunderte vonSchlern um sich schart. Hre auf dein Gewissen und suche dir deinen eigenen kleinenPlatz. Wie bei jedem Weg der Tat liegt die grte Schwierigkeit darin, da erst einmal dasEgo berwunden werden mu, denn das Ego ist wie ein Stock mit zwei Enden. Das eineEnde ist der arrogante, selbstgefllige Charaker, das andere Ende ist der unterwrfigeselbstzerstrerische Charakter. Beiden gemeinsam ist die Konzentration auf das Ego-Selbst.

    Ich bin ja so groartig oder Ich bin ja so ein Nichts. Wahre Bescheidenheit hlt diesenbeiden Seiten die Balance, und nur durch diese Balance kann man wirklich selbstloshandeln. Die meisten von denen, die der Verantwortung des Lehrens aus dem Weg gehenmchten, haben dafr die egoistische Ich bin ja so ein Nichts-Ausrede.

    Unterschze deine Fhigkeiten nicht und habe keine Angst davor, ein paar Fehler zumachen. Dadurch, da man anderen etwas beibringt, lernt man selbst am besten. Wennder Lehrer bereit ist, dann kommen auch die Schler.

    ERWGUNGEN

    * Wer ist es, der strebt ? * Bei der Erstrebung welchen Ziels spre ich innere Widerstnde ? * Warum strebe ich ? * Wonach strebe ich ? * Wen mchte ich durch mein Streben beeindrucken ? * Welche zu erstrebenden Ziele vermeide ich oder mag ich nicht ?

  • ERSTE INITIATION5

    (G.I. Gurdjieff zugeschrieben, vielleicht aber auch von Jeanne de Salzmann)

    Ihr werdet sehen, dass man vom Leben exakt das zurckbekommt, was manhineingesteckt hat. Euer Leben ist der Spiegel von dem was ihr seid, es ist euerSpiegelbild. Ihr seid passiv, blind und anspruchsvoll. Ihr nehmt alles, ihr akzeptiert alles,ohne jemals das Gefhl zu haben, dafr zahlen zu mssen. Eure Haltung zum Leben undzur Welt ist die Haltung von jemandem, der das Recht hat, zu verlangen und zu nehmen.Jemand, der fr nichts bezahlen oder sich etwas verdienen muss. Ihr glaubt, dass alles freuch so eingerichtet sei, nur weil ihr es seid. All eure Blindheit liegt da. Es fllt euch nichtauf. Es ist jedoch das, was in euch eine Welt von der anderen trennt. Ihr habt keinenMastab euch selbst zu beurteilen. Ihr lebt nur zwischen Ich mag und Ich mag nicht.Das bedeutet, ihr messt nur euch selbst Bedeutung zu. Ihr erlaubt es nicht, dassirgendetwas ber euch steht theoretisch vielleicht, aber nicht in der Realitt. Darum seidihr so voller Anspruch und denkt weiterhin, dass alles billig sein sollte, damit ihr es euchleisten knnt alles zu kriegen. Ihr seht nichts was hher steht, nicht auerhalb oderinnerhalb von euch. Darum, ich wiederhole, habt ihr keinen Mastab und lebt nur, umeure Launen zu befriedigen.

    Ja, eure Selbstwertschtzung macht euch blind. Sie ist das grte Hindernis fr einneues Leben. Man muss fhig sein dieses Hindernis zu berwinden, diese Schwelle, bevores weitergehen kann. Es ist der Test, der die Spreu vom Weizen trennt. Wie intelligent, wiebegabt oder brillant ein Mensch auch sein mag, wenn er seine Meinung ber sich selbstnicht ndert, ist er fr die innere Entwicklung verloren. Fr die Arbeit, die aufSelbsterkenntnis beruht, einer echten Evolution. Er wird so bleiben wie er ist, sein ganzesLeben. Die erste Anforderung, die erste Bedingung, der erste Test fr den, der an sichselbst arbeiten will, ist seine Selbstwertschtzung zu ndern. Es darf nicht nur eingebildetsein oder gedacht oder geglaubt, man muss die Dinge in sich sehen, die man vorher nichtgesehen hat, wirklich sehen. Niemand wir die Meinung ber sich selbst ndern, solange ernicht in sich sieht. Und um zu sehen, muss man lernen zu sehen: Das ist die ersteEinweihung eines Menschen zur Selbsterkenntnis. Zuallererst muss er wissen wonach erAusschau halten muss. Wenn er es wei, muss er sich anstrengen, seine Aufmerksamkeitfokussieren, konstant und Zh schauen. Indem er seine Aufmerksamkeit aufrecht erhlt,er nicht vergisst zu schauen, wird er eines Tages sehen. Wenn er einmal sieht, kann er auchdas zweite Mal sehen. Und wenn das wiederholt wird, kann er nicht ignorieren was ersieht. Das ist der Zustand, den wir in unserer Beobachtung anstreben; daraus wird derwahre Wunsch, der Wunsch zur Entwicklung, geboren. Aus unserer Klte wird Hitze,vibrierend; wir werden tief angerhrt von unserer Wirklichkeit. Heute haben wir nur dieIllusion von dem was wir sind. Wir berschtzen uns selbst. Wir respektieren uns nichtselbst. Um mich selbst zu respektieren muss ich in mir einen Teil erkennen, der hher alsdie anderen Teile ist und dem ich Respekt entgegenbringe, durch die Haltung, die ichdazu einnehme. Auf diesem Wege werde ich mich respektieren. Und meine Beziehungen

    5 http://gurdjieffclub.com/de/articles-essay-first-initiation-by-jeanne-de-salzmann

  • mit anderen werden durch denselben Respekt regiert. Wir mssen verstehen, dass alleanderen Maeinheiten, Talent, Gelehrsamkeit, Kultur, Genie vernderliche Maeinheitensind, Einheiten fr Details. Die einzig wahre Maeinheit, unvernderlich, objektiv, ist dieMaeinheit der inneren Schau. Ich sehe Ich sehe mich selbst, das ist das Ma. Miteinem hheren, wirklichen Teil, habt ihr einen niedrigeren, ebenfalls realen, beurteilt. Unddieses Beurteilen, das durch sich selbst die jeweiligen Rollen jedes Teiles definiert, bringtSelbstrespekt. Aber ihr werdet sehen, es ist nicht leicht.

    Es gibt kein Feilschen. Man muss eine Menge bezahlen. Fr die schlechten Zahler, dieFaulen, die Verlierer - keine Chance. Man muss zahlen, eine Menge zahlen, sofort und imVoraus. Zahle aus eigener Kraft, mit aufrichtiger Arbeit, mit ganzem Herzen, ohneErwartung. Je mehr man gewillt ist zu zahlen, ohne Zurckhaltung, ohne zu betrgen undohne Falschheit, umso mehr wird man erhalten und von da an wird man seiner wahrenNatur begegnen. Ihr werdet all die Tricks sehen, all die Unehrlichkeit, um zu vermeidenbezahlen zu mssen. Denn man muss mit seinen haltlosen Theorien, all den tiefverwurzelten berzeugungen, all den Vorurteilen, all den Konventionen, dem Ich magund Ich mag nicht bezahlen. Man muss bezahlen ohne zu feilschen, ernsthaft, sich nichtnur etwas vormachen. Versucht zu sehen, wenn ihr Falschgeld benutzt.

    Versucht fr einen Moment die Idee zu akzeptieren, dass ihr nicht das seid, was ihr glaubtzu sein, dass ihr euch selbst berschtzt, dass ihr euch deshalb selbst belgt. Dass ihr euchimmer belgt, jeden Moment, den ganzen Tag, euer ganzes Leben. Dass die Lge euch ineinem Ausma regiert, dass ihr sie nicht mehr kontrollieren knnt. Ihr seid ihr Opfer. Ihrlgt berall. Eure Beziehungen zu anderen, Lgen. Die Erziehung, die ihr gebt, euregeliebten Konventionen, Lgen. Euer Lernen, Lgen. Eure Theorien, eure Kunst, Lgen.Euer soziales Leben, euer Familienleben, alles Lgen und was ihr ber euch selber denkt,ebenfalls Lgen. Doch weder stoppt ihr euer Tun, noch das, was ihr sagt, den ihr glaubt aneuch. Ihr msst innerlich anhalten und beobachten. Beobachten ohne Vorurteil,gleichzeitig akzeptiert eine Zeitlang die Idee ber das Lgen. Und wenn ihr in dieser Artbeobachtet, fr euch selbst zahlt, ohne Selbstmitleid, indem ihr all eure falschenReichtmer fr einen Moment der Wirklichkeit hingebt, werdet ihr vielleicht eines Tagespltzlich etwas sehen, dass ihr niemals zuvor gesehen habt. Ihr werdet in euch jemandenanderen sehen, nicht den aus eurer Einbildung. Ihr werdet sehen, dass ihr zwei seid. Einer,der nicht ist, aber den Platz des anderen bernimmt und seine Rolle spielt. Und den, derist. Doch dieser ist so schwach, so unbestndig, dass er, wenn er auftaucht, auch schonwieder verschwindet. Er kann Lgen nicht aushalten. Die kleinste Lge ttet ihn. Erkmpft nicht, es widersteht nicht, er ist im Voraus besiegt. Lernt zu schauen bis ihr denUnterschied zwischen euren zwei Naturen beobachtet, bis ihr die Lgen gesehen habt, denBetrger in euch. An dem Tag, wenn ihr eure zwei Naturen seht, wird in euch dieWahrheit geboren.

  • GURDJIEFFS "KAMPF GEGEN DEN SCHLAF"6Diese verfluchten Idioten ...In der Abtei von Fontainebleau in der Nhe von Paris grndete Georg IwanowitschGurdjieff Ende 1922 das "Institut zur harmonischen Entwicklung des Menschen". In dieserAbtei lebten und arbeiteten u. a. viele Schriftsteller, Wissenschaftler, rzte, Knstler, diealle bereitwillig ihre bisherige Arbeit und Karriere aufgegeben hatten, um Gurdjieffs Lehrezu folgen. Ein unbeteiligter Beobachter der Geschehnisse, der die Abtei mehrmalsbesuchte, schildert seine Eindrcke so:

    "Die 60 bis 70 Schler, die hier lebten, taten tagsber harte krperliche Arbeit, lebten in kalten,karg eingerichteten Zimmern und von verheirateten Paaren mit Kindern abgesehen, streng nachGeschlechtern getrennt. Mittags gab es Suppe mit Mehl, dafr aber reichlich. Gurdjieff fordertabsoluten Gehorsam und verlangt von jedem genau das, was seinem persnlichen Zu- oderAbneigungen entgegenluft. Es gilt, die Gewohnheiten der Schler zu brechen, denn diese sinddie strksten mechanischen Verkettungen, denen man unterworfen ist. Etwa um neun oderzehn Uhr versammeln sich alle zu den Tnzen und den sogenannten Dauerbungen: z.B. mitausgestreckten Armen umhergehen; was einige eine Stunde lang fertigbrachten."

    Zu diesen Tnzen schreibt Dr. Young, ein Bewohner der Abtei:

    "Der Sinn der Tnze bestand ebenfalls darin, die Trgheit krperlicher Gewohnheiten zubrechen, sich trotz Erschpfung um geistige Konzentration zu bemhen und absoluteKrperbeherrschung zu erlangen. Ein Training, fr das sicherlich ein groes Ma an Willenerforderlich ist. Die Tnze bestanden z.B. aus vier verschiedenen Bewegungen, von denen jedeeinen eigenen Rhythmus hatte oder gegenstzlich war, wie beispielsweise Kreisbewegungenmit der einen und Klopfbewegungen mit der anderen Hand, whrend dessen man ein immerkomplizierter werdendes Kopfrechnen durchzufhren hatte."

    Weshalb entscheidet sich jemand fr ein derartiges Leben? Der verwhnte westlicheMensch, der nun theoretisch die Freiheit und das Geld htte, ber sich selbst zubestimmen und sich gem seinen Anlagen zu entwickeln, sucht nach Lehrern, die ihn anseine Grenzen heranfhren, ihn in Frage stellen, ihn womglich demtigen und von ihmgenau das Gegenteil verlangen, als wonach er gerade das Bedrfnis htte. Fast sieht es wieeine weitere Perversion seines Konsumverhaltens aus. Der moderne Mensch steht voreinem berangebot an Waren und Mglichkeiten, sein Leben zu gestalten. In vielen Fllenscheint ihn das zu verwirren, wo kann er einen Sinn, ein Ziel erkennen? Nun sucht erdanach, seine ueren Umstnde wieder so schwer wie mglich zu gestalten, entscheidetsich - freiwillig? - fr Entbehrung, Demtigung, Gehorsamkeit, Schmerzen, Ekel,einerseits, um in seiner bersttigung berhaupt mal wieder etwas zu fhlen.Andererseits vielleicht in der Hoffnung, durch bewutes Wahrnehmen undTransformieren der dabei auftretenden Gefhle innerlich frei und stark zu werden. Wieknnte ein Mensch aussehen, der so frei und stark geworden ist? Wie wird er sichverhalten? Wie nehmen wir ihn wahr? Zieht er sich zurck wie ein Mnch, einbuddhistischer Meister, der abgeklrt und abgekehrt von irdischer Mhsal, nicht spricht,nicht sprechen mu, sondern seine Weisheit in seinem ruhigen und unerbittlichen Lchelnausstrahlt? Gurdjieff, der, wie wir wohl annehmen drfen, diese innere Freiheit besa und,wie Ouspensky es ausdrckte, "zu den Quellen der Erkenntnis" vorgedrungen war,verhielt sich sehr anders. Man hat die Assoziation eines genialen Jongleurs, der anstatt mit6 http://www.philognosie.net/index.php/article/articleview/186/

  • Bllen, mit seinen Schlern spielt, sie erhebt und wieder in Verwirrung strzt, von ihnenmit der unerschtterlichen Sicherheit eines von sich selbst berzeugten Menschen, Dingeverlangt, die sie nicht verstehen und sie an den Rand ihrer Krfte bringen und deren Sinnsie erst durch die praktische Arbeit ergrnden knnen - wenn sie knnen. Er konfrontiertsie mit Widersprchlichkeiten, Arroganz und Sarkasmus. Hierzu einige Beispiele ausLouis Pauwels Buch Gurdjieff der Magier: "Man stellte sie (die Schler) mit ihrenschndlichen Neigungen blo und rechnete ihnen die erheblichen Ausgaben vor, zu denen ihrGastgeber durch ihren Appetit und Durst veranlat wurde. "Wieviel glaubt ihr, wird das kosten?"sagt Gurdjieff und hlt ein hchst mageres Radieschen hoch, "ein Sonderradieschen, extra frmich aus dem Kaukasus geschickt." Es kam gerade-wegs vom Markt in Neuilly."

    Dr. Young, ein bekannter englischer Psychiater und Schler von C. G. Jung, gab seinePraxis auf, um als Schler von Gurdjieff in der Abtei von Fontainebleau zu leben. Erberichtet: "Gurdjieff beschlo, einen Wagen zu kaufen. (...) Man nahm an, Gurdjieff habe niefahren gelernt, was wahrscheinlich stimmte. Viele - und darunter die intelligentenEnglnderinnen - glaubten, Gurdjieff brauche es nicht auf eine normale Art zu lernen. Er wrdesozusagen durch Eingebung fahren lernen. Man vertrat den Aberglauben, Gurdjieff sei mitauergewhnlichen und mysterisen Krften begabt. Wenn man das Kreischen desmihandelten Getriebes hrte, erklrten die Getreuen beharrlich, da der Meister damit dieZuneigung und Treue solcher Skeptiker, wie ich es sei, zu erproben gedenke."

    Gurdjieff schrieb ber sich selbst: "Die groe Natur hatte meine ganze Familie und vor allemmich freigiebig mit einem Ausma von Fassungskraft ausgestattet, wie es selten von einemMenschen erreicht wird."

    Der Wissenschaftler, Schriftsteller und Gurdjieff-Schler Pierre Schaeffer erklrt dieIntentionen seines Lehrers wie folgt: "Ihr werdet weder getrstet, noch beruhigt, nochaufgeklrt. Ihr werdet nur einen Mann vorfinden, der Euch fhlen lt, inwieweit man einMensch, und zwar ein einsamer Mensch, sein kann."

    Wer soweit gekommen ist, hat das erste groe Ziel von Gurdjieffs Arbeit erreicht. Er hataufgehrt, eine Maschine zu sein, die sich nicht kennen und fr ihre Handlungen nichtverantwortlich sein kann. Bevor ein Mensch also von sich sagen kann, er handle, mu ernoch einmal ganz von vorne beginnen, wieder Kind werden, und durch fr ihn vlligneue Herausforderungen und berforderungen, seine wahren Grenzen und seineMglichkeiten kennenlernen. Denn der Mensch hat zwar die Illusion seiner Ganzheit undEinheit, ist aber in Wahrheit nur eine sich mit ueren Einflssen, Ereignissen und ihreneigenen gewohnheitsmigen Emotionen identifizierende Marionette.

    Doch wo ist nun der Ausweg aus dieser Misere? Das zentrale Gebot in Gurdjieffs Lehre ist,damit aufzuhren, sich zu identifizieren. Dies soll mit stndigen Bewutheitsbungenerreicht werden. Gurdjieff ging davon aus, da alle Gefhle des noch nicht entwickeltenMenschen falsch, und seine Handlungen mechanisch sind. Der sein gttliches SelbstSuchende sollte stndig den Satz "Das bin nicht ich" im Bewutsein haben. Die innereArbeit, die Gurdjieff von denen verlangt, die erwachen wollen und damit nach seinerPhilosophie erst zu Menschen werden, birgt Gefahren in sich. In manchen Zeugnissen derGurdjieff-Schler, die in Pauwels Buch zu Wort kommen, wird eine gewisse Sehnsuchtnach der "Lebensweise" einer funktionierenden Maschine deutlich: "Es ist besser zu lebenund wenig zu existieren, als berhaupt nicht zu existieren, weil man zu neugierig war und dasSchwindelgefhl einem das scheinbare Sein ausgehhlt hat" (P. Schaeffer).

  • Und: "Es galt fr mich, der Versuchung, das absolute, vollkommene und feste "Ich" zu besitzen,abzuschwren - wenigstens fr eine gewisse Zeit - wenn anders ich Freiheit und Gesundheitwiedergewinnen wollte. (...) ich war wie die meisten Mitglieder der Gruppen Gefangener meineseigenen Ehrgeizes (...)" (L. Pauwels).

    Gurdjieffs Regeln:

    1. Geh immer den Ereignissen nach, die der Rest der Menschheit als mysteris abtut. 2. Tu niemals etwas, weil andere es auch tun. 3. Denke niemals das, was andere denken. 4. Vertraue nur der eigenen Sicht der Welt, niemals der Sicht, wie sie andere haben.

    Und traue auch deiner eigenen Sicht nur einen Moment lang.

    OUSPENSKY: DER KAMPF GEGEN DEN SCHLAF7Um den Unterschied zwischen den einzelnen Bewusstseinszustnden zu verstehen,mssen wir zunchst auf den ersten, den Schlafzustand, eingehen. Er ist ein vlligsubjektiver. Der Mensch ist hier in seine Trume versunken gleichgltig, ob er eineErinnerung an sie bewahrt oder nicht. Selbst wenn irgendwelche realen Eindrcke auf denSchlfer einwirken, wie gewisse Gerusche, Stimmen, Hitze, Klte oder Gefhle seineseigenen Krpers, so knnen diese doch nur phantastische Bilder in ihm hervorrufen. Dannerwacht der Mensch. Auf den ersten Blick erscheint es als befnde er sich in einem ganzanderen Bewusstseinszustand. Er kann sich bewegen, mit anderen Personen sprechen,Plne machen, Gefahren sehen, sie vermeiden und so weiter. Normalerweise sollte manannehmen, dass seine Lage nun wesentlich gnstiger ist als im Schlaf. Aber wenn wir denDingen ein wenig mehr auf den Grund gehen, wenn wir einen Blick auf die innere Weltdes Menschen werfen, auf die Ursachen seiner Handlungen, entdecken wir, dass er sichjetzt fast im gleichen Zustand befindet wie vorher. Ja, er ist sogar in einer nochschlechteren Lage, denn whrend des Schlafes ist er passiv, das heit, er kann nichtsunternehmen. Im Wachzustand hingegen kann er handeln, und die Folgen seinerHandlungen werden auf ihn und seine Umgebung zurckwirken. Dabei ist er sich seinerselbst gar nicht wahrhaft bewusst. Er ist eine Maschine, alles stt ihm zu. Er kann die Flutseiner Gedanken nicht hemmen, er kann weder seiner Phantasie, noch seinen Gefhlen,noch seiner Aufmerksamkeit gebieten. Er lebt in einer subjektiven Welt des ,, , , , , - in einer Welt also, die aus dem besteht, was er zu lieben oder nicht zulieben, zu wnschen oder nicht zu wnschen glaubt. Er sieht nicht die wirkliche Welt. Diereale Welt ist fr ihn hinter der Mauer seiner Phantasie verborgen. Er lebt in einem Traum.

    Das, was er nennt, ist nur Schlaf und zwar ein viel gefhrlichererSchlaf, als der, den er nachts in seinem Bett erlebt. Betrachten wir irgendein Ereignis in derGeschichte der Menschheit. Den Krieg zum Beispiel. Auch in diesem Augenblick ist Krieg.Was soll das heien? Es bedeutet, dass mehrere Millionen Schlafender bemht sind,mehrere Millionen anderer Schlafender zu vernichten. Wenn sie sich weigerten das zu tun,

    7 Der im Jahre 1917 gehaltene Vortrag von Gurdjieffs wurde dem Buch Auf der Suche nach demWunderbaren von P. D. Ouspensky entnommen

  • das zu tun, wrden sie natrlich aufwachen. Alles was zur Zeit vor sich geht, ist aufRechnung dieses Schlafes zu setzen. Diese beiden Bewusstseinszustnde also, derSchlafzustand und der Wachzustand, sind gleichermaen subjektiv. Erst wenn der Menschbeginnt, sich seiner selbst bewusst zu werden, kann er wahrhaft erwachen. Dann gewinntdas ganze Leben rings um ihn ein anderes Aussehen und einen neuen Sinn. Er erblicktdarin ein Leben von schlafenden Menschen, ein Traumleben. Alles was die Leute sagen,was sie tun, geschieht im Schlaf. Nichts davon kann also auch nur den geringsten Werthaben. Allein das Erwachen und das, was zum Erwachen fhrt, hat wirklichen Wert. Wieoft habt ihr mich schon gefragt, ob es nicht mglich wre, den Krieg zu vermeiden.Natrlich wre es mglich. Die Menschen brauchten nur zu erwachen. Das klingt sehreinfach. Und doch gibt es nichts das schwieriger wre, weil der Schlaf durch das gesamteLeben um uns und durch alle Bedingungen unserer Umwelt verursacht und erhaltenwird.

    Wie kann man sich diesem Schlaf entziehen? Das ist die wichtigste und wesentlichsteFrage, die ein Mensch stellen kann. Doch bevor er sie stellt, muss er sich von der Tatsacheberzeugen, dass er schlft. Und das wird ihm nur mglich sein, wenn er aufzuwachenversucht. Wenn er erst einmal begriffen hat, dass er sich seiner selbst nicht bewusst ist unddass ein Bewusstwerden bis zu einem gewissen Grad ein Erwachen bedeutet, und wenn erdie Erfahrung gemacht hat, wie schwer es ist, sich seiner selbst bewusst zu werden , dannwird er auch begreifen, dass der Wunsch allein nicht gengt. Genauer gesagt , der Menschkann nicht allein zum Erwachen gelangen. Wenn aber zwanzig Menschen vereinbaren,dass der erste von ihnen, der aufwacht, die anderen weckt, besteht schon eine gewisseChance. Doch selbst das gengt noch nicht, denn es ist denkbar, das diese zwanzigMenschen gleichzeitig einschlafen und nur trumen, dass sie aufwachen. Man muss alsonach einer anderen Lsung suchen. Die zwanzig Menschen mssen von einer anderenPerson beaufsichtigt werden, der selbst nicht einschlft oder der zumindest nicht so leichteinschlummert wie die anderen oder der doch nur dann, und zwar ganz bewusst,einschlft, wenn es statthaft ist, das heit, wenn daraus kein Schaden fr ihn oder dieanderen entstehen kann. Die zwanzig Menschen mssen also einen solchen Menschenfinden und ihn dazu bringen, sie aufzuwecken und ihnen zu gestatten, wieder in denSchlaf zurckzusinken. Ohne diese Voraussetzung ist ein Erwachen nicht mglich. DieseTatsache gilt es zu begreifen. Es ist mglich, tausend Jahre lang zu denken, es ist mglich,ganze Bibliotheken zu schreiben, Theorien zu Tausenden aufzustellen und alles das imSchlaf, ohne jede Hoffnung auf Erwachen. Im Gegenteil: die von Schlafenden verfertigtenTheorien und Bcher werden nur bewirken, dass immer mehr Menschen in diesen Schlafhineingezogen werden. Diese Idee von Schlaf ist keineswegs neu. Fast seit der Erschaffungder Welt schon hat man den Menschen davon gesprochen.

    Wie oft lesen wir zum Beispiel in den Evangelien: Wacht auf, Wache, Schlaft nicht.Sogar die Jnger Jesu schliefen im Garten Gesemane, whrend ihr Meister zum letztenMal betete. Diese Tatsache besagt alles. Aber verstehen die Menschen sie? Sie halten sie freine rhetorische Floskel, fr eine Metapher. Und sie begreifen nicht, dass sie buchstblichals Wahrheit begriffen werden muss. Dabei ist gerade in diesem Fall der Grund noch leicht

  • zu erfassen. Die Jnger brauchten ja nur zu erwachen, oder sie sollten es zumindestversuchen. Man hat mich tatschlich oft gefragt, warum die Evangelien nie vom Schlafsprechen Es ist auf jeder Seite davon die Rede. Die Frage beweist nur, dass dieMenschen auch die Bibel im Schlaf lesen. Wie bringt man es fertig, einen schlafendenMenschen aufzuwecken? Man muss ihn anstoen. Wenn ein Mensch jedoch tief schlft,gengt ein einfacher Sto nicht. Dann muss man ihn immer wieder unaufhrlich rtteln.Infolgedessen ist ein Mensch ntig, der dies besorgt. Ich sagte bereits, dass ein Mensch,der erwachen will, sich einen Helfer dingen muss, der es bernimmt, ihn stndigwachzurtteln. Aber wen kann er dazu bringen, wenn doch alle Welt schlft? Er nimmteinem Menschen das Versprechen ab, ihn zu wecken, und dieser fllt seinerseits in denSchlaf. Wozu ist er ihm also ntze? Und wenn man einen Menschen findet, der tatschlichfhig ist, sich wachzuhalten, so wird dieser vermutlich Wichtigeres zu tun haben, als dieanderen zu wecken. Es besteht auch die Mglichkeit, sich mechanisch wecken zu lassen.Man kann eine Weckeruhr benutzen. Das Unglck ist nur, dass man sich allzu rasch anjede Weckeruhr gewhnt: man hrt sie schlielich gar nicht mehr. Man braucht also vieleWeckeruhren mit verschiedenen Klingelzeichen. Der Mensch muss sich buchstblich mitWeckern um geben, die ihn am Einschlafen hindern. Aber auch hier erheben sich wiederneue Schwierigkeiten. Die Weckeruhren mssen aufgezogen werden; um sie aufzuziehen,ist es unerlsslich, dass man an sie denkt; um daran zu denken, muss man immer wiederaufwachen. Und das schlimmste: der Mensch gewhnt sich an alle Wecker, und nach einergewissen Zeit schlft er nur umso besser.

    Infolgedessen mssen die Wecker stndig ausgewechselt werden, und man muss immerwieder neue erfinden. Das hilft mit der Zeit. Leider besteht aber nur wenig Hoffnung, dassder Mensch diese ganze Leist ung des Erfindens, des Aufziehens und des Austauschens allder Weckeruhren allein, ohne uere Hilfe, vollbringen kann. Es ist sehr viel wahrschein-licher, dass er diese Arbeit zwar in Angriff nimmt, dann aber bald einschlft und im Schlaftrumt, dass er Wecker erfindet, sie aufzieht und austauscht. Ein Mensch, der erwachenwill, muss sich also nach anderen Menschen umsehen, die den gleichen Wunsch haben,um dann mit ihnen zusammenzuarbeiten. Aber das ist leichter gesagt als getan, denn dieBewltigung einer solchen Aufgabe und ihre Organisation verlangen Kenntnisse, ber dieder gewhnliche Mensch nicht verfgt. Die Arbeit muss organisiert werden, und einermuss die Leitung bernehmen. Wenn diese beiden Bedingungen nicht erfllt sind, kanndie Anstrengung nicht die erwarteten Erfolge zeitigen, und alle Mhe ist vergebens. DieMenschen knnen sich qulen, aber auch diese Qualen werden sie nicht erwachen lassen.Es sieht so aus, als sei fr gewisse Menschen nichts schwieriger, als diese Zusammenhngezu begreifen. Sie mgen aus eigener Initiative zum grten Einsatz fhig sein, aber siewerden sich um keinen Preis der Welt davon berzeugen lassen, dass ihr erstes Opferdarin bestehen muss, sich einem anderen zu unterwerfen. Und sie wollen nicht zugeben,dass all ihre anderen Opfer in diesem Fall zu nichts ntze sind. Die Arbeit muss geplantwerden. Und das kann nur durch einen Menschen geschehen, der ihre Probleme, ihreMethoden und ihre Ziele kennt und der sich selbst schon einmal in ein solch organisiertesWerk eingegliedert hat.

  • Energie Schlaf1

    In einem frheren Vortrag sagte ich Ihnen, dass unser Organismus im Laufe vonvierundzwanzig Stunden eine bestimmte Energiemenge erzeugt, die fr seine Existenznotwendig ist. Ich wiederhole: eine bestimmte Menge. Gleichwohl ist diese Energiemengeviel grsser als das, was ein normaler Verbrauch erfordern wrde. Aber unser Leben ist soanomal, dass wir den Grossteil und mitunter sogar die gesamte Menge verausgaben, undnoch dazu unproduktiv. Eine der Hauptursachen fr den Energieverbrauch sind all dieunntigen Bewegungen, die wir im alltglichen Leben ausfhren. Spter werden Sieanhand bestimmter Experimente sehen, dass diese Energie grsstenteils genau in demAugenblick verbraucht wird, da unsere Bewegungen weniger aktiv sind. Zum Beispiel:wieviel Energie gibt ein Mensch an einem Tag aus, den er ganz mit krperlicher Arbeitzubringt? Ziemlich viel. Trotzdem gibt er sogar noch mehr aus, wenn er ruhig dasitzt undnichts tut. Unsere grossen Muskeln verbrauchen weniger Energie, weil sie sich besser aufdie Schwungkraft eingestellt haben, whrend die kleinen Muskeln mehr verbrauchen, weilsie sich der Schwungkraft weniger angepasst haben: sie knnen nur durch Kraft inBewegung gesetzt werden. So wie ich beispielsweise jetzt hier sitze, hat es den Anschein,als bewegte ich mich nicht. Das heisst aber nicht, dass ich keine Energie ausgebe. JedeBewegung, jede Spannung, ob gross oder klein, ist mir nur mglich, wenn ich diese Energieausgebe. Im Augenblick ist mein Arm gespannt, doch ich rhre mich nicht. Dennoch gebeich mehr Energie aus, als wenn ich ihn in dieser Weise bewegte (er macht eine Geste). Es istetwas sehr Interessantes, und Sie sollten zu verstehen versuchen, was ich ber dieSchwungkraft sage. Wenn ich eine jhe Bewegung mache, strmt Energie herbei, dochwenn ich diese Bewegung wiederhole (er macht die gleiche Geste), erfordert dieSchwungkraft keine Energie mehr. Sobald der erste Anstoss gegeben ist, hrt derEnergiestrom auf, und die Schwungkraft tritt an seine Stelle. Jede Spannung bentigtEnergie. Bei Spannungslosigkeit ist der Energieverbrauch geringer. Wenn mein Armgespannt ist wie jetzt, so verlangt das einen ununterbrochenen Strom, was bedeutet, dass ermit den Akkumulatoren verbunden ist. Bewege ich jetzt meinen Arm auf diese Weise, danngebe ich, da es mit Unterbrechungen geschieht, noch immer Energie aus.Leidet ein Mensch an chronischen Spannungen, so gibt er, auch wenn er nichts macht, auchwenn er sich hingelegt hat, mehr Energie aus als ein Mensch, der einen ganzen Tag mitkrperlicher Arbeit zubringt. Wer hingegen diese kleinen chronischen Spannungen nichthat, der verschwendet, wenn er nicht arbeitet oder sich nicht bewegt, gewiss keine Energie.

    Fragen wir uns jetzt: gibt es viele unter uns, die von dieser schrecklichen Krankheit freisind? - Wir sprechen nicht von den Leuten im allgemeinen, sondern von den hierAnwesenden; die anderen gehen uns nichts an. Fast alle haben wir diese reizendeGewohnheit. Vergessen wir nicht, dass jene Energie, von der wir jetzt so leichthin redenund die wir unwillkrlich und ohne Not vergeuden, die gleiche Energie ist, die wir fr diebeabsichtigte Arbeit bentigen; ohne sie vermgen wir nichts zuwege zu bringen.Wir knnen auch nicht mehr Energie erhalten. Der Energiezufluss nimmt nicht zu:dieMaschine bleibt so,wie sie geschaffen wurde. Wenn sie zum Beispiel geschaffen wurde, umzehn Ampere zu erzeugen, so wird sie auch weiterhin zehn Ampere erzeugen. Der Stromliesse sich nur vermehren, wenn man alle Drhte und Spulen vernderte. Eine Spule stellt

    1 Ouspensky, P.D. - Auf der Suche nach dem Wunderbaren

  • beispielsweise die Nase dar, eine andere ein Bein, eine dritte die Hautfarbe oder die Grossedes Magens. Die Maschine lsst sich also nicht verndern - ihr Aufbau bleibt so, wie er ist.Die Menge der erzeugten Energie ist konstant; selbst wenn die Maschine berholt wird,erhht sich diese Menge nur geringfgig. Das, was wir beabsichtigen, erfordert grosseAnstrengungen. Und Anstrengung verlangt viel Energie. Aber die Art von Anstrengungen,die wir bisher gemacht haben, bringt eine solche Energievergeudung mit sich, dass wirniemals werden ausfahren knnen, was wir uns vorgenommen haben. So brauchen wiralso einerseits sehr viel Energie, und andererseits ist unsere Maschine dergestalt gebaut,dass sie nicht mehr erzeugen kann. Wie kommen wir aus dieser misslichen Lage heraus?Der einzige Ausweg, das einzige mgliche Verfahren heisst: sparsam mit der vorhandenenEnergie umgehen. Wollen wir daher in dem Augenblick ber Energie verfgen, da wirihrer bedrfen, so mssen wir lernen, mit ihr, wo immer wir knnen, hauszuhalten.

    Es steht fest, dass einer der Hauptenergieverluste auf unserem Zustand unwillkrlicherGespanntheit beruht. Es gibt in uns viele andere Lecks, aber sie sind alle schwieriger zureparieren. Deshalb beginnen wir mit dem Leichtesten, das heisst mit der Beseitigungdieses Lecks. Anschliessend werden wir lernen, wie man mit den anderen fertig wird.Der Schlaf des Menschen ist nichts anderes als die Unterbrechung der Verbindungenzwischen den Zentren. Die Zentren des Menschen schlafen nie. Da die Assoziationen ihrLeben, ihre Bewegung ausmachen, halten sie niemals an, hren sie niemals auf. EinStillstand der Assoziationen bedeutet den Tod. Die Bewegung der Assoziationen setzt inkeinem Zentrum auch nur fr einen Augenblick aus. Sie laufen sogar im tiefsten Schlafweiter. Wenn ein Mensch im Wachzustand sieht, hrt, sein Denken wahrnimmt, so sieht,hrt, nimmt er sein Denken auch im Halbschlaf wahr, und diesen Zustand nennt er Schlaf.Selbst in jenem Zustand, in welchem er seiner Meinung nach ganz und gar aulhrt zusehen oder zu hren - und den er auch Schlaf nennt -, gehen die Assoziationen weiter.Der einzige Unterschied liegt in der Strke der Verbindungen zwischen dem einenZentrum und einem anderen. Gedchtnis, Aufmerksamkeit, Beobachtung sind nichtsanderes als die Beobachtung eines Zentrums durch ein anderes oder das Abhren einesZentrums durch ein anderes. Folglich brauchen die Zentren selber nicht anzuhalten und zuschlafen. Schlaf bringt ihnen weder Vorteile noch Nachteile. Der sogenannte Schlaf ist nichtdazu da, den Zentren eine Ruhepause zu gewhren. Wie schon gesagt, tritt der Tiefschlafein, wenn die Verbindungen zwischen den Zentren unterbrochen sind. Und tatschlichherrscht der vollstndige Ruhezustand der Maschine, der Tiefschlaf, dann, wenn alleVerbindungen, alle Bindeglieder zu funktionieren aulhren. Wir haben mehrere Zentren,und wir haben ebenso viele Verbindungen, sagen wir fnf Verbindungen. (In Wirklichkeitstimmt das nicht ganz: einige Menschen haben zwei Verbindungen, andere haben sieben.Fnf haben wir als einen Mittelwert genommen). Der Wachzustand ist dadurchgekennzeichnet, dass alle diese Verbindungen intakt bleiben. Wenn jedoch eine davonunterbrochen ist oder nicht lnger funktioniert, so sind wir weder eingeschlafen nochhellwach.Ein Bindeglied ist abgetrennt - wir sind nicht mehr hellwach, aber auch nicht eingeschlafen.Sind zwei Bindeglieder unterbrochen, so sind wir noch weniger wach - allein wir sind nochimmer nicht eingeschlummert. Wenn ein drittes unterbrochen wird, so sind wir nichteigentlich mehr wach und dennoch nicht wirklich in Schlaf gefallen; und so weiter.

  • Demnach haben wir nicht, wie wir annehmen, zwei Zustnde: Schlaf- und Wachzustand,sondern mehrere. Zwischen dem aktivsten und intensivsten Zustand, den jeder habenkann, und dem passivsten Zustand gibt es bestimmte Abstufungen. Wenn nur eineVerbindung ausfllt, so ist das usserlich nicht ersichtlich und bleibt fr andereunbemerkbar. Es gibt Menschen, deren Fhigkeit sich zu bewegen, zu gehen, zu leben nurdann aussetzt, wenn alle Verbindungen abgebrochen sind, und es gibt andere Leute, beidenen die Unterbrechung zweier Verbindungen gengt, damit sie in Schlaf fallen.Betrachten wir den Bereich zwischen Schlaf und Wachen als einen mit siebenVerbindungen, so gibt es Leute, die im dritten Grad des Schlafes weiterhin leben, redenund gehen.

    Der Zustand des Tiefschlafs ist fr alle der gleiche, doch die dazwischenliegendenAbstufungen sind hufig subjektiv. Es gibt sogar Sonderlinge, die sich hchst aktivzeigen, wenn bei ihnen eine oder mehrere Verbindungen unterbrochen sind. Wenn einsolcher Zustand einem Menschen infolge seiner Erziehung zur Gewohnheit wurde und erin diesem alles erwarb, was er besitzt, dann ist seine Tatkraft darauf aufgebaut, und er kannfolglich nur bei Eintritt dieses Zustands aktiv sein. Fr Sie persnlich ist der aktive Zustandrelativ - in einem bestimmten Zustand knnen Sie aktiv sein. Allerdings gibt es einenobjektiven aktiven Zustand, wenn alle Verbindungen intakt sind; und es gibt in einementsprechenden Zustand subjektive Aktivitt. So bestehen zwischen Schlaf und Wachenvielerlei Abstufungen. Der aktive Zustand ist ein Zustand, in welchem das Denkvermgenund die Sinne bei voller Leistungsfhigkeit und mit Hochdruck arbeiten. Wie es einenobjektiven Wachzustand, das heisst einen echten Wachzustand gibt, so gibt es auch einenobjektiven Schlafzustand. Objektiv heisst wirklich aktiv oder passiv. Auf alle Flle mussjeder verstehen, dass der Zweck des Schlafes nur dann erreicht wird, wenn alleVerbindungen zwi- schen den Zentren unterbrochen sind. Nur dann kann die Maschineerzeugen, was sie whrend des Schlafes erzeugen soll. Der Tiefschlaf ist ein Zustand, inwelchem wir keine Trume oder Empfindungen haben. Hat man jedoch Trume, so bedeu-tet dies: eine Verbindung ist nicht unterbrochen, da ja Gedchtnis, Beobachtung,Empfindung nichts anderes sind als die Beobachtung eines Zentrums durch ein anderes.Wenn Sie also sehen, was in Ihnen vorgeht, oder wenn Sie sich daran erinnern, heisst dies,dass ein Zentrum ein anderes beobachtet. Und wenn es zu beobachten vermag, danndeshalb, weil etwas vorhanden ist, wodurch es dies kann. Und wenn etwas vorhanden ist,wodurch ein Beobachten mglich wird, dann ist die Verbindung nicht abgebrochen.

    Hieraus folgt: befindet sich die Maschine in gutem Zustand, so braucht sie nur sehr kurzeZeit, um jene Stoffmenge herzustellen, die der Zweck des Schlafes ist; auf jeden Fall vielweniger Zeit, als wir gewhnlich im Schlaf verbringen. Was wir Schlaf nennen, wenn wirzwischen sieben und zehn Stunden oder Gott weiss wie lange schlafen, ist kein Schlaf.Diese Zeit bringt man grsstenteils nicht im Schlaf zu, sondern in jenen bergangsstadien,jenen unntigen Halbtraumzustnden. Einige Leute brauchen mehrere Stunden, umeinzuschlafen, und mehrere Stunden, um danach wieder zu sich zu kommen. Knnten wirauf einmal einschlafen und ebenso schnell vom Schlaf zum Wachzustand bergehen, sowrden wir auf diese Ubergangsstadien nur ein Drittel oder ein Viertel der Zeitverwenden, die wir gegenwrtig dabei verlieren. Aber wir wissen nicht, wie man diese

  • Verbindungen willentlich unterbricht. Sie werden bei uns mechanisch unterbrochen undwiederhergestellt. Wir sind Sklaven dieses Mechanismus. Wenn es ihm gefllt, dannknnen wir in einen anderen Zustand bergehen. Andernfalls gilt es, sich hinzulegen undzu warten, bis es uns die Erlaubnis zu ruhen erteilt. Diese Mechanitt und lstigeAbhngigkeit hat verschiedene Ursachen. Eine dieser Ursachen ist der chronischeSpannungszustand, von dem wir zu Beginn sprachen und der einer der vielen Grnde istfr den Verlust unserer Energiereserven. Sie verstehen somit, dass die Befreiung von dieserchronischen Spannung einem doppelten Ziel dienen wrde. Einmal wrden wir vielEnergie sparen, und zum anderen wre das sinnlose Herumliegen und Warten auf denSchlaf berflssig. Sie sehen, wie einfach das ist, wie leicht zu erreichen und wienotwendig. Sich von dieser Gespanntheit zu befreien, ist fr uns von unschtzbarem Wert.Spter werde ich Ihnen hierzu einige bungen geben. Ich empfehle Ihnen, diese mitgrossem Ernst zu beachten, und bemhen Sie sich mit allen Ihren Krften, aus jeder bungdas zu gewinnen, was diese geben soll. Man muss - koste es, was es wolle - lernen, nichtgespannt zu sein, wenn Spannung nicht notwendig ist. Wenn Sie sitzen und nichts tun,lassen Sie den Krper schlafen! Wenn Sie schlafen, schlafen Sie so, dass Sie insgesamtschlafen.

    Frage: Gibt es eine Mglichkeit, das Leben zu verlngern?

    Antwort: In gewissen Schulen findet man verschiedene Theorien ber die Verlngerungdes Lebens, und zahlreiche Systeme befassen sich mit diesem Thema. Auch gibt es immernoch leichtglubige Leute, die an die Existenz eines Lebenselixiers glauben. Ich werdeIhnen schematisch darlegen, wie ich die Frage verstehe. Hier ist eine Uhr. Sie wissen, dasses verschiedene Uhrenarten gibt. Die meine hat eine Triebfeder, die 24 Stunden luft. Nach24 Stunden bleibt die Uhr stehen. Uhren anderer Bauart knnen eine Woche gehen, einenMonat, vielleicht sogar ein Jahr. Der Mechanismus ist stets fr eine bestimmte Zeit berech-net. So wie er vom Uhrmacher konstruiert wurde, so bleibt er. Sie haben vielleichtgesehen, dass Uhren einen Regulator haben. Wenn man ihn verstellt, dann kann die Uhrlangsamer oder schneller laufen. Entfernt man ihn ganz, so kann sich die Triebfeder sehrrasch entspannen und, obwohl sie fr 24 Stunden berechnet ist, in drei oder vier Minutenablaufen. Andererseits knnte meine Uhr im Zeitlupentempo ebensogut eine Woche odereinen Monat funktionieren, obgleich ihr System fr 24 Stunden berechnet ist. Wir gleicheneiner Uhr. Unser Funktionssystem ist im voraus festgelegt. Jeder Mensch besitzt mehrereArten von Triebfe- dern. Je nach der Vererbung ist das System anders. So kann zumBeispiel ein Mechanismus auf 70 Jahre zugeschnitten sein. Wenn die Haupttriebfederabluft, geht das Leben seinem Ende zu. Der Mechanismus eines anderen Menschen kannfr eine Dauer von 100 Jahren berechnet sein; es ist, als wre er von einem anderenHandwerker entworfen worden. Und bei einigen luft die Haupttriebfeder womglich nureine Woche. So hat jeder Mensch eine andere Lebenszeit. Unser System knnen wir nichtmodifizieren. Jeder von uns bleibt so, wie er geschaffen wurde. Die Lebensdauer lsst sichnicht verndern; wenn die Triebfeder abgelaufen ist, so bedeutet dies das Ende. DieLebensdauer ist bereits bei der Geburt festgelegt, und wenn wir glauben, wir knnten indieser Hinsicht etwas ndern, dann ist das blosse Einbildung. Hierzu msste man allesumgestalten: die Vererbung, unseren Vater, unsere Grossmutter ...

  • Dafr ist es zu spt. Wenngleich sich unser Mechanismus nicht knstlich verndern lsst, istes dennoch mglich, lnger zu leben. Ich sagte, dass die Triebfeder statt 24 Stunden eineWoche lang arbeiten knnte. Oder aber umgekehrt: eine fr die Funktionsdauer von 50Jahren berechnete Triebfeder kann durch Beeinflussung in fnf oder sechs Jahren ablaufen.Jeder Mensch hat eine Haupttriebfeder; es ist unser Mechanismus. Das Ablaufen dieserTriebfeder steht mit unseren Ein- drcken und Assoziationen in Zusammenhang.Darber hinaus haben wir zwei oder drei Spiralfedern - ebenso viele, wie es Gehirne gibt.Die Gehirne entsprechen diesen Federn. Zum Beispiel ist unser Verstand eine Feder. Unseregedanklichen Assoziationen haben eine bestimmte Dau- er. Das Denken ist mit demAbspulen einer Garnrolle vergleich- bar. Jede Rolle enthlt eine gewisse Garnlnge. Wennich den- ke, spult sich das Garn ab. Meine Rolle hat 50 Meter Garn, die eines anderen hat100 Meter. Heute verbrauche ich zwei Meter, morgen ebensoviel, und wenn die 50 Meter zuEnde gehen, geht auch mein Leben seinem Ende zu. Die Garnlnge lsst sich nichtverndern. Doch so wie die fr eine Laufzeit von 24 Stunden entworfene Haupttriebfedersich in zehn Minuten entspannen lsst, so kann auch das Leben sehr schnell verbraucht sein.Der einzige Unter- schied ist der, dass die Uhr in der Regel nur eine Feder besitzt, whrendder Mensch ber mehrere verfgt. Jedem Zentrum entspricht eine Feder vonunterschiedlicher Lnge. Wenn eine der Federn abgelaufen ist, kann der Menschweiterleben. Sein Denksystem zum Beispiel wurde fr eine Dauer von 70 Jahren berechnet,sein Gefhl hingegen fr eine Dauer von nur 40 Jahren. Nach 40 Jahren lebt dieser Menschweiter, allerdings ohne Gefhl. Das Ablaufen der Feder lsst sich beschleunigen oderverlang- samen. In diesem Bereich kann man nichts entwickeln; das einzige, was wirmachen knnen, ist hauszuhalten. Die Zeit ist proportional zum Assoziationsfluss; sie istrelativ. Um dies zu verstehen, erinnern Sie sich doch zum Beispiel an folgendes: Sie sitzenzu Hause, in der Ruhe. Sie haben den Eindruck, fnf Minuten lang so dagesessen zu haben,aber die Uhr beweist Ihnen, dass eine ganze Stunde verstrichen ist. Ein andermal warten Sieauf jemanden auf der Strasse; Sie sind verrgert, dass er nicht kommt. Ihrer Meinung nachstehen Sie schon eine Stunde lang da, whrend es nur fnf Minuten sind. Dies kommtdaher, weil Sie whrend dieser Zeit viele Assozia- tionen hatten. Sie berlegten: warumkommt er nicht? Ist er vielleicht berfahren worden? und so weiter. Je mehr Sie sichkonzentrieren, desto krzer erscheint Ihnen die Zeit. Eine Stunde kann unbemerktvergehen, denn wenn Sie sich konzentrieren, haben Sie sehr wenige Assoziationen, wenigeGedanken, wenige Gefhle. Die Zeit ist subjektiv; sie hngt von den Assoziationen ab.Wenn Sie konzentrationslos dasitzen, erscheint Ihnen die Zeit lang. Ausserlich existiert dieZeit nicht; sie existiert fr uns nur innerlich. In den anderen Zentren laufen dieAssoziationen genauso ab wie im Denkzentrum. Das Geheimnis der Verlngerung desLebens beruht auf der Fhigkeit, die Energie unserer Zentren langsam und stets absichtlichauszugeben. Lernen Sie, bewusst zu denken! Dies bewirkt eine Einsparung beimEnergieverbrauch. Trumen Sie nicht!

    NahrungsartenAlle Substanzen, die fr die Erhaltung des Lebens des Organismus, fr die psychischeArbeit, fr die hheren Bewutseins-Funktionen und das Wachstum der hheren Krper

  • notwendig sind, werden im Organismus durch die Nahrung erzeugt, die von auen in ihnhineinkommt. Der menschliche Organismus nimmt drei Arten von Nahrung auf:

    1. Die normale Nahrung, die wir essen.2. Die Luft, die wir atmen.3. Unsere Eindrcke.

    Es ist nicht schwer einzusehen, da Luft eine Art Nahrung fr den Organismus darstellt.Aber wieso die Eindrcke eine Nahrung darstellen, mag zuerst schwierig zu verstehen sein.Wir mssen uns jedoch erinnern, da wir mit jedem ueren Eindruck, ob er nun die Formeines Lautes, einer Gesichtswahrnehmung oder eines Ge- ruches hat, von auen her einegewisse Energiemenge, eine gewisse Anzahl von Schwingungen aufnehmen; diese Energie,die von auen in den Organismus eintritt, ist Nahrung. Femer kann, wie schon ge sagtwurde, Energie nicht ohne Stoff vermittelt werden. Wenn Eindrcke von auen Energienvon auen mit sich in den Organismus hineinbringen, so bedeutet das, da auch Stoffe vonauen eindringen, die den Organismus im vollen Sinne des Wortes ernhren. Fr seinenormale Existenz mu der Organismus alle drei Nahrungsarten erhalten, das heitphysische Nahrung, Luft und Eindrcke. Der Organismus kann nicht nur von einer, auchnicht von zwei Nahrungsarten existieren, alle drei werden bentigt. Aber die Beziehungdieser Nahrungsstoffe zueinander und ihre Bedeutung fr den Organismus ist nicht diegleiche. Der Organismus kann fr eine verhltnismig lange Zeitspanne bestehen, ohnefrische physische Nahrung zu erhalten. Es sind Flle von Hungern bekannt, die ber sechzigTage dauerten, wobei der Organismus nichts von seiner Vitalitt verlor und sich sehr schnellwieder erholte, sobald er wieder Nahrung zu sich zu nehmen begann. Natrlich kann einsolches Hungern nicht als vollstndig betrachtet werden, da in allen Fllen solchenknstlichen Hungerns die Betreffenden Wasser zu sich genommen haben.Nichtsdestoweniger kann ein Mensch sogar ohne Wasser und ohne Nahrung fr einige Tageleben. Ohne Luft kann er nur einige Minuten leben, nicht mehr als zwei oder drei;gewhnlich stirbt ein Mensch, wenn er vier Minuten ohne Luft ist. Ohne Eindrcke kann einMensch nicht einen Augenblick leben. Wenn der Flu der Eindrcke auf irgendeine Weise zueinem Halt gebracht werden knnte oder wenn man dem Organismus seine Fhigkeit,Eindrcke zu empfangen, raubte, so wrde er sofort sterben. Der Strom von Eindrcken, dieuns von auen zukommen, gleicht einem Treibriemen, der uns Bewegung vermittelt. DerHauptmotor ist fr uns die Natur, die uns umgebende Welt. Die Natur bermittelt uns durchunsere Eindrcke die Energie, durch die wir leben, uns bewegen und sind. Wenn der Stromdieser Energie angehalten wird, so wird unsere Maschine sofort zu arbeiten aufhren.Infolgedessen sind von den drei Nahrungsarten die fr uns wichtigste die Eindrcke,trotzdem es klar ist, da ein Mensch von Eindrcken allein nicht lang leben kann. Eindrckeund Luft befhigen einen Menschen, etwas lnger zu leben. Eindrcke, Luft und physischeNahrung befhigen den Organismus, bis zum Ende seiner normalen Lebensdauer zu lebenund die Sub- stanzen zu erzeugen, die nicht nur zur Erhaltung des Lebens, sondern auch frdie Bildung und das Wachstum der hheren Krper notwendig sind.

  • DIE LETZTE STUNDE DES LEBENS8Gurdjieff: Stellen Sie sich vor, dass Sie nur mehr ein paar Minuten vielleicht eine Stunde zuleben htten; irgendwie haben Sie herausgefunden, wann genau Sie sterben werden. Waswrden Sie mit dieser kostbaren Stunde des Aufenthaltes auf der Erde anfangen? Wrden Siealles Ausstehende in dieser letzten Stunde verrichten knnen, haben Sie eine bewussteVorstellung davon, wie Sie das verrichten knnten?

    Und whrend Sie Ihren letzten Atemzug ausstoen, wrden Sie Genugtuung verspren, weilSie wissen, dass Sie alles mgliche in diesem Leben getan haben, stndig prsent, immer stark,immer wartend waren, so wie der Sohn auf seinen Vater, den Seemann, wartet? In dermanifestierten Welt hat alles seinen Anfang und sein Ende. In der Realen Welt ist immer allesgegewrtig; und eines schnen Tages wird Ihnen erlaubt werden, alles zu vergessen und dieWelt fr immer zu verlassen.

    Freiheit ist eine Million Mal mehr wert als [politische] Befreiung. Der freie Mensch ist selbst inSklaverei der Meister seiner Selbst.

    Zum Beispiel: Ich gebe Ihnen ein Auto, in dem kein Treibstoff ist, es kann nicht fahren. Ihr Autobraucht einen speziellen Treibstoff, aber nur Sie knnen sagen, welche Art Treibstoff gebrauchtwird, und wo er herzubekommen ist. Sie mssen selbst definieren, wie Sie meine Ideenverdauen, um sie zu Ihren eigenen zu machen, damit Sie nur Ihnen gehren. Ihr Auto kann nichtmit demselben Treibstoff wie mein Auto fahren. Ich schlage Ihnen nur das primre Material vor.Sie mssen davon das herausarbeiten, was Sie verwenden knnen. Also, seien Sie mutiger undsetzten Sie sich vor das Lenkrad.

    Das organische Leben ist sehr zerbrechlich. Der planetare Krper kann jederzeit sterben. Er istimmer nur einen Schritt vom Tod entfernt. Und wenn Sie es schaffen, einen Tag lnger zu leben,dann nur, weil es ein Zufall ist, der Ihnen von der Natur gegeben wurde. Wenn Sie nur eineStunde lnger leben, knnen Sie sich glcklich schtzen. Vom Zeitpunkt unserer Zeugung anleben wir von geborgter Zeit.

    Wenn man in dieser Welt lebt, muss man den Tod jede Sekunde fhlen, also schlichten Sie IhreAngelegenheiten, sogar in der letzten Stunde. Aber wie kann jemand diese Stunde genaukennen? Sicherheitshalber regeln Sie Ihre Dinge mit der Natur und sich selbst in jeder Stunde,die Ihnen gegeben wird, damit Sie nicht unvorbereitet getroffen werden. Dem Menschen mussdas in einer [esoterischen] Schule beigebracht werden: wie man atmet, isst, sich bewegt undstirbt. Dies muss Teil eines Ausbildungsprogramms sein. In diesem Ausbildungsprogramm ist esnotwendig, zu lehren, wie man die Gegenwart des Ichs verwirklicht, und auch, wie manBewusstsein herstellt.

    Frage: Wie handelt man, wenn man nicht empfindet, dass etwas unvollendet ist?

    Gurdjieff antwortete nach einer Pause. Er nahm einen tiefen Atemzug und sagte:

    Fragen Sie sich, wer in Schwierigkeiten sein wird, wenn Sie sterben wie ein Hund. Im Momentdes Todes muss man sich vllig seiner bewusst sein, und spren, dass man nach eigenemVermgen alles in der Macht stehende unternommen hat, die Dinge, die einem in diesemLeben gegeben wurden, zu nutzen.

    Nun wissen Sie nicht viel ber sich selbst. Aber mit jedem Tag, an dem sie tiefer und tiefer indiesen Sack voller Knochen graben, erfahren Sie mehr und mehr Details. Tag fr Tag werden Sieherausfinden, was Sie htten tun sollen und was Sie unter all den getanen Dingen nochmals tunmssen. Ein echter Mensch ist wer vom Leben alles genommen hat, was von Wert war, undsagen kann: Und nun kann ich sterben. Wir mssen versuchen, unser Leben so zu leben, dasswir an jedem Tag sagen knnen: Heute knnte ich sterben, und nichts bereuen.

    8 https://web.archive.org/web/20110104091529/http://quantumfuture.net/gn/zeichen/letzte-stunde.html

  • Verbringen Sie niemals die letzte Stunde Ihres Lebens fruchtlos, denn es knnte die wichtigsteStunde fr Sie sein. Wenn Sie sie falsch verwenden, knnten Sie spter darum trauern. Dieseaufrichtige Erregung, die Sie heute verspren, kann fr Sie eine machtvolle Quelle jener Kraftsein, die Sie auf einen perfekten Tod vorbereitet. Wissend, dass die nchste Stunde Ihre letztesein knnte, absorbieren Sie die darin enthaltenen Impressionen wie ein echter Gourmet. WennMadame Tod Sie ruft, seien Sie vorbereitet; jederzeit. Der Meister wei, wie man von jedemschmackhaften Bissen das letzte Restchen des Besten aufnimmt. Lernen Sie, Meister IhresLebens zu sein.

    Als ich jung war, lernte ich, Dfte herzustellen. Ich lernte, vom Leben seine Essenz, seinesubtilsten Qualitten zu extrahieren. Suche in Allem das Wertvollste; lerne, das Feine vomGroben zu trennen. Jener, der gelernt hat, wie man die Essenz, das Wichtigste eines jedenLebensmoments, extrahiert, hat einen Sinn fr Qualitt entwickelt. Er kann mit der Welt etwastun, was nicht von einem Ureingeborenen getan werden kann.

    Es kann sein, dass Sie in den letzten Momenten Ihres Lebens nicht die Wahl haben zuentscheiden, wo Sie sein wollen und mit wem. Aber Sie werden die Wahl haben, zu entscheiden,wie vollstndig Sie sie leben werden. Die Fhigkeit, das Wertvolle vom Leben zu nehmen, istdasselbe wie mit der Nahrung, der Luft, und den Impressionen die Substanzen zu nehmen, mitdenen Sie die hheren Krper aufbauen. Wenn Sie von Ihrem Leben das Kostbarste fr sichnehmen wollen, muss es dem Hheren zugute kommen; fr Sie selbst ist es genug, wenn Sie nurein wenig davon abbekommen. An sich selbst zu arbeiten um anderer Willen ist ein klugerWeg, das Beste vom Leben fr sich zu bekommen. Wenn Sie mit der letzten Stunde nichtzufrieden sind, sind Sie auch mit Ihrem ganzen Leben nicht zufrieden. Zu sterben bedeutet,durch etwas hindurch zu gehen, das unmglich wiederholt werden kann. Ihre wertvolle Zeit mitNichts zu vergeuden bedeutet, sich selbst der Mglichkeit zu berauben, das Wertvollste aus demLeben zu gewinnen.

    In dieser Welt das ganze Leben durchzuleben vom Anfang bis zum Ende , ist Ausdruck einesweiteren Aspekts des Absoluten. Alle groen Philosophen haben sich sorgfltig fr die letzteStunde ihres Lebens vorbereitet. Und nun werde ich Ihnen die bung vermitteln, mit der Sie sichauf die letzte Stunde auf der Erde vorbereiten knnen. Versuchen Sie nicht, auch nur ein Wortvon dieser bung zu missinterpretieren.

    DIE BUNGBlicken Sie zurck auf die eben vergangene Stunde, als ob es fr Sie die letzte auf der Erdegewesen wre, und nehmen Sie an, dass Sie gerade gestorben wren. Fragen Sie sich: Waren Siemit dieser Stunde zufrieden?

    Und nun wiederbeleben Sie sich und nehmen Sie sich ein Ziel vor. In der nchsten Stunde(wenn Sie das Glck haben, noch eine weitere leben zu knnen) versuchen Sie, vom Leben einwenig mehr zu gewinnen als in der vergangenen Stunde. Definieren Sie, wo und wann Siebewusster htten sein sollen, und wo Sie mehr inneres Feuer htten haben sollen.

    Und nun ffnen Sie Ihren Blick weiter; und damit meine ich, erffnen sie mehr Mglichkeitenfr sich selbst, seien Sie ein wenig mutiger als in der vergangenen Stunde. Da Sie ja wissen, dasses sich um Ihre letzte Stunde handelt, und Sie daher nichts zu verlieren haben, versuchen Sie einbisschen Mut zu gewinnen zumindest jetzt. Natrlich soll man dabei nicht tricht sein. LernenSie sich besser kennen, schauen Sie auf Ihre Maschine wie von auen. Denn wenn Sie sterben, istes sinnlos, Ihre Reputation oder Ihre Prestige aufrecht zu erhalten.

    Ab nun, bis zur wirklich letzten Stunde, streben Sie mit Bestndigkeit danach, mglichst vielWertvolles vom Leben zu empfangen, entwickeln Sie Ihre Intuition. Nehmen Sie sich jedeStunde ein paar Momente Zeit und blicken Sie auf die vergangene Stunde zurck, ohneWertung, und dann stimmen Sie sich darauf ein, mehr von der nchsten Stunde zu gewinnen.

  • Wenn wir jede Stunde als separate Lebenseinheit ansehen, knnen Sie so gut wie mglichversuchen, jede Einheit vollstndig auszunutzen. Zwingen Sie sich und finden Sie den Weg, ausder nchsten Stunde mehr zu machen als aus der vorigen, aber kmmern Sie sich auch um dieSchulden, die Sie bis jetzt angesammelt haben. Steigern Sie das Selbstgefhl und dieSelbstkenntnis, und steigern Sie auch die Fhigkeit, sich selbst zu meistern. Dies wird dieArbeitsweise Ihrer Maschine verndern, die immer auer Kontrolle ist. Diese Fhigkeiten knnenHinweise auf die echte Vernderung sein. Und es ist absolut unwichtig, was die Maschinedarber denkt.

    Den Rest des Lebens stndlich mit der Probe des eigenen Todes zu verbringen ist nicht imgeringsten pathologisch. Niemand kann mehr vom Leben gewinnen als der Krebspatient,welcher ungefhr wei, wann er sterben wird. Und weil er bereits erkannt hat, wie er den Restseines Lebens zu verbringen wnscht, muss er nicht die totale Vernderung darin schaffen, aberer kann dorthin gehen, wo er schon immer hingehen wollte, aber wo er unter anderenUmstnden niemals hingegangen wre.

    Der Mensch, der wei, dass er bald sterben wird, wird versuchen, das Maximum aus jederStunde des Rests seines Lebens herauszubekommen. Das ist genau das, was Christus meinte alser sagte, dass die letzten Tage schnell kommen wrden die Tage vor dem jngsten Gericht. Wirstehen alle vor dem Richter, aber es sind nicht die Anderen, die uns richten, sondern wir selbstnehmen die letzte Beurteilung in unserem Leben vor. Wir mssen nicht in der allerwichtigstenBeurteilung versagen, wo wir selbst der hrteste Richter sind.

    Jeder Moment allein gesehen reprsentiert ein Partikel der ewigen Schpfung. Daher knnenwir jeden Moment die subtilsten Substanzen extrahieren, welche wir Essenz des Lebens nennenknnen.

    Stellen Sie sich die Substanz Luft oder die Substanz Impressionen vor. Nun halten Sie sich dieSubstanz Moment vor das innere Auge. Ja, sogar die Momente der Zeit sind Substanzen.

    Wenn wir fhig werden, die feinsten Substanzen aus den grberen zu extrahieren, mssen wirfrher oder spter dafr bezahlen. Dieses Gesetz nennt sich das Gesetz des Gleichgewichts.Darum werden wir lernen, wie man sofort fr das bezahlt, was man vom Leben bekommt. Nurdann werden wir keine Schulden haben. Sofort bezahlen das wird auch wirkliches Tungenannt. Tun bedeutet denken, fhlen, handeln aber wirkliches Tun bedeutet, sofort zubezahlen.

    Tun kann nur eines bedeuten: Die Essenz eines jeden Lebensmomentes zu extrahieren undgleichzeitig alle Schulden der Natur und sich selbst gegenber zu bezahlen; aber nur wenn Sieein Ich haben, knnen Sie sofort bezahlen.

    Das echte Leben ist nicht eine Vernderung der Aktivitt, sondern eine Vernderung derQualitt der Aktivitt. Bestimmung ist Bestimmung. Jeder einzelne von uns muss sich selbst inder ganzen Ordnung der Dinge finden. Es ist nicht zu spt, damit erst heute zu beginnen,obwohl Sie den greren Teil Ihres Lebens im Schlaf verbracht haben. Von heute an knnen Siebeginnen, sich auf den Tod vorzubereiten und, gleichzeitig, Ihre Lebensqualitt zu verbessern.Aber verzgern Sie nicht den Start denn vielleicht haben Sie nur mehr eine Stunde in IhremLeben.

    Frage: Drfen wir das mit Anderen teilen? Ich denke, dass das, was wir heute Abend gehrthaben, sehr wichtig ist.

    G: Sie knnen es Wort fr Wort wiedergeben, aber solange Sie diese bung nicht selbstknnen, wrde es Anderen gar nichts bedeuten. Existenz ist das Mittel bzw. das Instrument frHandlung. Denken Sie darber nach, und Sie werden herausfinden, warum dem so ist.

    Frage: Wenn wir also nicht existieren, oder wenn unser Ich abwesend ist, knnen wir dieSchulden nicht bezahlen?

  • G: Warum haben Sie so einen Bedarf, zu zahlen? Fr was bezahlen? Wenn Leben nur ein Zufallist, dann gibt es gar keinen Grund, weiterzumachen. Das bedeutet nicht, dass man sein Lebenmit einem Selbstmord beenden muss. Im Gegenteil, man muss seine gesamte Anstrengung aufdas Leben zu leben ausrichten. Der herkmmliche Mensch lebt immermit der Strmung. Er istnicht nur am schlafen, er ist absolut tot. Um wirklich zu leben, ist es notwendig, dieBemhungen der Natur zu untersttzen, aktiv vom Leben zu nehmen, und nicht passiv zu sein wohin auch immer die Strmung geht.

    Whrend man vom Leben das Kostbarste extrahiert, muss man in der Lage sein, seineEmotionen zu beherrschen. Sehen Sie nur, wie fair Sie sich abschtzen knnen. Beobachten Siesich aufmerksam und Sie werden viele bemerkenswerte Wege sehen, fair zu sein. Jedes Malbemerken Sie fr sich verschiedene Momente, wenn die Begierden kommen. Handeln Sie wiezuvor, doch seien Sie sich ihrer Anwesenheit bewusst. Transportieren Sie in die Welt einen TeilIhres Blutes, aber dasjenige von hherer Ebene.

    Am Ende jeder Stunde, wenn Sie ihre jeweilige Ntzlichkeit eingeschtzt haben, stellen Sie sichvor, als ob sie eben im absolut Unbekannten im Vergleich zur letzten, vergangenen Stunde aufwachen. Es ist wichtig zu bemerken, dass die anscheinende Kontinuitt der letzten Stunde inWirklichkeit mit jeder Stunde sich verndert, obwohl die Dinge und die Leute gleich erscheinenwie zuvor. Mit der Zeit werden Sie lernen, sich selbst als Geist einer speziellen Substanz zu sehen,die von einer Welt zu einer anderen geht, als ein nicht eingeladener Gast der Natur.

    Von dieser Perspektive aus bewerten Sie alles, was Sie in Ihrem Leben tun. Blicken Sie auf dieResultate all Ihrer vergangenen Anstrengungen und denken Sie nach, welchen Sinn sie nun, inder letzten Stunde Ihres Lebens, haben. Jene, die Die Arbeit tun, sind fr diese Welt tot, unddennoch sind sie in dieser Welt mehr am Leben als jeder Andere. Arbeit etwas seltsames,unsichtbares, aber fr manche ist es unmglich, ohne sie zu leben.

    Die herkmmliche Art das Leben zu verstehen, ist Eitelkeit ber Eitelkeit. Wie gro das Ergebnisgemessen an irdischen Mastben auch sein mag, frher oder spter wird es zugrunde gehen.Sogar der Sand wird im Laufe der Zeit zu Staub zermahlen. Sogar die signifikantestenPersnlichkeiten der Geschichte werden vergessen. Um die echten Mglichkeiten dieser Welt zuverstehen, ist es notwendig herauszufinden, was wir in dieser Welt erreichen knnen, das in derWirklichen Welt von Nutzen sein wird.

    Blicken Sie aufmerksam auf das Leben der grten Leute jene, die Armeen kommandierten,die ber Andere Macht hatten. Was ist fr sie der Vorteil all ihrer groartigen Taten nun, wo sietot sind? Sogar als sie noch lebten, waren all diese groartigen Taten nur leere Trume. Wir sindnicht hier, um uns selbst zu preisen oder zu beweisen. Das widerwrtigste am herkmmlichenMenschen ist seine Fhigkeit, sein Fleisch so schnell zu befriedigen.

    Die Mehrheit der Leute finden viele Entschuldigungen, nicht an sich zu arbeiten. Sie sind ineinem totalen Gefngnis ihrer eigenen Schwche. Doch gerade jetzt sprechen wir nicht ber sie,sondern ber euch.

    Verstehen Sie mich richtig, ich brauche keine Anhnger, ich bin eher daran interessiert, dieguten Organisatoren zu finden; die echten Krieger der neuen Welt. Ich verstehe die Schwcheder Organisation, weil wir jetzt nicht ber die bliche Organisation sprechen, die aus Initiiertenbesteht.

    Ich erinnere Sie noch einmal: Lernen Sie, jede Ihrer Stunden mit grerem Nutzen zu leben.Entwerfen Sie einen detaillierten Plan der letzten Stunde Ihres Lebens. Um zu verstehen, wieman sterben sollte, msste man tiefe Wurzeln ins Leben wachsen lassen. Nur dann werden Sie inder Lage sein, wie ein menschliches Wesen zu sterben, und nicht wie ein Hund. Auch ist es nichtjedermann gegeben zu sterben. Sie knnen zu Dnger fr unseren Planeten werden, aber dasbedeutet nicht wirklich, zu sterben. Aus dieser Welt fr immer fortzusterben das ist eine Ehre.Fr diese Ehre mssen Sie mit Bewusster Arbeit und Absichtlichem Leiden bezahlen. Sie mssen

  • sich dieses Recht verdienen.

    Versuchen Sie selber relativ klar sich Ihre Letzten Stunde auf Erden vorzustellen. Schreiben Sieeine Art Drehbuch ber diese letzte Stunde, als ob Sie ein Skript fr einen Film schreibenwrden. Fragen Sie sich: Mchte ich so mein Leben beenden? Wenn Sie mit der Antwort nichtzufrieden sind, schreiben Sie das Skript um, bis Sie es mgen.

    Blicken Sie auf das Leben aus der geschftlichen Perspektive. Die Zeit entspricht dem Geld desLebens. Als Sie in diese Welt eintraten, wurde Ihnen ein bestimmter Geldbetrag mitgegeben,und diesen knnen Sie nicht berziehen. Zeit ist die einzige Whrung, mit der Sie fr Ihr Lebenbezahlen. Nun sehen Sie, dass Sie den grten Teil davon auf dumme Weise verschwendethaben. Sie haben nicht einmal das Hauptziel in Ihrem Leben erreicht zur Ruhe zu kommen. Siehaben als Geschftsmann versagt, und auch als Benutzer des Lebens Sie haben sich etwasvorgetuscht. Ihr ganzes Leben lang haben Sie gedacht, dass alles, was Ihnen gegeben wurde,kostenlos war. Und nun entdecken Sie pltzlich, dass dem nicht so ist. Sie bezahlen dasBentzen der Zeit; und das ist der Grund, warum jeder Moment Ihres Aufenthaltes hier etwaskostet.

    Wie kann es fr Sie mglich sein, zumindest ein Wenig von diesen Verlusten zurckzu-gewinnen? Sehen Sie nach, ob das Defizit in Ihrem Bankkonto nur vorbergehend ist, oder dochpermanent? Haben Sie die Zeit verloren oder konnten Sie sie nutzbringend investieren? WennSie Ihr gesamtes Geld mit Urlauben verbraucht haben, dann bleibt nichts anderes mehr, als umdie Vergangenheit zu trauern.

    Fr viele Jahre haben Sie Ihr Leben verbracht, als ob Ihre Eltern Ihnen ein Bankkonto mitunlimitiertem Kredit gegeben htten. Aber nun ist der Betrag aufgebraucht, und Sie sehen, dassSie ganz alleine sind, und dass es niemanden gibt, auf den Sie sich verlassen knnen. Es hatkeine Zeit mehr auf Ihrem Bankkonto. Nun sind Sie gezwungen, jede Stunde Ihres Leben sich zuverdienen. Ihr ganzes Leben lang haben Sie sich wie ein Kind verhalten und verbrachten die Zeitwie ein frisch verheiratetes Prchen auf Hochzeitsreise.

    Unser Hauptfeind, der uns daran hindert, die notwendigen Anstrengungen zu unternehmen, istdie Hoffnungslosigkeit. Ich wei, Sie werden viele Entschuldigungen haben, sich nicht auf dieletzte Lebensstunde vorzubereiten. Die Gewohnheit ist eine mchtige Kraft, aber wenn Sieeinmal begonnen haben, knnen Sie lernen, mit jedem Mal etwas mehr zu tun.

    Spielen Sie nicht den ganzen Tag herum, zwingen Sie sich zumindest eine Stunde am Tag, sichanzustrengen, ansonsten werden Sie alles verlieren. Sehen Sie das Durchproben Ihrer letztenStunde als eine Ballettbung Sie mssen sie Ihr ganzes Leben lang tun.

    Ich verbringe vier Stunden pro Tag mit dieser bung, aber als ich jung war, verbrachte ich damitzweimal so lang.

  • G.I. GURDJIEFF ZWEI FLSSE9

    Auzug aus dem letzten Kapitel von Beelzebubs Erzhlungen - die Hinzufgung

    Denkt, was einem Menschen geschehen knnte, der die Unvermeidlichkeit seines eigenenTodes sich deutlich vorstellen und erleben knnte! Wenn man ernst nachdenkt undwirklich tief dahinein dringen und seinen eigenen Tod erkennen wrde, was knnteschrecklicher sein? Angenommen, da solche heutige Menschen, die schon endgltig alleMglichkeiten, irgendwelche wirkliche objektive Hoffnungen fr die Zukunft zu haben,verloren haben, das heit solche, die in der Zeit ihres verantwortlichen Lebens niemalsetwas gest" und die folglich nichts in der Zukunft zu ernten" haben, dieUnvermeidlichkeit ihres schnellen Todes erkennen wrden, wrden sie allein beidiesem Gedanken sich aufhngen.

    Wenn wir fragen, warum uns die Fhigkeit fehlt, das Entsetzen unseres eigenen Todes zuempfinden, so wre die Antwort wahrscheinlich, da das, was die Menschen tatschlichdavor bewahrt, solches Entsetzen zu erleiden, eben ihr eigener Wille" ist. Wenn dem soist, warum schtzt uns dann nicht dieser angeblich, in uns vorhandener Wille vor allenkleinen ngsten, die wir auf Schritt und Tritt erleben? Stellt euch vor Ihr geht heute nachHause, zieht euch aus und legt euch zu Bett, und in dem Moment, wo ihr euch mit derDecke zudeckt, springt eine Maus unter dem Kissen hervor, luft ber euren Krper undversteckt sich in den Falten der Decke. Gesteht nur offen, luft euch nicht schon beimbloen Gedanken an eine solche Mglichkeit ein Schauer ber den ganzen Krper? Was istdenn so Schreckliches dabei? Es ist doch nur eine gewhnliche Hausmaus; ein ganzungefhrliches und harmloses Tierchen. Nun frage ich euch, wie kann man zur Erklrungall des Gesagten den in jedem Menschen angeblich vorhandenen Willen anfhren? Wiekann man in Einklang bringen, da der Mensch vor einem zaghaften sich selbst vor allemfrchtenden Muschen und vor tausend anderen hnlichen Kleinigkeiten, die ihmvielleicht sogar niemals zustoen werden, Angst hat und da er gleichzeitig keinEntsetzen vor der Unvermeidlichkeit seines eigenen Todes empfindet? Auf jeden Fall ist esunmglich, einen solchen offensichtlichen Widerspruch mit dem Wirken desvielgepriesenen menschlichen Willens zu erklren.

    Wenn dem heutigen Durchschnittsmenschen die Mglichkeit gegeben wre, zu empfindenoder sich wenigstens mit seinen Gedanken daran zu erinnern, da er irgendwann aneinem bestimmten ihm bekannten Zeitpunkt, zum Beispiel morgen, oder in einer Woche,oder einem Monat, oder erst in einem Jahr, oder in zwei Jahren sterben wrde, ganz sichersterben wrde, was wrde dann, so fragt man, was von all dem, was sein Leben bisherausgefllt und ausgemacht hat, brigbleiben ?

    Alles wrde fr ihn seinen Sinn und seine Bedeutung verlieren. Was wre dann schon dieAuszeichnung, die er gestern fr vieljhrigen Dienst erhalten hat und die ihm solcheFreude gemacht hat, und was glte der von ihm erst unlngst bemerkte,vielversprechende Blick der Frau, die bis jetzt das Objekt seines bestndigen und bisher9 http://gurdjieffclub.com/de/gigurdzhiev-dve-reki

  • ergebnislosen Begehrens war, und die Zeitung beim Morgenkaffee und der ehrerbietigeGru des Nachbars auf der Treppe und das Theater abends und Erholung und Schlaf undalle seine Lieblingssachen wozu nur das alles? Das alles wrde nicht lnger dieBedeutung haben, die man ihm bis dahin gegeben hat, sobald man wei, da der Tod,wenn auch erst in fnf oder zehn Jahren, einen ereilt. Kurzum, der Durchschnittsmenschkann nicht und darf nicht seinem Tod, wie man sagt ,,in-die-Augen-schauen sonstwrde er mit einem Mal sozusagen den Boden-unter-den-Fen" verlieren und vor ihmwrde dann in ihrer ganzen Schroffheit die Frage auftauchen: Wozu und wofr leben undleiden und plagen wir uns denn?

    Es gibt in unserem Leben einen gewissen, sehr groen Zweck, und wir alle mssen diesemgroen gemeinsamen Zweck dienen darin liegt die ganze Bestimmung und der Sinnunseres Lebens. Alle Menschen ohne Ausnahme sind Sklaven dieses Groen", und allemssen sich ihm widerspruchslos unterwerfen und mssen ohne Einschrnkung undKompromisse erfllen, was jedem von uns vorausbestimmt ist, als Folge der auf ihngekommenen Vererbung und des von ihm selbst erworbenen Seins.

    Indem ich nach all dem hier Eingeschobenen zum Hauptthema der heute hier gehaltenenVorlesung zurckkehre, will ich Eurem Gedchtnis die einige Male zur Definition desMenschen gebrauchten Ausdrcke echter-Mensch" und Mensch-in-Anfhrungsstrichen"zurckrufen und zum Schlu Folgendes sagen: Wenn auch beide, sowohl der echte-Mensch, der schon ein persnliches Ich" erworben hat, als auch der Mensch-in-Anfhrungsstrichen, der ein solches nicht hat, Sklaven des besagten Groen" sind, sobesteht doch der Unterschied zwischen ihnen, wie ich schon gesagt habe, darin, da dererste, der sich seiner Sklaverei bewut ist, die Mglichkeit erwirbt, gleichzeitig mit demDienst fr die all-universelle Verwirklichung auch einen Teil seiner Manifestationengem der Voraussicht der groen Natur fr sich selbst zu dem Zweck zu verwenden, einunvergngliches-Sein" zu erwerben, wogegen der zweite, der seine Sklaverei nichterkennt, im Laufe seines ganzen Existenz-Prozesses ausschlielich nur als ein Ding dient,das, nachdem die Natur seiner nicht mehr lnger bedarf, auf immer verschwindet.

    Um das soeben von mir Gesagte verstndlicher und bildhafter zu machen, wird es sehrntzlich sein, das menschliche Leben im allgemeinen mit einem groen Strom zuvergleichen, der aus verschiedenen Quellen entspringt und ber die Oberflche unseresPlaneten fliet, und das Leben jedes einzelnen Menschen mit einem Tropfen Wasser, dermit unzhligen andern zusammen die Gesamtheit dieses Lebensstromes beansprucht undausmacht. Dieser Strom fliet zuerst als Ganzes durch ein verhltnismig ebenes Tal undan der Stelle, wo die Natur einen sogenannten ungesetzmigen-Kataklysmus" erlittenhat, teilt er sich in zwei Strme, oder wie man auch sagt, der Strom erfhrt eine Teilungder Wasser". Dabei gert die ganze Wassermasse des einen Stromes bald nach demPassieren dieser Stelle in noch flachere Tler ohne sogenannte majesttische undmalerische" Szenerien auf beiden Seiten, die sie aufhalten knnten, und mndet dann inden offenen Ozean. Der zweite Strom, der sein Flieen ber Stellen, die als Folgen desungesetzmigen-Kataklysmus" entstanden sind, fortsetzt, fliet schlielich in dieSpalten der Erde, die auch die Folge desselben Kataklysmus sind, und sickert ins Innere

  • der Erde hinein. Obgleich von der Teilung der Wasser an das Wasser beider Strmeselbstndig weiterfliet und sich die Strme nie mehr vereinen, kommen sie sich doch inihrem weiteren Lauf oft so nahe, da verschiedene Resultate, die sich aus dem Prozeihres Flieens ergeben, miteinander verschmelzen und sogar manchmal whrend groeratmosphrischer Erscheinungen, als da sind Sturm, Wind und so weiter, Wasserstubchenund sogar einzelne Tropfen von einem Bett ins andere geraten. Das Leben jedes einzelnenMenschen, bevor er verantwortliches Alter erreicht hat, entspricht einem Tropfen Wasserim anfnglichen Flieen des noch ungetrennten Stromes, und die Stelle, wo die Scheidungder Wasser stattfindet, entspricht der Zeit, in der der Mensch mndig wird. Nach dieserTrennung wird jede weitere gesetzmige groe Bewegung des Stromes und auch diekleinen untergeordneten Bewegungen fr die Verwirklichung der im voraus festgesetztenBestimmung des ganzen Stromes gleicherweise auf die einzelnen Tropfen bertragen,insofern sich diese Tropfen in der Gesamtheit dieses Stromes befinden. Fr den Tropfenselbst haben seine eigenen Umlagerungen, Richtungen und Zustnde, die von derVerschiedenheit seiner Lage und durch verschiedene zufllig entstandene ihn umgebendeVerhltnisse bedingt werden, und ebenso die Beschleunigung oder Verzgerung desTempos seiner Bewegung, immer ganz zuflligen Charakter. Fr die Tropfen gibt es keineVorherbestimmung ihres persnlichen Schicksals; eine Vorherbestimmung des Schicksalsgibt es nur fr den ganzen Strom.

    Im anfnglichen Flieen des Stromes ist der Tropfen einmal hier, einmal dort, und nacheiner weiteren Minute kann er berhaupt aufhren, einer zu sein, wird aus dem Fluherausgespritzt und verdunstet.Da also die Groe Natur ob des unwrdigen Lebens derMenschen gezwungen war, den allgemeinen Bestand der Menschen entsprechendumzuformen, hat es sich von da an, was die allgemeine Verwirklichung allesExistierenden betrifft, so ergeben, da das menschliche Leben im allgemeinen auf der Erdein zwei Strmen flieen mu. Und allmhlich wurden von der Groen Naturentsprechende Gesetzmigkeiten in den Einzelheiten ihrer allgemeinen Verwirklichungvorausgesehen und festgesetzt, damit in den Wassertropfen im anfnglichen Flieen desLebens-Stromes bei dem entsprechenden subjektiven sogenannten Kampf-seiner-eigenen-selbst-Verneinung" jenes Etwas" entstehen oder nicht entstehen knne,demzufolge gewisse Eigenschaften erworben werden, durch die er an der Stelle derTrennung der Wasser dieses Lebens-Stromes in den einen oder den anderen Strom geratenkann. Dieses Etwas", das im allgemeinen Bestand des Wassertropfens als Faktor dient,der in ihm die Eigenschaft verwirklicht, die dem einen oder andern Strom entspricht, istim allgemeinen Bestand jedes Menschen, der verantwortliches Alter erreicht, jenes Ich",von dem in der heutigen Vorlesung gesprochen wurde. Der Mensch, der in seinemBestand ein eigenes Ich" hat, gert in das eine Bett des Lebens-Stromes und der, der esnicht hat, in das andere.

    Fr uns heutige Menschen liegt das Grundbel darin, da wir ob verschiedener vonuns selbst eingerichteter Verhltnisse unserer gewhnlichen Existenz, hauptschlich durchdie anormale sogenannte Erziehung" wenn wir verantwortliches Alter erreichen, undden allgemeinen Bestand haben, der nur jenem Lebens-Strom entspricht, der schlielich indie unteren Regionen" mndet, in diesen Flu geraten und es uns dahin trgt, wie er will

  • und wohin er will; und ohne ber die Folgen nachzudenken, gehen wir passiv mit undwerden weiter und weiter getrieben. Solange wir passiv bleiben, knnen wir es nichtvermeiden, nicht nur einzig und allein als ein Mittel fr die involutionre Konstruktion"der Natur zu dienen, sondern sind auch im Laufe unseres ganzen weiteren Lebenssklavisch allen mglichen blinden Zufallslaunen ausgesetzt. Da die Mehrzahl der hierversammelten Hrer schon die Schwelle zum verantwortlichen Alter, wie man sagt,berschritten" hat und offen einsieht, da sie bisher ihr eigenes Ich" nicht erworben hat,und gleichzeitig nach allem, was ich hier im wesentlichen gesagt habe, sich keinebesonders angenehmen Perspektiven ausmalt, werde ich, damit ihr, gerade ihr, die daseinseht, nicht allzu sehr, wie man sagt, den-Mut-sinken" lat, und nicht in den blichenund den im heutigen anormalen Leben der Menschen herrschenden sogenanntenPessimismus" verfallt, ganz aufrichtig, ohne jeden Hintergedanken sagen, auf Grundmeiner berzeugungen, die sich durch langjhrige Untersuchungen bildeten und sich aufzahlreiche ganz ungewhnlich durchgefhrte Experimente sttzen, auf deren Resultatendas von mir gegrndete Institut-fr-die-Harmonische-Entwicklung-des-Menschenbegrndet ist: auch fr euch ist es noch nicht zu spt.

    Die besagten Untersuchungen und Experimente haben mir nmlich sehr deutlich und sehrbestimmt gezeigt, da die fr alles sorgende Mutter Natur den Wesen die Mglichkeitgegeben hat, zum Kern ihres "Wesens, das heit zu ihrem Ich" auch nach dem Beginnihres verantwortlichen Alters zu gelangen. Die Voraussicht der gerechten Mutter Naturbesteht in diesem Fall darin, da sie uns die Mglichkeit gegeben hat, unter gewisseninneren und ueren Verhltnissen aus dem einen Strom in den anderen berzugehen.Voneinem in den anderen Strom berzugehen, ist nicht so einfach: einfach zu wollen undhinber zu gelangen. Dazu ist es erstens notwendig, in sich die Gegebenheiten bewut zukristallisieren, die in unserem allgemeinen Bestand den dauernden unauslschlichenImpuls des Wunsches nach einem solchen bergang hervorrufen und dann eine langeentsprechende Vorbereitung. Zu diesem bergang ist es vor allem notwendig, sich vonallem, was euch als ein Segen" erscheint, was aber in Wirklichkeit nur sklavisch undautomatisch erworbene Gewohnheiten sind, die im ersten Lebensstrom vorkommen,freizumachen. Mit anderen Worten, man mu fr das einem zur Gewohnheit gewordenegewhnliche Leben sterben. Eben von diesem Tod wird in allen Religionen gesprochen.Und dasselbe wird durch den vom fernen Altertum auf uns gekommenen Spruchausgedrckt: Ohne Tod keine Auferstehung" das heit, wenn du nicht stirbst, kannst dunicht auferstehen. Der Tod, von dem hier gesprochen wird, ist nicht der Tod des Krpers,denn fr einen solchen Tod braucht es keine Auferstehung. Wenn es eine Seele gibt, nochdazu eine unsterbliche, so kann sie auf eine Auferstehung des Krpers verzichten. DieAuferstehung ist auch nicht notwendig, um vor dem Herrgott beim Jngsten Gericht zuerscheinen, wie uns die Kirchenlehrer gelehrt haben. Nein! Sogar Jesus Christus und alleanderen von Oben gesandten Propheten haben von dem Tod gesprochen, der nochwhrend dieses Lebens sich vollziehen kann, nmlich vom Tod jenes Tyrannen", von demunsere Sklaverei whrend dieses Lebens herrhrt und von der Befreiung, von der alleindie erste und hauptschlichste Befreiung des Menschen abhngt. Wenn man alleszusammenfat, sowohl die Gedanken, die in der Vorlesung ausgefhrt sind, wie auch wasich heute hinzugefgt habe, da nmlich im allgemeinen Bestand der Menschen in der

  • letzten Zeit ob der progressiv sich verschlimmernden von ihnen festgesetztenVerhltnisses ihres gewhnlichen Lebens hauptschlich ob des falschenErziehungssystems der heranwachsenden Generation der im allgemeinen Bestand jenerMenschen, die nicht eigens an sich gearbeitet haben, vorhandenen Eigenschaftvorkommen, die ich diesmal so nennen wrde: die-in-des-Menschen-Auffassung ganz-verdrehte- Widerspiegelung-der-Wirklichkeit". Die Resultate des Denkens und Fhlens imDurchschnittsmenschen bringen es oft dahin, da, wie man es ausdrcken kann, eine-Mcke-zu-einem-Elefanten-wird-und-ein-Elefant-zu-einer-Mcke". Die Manifestierungdieser verderblichen Eigenschaft im allgemeinen Bestand der besagten Menschenverwirklicht sich besonders intensiv gerade whrend solcher Ereignisse wie Krieg,Revolution, Brgerkrieg, Krisen und so weiter. Gerade whrend solcher Ereignissemanifestiert sich besonders schroff der sogar von ihnen selbst festgestellte Zustand, dessenEinflu sie alle mit wenigen Ausnahmen verfallen und den sie Massenpsychose" nennen.

    Wo sind da der freie Wille und die Freiheit, die dann immer wieder beschworen werden?Nur wenn ein Mensch sich von allen Illusionen befreit, alles was ihn daran hindert dieWirklichkeit zu sehen, all die Hoffnungen, Trume, Sorgen und ngste erst dannwerden sein Streben, seine Ambitionen erlschen und die Impulse in seiner Psychewerden zu einem Halt kommen und eine Leere wird entstehen. Das ist der Tod des Ichs,des Egos, das Sterben von allem aus dem es bestand, dem Unechten, geboren ausIgnoranz und einem unbewuten Leben. Es bleibt als Material, aber es bildet nicht lngerdie Substanz des Menschen. Erst jetzt ist es mglich, wenn man genug Energie hat, neuesMaterial zu sammeln, dieses Mal aber frei ausgewhlt. Dann nimmt der Mensch das waser fr sich braucht und ihm wird es nicht, wie vorher, von fremden Krften eingeflt. Dasist sehr schwierig, aber mglich.

  • NASREDDINS MANTEL VON ARKARDIJ ROVNER10

    Im Kapitel Fegefeuer des Buches Beelzebub erwhnt Gurdjieff drei Krper desDaseins (auch Lebenskrper): einen niederen (auch planetarischen), einen mittleren(auch Krper Kesdjan) und einen hheren Krper.Der niedere Krper ist uns von Anfang an gegeben.Der mittlere und der hhere Krper entstehen durchBemhungen aus besonderen kosmischenSubstanzen. Wenn man stirbt, trennt sich der mittlereKrper vom niederen. Letzterer zerfllt wieder in dieElemente und vermischt sich mit den Substanzen desPlaneten. Der mittlere Daseinskrper zerfllt auchund lst sich im eigenen Element auf. Der hhereKrper, der sich vom mittleren trennt, zerfllt nichtmehr, sondern kehrt zu seinem Ursprung namensSonne, zum Absoluten zurck. Aber laut Gurdjieffinteressieren sich die Leute seit einiger Zeit nichtmehr fr den Krper des mittleren und hherenDaseins. Da diese uns nicht von Anfang an gegebensind, sind sie gar nicht im menschlichen Gepckvorhanden.

    Der Mensch muss sie sich erst durch freiwilliges Tun und absichtliches Leidenerschaffen. Anders ausgedrckt, heit das, dass der Mensch zunchst keine Seele hat, ermuss sich diese falls er das will erst selbst erschaffen. Jedoch lenkt diese Formulierungvom Verstndnis dafr ab, dass es in Wirklichkeit um zwei Seelen geht: um den KesdjanKrper und um den hheren Krper des Daseins. Sie betont allerdings die groe Ideeber den Aufbau der Krper des Daseins. Zusammen erinnert dies entfernt an verbreitetetheosophische und anthropologische Vorstellungen vom physischen und therischenAstralleib des Menschen. Dort hat der Mensch diese Leiber. Man muss sie blo anstrahlen.Vergleichbare Ideen kann man im Judentum, im Hinduismus und im Buddhismus finden.Mein Ziel ist nicht der Vergleich verschiedener Theorien sondern eher praktischer Natur:ich mchte notwendige Schwerpunkte geistiger Arbeit hervorheben, wie sie im Licht derVorstellungen und genauen Betrachtungen von Gurdjieff erscheinen. Zuerst mchte ichdaran erinnern, dass sich der moderne Mensch viel strker als der traditions-verbundeneMensch als ein willensschwaches Spielzeug seines physischen sowie sozialen Leibeserweist. Man knnte sogar sagen, dass er ganz von diesen Leibern, die nicht von ihmbeherrscht sondern von unabhngigen physischen und sozialen Mechanismen gelenktwerden, aufgenommen ist. In dieser Schicht der Realitt kann der Mensch nichtserschaffen. Alle seine Versuche, den auseinander gehenden Stoff seines Lebens zusammenzu nhen - den Mantel Nasreddins zu flicken scheitern: der Mantel muss weggeworfenwerden, aber ihn durch einen neuen zu ersetzen, gelingt leider niemandem. Dasselbe

    10 http://gurdjieffclub.com/de/articles-essay-arkady-rovner-nasreddin-s-robe

  • knnte man ber sogenannte Suchende nach Spiritualitt, ber Besucher der Seminareund Leser esoterischer Literatur sagen. Im besten Fall fhren sie in ihr physisches undsoziales Leben kleine nderungen ein, beispielsweise tglich ein- oder zwei Meditationen,ein oder zwei Besuche einer esoterischen Praxis oder Gruppe, dazu noch das Lesen vonBchern und Artikel zu ihnen interessanten Fragestellungen. Diese Anstrengungenreichen nicht dafr aus, einen Raum, der vor Einwirkungen des phy-sischen und sozialenElements schtzen knnte, aufzubauen. Am hufigsten fhrt geistige Ttigkeit und Arbeiteinen Suchenden zum psychologischen Ausgleich oder zur Aufnahme von Fetzen fremderEnergie, die jedoch schnell wieder durch Ritzen im eigenen Krper verloren geht. Weil einsolcher Suchender versteht, dass er fr den Aufbau des hheren Krper des Daseinsweder die Entschlossenheit noch die notwendigen Mittel und Voraussetzungen aufweist,setzt er sich dieses ganzheitliche Ziel erst gar nicht.

    Dabei knnte gerade der Aufbau hherer Leiber des Daseins der einzige Inhalt und daseinzige Ziel geistiger Arbeit sein. Jahrhundertelang war das die Aufgabe buddhistischer,christlicher, sufistischer und anderer Lehren. Heutzutage sind sporadische und trgeBemhungen oder ein kompletter Mangel an Anstrengungen bei einer zugleich grellenVorstellungskraft zu beobachten, was einen Suchenden abhlt und vom Gegenteilberzeugt. Auf welche Weise kann die Aufgabe, hhere Leiber des Daseins aufzubauen,aus dem Bereich der Phantasie und des Traums in die Realitt bertragen werden? Wiekann man einen festen Stoff inneren Lebens oder ein heiliges Futter weben, so dass dasuere Leben durch ein reales Fundament ausgefllt und verschnert wird? Geht esdarum eine zustzliche Schicht zu schaffen, die harmonisch mit dem ueren Stoff desLebens verbunden ist? Erinnern wir uns an Nasreddins Mantel, der zwar voll von Flickenund Lchern war, dessen Futter aber aus Gold und Juwelen bestand. Aber in unserem Fallgeht es noch lange nicht um Edelsteine. Es geht um eine ruhige und geheimnisvolleArbeit, wenn man an der eigenen ganzheitlichen Schicht arbeitet. Das Futter sollte nichtkaputt, sondern ganz sein. Es darf keine Ritzen haben und nicht Fetzen hngen. Aberwoher sollte die Kraft dafr kommen? Welches Abbild kann man sich zum Mustermachen? Wie baut man den Plan der Arbeit auf? Selber muss man Kraft dafr entwickeln.Es gilt eine Quelle fr die Kraft zu finden und Ritzen zu schlieen.

    Die Aufmerksamkeit hilft einem, zur Quelle hin zu finden. Natrlich sollte sie im eigenenInneren gesucht werden. Der Mensch stiehlt nicht dem Lehrer die Kraft, sondernumgekehrt ist es: er gibt ihm einen Teil seiner Kraft fr die endlos groe Arbeit desLehrers. Die Vorstellung vom eigenen Antlitz und der Arbeitsplan werden nur im Raumdes Lehrers geschaffen. In diesem Raum wird auch die Arbeit geleistet. Diese Ttigkeitkann vom Himmel gesegnet werden. Dann werden Gold und Edelsteine mit allen ihrenbernatrlichen Farben aufleuchten. Doch kann die Arbeit auch ohne Auszeichnungbleiben. Darauf sollte man gefasst sein. So wie der Lehrer in keinem Fall dieseEntscheidung trifft, so leistet er auch nicht die Arbeit. Der Lehrer kann einem zurVollbringung einer Heldentat blo den Rat geben, welche Arten von Futter in der geistigenWelt existieren. Es gibt ein Futter, das aus der heiligen Stille aus Gebet, Dankbarkeit undGedchtnis an sich besteht. Es gibt Futter, die schpferisches Chaos oder magischer

  • Wille heien. Es gibt auch andere Arten davon. hnlich werden auch die Wege zumErschaffen dieser heiligen Futter genannt. Einige erwhnen in diesem ZusammenhangGott, andere Gottes Knigreich, wieder andere die kosmische Schpfung, wieder andereGold und wieder andere wundervollen Feuervogel. Gurdjieff bezeichnete es alshchsten Leib des Daseins. Viele reden davon, aber blo wenige entschlieen sich dazu,diesen zu schaffen. Solche Arten von Futter knnen nicht einfach in den alten Mantel vonNasreddin eingenht werden - der abgenutzte Stoff wrde sie nicht halten. Man brauchtein Zwischenfutter, das mittlerer Leib des Daseins oder Krper Kesdjan genannt wird.Der zur Heldentat Entschlossene stellt es selbst in einer schweren Arbeit her. Es wirdparallel zum hchsten Leib des Daseins aus der Substanz von Aufmerksamkeitgeschaffen, indem man mit dieser reinen Aufmerksamkeit seinen physischen Krper fllt.Der zum Erschaffen Entschlossene erhlt vom Lehrer Antrieb und Motivation, doch musser die Arbeit selbstndig und geheim machen. Wem ist es nicht empfohlen, solch eineArbeit zu bernehmen?

    Vor allem jenen, die jeden ihrer Schritte mit dem Lehrer absprechen mchten, die daraufhoffen, alle Hinweise nicht aus der Ttigkeit selber ableiten zu mssen, sondern diese vomLehrer zu erhalten. Auch Leute, die daran gewohnt sind, mehr zu fragen als zu tun, solltendiese Arbeit meiden. Ebenso jene, die von der Arbeit ihren Freunden erzhlen und jenen,die den Feuervogel betrgen wollen sowie denen, die nicht bereit sind, grozgigabzugeben fr Senkrechtes mit Waagerechtem zu bezahlen. Will man blo mit ernstenDingen spielen ohne Strafe zu frchten, sollte man lieber auf diese Absicht verzichten - dasist ein gefhrliches Spiel. Es bleiben wenige, die zur Einsamkeit und zur Arbeit bereit sind.Sie sind aufmerksam auf jedes weise Wort, das whrend der Arbeit entsteht. Solchebekommen Verstndnis und Hilfe.

    WAS KANN GURDJIEFFS ARBEIT EINEM MENSCHEN GEBEN?11 Die Arbeit erffnet einem Menschen neue Horizonte und gibt seiner Existenz einendauerhaften Sinn. Der Mensch beginnt klar zu erkennen, dass das, was er frher als sowertvoll und groartig empfunden hat, nur ein Kartenhaus ist. Nur Ideale, die er oderandere knstlich geschaffen haben und von denen nichts bleibt. Aber der Mensch hngt andiesen Dingen, denn ohne sie steht er vor dem Nichts, vor einem Abgrund Es ist ihmklar, dass es ntig ist all diese Dinge aufzugeben, das Kartenhaus einstrzen zu lassen unddann Stein fr Stein etwas Neues zu bauen, was nicht einfach weggeblasen werden kann.Er versteht es mit seinem Verstand und wnscht es sich, aber er hat Angst seineVergangenheit aufzugeben; vielleicht findet er nicht einmal einen Stein. Was dann? Waswird geschehen? Er denkt es wre besser ein Kartenhaus zu haben als gar keins Aberohne Risiko geht es nicht.

    Solange das Alte noch da ist kann nichts Neues beginnen. Manchmal und pltzlich sieht erfr einen Augenblick all die Nichtigkeit mit groer Klarheit. Und dann hat ein Mensch,der dies erkennt, das Recht nein, die Verpflichtung, seine Vergangenheit loszulassen, siesogar unter seinen Stiefeln zu zertreten, denn sie ist nicht lnger notwendig fr ihn. Und

    11 Aus Our Live with Mr. Gurdjieff von Olga und Thomas de Hartmann

  • wie unbedeutend ihm pltzlich die Leute erscheinen, mit ihren kleinen Idealen,Bestrebungen, Leiden und Leidenschaften. Wie er es sich wnscht es laut hinaus zuschreien, dass all dies nicht existiert: es gibt dieses Leiden, diese Liebe nicht, nichts davon,alles erfunden! Und es erscheint ihm, als wenn ihm pltzlich Flgel an seinem Rckenwachsen und er versteht nicht, warum er pltzlich jeden zu lieben und zu verstehenbeginnt, und sich wnscht, allen zu erzhlen, zu erklren was er versteht und denkt. Undzur gleichen Zeit, wenn Du es wrst, fhlst Du, dass Du nicht wei Wie Du zu ihnensprechen sollst, damit sie Dich verstehen. Darum bleibst Du stumm

    Dann geschieht etwas, etwas in Deinem ueren Leben und wohin verschwinden all dieguten Gefhle und Gedanken? Du siehst nur noch Dein ueres Leben. Du leidest, weilDu wieder beginnst alles durch diese dunkle Brille zu sehen. Du erinnerst Dich was vorein paar Minuten war, erinnerst Dich an die Empfindungen und Gedanken, aber Dukannst nichts tun. Etwas in Dir nagt physisch an deinem Herzen, so physisch wie einZahnschmerz. Stunden und Stunden sind ntig, mit viel Nachdenken und Beispielen, bisDu alles loslsst und wieder fhig bist, ohne Schmerzen, Dein Selbst zu fhlen Undhierin liegt die Frage: Auf welchem Weg ist es mglich, dass diese schlechten Dinge nichtmehr passieren? Wir knnen vielleicht an den Punkt gelangen wo niemand von Auensehen kann, was in unserem Innern vorgeht Aber zu was ist dann all das uere vonNutzen, wenn im Inneren die ganze Zeit dieser Schmerz nagt? Zu verstehen, zu sehen,nichts zu zeigen das ist mglich. Aber wie die Wurzel selbst herausreien, so dass nichtimmer das Selbe geschieht?

  • J.G. BENNETT - ARBEIT AN SICH SELBST

    Gurdjieffs Lehre ist durch und durch praktisch. Sie beschftigt sich mit der konkretenSituation unserer unmittelbaren Existenz und was wir daraus machen. Sie betrifft genausodie Ebene der augenblicklichen Wahl, des "Ja oder Nein", wie auch die entscheidendeFrage: "Was ist meine Bedeutung im Universum." Aber weil wir sehr subjektiv sind undvoller Illusionen, knnen wir kaum damit beginnen, die konkrete Realitt in uns oderauerhalb von uns ohne Vorbereitung zu verstehen. Wir knnen noch nicht einmal zu derIdee von "Arbeit an sich selbst" ohne Vorbereitung kommen. Gurdjieff kann nicht zuLeuten ohne Sinn fr Wirklichkeit sprechen - nur zu jenen, die schon einen gewissenAnsatz zum Verstehen haben.

    Bevor ich beginne, seine Methoden der Arbeit zubeschreiben, muss ich deshalb zuerst etwas berVorbereitung sagen. Die erste Aufgabe ist die Klrungdes persnlichen Ziels. Das muss jeder fr sich selbsttun. Ich kann ein Ziel nicht von jemandem borgen oderstehlen. Ich muss fr mich selbst entscheiden, wasmein Ziel ist. Mein Ziel ist nicht, was ich wnschensoll, oder was ich denke zu wollen oder was allgemeinals begehrenswerter Gegenstand im Leben angesehenwird, sondern was ich tatschlich mehr wnsche alsalles andere. Ich muss mich fragen, ob ich mich aufetwas einlasse, was bestimmt schwierige Arbeit seinwird - das ist, etwas zu werden, was ich noch nicht bin,mich auf eine hhere Ebene des Daseins zu erheben -bin ich bereit, den Preis dafr zu zahlen? Ist dieses Zielfr mich wichtiger als Ruhm, Reichtum, die Schtzungund Bewunderung durch meine Mitmenschen, meine

    eigene Bequemlichkeit und Sicherheit, meine krperlichen Begierden und Bedrfnisseoder alle anderen Dinge, die ich schtzen mag? Sind dieses oder irgendeines davonwichtiger als mein eigenes Sein? Das sind einfache, allgemeine berlegungen, die jederselbst anstellen muss. Wenn wir soweit wie mglich versuchen ehrlich zu sein, knnen wirnicht erwarten, dass etwas hchst Wertvolles billig zu erhalten ist.

    Eine zweite vorbereitende Aufgabe ist, so weit wie mglich ber unsere persnlicheSituation klar zu werden. Das erste ist zu entscheiden, was ich will, das zweite was ichhabe und was ich bin. Auch das knnen wir zu einem begrenzten Mae selbst tun, sogarmit den gelufigen Vorstellungen, die wir haben, vorausgesetzt, wir verstehen ein Prinzip:das ist die Notwendigkeit zwischen Wirklichem und Eingebildetem zu unterscheiden,uns darauf einzulassen, dass nur das Konkrete und Nachprfbare als Ausgangspunktangenommen werden kann. Ich kann selbst sehen, ob ich fhig bin, meine innerenZustnde oder meine ueren Manifestationen zu kontrollieren. Ich muss wissen, ob ichdie Fragen beantworten kann, die mich bewegen. Ich kann die Leiden der Welt sehen -

  • individuell und kollektiv - und mich fragen, ob ich das Wissen und die Macht habe, sie zuerleichtern. Ich kann meine Zukunft untersuchen und mein Alter. Gebrechlichkeit und Todvor mir sehen - und versuchen in das Geheimnis des Lebens und dessen Bedeutungeinzudringen und dabei meine eigene Unwissenheit und Hilflosigkeit erkennen. Vondaher kann ich mich zur Mglichkeit eines neuen Wissens wenden, das mir vielleicht denWeg hinaus zeigt, und mich dann nochmals fragen - welchen Wert hat dieses Wissen frmich?

    Das bringt uns zur dritten Aufgabe, wenn wir der Hoffnung gegenberstehen, letztendlichetwas zu finden auf das wir vertrauen knnen. Unsere nchste Pflicht ist klar. Es ist zuprfen - soweit wir knnen - ob dieser neue Faktor unseren Bedrfnissen und unseremVerstehen entspricht oder nicht. Niemand kann uns diese Verantwortung abnehmen undwir haben kein Recht zu erwarten, dass irgendjemand, weder ein einzelner noch eineOrganisation das tun sollte. Wenn ich mich in einem Wald verlaufen habe und jemandentreffe, der behauptet, er wisse den Weg hinaus, muss ich alleine die Verantwortung fr dieEntscheidung tragen, dem Vorschlag zu folgen oder auf eigene Faust weiterzusuchen,und ich werde weise sein, soweit wie mglich zu prfen, ob er irgendetwas ber denWald wei und sich selbst orientieren kann, ob er einen Kompass oder eine Karte besitztoder nicht. Wenn ich diese Dinge schlielich nicht beachte, sondern ihm blind vertraueund mich noch tiefer verirre als zuvor, ist das meine Verantwortung und ich muss dieKonsequenzen tragen. Dies sind elementare, allgemeine Prinzipien, die Ihr fr Euchanwenden knnt und msst, soweit es in Eurer Macht steht, bevor Ihr Euch auf einen Wegeinlasst, der neu und unversucht ist. Und worber ich nun sprechen werde, muss als einhchst gefhrliches Unternehmen scheinen - die Anwendung von Methoden, die Ihrsoweit noch nicht geprft und getestet habt, fr das Erreichen eines Ziels, worber Ihrnicht wirklich im Klaren sein knnt und das auf jeden Fall beinahe unmglich zubeschreiben ist. Man kann, das ist wahr, vielfltige, mehr oder weniger befriedigendeverbale Formu-lierungen finden - unsere eigene Ebene des Seins zu verndern - ein Lebenin einer Welt zu erlangen, die verschieden von der gewhnlichen Welt mechanischenGeschehens ist, wirkliche Mnner und Frauen zu werden anstelle von Maschinen oderDenk-Tieren, so wie wir und alle Leute sind.

    Hier mssen wir uns klar sein: wie immer wir das Ziel formulieren, die enthalteneVernderung in uns ist so fundamental, dass wir ihre Art nicht im Voraus wissen knnen.Wenn wir die drei einleitenden Fragen ernst nehmen - und uns entschieden haben, dass sowie wir sind, wir keinen Weg aus dem Leben hinaus und auch keinen Weg aus dem Todwissen, und dann den Weg hinaus zu finden, muss wichtiger fr uns sein, als immerwieder im Vogelkfig dieser Lebensumstnde hin und her zu drehen - dann sind wirbestimmt an einem Punkt unserer Entwicklung angelangt, genug vorbereitet, zuexperimentieren und zu sehen, ob wir Methoden prfen knnen, die uns nicht nur denWeg hinaus zeigen, sondern uns auch befhigen, ihn zu gehen. So sind wir nun an derStelle, an der wir bereit sind, ber das WIE zu sprechen. In dieser Rede habe ich zuerst dieWorte "Arbeit an sich selbst" in Anfhrungszeichen gesetzt. Ich sagte es so, weil ichgewohnt bin, dass Leute fragen: "Was bedeutet das?" und beteuern, unfhig zu verstehen,

  • wie Arbeit an sich selbst von gewhnlichen Versuchen ein aufrechtes Leben zu fhrenverschieden ist. Solche Leute sehen nichts Besonderes in der Idee. Andere bringenTheorien vor, dass es unmglich sei, irgendetwas an sich selbst zu tun, weil das eineinnere Spaltung hervorrufen wrde, usw. Ich kann mich erinnern, wie lange ichpersnlich brauchte um zu verstehen, was Arbeit an sich selbst bedeutet. Ich bemerkte,dass Ouspensky sich auf hnliche Schwierigkeiten im ersten Kontakt mit Gurdjieffs Lehrebezieht. Eine Passage am Anfang von "Auf der Suche nach dem Wunderbaren" beschreibtsein erstes Treffen mit einer von Gurdjieffs Gruppen in Moskau.

    Er sagt: "Als ich sie nach dem System fragte, das sie studierten und was diebesonderen Merkmale seien, bekam ich sehr unbestimmte Antworten. Dannsprachen sie von Arbeit an sich selbst, aber worin diese Arbeit bestehe, erklrten siemir nicht." An diesem Punkt des ursprnglichen Vortrags leitete Mr. Bennett folgendesExperiment an: "Ich dachte darber nach, wie ich Euch vermitteln kann. was mit"Arbeit an sich selbst" gemeint ist. Ich schlage Euch vor, ein einfaches Experiment mitmir zu machen, das helfen knnte, ein oder zwei Dinge klarzumachen, die ich andiesem Abend erklren will. Strecken wir unsere Arme gerade hoch." Mr. Bennetthielt dann seine Arme gerade hoch; und jeder im Saal (es waren ca. 350 Leuteanwesend) machte mit. Nach ein paar Sekunden sagte er: "Streckt nun die Armeso weit wie mglich hoch." Die meisten Arme gingen ein paar Zentimeter hher. Mr.Bennett bat die Anwesenden dann zu zhlen: eins, zwei, drei, vier; vier, drei, zwei, eins;zwei, drei, vier, fnf; fnf, vier, drei, zwei; drei, vier, fnf, sechs, und so weiter. Als siezwlf erreicht hatten, forderte er sie auf, die Arme nochmals zu strecken. Es war sofortoffensichtlich, dass beinahe jeder sich erlaubt hatte, die Arme etwas sinken zu lassen.Mr. Bennett fuhr fort: "Was habt Ihr bemerkt? Nachdem die Aufmerksamkeit vomZhlen weggenommen war, habt Ihr mit der Anstrengung nachgelassen, sie zustrecken und als ich sagte, streckt Eure Arme wieder, gingen beinahe alle Arme einpaar Zentimeter hoch. Ich mchte dies als Beispiel gebrauchen, um zu zeigen, wasich mit Arbeit an sich selbst meine. An erster Stelle war das Hochnehmen der Armefr einige Leute vielleicht eine Anstrengung, weil sie dachten, es sei eine lcherlicheSache, dies in einem Vortragssaal zu tun. Aber beinahe jeder machte dieAnstrengung. Dann kam eine Illustration der Beziehung des Willens zum eigenenKrper. Ihr nahmt die Arme hoch, aber Ihr habt keine besondere Anstrengunggemacht, sie zu strecken. Erst als ich die Aufmerksamkeit dahin lenkte und sagtestreckt die Arme, habt Ihr bemerkt, dass eine zustzliche Anstrengung gemachtwerden sollte. So lange Ihr diese zustzliche Anstrengung gemacht habt, blieben dieArme der meisten auch gestreckt, aber nur bis wir zu zhlen anfingen. Dann wurdedie Anstrengung vom Strecken der Arme zum Zhlen umgeleitet und diegewhnliche Art zu zhlen nahm die Aufmerksamkeit so in Anspruch, dass Ihr nichtlnger die Anstrengung, die Arme zu strecken, gemacht habt. Als ich am Schlusssagte, die Arme strecken, streckten sich beinahe alle Arme ein paar Zentimeter. ZweiFaktoren sind an dieser Sache beteiligt: Der eine ist die Fhigkeit und dieEntscheidung, eine bestimmte Anstrengung zu machen, und der zweite ist die Arbeitan der Aufmerksamkeit. Sogar wenn man sich entschliet, eine bestimmteAnstrengung zu machen, kann man nur so lange weitermachen, wie gengendeMengen Aufmerksamkeit verfgbar sind."

  • BER ENERGIENIhr habt bemerkt, dass ich ber Aufmerksamkeit spreche, als ob sie etwas Materielles sei,und das ist berechtigt. Aufmerksamkeit ist Materie, es ist eine besondere Art von Energieoder Material, von dem wir zu jedem Zeitpunkt eine bestimmte Menge in unseremOrganismus haben. Wenn diese Menge abgenutzt ist (wenn wir sie schneller verbrauchenals produzieren), knnen wir unsere Aufmerksamkeit nicht weiter kontrollieren, auchwenn irgendeine Notwendigkeit dazu vorlge oder wir uns zu etwas entschlossen htten.Das trifft ganz allgemein auf alles, was wir tun zu - alle unsere inneren und uerenProzesse im Leben hngen von Materie oder Energie ab. Wenn wir die notwendige Kraftoder Energie fr einen Prozess haben, ist er mglich. Die Energien haben verschiedeneQualitten. Wie jede Materie nicht die gleiche Qualitt besitzt - wie Holz oder Kohle, diebeim Verbrennen ihre Energie einfach in Form von Hitze abgeben - gibt es einige Energiendie hherer Art sind, beweglichere, so wie elektrische Energie. Eine andere Art Energiehat mit aufgeregtem Zustand der Materie zu tun. Dann gibt es noch hhere Formen vonEnergien, die jenseits der Mglichkeit der Messung durch gewhnliche physikalischeInstrumente liegen. Jeder, der einfach nur populre Physikbcher liest, wei, dass mit derZunahme der Schwingungsfrequenz strahlender Energie, d.h. bei einer Zahl von mehr als20 Nullen pro Sekunde (1020), sie kaum wahrgenommen werden. Wenn sie 22 Nullen(1022) htte, wrde sie wahrscheinlich ganz unentdeckt verschwinden und wir wrdenkeine Mittel haben um zu wissen, dass solch eine Energie existiert. (Diese Energiendringen durch die Materie, durch die ganze Erdatmosphre und knnen schwerlichentdeckt werden.)

    Es gibt gute Grnde anzunehmen, dass noch hhere Energieformen bestehen, die unseremodernen elektronischen oder kernphysischen Apparate nicht entdecken knnen. SolcheEnergien sind mit Erfahrungen verbunden, mit Gedanken und Gefhlen, mit Empfindungusw. Gerade wie die Energien gewhnlicher Gedankenablufe und Empfindungen eineStufe ber der strahlenden Energie liegen, die wir mit unseren elektronischen Apparatenmessen knnen, so liegt die Energie, mit der wir die Macht haben, unsere Aufmerksamkeitzu kontrollieren, eine Stufe ber den Energien der Gedanken, Gefhle undEmpfindungen. Darber hinaus gibt es noch eine andere Energie, die eine vitale Rolle imLeben des Menschen spielt. Das ist die Energie, die uns befhigt, Entscheidungen zutreffen, zu whlen. Nicht durch die Macht des Gedankens oder der Macht derEmpfindung knnen wir whlen. Noch nicht einmal mit der Energie der Aufmerksamkeit.Sie ist ein Schritt hher in der Stufenleiter. Nun werdet ihr fragen: wie ist diese Diskussionber verschiedene Energiearten fr das Problem der Selbst-Schpfung relevant, der Arbeitan sich selbst? "Arbeit an sich selbst", zumindest einer ihrer Hauptzwecke, ist dieProduktion von diesen hheren Energieformen, welche uns an erster Stelle befhigen, zuwhlen und wirkliche Entscheidungen zu treffen. Diese hheren Energieformen, sindauch fhig, unsere eigenen Funktionen, Denken, Gefhle und den Rest zu transformieren,umzuwandeln und sie auf eine hhere Ebene zu erheben. Schlielich knnen sie etwas inuns bilden, durch das wir in einer ganz verschiedenen Welt von der gewhnlichenmechanischen Welt unseres Alltagslebens leben knnen.

  • WIE FUNKTIONIERT DER MENSCH?Bevor ich fortfahre, die Arbeit der Energien zu besprechen, sollte ich ber die Psychologiedes Menschen in so einfachen Begriffen wie mglich sprechen. Wir haben drei vorrangigeFunktionsgruppen: Denken, Fhlen und Empfinden. Sie arbeiten mit verschiedenenTeilen unseres Nervensystems, elektrische Energie gebrauchend, die mit elektrischenSchaltungen verbunden sind, und sie haben ihre Begrenzungen entsprechend dieser Artvon Energie. Sie sind nicht mehr als komplizierte elektronische Gerte, nicht so sehrverschieden von jenen, die Mathematiker und Physiker schon in ihren Laboratorienkonstruieren. Eine dieser Maschinen denkt, eine andere fhlt, whrend ein dritte mit derAktivitt des Krpers beschftigt ist. Die erste ist mit der Arbeit der Gehirnrindengebieteverbunden. Sie ist das, was wir gewhnlich Gehirn nennen. Die zweite ist mit demsympathischen Nervensystem verbunden, dessen Hauptzentrum im Solar Plexus ist unddamit anderen Nervenknoten beigeordnet. Die dritte basiert auf dem Rckgrat undbestimmten Regionen im Kopf. Wenn dies alles wre, was im Menschen besteht oderbestehen knnte, wrde er nicht mehr als eine Ansammlung von Maschinen sein ~ sehrkompliziert und fhig wunderbare Arbeit zu leisten - aber immer noch nicht mehr alsMaschinen. Aber wir wissen, dass wir eine Erfahrungsweise oder Bewusstheit haben undwir wissen, dass es eine derartige Sache wie Aufmerksamkeit gibt. Was sind dieseEnergien und woher kommen sie?

    Die Energie mit der diese drei Maschinen normalerweise arbeiten ist zu niedrig in derStufenleiter, ber die ich spreche, um das mit sich zu fhren, was wir Erfahrung nennen -das ist innere Bewusstheit eines Prozesses als Teil des Prozesses selbst. Ihr knnt z.B. leichtsehen, dass Euer Nervensystem dauernd Eindrcke von auen empfngt - aber Ihr seiddessen selten bewusst. Wenn Eure Kleider bequem sitzen, bemerkt Ihr nicht dieBerhrung auf dem Krper. Es gibt die ganze Zeit viele Gerusche, die Ihr nicht hrt. Esgibt Gedanken in Eurem Kopf, die Ihr nicht bemerkt, Gefhle, die Euer Bewusstsein nurindirekt berhren. Die ganze dauernde Aktivitt Eurer drei Gehirne knnte soweitergehen - und meistens geht es so - ohne irgendeine Erfahrung von Eurer Seite, d.h.ohne einen Anteil des "Bewusstseins". Zugleich ist Erfahrung mglich, sie ist tatschlichder einzige Teil unseres Lebens mit irgendeiner Bedeutung fr uns. Erfahrung hngt voneinem hheren Grad der Energie ab, als einfache nervliche Aktivitt. KontrollierteAufmerksamkeit bentigt einen noch hheren Grad. Die meisten von uns werden aufeinem Stuhl sitzen und nicht den Druck des Krpers auf dem Sitz spren, aber wenn wirdie Aufmerksamkeit darauf richten, werden wir dessen schnell bewusst. Die Leute sindsich nicht klar, wie wenig sie darber bewusst sind, was nur in ihrem Denkhirn vor sichgeht, und beinahe alles, was in ihrem Gefhlshirn vorgeht, was wir als unbewusstbezeichnen, ist nicht mit Aufmerksamkeit verbunden. Zur gleichen Zeit sind diese dreiGehirne das Ganze unseres Mechanismus, der auf die Umwelt reagiert. Damit leben wir.Was wir bewusste Erfahrung bezeichnen ist hauptschlich auf unser Denkhirn bezogen,und was allgemein das Unbewusste oder Unterbewusste genannt wird, ist meist auf dieGefhls- oder Empfindungswelt bezogen. Diese Trennung ist ziemlich knstlich. Wirknnten wohl ber diese anderen Teile bewusst sein, und wir sind uns nicht im Klarendarber, wie wenig wir des Denkteils bewusst sind. Es gibt gewisse einfache

  • Experimente, die wir machen knnen, um jedem zu demonstrieren, dass er nicht bewusstdarber ist, was in seinem Denkteil vor sich geht. Das ist das erste Bild des Menschen. Erhat drei Gehirne, drei neuronale Mechanismen, mit denen er Erfahrungen machen kann,weil in ihm die Energie der Aufmerksamkeit ist. Solange die Energie der Aufmerksamkeitnicht von innen kontrolliert wird, ist seine Erfahrung ganz automatisch und passiv. Wasseine Aufmerksamkeit anzieht erfhrt er, er ist nicht sein eigener Herr, sondern Sklavevon dem, was gerade passiert und seine Aufmerksamkeit einfngt und festhlt. SeineErfahrung hngt von der zuflligen Aktivitt seines Nervensystems ab.

    KONTROLLIERTE ERFAHRUNGWenn er anfngt seine Aufmerksamkeit zu beherrschen und zu steuern, kann er zu einemgewissen Grad erfahren, was er erfahren will. Wenn ich meine Aufmerksamkeit z.B. aufmeine Gedanken richte, kann ich denken, was ich zu denken beschlossen habe und nichtwas zufllig in meinen Geist kommt, aber wenn ich diese Anstrengung nicht mache,knnen meine Gedanken nur automatische Assoziationen sein, verbale Assoziationen,und was ich in einer weiteren Minute denke, ist ganz unvorhersehbar. Das ist dergewhnliche Zustand der Arbeit des Denkhirns. Durch Aufmerksamkeit kommtabsichtliche Erfahrung, so dass Kontrolle und darum Vernderung mglich wird. AberAufmerksamkeit allein ist nicht das gleiche wie Wille. Was wir gewhnlich "Wille"nennen, ist blo Resultat aller Krfte, die an unserer Aufmerksamkeit arbeiten und siediesen oder jenen Weg ziehen. "Wirklicher Wille" ist mit der hheren Energie verbunden,von der ich sprach, in der die Macht wirkungsvoller Entscheidung liegt. Das bedeutetzumindest die volle Macht ber unseren Organismus. Daneben enthlt es vieles anderes,aber im Augenblick erwge ich nur die primre Notwendigkeit, dass mein "Ich" die Machtber meine Gedanken, Gefhle, Empfindungen und meine krperlichen Reaktionen imallgemeinen haben soll. Fr gewhnliche Leute kommt der Impuls fr ihre Gedanken,Gefhle und den Krper von ihren Begierden, ihren Interessen und Abneigungen. Diesewerden natrlich in den Grenzen gehalten, die durch Erziehung und Gewohnheitauferlegt sind. Aber soweit das Bewegen oder Praktizieren krperlicher oder psychischerProzesse betrachtet wird, sind die aktiven Prinzipien die Krfte des Begehrens und derAbneigung, der Anziehung und Ablehnung. Soweit diese uns kontrollieren, kontrollierenwir nichts, denn sie kommen ohne unseren Willen oder Absicht auf. Nun lasst michversuchen, diesen groben Umriss, den ich Euch gab zu sortieren. Das erste Bild desMenschen ist das eines Wesens, das drei Mechanismen zum Leben hat, drei Mechanismenzur Erwiderung auf die uere Welt, das Denken, Fhlen und Empfinden.

    Die Arbeit der drei Gehirne kann ganz automatisch sein, ohne irgendeine Absicht oderZweck, oder es kann kontrolliert sein, entweder durch die Lenkung der Aufmerksamkeitoder in einer noch hheren Weise durch die Anwesenheit von etwas, das unabhngig vonbeidem, den Gehirnen und der Aufmerksamkeit ist. Ich habe so zweimal eine dreifacheTeilung des Menschen gemacht. Die erste ist die Einteilung des Menschen in drei Teile,den mechanischen Funktionen nach, und die zweite ist in drei Teile, soweit seine mglicheEbene der Erfahrung betrachtet wird. Solch eine Klassifizierung ist ausreichend, um dieMethoden der Arbeit zu erklren, aber ich muss sofort sagen, dass es sehr vereinfacht ist,

  • und wenn man dazu kommt es in Einzelheiten zu studieren, mssen viele Ver-besserungen gemacht werden. Ich gebrauche auf dieser Stufe nur eine erste Annherung,um eine Grundlage zu haben, diese drei Ideen fr Euch auszufhren.

    DER WILLE BESTIMMT UND HARMONISIERTDie nchste Frage, die wir hier zu stellen haben ist, wo in diesem Ganzen bin "Ich"? Wasbin Ich selbst in all diesem? Bin Ich selbst entweder das Ganze oder Teile meinesDenkhirns? Bin Ich selbst meine Gefhle, mein Gefhlszustand, meine Lust- oderUnlustempfindungen? Oder bin Ich selbst mein Krper und all die Erfahrungen meinesKrpers - d.h., was ich als das sinnliche Gehirn oder den Empfindungsmechanismusbezeichne? Wenn Ihr Euch die Mhe macht, zu studieren und zu prfen, was ich sage,werdet Ihr sehen, dass diese drei Gehirne beinahe immer ohne Bezug auf das anderearbeiten und des anderen nicht bewusst sind, so dass wenn dieses Selbst mein Gehirn ist,es sich nicht in einem anderen Teil befindet. Dies lsst sich am Leichtesten nachprfen; eswird uns dann klar, dass wir nicht sagen knnen "Ich bin meine Gedanken", "Ich binmeine Gefhle" oder "Ich bin mein Krper" und spreche doch ber mich als "Ich". Dasbesagt entweder, dass es etwas in mir gibt, was es auer den Gedanken, Gefhlen undEmpfindungen gibt oder auch, dass ich ber etwas spreche, das nicht existiert. Mein "Ich"ist mein Wille. Es ist meine Existenz als ein freies Wesen. Es ist das, was mich von derLeere einer bloen Maschine erlst. Aber ich habe kein "Ich" - meine Erfahrung ist einereine Folge zuflliger Zustnde, herbeigefhrt durch uere Schocks. Gurdjieff vergleichtden Menschen mit einem Taxi, das jeden Fahrgast aufnehmen kann und damit hinfahrenkann, wohin er auch mchte. Ein Mensch mit einem wirklichen Ich" ist wie ein Auto miteinem Besitzer, der immer ein und derselbe ist. Wir mssen uns mit der Erkenntnis dieserUnterscheidung zufrieden geben.

    Ich bin nicht eine Maschine, weil meine Gehirne mechanisch sind, sondern weil ich kein"Ich" habe, um meine Gehirne zu kontrollieren und zu steuern. Natrlich wissen wir, dassein Philosoph einmal sagte: "Ich denke, deshalb bin Ich." Aber die Wahrheit ist, dass "Ich"nicht denkt - "es denkt in mir". Meine Erfahrungen der Gedanken, Gefhle undEmpfindungen, die in mir vorgehen, sind etwas Zuflliges und Unbeherrschtes. Deshalbgibt es nichts in mir, was eine Entscheidung in irgendeinem wirklichen Sinne des Wortestreffen kann. Gedanken ber Entscheidungen oder Gefhle davon knnen in mirauftreten; aber zu dem Zeitpunkt, an dem diese Handlung gemacht werden muss, braucheich keine Bewusstheit von der Gegenwart oder keine Erinnerung von der Vergangenheitzu haben. Nur der, der sagen kann: Ich bin heute, gestern und morgen - der Gleiche undunteilbar - kann sagen, ein "Ich" zu haben. Wenn wir beginnen, eine ehrlicheUntersuchung der Situation zu machen, mssen wir zugeben, dass kein solches "Ich"besteht. Wir knnen uns nicht einmal vorstellen, was ein solches "Ich" sein knnte. Wennich dieses "Ich" in mir, das es in einem Menschen, der dieses Namens wert ist, geben sollte- warum fehlt es? Wie sollte es aufgekommen sein? Gurdjieff antwortet: "In der Kindheit,whrend der Vorbereitung fr ein verantwortliches Alter." Wir sind Taxis, weil unsereMaschine nie in die Hnde eines wirklichen Besitzers gelegt wurde. Das Besondere, dasder notwendige Teil einer Person ist, dass er fhig sein sollte, verantwortliche

  • Entscheidungen zu treffen, ist abwesend, selbst bei Leuten, bei denen es hufig scheint, alsob sie es htten und die stolz darauf sind, es zu haben. Sie verwechseln die automatischeArbeit ihrer drei Gehirne, die durch Training und Gewohnheit entsteht, mit wirklichemWille, mit der wirklichen Macht unabhngiger Entscheidung. Warum sprechen beide,Philosophen und gewhnliche Leute ber den Menschen und sich selbst, als ob sie ein"Ich" htten? Warum glauben sie an etwas, das nach meiner Behauptung nicht existiert?Die Antwort ist, dass wir es glauben mchten und deshalb bei jeder Erfahrung den Namen"Ich" herbeirufen, sogar wenn es nichts mit dem zu tun hat, was vor einer Minutepassierte und sogar wenn es eine Minute spter in etwas ganz anderes berwechselt.Dieser Umstand wird von Gurdjieff das "eingebildete Ich" im Menschen genannt und erbezeichnet einen Menschen, der kein wirkliches "Ich" hat, einen "Menschen inAnfhrungsstrichen" - der berhaupt keinen wirklichen Menschen darstellt.

    Kein Zweifel, es ist schwer zu akzeptieren und vielleicht sogar schwer zu verstehen, wasich sage. Das macht im Augenblick nichts. Ich wollte nur zwei oder drei Ideen einfhren,die notwendig fr das Thema des heutigen Gesprchs sind. Ich hatte etwas ber die dreiGehirne und ber den Unterschied zwischen dem wirklichen Selbst und dem illusionrenSelbst zu sagen, weil praktische Methoden sich mit dem Harmonisieren der drei Gehirnebeschftigen, so dass Sie zusammen arbeiten knnen, nicht unabhngig voneinander, undals zweites mit dem Ablegen des falschen oder eingebildeten Selbst und mit dem Findenund Bilden eines "Ich", eines wirklichen Selbst. Das Bild eines wirklichen Menschen ist daseines Wesens, das ein "Ich" hat, das ein unvernderbares Zentrum der Entscheidung inihm selbst ist, in dem Entscheidungen getroffen werden knnen, die nicht nuraugenblicklichen Wert haben, sondern auch fr morgen, das nchste Jahr, fr den Restdes Lebens, wenn notwendig, gelten, und das darber hinaus fhig ist, Entscheidungenzu treffen, nicht nur fr ein Gehirn, sondern fr alle drei, wogegen Leute wie wir keineEntscheidungen treffen, die mehr als ein Gehirn in Anspruch nehmen. Nun, wie kann einMensch ein derartiges "Ich" haben, das nicht in einem der drei Gehirne verweilen kann,ohne dieses Gehirn mit den anderen aus dem Gleichgewicht zu bringen? Grundstzlichmuss der Mensch etwas in sich haben, das zustzlich zum eigenen Nervensystemexistiert und zusammenhlt - sogar auer dem eigenen krperlichen Organismus.

    BER DIE SEELEDas bringt uns zu der Idee, die sehr alt ist, aber die so viele zerstreute Formen angenommenhat, dass wir versuchen mssen, sie klar zu formulieren; das ist die Idee von hherenKrpern des Menschen. In vielen Arten der Theorie ber hhere Krper im Menschen istvorgebracht worden, dass der Mensch einen Astralkrper, einen mentalen, urschlichenoder viele andere Krper hat, oder dass er einen zweiten Krper hat, der "Wiedergeburts-Krper" der Paulsbriefe. Manchmal werden anstelle des Wortes Krper solche Worte wieSeele oder Geist benutzt. Aber in jedem Falle beschreiben sie etwas, das nicht aus demgleichen Stoff wie der physische Krper ist. Welcher Name auch diesem "Etwas" gegebenwird, das der Sitz des wirklichen Menschen ist - seines "Ich", die Leute stimmen zu, dass eres entweder hat und dass alle Menschen es haben, oder dass es einfach eine Erzhlung istund nicht in jedem existiert. Gurdjieff lehrt weder das eine noch das andere. Er sagt, wirknnen hhere Krper oder Seelen haben, aber um sie zu erlangen, mssen sie durch

  • unsere eigene Arbeit geschaffen sein. Er lehrt, dass der Mensch geboren wird und soweit esdie gewhnliche mechanische Ebene der Existenz betrifft, nur mit einem Krper lebt, derphysischen und mechanischen Gesetzen unterliegt. Dieser Krper ist, wie jedes anderematerielle Objekt, dem Zerfall in der Zeit unterworfen und lst sich beim Tode auf,verschwindet und hat keinen weiteren einheitlichen Bestand. Zugleich kann der Mensch insich einen zweiten Krper formen, der von einer hheren Ordnung der Substanz als derphysische Krper gemacht ist; grob gesprochen, durch diesen Krper, wenn er existiert, isteinheitliche anstatt zerstreute Erfahrung mglich. Die Aufmerksamkeit eines Menschenohne den zweiten Krper kann sich nie von seinen drei Gehirnen trennen und danebenstehen. Es ist der zweite Krper, der wahre, freiwillige Aufmerksamkeit hat, wirklicheMacht ber Gedanken, Gefhle und krperliche Erfahrung. Dieser zweite Krper wird imMenschen als Ergebnis einer gewissen Art von Auseinandersetzung gebildet, ber die ichsprechen werde. In jenen, die ihn haben, kann seine Existenz nicht nur psychologischgeprft werden, sondern sogar durch physikalische Tests. Wenn der physische Krperstirbt, dann verflchtigt sich der zweite Krper nicht, weil er nicht aus dem gleichenMaterial verfertigt ist. Zugleich ist er nicht das Vehikel des wahren Selbst, desunabhngigen Willens. Dieses gehrt zum dritten Krper im Menschen. Dieser ist von derhchsten Energieform gemacht, welche - um langwierige Beschreibungen zu vermeiden,die in unserem Geist wegfhrende Assoziationen hervorrufen - ich die Energie des Willensbezeichne, die Energie der Entscheidung. Wenn der dritte Krper gebildet ist, wird derMensch im vollen Sinne des Wortes ein freies Wesen. Er hat dann vollstndige Macht bersich selbst. Er kann ohne Abhngigkeit vom ersten oder physischen Krper bestehen. Derdritte Krper ist der Sitz des Wil- lens und ohne den dritten Krper kann es nur flchtigen,vorbergehenden Willen geben, keinen permanenten Willen im Menschen. Der dritteKrper ist die Seele im christlichen Sinn. Es ist das "Hochzeitskleid" des Gleichnisses. Vemdritten Krper spricht Christus, wenn er sagt: "Was ntzt es einem Menschen, wenn er dieganze Welt gewinnt, aber seine eigene Seele verliert."

    ERSCHAFFUNG UNSERES SEINSIhr erinnert Euch vielleicht, dass ich im ersten Gesprch von zwei verschiedenen"Schicksalen" des Menschen sprach entweder er kann das Schicksal der Tiere auf derdeterministischen Ebene haben oder er kann sich selbst auf eine zweite Ebene erheben, aufder seine Beziehungen mit anderen Leuten auch verschieden sind. Das ist eineVereinfachung, weil es mehr mgliche Ebenen gibt, aber grob gesprochen, knnen wirsagen, dass der Mensch, der einen zweiten Krper hat, tatschlich in einer anderen Weltexistiert als der Mensch, der nur den ersten Krper hat, und der Mensch mit einem drittenKrper existiert in einer anderen Welt und hat eine andere Gegenwart und Zukunftgegenber dem Menschen, der nur zwei oder einen Krper besitzt. Die volle, harmonischeExistenz eines Menschen ist das Leben mit drei Krpern und unabhngigen Erfahrungen injedem dieser Krper. Das ist nicht nur durch die Vernderung der Erfahrung erreichbar,sondern durch einen chemischen Prozess. Lasst mich erklren, warum ich es einenchemischen Prozess bezeichne. Der Chemiker nimmt bestimmte Stoffe, lsst sie unterbesten Bedingungen aufeinander wirken und erhlt Substanzen, die wertvoller sind; derganze Prozess unterliegt den natrlichen, quantitativen Gesetzen. Es muss immer einbestimmter Preis dafr gezahlt werden, fr das was er tut -- er muss entweder Energie in

  • den Prozess bringen oder er muss etwas hinzugeben, um zu bekommen, was er wnscht. Esist genau das, was der Prozess der Erschaffung unseres eigenen Seins enthlt. Ein Menschist wie eine chemische Fabrik. Er nimmt drei verschiedene Arten von Rohmaterial auf; dieNahrung, die wir essen, die Luft, die wir atmen und die Eindrcke, die durch unsereSinnesorgane kommen. Diese sind Quellen von Energie. Wir wissen, dass das Essen inunserem Krper in Energie umgewandelt wird. Die Luft, die wir atmen, nimmt nicht nur andem einfachen Prozess der Erzeugung von Hitzeenergie teil, sondern baut inkomplizierteren Prozessen Substanzen auf, die fr unser Leben und fr diese hherenEnergien, ber die ich sprach, notwendig sind. Zu jeder Zeit, wenn ein Nervenende durchLicht, Hitze, Berhrung usw. stimuliert wird, tritt eine entsprechende Energie in meinenKrper und es gibt eine nervliche Entladung. Gewhnliche Leute machen keinen Gebrauchall dieser Mglichkeiten ihrer chemischen Fabrik, die tausende Arbeiter beschftigt und esfertig bringt, nicht mehr zu leisten, als die Fabrik selbst mit Rohstoffen versorgt zu halten,aber ohne etwas herzustellen oder etwas zu verkaufen zu haben. Sie verbrauchen dieganze Energie, die sie produzieren, ohne berhaupt etwas fr sich, irgendeinen hherenZweck oder zum Guten der Mitmenschen zu gewinnen. Wenn wir wnschen, den Ertragdieser menschlichen, chemischen Fabrik zu erhhen, mssen wir an zwei Dingen arbeiten.Es gibt zwei Hauptabteilungen, wo die Arbeit der Fabrik verndert werden kann. Die ersteist die Abteilung der Aufmerksamkeit. Die Alchemisten, die ihre eigene Terminologiebenutzen, um vielfltige psychologische Dinge zu beschreiben (das Wort Alchemiebedeutet psychische Transformation im Menschen), gebrauchen dafr das WortQuecksilber und sagen, man muss lernen, sein Quecksilber zu festigen. Wir mssen lernen,wie man diese sehr eigensinnige Energie der Aufmerksamkeit, so fein und so schwer zuhalten, unter Kontrolle zu bringen. Wenn wir das tun, finden bestimmte Vernderungen inder Arbeit unseres Organismus statt. Wenn ich meine Aufmerksamkeit lenke und halte, tritteine Transformation der Energie ein, die Material erzeugt, das fr vielerlei Zwecke benutztwerden kann. Zum allerersten wird Energie fr meine psychische Aktivitt und desLebens des Krpers verbraucht. Zweitens strahle ich dauernd Energie in den Raum aus.Diese Energie ist nicht verschwendet, sondern ist fr die allgemeinen Zwecke des Lebensntig. Wenn ich eine Anstrengung mache, meine Aufmerksamkeit zu kontrollieren,verndert sich die Qualitt meiner Ausstrahlung und das hat ein wichtiges Ergebnis, berdas Gurdjieff viel in seinen Schriften zu sagen hat. Dann gibt es den dritten Gebrauch derAufmerksamkeitsenergie, der fr die Formation und das Wachstum meiner hherenKrper ist.

    DIE ROLLE DES LEIDENSDie zweite Abteilung in der chemischen Fabrik, deren Arbeit mehr effektiv gemachtwerden muss, hat mit noch strkeren Krften als der Macht der Aufmerksamkeit zu tun.Ich bin hier nur dabei, ber einen Aspekt dieser Energie zu sprechen, das ist die Kraft desLeidens oder Opfers. Im Leiden gibt es eine Transformation einer Energie hhererOrdnung. Wenn ich ein Sklave meines eigenen Egoismus bin, dann wird die durch Leidenbefreite Energie in solche Prozesse wie Selbstmitleid, Sorge, Furcht, rger, Verwirrung,Emprung, Eifersucht und Neid gehen und ganz verschwendet sein, soweit es um michselbst geht. Nun kommt es, dass diese Energie einen speziellen Wert besitzt, es ist eine derNahrungen fr meine hheren Krper. Ob ich es will oder nicht muss ich diese Energie

  • produzieren, d.h. ich muss leiden. Aber es liegt in meiner Hand, ob ich dieses Leidenntzlich mache. Tue ich das nicht, ist es nicht nur verschwendet - es kann tatschlich einGift werden und es kann groen Schaden zufgen, sogar in meiner gewhnlichen,mechanischen Existenz. Wir alle wissen, wie schnell Mnner und Frauen degenerieren,wenn sie sich einmal ihrem Leiden ergeben haben, ob es der Typ von Selbstmitleid undAngst ist, oder ob es gewaltttig in der Form von rger oder Hass auftritt. Wir habenebenso klare Evidenz der positiven Resultate des Leidens, dem nicht erlaubt wurde inegoistische Kanle zu flieen. Die besten und schnsten Charaktere, die wir imgewhnlichen Leben treffen, sind beinahe immer durch Leiden aus der richtigen Quellegeformt. Bis jetzt sprach ich nur von "unfreiwilligem Leiden", d.h. Leiden, das ohne Wahloder Absicht entsteht. Dieses hat nur begrenzte Mglichkeiten, denn es kann nie ganzbewusst werden. Ganz verschiedene Ergebnisse knnen aus dem, was Gurdjieff"freiwilliges Leiden" nennt, gewonnen werden. Es gibt bestimmte Vernderungen, die nurerlangt werden, wenn ich mich absichtlich, durch meine eigene Entscheidung, in eineSituation des Leidens bringe. Ich habe viele Schwchen, viele defektive Prozesse und dieVerbindung dieser Schwchen und Defekte mit meinem eingebildeten Selbst, meinemfalschen "Ich", das Bild, das ich von mir habe, bringt mich in einen Zustand von beinahevollstndiger Sklaverei. Auf einer Seite kann ich meine Schwchen nicht berwinden undauf der anderen Seite kann ich das Bild von mir, nicht schwach zu sein, nicht aufgeben.Zwischen diesen beiden bin ich gezwungen, mich selbst zu tuschen - zu verstecken,obwohl ich die ganze Zeit wei, was ich wirklich bin, und das zu zeigen, was wirklichnicht existiert - kurz, ein Leben voll Lge. In diesem Zustand ist keine Freisetzung vonhheren Energien mglich, weil jede Energie, die auch entwickelt wird, unvermeidlich indie Kanle der Eifersucht, des Selbstmitleids, der Verwirrung, des rgers usw. fliet. Wennich das verstehe, sehe ich, dass es keine andere Mglichkeit gibt, als mich in eine Situationzu begeben, in der diese mangelhaften Eigenschaften meiner Schwchen und Selbst-Liebeaufgebrochen werden. Dabei muss ich nicht nur verhten, dass diese Energie verlorengeht, sondern ich werde tatschlich eine vollstndigere Transformation vollziehen, bei dergengend des bentigten Materials fr die Ausbildung der hheren Krper angesammeltwerden kann, um diese Transfor- mation in der verfgbaren Zeit zu erreichen. Das ist diegenerelle Konzeption des Ablaufs der Selbst-Schpfung im Menschen. Gurdjieff nennt es"bewusste Mhe und absichtliches Leiden" und es luft wie ein goldener Faden durch seineSchriften. Ich habe nur versucht, eine Idee der Bedeutung dieses Anspruchs zu geben, derArt der Anstrengung und Arbeit, die sie enthlt. Ich werde nicht mehr ber diesegenerellen Methoden in diesem Gesprch sagen, denn sie sind nur wichtig, wenn siepraktisch ausgebt werden und sie knnen nur praktisch gesehen werden, wenn sieverstanden werden und die Notwendigkeit fr "Arbeit an sich selbst" ins eigene Weseneingedrungen ist.

    GURDJIEFFS METHODENIhr werdet schon verstanden haben, dass Arbeit an Aufmerksamkeit und die Anstrengung,Widerstnde unseres eigenen Organismus zu berwinden, notwendige Elemente in der"Arbeit an sich selbst" sind. Wir mssen lernen, wie wir die latenten Krfte unserer dreiGehirne entwickeln knnen und sie in Harmonie miteinander bringen. Gurdjieff studiertebesonders und lehrte als einen sehr wichtigen Teil seiner Arbeit Methoden fr die

  • Entwicklung, Harmonisierung und Vereinheitlichung der drei Gehirne durch physischeArbeit. Ein anderer Teil wird passend "Bewegungen" genannt. Sie wurden von Gurdjieffaus vielen stlichen und ein paar westlichen Schulen zusammengebracht, die denGebrauch von rhythmischen Bewegungen und heiligen Tnzen studierten, und sie bildeneinen sehr wichtigen Teil seiner Lehre. Sie verkrzen erheblich die Arbeit des Studiums inder ersten Instanz, dann des Bewusstwerdens und der Mglichkeit, die drei Gehirnerichtig und harmonisch zu gebrauchen. Um Leuten zu helfen, die Arbeit ihrer Gefhleund Sinne zu finden und zu verstehen, macht er Gebrauch einer besonderen Art vonMusik. Er hat ein grundlegendes Studium der Musik und dem Gebrauch derSchwingungen im Allgemeinen gemacht und die Rolle, die sie im menschlichen Lebenspielen. Gurdjieff hat bestimmte andere spezielle Methoden, die das tiefere Wissenvermitteln, das zu fein ist, um es in gewhnliche verbale Begriffe zu fassen. Er machteeinen groen Gebrauch von mehr als einer besonderen Art von Symbolismus. Einige davonsind in Ouspenskys Buch "Auf der Suche nach dem Wunderbaren" beschrieben. In seinemeigenen Buch "All und Alles", die erste Serie seiner Schriften, benutzt er eine Anzahlverschiedener Symbolismen und Allegorien, eines im anderen, so dass ganz einfache Ideenausgedrckt werden, aber je tiefer man studiert, desto subtilere Ideen kann man darinfinden. Um Leuten, die in Kontakt mit ihm waren, zu lehren, pflegte er im Ablauf einesAugenblicks ein Beispiel zu benutzen, das nur fr jene galt, die ihn verstanden. Manchmalkonnten dreiig oder vierzig Leute im Raum sein, von denen jeder einzelne ganzverschiedene Dinge dessen, was er beabsichtigte zu erzhlen, verstand, weil er dieSymbole in einer Form benutzte, die ganz verschiedene Entsprechungen bei verschiedenenLeuten fand. Auf diese Weise gab es ein Vorschreiten in seinen Lehrmethoden, die dementsprechen, was wir drei Kreise oder drei Grade nennen. Er nennt diese Kreise den"exoterischen", den "mesoterischen " und den "esoterischen", also den ueren, mittlerenund den inneren Kreis. Eine Person, die in Kontakt mit seinen Ideen kommt und die frsich selbst die drei vorbereitenden Fragen, ber die ich sprach, beantwortet hatte undbeschloss, dass sie zu lernen wnscht, betritt den exoterischen oder ueren Kreis. Fr jenein diesem Kreis sind eine bestimmte Art des Wissens und eine bestimmte Weise derMethoden verfgbar. Jene, die mit sich selbst einverstanden sind und auch durch ihrLeben zeigen, dass dies objektiv die Resultate ergibt, die sie suchen, knnen in den zweitenKreis vorgehen. Dieser stellt ganz andere Anforderungen und jene, die darin sind, knnenganz andere Hilfe erhalten. Man kann sagen, dass im ersten oder exoterischen Kreis keineAnforderungen gestellt werden, weil keine Anforderungen von Leuten verlangt werdenknnen, die nichts verstehen und keine Kontrolle ber sich haben. Wenn Leute zuverstehen beginnen und mehr wollen und auch vorbereitet sind, mehr zu geben, knnenverschiedene Beziehungen hergestellt werden. Der dritte und innere Kreis ist der, in demder Schler .mit der Realitt zu tun bekommt. Hat er ihn einmal betreten, muss erfesthalten, bis er sein Ziel erreicht. Die Arbeit, die innen anfngt - an der Wurzel dereigenen Natur - muss stufenweise ihren Weg hinaus finden. Zuerst in meinen Beziehungenzu denen, die mir am nchsten stehen; dann in meinen Beziehungen zu meinenMitmenschen im allgemeinen. Letztendlich darf ich hoffen, dass sie mich Schritt frSchritt leitet, den Sinn und die Bedeutung meiner Existenz zu entdecken und mich Auge inAuge mit meinem Schpfer bringt.

  • OUSPENSKY: PSYCHOLOGIE DER MGLICHENEVOLUTION DES MENSCHEN12

    Die Psychologie, die Ouspensky in diesen Einfhrungs-Vortrgen erlutert, existiert in dereinen oder anderen Form bereits seit Tausenden von Jahren. Im Gegensatz zurmoderneren Psychologie betrachtet sie den Menschen von dem Gesichtspunkt aus, was erwerden kann. Sobald ein Mensch einmal erkennt, wie wenig Kontrolle er ber seine

    Reaktionen auf uere Umstnde und innere Reize besitzt,mag der Wunsch in ihm erwachen, einen Weg zu finden,sich von dieser mechanischen Lebensweise zu befreien.Ouspensky beschreibt, wie ein Mensch gleichzeitig anseinem Wissen und Sein arbeiten mu, um innere Einheitzu erlangen, und warum es sehr schwierig ist, sie ohne dieHilfe einer Schule zu erreichen, auch wenn dieEntwicklung von den eigenen Anstrengungen abhngt.Dies ist ein Quellenwerk ersten Ranges, ein Einfhrungzum Vierten Weg aus erster Hand. Ouspenksy weist aufzwei wichtige Definitionen hin: "Psychologie" und"Evolution". Unter Psychologie mchte er etwas gnzlichanderes verstanden wissen, als gemeinhin darunter

    verstanden wird: "Die Psychologie ist das Studium der Grundstze, der Gesetze und Tatsachen,die sich auf die mgliche Entwicklung des Menschen beziehen." Spter schreibt er, daPsychologie das "Studium seiner Selbst" ist, die Fhigkeit der Bewutwerdung. MitEvolution meint er folgendes Prinzip: "Weiter mssen wir verstehen, da nicht alle Menschensich entwickeln und andere Menschen werden knnen. Die Evolution ist eine Frage vonpersnlichen Bemhungen und bleibt, was die groe Masse der Menschheit betrifft, eine selteneAusnahme. Dies klingt vielleicht sehr fremd; wir mssen uns aber darber klar sein, da dieEvolution nicht nur selten ist, sondern da sie immer seltener wird." Um eineWeiterentwicklung der Persnlichkeit zu erreichen, mu der Mensch folgende Stufengehen:

    a) Sieh' ein, da Du Dich selbst nicht kennst! Du hast noch nicht einmal Kenntnisdarber, inwieweit Du Dich nicht kennst!

    b) Hast Du wirklich das Verlangen, Dich zu ndern? Bist Du Dir sicher, ein andererMensch werden zu wollen?

    c) Bist Du bereit, sehr viel dafr zu geben, da Du Dich vernderst? Bist Du stark? HastDu Ausdauer?

    d) Bevor Du neue Krfte erlangst, mut Du zunchst diejenigen kontrollieren, von denenDu glaubst, Du wrdest sie schon beherrschen.

    e) Sieh' ein, da Du eine Maschine bist. Unkontrollierte Persnlichkeitsteile treiben Dichdurch den Tag. Du hast keine Macht ber Dich selbst!

    12 Ouspensky, PD Psychologie der mglichen Evolution des Menschen

  • f) Verstehe: Du bist keine Einheit, kein einzelnes ICH, sondern eine Vielheit, ein Parlamentverschiedener ICHs! Diese ICHs sind weder untereinander verbunden, noch irgendwiekoordiniert. Jedes von ihnen hngt vom Wechsel der ueren Umstnde ab und von dennderungen der Eindrcke.

    g) Erwerbe die Fhigkeit des Tuns! Erwerbe die Individualitt, die Einheit, das bleibendeICH! Erwerbe Bewutsein und Willen.

    h) Folgende Kritieren fhren Dich zur Bewutheit: Wie oft bis Du Dir selbst bewut? Wielange jeweils bist Du Dir selbst bewut? Wessen bist Du Dir bewut? Wenn Du bewutbist, kannst Du Dich spter daran erinnern, sonst nicht! Schaue auf die Uhr: Wie langekannst Du einen Gedanken halten? Sptestens nach 2 Minuten wirst Du unbewut! DieIllusion, seiner selbst bewut zu sein, wird vom Gedchtnis und vom Denkprozegeschaffen.

    i) Du kannst vier Bewutseinszustnde haben: Schlaf, Wachbewutsein, Selbstbewutseinund Objektives Bewutsein. Bisher hast Du Dich in den ersten zwei Stadien aufgehalten.

    Wie sind die vier Bewutseinszustnde (Schlaf, Wachbewutsein, Selbstbewutsein undObjektives Bewutsein) zu beschreiben? Der Schlaf ist ein vllig subjektiver, unkritischerund passiver Zustand, in dem man Erlebnisse des Tages oder aktuelleSinneswahrnehmungen (Schall, Muskelspannung...) verarbeitet. Das Wachbewutsein istimmer noch ein traumhnlicher Zustand. Allerdings ist der Mensch etwas kritischer unddie Verarbeitung der Sinneswahrnehmungen ist viel intensiver. [Anmerkung: Auch dieaktuelle Psychologie hat festgestellt, da wir zu einem groen Teil des Tages inTagtrumen leben!] Das Selbstbewutsein hat kein Mensch, wenn er nicht ausdauernddaran gearbeitet hat. Man kann es auch nur erlangen, wenn man sich zuvor eingesteht,da man es noch nicht hat. Hier kann die "Schule" helfen. "Das Bewutsein seiner selbst istein Zustand, in dem der Mensch objektiv gegenber sich selbst wird, und das objektiveBewutsein ist ein Zustand, in dem der Mensch einen Kontakt mit der realen und objektivenWelt erlangt, von der er jetzt getrennt ist durch die Sinne, die Trume und die subjektivenBewutseinszustnde." Warum aber glaubt jeder Mensch, er sei bewut; in Wirklichkeit ister aber unbewut?

    "Fragen Sie einen Menschen, ob er bewut ist oder sagen sie ih m, er sei nicht bewut, so wird erIhnen antworten, da er vollstndig bewut sei und es absurd wre zu sagen, er sei nichtbewut, da er Sie doch hre und verstehe. Und er wird vollkommen recht haben, aber ebensovllig unrecht. Das ist der Streich, den ihm die Natur spielt. Er wird recht haben, weil Ihre Frageoder Ihre Bemerkung ihn fr einen Augenblick mehr oder weniger bewut gemacht hat. EinenAugenblick spter wird das Bewutsein wieder verschwinden. Aber er wird sich an das erinnern,was Sie ihm sagten und was er geantwortet hat, und er wird sicherlich glauben, bewut zu sein.

    Der Mensch hat sieben verschiedene Funktionen:

    1. Das Denken (oder den Intellekt)2. Das Gefhl (oder die Emotionen)3. Die instinktive Funktion (die ganze innere Arbeit des Organismus)4. Die Bewegungsfunktion (oder motorische Funktion, die ganze uere Arbeit des

  • Organismus, der Bewegung im Raum usw.)5. Die Geschlechtsfunktion (die Funktin der beiden Prinzipien des Mnnlichen undWeiblichen in allen ihren Manifestationen)6. Die hhere Gefhlsfunktion (whrend des Zustandes des Bewutseins seiner selbst)7. Die hhere Denkfunktion (whrend des Zustandes des objektivenBewutseins)

    Der Anfang der Psycholgie besteht darin, die ersten vier Bewutseins-Funktionen zuverstehen und an sich selbst zu beobachten. Erst wenn diese Ebenen bewut gemachtgeworden sind, sollte die Geschlechtsfunktion erkundet und verstanden werden. Nacheinem langen Stck Arbeit kann man ber die sechste Funktion eine absolute Wahrheitber sich selbst erfahren und ber die siebte Funktion die absolute Wahrheit ber die Welterfahren. Wer einsieht, da er nicht stndig bewut ist, und wer dies wirklich ndernmchte, braucht eine Schule, die ihm die Techniken vermitteln kann. Jeder Menschbraucht andere Techniken, deswegen kann man die Bewutwerdung nicht aus einem Buchlernen. In einer Schule soll man an sich selbst arbeiten, an den anderen Schlern arbeitenund fr die Schule selbst arbeiten.

    Persnlichkeit und Selbst"Es ist unmglich, den Menschen als Ganzes zu studieren, weil dieser in zwei Teile getrennt ist: ineinen Teil, der in gewissen Fllen fast vllig wirklich und in einen Teil, der in gewissen Fllen fastvollkommen eingebildet sein kann. [...] In dem System, das wir studieren, werden diese beidenTeile Wesenskern [...oder Selbst...] und Persnlichkeit genannt. Der Wesenskern ist das, was demMenschen angeboren ist. Die Persnlichkeit ist das, was erworben wurde."

    Die Menschen lgen oft und unbewut. "Die Lge erfllt unser ganzes Leben. Man gibt sichden Anschein, vielerlei zu wissen: ber Gott, ber das zuknftige Leben, ber das Universum,ber den Ursprung des Menschen, ber die Evolution, ber alles; aber in Wirklichkeit wei mannichts, auch nichts ber sich selbst. Und jedesmal, wenn die Menschen ber etwas sprechen,was sie nicht wissen, so als ob sie es wten, lgen sie. Folglich ist das Studium der Lge vongroer Wichtigkeit in der Psychologie."

    Wenn in einem Menschen der Wesenskern stark berwiegt, lebt er oft im Einklang mitseinen Bedrfnissen, ist aber ein Mensch ohne Kultur und mit groen Problemen zulernen und sich weiterzuentwickeln. Wenn die Persnlichkeit berwiegt, handelt es sichoft um hochintellektuelle, gebildete Menschen, deren Wesenskern aber auf der Stufe einesKindes stehengeblieben ist. Ihre Bedrfnisse sind oft nicht die echten Bedrfnisse desKrpers, sondern eingebildete Bedrfnisse. "Sehr viele Umstnde des modernen Lebensbegnstigen diese Unterentwicklung des Wesenskerns. Zum Beispiel kann die bertriebendeVorliebe fr den Sport - besonders fr den sportlichen Wettkampf - sehr wohl die Entwicklungdes Wesenskerns aufhalten; manchmal schon in einem so jugendlichen Alter, da in der Folgeder Wesenskern niemals mehr fhig ist, sich weiter zu entwickeln."

    Hindernisse bei der ArbeitBei der erfolgreichen Arbeit an uns selbst sind es drei wichtige Dinge, die uns bremsen:Die Lge, die Phantasie und negative Gefhle. Die "Lge" haben wir ja bereitskennengelernt: Ein Mensch behauptet Dinge ber sich selbst und die Welt zu wissen,obwohl er es gar nicht wissen kann. Die Phantasie hindert uns an der Beobachtung

  • unseres Charakters. Wir bilden uns Dinge ein, die es gar nicht gibt; so gesehen hat diePhantasie auch eine zerstrerische Komponente. Der Begriff "negative Gefhle" bezeichnetalle Emotionen von Gewaltsamkeit oder Niederge-schlagenheit. Sich diesen Gefhlenhinzugeben ist keine Aufrichtigkeit, sondern menschliche Schwche. Der Wesenskern desMenschen ist von Natur aus nur mit positiven Gefhlen geboren und alle negativenImpulse der Persnlichkeit sind nur von der Umwelt aufgenommen. Des weiteren nenntOuspensky folgende Hindernisse: den Drang zum unkontrollieren Reden, dieIdentifikation mit dem ICH und das Bedrfnis, sich nach seinen Mitmenschen zu richten.

    MenschenAuf der Suche nach Selbstentwicklung stoen wir auf das Proble m, da zwischenden Entwicklungsstadien der Menschen normalerweise nie unterschieden wird. Es gibtkeine Wrter fr verschiedene Menschen, so wie es verschiedene Worte fr "Regen" gibt:von "Nieselregen" bis "Platzregen" existieren feine sprachliche Abstufungen. Die LehreOuspenskys kennt sieben Kategorien des Menschen. Die ersten drei Kategorien stehenquasi auf einer Stufe. Jeder Mensch wird in einer dieser drei Stufe geboren und kann sichnur mit viel Arbeit aus diesen erheben, um in die Klasse vier oder hher zu gelangen.

    1. Bei diesem Menschen ist das instinktive oder das motorische Zentrum strker als dasintellektuelle und gefhlsbedingte. Er ist ein physischer Mensch.2. Hier finden wir den Gefhlsmenschen.3. Hier finden wir den intellektuellen Menschen.4. Er unterscheidet sich von den Klassen eins bis drei durch die Kenntnis seiner selbst.Auerdem hat ein einen dauernden Schwerpunkt, was bedeutet, da fr ihn der Wunschnach Einheit, Bewutsein, einem dauernden ICH und einen freien Willen zu erlangenwichtiger geworden ist, als alle seine anderen Interessen.5. Dieser Mensch hat die Einheit und ein dauerndes Bewutsein seiner selbst erlangt. Erbesitzt eine Menge von [z.B. auersinnlichen] Funktionen und Fhigkeiten, die dergewhnliche Mensch nicht besitzt.6. Dieser Mensch hat das objektive Bewutsein erlangt. Seine Fhigk eiten undEigenschaften gehen weit ber das Begriffsvermgen des gewhnlichen Menschenhinaus.7. Alles, was ein Mensch erreichen kann, hat dieser Mensch erreicht. Er hat ein dauerndesICH und einen freien Willen; er kann in sich selbst alle Bewutseinszustnde kontrollierenund ist "unsterblich in den Grenzen des Sonnensystems".

    Hier bietet Ouspensky die vierte Definition der PSYCHOLOGIE: "Die Psychologie ist dasStudium einer neuen Sprache. Und diese neue Sprache ist die Universalsprache, welche dieMenschen machmal zu entdecken oder zu erfinden sich mhen." Ouspensky bekrftigt erneutseine Ansicht, da der Mensch eine Maschine sei. Dabei bezieht er sich z.B. auf die frhenPsychologen, die in der zweiten Hlfte des 19. Jahrhunderts, die zunchst die Physiologiedes Menschen erforschten. Wie im ersten Vortrag schon ausgefhrt, wird der Mensch vonseinen sieben Zentren gesteuert. Nun funktionieren diese bei den allermeistenMenschen nicht korrekt, weil sich nicht jedes Funktionszentrum auf seine speziellenAufgaben konzentriert. Jedes Zentrum bernimmt auch Aufgaben der anderen Zentren.

  • Weil es diese aber natrlich nicht so gut simulieren kann, hat der Mensch Probleme. "Umauf die unrichtige Arbeit der Zentren zurckzukommen: praktisch fllte sie - wie ich feststellenmu - unser ganzes Leben aus. Unsere trbsinnigen Eindrcke, unsere verschwommenenWahrnehmungen, unsere Langsamkeit im Verstndnis vieler Dinge, sehr oft auch unsereIdentifizierung und unser 'Sich Richten', selbst unsere Lge - sie hngen von der unrichtigenArbeit der Zentren ab." Nur durch die Hilfe einer Schule - so Ouspensky - kann der Menschsein Wesen erkennen und ordnen. In einer Schule soll der Mensch an sich selbst arbeiten,an den anderen Mitgliedern der Schule arbeiten und fr die Schule arbeiten.

    Wo liegen die ersten drei Zentren im Menschen? Das intellektuelle Zentrum im Kopf, dasGefhlszentrum im Mittelteil des Krpers und das motorische (instinktive) Zentrum imunteren Teil des Rumpfes. Diese Zentren lassen sich mit den klassischen Mitteln derWissenschaft nicht nachweisen. Man kann nur ihre Wirkungen beobachten. Die Zentrenarbeiten verschieden schnell. Das motorische Zentrum arbeitet 30.000 mal schneller alsdas intellektuelle Zentrum. Und das emotionale Zentrum arbeitet sogar noch 30.000 malschneller als das motorische Zentrum. Dies zeigt das Potential des Menschen auf, nichtaber unbedingt die tatschlichen zahlenmigen Verhltnisse. Whrend der Verstand unddas motorische Zentrum zwischen ja/nein bzw. gut/schlecht oder aktiv/passivunterscheiden knnen, ist das emotionale Zentrum lediglich "positiv" geprgt. Es hat aussich selbst heraus keine negativen Gefhle. Wenn wir aber negative Gefhle (wie Wut,Neid, Stolz...) fhlen, so nur deshalb, weil wir Roboter sind und unsere Mitmenschensimulieren. Unsere Natur hingegen ist freundlich. Es gibt nichts mechanischeres, alsunsere negativen Gefhle.

    "In seinem gewhnlichen Zustand kann der Mensch niemals seine negativen Gefhlebeherrschen. Jene, die glauben, sie knnten ihre negativen Gefhle beherrschen und sieablaufen lassen, wie es ihnen gutdnkt, tuschen und belgen sich ganz einfach. Die negativenGefhle hngen von der Identifizeirung ab. Wenn diese zerstrt wird, verschwinden sie. Dasseltsamste und phantastischste bei den negativen Gefhlen ist, da die Leute sie leiden-schaftlich lieben. Meiner Meinung nach ist es fr einen gewhnlichen, mechanischen Menschendas schwerste, wenn er begreift, da weder seine eigenen negativen Gefhle noch die deranderen auch nur den geringsten Wert haben, und da sie nichts Edles, nichts Schnes undnichts Starkes enhalten. In Wirklichkeit enthalten die negativen Gefhle nichts als Schwche, und

  • oft sind sie sogar der Anfang von Hysterie, von Wahnsinn oder Verbrechen. Ihre einzige guteSeite ist, da sie ohne den geringsten Nachteil zerstrt werden knnen, nachdem sie ganz undgar unntig und von Grund auf von der Phantasie und der Identifizierung erschaffen sind. Diesist die einzige Mglichkeit fr den Menschen, ihnen zu entkommen. [...] In der Sprache derSchule besteht ein Gebot, welches sich auf den Kampf gegen die negativen Gefhle beziet: DerMensch mu seine Leiden opfern. [...] Einem alten Aberglauben unterworfen, erwartet derMensch immer etwas vom Opfer seiner Freuden, aber er erwartet nichts vom Opfer seinerLeiden. [...] Des weiteren haben viele Leute nur negative Gefhle. Alle ihre ICHs sind negativ.Wenn man ihnen ihre negativen Gefhle wegnehmen wrde, brchen sie ganz einfachzusammen und lsten sich in Rauch auf."

    Welche konkreten Mglichkeiten haben wir nun, wenn wir an unserer Persnlichkeit /unserem Wesen arbeiten mchten? In stlichen Schulen wird oft mit der Arbeit am Krperbegonnen; dies geschieht in Form von Tnzen oder auch Fakir-bungen oder bungenhnlich dem autogenen Training. Im Westen - wo die Menschen verstandesgemorientiert sind - sollten wir mit intellektuellen bungen beginnen. Ouspensky schlgt vor:"Versuchen Sie nun zu beschreiben, was Sie bemerkten, als Sie Ihre Aufmerksamkeit daraufrichteten, sich selbst zu beobachten. [...] Sie haben drei Dinge bemerkt: Erstens, da Sie sich ihrerselbst nicht erinnern [...] Zweitens, da die Beobachtung erschwert wird durch denununterbrochenen Strom der Gedanken, Vorstellungen, Gesprchseindrcke, der Eindrcke vonGefhlen, die unseren Geist durchkreuzen. [] Drittens, da im Augenblick, wo Sie sich zubeobachten beginnen, etwas in Ihnen die Phantasie auslst, und die Selbstbeobachtung, wennsie wirklich erstrebt wird, ein stndiger Kampf gegen die Phantasie ist." Daraus folgert er: "Wirmssen uns bemhen, uns unserer selbst zu erinnern. Hierfr mssen wir gegen diemechanischen Gedanken und die Phantasie ankmpfen."

    Der Mensch mu zwei Seiten an sich entwickeln: das Wissen und das Sein. Das Wissen(ber sich selbst) ist eine wichtige Basis fr die weitere Entwicklung. Der Mensch muwissen, da er sich selbst nicht kennt. Das Sein ist gnzlich unabhngig vom Wissen. DasWissen alleine ndert das Sein noch nicht. Wir sind ein Mensch der Stufe 1-7. Wir setzenuns primitiven oder hochwertigen Einflssen aus. Wir sind in einer Schule oder nicht."Das Sein betrifft das Tiefinnerste der religisen Begriffe des Menschen."

    Ouspensky widerspricht der von ihm beobachteten Einschtzung, da ein Mensch, dermglichst viele Widersprche in sich vereinigt, ein interessanter Mensch sei. EinPhilosoph mit perversen Neigungen ist fr ihn kein Philosoph, sondern ein Perverser.Wissen und Sein mssen gleichermaen gepflegt werden. Alles andere fhre in dieStagnation. Bekanntermaen sind Wissen und Verstehen zwei sehr verschiedene Dinge."Man glaubt oft, Verstehen hiee einen Namen, einen Ausdruck, einen Titel, eine Bezeichungfinden fr ein neues oder unerwartetes Phnomen. Fr unverstndliche Dinge Worte findenoder erfinden, hat aber nichts mit Verstehen zu tun. Im Gegenteil: Wenn wir uns von der Hlfteunserer Worte befreien knnten, wrden wir vielleicht eine bessere Mglichkeit fr ein gewissesVerstndnis finden." In welchem Verhltnis steht dann das Verstehen zum Wissen undSein? "Verstehen ist, in gewisser Hinsicht, das arithmetische Mittel zwischen Wissen und Sein."

  • Das fehlende Bewutsein: Der Mensch als Maschine?1

    Der Psychologe und Esoteriker Peter D. Ouspensky wurde 1878 in Moskau geboren undstarb 1947 in London. Er beschftigte sich zeitlebens mit philosophischen undpsychologischen Fragestellungen, die um die Mglichkeit einer "wahren" Erkenntnis vonWirklichkeit kreisten. Whrenddessen entwickelte er ein System der Bewutseinser-weiterung, das er als "Selbsterinnerung", spter auch als "vierten Weg", bezeichnet hat.Ouspensky wurde stark von Georg Gurdjieff, einem sufischen Eingeweihten, dem er um1915 begegnete, beeinflut. Beide entwickelten ein psychologisches System, das demMenschen die Erlangung hherer Bewutseinsformen ermglichen sollte. Da diesesSystem durch etliche Verffentlichungen eine schriftliche Fixierung fand, ist einWiderspruch zur sonstigen sufischen Lehrttigkeit. So wurde Gurdjiefs Lehre von dessenLehrern als mit seinem Tode hinfllig bezeichnet. Es kme fr den Suchenden darauf an,einen lebendigen Kontakt mit der Lehre herzustellen und sich einen lebenden Lehrer zusuchen. Gleichwohl drfte ein Einblick in diese bereits "tote Lehre fr jemanden, der berkeinen Kontakt mit der lebendigen Lehre verfgt, von Interesse sein, da sie Ideen enthlt,die in dieser Radikalitt selten formuliert wurden. Von daher sollen hier einige Grundzgeder Lehre Ouspenskys skizziert werden. Eine von Ouspenskys Grundannahmen ist, dader Mensch, so wie wir ihn kennen, ein "nichtvollendetes Wesen" ist (Ouspensky 1988,S.12). "Die Natur entwickelt ihn nur bis zu einem gewissen Grad, dann berlt sie ihn sichselbst, damit er seine Entwicklung durch eigene Bemhung und Initiative fortsetzt, oder lebtund stirbt wie er geboren wurde" (ebd. S.12). Ouspensky unternimmt eine Unterscheidungpsychologischer Systeme, die fr ihn durch zwei Hauptkategorien gekennzeichnet sind. Indie erste Kategorie fllt die gesamte wissenschaftliche Psychologie seiner Zeit, die sichdarum bemht, den Menschen zu studieren, "so wie er ist - so wie sie ihn antreffen - oder sowie sie annehmen oder sich einbilden, da er sei." (ebd.S.11)

    In die zweite Kategorie fallen Systeme, die den Menschen im Hinblick darauf studieren,was er werden kann. Also Systeme, die den Menschen vom Standpunkt seiner "mglichenEvolution" Ouspensky betrachten. Seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts wird diesePsychologie der potentiellen Evolution des Menschen (Ouspensky) durch diehumanistische Psychologie vertreten (Lit.1978).

    In seinem letzten Werk "Der vierte Weg" wird ein solches System als Quintessenz seinesLebenswerkes dargelegt. Der "Vierte Weg" bezeichnet einen Weg der Erkenntnis, derneben dem ersten Weg (dem des Fakirs, der zu hheren Bewutseinsstufen gelangt, indemer lernt seine krperlichen Funktionen zu kontrollieren), dem zweiten Weg (dem desMnchs, der versucht, ber den Glauben und Entsagungen hhere Wahrheiten zuerlangen) und dem dritten Weg (dem des Yogis, dem Weg des "Wissens und desBewutseins") mehr als eine Synthese dieser drei Wege bezeichnen soll. (Ouspensky 1983,S.112).Der vierte Weg unterscheidet sich von den anderen Wegen vor allem dadurch, da nichtsueres aufgegeben werden mu, ... denn die ganze Arbeit findet innerlich statt" (ebd.S.113). Ein wichtiges Merkmal dieses Weges ist, da der Mensch, der ihn beschreiten will,nichts glauben mu. Er soll alles anhand eigener Erfahrungen berprfen; und erst dann

    1 http://www.schamanismus-information.de/bewusstseinsforschung/selbsterinnern_ouspensky.htm

  • glauben, wenn er zutiefst davon berzeugt ist, da etwas der Wahrheit entspricht. Ausdiesem Grund ist es - so Ouspensky - erforderlich, zu einer speziellen Form derSelbstbeobachtung anzusetzen. Dies kann und soll in jeder konkreten Situation, in der dersich der lernwillige Mensch aktuell befindet, beginnen. Als Ergebnis der angefangenenBeobachtung stellt sich nach seiner Erfahrung zuerst folgende bedeutende Erkenntnis ein:"Der Mensch ist eine Maschine. Er hat keine unabhngigen Bewegungen, weder uerlich nochinnerlich. Er ist eine Maschine, angetrieben von ueren Einflssen und von ueren Ansten.Von sich aus ist er nur ein Automat mit einer gewissen Ansammlung von Erinnerungenvergangener Erfahrungen und mit einer gewissen Menge von Energie ... " (Ouspensky 1988,S.17).

    Ouspensky bringt diese schroff wirkende Beschreibung, um seine Zuhrer von Illusionenber ihren Zustand zu befreien. Erst wenn man zu erkennen bereit ist, da fast alleinneren Vorgnge automatisch ablaufen und erkennt, da der Mensch auf die meistenseiner inneren Vorgnge (sei es nun Denken, Fhlen, Tagtrumen oder Trumen) keinerleibewuten Einflu hat und sich dieser schmerzlichen Wahrheit bewut wird, kann eineEntwicklung mglich werden. Wesentlich ist es zu erkennen, da die subjektiveEinheitlichkeit der Ansammlung von Vorstellungen, Vorannahmen und Modellen, dieunser Inneres auszumachen scheinen, eine Illusion ist. Drei Faktoren sind es die imMenschen die Illusion einer Einheit und Ganzheit schaffen: Erstens die Empfindung seinesphysischen Krpers, zweitens sein feststehender Name und drittens ein Anzahl vonmechanischen Gewohnheiten, die durch Erziehung in ihn eingepflanzt und durchNachahmung erworben werden. "Vor allem soll der Mensch wissen, da er nicht eine Einheitist - er ist eine Vielheit ... Dadurch, da er stets die gleichen physischen Empfindungen hat, sichimmer beim gleichen Namen rufen hrt und sich in Gewohnheiten und Neigungenwiederfindet, die er immer gekannt hat, bildet er sich ein, stets derselbe zu sein. In Wirklichkeitist keine Einheit im Menschen, es gibt weder ein alleiniges Befehlszentrum noch ein bleibendesIch oder Ego. ... Alle Gedanken, jedes Gefhl, jede Empfindung, jeder Wunsch, jedes ich magoder ich mag nicht ist ein Ich. Diese Ichs sind untereinander nicht verbunden nochirgendwie koordiniert ... Einige Ichs folgen anderen ganz mechanisch, einige erscheinen immervon anderen begleitet, aber darin liegt weder Ordnung noch System" (ebd. S.18).

    Ouspensky zufolge besitzt der Mensch aufgrund seiner Uneinheitlichkeit keine Fhigkeitzum Tun, keine Individualitt, keine Einheit, kein bleibendes Ich, kein Bewutsein undkeinen eigentlichen Willen. Doch nur wenn er dies wirklich erkenne, werde erAnstrengungen unternehmen, diese Fhigkeiten zu erwerben. Die meisten Menschenallerdings bildeten sich ein, diese Fhigkeiten bereits zu haben; was ein wesentlichesHindernis fr eine Entwicklung der eigenen Mglichkeiten sei.

    Vier mgliche Bewutseinszustnde: Schlaf, Halbschlaf, Selbsterinnern und objektivesBewutseinDie wichtigste Fhigkeit, die es Ouspensky zufolge zu entwickeln gilt, ist gleichzeitigdiejenige, ber die sich der Mensch die meisten Illusionen macht: Das Bewutsein.Bewutsein ist nach Ouspensky ... eine besondere Art von innerem Aufmerken, unabhngigvom Denkproze, vor allem ein Achtgeben auf sich selbst, eine Kenntnis davon, wer er ist, wo erist, dann ein Aufmerken auf das, was er wei und was er nicht wei und so weiter" (ebd. S.20).

    Ob der Mensch bewut ist oder nicht, kann nur er selbst wissen; es ist von auen nicht

  • ohne weiteres einsehbar. Zudem ist das Bewutsein nicht konstant: mal ist es grer, malist es kleiner, mal ist es anwesend, mal abwesend. Qualitt und Quantitt des Bewutseinsvariieren demnach stark. Diese Tatsache kann von jedem Menschen unmittelbarbeobachtet werden. Mittels besonderer bungen und beim Studium des eigenenBewutseins kann die Bewutseinsfhigkeit bestndig gemacht und kontrolliert werden -so Ouspensky. Fr ihn steht fest, da wir uns nur sehr selten unserer selbst wirklichbewut sind. Wenn ich beispielsweise versuche, den Zeiger einer Uhr zu beobachten undmir gleichzeitig darber bewut zu sein, da ich es bin, die dies tut, und da ich jetzt hierbin, wird mir dies nicht einmal zwei Minuten lang gelingen; sptestens dann verliere ichdie bewute Empfindung, da ich da bin (ebd. S.24).

    In einer genaueren Darstellung unterscheidet Ouspensky vier Bewutseinsformen:

    1. Der Schlaf: Es ist der Zustand hchster Identifikation. In diesem ist das Bewutseinvollstndig vom Traumgeschehen absorbiert und wir sind nicht zu aktiven bewutenHandlungsvollzgen in der Lage. Vielmehr sind wir in dem Zustand gewhnlichvollstndig passiv und subjektiv.

    2. Der "Wachzustand": Dieser wird auch als Halbschlaf oder "relatives Bewutsein"bezeichnet. Es ist dieser wenig von Bewutsein geprgte Zustand, in welchem sich diemeisten Menschen fast ununterbrochen befinden.

    3. Das Bewutsein seiner Selbst, das Selbst-erinnern: In diesem Zustand werden wir unsselbst gegenber objektiv.

    4. Das objektive Bewutsein: ber das objektive Bewusstsein - so betont Ouspensky knnen wir nichts wissen, da wir zu weit von ihm entfernt sind und die Sprache diesenjenseits aller Kategorien liegenden Zustand nicht fassen kann.

    "Doch obwohl er die Mglichkeit hat, diese vier Bewutseinszustnde zu kennen, lebt derMensch tatschlich nur in zwei dieser Zustnde: Ein Teil seines Lebens spielt sich im Schlaf undder andere im sogenannten Wachzustand ab, der sich in Wirklichkeit nur wenig vom Schlafunterscheidet" (S. 24).

    Im dritten Zustand, dem Bewusstsein seiner selbst, von dem wir gemeinhin annehmen,da wir in ihm leben, erleben wir manchmal bei starken Gemtsbewegungen, inAugenblicken groer Gefahr und selten auch dann, wenn sich nichts "Besonderes"abspielt. Da wir uns gewhnlich nicht selbst erinnern, knnen wir erfahren, indem wirErinnerungen an verschiedene Situationen miteinander vergleichen und feststellen, damanche Erinnerungen sehr lebendig sind (Gerche, Farben, Gefhle, Empfindungen undGedanken), andere eher bla erscheinen und wir von manchen Dingen nur noch wissen,da sie sich ereignet haben, aber uns berhaupt nicht daran erinnern knnen. DieErinnerung scheint wie gelscht zu sein; vermutlich weil das Bewutsein damals derartvon Tagtrumen und Phantasien absorbiert war, da diese Ereignisse keinerleiErinnerungsspuren im Bewutsein hinterlassen konnten. Eine bewute Prsenz deserlebenden Subjekts im Sinne des Selbst-erinnerns htte dagegen sicher eine Erinnerungerzeugt. Eine Bewutheit seiner selbst im Sinne des Selbsterinnerns entsteht also zuerstmeist zufllig und nur kurzzeitig. Die Kontrolle darber zu erlangen und das Bewutsein

  • seiner selbst absichtlich zu erwirken, ist das Ziel des psychologischen Systems vonOuspensky. Eine weitere Voraussetzung fr die Erlangung des Selbsterinnerns wie auchdes objektiven Bewutseins ist es, die Bedingungen zu studieren, welche dasSelbsterinnern verhindern. Auch in diesem Fall betont Ouspensky, da dieSelbstbeobachtung das Instrument der Er-kenntnis- ist, welches durch keine andere Artdes Studiums ersetzt werden kann.

    Hindernisse der Bewutseinsentwicklung

    Die wichtigsten Hindernisse, die der Bewutseinsentwicklung entgegenstehen knnen,sind gem den Beobachtungen und Erfahrungen Ouspenskys:

    1. Das Lgen.

    Das Lgen mchte er nicht im moralischen Sinne verstanden wissen - ein"absichtliches" Lgen ist hier nicht gemeint -, sondern Lge heit hier ... vonDingen, die man nicht kennt, die man nicht kennen kann, so zu sprechen, als ob man siekennen kann, so zu sprechen, als ob man sie kennen wrde und als ob man sie kennenknnte" (ebd. S. 50). Er weist darauf hin, da bei den meisten Menschen diese Artdes Lgens automatisiert abluft. So wissen wir Ouspensky zufolge nichts beruns selbst und wissen auch, da wir nichts wissen, sondern uns lediglich Ansichtenund Modelle ber uns selbst einbilden. "Dennoch erkennen wir diese Tatsache niemalsan oder geben sie zu; wir gestehen sie noch nicht einmal uns selbst gegenber ein, wirhandeln, denken und sprechen, als wssten wir, wer wir sind: das ist der Ursprung, derAnfang des Lgens" (Ouspensky 1983, S. 42). Der Begriff "Lge" bezeichnet hier alsoeinen Automatismus, der sich in erster Linie auf die Art und Weise bezieht, in derwir uns und den Umfang unseres Wissens ber die Welt betrachten. Schon wennich "Ich" sage belge ich mich selbst, denn im Halbschlafzustand gibt es in dem,was ich als Ich bezeichne, keine Einheit und somit auch nichts Kohrentes, wasich mit dem Begriff Ich bezeichnen knnte. Diese Art des Lgens bezeichnetOuspensky in seinem Buch Der vierte Weg auch als Erkenntnispuffer (ebd.1983, S. 45), der dazu diene, mit unvereinbaren Widersprchen leben zu knnen.

    2). Die Einbildung.

    Wenn ich mich selbst beobachte, bemchtigt sich meiner nach einiger Zeit dieEinbildung und ich vergesse die Beobachtung. Fr die Selbstbeobachtung ist dieEinbildung also keineswegs schpferisch. Deshalb erkennt ein sich selbstbeobachtender Mensch, " ... da er sie [die Einbildung] in keiner Weise kontrollierenkann, und da sie ihn immer weit fortfhrt von seinen mehr bewuten Entscheidungenund zwar in eine Richtung, in die er nicht gehen wollte" (Ouspensky 1988, S. 51). DasVerfallensein an diese Einbildung ist fr Ouspensky der Normalzustand des nichtim Selbsterinnern befindlichen Menschen.

    3). Das Ausdrcken negativer Gefhle.

    Dies ist fr Ouspensky ein weiteres Hindernis bei der Bewutwerdung. NegativeGefhle wie etwa Selbstmitleid, Zorn, Angst, Mitrauen, Eifersucht und anderesind seiner Ansicht nach nicht nur vollkommen berflssig, weil sie uns nicht mit

  • nichts Neuem verbinden und uns keine Energie einbringen, sondern sie vielmehrdurch ihren Ausdruck verschwendet wird. Zudem erzeugen wir so unangenehmeIllusionen, die in die Zukunft hineinprojiziert (und in ihrem Ausdruck Auto-matisierungs-prozessen unterworfen), letztlich sogar unsere psychische undkrperliche Gesundheit angreifen knnen. Deshalb sollen negative Gefhle nichtnur beobachtet, sondern ihrem automatischen Ausdruck aktiv Widerstandentgegengesetzt werden. Der erste Schritt dazu ist, dass man sie erkennt undaufrichtig realisiert, da sie nutzlos sind (Ouspensky 1983, S. 19-23 u. S. 81-85).Negative Gefhle haben nach Ouspensky ihre Ursache ausschlielich in uns selbst.Wir kreieren sie. Es gibt keine Umstnde, die sie erzeugen. Wenn wir etwa in einemangstvollen Zustand sind, suchen wir uns Gegenstnde und Menschen, vor denenwir Angst haben, mit denen wir unsere Angst identifizieren knnen. Die Ursacheder Angst liegt jedoch ausschlielich in uns selbst und ist daher niemals auen,sondern nur in unserem Inneren zu beseitigen. Es wre ein Miverstndnisanzunehmen, Ouspensky pldiere fr eine simple Unterdrckung negativerGefhle, denn letztlich geht es um eine Verwandlung dieser Gefhle.

    4). Das Reden.

    Nicht zuletzt werden Sebstbeobachtung und schrittweise Bewutwerdung durchunntiges Reden (gemeint ist hier in erster Linie der innere Monolog)beeintrchtigt. Denn wer permanent mit sich oder anderen redet, kommt stndigvon der Selbstbeobachtung ab.

    5). Die Identifikation.

    Durch fortschreitende Selbstbeobachtung wird entdeckt, da wir uns mitWahrnehmungen, Gegenstnden, inneren und ueren Vorgngen, mit Gefhlenund Gedanken stark zu identifizieren neigen. "Die Identifizierung ist einmerkwrdiger Zustand, in dem der Mensch mehr als die Hlfte seines Lebens verbringt.Er identifiziert sich mit allem: mit dem, was er sagt, mit dem, was er wei, mit dem, waser glaubt, mit seinen Begierden, mit dem, was ihm nicht erwnscht ist, was ihn anziehtund was ihn abstt. Alles saugt ihn auf, und er ist nicht fhig, sich von der Idee, von demGefhl oder dem Gegenstand zu trennen, der ihn verschlingt. Dies besagt, da derMensch im Zustand der Identifizierung unfhig ist, den Gegenstand seiner Identifizierungunparteiisch zu betrachten (Ouspensky 1988 S. 53). Ein wesentliches Merkmal desHalbschlafzustandes, in dem sich die meisten Menschen - Ouspensky zufolge -befinden, ist in der Tendenz zur Identifikation zu sehen, die eine der bedeutendstenUrsachen ist, welche den Menschen am Erwachen hindert. Denn wenn wiridentifiziert sind, knnen wir nicht beobachten; und wenn wir uns nicht beobachtenknnen, fllt uns auch nicht auf, da wir uns in dem besagten Halbwachzustandbefinden. "Es ist unmglich bewut zu sein, wenn Sie sich identifizieren" (ebd. S. 145).

    Schlussfolgernd lsst sich festhalten, dass Lge, Einbildung, Ausdruck negativer Gefhleund unntiges Reden durch ihr weitgehend automatisiertes Funktionieren ein Verharrenim Halbschlafzustand begnstigen, den es durch schrittweise Beobachtung undBewutmachung dieser Automatismen zu berwinden gilt.

  • Selbsterinnern als berwindung des Halbschlafzustandes

    Wie bereits erwhnt, ist die Erkenntnis, da die meisten unserer Gedanken undHandlungen automatisiert ablaufen, wir weitestgehend identifiziert sind und nur inseltenen Momenten unserer selbst gewahr werden, eine erste Voraussetzung zurEntwicklung. Es stellt sich dann die Frage: Wie kann ich bewuter werden?Dazu ist es zuerst einmal wichtig, Momente des Selbsterinnerns zu finden und sie mitanderen nicht-bewuten Zeitrumen zu vergleichen. Ein nchster Schritt wre, sich nacheiner abgeschlossenen Handlung (z.B., nachdem ich diesen Absatz gelesen habe) zufragen: "War ich whrend dieser Handlung bewut - mir also gewahr, da ich bin und wo ich bin- oder nicht?" Was einen bewuten Moment ausmacht, kann nicht einfach beschriebenwerden: Nur der Erlebende kann diesen Unterschied bei sich feststellen. Das Phnomenhnelt einer Art geteilter Aufmerksamkeit: "Aber wenn sie zur selben Zeit, in der Siebeobachten, bewut sind, wird die Richtung ihrer Aufmerksamkeit zwei Pfeilen hneln, vondenen der eine die Aufmerksamkeit zeigt, die auf den Gegenstand der Beobachtung gerichtetist, und der andere auf sie selbst" (ebd. S. 123).

    Wenn man erkennt, da man sich gewhnlich nicht selbst erinnert, kann so etwas wieSelbst-erinnerung langsam ermglicht werden. "Wenn die Erkenntnis, da wir uns nichtSelbst-erinnern, stetig wird, dann knnen wir uns selbst erinnern. Jeden Tag knnen sie Zeit zuder Erkenntnis finden, da Sie sich nicht Selbst-erinnern; das wird Sie schrittweise zum Selbst-erinnern fhren. Ich meine nicht, sich zu erinnern, da sie sich nicht selbst-erinnern, sondern eszu erkennen" (ebd. S. 125). Eine beraus wichtige Rolle im Zusammenhang mit derMethode des Selbsterinnerns spielen die Gedanken. So sind die Gedanken bzw. die"Denkfunktion" eine der wenigen geistigen Funktionen, ber die wir eine gewisseKontrolle erlangen knnen. Wenn wir die Gedanken darauf richten, uns bestndig daranzu erinnern, da wir sind und wo wir sind, wird Selbst-erinnern mglich. Wenn ichbeispielsweise augenblicklich bemerke, da ich mich identifiziere, kann ich mich Krafteiner Gedankenanstrengung vielleicht aus der Identifizierung lsen. Allerdings ist dasVerhltnis von Denken und Selbsterinnern nicht einfach zu beschreiben: "Denken ist einmechanischer Vorgang, es kann ohne oder mit sehr wenig Bewutsein arbeiten. UndBewutsein kann ohne einen wahrnehmbaren Gedanken existieren" (ebd. S.130). Demnachkann man sich im Bemhen um Selbsterinnerung nicht auf die "Denkfunktionen"verlassen, da die Gefahr droht, dabei wiederum Opfer von Automatisierungsprozessen zuwerden.

    Deshalb besteht eine bung, die zu Selbsterinnerung fhren kann, in dem Versuch, diestndige Gedankenbildung anzuhalten. Dies ist jedoch ausgesprochen schwierig, da nurallzu oft die Automatismen der Gedankenbildung wieder einsetzen. Sie knnen dieGedanken anhalten, aber sie drfen nicht enttuscht sein, wenn es ihnen anfangs nicht gelingt ...Sie knnen sich nicht sagen: Ich will meine Gedanken anhalten, und sie hren auf. Sie mssensich die ganze Zeit anstrengen. Deshalb drfen sie es nicht lange tun. Es reicht vollauf, wenn siees fr wenige Minuten tun, sonst werden Sie sich selbst berreden, Sie tten es, whrend Sieeinfach ruhig dasitzen und denken und sehr glcklich darber sind (Ouspensky 1991, S. 133).

    Fest steht, da die Entwicklung des Bewutseins eine groe Anstrengung erfordert. DieVoraussetzung dazu ist, da ein fester Entschlu gefat wird, aus dem Halbschlafzustandzu erwachen. Um diesen Entschlu fassen zu knnen und sich auf diesen anstrengendeWeg zu begeben, ist es erforderlich, sich zu vergegenwrtigen, welchem Zweck diese

  • Arbeit dienen soll. Wenn wir Willen haben, wenn wir frei sein mchten, anstatt Marionetten zusein, wenn wir erwachen wollen, mssen wir Bewutsein entwickeln. Wenn wir erkennen, dawir schlafen, da alle Menschen schlafen, und was das bedeutet, werden dadurch alleAbsurditten des Lebens geklrt. Es ist ganz klar, da die Menschen, wenn sie schlafen, nichtanders handeln knnen, als sie es jetzt tun (ebd. S. 131).

    Ouspensky behauptet weiter, wenn wir nur einmal fr etwa 15 Minuten bewut wren,knnten wir die Welt mit vllig neuen Augen betrachten. Nichts scheint so schwierig wieeinen automatisierten Prozess als solchen zu identifizieren und zu entautomatisieren.Kaum etwas ist so schwierig wie sich aus einer Identifikation, und sei sie auch noch sowinzig - wie etwa das Kleben der Aufmerksamkeit auf der Mattscheibe eines Fernsehersoder einer Kinoleinwand - dauerhaft aufzuheben. Wenn dies gelingt, dann anfangs nur frSekunden und schon lassen wir wieder zu, da das Bewutsein von ueren oder innerenGeschehnissen absorbiert wird. Einen Seinszustand frei von diesen Attributen zu erlangenist das Ziel, welches Ouspensky in Aussicht stellt ...

    Literaturverzeichnis1. Ouspensky, P.D. (1983): Der vierte Weg. Basel 1983 [orig. 1957].2. Ouspensky, P.D. (1980): Tertium Organum.Bern/Mnchen 1980 [orig. 1911].3. Ouspensky, P.D. (1988): Die Psychologie der mglichen Evolution des Menschen. Berlin 1988 [orig. 1950].4. Ouspensky, P.D. (1970): Ein neues Modell des Universums. Weilheim 1970 [orig. 1931].

  • MOURAVIEFF SCHWELLEN UND TREPPENHAUS13Mouravieff14 unterscheidet in der esoterischen Entwicklung drei Schwellen. EsoterischeEntwicklung wird als eine absteigende Oktave gesehen, vom C zum C. Die Schockszwischen dem ersten C und dem H der nchsten Oktave, zwischen dem F und dem Edieser Oktave und zwischen dem C und dem H der dritten Oktave sind die dreiSchwellen. Das Leben stellt den Menschen in die Wildnis getrennt von esoterischerArbeit. Der Mensch mag sich durch die Unterscheidung von A- und B-Einflssen demBeginn des Pfades zum Zugang zum Vierten Weg nhern. Der uere Mensch istentweder Mensch 1, 2 oder 3, abhngig davon, welches Zentrum in seiner Verfassungvorherrschend ist. Die erste Schwelle bezeichnet den Beginn des Pfades zum Zugang[zum Weg]. In der oben erwhnten Oktave entspricht das dem ersten C. Dasberschreiten der ersten Schwelle stellt den Suchenden auf die erste Stufe desTreppenhauses, die zur zweiten Schwelle fhrt. Das Treppensteigen verwandelt Mensch1, 2 oder 3 in Mensch 4. Das Stiegenhaus wird durch die Noten H, A, G und Freprsentiert. Das Intervall zwischen F und E stellt die zweite Schwelle dar.

    Nach dem berschreiten der zweiten Schwelle wird Mensch 4 zuMensch 5, der auf der Stufe steht, die das E darstellt. Diefolgenden Noten D und C entsprechen Mensch 6 und 7. Diedritte Schwelle stellt die Vervollstndigung dessen dar, was inmenschlicher Form mglich ist, und befindet sich zwischen demC dieser Oktave und dem H der nchsten Oktave. Mouravieffbeschreibt die Stadien wie nachstehend. Wir weisen darauf hin,dass all diese Schritte stattfinden knnen, whrend der Menschin der Welt lebt und funktioniert. Im Geiste des 4. Weges bentigtkeines der untenstehenden Schritte von sich aus einenklsterlichen Lebenswandel.

    Der Mensch lebt versunken in A-Einflssen, whrend ermanchmal B-Einflssen begegnet. Wenn er B-Einflssenachverfolgt, z.B. durch Beschftigung mit esoterischer Literatur, oder durch das Streben,sich selbst zu erziehen und kennenzulernen, kann er eine Vorliebe fr B-Einflsseentwickeln. Wenn diese Vorliebe stark genug ist, knnen wir von der Entwicklung einesEmbryos eines magnetischen Zentrums sprechen. Dies kann dazu fhren, einemMenschen mit C-Einflssen zu begegnen, unter dessen Fhrung der Suchende zur erstenSchwelle gelangt. Der Weg zu dieser Schwelle kann lang sein und mag frunterschiedliche Leute unterschiedliche Formen annehmen. Keine noch so groe Mengean uerem Lernen oder Lebenserfahrungen knnen fr sich eine Schwelle ausmachen.Schwellen sind innere Phnomene und beinhalten Hingabe und innere Vernderung, dienicht durch uere Erscheinung ersetzt werden knnen.

    Die erste Schwelle stellt eine Abreise von der Welt der A-Einflsse dar. Das berschreitenverndert den Menschen nicht so sehr, ist aber nicht rckgngig zu machen, sodass dasvorherige befriedigende Streben nach der ueren Welt nicht lnger befriedigend sein

    13 http://de.cassiopaea.org/2011/06/03/schwellen-im-vierten-weg/ 14 Mouravieff, Boris Gnosis Vol 1-3

  • wird. Das heit in keinster Weise, dass der Mensch nicht mehr anfllig fr Versuchungenwre, im Gegenteil. Dies bedeutet nur, dass Streben nach solchem nicht die Befriedigungbringen wird, die es vormals gebracht haben mag.

    Der Pfad zum Zugang [zum Weg] beginnt nach der ersten Schwelle. Es ist fr denSuchenden nun die Hauptaufgabe, die permanenten Elemente im Film des Lebens vonden vorbergehenden zu trennen und Selbsterkenntnis zu erlangen. Dieses Wissen unddiese Analyse ist nur vorlufig und unzuverlssig aber nichtsdestotrotz notwendig. Derzweite Schritt des Pfades zum Zugang kommt einer grtmglichenPersnlichkeitsentwicklung gleich. Was Mouravieff damit genau meint, ist unklar. Derdritte Schritt zeigt die Festigung dieser Entwicklung, und der vierte und letzte das Stellender drei niederen Zentren unter die Kontrolle des magnetischen Zentrums. Das bedeutet,dass die automatisch ablaufenden Interaktionen des Denkens, der Emotion und desKrpers neu verdrahtet werden, um unter der Kontrolle des magnetischen Zentrumsstehen zu knnen. Das heit, dass Denken, Fhlen und motorische Funktionen ab danngetrennt sind und sich nicht lnger gegenseitig bedrngen, sodass man ausschlielich mitdem Geist denkt und ausschlielich mit dem Herzen fhlt; also keine weiterenVerwirrungen mehr.

    Wurde dies bewltigt, ist der Suchende zu Mensch 4 geworden und steht der zweitenSchwelle gegenber. Bei der zweiten Schwelle erlangt dieser Mensch erstmalig einobjektives Wissen ber sich selbst. Dies zieht sowohl ein Verstndnis ber Karma als auchZugang zu vormals versteckten Inhalten des Unterbewusstseins nach sich. Der Menschsieht sich selbst als das Monster, das er ist. Dies entspricht dem Resident an derSchwelle, wie es von Steiner und anderen bezeichnet und errtert worden ist.

    Der Mensch 4 ist in vielerlei Hinsicht immer noch ein uerer Mensch. An der zweitenSchwelle mssen Selbsttuschungen, eingebildete Pflichten und weltlicheAnhnglichkeiten abgelegt und karmische Schuld bezahlt werden. Aus der Sicht desueren Lebens ist das typisch fr eine Krise und fr eine Bruchstelle. Welche speziellenueren Formen dies annehmen mag, wird von Fall zu Fall abhngen. Moral wird zuGewissen und bedingt angemessenes Verhalten. uere Formen innerem Wahrheitssinnweichen. Der Mensch 4 ist theoretisch Meister seiner selbst, doch in der Praxis ist dieseMeisterschaft noch nicht vollstndig. Die Schwelle stellt die Meisterprfung dar.

    Nach der zweiten Schwelle ist der Suchende zu Mensch 5 geworden ein Mensch vomEinfluss C , kann zuverlssig zwischen A- und B-Einflssen unterscheiden und hat einengewissen inneren Wahrheitssinn erworben. Das magnetische Zentrum hat sich mit demhheren emotionalen Zentrum vereint, und das provisorische Ich der Persnlichkeit, dassich entlang des Weges, der zu diesem Schritt gefhrt hat, entwickelt hat, ist verbundenmit dem wirklichen Ich. An dieser Stelle kann der Mensch den physischen Tod berlebenund durch bewusste Entscheidung reinkarnieren. Die zweite Schwelle zu berschreitenwird auch zweite Geburt genannt, so wie in Joh 3;3: [] Wahrlich, wahrlich, ich sageeuch, wenn ein Mann nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nichtsehen.

    Und wieder ist Fortschritt an Dienstbereitschaft gebunden. Der Mensch mag wie einMeister erscheinen, aber weitere Entwicklung wird nur durch Dienst erreicht; was auch

  • immer den esoterischen Erfordernissen der Zeit sowie seinen eigenen speziellenFhigkeiten und Gaben entspricht.

    Der nchste Schritt beinhaltet die Schaffung eines Zuganges zum hheren intellektuellenZentrum. Der letzte Schritt macht die Vernderungen dauerhaft. In diesen Etappenknnen sich verschiedene bersinnliche Fhigkeiten manifestieren, je nach Situation undNotwendigkeit. Dennoch sind solche Gaben des Geistes in sich selbst nicht das Ziel derArbeit. An jeder Stelle entlang des Weges ist ein Fall mglich. Gleich dem Wissen und Seinwchst auch die Verantwortung. Mouravieff errtert dieses Thema nicht bis ins Detail,aber wir knnen annehmen, dass die schwerwiegenderen Flle mit vorstzlicherHinwendung zum Dienst am Selbst, STS, zu tun haben, sowie mit dem Versuch, spirituelleKrfte fr persnlichen Gewinn einzusetzen. Die Landkarte ist notwendigerweise sehrallgemein gehalten und der Versuch, sie als Messinstrument des persnlichen Fortschrittszu benutzen, enthlt viele Fallen. uerliche Nachahmung von Vernderungen machtdiese Vernderungen nicht innerlich und man kann sich selbst auf viele Arten tuschen,sodass man vom Erwachen in Wirklichkeit nur trumt whrend man sich im tiefstenSchlaf befindet. Das Vorhandensein von Krisen allein lsst einen spirituell nicht wachsen,obschon Wachstum durch eine gegenwrtige oder eine sich abzeichnende Krise ausgelstwerden kann.

    Kenne dich selbst verbleibt eine brauchbare Maxime. Konkrete Arbeit mit Anderen aufeinem esoterischen Pfad dient einer weiteren erforderlichen Realittsberprfung.

    TREPPENHAUS

    Den Bchern Gnosis Study and Commentaries on the Esoteric Tradition of Eastern Orthodoxyvon Boris Mouravieff zufolge, stimmt das Treppenhaus bzw. der Zugangspfad zum Wegmit den vier Noten des Wegs H, A, G und F berein. Jede Note reprsentiert und bildeteine Stufe des Treppenhauses, anfangend am Ende der ersten Schwelle und abschlieendam Beginn der zweiten Schwelle. Dies findet sich auch auf einem Diagramm des Wegesmit Abschnitten drei bis sechs der zehnstufigen Oktave vom C zum C. Das Treppenhauszu passieren ist der wichtigste und schwierigste Teil des Weges.

    [nachstehende Zitate unter Anfhrungszeichen stammen aus Gnosis von Boris Mouravieff]

    Das Treppenhaus symbolisiert eine Periode des Reifens. Mit den Worten Kenne dichselbst bestimmt die Person einen Kurs, der zur Ebene des Menschen 4 fhrt, zur Ebeneder Meister der Betreuung. Aufgabenstellungen und Prfungen sind fr jede Notefestgesetzt. Durch das Arbeiten mit den Bedingungen und das Vervollstndigen derErfordernisse fr das Treppenhaus geschieht die Geburt der Individualitt, die zweiteGeburt, mit dem berschreiten der zweiten Schwelle.

    Die Prfungen finden alle zusammen auf allen Noten des Treppenhauses statt. Von derKraft der Sehnsucht angetrieben werden sie entsprechend der Besonderheiten unsererPersnlichkeit verteilt. Die Zusammenstellung ist abgestimmt auf jede Verschiebung derBetonung auf jeder Stufe, zuerst die Note H, dann A, G und F.

    Wer immer danach trachtet, im Treppenhaus emporzusteigen, muss sich diese

  • Anstrengung als Hauptziel seines Lebens setzen. Von nun an muss esoterische Arbeit dieMitte seiner Existenz werden, um welche sich die inneren und ueren Umstnde seinesLebens drehen. Obwohl dieser unbedingte Anspruch einen nicht erschrecken sollte, sollteman sich bewusst sein, dass die Prfungen von der ersten Stufe des Treppenhauses anbeginnen. Die Prfung, in den Flammen einer glhenden Sehnsucht zu stehen, sich ausden Verstrickungen des Lebens in der Wildnis zu lsen, so dass man sich selbst in dasUnbekannte strzen kann, in eine Suche nach einem neuen, sinnvollen und wirklichenLeben, lsst einen die erste Schwelle berschreiten. Dies erlaubt dem Suchenden miteinem festen Halt auf der ersten Stufe (Note H) des Treppenhauses zu stehen,vorausgesetzt, dass diese Sehnsucht nach Umwandlung, welche das Intervall zwischen Cund H die erste Schwelle auffllt, genug Kraft und Intensitt hat.

    Die Wichtigkeit der Sehnsucht entlang des Treppenhauses besteht darin, dass die vierNoten durch eine tiefe Wechselbeziehung verbunden sind, da ihre Resonanzen vomAnfangsimpuls der Sehnsucht ihre Kraft beziehen. Wenn der Anfangsimpuls die gesamteExistenz eines Menschen nicht in Hrigkeit vereint, wenn er sie nicht als Ganzesdominiert, ist es besser fr den Menschen, rechtzeitig anzuhalten und die [erste] Schwellenicht zu berschreiten. Wir wiederholen: Der Weg ist ein Pfad ohne Rckkehr. Dies ist derwirkliche Grund fr die Prfung der Sehnsucht. Diese Sehnsucht muss, laut Tradition, dieStrke eines Durstes haben.

    Der Weg ist eine Einbahnstrae, ein Pfad ohne Rckkehr, und einer verbotenen Rckkehr.Nach der ersten Schwelle gibt es auf dem Weg entweder Fortschritt oder Fall. Jeder Schrittim Treppenhaus gibt der Person genug Zeit, die Aufgabe, die fr die Note gestellt wird, zubewltigen. Allerdings wird jede Stufe irgendwann nachgeben, da man nicht unendlichlang auf einer bestimmten Stufe verbleiben kann. Dies kann zum Fall fhren. Wegen derAngst vor dem Fall, durch die Unpnktlichkeit und Zeitbeschrnkung des Menschen, ister gezwungen, zur nchsten Stufe fortzuschreiten ohne bei der Bewltigung der Aufgabejener Note gnzlich erfolgreich gewesen zu sein. Indem er so handelt, beginnt er einekarmische Schuld mit sich zu tragen. Das wird solange akzeptiert, bis seine Reinigung aufder Note F vollstndig ist.

    Die Aufgabe auf der Note H besteht fr eine Person darin, vorsichtig durch den Film ihresLebens zu gehen, um zwei Ergebnisse zu erhalten: Erstens, die in dieser Phase ihrerEntwicklung objektivst mglich zwischen permanenten, ewigen Elementen undtemporren, karmischen Elementen zu unterscheiden. Zweitens, mit Hilfe dieser Analyseeine innere starke Sehnsucht zu erwecken, die zweite Schwelle zu berschreiten. DieStrke dieser Sehnsucht und die Entschlossenheit dieser Entscheidung sind die einzigenMastbe des Erfolgs. Deshalb sollte die Person der Arbeit an der Note H auf dem Wegeine gewisse Wichtigkeit beimessen. Es ist ein kurzes Intervall mit nur einem Halbton.Eine hilfreiche Bemerkung fr diese Note ist: Er soll nicht dieses uerliche Leben, mit allseinen Illusionen, ins Auge fassen, sondern stattdessen den Film seines eigenen Lebens.

    Nachdem die Person auf der Note H eine Verbindung in der Kette esoterischer Einflssegeschmiedet hat, kommt in ihr Hoffnung auf, obwohl sie immer noch wie vorher ist. Ihrebewussten Bemhungen machten es ihr mglich, die erste Schwelle zu berschreiten. DieUnterscheidung zwischen A- und B-Einflssen auf der ersten Stufe zeugte den Embryo

  • des magnetischen Zentrums. Mit dem reinen und gengend starken magnetischenZentrum auf der zweiten Stufe hat sie die erste Schwelle unter der Fhrung einesMenschen von C-Einflssen berschritten. Obwohl sie einen enormen Schritt vorwrtsgetan hat, ist an diesem Punkt ihr ehrlicher Wunsch, aus dem uerlichen Lebenherauszukommen, nicht ausreichend um sie von allen A-Einflssen zu befreien.Mesoterische Arbeit entfaltet sich damit. Solide errichtet und vorwrts gerichtet, versuchtdie Person erfolgreich die Aufgaben der Note H zu erfllen.

    Die Prfung auf der Note H ist die Prfung des Glaubens. Zu glauben ist nicht genug;man muss Vertrauen haben. Die Prfung trgt die Form der Notwendigkeit fr einenMenschen, seine Angst vor Verbannung zu berwinden und dem Vertrauenunterzuordnen.

    Die Aufgabe auf der Note A ist die Persnlichkeit bis zu ihrem grtmglichen Ausmawachsen zu lassen. Die Prfung auf der Note A ist fr jene, die sich dem Treppenhauswidmen, die Prfung der Strke.

    Die Aufgabe auf der Note G ist die Persnlichkeit zu entwickeln. Die Prfung auf derNote G ist die Prfung der Urteilskraft und der Geschicke.

    Die Aufgabe auf der Note F ist das Ausgleichen der drei niederen Zentren durchErsetzung der mechanischen Bindungen zwischen ihnen mit bewussten Bindungen vonjedem Zentrum zum magnetischen Zentrum, dem die niederen Zentren dannuntergeordnet sein werden. Die Prfung auf der Note F ist die Prfung der Liebe, derLiebe, die wahres Leben gibt.

    Auf der vierten Stufe mssen die Bilanz erstellt und Rechnungen bezahlt sein. Bis zudiesem Punkt war es ihm gestattet, seine Fehler der Vergangenheit mitzunehmen: Lgen,Schwche, Selbstmitleid, innere Kompromisse. Mit dem flammenden Schwert der wahrenLiebe wird alles, was nicht ganz wahre Liebe in ihm und zu ihm ist alles, was er frLiebe hlt verbrannt. So ist er dann fhig, jede Herzensregung zu beurteilen, und zuwissen, ob oder ob es keine Spuren wahrer Liebe enthlt.

    Nachdem er die Prfung die Note in voller Resonanz bestanden hat, sollte der Mensch4 theoretisch Meister seiner selbst sein. Er hat nichts als pure Liebe in sich, welche dieElemente der verwandelten Sehnsucht, des Vertrauens, der Strke und der Urteilskraftbeinhaltet. Arm und nackt, und nur unter der Bedingung, dass er bestndig und rein ist mit Betonung auf Bestndigkeit, das heit, dass er wahre Liebe inne hat , wird er zurzweiten Schwelle zugelassen. Alles Falsche in ihm wird durch die Flammen desbrennenden Schwertes verbrannt werden

    Die Bilanz wird erstellt, und die moralische Last seiner unbezahlten Schulden und seinerVerfehlungen gegen die Prinzipien des Gleichgewichts und all ihre karmischenKonsequenzen, mssen auf der Note F zur Gnze bezahlt werden.

    Der Mensch nimmt sein Schicksal in seine eigenen Hnde, wenn er das Treppenhausbesteigt, sich der zweiten Schwelle nhert und sie berschreitet. Diese neue Einstellunghat genauso Konsequenzen, sowie er eine feinfhlige und gewissenhafte Einstellung inseinen Entscheidungen betreffend derer um ihn herum annehmen sollte. Ein Blick auf denFilm des Lebens wrde im Weiteren helfen, das zu klren.

  • ABDULLAH DOUGAN PROBINGS1

    Kapitel 1

    Wer ist dieses Ich, das die Khnheit hat, seineLiebe zu den Vorangehenden zu senden? Was ister? Er ist viele. Bis jetzt ist dort kein wirklichesIch vorhanden, nur der Samen davon. Fr dieeinen ist er als Neil bekannt, fr die anderen alsPop, Pa und Dad, wieder fr andere als Abdullah.Was ist er fr sich selber? Er ist ein Durcheinander!Er ist das Ergebnis von vielen verschiedenenStimuli: Eltern, Ehefrauen, Kinder, Erziehung,Land, Krieg, Depression, Essenz, Zufall undSchicksal. Er wird verflucht und gelobt, geliebt undgehasst. uerlich lebt er im Leben, whrend erversucht, innerlich mit Gott zu leben. Er versuchtsich zu erinnern, wie wenig von ihm selbst dort ist,whrend des Erinnerns an Gott. Sein Leben ist einLeben der Qual, whrend er sich wundert, ob er sich in der Illusion oder der Realittbefindet. Ist die innere Stimme, die er hrt und sich durch bestimmte Gedankenmanifestiert eine Einbildung seiner Vorstellung? Kommt sie vom Es, dem schreiendeKrper, dem Tier? Ist das, was er gefunden hat, wahr? Warum will er seine Erfahrungenanderen mitteilen? Aus Eitelkeit? Ist er ein Hasnamuss? Was lt ihn ticken? Ist es Sex,Angst, Selbstsucht, Herrschsucht, Ineffektivitt, Gier, Macht, Abhngigkeit, Prahlerei,Unaufrichtigkeit, Faulheit oder Liebe? Hat er die innere Kraft alles, was ihn bedrngt, zubesiegen, alles was ans Tor hmmert? Viel wichtiger - hat er die Beharrlichkeit wach zubleiben in einer Welt, die darauf eingestellt ist, jeden schlafen zu schicken, wenn er nichtschon tot ist? Welche Hoffnung besteht fr diesen armen Idioten? Er sieht Es sich wieeine Puppe bewegen mit wem an den Strippen? Es bemht sich sehr, das jeweiligekleine Ich zu beherrschen, immer bereit, sich mit Essen, Trinken, Wrme, Sex zuverwhnen und jedem Wunsch zu folgen, wenn er erscheint, das Ich zu einem Sklavenzu machen fr das, was der Sklave sein sollte. Gibt es irgendwelche Mglichkeiten fr ihn?Bei der Gnade Gottes, ja! Jede Person hat seine eigene Vorstellung von Gott. Der Materialist denkt von ihm alsMaterie, der Christ als Vater, Sohn und Heiliger Geist, der Buddhist als das Selbst, derMoslem als Allah. Abdullahs Vorstellung ist die der Endlosigkeit auf einer Skala desAbsoluten. Ihm kommt dieses Bild beim Betrachten des Himmels whrend einermondlosen Nacht. Wenn er die Millionen Sterne der Milchstrae sieht und bemerkt, dadie Lichtflecken gewhnlich zwei Sonnen darstellen, die umeinander kreisen mit dazugehrenden Planeten und da ein Fleck eine Galaxie mit Millionen und AbermillionenSternen sein kann, schreckt sein Geist zurck und ihm wird bewut, da kein Mensch

    1 https://en.wikipedia.org/wiki/Abdullah_Isa_Neil_Dougan Dougan, Abdullah - Probings

  • seine Endlosigkeit verstehen kann. Geistig kann er ein bichen mehr verstehen, indem ihmbewut wird, da das, was im Makrokosmos ist, auch im Mikrokosmos enthalten ist.Emotional kann er Ehrfurcht empfinden. Seine Endlosigkeit ist das Gesetz des Einsseinsund wir nehmen es nur als Schwingung wahr. Abdullah glaubt, der Mensch kann nurseine Liebe zu seiner Endlosigkeit senden und es dabei belassen. Die nchste Vorstellungvon Gott ist unsere Galaxis. Die vollstndige Galaxis kreist um das Zentrum des Kosmosund die Sonnen der Galaxis kreisen um ein Zentrum, das sich aus der positiven SonneAntares, die Zoroaster als Ahura Mazda bekannt war, der negativen Sonne Betelgeuzeund aus einem schwarzen Loch im Sternbild des Schtzen, welches der neutralisierendeFaktor ist, zusammensetzt. Abdullah glaubt, dass wir eine winzige Vorstellung vondiesem Aspekt Gottes haben knnen.Wenn wir zu dem Gott unserer Erde kommen, knnen wir eine etwas bessere Ideebekommen. Selbst der Materialist muss unseren Vater die Sonne anerkennen physischkann nichts in unserem Sonnensystem ohne Ihn existieren. Er ist die heilige Aktive, dieheilige Passive und die heilige Neutralisierende Kraft unseres Systems. Viele Religionenhaben dieses Gesetz der Drei verstanden, welches das Gesetz der Schpfung ist und eswurde als Gott der Vater, der Sohn und Heilige Geist von den Christen, von den gypternals Osiris, Horus und Isis, von den Hindus als Brahma, Vishnu und Shiva bezeichnet.Ungeachtet dessen, was viele Astronomen sagen, glaubt Abdullah, da Jupiter auch eineSonne ist nmlich der Passiv-Teil zu unserer Sonne. Der Aspekt, der von konditioniertenMenschen vielleicht am schwersten zu glauben ist, ist der, da die Planeten Trger vonBewutsein sind, genauso wie wir Menschen. In diesem Sonnensystem ist die Sonne dermnnliche Faktor und Jupiter und der Rest der Planeten der weibliche. Auf einer hherenEbene ist die Sonne aktiv, Jupiter passiv und der Weltraum neutralisierend. Auf diesemWege wird das Sonnensystem eins. In All and Everything sagt Gurdjieff , da die Sonneweder leuchtet noch Wrme ausstrahlt. In diesem Zeitalter, in dem der Mensch zum Mondfliegt, wrden viele Leute sagen, da diese Behauptung Nonsens sei, aber sie liegen falsch.Was passiert ist, da die Sonne Seine Sonne reflektiert, die wiederum Ihn reflektiert und aufdiese Weise kommen Schwingungen von der Quelle alles Exisitierenden von der Sonne zuuns und unsere Atmosphre, so da wir auf der Erde Wrme und Licht erhalten. Diesesgilt auch fr den Mond und alles andere im Weltraum. Alles besitzt eine Atmosphre Du, Abdullah, das Buch, das du gerade liest. Alles ist Schwingung: Der Heilige Prophethatte recht, als er meinte, dass es nichts anderes gbe als Gott. Wie auch immer, es ist besser etwas zu verehren, von dem wir etwas wissen knnen. JedeReligion wurde zum richtigen Zeitpunkt ausgefhrt, um einen bestimmten Zweck zuerfllen. Seit Menschengedenken sind Sonne und Sterne als geheimnisvolle und mchtigeDinge, die man nicht verstand, verehrt worden. Man knnte argumentieren, da Abdullahzu diesen primitiven Gedanken zurckkehrt, indem er sagt, da die Sonne der Gottunseres Sonnensystems ist. Abdullah ist sich sehr wohl bewut, da sich die Leute immerirgendeinen Gott fr sich selbst erschaffen, ob es ein Stck Holz, ein Stein, eine Sonne, einStern oder manchmal ein Gott ohne Form ist. Der Gedanke, da die Sonne der Gottunseres Sonnensystems ist, ist eine Fortsetzung der Ordnung, die von Seiner Endlosigkeitoder Allah herkommt, der der Gott von allem ist, was existiert. Die Sonne ist genausoSeine Endlosigkeit, wie der Leser und Abdullah Seine Endlosigkeit sind, aber Seine

  • Endlosigkeit ist soweit von der Menschheit entfernt, da er eigentlich nicht-existent ist.Die Krfte der Sonne sind die Krfte, die unsere Existenz in diesem Sonnensystem steuern.Gott als Seine Endlosigkeit ist ohne Form, aber Gott als das Sonnensystem, in dem wirleben, ist Gott in einer personalisierten Form. Insofern als die Menschen auf der Erdelaufen und denken, da die Erde etwas ist, auf dem man laufen kann, realisieren sie nicht,da dieser Planet ein lebendiges Wesen ist, von dem sie nur ein sehr kleiner Teil sind.Der Mensch hat die Mglichkeit, da er lernen kann, der Erde auf eine bewute Art zudienen und damit auch der Sonne. Es betrifft jeden von uns, diesen Schritt zu tun, der nurgemacht werden kann, durch Anstrengung in sich selbst, um diese Ideen zu verstehen.

    Die Einstellung der meisten Leute zu Gott ist konditioniert durch die Idee von Strafe undBelohnung, aber wenn wir eine gewisse Vorstellung des Sonnensystems und der Sonne alsunserem Gott im Sonnensystem haben, werden wir verstehen, da ein Ergebnis nurerfolgen kann, wenn wir irgendwelche Aktionen machen und auf diese Art wird maneinsehen, da es keine Person gibt, die ber uns sitzt und uns auf den Kopf schlgt, wennwir schlecht sind und uns auf den Rcken klopft, wenn wir gut sind. Auf dieser Skalaexistiert weder Gut noch Bse. Es wirken bestimmte Krfte und wenn wir in Harmoniemit ihnen sind, werden wir ein Ergebnis bekommen, dass wir gut nennen knnten,wenn wir sie miachten und Disharmonie erschaffen, bekommen wir ein Ergebnis, daswir schlecht nennen knnten. Es ist nur die Selbstbezogenheit einer Person, wenn sieglaubt, irgendeine Bedeutung fr Seine Endlosigkeit zu haben, oder da Seine Endlosigkeitirgendein persnliches Interesse an ihr htte. Eine solche Annahme ist lcherlich, da wirauf einer sehr, sehr niedrigen Stufe in dieser Hierarchie sind. Oft haben die MenschenEindrcke von Gott in sich selbst, von denen sie denken, da sie von Seiner Endlosigkeit,Allah, Brahma oder irgendeinem anderen Namen, den sie dem Absoluten geben,kommen, whrend diese Krfte ein Teil dieses Planeten sind, da wir ein Teil diesesSystems sind. Die beste Einstellung, die wir einnehmen knnen, ist die, zu erkennen, dawir die Mglichkeit haben, in diesem Sonnensystem in Harmonie zu dienen und weil wirmenschlich sind, knnen wir hoffen, da dieses vielleicht auch Seiner Endlosigkeit hilft.

    Ein Problem mit der Vorstellung, da die Sonne der Gott unseres Sonnensystems ist,besteht darin, dass die Menschen immer geneigt waren, das uere zu verehren.Abdullah versucht dem Leser, die innere Kraft der Sonne in dem Sonnensystemmitzuteilen. Die Verehrung der Sonne, wie sie von den Azteken und gyptern ausgebtwurde, degenerierte zu einer Verehrung der Form. Man dachte, wenn die Sonne das Endeihres Sonnenlaufs erreicht hatte, da sie stirbt und wiedergeboren wrde, wenn siezurckkam. Das wurde dann erweitert, so dass z.B. in der christlichen Religion gelehrtwurde, da Christus eine Ableitung der Sonnenlehre ist. Diese Lehren stimmen fr dieErklrung der Ebbe und Flut des Lebens auf diesem Planeten, aber sie sollten nichtwrtlich genommen werden als eine Beschreibung eines personalisierten Gottes, dersichtbar von den Toten wiederauferstanden ist. Jede Person muss auf ihre eigene Art dieNatur und die Wirkungsweise der Krfte, die durch die Sonne von irgendwo weiterdrauen, verstehen und wrdigen. Der Mensch ist nur eine sehr primitive Lebensformund wenn wir das begreifen, sind wir vielleicht in der Lage ein besseres Verstndnis derinneren Lehren der Sonne zu bekommen.

  • Unser Ego steht immer im Weg bei unserem Bemhen, das zu tun: weil wir von uns selbstals unsere Krper denken, sehen wir die Menschheit als bemerkenswerte Geschpfe an,die Maschinen erfinden und groartige Entdeckungen machen, aber es mu daranerinnert werden, da alles, was auf diesem Planeten existiert, entweder von diesemPlaneten oder der Sonne kommt. Selbst unsere Gedanken die Gedanken, eine Maschineoder eine Rakete zu bauen genauso wie Millionen von Gedanken, die wir bisher nochnicht angezapft haben sind hier auf diesem Planeten. Alles was im Sonnensystem existiert,entspringt aus einer der Krfte der Sonne. Das Hchste in dem Sonnensystem, das derMensch anzapfen kann, ist die Stille, die von der Sonne kommt, eine auergewhnlicheQualitt, die in allem und jedem existiert, aber nur von sehr wenigen Leutenwahrgenommen wird. Diese Stille zu erreichen, ist der Gipfel unserer Anstrengungen aufdiesem Planeten. Wie jedes bewute Ding im Universum hat der Heilige Vater die Sonnedrei unabhngige Teile das heilige Aktive, das heilige Passive und das heiligeNeutralisierende. Das heilige Aktive wirkt hauptschlich auf der Ebene der Planeten.Jupiter hat Kontakt mit dem Menschen durch sein Gewissen. Das heilige Verneinendeoder Passive und das heilige Vershnende oder Neutralisierende haben einen speziellenKontakt zum Menschen.

    Gurdjieff beschreibt die Stufen der Menschen als Mensch Nr. 1, 2, 3, 4, 5, 6 und 7. DieMenschen Nr. 1, 2 und 3 werden durch unterschiedliche Gehirne bzw. Zentren beherrscht.Mensch Nr. 1 ist unter dem Einflu des Bewegungs-Zentrums, Mensch Nr. 2 unter demEmotionalen Zentrum und Mensch Nr. 3 unter dem Intellektuellen Zentrum. Es kannKombinationen aus diesen geben mit Betonung auf einem Gehirn. Mensch Nr. 1, 2, 3 istunbalanciert; Mensch Nr. 4 hat eine gewisse Balance erreicht; Mensch Nr. 5 befindet sichim Gleichgewicht, Mensch Nr. 6 ist fast perfekt und Mensch Nr. 7 hat Perfektion inunserem Sonnensystem erreicht. Damit man zu einem Mensch Nr. 4 wird, muss man eineSeele entwickeln (die Essenz und Persnlichkeit) und seine drei Zentren ausbalancieren.Dann mu man sterben und einen Kesdjan-Krper gebren die Christen nennen esWiedergeboren werden im Geiste und die Muslime Sterben bevor man stirbt.Hiernach kommt entweder die Passive oder die Neutralisierende Kraft der Sonne in einenMenschen hinein. Er wird er selbst: die drei ausbalanzierten Zentren mit seiner Essenz 2

    und passiven Persnlichkeit (=Ego) werden kombiniert, um den Anfang seinerIndividualitt zu erschaffen, die der aktive Part von ihm sein wird. Sein Guide3, vondem spter mehr zu berichten sein wird, ist seine verneinende Kraft, entweder als dasheilige Passive oder das heilige Neutralisierende, oder seine neutralisiernde Kraft, welcheGott in ihm ist. ber die Jahre haben die Menschen beschrieben, dass sie Gott in sich redengehrt haben und diese Aspekte der Sonne knnen sicherlich gehrt werden, aberunglcklicherweise knnen innere Stimmen von anderen Quellen kommen undTuschungen sein.

    Abdullah hat seine Liebe zu den drei perfekten Menschen des Sonnensystems gesandt, dieer kennt. Buddha vernderte das Lebensmuster von Millionen von Menschen. Er brach mitder Hindu Idee von einer Vielzahl an Gttern und lehrte, dass Gott durch persnliche

    2 Essenz: geistige und krperliche Charakteristiken, die von den Groeltern geerbt werden, und auch aus frherenLeben mitgenommen werden. http://www.gnosticpress.co.nz/?page_id=312

    3 Guide: Der Vermittler zwischen Gott und dem Menschen, der Paraklet

  • Anstrengung in einem selbst erkannt werden kann. Hazrat Ali wurde in der Kaabageboren, die einzige Person, die so ausgezeichnet wurde, zehn Jahre bevor der HeiligeProphet Mohammed seine Mission begann. Alis Vater, Hazrat Abu Talib, der einer derWchter der Kaaba in vorislamischer Zeit war, zog Mohammed auf, nachdem derGrovater des Heiligen Propheten starb. Alis Mutter wurde von Mohammed mit sehrgroem Respekt behandelt. Spter, als Talib arm wurde, zog Mohammed Ali als seinenSohn auf. Als der Heilige Prophet begann den islamischen Glauben ffentlich zu predigen,rief er nach jemanden aus seinem Gefolge, der den Mantel des Nachfolgers akzeptierenwrde. Niemand auer Alis trat hervor, der 13 war, und er bot sich selbst fr dieseAufgabe an, worauf der Heilige Prophet diese uerung machte: Seht hier ist meinBruder, mein Assistent, mein Vizeregent, mein Erbe und mein Kalif. Hrt alle auf ihn undgehorcht ihm. Die Menge machte sich lustig ber die Vorstellung, dass ein junger Mannber lteren stehen sollte. Alis Glauben in den Heiligen Propheten war aberunvergleichlich und er diente ihm in Krieg und Frieden gut. Der Heilige Prophet sagte:Ich und Ali sind eins und von demselben gttlichen Licht, Ali wurde in der Blte seinesLebens gettet, whrend er in einer ffentlichen Moschee in Kufa betete.

    Zoroaster wird nicht von vielen verstanden, obwohl Spuren seiner Lehren in jederReligion, die heute existiert, gefunden werden knnen, wenn man wei, wo man suchenmuss. Die Geschichte von Christus hat ihren Ursprung in den zoroastrischen Lehren undwurde weitergegeben zu den Babyloniern, zu den gyptern, den Essenern, zu denGriechen. Als ein griechisches, gnostisches Spiel wurde es als Religion ausgegeben, umeinen bestimmten Zweck zu erfllen. In ihm waren alle groartigen Wahrheiten enthalten.Die jungfruliche Geburt von Christus ist die Geburt eines Kesdjan Krpers in einemMenschen. Die Sterbeszene von Christus beschreibt einen Menschen mit drei Gehirnenund einer Seele ein Ruber stellt seine Persnlichkeit oder Ego dar und der andere seineEssenz; im anderen Fall kann Christus einen Menschen Nr. 4 mit einem Kesdjan Krperdarstellen, ein Ruber einen Menschen Nr. 1, 2 oder 3 mit einer Seele und der andere einentoten Menschen Nr. 1, 2 oder 3. Die drei Tage, die verstrichen bis Christus von den Totenauferstanden ist, ist die Zeitspanne, die ein Aspekt der Sonne bentigt, um in einenMenschen zu erscheinen, nachdem er wiedergeborenen ist. Die christlichen Parabelnwurden von vielen erklrt; Dr. Maurice Nicoll zeigt einige gute Interpretationen in seinenBchern The Mark und The New Man.

    Jeder Mensch auf dem Planeten hat ein Gewissen, welches die aktive Kraft der Sonne ist.Selbst eine tote Person jemand ohne Seele oder magnetisches Zentrum, oder ein blerVerbrechen, haben diesen Aspekt Gottes in sich. Und jede Person hat eine Guide zu demGewissen. In All and Everything redet Gurdjieff auf eine sehr undeutliche Weise ber denGuide, aber er redet klar ber die Notwendigkeit das Gewissen anzuheben, welches erAtlantis nennt. Viele Menschen glauben, da das Gewissen durch die Umgebung undVererbung gebildet wird, was zum Teil wahr ist, aber Gewissen wird oft mit Moralverwechselt. Moral ist relativ zu der Umgebung und Gewohnheiten eines Landes und istgewhnlich subjektiv, Gewissen ist immer objektiv. Der Guide zum Gewissen, alsojemand, der die Stufe des Menschen Nr. 4 entweder in seinem Leben auf der Erde oderspter erreicht hat, wird bei der Geburt in eine Person gelegt. Gelegentlich ist der Guideein Mensch Nr. 5, aber das ist auergewhnlich und nur aus speziellen Grnden der Fall.

  • Der Guide hilft dem Gewissen, aber ist selten in der Lage direkten Kontakt mit derPerson aufzunehmen. Menschen, die sagen, dass sie Gott in sich sprechen gehrt haben,wurden vielleicht von diesem Guide durch ihr Gewissen kontaktiert.

    Die Erde ist ein lebendiges Wesens und fr uns, die wir als ein Teil von ihr leben, ist sie dieMutter. Unsere Mutter Erde hat, wie der Mensch, drei unabhngige Teile, die wir kennenlernen und denen wir auf eine bewute Art dienen sollen. Der emotionale Teil der Erde istmit Ton und Sehen verbunden das Seufzen des Windes, die Farben der Landschaft. DerMensch dient dem emotionalen Teil der Erde mit Gedichten, Malerei und alle visuellenKnsten und Musik. Musik und Malerei kann wie die meisten Dinge wieder in dreiAspekte unterteilt werden. Die meiste moderne Pop-Musik kommt vom Sex-Teil desBewegungs-Zentrums und gehrt so zum Bewegungs-Zentrum der Erde. EmotionaleMusik wird zum Beispiel durch Kirchenmusik und klassische Musik reprsentiert,bestimmte Werke von Bach sind intellektuell. Abstrakte Malerei ist hauptschlichintellektuell, whrend gegenstndliche Malerei emotional ist. Das Bewegungs-Zentrumder Erde spiegelt sich in Strmen, Hurrikans, Leben der Pflanzen, Fruchtwechsel und dasPaaren aller Lebewesen wieder das Verlangen nach Sex ist in allem auf dem Planetenvorhanden. Das intellektuelle Zentrum ist, wie Gurdjieff sagt, die Groe Natur. Diesewird genauso als allgemeiner Ausdruck fr die drei Zentren der Erde benutzt mit derBetonung auf Gte. In Wirklichkeit ist die intellektuelle Seite der Natur, der Erde oder desMenschen der ausgleichende Faktor, der die emotionalen und bewegenden Zentrenausgleicht. Wenn zum Beispiel die Erde mchte, dass mehr Menschen existieren, dann ltsie die Bevlkerung wachsen, indem sie die Zahl der Kriege, Hungersnte, Erdbeben undKrankheiten verringert. Wenn sie weniger mchte, geschieht das Gegenteil. Vor 20000Jahren gab es bestndig Erdbeben und Vulkanausbrche auf dem Planeten und folglicheine geringere Population. Es gibt grere Gruppen von Menschen in bestimmten Teilendes Planeten, weil Schwingungen mit unterschiedlicher Dichte und Qualitt von der Erdebentigt werden; deshalb geben bei einem Pokalspiel tausende Fans beides: negativeEmotionen und Begeisterung ab, whrend zur selben Zeit an irgendeinem anderen Ort aufder Erde einige Leute bewute Taten ausfhren. Der intellektuelle Teil der Erdekontrolliert das Gesetz des Zufalls in Bezug auf die Menschheit. Die Erde entwickelt sichweiter und ist viel intelligenter als der unbewute Mensch. Ein Mensch mu ein MenschNr. 7 sein, um auf derselben Intelligenzstufe zu stehen, wie die Erde. Wenn ein Menscheiniges davon versteht, wird er mit der Erde arbeiten, wie ein guter Diener und nicht alsein Plnderer.

    Kapitel 2

    Es gibt nur eine Wahrheit und es kann nur eine Wahrheit geben. Abdullah versucht eineMethode zu formulieren, die jedermann befhigt, diese Wahrheit fr sich selber zu finden.In diesem und den folgenden Kapiteln bemht sich Abdullah seine Lehren auszuarbeiten,die sich auf den Lehren von Gurdjieff, Inayat Khan, den alten Sufis, Ramdas, Buddha undZoroaster aufbaut. Der Mensch lebt entweder in einem bewuten, schlafenden oder totenZustand. Er lebt auf diesem Planeten, um verschiedene Funktionen zu erfllen, die vonder Erde und der Sonne, die bewusste Wesen sind, bentigt werden. Alles, was existiert,

  • muss sich von irgendetwas anderem Existierenden ernhren. Wenn ein Mensch tot odernegativ ist, fttert er den Mond, wenn er wach ist, kann er die Erde oder die Sonneverpflegen. Menschen und Tiere ernhren sich von Pflanzen oder anderen Tieren, undwerden im Gegenzug auf die eine Art von der Erde und auf die andere Art von der Sonnegegessen. Die Erde wandelt den leblosen Krper mit Hilfe von Feuer, Erde und Wasserum, und viele Menschen enden auf der physischen Ebene als Nahrung fr die niedrigstenKreaturen Wrmer und Maden. Auf einer greren Ebene hat dieses Fttern mitVibrationen zu tun. Alles baut eine Atmosphre auf, die von subtilen Vibrationengeschaffen wird. Wenn ein Mensch, Tier, Insekt oder ein beliebiges fhlendes Wesen stirbt,geht eine Vibration zur Sonne das ist die Lebenskraft, die bei der Geburt eingeatmetwird. Es ist sehr wichtig die Tatsache zu erfassen, da der Mensch nicht atmet, sondernbeatmet wird. Wenn eine Person ohne ein magnetisches Zentrum stirbt, werden bestimmteVibrationen durch den Mond absorbiert, die Erde nimmt sich den physischen Krper undVibrationen, und die Sonne nimmt sich ebenfalls, was sie bentigt.

    Gurdjieff lehrt, dass der Mensch aus drei Zentren oder Gehirnen besteht4. DasBewegungs-Gehirn erstreckt sich innerhalb des Krpers vom Hinterkopf an dieWirbelsule abwrts bis zum Steibein. Das emotionale Gehirn hat sein Zentrum imSolarplexus und breitet sich im ganzen Krper aus. Das intellektuelle Gehirn befindet sichim Kopf. Dort gibt es ein untergeordnetes Gehirn, welches Formatory Apparatus5

    genannt wird, mit dem die meisten Menschen denken und das im vorderen Teil desKopfes liegt. Der unbewusste Verstand, der die gesamte Menschheitsgeschichte enthltund der mit dem Verstand der Erde verbunden ist, ist nahezu unerreichbar frunbewusste Menschen, aber er kann mit Hilfe bestimmter Methoden angesprochenwerden.

    Die Zentren knnen unterschiedliche Entwicklungsstufen erreichen und eine Person kannein Kleinkind, Kind, Jugendlicher oder Mensch in jedem seiner Zentren sein. So kann einenrrische Person ein Kleinkind in allen drei Zentren sein und wenn er kein magnetischesZentrum hat, dann wird er wahrscheinlich geisteskrank werden. Ein Mensch der gut mitseinen Hnden arbeitet, wie zum Beispiel ein Zimmermann oder Monteur ist vielleichtjugendlich in seinem Bewegungs-Zentrum, aber in seinen beiden anderen Zentren ist ernoch ein Kleinkind, also gibt es dort kein Gleichgewicht. Es kann beliebig vieleKombinationen von Zentren geben, aber jeder Mensch ist mit einem dominanten Zentrumgeboren, welches seinen Typ bestimmt. Das Ziel ist es in jedem Zentrum ein Mensch zuwerden, aber nur sehr wenige Menschen schaffen das auf dieser Erde.

    Jede Person wird mit einer ererbten Essenz geboren, die seine Zentren beeinflusst. EinMann erbt gewhnlich die Basis seines emotionalen Zentrums von der Mutter seinerMutter, seines intellektuellen Zentrums von der Mutter seines Vaters und seinesBewegungs-Zentrum von seinen beiden Grovtern. Eine Frau erbt die Basis ihresemotionalen Zentrums gewhnlich von dem Vater ihres Vaters, ihres intellektuelles

    4 Genauer: 4 niedere Zentren (Bewegungs-, Instinktives-, Emotionales- und Intellektuelles Zentrum), das Sex-Zentrum und zweihhere Zentren (hheres Intellektuelles- und hheres Emotionales Zentrum). Vgl. https://en.wikipedia.org/wiki/Centers_%28Fourth_Way%29

    5 Formatory Apparatus: Ouspenskys Bezeichnung fr den mechanischen Aspekt des niederen intellektuellen Zentrums. Es fungiertals Speicher und als assoziative Wiedergabe von Wissen. Formatorisches Denken ist gekennzeichnet durch einen Mangel anSensibilitt und schablonenhaftes Schwarz/Wei-Denken

  • Zentrum von der Mutter ihres Vaters und ihres Bewegungs-Zentrum von ihrenGromttern. Es kann Kombinationen geben, wo zum Beispiel das emotionale Zentrumeines Mannes von beiden Gromttern vererbt wird. Verborgene Essenz existiert inMenschen, die schon mal auf diesem Planeten gelebt haben, als ein Rest ihrer vorherigenLeben. Und jemand, der schon einmal gelebt hat, wird es mit ungetaner Arbeit an denZentren zu tun haben, die verantwortlich ist fr viele ausgeprgte Vorlieben undAbneigungen. Die Essenz kann gut oder schlecht sein, aber was auch immer eine Personbekommt, ist es genau richtig fr sie, da es das enthlt an dem sie arbeiten muss. Wenn dieGromutter eines Mannes ein grausames Gemt hatte, wird sich das in ihm ebenfallszeigen und seine Aufgabe wird es sein, an dieser Grausamkeit und dieser Wut zu arbeiten;wenn seine Gromutter ruhig und friedfertig war, dann wird auch er diese Eigenschaftenhaben. Es kann viel ber das eigene Wesen direkt von den Groeltern gelernt werden undauch wenn sie schon tot sind, kann man eine Menge herausfinden, wie spter erlutertwird.

    Bei den verschiedenen Gruppen, die Gurdjieffs Ideen studieren, haben viele Leute einefalsche Vorstellung von der Essenz, weil sie immer als gut und die Persnlichkeit alsschlecht angesehen wird. In Wirklichkeit kann das Gegenteil der Fall sein, weil es oft vieleDinge in der Essenz als auch in der Persnlichkeit gibt, die erbarmungslos zerstrt werdenmssen. Margaret Anderson berichtet in The Unknowable Gurdjieff, dass Gurdjieff einsteiner Frau riet jedes mal, wenn sie sich eine Zigarette versagte, zu denken Das ist frmein Wesen. Diese Idee ist zutreffend, aber er verstrkte dadurch die verneinende Kraftin der Essenz der Frau. Die Essenz hat, wie jeder individualisierte Teil eines Menschen,einen aktiven, passiven und neutralisierenden Teil und es ist das Gleichgewicht dieserdrei, das die Essenz in das Stadium versetzt, in dem sie schlielich sterben kann. Wenneine Person an seiner Essenz klammert, kann sie nicht weiter gehen; jedes Ding mussseinen Zweck in dem Lauf der Evolution erfllen.

    Der Aspekt von sich selbst, mit dem man am vertrautesten ist, ist die Persnlichkeit (oderdas Ego - was Abdullah als Bezeichnung vorzieht), die von der Rasse, Land, Erziehung,Reichtum und Status bestimmt wird. Das Ego wird am besten durch die Vorstellungbeschrieben, die eine Person von sich selber hat und die unvermeidlich der Krper ist. DasEgo ist die Maske, die die Essenz versteckt. Die Maske ist sehr oft falsch und muss demNamen6 (den drei Zentren) gegenbergestellt werden, ansonsten ist es nur bestndigeSelbsttuschung. Wenn man an seinem Ego arbeitet, dann arbeitet man ebenfalls anseinem Krper. Wenn ein Mensch immer in seinem Ego lebt, wird er die Beute vonueren Reizen, immer reagierend anstelle vom Namen aus agierend. Eventuell stirbt manim Namen um so dem Geist zu erlauben aktiv zu werden. Also wird er wiedergeboren,aber der Geist muss das Ego zerstren. Im Ego eines Menschen sind die Samen der Essenzseiner Enkel enthalten, was ein weiterer wichtiger Grund ist an seinem Ego zu arbeiten.Das Ego eines westlichen Menschen verschlechtert sich rapide aufgrund der allgemeinenBequemlichkeit des Lebens, whrend das Ego eines stlichen Menschen sich schnellverschlechtert aufgrund des Wachstums von Kommunismus und Staatskapitalismus. DerMensch wird immer materialistischer und er verwendet sein Bemhen darauf immermehr und mehr Besitztmer zu bekommen. Kino, Radio und Fernsehen greifen stndig

    6 Name: Zustand in dem die 3 Zentren im Krper in Harmonie funktionieren http://www.gnosticpress.co.nz/?page_id=312

  • die Sinne an, indem sie verfhrerische Wege zur Realittsflucht anbieten und das hlteinen Menschen in dem Zustand des Schlafens. Auf diese Weise wird das Ego verndertund geformt. Kinder ziehen vor das zu tun, was die anderen auch tun auch wenn esbedeutet, den elterlichen Rat zu ignorieren. Das Erziehungssystem erschafft Schafe unddie Selbstsucht ist universell, deshalb wird das Ego stereotyp. Viele Leute leben in diesemknstlichen Umfeld und kommen nie an ihre Essenz, welche weiter und weiter verdrngtwird, bis sie extrem passiv geworden ist. Wenn ein Mensch in seinem Bewegungs-Zentrum ein Heranwachsender ist und ein Kleinkind in seinem emotionalen undintellektuellen Zentrum und wenn sein Wesen durch ein knstliches Ego verdeckt wird,dann ist es offensichtlich, das er einseitig sein muss. Ouspensky glaubte, dass die Essenzmit elf oder zwlf Jahren aufhrt zu wachsen; Abdullah wrde das Alter eher auf siebenJahre setzen. Ouspensky teilte das Ego oder die Persnlichkeit auf in richtigePersnlichkeit und falsche Persnlichkeit, aber Abdullah teilt diese Meinung nicht.Gurdjieff verweist nur auf die Persnlichkeit.

    Das magnetische Zentrum ist der Same der Seele, der Anfang einer spirituellenIndividualitt eines Menschen. Ungefhr die Hlfte aller Menschen, die auf diesemPlaneten geboren werden, haben ein magnetisches Zentrum und dieses sind diejenigen,die schlafen. Diejenigen, die kein magnetisches Zentrum haben, sind tot. Buddha und dieAutoren der christlichen Evangelien meinen genau das, wenn sie sagen lasst die Totenihre Toten begraben. Tote Menschen werden auf die Erde gebracht, um den Mond zufttern, der ein Kind der Erde und der Sonne ist und der eine weitere Funktion besitzt,von der spter die Rede sein wird. Fr einen Menschen ist es mglich von den Totenaufzuerstehen, aber die meisten toten Menschen wollen nicht gestrt werden. Daschristliche Gleichnis vom Smann zeigt sehr gut, wie die Auswahl der Menschenfunktioniert.

    Zunchst erscheint die Einteilung unfair zu sein, aber mit ein bichen Nachdenken unddurch die Beobachtung der Menschen wird ihre Richtigkeit besttigt. Bei ungefhr derHlfte von denen, die ein magnetisches Zentrum besitzen, ist es sehr schwach ausgeprgt.Diese Leute haften an der ueren Form einer Religion und versuchen nicht hinter ihrejeweilige Lehre zu blicken. Fr gewhnlich kristallisieren sie, werden sehr engstirnig undbigott, schlielich sterben sie oft in dem Sinne, da sie das magnetische Zentrum, welchessie hatten, verlieren. Sie benutzen ihre Religion um Kriege, Apartheid und ungerechteGesetze zu rechtfertigen die Spanische Inquisition ist ein gutes Beispiel dafr. Dasverbleibende Viertel der Bevlkerung, welches ein strkeres magnetisches Zentrumbesitzt, ist der gute Grund aus der Parabel vom Smann und sie sind motiviert, ihreReligion etwas tiefer zu erkunden. Jeder, der das Buch bis an diese Stelle gelesen hat,besitzt hchstwahrscheinlich ein magnetisches Zentrum; tote Menschen schauen sichgewhnlich kein Buch ber Religion an. Wie auch immer, es gibt Menschen, die keinmagnetisches Zentrum besitzen, aber einen neugierigen Verstand haben, und die alleslesen und oft ber religise Ideen reden. Dies sind Grenzflle, die man erkennen mu,wenn man mit jemandem arbeitet. Ein magnetisches Zentrum aufbauen zu knnen umdurch die bentigten Bemhungen unzweifelhaft eine Seele zu bekommen fhrt zumzweiten Grad der spirituellen Entwicklung. Die Seele ist eine Belohnung fr Menschen,die an sich selbst auf eine praktische Art arbeiten. Die Taoisten sagen, dass die Wege zu

  • Gott zahlreich und gewunden sind. Damit ein Mensch eine Seele aufbaut, bentigt er keinspezielles Wissen fr diese Arbeit, aber er muss ein Gewissen haben und Konflikteerdulden knnen. Menschen, die oft in die Kirche gehen und eine Seele haben, haben eineArt Schock vom Leben bekommen, der sie zu Allah (oder mit welchem Namen sie Ihnauch immer bezeichnen) treibt. Ein weiterer Punkt ist ein Gefhl der Schuld, welches zurReue fhrt und hilft, ein Gleichgewicht zwischen Essenz, Persnlichkeit und den Zentrenzu finden. Damit ein Mensch eine Seele bekommt, muss er gewhnlich ein Kind in seinenEmotionen sein und muss einige seiner schlechten Aspekte seines Egos bekmpfen. EineSeele wird niemals gegeben, sondern sie muss mit viel Leiden verdient werden. Reue undfreiwilliges oder beabsichtigtes Leiden helfen der Seele zu wachsen und kann ebenso dieZentren ausbalancieren. Ohne eine Seele kann ein Mensch nicht auf dem spirituellen Wegvoranschreiten.

    Wenn Gurdjieff ber die Essenz und das Wesen spricht, bezieht er sich oft auf die Seeleund manchmal benutzt er das Wort Seele fr den hheren Krper, was einigeVerwirrung bei seinen Lesern hervorruft. Gurdjieffs Art zu Schreiben basierte auf seinerKonditionierung und Vererbung und war fr ihn der richtige Ausdruck. AbdullahsMethode unterscheidet sich davon, weil es seine Aufgabe ist beim Klren zu helfen. DerMensch ist ein experimenteller Trger von Gewissen, welches von der Sonne kommt.Deshalb sind verschiedene Charakteristiken in ihn eingepflanzt, die ihn von anderenTieren unterscheidet. Eines dieser Merkmale ist das Gewissen. Der moderne Mensch hatsein Gewissen aber so tief vergraben, da er es niemals hrt und es bezweifelt, da esexistiert. Wenn man gegen die objektive Moral angeht, versinkt das Gewissen nur tiefer.Wenn man mit der objektiven Moral bereinstimmt, wird das Gewissen fr dasVerstndnis des Menschen erreichbar. Gurdjieff lehrte, da es eine der Hauptaufgaben desMenschen ist, das Gewissen zu erhhen, was er in the Five Strivings of ObjectiveMorality7 in All and Everything erklrt, wie man das erreichen kann.

    Der Mensch hat die Fhigkeit zu Vergessen, die ihm zugute kommt, um Schmerzen undTraumata zu berwinden, aber ihn ebenso weiter schlafen lsst. Gurdjieff nennt dieseBegabung das Organ Kundabuffer. Durch Arbeit an der Gewohnheit, Puffer gegen denWandel zu errichten und mechanisches Gebaren gegenber ueren Anreizen aufrecht zuerhalten, hilft es, das eigene Gewissen zu vertiefen. Die Funktionsweise vonKundabuffer kann man klar erkennen, wenn man an seiner Essenz arbeitet man magrger verleugnen und ihn teilweise los werden, nur um zu erkennen, da er, wenn man esam wenigsten erwartet, in einer subtileren Art und Weise an demselben Ort oder an einemanderen wieder auftaucht.

    Selbst wenn ein Mensch seine drei Zentren ausbalanciert und einen Kesdjan Krperentwickelt hat, welches die dritte Stufe der spirituellen Entwicklung darstellt, knnen dieAuswirkungen des Organs Kundabuffer strend sein, und werden nicht verschwinden,bis er seinen mentalen Krper entwickelt hat und ein Mensch Nr. 5 geworden ist. DasWort Kundabuffer ist von dem Hinduwort Kundalini, die Schlangenkraft die an derBasis des Rckgrat zusammengerollt ist, abgeleitet. Yogis ben sich in einer Art derKonzentration, bei der das Kundalini durch die Chakren bis zum Kopf gehoben werden

    7 http://www.endlesssearch.co.uk/exercises_5strivings_d.htm

  • kann und auf diese Art und Weise reinigt. Wenn ein Mensch an sich selber arbeitet,werden seine niedrigen Teile angehoben und mitunter werden die Folgen des OrgansKundabuffer zerstrt. Wenn Gurdjieff sagt, da die berschssige sexuelle Energiedafr benutzt werden soll, um an sich zu arbeiten, meint er damit das Steigen desKundalini.8

    Die medizinische Wissenschaft wei sehr wenig ber die Hypophyse/Hirnanhangdrse,eine Drse von der Gre einer Erbse, die in einem kleinen Sockel in der Basis desSchdels liegt, aber auf der esoterischen Ebene ist sehr viel darber bekannt. Die Yogisnennen sie den Tausendblttrigen Lotus und gewhnlich wird sie auf der Oberseite desKopfes gezeigt. Die Hypophyse ist der Sitz des Gewissens9, bzw. der Guide zumGewissen und zu den oberen zwei Zentren des Menschen. Deshalb kann ein Mensch,dessen Hypophyse entfernt wurde, niemals Spiritualitt entwickeln und er wird dasLeben eines untoten Zombies fhren. Die Hypophyse arbeitet als zentraleReinigungsstation fr alle Informationen, die vom Verstand eines Menschen kommen undfungiert als der Empfnger, um Kontakt zu anderen Dimensionen aufzunehmen. Da esoffensichtlich ist, da nur sie die wahre Quelle von Stimmen sein kann, die ein Menschhrt, ist es sehr wichtig zwischen den Nachrichten des Krpers, der Zentren, derImagination, der Geister, des Gewissens, des Guides und den hheren Wesen zuunterscheiden. Die beiden hheren Zentren eines Menschen knnen nur angesprochenwerden, wenn man ein Mensch Nr. 5 geworden ist. Sie werden das hhere IntellektuelleZentrum und das hhere Emotionale Zentrum genannt was aber nicht zutreffend ist, dasie weder mit dem Intellekt noch mit den Emotionen verbunden sind. Menschen, die derMeinung sind, dass sie Verbindung mit diesen Zentren haben, haben gewhnlich Kontaktmit dem positiven Teil des Intellekts oder der Emotionen, oder haben unter sehrbestimmten Umstnden ihren Guide oder ein hheres Wesen gehrt. Gelegentlich, wennman entsprechende bungen macht, kann ein Mensch einen Aspekt unseres Vaters derSonne, die einen Zustand der Ekstase erzeugt, kontaktieren. Das wird manchmal alsVerbindung zu den hheren Zentren miverstanden.

    8 Gurdjieff hatte aber eine eher negative Sicht der Kundalini, als die Quelle der Maya-Illusion Vergl. http://cassiopaea.org/forum/index.php/topic,7030.msg49955.html#msg49955 9 Im Gegensatz zu indischen und New-Age Traditionen welche die Aktivierung der Zirbeldrse forcieren!

  • Wie knnen wir den Drachen in uns selber meistern? Ewige Wachsamkeit istnotwendig, dies wird dargestellt durch den Heiligen Georg auf dem Pferd mit seinemSpeer, der den Hals des Drachen nur berhrt. Solange der Drache weiss, dass erbeobachtet wird, ist er ruhig und friedlich. Dann kann ihn die Seele, symbolisiertdurch die Dame, an einem Seidenfaden fhren. Der normale Zustand des Menschenbesteht darin, mit dem Drachen identifiziert zu sein. Sein Drache ist "Ich". Das ist derZustand wenn der Drache in der Hhle ist. Der Drache ist die Nafs Ammara.

    J.G. Bennett - der Grne Drache S. 92

  • TAIJI: 5 ELEMENTE10

    1. Unterscheide klar zwischen Oberflchlichem Geist und Tiefem Geist (deep mind).

    Der Oberflchliche Geist ist der Teil des Bewusstseins, welcher durch die Gehirnaktivittbeherrscht wird. Der Oberflchliche Geist arbeitet hauptschlich durch die 5 uerenSinne und ist nach den ersten paar Jahren nicht weiter ntzlich fr das innere Training.Die grundlegende Methode, um hinter den Oberflchlichen Geist gehen, ist: Schliee denGeist wie beim Einschlafen.

    2. Unterscheide klar zwischen den 5 ueren Sinnen und den 5 inneren Sinnen.

    Der Tiefe Geist wird auf seiner niedrigsten oder therischen Ebene geweckt und verstrktdurch Konzentration auf die 5 inneren Sinne: Gelenkposition, Muskelstadium, Schmerz,Druck und Temperatur. Sie sind die natrlichsten und sichersten Eingnge zum TiefenGeist. (Die 5 ueren Sinne sehen, hren, riechen, schmecken und tasten sind mit demOberflchlichen Geist verbunden. Konzentration auf sie kann den Oberflchlichen Geistnur strker machen.) Schmerz- und Gelenk-Sensoren zusammen mit den Muskelstadienvon Kontraktion und Entspannung sind am wenigsten wichtig, weil sie auch teilweisevom Oberflchlichen Geist erfasst werden. Druck- und Temperatursensoren zusammenmit den Sensoren fr die Muskelstadien von Dehnung und Ent-Dehnung aktivierenhauptschlich die tiefsten Ebenen des Gehirns und die therischen Ebenen des TiefenGeistes.

    3. Unterscheide klar zwischen den 5 Phasen des Muskelkreislaufs.

    Von den 5 inneren Sinnen hat nur das Muskelstadium entsprechende motorische Nerven(Druck, Gelenke und Temperatur werden indirekt durch den Wechsel der Muskelstadienreguliert). Muskelkreislauf = 5 Muskelphasen: halten (neutral), zusammenziehen(Kontraktion), entspannen, dehnen und ent-dehnen. Das Training bewusster Kontrolle desMuskelkreislaufs fngt an `Yi (Intention oder Willen) innerhalb des Tiefen Geistes zuentwickeln. Versuche die Dehnungsphase zu verlngern und gleichzeitig den Druck, derdurch die Dehnung entsteht, zu erhhen. Benutze Intention, um die Welle der elastischenEnt-Dehnung zu lenken. (Professor Cheng betonte Dingjin (Spren) - entspannen und denDruck hren. Meister Huang betonte Yi (Intention) - die Muskelkreislufe hren undregulieren. Am ausgewogensten ist es beides zu tun, zusammen mit der Wahrnehmungdes Wrmefeldes des Krpers.)

    4. Verstehe klar die 3 Ebenen des Tiefen Geistes (dann die 4. und darber hinaus).

    Sphre des Tiefen Geistes = Groes Dantien = oberes + mittleres + unteres Dantien.

    10 http://www.taichi-chuan-berlin.de/tai_ji_berlin_patrick_uberblick.html

  • Innerhalb der Tiefen Geist-Sphre existiert die individuelle Person als ihr Tiefer Geist.

    Tiefer Geist = 5 Bestandteile (Buddhisten)

    = Tiefe Geist-Intelligenz

    + Tiefe Essenz (himmlisch, astral & therisch)

    + Krper

    (Die Tiefe Geist-Intelligenz ist der Kontaktpunkt mit dem Hchsten Geist (spirit). Die tiefeEssenz existiert innerhalb der unteren Energien himmlisch, astral & therisch. DerKrper, einschlielich des Gehirns, der weder vor der Empfngnis noch nach dem Todexistiert, kann oder kann nicht als Teil des Tiefen Geistes angesehen werden.)

    5. Weite das Training des Tiefen Geistes ber den Krper und die therische Ebenehinaus aus.

    Durch lange Jahre (10 bis 14 Jahre) des Hrens auf die inneren Sinne whrend des Taiji-bens, wird der Geist auf der therischen Ebene stabil. Denke daran was Meister Huangsagte: 14 Jahre Grundlagen lernen; danach ist es leicht. Als Nchstes, nach dem Taiji-ben, whrend des stillen Ruhens mit inaktiven Muskelkreislufen und dem Druckgrtenteils ohne Wechsel, konzentriere dich auf das Kribbeln (Schmerzsensoren), Flle(Drucksensoren) und Wrme (Temperatursensoren). Das wird die therische Energieebenedes Tiefen-Geistes schnell wiederbringen, basierend im unteren Dantien. Gehe tiefer unddurch Konzentration auf Licht, Wrme und reines Bewusstsein (awareness), zentriere den

  • Geist auf die Sphre von Energie, die den Krper umgibt. Dies wird eine Mischung ausden unteren Energien sein (therisch, astral und himmlisch). Stell dir nicht vor, dass diesmehr ist als der frheste Kontakt mit dem seichtesten Teil des Tiefen Geistes, oder weitererForschritt wird blockiert werden. Trainiere Wahrnehmung innerhalb dieser Ebene durchsanftes Tiefersinken in dieses Stadium, whrend du die Gefhle von Wrme, Licht undreinem Bewusstsein intensivierst. Trainiere Intelligenz innerhalb dieser Ebene, indem duversuchst, die tiefen Vorgnge zu verstehen, die in dir selbst wirken, in Menschen, mitdenen du Kontakt hast, sowie in inneren und ueren Welten.

    Alle Dinge, die deine innere Entwicklung untersttzen, knnen als `gut angesehenwerden und alle, die sie erschweren, hingegen als `schlecht. Wahres Verstndnis solltetiefe Dankbarkeit entstehen lassen als Antwort auf alles Gute und Akzeptanz als Antwortauf alles Schlechte. Trainiere Intention innerhalb dieser Ebene, indem du das Lichts zujenen sendest, denen du zu helfen wnschst, und indem du klar beschliet, die grtennegativen Aspekte von dir selbst durch positive zu ersetzen.

    Der Einfluss der Tiefen Geist-Intelligenz wird wachsen, wenn die Bemhungen deineinnere Natur zu ndern, die unteren Energien verfeinern. Abdullah sagte: Es dauertmindestens 21 Jahre (meistens eher 30) die Energien des Tiefen Geistes zu kristallisierenund die 4. Energieebene zu erreichen. Dies ist die kleinere Erleuchtung von der Buddhasagte, sie sei hinreichend, um dem Kreislauf von Leben und Tod zu entfliehen. Danachwird die weitere Entwicklung fast ohne Anstrengung vollbracht, von innen nach auen,abhngig vom Grad der Ausgeglichenheit der Person und dem Willen ihres eigenenHchsten Geistes (Schicksal). Auf dieser Stufe ist Meditation nicht lnger ntig, weil dertiefe Zustand prsent sein wird (mehr aktiv oder mehr passiv in Abhngigkeit von denUmstnden) zu jeder Zeit im normalen Leben.

  • GEFAHREN DER GURDJIEFF-ARBEIT15

    [Man mu] ... Gruppen scharf unterscheiden zwischen tatschlicher Gnosis der spiri- tuellenWirklichkeit, kurzen Einblicken in sie, Symbolen und Lehren, die auf jene Realitt verweisen,und der Interpretation jener Symbole, Lehren und kurzen Einblickserfah-rungen. Dasentscheidende Merkmal einer mehrschichtigen Gruppe ist ein waches Bewutsein fr dieseUnterschiede. Dadurch wird die Gefahr verringert, da einschichtige Verzerrungen sichentwickeln knnen, bevor sie erkannt werden, und da das spirituelle System derbetreffenden Gruppe als Mittel zur Selbstverherrlichung dient. In einschich-tigen Gruppenist die epistemologische Hierarchie auf eine einzige Ebene reduziert. Dies ist eine Folge derunivoken, positivistischen Anschauung, da es nur eine einzige korrekte Mglichkeit gibt,religise Bedeutungen und Symbole zu verstehen, und da man, sobald man jenesVerstndnis erreicht hat und es als die Wahrheit akzeptiert, die Erlsung oder Erleuchtungerlangt hat und deshalb fortan der brigen Menschheit berlegen ist. Trotzdem gibt es auchin jeder mehrschichtigen Gruppe Anflligkeiten gegenber einschichtigen Tendenzen, denenentgegengewirkt werden mu, wenn sie auftreten. Um dies an einem Beispiel zuveranschaulichen, wollen wir uns mit der Gurdjieff-Arbeit beschftigen, die einemehrschichtig-dualistisch-technische Orientierung darstellt, sofern die Arbeit auf adquateWeise ausgefhrt wird. Dieses System wurde von Georg I. Gurdjieff in den Westen gebracht,einem gebrtigen Armenier, der im Jahre 1949 starb. Gurdjieffs Lehrsystem umfat Lehrenund bungen, die verschiedenen esoterischen Traditionen des orthodoxen Christentums,des Sufismus und des Zoroastrismus ent- stammen. Ob diese Methode transformierendwirkt, hngt davon ab, ob man sich zu einer langfristigen Zusammenarbeit mit einerkompetent geleiteten Gurdjieff-Gruppe entschliet, denn ohne eine solche Arbeit sindGurdjieffs Lehren nichts weiter als eine Sammlung interessanter Ideen. Eine der besonderenStrken von Gurdjieffs Ansatz ist die von ihm propagierte Wachsamkeit gegenber demeinschichtigen Irrtum, Transzendenz in Situationen zu vermuten, die in Wahrheit nur dasnormale Alltagsbewutsein zum Ausdruck bringen. Aus dieser Sicht ist die wichtigsteVoraussetzung fr die Entwicklung des erforderlichen Unterscheidungsvermgens und frdas Vermeiden einschichtiger Selbsttuschung die Bereitschaft, das eigene weltlicheBewutsein als das zu erfahren, was es tatschlich ist - als labil, angefllt mit falschenSelbsten (unkontrolliert agierenden Teilpersnlichkeiten) und als etwas, dem nichtswahrhaft Hheres und Dauerhaftes eigen ist. Die Gurdjieff-Arbeit ist in drei wichtigenPunkten anfllig fr einschichtige Verzerrungen:

    1. Gurdjieffs Metaphysik beinhaltet, da der Mensch nicht automatisch eine Seele odereinen Kesdjan-Krper besitzt. Dieser wird erst im Laufe der Zeit durch besondere Formendes inneren Ringens entwickelt, die die Gurdjieff-Arbeit zu untersttzen sucht. DochGurdjieffs Diagnose des Menschen, so wie er ist - im Schlafzustand, seelenlos und vllig imBanne biologischer, psychologischer, sozialer und kosmischer Krfte -, kann die Tendenzfrdern, den eigenen Wert sowie auch den Wert anderer Menschen grundstzlich zunegieren. Dabei geht man von der Sichtweise aus, da Menschen, bevor sie ein gewisses Maan Bewutsein entwickelt haben - den erwachten Zustand, in dem sie ein wahres Ich

    15 Wilber, Ken + Ecker, Bruce + Anthony, Dick - Meister, Gurus, Menschenfnger: ber die Integritt spiritueller Wege S.245ff

  • entwickelt haben -, im Grunde nichts weiter als Automaten und damit keine wirklichenMenschen sind. Diese Sichtweise kann dazu benutzt werden, Ausbeutung und Manipulationanderer Menschen zu rechtfertigen. Sie kann dazu verleiten, gegenber Wesen, die man alsrein mechanische Systeme versteht, jegliche moralischen Grundstze fallenzulassen. Indieser einschichtigen Verzerrung wird Mangel an Mitgefhl anderen Lebewesen gegenberdadurch legitimiert, da man sich selbst die Fhigkeit zuspricht, zwischen niedrigeren undhheren Entwicklungsstadien zu unterscheiden. Darber hinaus haben Gurdjieff-Gruppen,die dieser Verzerrung unterliegen, die Tendenz, bei Neulingen und in der Hierarchie niedrigstehenden Mitgliedern ein Gefhl geringen Selbstwerts zu erzeugen, da diese sich dann ineinem gewissen Sinne als subhuman definieren. Die Sichtweise, da der spirituelle Wert unddie letztendlich spirituelle Bestimmung des einzelnen grundstzlich in Zweifel gezogenwerden, ist innerhalb der Anthony-Typologie das charakteristische Merkmal fr dualistischeOrientierung.

    2. Die Gurdjieff-Methode tritt dafr ein, negativen Emotionen und Tendenzen nur dasunbedingt notwendige Ma an Aufmerksamkeit zu schenken. Dies ist eine innere Praxis, dieeinige Meriten besitzt. Sie kann jedoch leicht zu einer generellen Unterdrckung vonGefhlen degenerieren (dualistische Systeme begnstigen generell Repression) und zu einerrigiden, stark mental geprgten Lebenshaltung fhren. In diesem Fall wird das Vermeidender eigenen Emotionalitt mit einer transformatorischen Bemhung verwechselt.3. Die von den Gurdjieff-Gruppen zum Programm erhobene Wachsamkeit gegenberfalschen spirituellen Hoffnungen und einem falschen Gefhl der Transzendenz kann zueinem exzessiven Herunterspielen und Miachten der spirituellen Gefhle und Bestre-bungen der Mitglieder fhren. Gewhnlich zu sein und den gewhnlichen Zustand zumeistern kann so sehr zum Mittelpunkt und zum scheinbaren Ziel der Arbeit werden, da inVergessenheit gert, warum man diese Arbeit berhaupt begonnen hat - so fernliegenderscheint pltzlich die Mglichkeit, da es um ein spirituelles Ziel geht. Diese einschich- tigeVerzerrung verwechselt echte spirituelle Sehnsucht, welche von einem intuitiven Erahnender spirituellen Wirklichkeit genhrt wird, mit weltlicher Imagination und Emotionalitt.

    Diese drei einschichtigen Verzerrungen treten hufig sogar in Gurdjieff-Gruppen auf, dievon kompetenten Instruktoren geleitet werden, wenn auch in manchen Fllen nur in Formvon Stadien, die relativ unerfahrene Mitglieder im Laufe ihres Entwicklungsprozessesdurchlaufen. Hingegen sind diese Tendenzen in Gruppen, die von weniger kompetentenLeitern betreut werden, oft nicht nur temporre Phasen, die schlielich berwunden werden,sondern das Endergebnis der Arbeit. Mehrschichtige Gruppen sind also keineswegs frei voneinschichtigen Tendenzen, doch sind sie prinzipiell in der Lage, diese zu berwinden. Wirwollen uns nun noch einige weitere Unterschiede zwischen einschichtigen undmehrschichtigen Gruppen anschauen. In einschichtigen Gruppen werden mystischeErfahrungen als Beweise fr die Wahrheit des eigenen Glaubenssystems und deshalb auchfr den spirituellen Status des einzelnen Mitglieds oder der Gruppe insgesamt interpretiert.Mehrschichtige Orientierungen hingegen verstehen mystische Erfahrungen als wertvolleEinblicke in das transzendente Bewutsein, die jedoch nicht gleichbedeutend sind mit demdefinitiven Erreichen eines spirituellen Ziels. Deshalb ziehen Menschen, die sich einermehrschichtigen Orientierung zugehrig fhlen, keine klaren Grenzen zwischen denAngehrigen ihrer jeweiligen Gruppe und anderen Menschen. ...

  • OBJEKTIVITT UND SUBJEKTIVITT16

    Im blichen Gebrauch bezeichnet Objektivitt die Fhigkeit, die Dinge so zu sehen, wie siesind. Das Streben nach Objektivitt ist eine zentrale Maxime esoterischer Arbeit, wie sie vomVierten Weg bzw. der QFS betrachtet wird. Wir werden die Frage der Objektivitt ausverschiedenen Blickwinkeln betrachten. Nur wenige Menschen werden direkt behaupten,dass Objektivitt bzw. Wahrheit als solches nicht wnschenswert sind, aber viele werden dieWsser in verschiedenartiger Weise trben.

    Bevor wir von Objektivitt oder einem Mangel daran sprechen knnen, mssen wir zunchsterkennen, dass eine uere Welt existiert, und eine bedeutsame Trennung zwischen dieserWelt und dem Beobachter besteht. Descartes cogito ergo sum (Ich denke, also bin ich)stellt zum Beispiel fest, dass die einzig kenntliche Realitt die des Denkens, und die uereWelt unwissbar ist. Demnach knnte sie sogar nur alleine in des Denkers Gedankenexistieren. Das nennt sich Solipsismus und ist eine logisch mgliche Behauptung, bildetjedoch eine Art philosophische Sackgasse. Das Konzept der Objektivitt hat keinen oderwenig Platz in solchem System.

    Andere, wie z.B. viele Befrworter des New Age, erkennen, dass es eine Realitt gibt,behaupten aber, dass alles in dieser Realitt eigentlich Eins ist, und dass diese Realitt einevon allen geteilte Illusion ist, die durch die Glaubenssysteme des Teilnehmers in selbigerRealitt hervorgerufen wird. Es gibt hier keine Objektivitt abgesehen von gemeinsamenGlaubensvorstellungen, die den Anschein einer konsistenten Welt hervorbringen, ber die esmglich ist, Dinge auszusagen.

    Dieses Argument des New Age ist eine Art Verwechslung von Ebenen. Wir knnen darinzustimmen, dass das Universum auf einer fundamentalen Ebene ein Resultat vonBewusstsein ist. Zumindest behaupten das viele Traditionen und gechannelte Quellenunserer Zeit. Hieraus folgt aber nicht, dass die Ebene der menschlichen Erfahrungen inirgendeinem signifikanten oder offensichtlichen Sinne auf menschliche Gedanken reagiert.Erfahrungen von einer bewussten Erschaffung durch menschliche Gedanken im Sinne einerWunscherfllung sind sprlich und unzuverlssig. Wenn der Mensch Gott wre, knntenGedanken mglicherweise erschaffen. Doch der Mensch ist weder Gott, noch wird er dieser,indem er sich selbst suggeriert, bereits Gott zu sein.

    Die Quantenphysik demonstriert durchwegs die Effekte eines Beobachters. Der Zustandeines Systems kann nicht ohne Messung gekannt werden und die Messung beeinflusst dasSystem. Es ist noch unklar, ob Messung vollstndig definiert werden kann, ohne dasBewusstsein auf irgendeiner Stufe des Prozesses mit einzubeziehen. In diesem Sinne ist vorder Messung objektives Wissen ber den spezifischen Zustand eines Systems nicht mglich.Es ist jedoch mglich, nachprfbare statistische Verhaltensmodelle eines Systems zuformulieren. Diese sind objektiv insoweit sie der Beobachtung entsprechen, folglich kannein Kriterium objektiven Wissens angewandt werden. Die Natur ist nicht willkrlich, auchwenn sie aus der menschlichen Perspektive undeterminiert aussieht.

    In der Philosophie sind hermeneutisches und phnomenologisches Denken als eine Antwortauf den Naturalismus entstanden. Diese kritisieren die strenge Beobachter/BeobachtetesDichotomie, die dem frheren Gedankengut innewohnte. Die Verhaltenspsychologie knnte

    16 http://de.cassiopaea.org/2011/06/03/objektivitat-definition/

  • z.B. darin kritisiert werden, dass sie das experimentelle Subjekt objektiviert, ihm eigentlicha priori aberkennt, eine bewusste Entitt zu sein.

    Zu erkennen, dass die Umstnde der Beobachtung in vielen Situationen von derBeobachtung selbst untrennbar sind, entkrftet jedoch keinesfalls das Prinzip derObjektivitt, wie wir es verstehen. Im Gegenteil, es bereichert es, indem es Fakten ber dieWelt aufzeigt.

    Objektivitt sollte nicht mit Reduktionismus verwechselt werden. Reduktionismus oderDeterminismus behaupten, dass es anhand von gegebener, vollstndiger Information berden gegenwrtigen Zustand eines Systems mglich ist, beliebig weitreichende Vorhersagenber Vergangenheit und Zukunft des Systemzustands zu machen. Es gibt jedoch vieleHindernisse im strikten Determinismus, angefangen mit der Quanten-Unsicherheit,wahrscheinliche nicht-lokale Effekte, keine absolut geschlossenen Systeme, mgliche Effektedes Bewusstseins und des Beobachters, usw. Gdel demonstrierte, dass ein System nicht seineigenes Meta-System sein kann, d.h., es kann nicht das vollstndige Wissen ber sich selbstbeinhalten. Dies deutet darauf hin, dass das Erreichen von objektivem Wissen ber irgendeinUniversum von innen heraus eine Suche mit offenem Ende ist.

    Objektivitt in dem Sinne, wie sie hier verstanden wird, impliziert epistemologischenRealismus, was einfach bedeutet, dass die Realitt durch viele Beobachter in einerkompatiblen und widerspruchsfreien Weise kennbar ist. Das impliziert nicht, dass eineabsolute Identitt einer Erfahrung oder eines Experiments mglich ist, aber es schlgt vor,dass man sich an ein von mehreren Beobachtern geteiltes Verstehen der Welt annhernkann, obwohl die Beobachter nicht gnzlich oder nachweislich von allerVoreingenommenheit oder jedem Lese-Fehler frei sein knnen.

    In einem sozialen Schauplatz wird das Wort Objektivitt manchmal als gleichbedeutendmit Emotionslosigkeit verwendet, oder im Sinne davon, allen Parteien in einer Situationzuzuhren. In diesem Sinne knnte eine objektive Beurteilung der Durchschnitt aller zurFrage gemachten Behauptungen sein. Der Begriff wird in der vorliegenden Arbeit in obigemSinne aber nicht verwendet. Erstens weisen wir darauf hin, dass wenn Objektivitt auf dasWissen von allem, was existiert, abziehlt, es nicht auf einer Prmisse fuen kann, die a prioribehauptet, dass ein Teil der beobachteten Situation einfach nicht existiere oder irrelevant sei.Zweitens knnen wir anmerken, dass der Durchschnitt einer Lge und einer Wahrheit eineHalb-Wahrheit sein wrde. Demnach ist die Bestimmung des Durchschnitts von Ansichtenkein verlssliches oder tatschlich objektives Mittel, Wissen zu erlangen.

    Besonders bezogen auf Angelegenheiten menschlicher Interaktionen mag vollstndigeObjektivitt schwer fassbar sein. Doch knnen wir Kriterien der Methodik angeben, auchwenn wir Aussagen nicht formell beweisen knnen.

    Aus Sichtweie esoterischer Arbeit sollten Wahrheit oder Objektivitt das hauptschliche Zielsein, in anderen Worten: Gott kennenlernen. Das Studium des Universums kann nichtgnzlich davon getrennt werden. Jedoch knnen wir die direkt aus den Naturwissenschaftenbernommen Kriterien des Wissens nicht fr esoterische Zwecke benutzen. Die innere Naturdes Werks erfordert eine gewisse Offenheit und guten Glauben oder wenigstens dievorbergehende Aufhebung von Unglaube. Hiernach knnen innere Verifizierungen vonesoterischen Prinzipien mglich werden. Wegen der persnlichen und auf Erfahrung

  • beruhenden Natur vieler Beobachtungen ist eine Bemhung um Objektivitt sogar nochwichtiger als in den Naturwissenschaften, wo diese Objektivitt viel leichter zu verifizierenist.

    Auch Studium und die Auseinadersetzung mit Emotionen knnen wir nicht von deresoterischen Arbeit ausschlieen. Die Psychologie strebt danach, verlssliches Wissen berEmotionen zu erlangen, indem sie Experimente, Fragebgen und statistische Methodenbenutzt. Dies funktioniert zu einem gewissen Grad beim ueren Menschen, ist jedoch keinedirekt umsetzbare Annherung in esoterischer Arbeit. Die Zahlen sind nicht gro und dierelevanten Kernpunkte einzelner Flle knnen ziemlich unhnlich sein. Daher ist einenullachtfnfzehn Herangehensweise problematisch.

    In den gesamten Beelzebubs Erzhlungen betont Gurdjieff das Erlangen von objektiverVernunft und objektivem Bewusstsein. Wir knnen sagen, dass objektive Emotion mglichist, insoweit das emotionale Zentrum genaue Informationen ber den emotionalen Zustandder Umgebung vermittelt. Objektives Gewissen ist das gleichzeitige Sehen des eigenenemotionalen Zustands und dessen Antwort auf den Zustand und die Handlungen deserweiterten Selbst. Um es in Gurdjieffs Worten zu sagen, sind gewisse Impulse fr einenMenschen, der objektive Vernunft und objektives Bewusstsein erlangt hat, angebracht.Diese sind von einem allgemein ethischen Charakter, wie z.B. eine gute Absicht, dasRcksichtnehmen auf Andere, das Streben nach Selbstperfektion, Streben nach Wissen, dasStreben, fr das eigene Aufsteigen zu zahlen, usw.

    Die QFS verbindet die Suche nach Objektivitt mit der Dualitt zwischen dem Dienst anAnderen (STO) und dem Dienst am Selbst (STS). Ausgeprgte Subjektivitt oderWunschdenken werden als Kennzeichen/Merkmale von STS betrachtet. Wenn Gedankenoder allgemeine innere Neigungen des Beobachters die Realitt beeinflusst, dann schlgt dieQFS vor, dass dies wie folgt geschieht:

    Eine Beobachtung, die mit der Realitt bereinstimmt, erschafft Ordnung imBeobachter/Beobachteten-System. Eine Beobachtung, die nicht mit der Realittbereinstimmt, vermindert die Menge an Ordnung und vermehrt somit die Entropie desBeobachters/Beobachteten-Systems. Ordnung und Entropie sind Gegenstze. Entropieentspricht einem Verlust an Information und an Bewusstsein, Ordnung entspricht derSchpfung.

    Indem der Magier und der Wunschdenkende ihre Konzepte der Realitt dem Universumaufzwingen, vermehren sie eigentlich das Chaos und die Auflsung.

    Jegliche Schpfung, die mit der Polaritt des Dienst an Anderen (STO) kompatibel ist, mussmit dem Erkennen von dem, was ist, beginnen und muss darauf basierend handeln, undnicht basierend auf einer teilweisen Deutung. Die Art der Handlung kann frei gewhltwerden, je nachdem, welcher Polaritt der Akteur sich entscheidet, anzugehren.

    Objektivitt verbindet sich mit dem Konzept des freien Willens insofern, dass freier Wille,ohne das Wissen um Mglichkeiten ineffektiv ist. Weiter kann ein uninformierter freier Willenicht frei genannt werden kann, da er von Faktoren eingeschrnkt ist, die auerhalb seinerselbst liegen. Ein annhernd objektives Wissen ber das Selbst, wie auch das Wissen ber dieeigene, typische, subjektive Neigung, sind eine Voraussetzung fr den freien Willen. SieheBegriff: Freier Wille fr die Diskussion ber die ontologische Mglichkeit eines solchen.

  • Subjektivitt durchdringt den menschlichen Zustand so sehr, dass es schwierig ist zu sagen,wo sie nicht vorherrscht. Wir knnen sagen, dass Subjektivitt die Fhigkeit ist, Dinge ineiner persnlich spezifischen Art zu erleben, was oftmals damit einhergeht, nicht in der Lagezu sein, diese subjektiven Erlebnisse einem Anderen in einer Weise zu erklren, dienachvollziehbar ist. Man kann die Tendenz zur Subjektivitt als wesentliches Hindernis zurklaren Kommunikation zwischen Menschen erklren. Im blichen Sprachgebrauch wirdSubjektivitt oft mit emotionaler Reaktion verbunden. Subjektivitt ist jedoch nicht dasselbewie Emotion. Subjektivitt ist, den eigenen Lieblings-Glaubensvorstellungen eher Vorrangzu geben als der ueren Welt. Solch eine Tendenz wird allgemein von einer starkenemotionalen Verhaftung an diese Glaubensvorstellungen gesttzt. Emotion an sich kanntatschlich dazu dienen, die Welt so zu sehen wie sie ist, daher ist Subjektivitt eher einMibrauch von Emotion als ein eigentliches Attribut von ihr. Subjektivitt ist demBewusstsein insofern entgegengesetzt, dass sie sich willkrlich auf eine bevorzugteSichtweise beschrnkt. Subjektivitt kann zu so einer Gewohnheit werden, dass dieimplizierten Einschrnkungen, die sie sich selbst auferlegt, aus der bewusstenWahrnehmungsreichweite verschwinden. Subjektivitt kann zu verschiedenen Graden ineinem unsichtbaren Gefngnis einsperren, gebunden durch automatisch von derBercksichtigung ausgeschlosser Mglichkeiten. Manchmal werden diese Mglichkeitennicht per se ausgeschlossen, werden aber emotional a priori als inakzeptabel bewertet underhalten daher nie eine tiefere kritische Betrachtung. Auf der metaphysischen Ebene istSubjektivitt das Platzieren der eigenen Glaubensvorstellungen oder Auffassungen wieauch immer sie aufgekommen sind ber eine Rcksichtnahme dafr, wie die Dinge in derueren Welt sein knnten. Subjektivitt ist gewissermaen eine Verlautbarungdahingehend, dass man sich wnscht, von dieser ueren Welt getrennt zu sein. Dies machtSubjektivitt zu einer Eigenschaft der Dienst am Selbst STS Polaritt.

    Subjektivitt kann in der Sicht des 4. Weges auch der Entropie gleichgesetzt werden. In derPhysik bezieht sich Entropie auf den Grad der Unordnung in einem gegebenen System.Irreversible Prozesse, wie z.B. Verbrennung, vergrern die Entropie. Das bedeutet, dass dieEnergie nach dem Prozess gleichmiger im System verteilt ist. Ein Holzklotz kannverbrennen, aber er kann sich selbst nicht zurckbrennen. Die Energie, die in denchemischen Verbindungen in den Moleklen, die den Holzklotz ausmachen, gespeichert ist,wird in Form von Licht und Wrme abgebaut. Die Entropie hat sich vergert. Eineformalere Definition lsst sich in jeder physikalischen Literatur nachlesen. Die QFS(Quantum Future School) benutzt den Begriff Entropie in einer besonderen Bedeutung.Entropie wird benutzt um das ins Chaos fallen, speziell das der Gesellschaft und desIndividuums, zu beschreiben. Entropie ist das Gegenteil von Schpfung. Schpfungbeinhaltet das Ordnen der Dinge um so Bedeutung/Sinn zu erschaffen. Der Anstieg vonEntropie, bzw. Zerstrung, vernichtet Bedeutung und vergrert Gleichheit. Ein sozialerZusammenbruch und der einhergehende Rckfall von zivilisiertem Verhalten zu reinberlebensorientiertem Verhalten ist ein Beispiel fr angestiegene Entropie in diesem Sinne.Im metaphysischen Sinne reprsentieren Subjektivitt und Wunschdenken die Entropie. Diesist so, weil die Kluft zwischen Wahrnehmung und der Realitt in sich selbst eine Form vonChaos und ein Verlust an Information und Kohrenz ist. Dienst am Selbst, STS, wird mitdem Konzept der Entropie assoziiert, weil dieser danach strebt, den freien Willen anderereinzuschrnken und sie ihrer Energie und ihrem kreativen Potential zu berauben. Indem sie

  • andere ausbeutet, mag sich die STS-Wesenheit einen lokalen Hochpunkt an Macht undOrdnung oder Kohrenz erreichen, dies geschieht jedoch auf Kosten einer viel grerenErschpfung des Potentials der Ausgebeuteten. Daher steigt die Entropie im System alsGanzes an.

    Die Frage nach dem freien Willen stellt sich auf vielen Ebenen. Auf der Ebene desUniversums knnen wir sagen, dass der einzige Grund, warum irgendetwas existiert, derfreie Wille ist. Der kreative Wille von Allem vermittelt zwischen den Gedankenzentren vonSein und Nicht-Sein, was einen Tanz aller mglichen Formen erschafft. Whrend derursprngliche Impuls des kreativen Willens von den bedingungslosen Bereichen derSchpfung ausgehend zur Materialitt hinabsteigt, verwssert er und wird mit jeder Ebeneimmer mechanischer und determinierter. Die Tradition, wie sie von Gurdjieff undMouravieff bermittelt wurde und wie sie sich sogar in der Bibel zeigt, legt nahe, dassder Logos bzw. der kreative Wille des Absoluten der Impuls hinter allem, das existiert, ist.Die Cassiopaeaner und Ra definieren den freien Willen als das erste universelle Prinzip.Strikte Deterministen sind die einzigen, die den freien Willen vollkommen dementieren.

    Das Konzept des freien Willens wird noch viel unschrfer, wenn es auf die menschlicheEbene angewendet wird. Wir knnten postulieren, dass alles, was einen Grad anBewusstsein hat, auch irgendwie einen Funken des noch unerschaffenen, uranfnglichenfreien Willens in sich bewahrt. Wenn dies nicht so wre, knnten wir keine Konzepte wieVerantwortung definieren, die im Grunde in jeder Ethik zentral sind. Aus diesem Grunderkennen mehr oder weniger alle Religionen einen gewissen Grad an freiem Willen an, egalwie sie sonst dazu tendieren mgen, ihn anderweitig einzuschrnken. Gurdjieff beschreibtden menschlichen Grundzustandes als beinahe behavioristisch, d.h. fast gar keinen freienWillen beinhaltend. Trotzdem ist Gurdjieffs gesamte Arbeit darum bestrebt, ein Fenster zuffnen, durch das dieser freie Wille sich manifestieren kann. In diesem Sinne ist Gurdjieffdiametral und fundamental jeder deterministischen Schule des Denkens entgegengesetzt.Das grte Problem fr einen manifestierten freien Willen auf der menschlichen Ebene ist,dass der Mensch nicht eins ist: Ein Ich will etwas, ein anderes will nicht, ein drittes Ichwei nicht mal von der gestellten Frage. Im Buch Das Leben ist nur dann wirklich wenn IchBin stellt Gurdjieff das Diktum Ich Bin, Ich Kann, Ich Wnsche vor.

    Aus dem Buch:

    Nur der Mensch, der bewusst sagt: Ich Bin der ist wirklich; der sagt: Ich Kann derkann wirklich; der sagt: Ich Wnsche der wnscht wirklich. Wenn Ich Wnsche,dann fhle ich mit meinem ganzen Wesen, dass ich wnsche, und wnschen kann. Dasbedeutet aber nicht, dass ich bentige, dass ich brauche, dass ich mag, oderschlielich, dass ich begehre. Nein. Ich Wnsche. Niemals mag ich, niemals bentigeich, ich begehre nichts und ich brauche nichts all dies ist Sklaverei; wenn Ich etwasWnsche, so muss ich es mgen, sogar dann, wenn ich es nicht mag. Ich kann mirwnschen, es zu mgen, weil Ich Kann. Ich Wnsche ich fhle mit meinem ganzenKrper, dass ich wnsche. Ich wnsche, weil ich wnschen kann.

    Freier Wille hat nichts mit Verlangen/Begehren zu tun, er ist bedingungslos, er existiert umseiner selbst Willen; dennoch ist er nicht willkrlich oder zufllig, er mag eine Richtunghaben, die ein Grund in sich selbst ist. Der freie Wille, der fr den Menschen in diesem Sinnemglich ist, ist weit von der Mglichkeit willkrlicher Duldung entfernt, was oftmals daseinzige ist, was der moderne westliche Sprachgebrauch unter Freiheit versteht.

  • BEWUSSTSEINSDICHTEN UND STO VERSUS STSBEWUSSTSEINSDICHTENIm Material von Ra und Cassiopaea bezeichnet Dichte allgemein eine qualitativunterscheidbare Ebene des Seins. Jede Dichte hat ihre eigene Struktur von Lebensformen,Wahrnehmung und typischen Lektionen fr das darin befindliche Bewusstsein. Dichtewurde durch die beiden genannten Quellen wie folgt grob definiert:

    1. Dichte

    Unbewegtes Leben. Falls wir hier berhaupt von Lernen sprechen knnen, geht es um dasLernen von Materie (z.B. Atome, Gestein, Elementarkrfte wie Feuer etc.), chemischeVerbindungen bishin zu primitiven biologischen Organismen zu formen. NhereDefinition siehe 1. Dichte.

    2. Dichte

    Vegetatives und tierisches Knigreich. Lektionen haben mit berleben, Adaption,Wettbewerb, Gruppenorganisation, etc., zu tun. Die Seelenstruktur ist generell in Formeiner Gruppenseele einer Spezies; entwickelt sich eine Spezies jedoch weiter, knnen sicheinzelne Angehrige einer Spezies durch vielfltigeres, indivduelles Lernen von denanderen unterscheiden.

  • 3. Dichte

    Menschliche Existenz. Die Lektionen der 2. Dichte setzen sich hier etwas komplexer fort,wie z.B. in Kmpfen fr soziale Herrschaft, erweitertes berleben, etc. Individuellangeeignete Persnlichkeit und individuelles Lernen spielt eine grere Rolle. Menschenwerden unterschieden in Pr-Adamiten, die sich eine Spezies-hnliche Gruppenseeleteilen, und Adamiten, die eine individualisierte Seele haben.Die spezielle Lektion der 3.Dichte ist jedoch, eine Wahl bei der Orientierung des Dienstes zu treffen: entweder inRichtung Dienst am Anderen, STO, im grtmglichen Ausma oder in Richtung Dienstam Selbst, STS, im grtmglichen Ausma. Um so eine Entscheidung treffen zu knnen,ist eine individualisierte Seele ntig und daher vermutlich auch eine grere Anzahl angelebten Leben, damit sich die Seele die notwendige Polarisierung aneignen konnte.

    4. Dichte

    Diese wird als teilweise-physische Existenz beschrieben, in der Absolventen der 3. Dichteihre gewhlte Orientierung ausbauen und perfektionieren knnen. STO- und STS-Gruppen sind in der 4. Dichte voneinander getrennt und kommen nicht automatisch inKontakt, es sei denn durch ihre jeweilige Interaktion mit der 3. Dichte.Die meistenGeschehnisse rund um das UFO Phnomen involvieren STS-Wesen der 4. Dichte. PurerDienst am Selbst ist nur bis zur 4. Dichte mglich, wahrscheinlich weil es die letzte Dichteist, die teilweise materiell ist. Lebewesen der 4. Dichte haben eine bewusstere Kontrolleber die Physikalitt und bilden im Allgemeinen Gruppen, die telepathisch ber einengemeinsamen Erfahrungspool verfgen, whrend sie sich eine gewisse Individualittbewahren.

    5. Dichte

    Seelen der 1. bis 4. Dichte finden sich hier zwischen ihren Inkarnationen wieder. Dies istein Bereich der Einkehr, in dem die Seelen ihre vergangenen und zuknftigen Leben auseinem gnzlich therischen Zustand heraus beobachten. Um sich weiterzuentwickelnmssen die Seelen jedoch in eine Dichte inkarnieren (dort Leben), die ihrer Entwicklungam besten entspricht.

    6. Dichte

    Diese entspricht der Ebene der vielen Namen Gottes bzw. vereinten Gedankenformen.Lebewesen des Dienstes am Anderen (STO) Lebewesen, die nicht lnger inkarnierenmssen, befinden sich auf dieser Ebene. Manche Kulturen bezeichnen diese Existenz alsEngel.

    7. Dichte

    Das ist die Ebene, wo Alles Das Eine ist und gleichzeitig Das Eine Alles ist, auf einepraktische, reale und bedeutungsvolle Art. Es gibt dort nicht lnger die Unterscheidungzwischen Gedanken und Realitt. In anderen Begriffen kann diese Ebene alsallumfassender Gott, Universum, oder in Begriffen des Vierten Weges auch als die

  • Absolute Sonne bezeichnet werden.

    Das Konzept der Dichten ist komplex und Worte der 3. Dichte reichen fr eine genaueBeschreibung der Sache nicht aus. Das RA Material liefert einen systematischen berblickber dieses Thema. Das Cassiopaea-Material baut weiter auf dieser Basis auf.Zwischen diesen beiden Quellen gibt esleichte Unterschiede in der Betonung undDefinition. Aber die Kernaussage beiderQuellen ist, unserer Ansicht nach, dass einbergang von der 3. zur 4. Dichte inmanchen Fllen mglich ist und dasMeistern der Lektionen der 3. Dichte dieVoraussetzung dafr ist. Im Speziellen sinddas: berleben, Karma und Entwicklungeines wahrlich individualisiertenWesenskerns, der zur konsistenten Arbeitin der jeweilig gewhlten Orientierung(STO oder STS) fhig ist. Das Meistern desSelbst, so wie es im Vierten Weg erklrtwird, ist eine Teilaufgabe davon. Die verschiedenen Kosmen der Kosmologie des ViertenWeges knnen als bereinstimmend mit dem Konzept der Dichte angesehen werden. EinVergleich mit anderen Bezeichnungen ist jedoch schwierig, da der Sachverhalt auerhalbmenschlicher Erfahrung und Existenz liegt.

    STO VERSUS STSDie beiden Konzepte Dienst am Anderen (engl. Service To Others, Abk. STO) und Dienstam Selbst (engl. Service To Self, Abk. STS) sind das zentrale Element des Materials vonvon RA17 und Cassiopaea18. Wir finden diese beiden Grundstze auf unterschiedlicherWeise berall in der esoterischen Kultur wieder. Die fundamentale Natur und Breitedieser Begriffe macht eine vollstndige Definition schwer, da sie sich in allen Dingenunterschiedlich wiederspiegeln. RA sagte, dass es fr das menschliche Verstndnis ameinfachsten war, die beiden Begriffe mit Dienst am Anderen bzw. am Selbst zubezeichnen, da wir Menschen dazu neigen, in Aktionsbegriffen zu denken. In jedem Fallliegen die Prinzipien auerhalb von Wortbegriffen, da es eine Vielzahl von Aspekten gibt,worauf diese Dualitt Anwendung findet. Wir mssen daher auf Allegorien (einigeBeispiele siehe unten) zurckgreifen. Kosmologisch betrachtet sprechen die Cs vomzweifachen hervortreten aus Dem Einen. Das Eine ist die Quelle von Allem, was ist,und woraus eben diese Dualitt entspringt. Das Prinzip desFreien Willens ist der dritteAspekt und vermittelt zwischen beiden Ausprgungen. Im abstraktesten Sinn ist dieExistenz zwei voneinander verschiedener Krfte bzw. Tendenzen plus Freier Wille dieeinfachste Basis fr ein offenes Universum. Alle Formen der Schpfung entspringen dieserBasis des Seins und erstrahlen sich durch eine Folge von zunehmend eingeschrnkten,

    17 Rueckert, Carla RA. Law of One. Deutsch: http://www.llresearch.org/library/the_law_of_one_german/index.aspx 18 http://de.cassiopaea.org/

  • dichteren, bzw. mechanischeren Ebenen. Diese Ebenen entsprechen sowohl dem BegriffDichte von RA und den Cassiopaeanern sowie den Kosmen des Vierten Weges.Vom einem kosmologischen Standpunkt aus sind beide Polaritten notwendig. Diesbedeutet jedoch nicht, dass diese auf der menschlichen Ebene wirksam vereint werdenknnen. Somit ist der kosmische Ruf an den Menschen, entweder das Eine oder dasAndere zu whlen. Einige Beispiele fr Wortpaare, die verschiedene Aspekte der Dualittbeschreiben:

    Geist Materie Schpfung Entropie Ordnung Chaos Sein Nichtsein usf.

    STS-HIERARCHIEFr ein System, in dem alle Mitglieder danach streben, ihre eigene Macht zu maximierenund Position zu verbessern, ist eine pyramidenfrmige Hierarchie die natrlichresultierende Konfiguration. Sich selbt dienende Wesen, solche wie der Mensch, erkennen,dass sie mit anderen hnlichen Wesen kooperieren mssen, um sich effektiver selbstdienen zu knnen. Eine solche Kooperation beruht auf der Idee einer opportunistischenAllianz, falls direkte Dominanz nicht mglich ist. Auch erklrt sich die Notwendigkeiteiner Hierarchie in solch einem System als die einzige Alternative zu einem Zustand vonAnarchie, in welchem jeder ausschlielich einen kurzfristigen Vorteil fr sich selbstanstrebt. In solchen Systemen steigen die rcksichtslosesten und opportunistischstenElemente an die Spitze auf. Ein typischer Stabilisierungsmechanismus in solch einemSystem ist das Kultivieren einer Klan-Ergebenheit mit fortschreitendem Anstieg dersozialen Position. Dies kann mit einem Personenkult einhergehen. Nachdem eine interneHackordnung ausgefochten wurde, wendet sich die STS-Hierarchie fr Nahrung undPlnderung nach auen. Sie muss sich selbst ernhren, indem sie mehr Futter absorbiert,was, abhngig vom Fall, zeitweilige oder spirituelle Macht, Reichtum, neue Mitglieder etc.bedeuten kann. Beispiele einer solchen Organisation sind berall zu finden, vonorganisiertem Verbrechen bis hin zu Armeen, Regierungen, Geheimgesellschaften,Straenbanden und so weiter. Diese Organisationen leiden stets an einem Grad voninterner Entropie und ihre Mitglieder arbeiten nur selten problemlos zusammen, da siezumindest prinzipiell immer Ausschau nach einer Mglichkeit halten, jemand anderen zuhintergehen oder selbst hintergangen zu werden. Laut Cassiopaea und Ra existieren dieSTS-Oberherren der vierten Dichte der Erde als sogenannte STS-Soziale-Erinnerungskomplexe, was Hierarchien sind, in denen die Mitglieder einen gemeinsamenPool an Wissen teilen und anderweitig Individualitt besitzen. Diese Organisationenleiden an den normalen Meinungsverschiedenheiten und berkreuzungen, die fr STStypisch sind, aber auf Grund von telepathischer Transparenz, fr die 4. Dichtecharakteristisch, zusammenhalten knnen. Demzufolge erkennen sie einen greren Sinndarin, Energie von auen zu absorbieren als untereinander zu kmpfen, insbesondere weiljede Vernderung in relativer Position nur durch Energie zustande kommen kann, diedurch neue Eroberungen erlangt wird.

  • STS-VERFTTERUNGDas Konzept des Verftterungsmechanismus umfasst psychologische Manipulation undeine Art psychisches Spiel um Dominanz und Ausbeutung. Der physische bzw.psychologische Aspekt besteht darin, eine Form von emotionaler Kontrolle ber jemandanderen auszuben. Der psychische bzw. metaphysische Teil beinhaltet das Entziehen derLebenskraft eines Anderen zur eigenen Bereicherung. Dies ist eine Form des Vampirismus.Der Verftterungsmechanismus ist in seinen unterschiedlichen Ausprgungen sehrverbreitet und geschieht oft ohne bewusste Absicht oder das Wissen der Beteiligten. Erwird entweder als Mdigkeit, Gereiztheit, Indifferenz, Aufregung, ein Hochgefhl oderviele andere Wahrnehmungen empfunden, jeweils abhngig davon, ob man das Futteroder der Fresser ist. In extremen Fllen knnte sich ein Schwarzmagier absichtlich inkrperlicher oder mentaler Zerstrung eines Opfers bettigen, als Beweis oder Attribut andie eigene Macht. Meistens jedoch ist der Verftterungsmechanismus viel subtiler undkann trotz scheinbar guter Absicht stattfinden. Das menschliche Wesen bentigt eine Artvon mentaler Nahrung aus Sinneseindrcken und Aufmerksamkeit. Die Tatsache, dassSuglinge sterben, wenn sie keine Aufmerksamkeit erhalten, ist Zeugnis hierfr. Derbiologische Mechanismus, diese Nahrung der Aufmerksamkeit zu bekommen, istgenetisch programmiert. Sogar negative Aufmerksamkeit ist besser als keine. Diesesgrundlegende Bedrfnis kann sich zu allen mglichen manipulativen Verhaltensweisenentwickeln, die darauf aus sind, sich an der Aufmerksamkeit Anderer zu nhren.Narzimus ist ein gutes Beispiel dafr. Andererseits mssen solche Tendenzen nicht dieFolge von Entbehrung sein, sie knnen angeboren sein, so wie beim Psychopathen.

    Ein Verftterungsmechanismus erfordert sehr oft mindestens eine passive Teilnahmebeider Parteien. Der Austausch kann mehr oder weniger unausgewogen sein, dochgewhnlich gibt es wenigstens einigen symbolischen Ausgleich vom Fresser an denGefressenen, um die Beziehung aufrecht zu erhalten. Das kann aus verschiedenenDingen bestehen, abhngig davon, was der Ausgebeutete am meisten begehrt und wofrer am meisten bereit ist seine Seele zu verkaufen. Beim Verftterungsmechanismus wirdgewhnlich ein nobles Gefhl des Opfers als Hebelkraft benutzt. Dies kann Mitleid frden Fresser sein, ein familires Verantwortungsgefhl, ein Pflichtgefhl, dieUnterdrckten zu verteidigen, jegliche Art von Schuldgefhl, usw. DerVerftterungsmechanismus kann das Benutzen eines Anderen fr materielle Vorteilebeinhalten, das ist jedoch nicht notwendigerweise hauptschlicher Inhalt. Aufmerksamkeitzu bekommen und den emotionalen Zustand der Opfers zu kontrollieren kann vielwichtiger sein. Der Verftterungsmechanismus ist zweifellos eine eigenntzige (STS)Aktivitt. Ermutigt man die Verftterungsmechanismus-Gewohnheiten von Anderendadurch, bereitwilliges Futter zu sein, frdert man im Allgemeinen die Ursache von STS.

    Der Verftterungsmechanismus hat die Tendenz, sich in eine Nahrungskette oder-pyramide anzuordnen. Der Verftterte des einen strebt danach, seine psychischenReserven aufzufllen, indem er seinerseits andere frisst. Dies ist gewhnlich der Grundwarum Mibrauch und Unterdrckung stets weitergereicht werden. Jegliche Verteidigungdagegen, gefressen zu werden, muss darauf basieren, dass die Mglichkeit, dass dastatschlich geschieht, berhaupt in Betracht gezogen wird. Um festzustellen, ob esgeschieht, kann man sich einer solchen Situation entziehen, um zu sehen, ob es einen

  • Unterschied macht. Falls das nicht mglich ist, kann man seine Anstrengungen in derSelbstbeobachtung intensivieren. Symptome des gefressen werden beinhaltengewhnlich emotionale Reaktionen oder Vernderungen des Energielevels. Da diesejedoch zusammen mit vermindertem Interesse, der verminderten Fhigkeit zu denken undzunehmender Subjektivitt auftreten, ist es problematisch, diese zu entdecken. Emotion istdas Futter in einer Verftterungsdynamik. Um nicht Futter zu sein, sollte man keinerleiemotionale Reaktion oder eine gnzlich unerwartete Reaktion uern. Das ist schwierig,da die Leute gewhnlich Geschpfe von mechanischer Gewohnheit sind und auerdemabhngig von emotionalen Reaktionen. Es ist gut mglich, dass es eine Sucht wird, Futterzu sein. Wird man bspw. durch Mitleid manipuliert, kann man sich wichtig undgebraucht und nobel fhlen, was die eigene subjektive Wichtigkeit des Egos verstrkt,obwohl man in Wirklichkeit nur ausgenutzt wird. In der Situation einer Verftterung wirdder Futterquelle ein gewisses psychisches Ansthetikum injiziert, so dass die wirklicheNatur der Interaktion von anderen Chemikalien berdeckt/getarnt wird. Verftterungs-szenarien mit gegenseitiger Abhngigkeit sind eine authentische Mglichkeit. Co-Abhngigkeit oder sadomasochistische Beziehungen knnen ein Beispiel dafr sein.

    Verftterungs-Gewohnheiten der Menschen sind fr gewhnlich tief verwurzelt und oftunbewusst oder werden zumindest beiseite geschoben, selbst wenn man sich ihrer aufeiner gewissen Ebene bewusst wre. Nicht alle Ruber sehen sich selbst als solche. Siewerden gewhnlich versuchen, die ganze Situation zu verdrehen, wenn sie mit Beweisenfr ihr Verhalten konfrontiert werden. Es ist am besten, sich emotional oder physisch ausder Situation zu entfernen. Eine Vernderung in Menschen ist sehr selten und geschiehtniemals ohne Arbeit an sich selbst. Neue Tricks oder konditionierte Reaktionen zuerlernen, verstohlener zu werden oder vorzutuschen, man habe sich gendert, wird indiesem Sinne nicht als Vernderung betrachtet. Im Falle eines ernsthaften, gemeinsamenAngriffs durch andere ist es oft effektiv, den Angreifer nicht direkt anzugehen, sondernvielmehr die ganze Situation ffentlich zu machen. Der Verftterungsmechanismus sttztsich zu einem gewissen Grad auf das verdeckte Tun.

    Der Mythos des Vampires legt dar, dass die Opfer von Vampiren ebenso Vampire werden.Dies ist eine passende Allegorie. Das bedeutet nicht einfach nur, dass sie ihre verloreneEnergie kompensieren mssen, indem sie sie wiederum von anderen nehmen. Es bedeutetauch, dass sie in ziemlich konkretem Sinn die Weltsicht des Vampires bernehmen, mitseiner einzigartigen Subjektivitt und Gier nach Empfindungen. In metaphysischenBegriffen kann man davon sprechen, in einen Wirbel hineingesogen zu werden, der sichspiralfrmig nach unten in das Gedankenzentrum des Dienst am Selbst (STS) schraubt.Ein Vampir hat kein oder wenig objektives Ich-Bewutsein. Er lebt in einem konstantenZustand der Identifikation mit dem Fressen und dem immer mehr zu kriegen, um diesubjektiven Verlangen seines Selbst zu befriedigen. Befindet man sich in diesem Zustand,wird man sich eher nicht mehr selbst-erinnern und wird weniger Bewutsein haben, umdie Spirale stoppen zu knnen. Das ist der Grund, warum diese Dynamiken hufig inKrise und Zusammenbruch kulminieren. Da der Verftterungsmechanismus von Naturaus Nahrungsketten bildet, sind die menschlichen Ruber nicht die letzten Nutznieer.Vielmehr werden die gesammelten psychischen Energien aus allen persnlichen Dramendes Verftterns tendenziell in die hheren Dichten der STS-Krfte geschleust. Ihre

  • menschlichen Agenten sind ebenfalls Futter und machen gewhnlich einen Proze despsychischen Verfalls durch. Dies ist noch eine weitere Bedeutung des Diktums Machtkorrumpiert.

    MATRIX-KONTROLLSYSTEMIn Anlehnung an den gleichnamigen Film aus dem Jahre 1999 wird der Begriff Matrix alsSammelbezeichnung fr die heutige Realitt unserer Erde verwendet. Er drckt folgendeMerkmale aus: Menschen verstehen nicht, dass sie sich innerhalb eines Gefngnissesbefinden. Sie werden dazu animiert, subjektiv, selbstgefllig, materialistisch undkleinmtig zu sein. Menschen dienen hheren Krften auerhalb der Matrix als Rohstoffe,auch bekannt als Nahrung fr den Mond. Durch Gruppenarbeit und die profundeErkenntnis, dass das Leben eines Jeden nahezu komplett aus Lgen und Illusion besteht,offenbart sich eine winzige Chance des Erwachens. Selbst bereits bestehende positiveImpulse wurden in ihrer Natur durch falsche, aus der Umgebung aufgenommeneGlaubensstze entstellt. In Wirklichkeit mgen die Menschen in der Matrix grtenteilsihre Gefangenschaft und werden sie sogar verteidigen. Die Matrix vermag jedendenkbaren Einfluss in das Leben der Menschen zu nehmen, um sie im Zaum zu halten;mit Zuckerbrot und Peitsche, berwiegend zu subtil, um zweifelsfrei erkannt zu werden.Siehe auch: A-Einflsse (zur Zeit noch nicht bersetzt). Da die Matrix nicht genauumrissen ist und da sie ein fundamentales Element unserer Realitt bildet, wird sie wedervon Menschen gesehen noch suchen die Menschen im Stadium ihres Schlafes etwasauerhalb der Matrix. Wenn wir ber diese Allegorie hinausgehen, sehen wir, dass dietatschliche Matrix aus mehreren Stufen besteht. Die erste und unmittelbare Stufe stellenpolitische Kontrolleinflsse und konkrete Machtstrukturen dar. Die zweite Stufe bildenkulturelle Werte und Religionen. Darber hinaus existieren aller Wahrscheinlichkeit nachInstanzen wie Geheimgesellschaften in Verbindung mit groen Geldeinflssen,militrisch-industrielle Komplexe, Kirchen und soziale Einrichtungen. DieseStrippenzieher sind jedoch nicht Teil der erkennbaren Regierung. Solche Strukturenknnen wiederum selbst in mehrere Stufen aufgegliedert sein. Auf einer bestimmtenEbene existieren hchstwahrscheinlich Parteien, die direkt mit sogenannten Aliens oderSTS-Mchten der 4. Dichte zusammenarbeiten. Die oben genannte Struktur hlt ihreKontrolle durch diverse Mittel aufrecht. Allerdings sehen wir nicht die Notwendigkeiteiner direkten, alles beherrschenden Gedankenkontrolle, da lang erprobte Methodenpolitischer Manipulation, Ansporn zu Patriotismus und Religion, Untergrabung derBildung, Frderung der Armut und hnliche Techniken dem Anschein nach vlligausreichen. In einigen Fllen knnte zielgerichtete Gedankenkontrolle real werden,darunter fallen technisch realisierte Erscheinungen, knstliche telepathische Nachrichten,Greenbaum-Programmierung, u.v.m. Die tiefste und metaphysischste Ebene dieserRealitt ist fr uns nicht wahrnehmbar. Gem den Aussagen der Cassiopaeaner wurdediese Einschrnkung von den Besitzern dieses Planeten in die Genetik der Menscheneingearbeitet. Die Legende vom Fall aus Eden ist die allegorische Wiedergabe derInstallation dieses tiefgreifenden Kontrollsystems. Das Kontrollsystem agiert von der 4.Dichte aus. Es kann in unserer Realitt in gewissen Zeitrumen zu einem Durchscheinen

  • der 4. Dichte kommen. Im Cassiopaea Material19 bezieht sich diese Beschreibung aufverschiedene anomale Wahrnehmungen und Effekte. Die Idee besteht darin, dass zubestimmten Zeiten die Grenzen zwischen der 3. und 4. Dichte so dnn werden, dassWahrnehmungen und Naturgesetze beginnen, sich etwas flieend zu verhalten. Beispielesind etwa anomale Krperempfindungen wie Hitze, die sich mit keinem Thermometernachweisen lsst, Dinge von allen Seiten zur gleichen Zeit zu sehen, die Wahrnehmungvielfacher Realitten, die ineinander bergehen und so weiter. Wiederholte 4. Dichte-Aktivitten in einer bestimmten Region der 3. Dichte knnen solch ein Durchscheinenbegnstigen. Die Cassiopaeaner sagen, dass dies etwa bei unterirdischen Basen, die vonWesen der 4. Dichte genutzt werden, auftritt wie etwa jene in New Mexico. Ebenso kannes als eine Art Nebenwirkung von Entfhrungen, Channelings, sowie vieler andererFaktoren auftreten. Wie Ouspensky sagt, setzt ein Wunder nicht die Naturgesetze auerKraft, sondern es bedeutet nur eine Manifestation von Gesetzen einer hheren Ebene aufeiner niedrigeren. Wenn Gott nach Belieben die Naturgesetze widerrufen bzw. verndernwrde, dann htte es wenig Sinn gehabt, sie berhaupt erst zu erschaffen. Das bedeutetjedoch nicht, dass in einigen Fllen die Gesetze einer hheren Welt nicht in einerniedrigeren auftreten knnen.

    STS UND DAS BEWUSSTSEIN DES RUBERS

    [Hinweis: Das Ruberbewutsein ist mit den archetypischen Kraftfelder der 7 Todsndenund ihrer planetaren Einflsse identisch.]

    Dies ist Castanedas20 Begriff fr das, was den Menschen auf das Gedankenzentrum desDienstes am Selbst, STS, ausrichtet. In Castanedas Das Wirken der Unendlichkeit erzhlt DonJuan von Kreaturen kondensierter Dunkelheit, die im Strudel der Zeit auf die Erdeeinmarschieren; die sogenannten Flieger, die den Menschen als Nahrung benutzen.Die Schlsselidee ist, dass diese kosmischen Ruber den Menschen ihr Bewusstseingegeben haben. Dies ist vernnftig in Anbetracht vielen anderen Materials. Auf dermenschlichen Ebene sorgt ein System basierend auf Ausbeutung, Konsum und Kontrolledafr, dass die Leute diesem Bild entsprechend geformt werden: Der Sklave trumt eherdavon, selbst der Herr zu werden, als davon, die Sklaverei abzuschaffen. JedeOrganisation, die auf Dominanz basiert, nimmt von Natur aus die Form einer Pyramideein, mit Wenigen oben und den Meisten unten. Damit ein Mensch sich unten oder inmanchen Fllen in den mittleren Ebenen der Pyramide aufhalten kann, muss er ebenfallsdie Attribute der Herrscher besitzen, blo auf reduziertem Mastab.

    Viele gechannelte Quellen heben hervor, dass, whrend STS Wesen auf metaphysischerEbene alles essen was sie wollen, die Energie, die von STO-orientierten Wesen ausgeht,nicht essbar ist.

    Castanedas Schriften beschftigen sich zu einem groen Teil mit Wegen, sich selbst inBezug auf Energie und freien Willen vor einem solchen System zu behaupten, bzw. sichdavon zu befreien. Der Kampf findet zu einem groen Teil innerlich statt. Man musszuerst den eigenen, inneren Ruber demaskieren und ihm entgegentreten. Ansonsten19 Knight-Jadczyk, Laura Die Welle. Vol. 1-520 https://de.wikipedia.org/wiki/Carlos_Castaneda

  • laufen die eigenen, ueren Handlungen sogar wenn sie guten Absichten entspringen im Paradigma und Modus des Rubers ab. Der innere Ruber kann extrem subtil sein.Dennoch hat er einige generelle erkennbare Charakteristiken: Castaneda drckt esfolgendermaen aus:

    Sie [die Zauberer des alten Mexiko] entdeckten, dass wir einen lebenslangenBegleiter haben, sagte er mit groer Klarheit und Deutlichkeit.

    Es ist ein ruberisches Wesen, das aus den Tiefen des Kosmos kam und dieHerrschaft ber unser Leben an sich gerissen hat. Die Menschen sind seineGefangenen. Dieser Ruber ist unser Herr und Meister. Er hat uns fgsam und hilflosgemacht. Wenn wir protestieren wollen, unterdrckt er unseren Protest. Wenn wirunabhngig handeln wollen, verlangt er, dass wir darauf verzichten. []

    [] Du bist allein und aus eigener Anstrengung auf das gestoen, was dieSchamanen im alten Mexiko das Thema aller Themen nannten, sagte Don Juan. Ichhabe die ganze Zeit sozusagen bei dir auf den Busch geklopft und wiederholtAnspielungen darauf gemacht, dass uns etwas gefangenhlt. Wir sind in der TatGefangene! Fr die altmexikanischen Zauberer war das eine energetische Tatsache.

    [] Sie haben die Herrschaft bernommen, weil wir Nahrung fr sie sind. Und sienehmen uns erbarmungslos aus, weil wir ihr berleben sichern. So wie wir Hhner inHhnerstllen halten, in Gallineros, so halten uns die Ruber in Menschenstllen,in Humaneros. Auf diese Weise haben sie ihre Nahrung stndig zur Verfgung. []

    [] Ich wende mich an deinen analytischen Verstand, sagte Don Juan. Denk einenAugenblick nach und sag mir, wie du den Widerspruch zwischen der Intelligenz desMenschen als Techniker und der Dummheit des Systems seiner berzeugungenerklrst oder der Dummheit seines widersprchlichen Verhaltens. Die Zaubererglauben, dass die Ruber uns das System unserer berzeugungen, unsereVorstellung von Gut und Bse, unsere gesellschaftlichen Sitten gegeben haben. Siebringen unsere Hoffnungen und Erwartungen hervor und unsere Trume von Erfolgoder Versagen. Von ihnen stammen Verlangen, Gier und Feigheit. Die Raubwesensind es, die uns zufrieden und egoistisch und zu Gewohnheitstieren machen.

    [] Um uns gehorsam, demtig und schwach zu halten, haben die ruberischenWesen zu einem ungeheuerlichen Manver gegriffen ungeheuerlich natrlich vomStandpunkt eines Kampfstrategen. Und es ist ein schreckliches Manver vomStandpunkt derer, die darunter leiden. Sie haben uns ihr Bewusstsein gegeben!Verstehst du? Die Ruber geben uns ihr Bewusstsein, das unser Bewusstsein wird. IhrBewusstsein ist verschlungen, widersprchlich, verdrielich und von der Angsterfllt, jederzeit entdeckt zu werden. Ich wei, du hast zwar nie Hunger gelitten, fuhrer fort, aber trotzdem hast du Angst um deine Nahrung. Und das ist nichts anderesals die Angst des Rubers. Er frchtet, seine Machenschaften knnten jeden Momentaufgedeckt und ihm dadurch die Nahrung entzogen werden. Durch das Bewusstsein,das schlielich ihr Bewusstsein ist, lassen die Raubwesen in das Leben der Menscheneinflieen, was immer vorteilhaft fr sie selbst ist. Auf diese Weise erreichen sie eingewisses Ma an Sicherheit, die als Schutzwall vor ihren ngsten steht.

    Castaneda erklrt weiters, dass Neugeborene mit einer leuchtenden Hlle an Bewusstseingeboren werden und dass es diese ist, die der Ruber frisst, bis zu dem Punkt, an dem nurnoch ein schmaler Rand brig ist. Dieser schmale Rand ist ausreichend, den Menschen am

  • Leben zu erhalten. Dieser schmale Rand ist des Menschen Selbst-Reflektion, in der derMensch unaufhebbar gefangen ist.

    [] Dadurch, dass die ruberischen Wesen mit der Selbstreflexion ihr Spiel treiben,bewirken sie ein momentanes Aufflackern des Bewusstseins, das sie dannrcksichtslos und ruberisch verschlingen. Sie legen uns alberne Probleme vor, diedas Bewusstsein zum Aufflackern zwingen. So halten sie uns am Leben, damit dieenergetischen Flammen unserer Pseudoprobleme sie ernhren.

    [] Sie [die Zauberer des alten Mexiko] kamen zu dem Schluss, dass der Mensch zueinem bestimmten Zeitpunkt ein vollstndiges Wesen gewesen sein muss, miterstaunlichen Erkenntnissen, Verstandesleistungen, die heute mythologischeLegenden sind. Und dann scheint all das verschwunden zu sein, und nun haben wireinen sedierten Menschen.

    Ich will sagen, dass wir es nicht einfach mit irgendeinem Ruber zu tun haben. Er istsehr intelligent und organisiert. Er geht nach einem methodischen System vor, dasuns nutzlos macht. Der Mensch, dem es bestimmt ist, ein magisches Wesen zu sein,ist nicht mehr magisch. Fr den Menschen gibt es keine anderen Trume mehr als dieTrume eines Tiers, das aufgezogen wird, um ein gewhnliches Stck Fleisch zuwerden: schwerfllig, konventionell, schwachsinnig. [] Die einzige Alternative frdie Menschheit ist Disziplin. Disziplin ist das einzige Abschreckungsmittel. MitDisziplin meine ich keine strengen Routinen. Ich meine nicht, dass man jedenMorgen um halb sechs aufsteht und kaltes Wasser ber sich kippt, bis man blau wird.Zauberer verstehen unter Disziplin die Fhigkeit, gelassen den Unkalkulierbarkeitenzu begegnen, die auerhalb unserer Erwartungen liegen. Fr sie ist Disziplin eineKunst. Es ist die Kunst, sich der Unendlichkeit zu stellen, ohne mit der Wimper zuzucken, und zwar nicht, weil sie stark und verwegen sind, sondern weil sie tiefeEhrfurcht empfinden.

    [] Die Zauberer sagen, dass Disziplin die leuchtende Hlle des Bewusstseins frden Flieger ungeniebar macht.

    [] Der grandiose Trick dieser Zauberer in alter Zeit, fuhr Don Juan fort, bestanddarin, dem Bewusstsein des Fliegers Disziplin aufzubrden. Sie fanden heraus, wennsie das Bewusstsein des Fliegers mit innerer Stille belasteten, floh der Fremdkrper.Damit wusste jeder, der diesen Vorgang durchfhrte, mit absoluter Sicherheit, dassdas Bewusstsein einen fremden Ursprung hatte. Ich versichere dir, der Flieger kommtzurck, aber er ist nicht mehr so stark wie zuvor, und es beginnt ein Prozess, in demes zur Routine wird, dass das Bewusstsein des Fliegers die Flucht ergreift, bis er einesTages endgltig flieht. Das ist dann ein trauriger Tag! An diesem Tag musst du dichauf deine eigenen Mittel verlassen, die praktisch gleich Null sind. Niemand sagt dir,was du tun sollst. Kein Bewusstsein fremden Ursprungs diktiert dir mehr denSchwachsinn, an den du gewhnt bist.

    Mein Lehrer, der Nagual Julian, hat alle seine Schler gewarnt und gesagt, fuhr DonJuan fort, dass dies der schwierigste Tag im Leben eines Zauberers ist, denn daswahre Bewusstsein, das uns gehrt, die Summe unserer Erfahrungen, ist durch dielebenslange Fremdherrschaft scheu, unsicher und unbestndig geworden. Ich wrdesagen, dass der wahre Kampf der Zauberer in diesem Augenblick beginnt. Allesandere ist nur die Vorbereitung darauf. []

    [] Das Bewusstsein des Fliegers flieht endgltig, sagte er, wenn es einem

  • Zauberer gelingt, die Vibrationskraft zu packen, die uns als ein Konglomerat vonEnergiefeldern zusammenhlt. Hlt der Zauberer den Druck lange genug aufrecht, istdas Bewusstsein des Fliegers besiegt und flieht. Und genau das wirst du tun. Du wirstdich an der Energie festhalten, die dich zusammenfgt.

    Castanedas Darstellung stimmt in vielen Punkten wesentlich mit anderen Traditionenberein. Wir werden Castaneda kurz mit anderen Quellen, die in unserer Arbeit diskutiertwerden, vergleichen:

    Das Eindringen der Ruber wrde grob dem Fall (der Vertreibung aus dem Paradies)entsprechen. Die Cassiopaeaner haben davon gesprochen, dass der Mensch sich vonfrheren Fhigkeiten abgeschnitten wiederfindet, als wre er durch ein schweresSchdeltrauma benommen; all dies ist reflektiert in der zerhackten DNA. Die Wahl dererhhten Physikalitt und des Dienstes am Selbst, STS, luft im Wesentlichen daraufhinaus, das Bewusstsein des Rubers sogar einzuladen. Gurdjieffs Organ Kundabuffernhert sich der Thematik von einer anderen Seite. Laut ihm wurde das Organ gewaltsamin den Menschen installiert, um ihn allgemein der Realitt gegenber zu ansthetisierenund das Unbedeutende groartig und das Groartige als unbedeutend zu betrachten.Dieses Ereignis wird ebenfalls so geschildert, dass es ganz zu Anfang der menschlichenExistenz auf der Erde stattgefunden hat, als Antwort auf eine kataklysmische Situation.Wiederum finden wir eine radikale Verschiebung der Wahrnehmung zusammen miteinem Kataklysmus auftretend. In Gurdjieffs Beelzebubs Erzhlungen begegnen wir demdurchgehenden Thema von Schwingungen, die von der Erde bentigt werden. WennMenschen nicht die entsprechende Qualitt [der Schwingungen] bewusst produzieren,sorgt die Natur durch Verschiebung der Umstnde fr zufllige Schocks, die das bentigteAufflackern des Bewusstseins bzw. die hheren Wasserstoffe zur Verfgung stellen.

    Der Ruber fttert den Menschen mit Problemen und Krisen ber Krisen.[Castaneda]

    Planetarische Einflsse arrangieren Kriege und Katastrophen einfach nur, um diebentigten Schwingungen zu erlangen. [Gurdjieff ]

    Der Mensch kann seine Rolle auch bewusst spielen, zumindest theoretisch, und kannsomit frei von diesen willkrlichen Einflssen werden und dem Universum in andererWeise dienen, schlgt Gurdjieff vor.

    Der Mensch wird geistig gesund geboren und wird von der zeitgenssischenErziehung verdorben, von der er die Werte von Ego, Heuchelei, Selbstberuhigung,Klugschwtzerei , Eitelkeit und Selbstliebe eingeschrft bekommt. [Gurdjieff ]

    Wenn der Mensch das Erwachsenenalter erreicht, ist nur der Rand der leuchtendenHlle des Bewusstseins brig, der kaum die Zehen bedeckt. Dieser Rand ist dasZentrum der Selbst-Reflektion, das einzige Bewusstsein, das dem Menschengeblieben ist. [Castaneda]

    Die Cassiopaeaner und Ra sprechen an vielen Stellen vom menschlichen Bewusstsein, dasvielerorts Nahrung ist. Um keine Nahrung zu sein, muss man sich innerlich verndern.Diese Quellen nennen dies Ausrichtung auf STO und Objektivitt. Castaneda nennt es

  • Disziplin, Untadeligkeit, ein Krieger zu sein, der darum kmpft, frei zu werden. Gurdjieffnennt es objektive Vernunft, Unvoreingenommenheit, Sein zu erlangen, objektivesBewusstsein, und einfach so zu sein, wie ein Mensch sein sollte. Es gibt aber noch weitereParallelen. Castanedas Zauberer/Schamane, der erreicht hat, das Bewusstsein des Rubers indie Flucht zu schlagen, ist Gurdjieffs Beschreibung des Wahren Ichs hnlich, wenn es zumersten Mal durch den Schleier der Persnlichkeit flchtig erblickt wird. Es ist klein,unsicher, unbestndig und beweglich. Es zu nhren und die Persnlichkeit durch Schocksmit ihm zu vereinen, ist ein Charakteristikum aller hier diskutierten Wege.

    STO UND GEBENLaut dem Cassiopaea Material, gibt ein STO-Wesen alles jenen, die danach fragen. Daslsst die Frage aufkommen, was mit Geben und was mit Fragen gemeint ist und wer dietatschlich Beteiligten des Austauschs sind. Der Kern der Sache liegt im Unterschiedzwischen Fragen und Manipulation. Manipulation trachtet nach der Kontrolle ber denManipulierten und beschneidet somit per Definition seinen Freien Willen. Fragen ist eineoffene Bitte, die die Antwort ganz dem Befragten berlsst. Manipulation impliziertgenerell eine versteckte Absicht, whrend Fragen das generell nicht tut. DieUnterscheidung der beiden ist schwierig und nicht immer eindeutig. Hinzu kommt, dassder Mensch allgemein nicht als ein einziges, in sich einiges Wesen fragt oder manipuliert.Vielmehr ist der Mensch eine Mischung aus sich widersprechenden Programmen undImpulsen, wobei manche zu STS und manche vielleicht zu STO tendieren. DieAnwendung von Manipulation verstrkt generell die STS-Orientierung desManipulierenden. Um also STO zu leben, ist Manipulation zu vermeiden. Wenn einMensch fragt, kann das uerst zweideutig und widersprchlich sein. Zum Beispielknnten manche in Wahrheit danach fragen, abgelehnt zu werden, wenn sie bertriebeneForderungen stellen. Mit der richtigen Scharfsinnigkeit ist man in der Lage, dem STO-Teildes Anderen zu geben und sich dem STS-Teil derselben Person zu verweigern.Manipulation abzulehnen kann als ein Gefallen fr jenen Teil des Anderen angesehenwerden, der nicht beabsichtigt auszunutzen sollte es so einen Teil im Anderen geben.Wir knnten z.B. Lgen als indirektes Fragen nach Wahrheit betrachten. Demnach wrdealles zu geben an diejenigen, die fragen bedeuten, dass man allen Dingen das zukommenlsst, was ihnen gebhrt, jeweils in bereinstimmung mit dem Prinzip des Dienstes anAnderen, STO. Der Schlssel liegt hier in der Erkenntnis der wahren Natur desFragens/Bittens/Manipulierens.

    Wie bei jedem anderen allgemeinen Prinzip kann auch dieses nicht mechanisch, d.h., ohnedas Bewusstsein ber den Gesamtzusammenhang, angewendet werden. Whrend wirunter Geben einen Austausch zwischen Menschen verstehen, ist die Idee nicht hieraufbeschrnkt. Wir knnen es auch als ein Geben an ein Prinzip verstehen, z.B., sein Lebeneinem gewissen Zweck zu widmen. Wir knnten sagen, dass das zur Verfgung stellenvon STO-orientierter esoterischer Information ein Geben an das Prinzip des freien Willensist. Dies kann einerseits eine Antwort auf eine Haltung spirituellen Suchens und Fragenssein, das bei Menschen entsteht, die oftmals von den Religionen oder der New AgeGlaubensvorstellungen enttuscht sind. Andererseits kann es eine Antwort auf jene Lgenund Halbwahrheiten sein, die vom Kontrollsystem unter dem Mantel eben jener

  • Bewegungen gefrdert werden. In dieser Welt der vermischten Inhalte knnen die Motivefr das Geben, ob nun zur persnlichen Befriedigung oder als ein Ausdruck derAusrichtung an einem unpersnlichen Prinzip, oftmals nicht unterschieden werden undtauchen auch nicht getrennt auf. Reine Ausdrucksformen von STO oder STS sind selten.

    Aus dem RA-Material:

    Ra: Ich bin Ra. Stellt euch, wenn ihr wollt, euren Geist vor. Stellt ihn euch dann invlliger Einheit mit jedem anderen Geist eurer Gesellschaft vor. Ihr besitzt dann eineneinzigen Geist und das, was vorher eine schwache elektrische Ladung in eurerphysischen Illusion war, ist nun eine sehr mchtige Maschine, mit Hilfe dererGedanken als Dinge projiziert werden knnen. In dieser Weise attackiert die OrionGruppe die mit Licht bewaffnete Konfderation. Das Resultat hiervon ist ein Patt, wieihr es nennen wrdet. Beide Energien haben sich hierdurch ein wenig erschpft undmssen sich neu organisieren. Die negative Energie hat sich durch ihr Versagen zumanipulieren erschpft, die positive Enerige hat sich erschpft durch ihr Versagen,das zu akzeptieren, was gegeben ist.

    Fragesteller: Knntest Du die Bedeutung von Versagen, das zu akzeptieren, wasgegeben ist nher ausfhren?

    Ra: Ich bin Ra. Auf jener Ebene von Zeit/Raum, wo dies in einer Form stattfindet, dieman Gedanken-Krieg nennen knnte, wre die akzeptierenste und liebenste Energieeine solche, die jene, die zu manipulieren trachten, so liebt, dass jene Wesenheitendurch positive Energien umgeben und umflutet, transformiert wrden. Da es sichjedoch um einen Kampf zwischen ebenbrtigen Gegnern handelt, ist sich dieKonfderation bewusst, dass sie es sich auf gleicher Basis nicht erlauben kann,manipuliert zu werden, nur um rein positiv zu bleiben. Denn dann, obwohl es reingewesen wre, htte es keine Wirkung, da sie dadurch von den sogenannten Krftender Dunkelheit unterjocht wrden. Daraus ergibt sich, dass jene, die diesenGedankenkrieg austragen, sich eher defensiv statt akzeptierend verhalten mssen,um ihre Ntzlichkeit im Dienst an Anderen bewahren zu knnen. Folgendermaenknnen sie nicht in vollem Umfang akzeptieren, was die Orion Gruppe gebenmchte, nmlich Versklavung. Folgendermaen geht einige Polaritt aufgrund dieserReibung verloren und beide Seiten, wenn man so mchte, mssen sich dannumorganisieren. Es ist fr keine Seite gnstig gelaufen. Die einzige Konsequenz, diehilfreich war, ist ein Ausgleich der auf diesem Planeten verfgbaren Energien, so dasses fr diese Energien weniger erforderlich ist, sich in dieser Raum/Zeit auszugleichen,was dadurch die Wahrscheinlichkeit einer planetaren Vernichtung verringert.

    STO UND NETZWERKENWhrend eigenntzige STS Wesen von Natur aus Hierarchien bilden, mit den Strksten undRcksichtslosesten an der Spitze, wrden uneigenntzige, im Dienst an anderen orientierteSTO Wesen ein Netzwerk bilden. Wie die Cassiopaeaner sagen wrden, ist das Konzept derVernetzung ein Vorgeschmack auf die 4. Dichte STO. Um die Idee in einen Kontext zubringen, knnen wir mit Gurdjieffs Definition einer Gruppe beginnen: In einer Gruppe istdas, was einer erringt, fr alle errungen, und was einer verliert, ist fr alle verloren. EineGruppe in diesem Sinne kann nur im Kontext esoterischer Arbeit existieren. Solch eineGruppe ist frei von Unstimmigkeit, nicht wegen einer Befehlsstruktur, sondern weildieselben Wahrheiten von allen gesehen werden. Wir knnen zwei Arten von

  • Gruppeneffekten unterscheiden: Der erste Effekt ist, wenn eine Gruppe auf die Ebene deskleinsten gemeinsamen Nenners absteigt, wie z.B. bei lynchenden Banden und anderenFllen von Massenhysterie. Wir knnen uns aber auch eine Situation vorstellen, in der dieganze Gruppe zur Gesamtsumme des Verstehens und der Kapazitten aller Mitgliederaufsteigt. Letzteres geschieht in kleinem Umfang in Teams, die eine gute Synergie aufweisen.Jedoch drckt die mangelhafte Qualitt der menschlichen Kommunikation und die Reibung,die aus den Persnlichkeiten hervorgeht, diesen Effekt nieder und beschrnkt in der Regelihren Horizont auf ein gut gebtes Gebiet, wie z.B. einen Mannschaftssport oder wie beieinem Orchester.

    Die Hoffnung der esoterischen Arbeit ist es, diese Effekte zu vergrern und allumfassendzu machen. Dies zu erreichen wird manchmal Gemeinschaft von Heiligen genannt. Diesgeht ber ein soziales Phnomen hinaus und umfasst das Teilen der Substanz des Wissensoder der hheren Wasserstoffe, das in der Gruppenarbeit hervorgebracht wird. Imallgemeinen knnen wir sagen, dass eine Gruppe all das verstrkt, was ein bestndigmiteinander geteiltes und angewendetes Prinzip der Gruppe ist. Dies hat jedoch einenHaken: Wir finden hufig, speziell im Internet, New Age Gruppen, die in gewissem Sinneoffen sind, aber wo der Austausch entartet wenn nicht in einen schreienden Wettstreit,dann in einen subtileren, verftternden, flehenden oder manipulierenden Disput. Es scheint,dass innere Arbeit, um das Signal zu veredeln und das Selbst zuerst zu reinigen,Voraussetzung fr eine Gruppe ist, um alles auer Subjektivitt zu verstrken. Frgemischte, in erster Linie eigenntzige Wesen, wie die Menschen es heutzutage sind, machtunberlegtes Teilen von Allem einfach nur Lrm. Sehr viel Aufmerksamkeit ist erforderlich,damit die Mitglieder zuerst sich selbst berwinden und sich dann in einer Weise verhalten,die annhernd STO orientierten Wesen entspricht, also nicht gem ihrer Standardimpulse.Abermals, zu entscheiden was in welchem Fall den Dienst an Anderen ausmacht, ist eineFrage fr sich, aber eine gewisse Fertigkeit oder ein Gespr dafr kann sich durch bungentwickeln.

    In der Praxis bedeutet ein Netzwerk nicht die Austauschbarkeit aller Mitglieder. Das ist nichtmachbar, noch ist es das Ziel. Eine hnliche Ebene der Entwicklung erreicht zu habenimpliziert nicht die Identitt einer Persnlichkeit oder eines Gruppendenkens, sondernimpliziert das Bemhen, dieselben Erkenntnisse zu sehen. Eine Gruppe kann Spezialisierungmit sich bringen, und Lehrer und Schler beinhalten, aber sie ist laut Definition einefreiwillige Struktur und existiert nicht zum Vorteil eines einzelnen Mitglieds oder einerUntergruppe. Stattdessen knnte eine solche Gruppe existieren, um eine spezifischeesoterische Aufgabe zu erfllen, wie sie gerade fr Zeit und Kontext erforderlich ist. DasKonzept des Zurckgebens wird im Vierten Weg betont. Da das Prinzip vom Dienst anAnderen (STO) eine Balance reprsentiert, durch die Idee des Dienst-am-Selbst-durch-Dienst-an-Anderen, bentigt dieses Prinzip eine Wechselsei-tigkeit, um funktionieren zuknnen. Balance kann nicht durch Gesetzgebung erlassen werden, sondern kann natrlichauftreten, wenn die Teilnehmer in die gleiche Richtung gehen, d.h., wenn sie kollinear sind.Fr den Aufstieg in die 4. Dichte bietet ein Netzwerk deutliche Vorteile gegenber demarbeiten im Alleingang. Die Mitglieder knnen sich gegenseitig vervollstndigen, auch wennihre eigene Schwingungs-Reinheit nicht perfekt ist. Um in die 4. Dichte STS zu graduieren,mssen die Anwrter im Allgemeinen alleine arbeiten, weil die bloe Idee des Dienstes amSelbst (STS) das Teilen allgemein als nicht wnschenswert betrachtet.

  • ERKENNE DICH SELBST. DER SCHLSSEL ZUROBJEKTIVEN WELTANSCHAUUNG UND DER WEGAUS DER MATRIX21

    Mit den Lsungen die berall prsentiert werden, sei es durch den politischen Zirkus,spirituelle Fhrer oder progressive Bewegungen, welche "nachhaltige Lsungen" anbieten,scheinen viele Menschen einen Plan zu haben, wie man die Welt in Ordnung bringenkann. Andere wiederum sagen "alles ist genauso wie es sein soll" und alles was wir tunmssen ist mit dem Fluss zu gehen sich auf Liebe und Licht zu fokussieren und alleswird gut.

    KNOW THYSELF. Aktivieren Sie den deutschen Untertitel indem Sie auf"Untertitel aktivieren" klicken und "Deutsch" whlen.

    Visionre Ideen sind gut und wichtig, aber Hoffnungen welche auf Idealen basieren,knnen zu Nichts zerfallen, wenn es kein Fundament gibt auf der diese aufbauen. Diebekannte Auffassung ist, dass wir tun, handeln oder whlen mssen. Und esscheint als ob die meisten Leute mchten, dass ihnen jemand sagt was sie tun sollen, sodass sie nicht zu viel fr sich selbst denken mssen. Die Frage jedoch ist: Was sind wirwirklich in der Lage zu tun wenn wir uns nicht einmal selbst kennen? Was ist dieMenschheit? Ja, wir sind alle eins, aber sind wir wirklich alle innerlich dieselben? Sehen,denken und fhlen wir alle gleich? Wer ist in der Lage zu sagen was gut fr die Welt istund was nicht? Die Probleme die unsere Welt heimsuchen - die Zerstrungen, Gier,Genozid, konomische Kernschmelzen, knnen und werden nicht vom Menschen gelstwerden, solange er sich nicht selbst ins Angesicht sieht und die Arbeit beginnt, Wissenber das Selbst jenseits der Ego-Anbetung zu erlangen. Die Menschheit ist durch Kultur,Gesellschaft, Religion, Medien, Nationalismus, Bildung, Regierung und alle Arten vonillusorischen Vorstellungen tief konditioniert. Bevor wir irgendwelche Lsungen anbietenknnen, mssen wir uns dieser Konditionierungen bewusst werden und die ntige Arbeittun, uns selbst zu verstehen, mit unserem mechanisch-reaktivem Verhalten, emotionalenSchten und unserer Voreingenommenheit, Informationen automatisch abzuweisenwelche im Konflikt mit unserer konditionierten Weltsicht stehen. Aufrichtige Arbeit amSelbst erfordert Anstrengung und Mut, da man der gesellschaftlichen Konditionierungenund Programmierungen, als auch den Lgen, die man sich selbst erzhlt um dazu zugehren ins Auge sehen muss. Wenn man aufrichtig ist mit sich selbst, wird dieserProzess einen unweigerlich zur Konfrontation mit den Lgen in der Welt fhren. Manwird beginnen die Welt mehr so zu SEHEN wie sie IST, und nicht wie man sie mag, siesich wnscht oder sich vorstellt wie sie sei. Dies hat einen Anstieg des Bewusstseins undder Bewusstheit zur Folge. Eine Bewegung von Subjektivitt hin zu einer objektiverenSicht, das falsche konditionierte Selbst fallen lassend und sein hheres Selbst umarmend,welches auf Wahrheit, Wissen und in der Essenz auf Liebe basiert, welche eine hhere

    21 http://de.sott.net/article/13911-Erkenne-dich-selbst-Der-Schlussel-zur-objektiven-Weltanschauung-und-der-Weg-aus-der-Matrix

  • Ebene des Seins ist und nicht etwa ein emotionaler Zustand. Je mehr wir uns selbst unddie Welt objektiv betrachten, desto weiser wird unsere Wahl werden und unsere darausresultierenden Handlungen werden einen andauernden positiven Einfluss haben. DieseArbeit muss innen wie auen durchgefhrt werden, denn beide sind miteinanderverbunden. So wie Neo im Film Die Matrix erwacht, ist der Anblick nicht unbedingtangenehm sobald die Illusionen, Puffer und Programme aus den Fugen geraten sind. Nurdie Wahrheit wird uns befreien. Sobald wir SEHEN, insbesondere die unangenehmenAspekte unserer Realitt, die von so vielen so gerne ignoriert werden, werden wir einbesseres Verstndnis dafr haben, was zu TUN ist.

    Erwachen ist nur fr diejenigen mglich, welche essuchen und wollen, fr diejenigen, welche, um es zuerreichen, bereit sind sich fr eine sehr lange Zeitund sehr beharrlich, mit sich selbst auseinan-derzusetzen und an sich selbst zu arbeiten. ~ G.I.Gurdjieff

    Die Notwendigkeit der Selbsterkenntnis wurdedurch viele weise Menschen und alte Lehren,berall auf der Erde, ber Tausende von Jahrenbermittelt. Die Tiefe dieser Lehren und dieerforderliche Arbeit um hhere Bewusst-seinszustnde zu erlangen wird jedoch heute inder New Age Arena und den Bewusstseins-Bewegungen verzerrt und verwssert. Manchevon ihnen machen dies sogar mit Absicht, um dieMenschen von der Wahrheit fern zu halten. Vonden herrschenden Krften an der Macht wirdDesinformation nicht nur verwendet umpolitische Parteien und fortschrittliche Organi-sationen zu infiltrieren, sondern auch die NewAge Bewegung.

    Als nchstes kommt die Manipulation spiritueller Werte und Richtungen. Es istabsolut kein Zufall, dass wir in den letzten Jahren einen neuen religisen Gedankenbeobachten. Die Religion der Duldung und Passivitt: Vertrauen in den Prozess. Wasauch immer passiert, ist das was passieren muss. Jeder hat Recht, wo er es braucht.Du leistest keinen Widerstand. Du gibst dein Einverstndnis. Widerstand ist negativsein, ist angstvoll sein, ist unbewusst sein. Ein groartiges Rezept, um dieEinheimischen davon zu berzeugen. Eine sehr gute, schlaue Form derManipulation.

    ~ M.V. Summers

    Seit ewigen Zeiten werden Religionen dazu verwendet Gesellschaften zu kontrollieren.Die New Age Bewegung mit ihren vielen verzerrten Lehren scheint die neue globaleReligion zu werden, welche die Menschen zu Selbstgeflligkeit und Konformitt mit

  • einem ber-vereinfachtem Verstndnis von Wir sind alle eins oder Alles, was wirbrauchen, ist Liebe fhrt. Viele Menschen glauben bereits, dass sie wach und bewusstsind. Tatschlich trumen jedoch viele dieser Menschen nur, dass sie wach sind, genausowie fundamentale Christen, die behaupten einen "direkten Draht zu Jesus" zu haben. Inder Tat gleicht das was wir heutzutage im New Age sehen, Anhngern dogmatischerReligionen: Blinder Glaube, Wunschdenken, emotionale Projektionen und das Fehlenkritischen Denkens. Das gilt auch fr viele Menschen die von sich glauben, wach zu seinweil sie auf einem DMT-Trip sind oder "magische" Erlebnisse mit Ayahuasca oder anderen"bewusstseinserweiternden" Substanzen gehabt haben. Der Neoschamanismus derheutzutage kursiert hat das was Schamanismus wirklich ist, grndlich verzerrt und in eineberdrehte Attraktion verwandelt, in der man nur ein paar Euros zahlen muss um einErlebnis zu haben. Sicherlich knnen Heilpflanzen etwas Einblick schaffen und inHeilungsprozessen helfen, so wie ich es auch selbst in meinem Leben erfahren habe.Jedoch knnen sie Menschen auch davon ablenken, was tiefe spirituelle und esoterischeArbeit wirklich ist. Es gibt auch viele Gefahren in energetischer, psychischer, physischerund anderweitiger Hinsicht wenn man versucht einen hheren Zustand des Bewusstseinsdurch Drogen zu erzwingen. Chemisch induzierte "Wohlfhlerlebnisse" sind kein Beweisfr die Wahrheit oder ein hheres Bewusstsein.

    "Die meisten Menschen die heutzutage an der Spiritualitt des Ostens interessiertsind, begehren das "Erlebnis"/die "Erfahrung", obwohl sie das worauf sie aus sind,eine intime Gemeinschaft mit Gott nennen mgen. Diejenigen die mit den Standardsund Normen von spirituellen Erfahrungen vertraut sind, die durch disziplinierteLehren wie dem Sufismus beschrieben werden, sind blicherweise entsetzt ber dieArt und Weise wie Menschen aus dem Westen jede Erscheinung aus dem Bereichauerhalb des normalen Bewusstseins herausgreifen und als eine Manifestation des"Spirituellen" ansehen. Tatschlich gibt es unzhlige Welten in der unsichtbaren Welt;einige von ihnen sind weitaus gefhrlicher als die schlimmsten Dschungel dersichtbaren Welt . [Al-Arabi selbst sagte:] "So bewahret euch, meine Brder, vor denUnglcken dieses Ortes, denn zu unterscheiden ist uerst schwierig! Seelen findenes s, und dann wenn sie drin sind, sind sie hinters Licht gefhrt worden, da siedann vollstndig davon verzckt sind."

    ~ William Chittick, The Sufi Path of Knowledge

    Um den Suchenden anzulocken enthlt wirksame Desinformation immer einen gutenAnteil an Wahrheit, und genug Lgen um die Person genau davon (Wahrheit/objektiveRealitt) wegzulenken und in einer subjektiven Tunnelsicht zu halten. Dasselbe kann vonden vielen Hilf-Dir-Selbst-Gurus gesagt werden und vielen anderen, welche behauptenden Weg zur Glckseligkeit und zum berfluss zu kennen. Sie sind hier um dir zuhelfen, dir selbst zu helfen, Techniken zu geben wie man Geld, eine erfllendeBeziehung, den perfekten Job, Liebhaber, usw., anzieht und manifestiert, whrend sieMillionen an der Verzweiflung der Menschen verdienen, welche nach Glckseligkeit undnach einem Ausweg suchen.

    Der Mensch braucht Resultate, richtige Resultate, in seinem inneren und uerenLeben. Damit meine ich nicht die Resultate nach welchen moderne Menschen

  • begehren, in ihren Versuchen der Selbst-Verwirklichung. Dies sind keine Resultate,sondern nur ein Umordnen des vorhandenen psychischen Materials, ein Prozess, dendie Buddhisten *samsara* nennen und unsere Heilige Bibel *Staub*.

    ~ Jacob Needleman

    Wenn man sich einige dieser Selbsthilfe-"Lehren" genauer anschaut, kann man sehen, dasssie hauptschlich an das Ego mit seinen subjektiven und konditionierten Wnschen undPuffern gerichtet sind. Sie frdern es und drngen darauf, den eigenen Begehren undWnschen zu folgen, ohne berhaupt erst einmal wirklich zu verstehen zu versuchen,woher diese kommen. In gewissem Sinne ist das, was heute als Spiritualitt und Arbeit amSelbst verkauft wird, so ziemlich das Gegenteil von dem, was uns die klassischenesoterischen Traditionen hinterlassen haben. Es ist eher eine Flucht, ein weiterer Puffer,um uns daran zu hindern die Welt und uns selbst so zu sehen wie sie ist. Es drngt denMenschen mehr in die Subjektivitt (alles zu ignorieren, was eine "Bedrohung" fr daseigene Glaubenssystem darstellt) seiner bereits konditionierten Persnlichkeit, anstatt sichin Richtung der Objektivitt des realen "Ich" zu bewegen, das nicht versucht der Weltseinen Willen aufzuzwingen, sondern aus Wissen, Wahrheit, objektivem Bewusstsein(hherer Bewusstseinszustand) und essentieller Liebe heraus handelt - wobei Liebe keineemotionale Fixierung ist. Wahre Arbeit am Selbst ist kein Spaziergang im Park, keinManifestieren von Wnschen und es ist nicht "seine eigene Realitt zu kreieren".

    Es gibt keine Bewusstwerdung ohne Schmerz. Die Menschen werden alles tun, egalwie absurd, um ihrer eigenen Seele nicht ins Angesicht sehen zu mssen. Man wirdnicht erleuchtet in dem man sich Figuren aus Licht vorstellt, sondern indemman sich der Dunkelheit bewusst wird.

    ~ Carl Gustav Jung

    Das bedeutet nicht, dass alle prominenten Autoren und Lehrer bewusst tuschen. Sieknnen selbst betrogen worden sein und verteilen die Desinformation daherunwissentlich, selbst wenn ihre Absicht wohlmeinend ist. Viele dieser Leute verstehenmehr ber Marketing und wie man sich selbst verkauft, als ber das Verstndnis vonspiritueller Arbeit. Es ist nicht alles schwarz oder wei, sondern Lgen sind mit Wahrheitvermischt. Unterscheidung ist daher der Schlssel. ber Tausende Jahre hinweg wurdedie Wahrheit ber unsere Welt und die Menschheit unterdrckt, daher wird sie sicherlichnicht in absehbarer Zeit auf RTL bekanntgegeben.

    In seinem Buch Pushing Ultimates: Fundamentals of Authentic Self-knowledge, schreibt LewPaz:

    James Hillman, dessen Arbeiten sich tiefgehend mit Jung'schen Archetypenbefassen, betrachtet die meisten therapeutischen New Age Methoden als Versagendarin, sich mit den wahren Komplexitten der Seele auseinanderzusetzen. Wirknnen diesen Mangel am wesentlichen psychologischen Gewahrsein bei vielenNew Age Autoren und Vortrgen sehen. Obwohl solche Redner im Fachwortschatzvon Hindu und Buddhismus spezialisiert sein mgen, die sich auf die Ebenen des

  • Bewusstseins beziehen, sprechen nur wenige mit jeglichem Hintergrundwissen berwestliche Kunst, Literatur, Poesie, Wissenschaft, Philosophie, und wie dieseWissensgebiete dazu beigetragen haben die weiteren Hhen und Tiefen derheutigen menschlichen Situation hervorzuheben. Viele [New Age Autoren] werdenberhmt weil sie in einem vereinfachendem Stil sprechen und schreiben,welcher das Komplexe und Beunruhigende in abgepackte Formeln unterbringt,was es mit dem spirituellem Wachstum angeblich auf sich hat. Dutzende solcherNew Age Autoren knnten ihre Werke in einem groen Band mit dem Titelzusammenfassen: Wie man sich der Tiefe seines Seins bewusst wird ohne dieRoutine seines komfortablen Lebensstils zu stren.

    ~ Lew Paz

    Die Notwendigkeit die Wahrheit in sich selbst und der Welt zu suchen und danach zuhandeln, muss von einem selbst kommen. Niemand kann es fr einen anderen machenund niemand kann jemand anderen dazu bringen es zu tun, bevor dieser Mensch nichtselbst anfngt zu erkennen, wie wertvoll die Zeit ist in der wir leben; und dann beginntdanach zu handeln und an sich selbst zu arbeiten. Nur wenn der Mensch sich selbstwirklich kennt, ist er in der Lage etwas zu Tun. Vorher ist der Mensch wie ein blinderMann der in einem Porzellan-Laden herumluft. Der freie Wille ist nicht wirklich freisolange der Mensch aus seiner konditionierten Persnlichkeit heraus handelt.

    Wenn man die Welt in ihrem jetzigen Zeitpunkt betrachtet sieht man Milliarden vonMenschen die sich blind in einem Porzellan-Laden verlaufen haben. Menschen die sichselbst nicht kennen werden weiterhin in einem selbst-auferlegtem Gefngnis leben, einemGefngnis ohne Gitter und Wnde, und ihre Fhrer als Heilsbringer verehren; wie ineinem globalem Stockholm-Syndrom, genau jene verehrend und verteidigend, welche sieeingesperrt halten. Sie werden zu Werkzeugen der Matrix, davon berzeugt, dass siefrei sind. Dabei reagieren sie aber nur mechanisch auf externe Einflsse (planetarische,soziale, kulturelle) und lebenslange (bzw. ber mehrere Leben hinweg) angesammelteKonditionierungen. Niemand ist davon ausgenommen und diejenigen die am lautestenschreien, wie "wach", "spirituell" und "bewusst" sie sind, sind in vielerlei Hinsichtverblendeter als sie selbst in der Lage sind sich einzugestehen. Nichts wird sich verndern,indem man einfach nur das neueste Verschwrungstheorie-Video postet oder weiterleitetoder indem man fragwrdige New Age Lehren und bedenklichen gechannelten Aussagenfolgt (welche in den meisten Fllen korrumpiert sind und den Menschen blo tiefer in denSchlaf fallen lassen), Meditationen ber Licht und Liebe betreibt, nach nachhaltigenLsungen strebt oder einfach nur mit ein paar Plakaten und Slogans protestiert. Ja,manches davon kann Samen der Bewusstheit hervorbringen und pflanzen, jedoch kommtVernderung letztlich nur, wenn WIR uns ndern und Lgen von Wahrheit unterscheiden,innen UND auen. Nur dann werden wir in der Lage sein, die Welt so zu sehen, wie sieist, ohne Filter der Verleugnung und Ignoranz, ohne Wunschdenken, falsche Hoffnungenund falschen Wahrnehmungen auf Grund unseres korrumpierten Seinszustandes. Um dieWahrheit in der Welt zu erkennen mssen wir die Wahrheit in uns selbst sehen und damitaufhren uns selbst anzulgen. Nur dann werden wir fhig sein zu wissen was zu tun ist,und danach zu handeln.

  • "Versuche einen Moment lang die Idee zu akzeptieren, dass du nicht bist, was du vondir selbst glaubst; dass du dich berschtzt, sogar dass du dich selbst belgst. Dassdu dich immer, jeden Moment belgst, jeden Tag, dein ganzes Leben lang. Und dassdich dieses Lgen derart beherrscht, dass du es nicht mehr kontrollieren kannst. Dubist die Beute des Lgens. Du lgst, berall. Deine Beziehungen mit anderen - Lgen.Die Erziehung, die du gibst, die Grundstze - Lgen. Dein Lehren - Lgen. DeineTheorien, deine Kunst - Lgen. Dein gesellschaftliches Leben, dein Familienleben -Lgen. Und was du ber dich denkst - ebenfalls Lgen.

    Aber du hrst niemals auf in dem was du tust, oder in dem was du sagst, weil du andich glaubst. Du musst innerlich stehenbleiben und beobachten. Beobachte ohneVorverstndnis, akzeptiere fr eine Zeit die Vorstellung des Lgens. Und wenn du aufdiese Art beobachtest, mit dir selbst zahlst, ohne Selbstmitleid, all deine angeblichenReichtmer fr einen Moment der Realitt aufgibst, vielleicht wirst du dann pltzlichetwas sehen, das du bis zu diesem Tage noch nie gesehen hast. Du wirst sehen, dassdu anders bist als das, was du bisher von dir gedacht hast. Du wirst sehen, dass duZwei bist. Einer, der nicht ist, aber den Platz einnimmt und die Rolle des anderenspielt. Und der andere ist so schwach, so substanzlos, dass er sich sofort wiederzurckzieht, wenn er einmal auftauchen sollte. Er kann keine Lgen erdulden. Diegeringste Lge lsst ihn verschwinden. Er mht sich nicht ab, er widersetzt sich nicht,er wird von vornherein besiegt. Lerne zu sehen, bis du den Unterschied zwischendeinen zwei Naturen gesehen hast, bis du die Lgen gesehen hast, die Tuschung indir. Wenn du deine zwei Naturen gesehen hast, an diesem Tag wird in dir dieWahrheit geboren.

    ~ aus First Initiation von Jeanne de Salzmann

    Krishnamurti sagte vor ber einem Jahrhundert:

    Was Frieden bringen wird, ist innere Transformation, welche zu uerer Handlungfhrt. Innere Transformation ist keine Isolation, ist kein Zurckziehen von uererHandlung. Im Gegenteil, die richtige Handlung kann es nur geben, wenn es richtigesDenken gibt, und richtiges Denken gibt es nicht ohne Selbstwissen. Ohne sich selbstzu kennen, gibt es keinen Frieden. Ein Ideal ist nur eine Flucht, ein Vermeiden vondem, was ist, ein Widerspruch zu dem was ist. Ein Ideal verhindert direkte Handlungauf das, was ist. Um Frieden zu haben, werden wir lieben mssen, werden wir damitanfangen mssen nicht ein ideales Leben zu leben, sondern die Dinge so zu sehenwie sie sind und danach handeln, sie transformieren. Solange jeder von unspsychologische Sicherheit sucht, wird die physiologische Sicherheit, die wirbrauchen, Nahrung, Kleidung und Obdach, zerstrt. Einige von euch werden mitdem Kopf nicken und sagen: Ich stimme berein, und nach drauen gehen unddasselbe machen wie die letzten zehn oder zwanzig Jahre. Deine bereinstimmungist rein verbal und hat keine Bedeutung, die Miseren und Kriege der Welt werdendurch deine beilufige Zustimmung nicht beendet. Sie werden nur beendet wenn dudir der Gefahr bewusst wirst, wenn du dir der Verantwortung bewusst wirst, wenn dues nicht jemand anderem berlsst. Wenn du dir des Leidens gewahr wirst, wenn dudie Dringlichkeit sofortiger Handlung erkennst, und es nicht aufschiebst, dann wirstdu dich selbst transformieren.

    ~ Jiddu Krishnamurti

  • Er hatte Recht. Bis zum heutigen Tag sind die meisten Menschen nur am Nicken, schauensich vielleicht "Zeitgeist" an, und gehen dann zurck und "tun" genau dasselbe was sieschon immer getan haben. Sie bleiben Sklaven ihrer mechanisch konditioniertenPersnlichkeit. In der heutigen Zeit des bergangs wollen immer mehr Menschen die"Wahrheit" suchen, immer mehr Menschen scheinen "Wissen" zu wollen. In dieser Zeit derTransformation IST ohne Zweifel ein Erwachen im Gange. Jedoch befinden wir uns auchim Zeitalter der Falschheit und der Tuschung und wenn die Menschen sich nicht wirklichkennen, werden sie "die Realitt fr Illusion halten und die Illusion fr Realitt", so wie esMouravieff in Gnosis beschrieben hat. Der Begriff Erwachen muss genau betrachtetwerden, denn Menschen knnen auch mit Leichtigkeit einfach nur in eine andere Formder Illusion und des Traums hinein erwachen, whrend sie in Wirklichkeit nochschlafen. Andererseits kann Arbeit am Selbst schnell in eine narzisstische Aktivittausarten, wenn man zu sehr in sich selbst aufgesogen ist und/oder kein Netzwerk vonMenschen hat welche ein objektives Feedback und eine Spiegelung geben knnen.

    Caroline Myss "The Consciousness Movement"

    Immer wieder behaupten einige Leute, dass die Wahrheit simpel sei und dass man nurdies oder jenes tun msse: barmherzig sein, positiv sein, Liebe zeigen, visualisieren, seiner"Glckseligkeit" folgen, nicht verurteilen, etc... . Viele andere hnliche Ideale und Wortewerden verwendet, bei denen jeder Mensch ein anderes Verstndnis ber den Inhalt zuhaben scheint oder einfach nur eine abgespeicherte Definition dieser Worte und Ideale.Boris Mouravieff gibt einen Einblick darber in "Simplicity of Truth" (Simplizitt derWahrheit) in seiner Gnosis Trilogie:

    "Wir verlangen oft Einfachheit von esoterischen Lehren, auf Grund des allgemeinanerkannten Grundsatzes, dass die Wahrheit selbst einfach sein muss. Wir schlieendaraus, dass der Zugang zu dieser Wahrheit auch einfach sein sollte, so dass dieMethode die dazu fhrt leicht assimilierbar sein sollte. Dieses Argument wrevollkommen richtig unter der Bedingung, dass wir selbst einfach sind, das heit,gerecht in dem Sinne, in dem es im Evangelium verwendet wird. Leider ist dies nichtder Fall, wegen der Anarchie, die unter unseren "987" verschieden kleinen "Ichs"herrscht. Ein langer Weg ist zu bewltigen, von unserem verzerrten Zustand derinneren Unordnung, hin zu unserer ursprnglichen Einfachheit. Dies ist der Weg, derden Suchenden aus der Wildnis der Unwissenheit zum Licht des Tabors fhrt. DieErfahrung zeigt, dass in der Praxis diese Lehre von der "Einfachheit", wenn es als eineMaxime betrachtet wird, den Schler von der engen Pforte und dem schmalen Weg,der zum Leben fhrt, abringt. Getrieben von dieser entgegengesetzten Wahrheit,glaubt dieser Mensch, dass er vor dieser Tr steht, whrend er sich inWirklichkeit - obwohl zweifellos im perfekten Glauben an das Gegenteil - aufdem breiten Weg befindet, der ins Verderben fhrt. Diese Lehre der Einfachheit,die an sich korrekt ist, jedoch falsch interpretiert wird, wird ein Fallstrick frunsere Herzen, die bereits zu korrupt sind; eine Gefahr die erkannt undvermieden werden sollte."

    Die Frage kommt auf: Wie soll man sich Selbst-Wissen aneignen, um Lgen von der

  • Wahrheit in sich selbst trennen zu knnen? Es ist einfach darber zu reden und dieNotwendigkeit dafr zu erkennen, aber was bedeutet das und wie geht man in der Praxisvor? Was sind die Techniken und wo soll man anfangen? Boris Mouravieff spricht ber dieArbeit am Selbst und die Stellung des Menschen in "The Parable of the Coach" (DasGleichnis der Kutsche):

    "In der westlichen Zivilisation wird das Innenleben des Individuums mit all seinenReichtmern, zu einer kleinen Rolle in der Existenz verbannt. Der Mensch ist sogefangen in den Qulereien des mechanischen Lebens, dass er weder die Zeit hatanzuhalten, noch die Kraft der Aufmerksamkeit hat, die erforderlich ist um seinementale Vision auf sich zu kehren. Deshalb verbringt dieser Mensch seine Tageabsorbiert durch uere Umstnde. Die groe Maschine die ihn mitschleppt drehtsich ohne anzuhalten, und verbietet ihm, unter der Androhung zerquetscht zuwerden, anzuhalten. Heute wie gestern und morgen wie heute, erschpft er sichschnell selbst in dem hektischen Rennen, das am Ende in die Richtung desNirgendwo fhrt. Das Leben zieht - fast unsichtbar fr ihn - an ihm vorbei, so schnellwie ein Lichtstrahl und der Mensch wird verschlungen, whrend er immer noch vonsich selbst entfernt ist.

    Wenn wir jemanden bitten, der unter diesem stndigen Druck des modernen Lebenslebt, seine geistige Aufmerksamkeit auf sich selbst zu richten, wird er in der Regelantworten, dass er nicht gengend Zeit brig hat, um sich solchen Praktiken zuunterziehen. Wenn wir darauf bestehen und er es dann versucht, wird er in denmeisten Fllen sagen, dass er nichts sieht: Nebel; Unklarheit. In selteneren Fllenberichtet der Beobachter, dass er etwas sieht was er nicht definieren kann, weil essich die ganze Zeit verndert. Diese letzte Beobachtung ist richtig. In der Tatverndert sich stndig alles in uns. Ein kleiner uerer Schock, angenehm oderunangenehm, glcklich oder unglcklich, ist ausreichend, um unserem innerenGehalt ein ganz anderes Aussehen zu geben. Wenn wir diese innere Beobachtungfortfhren, diese Introspektion, ohne Vorurteile, werden wir bald nicht ohneberraschung feststellen, dass unser "Ich", auf das wir so konsequent stolz sind, nichtimmer das selbe ist: das "Ich" verndert sich. Wenn sich dieser Eindruck zu definierenbeginnt, fangen wir an uns bewusster darber zu werden, dass es nicht ein einzigesIndividuum ist das in uns lebt, sondern mehrere, die jeweils ihre eigenenGeschmcker und eigenen Bestrebungen haben und jedes dieser "Ichs" versuchtseine eigenen Ziele zu erreichen. Pltzlich entdecken wir in uns eine ganze Weltvoller Leben und Farben, die wir bis jetzt fast vollstndig ignoriert hatten.

    Wenn wir mit dieser Erfahrung noch weiter gehen, werden wir bald in der Lage seindrei Strme innerhalb dieses sich stndig bewegten Lebens zu unterscheiden: Dasvegetative (unbewusste) Leben der Instinkte, sozusagen; das des tierischen Lebensder Gefhle, und schlielich, dass des menschlichen Lebens im eigentlichen Sinnedes Wortes, das des Denkens und Sprechens. Es ist fast so, als gbe es drei Menschenin uns, die alle in auergewhnlicher Weise miteinander verflochten sind. So lernenwir den Wert der Selbstbeobachtung als Methode der praktischen Arbeit zuschtzen, die es uns ermglicht uns selbst zu erkennen und zu werden. Whrend wirallmhlich voranschreiten, werden wir uns der realen Situation, in der wir unsbefinden, deutlich bewusster.... "

    Der russische Mystiker G. I. Gurdjieff sprach darber, dass der Mensch eine Maschine istund dass er eine "Seele" bilden muss, bzw. hhere Zentren aktivieren, durchAnstrengungen und bewusste Arbeit am Selbst, um die einzelnen Zentren in sich zu

  • vereinen, so dass sie alle in Harmonie und im richtigen Verhltnis zueinander arbeiten.Dies passiert nicht einfach von sich selbst. Es gibt keine Evolution des Bewusstseins, wennes keine bewussten Anstrengungen gibt. Er bestand darauf, das der Mensch berhauptnichts "tut", weil er sich selbst nicht kennt und alles was ein solcher Mensch "tut" nurmechanische Reaktionen auf uere Einflsse und Konditionierungen sind, bis er beginntan sich selbst zu arbeiten.

    "Menschen sind Maschinen. Maschinen sind blind und unbewusst, sie knnen nichtanders sein. Denn alle Handlungen mssen ihrer Natur entsprechen. Alles geschieht,niemand tut irgend etwas. Fortschritt und Zivilisation in der wirklichen Bedeutungdieser Worte knnen nur das Ergebnis bewusster Anstrengungen sein. Sie knnennicht das Resultat unbewusster und mechanischer Handlungen sein. Und was frbewusste Anstrengungen kann es in Maschinen geben? Und wenn eine Maschineunbewusst ist, dann sind auch hundert Maschinen unbewusst, und ebenso tausend,hunderttausend oder eine Million. Und die unbewusste Geschftigkeit von einerMillion Maschinen muss notwendigerweise in Zerstrung und Ausrottung enden. Ineben diesen unbewussten, unwillkrlichen Handlungen liegt die Wurzel allen bels.Sie knnen sich jetzt noch nicht alle Folgen dieses bels vorstellen oder verstehen.Aber die Zeit wird kommen, wo Sie verstehen werden.

    Die Evolution des Menschen kann beschrieben werden als die Entwicklung derKrfte und Mglichkeiten in ihm, die sich niemals von selbst entwickeln, das heit,mechanisch. Nur diese Art von Entwicklung, nur diese Art von Wachstum markiertdie tatschliche Entwicklung des Menschen. Wenn man von Evolution spricht, ist esnotwendig von Anfang an zu verstehen, dass eine mechanische Evolution nichtmglich ist. Die Evolution des Menschen ist die Entwicklung seines Bewusstseins.Und 'Bewusstsein' kann sich nicht unbewusst entwickeln. Die Evolution desMenschen ist die Entwicklung seines Willens und "Wille" kann sich nicht unwillkrlichentwickeln. Die Evolution des Menschen ist die Entwicklung seiner Kraft etwas zu tunund etwas zu "tun" kann nicht das Resultat von Dingen sein die 'einfach nurgeschehen'.

    Die Leute wissen nichtwas der Mensch ist. Siehaben es mit einer sehrkomplexen Maschine zutun, weitaus komplexerals der Motor einerLokomotive, eines Autosoder eines Flugzeugs -aber sie wissen nichtsoder fast nichts ber denAufbau, die Arbeitsweiseoder die Mglichkeitendieser Maschine; sieverstehen noch nichteinmal die einfachstenFunktionen dieserMaschine, weil sie denZweck dieser Funktionennicht kennen.

  • [...] "Du denkst oft in einer sehr naiven Weise" sagte [Gurdjieff ] . "Du denkst bereits,dass du tun kannst. Diese berzeugung loszuwerden ist fr den Menschenschwieriger als alles andere. Du verstehst nicht die ganze Komplexitt deinerOrganisation, und du erkennst nicht, dass jede Anstrengung, zustzlich zu denerwnschten Ergebnissen, auch wenn diese eintreffen, zu Tausenden vonunerwarteten und oft unerwnschten Ergebnissen fhrt. Und die Hauptsache die duvergisst ist, dass du nicht am Anfang anfngst mit einer schnen, sauberen, neuenMaschine. Hinter dir stehen viele Jahre eines falschen und dummen Lebens, derNachsicht gegenber jeder Art von Schwche, deine Augen verschlieend vordeinen eigenen Fehlern, danach strebend alle unangenehmen Wahrheiten zuvermeiden, der Realitt, dass du dich stndig selbst belgst, derSelbstrechtfertigung, andere zu beschuldigen und so weiter, und so weiter. All daskann nicht helfen einen Einfluss auf die Maschine auszuben. Die Maschine istschmutzig, stellenweise rostig und an einigen Stellen haben sich knstlicheVorrichtungen gebildet, deren Notwendigkeit durch deine eigene falsche Art desArbeitens kreiert wurde. Diese knstlichen Vorrichtungen werden sich nun sehr starkin alle deine guten Absichten einmischen. Man nennt sie "Puffer". "

    ~ G. I. Gurdjieff aus Auf der Suche nach dem Wunderbaren von P. D. Ouspensky

    Die Lsungen, welche dieser Tage von verschiedenen Bewusstseins-Bewegungen undanderen Menschen mit guten Absichten prsentiert werden, sind nicht schlecht an sich.Indem jedoch die notwendige tiefere Arbeit am Selbst ausgelassen wird (nach Objektivittund Wahrheit im Innen und Auen zu streben), welche bentigt wird, um die Vernderungzu sein, wird sich nichts fundamental ndern, und so werden viele dieser Lsungen zuLuftschlssern. Es handelt sich auch um eine Vorbedingung, um die Wahrheit in der Welt zusuchen, denn das eigene "Instrument der Wahrnehmung" muss fein abgestimmt sein umLge von Wahrheit unterscheiden zu knnen. Aufrichtige Arbeit am Selbst geht Hand inHand mit dem Betrachten globaler Probleme, welche von vielen selbst ernanntenbewussten Menschen, die eine bessere Welt wollen, ignoriert werden. Sei es 9/11,Zionismus, Psychopathie und Ponerologie, die Lge der Globalen Erwrmung,gesunde/ethische Ernhrung, die Wahrheit ber Tabak, das UFO-Phnomen, zyklischeKataklysmen und viele andere Geheimnisse der Gegenwart und Vergangenheit. Es gibt vielmit dem wir uns auseinandersetzen mssen bevor sich irgend eine Form des GoldenenZeitalters manifestieren kann. Das A und O ist die Unter-drckung von Wissen. Es gibtFallen und Sackgassen auf dem Pfad zum Erwachen, und es gibt Krfte, die ihr Bestes tun,um die Menschheit weiter am schlafen zu halten. Es ist kein Zufall, dass in den heutigenspirituellen Bewusst-seins- und New-Age-Bewe-gungen viel von diesem entscheidendenesoterischen Wissen herausgefiltert wurde und nur schwer aufzufinden ist. Wissen schtzt,Ignoranz gefhrdet.

    Das Ziel jeder esoterischen Arbeit muss das der Objektivitt sein, zuerst imVerstndnis von uns selbst, und dann, whrend unsere Filter und Programme sichlsen, im Verstndnis von der Welt. Eine wahre esoterische Lehre wird sich dahernicht nur auf das Erkenne dich Selbst konzentrieren, sondern auch Wissen ber dieRealitt der Realitt lehren. Wenn der eine oder andere dieser Aspekte in einer Lehrefehlt, kann man sicher sein, dass sie unvollstndig ist. Und eine unvollstndige Lehreist gefhrlich, selbst wenn dies durch Unwissenheit oder Unbewusstheit des Lehrersverursacht wird. ~ Henry See, aus Spiritual Predator: Prem Rawat AKA Maharaji

  • DIE SUPPE MUSS SCHARF SEIN. WAR GURDJIEFF EINZEN-MEISTER?22Von Bruno Martin

    Zen ist die besondere Weitergabe der Lehre auerhalb der buddhistischen Schriften. Wiebei allen Meistern, die Schriften hinterlassen haben, gibt es auch bei G. I. Gurdjieff (1866-1949), der eine "Schule des Augenblicks" Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts in denWesten brachte, eine Weitergabe seiner Lehre "auerhalb der Schriften". Bruno Martinlehrt seit ber 30 Jahren Gurdjieffs Methode und entdeckte, dass diese Methode imWesentlichen der Zen Lehre entspricht. Der folgende Beitrag beleuchtet diesenunbekannten Aspekt.

    Zitat: "Schlerin: Diese Suppe ist aber scharf. Gurdjieff: Jede gute Sache ist scharf - das muss sosein."

    G. I. Gurdjieff verabscheute alles "laue". Immer wieder betonte er: "Wenn du etwas machst,dann mache es gut. Gebe dich rckhaltlos hin. Etwas, das genau werden soll, muss przisebearbeitet werden - das gilt auch fr den Menschen. Arbeit sollte kein Wunsch sein, sonderneine Notwendigkeit. Suche dir eine Aufgabe, die dir etwas abverlangt." Wenn wir etwas tun, soseine Lehre, dann sollten wir es mit Ausdauer verfolgen. Seine berhmte Geschichte deskaukasischen Bauern, der ihm unbekannte, leuchtend rote Frchte auf dem Markt kaufte,ist ein bildhaftes Beispiel dafr. Als der Mann auf dem Weg nach Hause eine Rast einlegteund einige dieser "Frchte" verzehrte und dabei die volle Schrfe einer Chilischote erfuhr,a trotzdem weiter: "Ich werde nicht aufhren", sagte er zu einem Mitwanderer. "Habe ich dochmeine letzten sechs Groschen dafr bezahlt! Und msst ich selbst meine Seele aufgeben, ichwrde weiter essen." Einige groe Zen Meistern verhielten sich ebenso kompromisslos. DerZen Meister Gutei hatte die Angewohnheit, alle Fragen seiner Schler zu beantworten,indem er einfach einen Finger hob. Eines Tages bat ein Besucher einen der Schler, ihm diezentrale Lehre seines Meisters zu erlutern. Als Antwort imitierte der Schler den Meisterund hielt einen Finger hoch. Gutei hrte davon, rief den jungen Mann zu sich und schlugihm pltzlich den Finger ab. Als der Schler mit Schmerzen davonrannte, rief ihn derMeister zurck. Der Schler drehte sich um und sah, wie der Meister seinen Finger hob. Eswird erzhlt, dass der Schler so seine Erleuchtung erfuhr. Heute wrde Gutei wohl einenSchadenersatzprozess am Hals haben... Meister Hakuin kommentierte den zentralenphilosophischen Gedanken des Zen "Form ist Leere, Leere ist Form" mit den Worten:"Schund! Was fr ein nutzloser Haufen Schrott! Versucht nicht, Affen beizubringen, wie man aufBume klettert! Diese Ware liegt seit zweitausend Jahren in den Regalen und eignet sich nur alsStaubfnger."

    Zen ist radikal. Es fordert die Menschen auf, die Welt immer wieder auf neue Weise zusehen. Gerade die chinesische Linie des Ch'an war "Down-to-Earth". Das Leben einesMnches bestand aus harter krperlicher Arbeit. Er schlief und meditierte auf derselbenMatte, flickte seine Robe und pflanzte Gemse an. Seine Lehrer teilten die Arbeit mit ihm.

    22 https://web.archive.org/web/20110102113314/http://www.gurdjieff-internet.com/article_print.php?ID=248&W=46

  • Die Verehrung von Buddha Figuren und komplexen Ritualen wurde vollkommenabgelehnt, und gelegentlich ging dieses Verhalten so weit, dass alle "heiligen" Schriftenverbrannt wurden, denn nicht das auswendig gelernte Wissen zhlt, sondern die eigeneErkenntnis. Whrend seiner berhmten rituellen Mahlzeiten mit den "Toasts auf die Idio-ten" praktizierte Gurdjieff dasselbe Prinzip. Wer etwas ber sich erfahren wollte, musstetrotz reichlichem Genuss von Wodka hellwach im Augenblick sein. Wer es wagte einetheoretische Frage zu stellen, wurde von Gurdjieff als "Stck Scheie" bezeichnet. Es heit,dass Zen die besondere Weitergabe der Lehre des Buddha auerhalb der Schriften sei.Deshalb soll die Zen Lehre mit der Blumenpredigt des Buddha begonnen haben, als er inseiner wortlosen "Blumenpredigt" statt zu sprechen einfach eine Blume hochhielt. SeinSchler Kashyapa lchelte und zeigte dem Buddha dadurch, dass er in diesem AugenblickErleuchtung erfahren hatte. Die Lehre des Zen wird also viel mehr "von Herz zu Herz"und nicht durch Worte weitergegeben. Das praktizierte Gurdjieff auch in der Weitergabeseiner Lehre. Wie bei allen Meister, die auch Schriften hinterlieen, bauten sich viele seinerSchler ein Gefngnis aus seinen Worten. Gurdjieff ist lngst gestorben, andere Meisterauch.

    "Wollt ihr die Dinge richtig sehen knnen, dann lasst Euch von niemandem verwirren. Werimmer euch begegnet, auerhalb oder innerhalb von euch, den ttet sofort. Trefft ihr Buddha,dann ttet ihn. Trefft ihr einen alten Meister, ttet ihn. Befreit euch von allem, dann wird nichtsmehr euch behindern. Lst euch von allem los und seid unabhngig." Lin-chi (Rinzai)

    Zen ist eine "Schule des Augenblicks", die in jeder Situation und jeder Zeit immer wiedervon kreativen Geistern neu belebt wird. Der Meister Basho (1644-1694) sagte dazu: "Suchenicht den Weg der Vorfahren, suche das, was auch sie gesucht haben." Diese Idee wirddurch eine der drei "groen Qualitten" des Zen-Schulungswegs ausgedrckt, dem"Groen Zweifel". Die Idee dahinter besagt, dass das Leben immer als Frage zu verstehenist, die noch der Antwort harrt, das Geheimnis unseres Lebens und des Kosmosanzuerkennen und dieses Geheimnis unermdlich und mit fester Absicht enthllen zuwollen. Dazu gehrt die zweite Qualitt der "groen Entschlossenheit", der Wille,regelmig und mit bewusster Entschlossenheit zu ben und hart daran zu arbeiten, alleHindernisse aus dem Weg zu rumen, die unsere Erkenntnis verstellen. Es ist auch dieEntschlossenheit, sich fr die Bedrfnisse aller Mitwesen zu sensibilisieren und Mitgefhlfr sie zu entwickeln. Das alles wird mglich durch die dritte Qualitt des "groenGlaubens", dass in allen Wesen die Buddha Natur innewohnt, dass wir Erleuchtungerfahren und unsere wahre Natur "sehen" knnen.

    "Wenn nicht angespornt, kein Erwachen; wenn nicht in die Enge getrieben, kein Durchbruch." Zen-Weisheit

    Wie im Zen ist auch bei Gurdjieff der Alltag und das "gewhnliche" Leben das groebungsfeld. Erleuchtung kann berall und in jeder Situation aufblitzen. Der groe

  • Interpret des Zen, D.T. Suzuki, bringt den Zen Weg auf den Punkt: "Das Ziel der Zenbungen ist das Erreichen eines neuen Blickpunktes fr die Einsicht in das Wesen der Welt... Duund ich, wir leben scheinbar in der glei-chen Welt, aber wer kann sagen, ob das Ding, das wirgemeinhin einen Stein nennen, fr uns beide dasselbe ist?" Die Erreichung dieses neuenBlickpunktes im Zen heit Satori (wu im Chinesischen). Ohne Satori gibt es kein Zen, denndas Leben des Zen beginnt mit der Erfahrung des Satori. Satori enthllt eine "neue Welt".Suzuki: "Was immer fr Lehren es im Zen gibt, sie kommen aus dem Inneren jedes einzelnen.Wir sind selbst unsere Lehrer. Zen weist nur den Weg." Satori lst die Identifizierung mit demVerstand, den Gefhlen und dem Krper und ffnet so den Weg zur direkten Erfahrungder Einzigartigkeit des eigenen Wesens. Es ist nicht die Lehre, die zu einem Ziel fhrt.Lehren sind "der Fingerzeig, der zum Mond weist". Dabei darf der Finger nicht mit demMond verwechselt werden. Zen und andere kreative Lehren zeigen nur einen Weg: denWeg zur Wirklichkeit. Wirklichkeit ist nicht irgendwo, sondern immer hier, bei uns undmit uns. Es geht darum, das zu erkennen, was bereits vorhanden ist, was wir sind und waswir immer waren: der erleuchtete Geist. In diesem Sinne kann die Erweckung deserleuchteten Geistes kein Ziel sein, da er immer in allem gegenwrtig ist. Der Zen-Weg istder Weg des Lebens mitten im Leben. Die Entdeckung der Wirklichkeit oder des So Seinsliegt direkt vor unseren Augen. Jeder Augenblick unserer Existenz ist die Wirklichkeit desLebens. Die "uere" Welt ist deshalb nicht getrennt von uns, sie ist auch unsere "innereWelt". Jede wache Wahrnehmung des Seins wird in und von unserem unbewegten Geisterfahren. Ohne die Aktivitt unseres eigenen Geistes gibt es keine Erscheinungen, keineWirklichkeit, keine Welt.

    "Der Himmel ist immer der Himmel. Wenn auch Wolken und Blitze kommen, der Himmel ist nichtverwirrt." Shunryu Suzuki

    Die Mglichkeit, die Wirklichkeit zu erkennen und zu erwachen, die eigentlicheBedeutung des Begriffes satori, bietet sich zu jeder Zeit. Zen ldt deshalb ein, die Augen zuffnen, um die Vielfalt und Schnheit des Lebens immer wieder neu zu entdecken. Dasbeinhaltet zugleich, unserem Bewusstsein nicht zu erlauben, sich von der Einsicht unddem Erkennen ablenken zu lassen, weder an etwas anzuhaften, noch sich selbst zuvergessen. Weisheit oder Erkennen ist dabei die Einsicht in das eigene, wahre Selbstjenseits der Verhaftungen an die Alltagspersnlichkeit. "Sehen" ist die Erfahrung desunbewegten Selbst, die Einsicht in die wahre Natur der Wirklichkeit. Das chinesischeSchriftzeichen Wu - das meist als "Erleuchtung" bersetzt wird - besteht aus dem Begriff"Herz" bzw. Geist, das synonym damit ist, und aus dem Begriff mein. Das Schriftzeichenbedeutet also: "In meinem eigenen Herzen fhlen" oder "in meinem eigenen Geisteerfahren". Diese Erkenntnis fhrt zum Gedanken der Nichtverhaftung weder an etwas nochan nichts. "Wenn alles leer ist, findet kein Halten an etwas statt". Der Schluss, den dergroe Zen-Meister des 7. Jhdt. Hui-Neng, der Begrnder der "Schule der pltzlichenErweckung", daraus zieht ist, dass Zen (vom indischen Dhyana, d.h. Meditation abgeleitet)nichts mit Sitzen in Meditation zu tun hat, sondern vielmehr Handeln, Bewegung,Vollbringen von Taten, Sehen, Hren, Denken und Erinnern ist. Dhyana - also Zen - wirdmitten im Leben erlangt, denn Einsicht und Handeln sind gleich.

  • Schler: "Was soll ich tun, wenn da immer noch der Schatten eines Zweifels brig ist?" Meister:"Selbst Einheit, wenn man sich an sie klammert, liegt weit vom Ziel."

    Zen in diesem Sinne kann deshalb auch keine reglementierte oder sogar klsterliche Lehresein, es findet mitten im Leben statt. Zen ist in erster Linie pragmatisch und praktisch.Hier trifft es sich mit der Lehre von Gurdjieff. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dassdie "Schule des Augenblicks" als Zen Weg die eigentliche Lehre Gurdjieffs "auerhalbseiner Schriften" ist. Wenn man mit einem neuen Blick an die Lehre Gurdjieffs herangeht,kann man entdecken, dass er ein "Zen Meister" war, auch wenn er nicht in der"klassischen" Zen Tradition stand. Doch seine Art zu leben und zu lehren entspricht derArt der groen "verrckten" Meister aller Traditionen. Ich vermute sogar, dass er aufseinen Reisen in die Mongolei und nach Tibet direkt oder indirekt (ber einige SufiMeister in Taschkent) mit der chinesischen Zen-Tradition in Verbin-dung kam.Wegweisende Lehrer leben und lehren den Zen mit einem unabhngigen, kreativen Geist.Wie mit dem Finger, der auf den Mond weist, sollte man jedoch die Lehren eines "groenMeisters" nur als Wegzeiger nehmen und nicht als fertiges System. Gurdjieff versuchte,wie viele vor und nach ihm - man denke nur an Osho - den "Weg der weien Wolke" (chin.Dao) fr einen westlichen Menschen im Alltag gangbar machen.

    "Der Mensch muss einsehen, dass er nicht existiert; er muss einsehen, dass er nichts verlierenkann, weil er nichts zu verlieren hat; er muss seine Nichtigkeit im vollen Sinne des Worteseinsehen." G. I. Gurdjieff

    Knnte dieses Zitat nicht auch von einem der Zen Meister stammen? Entkleide ich dieLehre Gurdjieffs von allen Theorien, die mir die Sicht verstellen, schlen sich dreiwesentliche Pfeiler heraus: Selbst-Studium, Selbst-Beobachtung und Selbst-Erinnerung.Diese entsprechen den drei Pfeilern des Zen - Lehre, bung, Erleuchtung. GurdjieffsBegriffe mgen in die Zeit der Anfnge der Freudschen Psychologie gepasst haben, heutejedoch knnen sie von den meisten "egokratisch" inter-pretiert werden. Die Menschenbeschftigen sich immer strker nur "mit sich selbst". Dabei ist das Gegenteil gemeint:"Selbst-Studium ist die Arbeit oder der Weg, der zur Selbstkenntnis fhrt." Damit ist nicht dieegozentrische Per-snlichkeit gemeint, sondern das "wahre" Selbst des Menschen,unbekleidet von allen uerlichkeiten der angelernten Verhaltensweisen, der vielen Mas-ken, die wir angenommen haben. "Negative Gefhle wie Neid, Angst, rger usw." sagtGurdjieff, "sind ntzlich, denn sie zeigen uns etwas, was wir sonst nicht kennen wrden. Dochwir mssen uns davon distanzieren, damit sie nicht in unserem Wesen bleiben." Selbst-Studiumbedeutet so, alle menschli-chen Eigenschaften zu studieren, um schlielich das wahreWesen zu erkennen. In die Sprache des Zen bersetzt bedeutet Selbst-Studium dieErweckung des "forschenden, offenen Geistes". Wenn wir Mensch und Welt mit offenenAugen betrachten, wird uns deutlich, dass das menschliche Leben und das Universumeine Gemeinsamkeit haben: sie sind eine riesige Bhne, auf der ein Schauspiel vollunendlich komplizierter Wechselwirkungen aller Krfte aufgefhrt wird - und wirMenschen sind ein Teil dieser Auffhrung. Eine Zen-Geschichte illustriert diesenTatbestand: Zwei Mnche diskutierten ber das Flattern einer Fahne im Wind. Einerbehauptete, dass sich die Fahne bewegte, der andere meinte, es wre der Wind. Der

  • Meister, der ihnen zuhrte, schnitt diesen Dualismus durch: "Es bewegt sich weder dieFahne noch der Wind. Was sich bewegt, ist euer Geist."

    Um zur eigenen Einsicht in derartige Phnomene zu gelangen, ist ein offener, forschenderGeist des benden notwendig, der alle Erscheinungen und Verhaltensweisen studiert,auch die Erforschung des Krpers, des Gehirns und der Welt, um schlielich zurErkenntnis der Wirklichkeit des Seins durchzustoen. Bewegt sich unser Geist tatschlichDer eigentliche bungsweg ist die Selbst-Beobachtung. "Die Selbst-Beobachtung bringt denMenschen zur Einsicht in die Notwendigkeit der Selbst-Wandlung. Und whrend er sichbeobachtet, bemerkt er, dass die Selbst-Beobachtung an sich schon verschiedene Wandlungenin seinen inneren Vorgngen hervorruft. Er beginnt zu verstehen, dass die Selbst-Beobachtungein ... Mittel zum Erwachen darstellt." (G. I. Gurdjieff)

    Doch was ist "Selbst-Beobachtung"? Im Zen wird die Frage gestellt: "Wenn du deinen Geistbeobachtest, wird du bemerken, dass es zwischen den Gedanken Momente gibt, in denender Geist frei von allem ist. Und doch ist etwas da. Was kann das sein?" Solange ein Teilmeiner Persnlichkeit, die vielen, vern-derlichen "Egos" in meinem Kopf, andere Teiledieser Persnlichkeiten "beo-bachtet", dreht sich alles nur um "mich selbst". Diese Art, sich"selbst zu se-hen" wurde inzwischen zur Volkskrankheit. Ich ziehe deshalb den Begriff"bung der Bewusstheit" oder "bung der Aufmerksamkeit" vor. Achtsamkeit ist dieeigentliche Meditation, Dhyana, japanisch Zenna. Dhyana hat die Sprach-wurzel dhi,wahrnehmen, nachdenken, kontemplieren, den Geist auf einen Gegenstand richten.Dhyana heit also den Geist sammeln, die Gedanken nicht abschweifen lassen.Aufmerksamkeit geht im Zen wie bei Gurdjieff nur zusammen mit bewusster,entschlossener Anstrengung. Aufmerksamkeit ist das besondere Instrument des Willenszur direkten Wahrnehmung von allem was ist und so wie es ist, ohne irgendeineBewertung. Aufmerksame Wahr-nehmung ist das "Organ" des Geistes. OhneAufmerksamkeit nehmen wir die Welt nicht wahr und sind in diesem Moment nicht-existent, wir leben nicht, sondern "werden gelebt". Diese bewusste Achtsamkeit sollten wirentwickeln, damit wir jeden Moment unseres Lebens mit wachem Bewusstsein erleben.Wir sind uns dann bewusst, wie wir sitzen, gehen, stehen, liegen, arbeiten. Dazu gehrtauch die Bewusstheit des eigenen Krpers und des Atems. Bewusstes Atmen hat noch eineandere, weitere Bedeutung, die besonders im Tao-Yoga und bei Gurdjieff akzentuiert wird.Die Lebenskraft, Qi, die wir mit dem bewussten Atmen aufnehmen, verbindet Geist undKrper. Durch Selbst-Beobachtung gelingt es allmhlich, den Kreislauf der Verhaftungenzu durchbrechen und in den Zustand der Selbst-Erinnerung zu gelangen. Leider hat derBegriff "Selbst-Erinnerung" nur Verwirrung gestiftet. Ich halte es fr hilfreicher diesenZustand des bewussten Gewahrseins als "Selbst-Innewerden" zu bezeichnen. Zen Meistersagen, dieser Zustand ist immer gegenwrtig in allem was geschieht. Doch um in diese"Erleuchtung" oder "Erweckung" des Geistes zu kommen, ist es notwendig, alle Umstndeklar zu erkennen, die einem davon abhalten. Dazu gehrt vor allem Identifikation(Gurdjieff) oder Anhaftung (Zen). Anhaftung geschieht stndig: Menschen identifizierensich mit ihrem Aussehen, ihrem Beruf, ihrer Rolle in der Familie, mit Gurus oder"Erleuchteten". Sie identifizieren sich mit ihrem Erfolg, mit ihrem Wissen, mit ihrerErfahrung, mit ihren Gefhlen. Deshalb sagt Gurdjieff: "Ein Mensch, der sich mit irgend

  • etwas identifiziert, kann sich nicht selbst erinnern." Wer kann diese Umstnde undHindernisse erkennen? Das kann nur der freie, unbewegte Geist bzw. das "wahre" Selbst.Die Inhalte der Zen-Lehre und der Lehre Gurdjieffs unterscheiden sich fr mich nur inDetails und der Form der Darstellung. Im Wesentlichen zielen sie in dieselbe Richtung. Zuallen Zeiten gab es "Erleuchtete" und freie Geister, die sich von den strengen Regeln desklsterlichen Zen frei machten und eigene Wege gingen. Teilweise waren sie soungewhnlich, dass man sie "verrckte Wolken" nannte. Bei ihnen schwang der kreativeGeist des Zen am strksten mit. Deshalb verstehe ich eine "Schule des Augenblicks" wieden Zen Weg in dieser Mischung von Selbstdisziplin in der bung und offenemForschergeist, der immer neue Einsichten gewinnen will. "Zen der pltzlichenErleuchtung" bedeutet fr mich zu lernen, aus dem Dualismus des Denkens undgewohnten Wahrnehmens auszubrechen, an nichts zu verhaften und im So-Sein oderSelbst-Geist unbewegt zu bleiben.

    "Die Natur des So-Seins ist unser ursprnglicher Geist, dessen wir uns bewusst sind. Und dochgibt es weder denjenigen, der sich eines Dinges bewusst ist, noch dasjenige, dessen er sichbewusst ist." (D.T. Suzuki)

    Der Unterschied zwischen den Anhngern des Dhyna, d.h. in der Meditation sitzen undauf Erleuchtung zu warten, und der Richtung des Praja, im Bewusstsein zu erwachen,liegt im Verstehen, dass die Erweckung (Satori) nie als ein Erreichen oder Vollenden alsFolge von Bemhungen betrachtet wird. Da es kein Erreichen in der Erweckung derEinsicht in die Selbstheit gibt, kann es auch kein Verweilen darin geben. Kein Erreichen,also auch kein Festhalten. Wenn der unbewegte Geist in allen Verhltnissen klar bleibt, istdas Zen. Der bungsweg des Zen - ebenso wie der bungsweg Gurdjieffs - bestehtletzten Endes darin zu lernen, unbewegt von irgendeiner Verhaftung an eine weltlichePersnlichkeit oder eine Identifikation mit irgend etwas die Wirklichkeit zu erkennen.Jedes direkte Erkennen, das in keiner Weise verhaftet bleibt, ist eine Erweckung desGeistes, also Erleuchtung. Die "Erweckung" des leuch-tenden Geistes geschieht immerblitzartig, pltzlich. Das bedeutet auch, dass wir pltzlich wieder "schlafen" und die"Erleuchtung" nur eine Erinnerung bleibt. Niemand ist davon ausgenommen. Je hufigerwir in die Wirklichkeit erwachen, um so fter knnen wir in der Wachheit des Geistes sein,die immer da ist, aber von unserem Alltagsbewusstsein unbemerkt bleibt. Wahrscheinlichbesteht das Quiz des Lebens darin, "Erleuchtungspunkte" zu sammeln, damit dieKontinuitt des erleuchteten Bewusstseins immer fter erfahren werden kann.Irgendwann wachen wir dann nicht mehr gelegentlich ins Bewusstsein auf, sondern dieErleuchtung weckt uns auf.

  • ACHTSAMKEIT UND AUFMERKSAMKEIT23

    Achtsamkeit ist das Wunder, das auf einen Schlag unseren zerstreuten Geistzurckrufen kann, ihn wieder ein Ganzes werden lsst, so dass wir jede kostbareMinute unseres Lebens wirklich leben. Thich Nhat Hanh

    Wir knnen das Wirken der Intelligenz nicht ohne Aufmerksamkeit wahrnehmen. Umintelligent handeln zu knnen sind Achtsamkeit und Aufmerksamkeit dieSchlsselfaktoren. Darber hinaus ist es kaum mglich, viele der alltglichenAnforderungen ohne ein gewisses Ma an Aufmerksamkeit zu erledigen. Ein Chirurgmuss ausreichend wach und aufmerksam sein, um genau zu arbeiten und keine Fehler zumachen aber er muss auch in der Lage sein, in vielen Situationen intelligenteEntscheidungen zu treffen. Ein Autofahrer muss nicht nur auf die eigene Fahrweiseachten, er muss auch die anderen Verkehrsteilnehmer beachten. Ein Musiker muss nichtnur ein feines Gehr haben, sondern braucht konzentrierte Aufmerksamkeit fr dieerforderliche Qualitt seiner Darbietung und des Spielens seines Instruments. EineBuchhalterin muss darauf achten, keine verkehrten Zahlen in die Tabellen einzugeben. EinPilot muss trotz Computeruntersttzung hoch konzentriert sein. Bei vielen Aktivittenfhrt mangelnde Aufmerksamkeit nicht nur zu Fehlern, sie kann auch zu Gefhrdungenund Unfllen fhren. Zerstreuung und Unachtsamkeit kommen hufiger vor als mandenkt, werden jedoch selten bewusst gemacht. Glcklicherweise sind die meistenMenschen fr ihre besondere berufliche Anforderung gut trainiert, so dass sie konzentriertarbeiten knnen und ausreichend Aufmerksamkeit fr die jeweilige Aufgabe haben. ImAlltag jedoch nimmt man die Aufmerksamkeit nicht so wichtig und daher lassen sich vieleleicht zerstreuen und ablenken. Wir nehmen meist nicht wahr, wie unsereAufmerksamkeit unwillkrlich von etwas angezogen oder abgelenkt wird, ohne dass wirdies bemerken oder beachten. Insgesamt lsst in allen Lebenslagen unsere Konzentrationschnell nach. Selten sind wir in der Lage, uns auf eine Sache zu konzentrieren undgleichzeitig noch eine andere Sache im Auge zu behalten. Bei einem Orchesterkonzerthren wir meist entweder nur die Musik als Ganzes, aber knnen nicht noch dieEinzelinstrumente und die anderen Zuhrer gleichzeitig wahrnehmen. Manchmalerwischen wir uns auch dabei, dass wir etwas Bestimmtes vorhatten und dann pltzlichwieder vergessen. Es kommt hufig vor, dass wir nicht mehr wissen, wo wir unsere Brilleoder die Autoschlssel hingelegt haben.

    Auch wenn Achtsamkeit und Aufmerksamkeit meist gleichbedeutend gebraucht werden,mchte ich hier eine kleine, aber wichtige Unterscheidung einfhren. Achten, beachten,auf Dinge achten, achtsam mit einer Sache umzugehen oder ein achtsames Verhalten zuPflanzen, Tieren und Menschen zu haben, auf ihre Bedrfnisse zu achten und vieles mehrverwende ich fr eine erweiterte Aufmerksamkeit insbesondere auf die uere Welt.Aufmerksamkeit im Besonderen ist die Fhigkeit, etwas zu bemerken, sich zukonzentrieren und absichtsvoll mit wachem Bewusstsein zu handeln. Aufmerksamkeitbezeichnet auerdem die Fhigkeit, nach innen zu schauen, zum Beispiel den eigenenKrper, die eigenen Gefhle und Gedanken wahrzunehmen und sogar gleichzeitig sich

    23 http://www.gurdjieff-work.de/pages/artikel.html

  • selbst und die Umwelt wahrzunehmen. Aufmerksamkeit kann in jeder Situation entwederselektiv, konzentriert, erweitert, geteilt und anhaltend sein, manchmal sogar alles zugleich,whrend Achtsamkeit eine sensitive Wachheit, Einfhlungsvermgen und ein feinesGespr fr eine Situation bezeichnet. Tatschlich mangelt es uns an beidem. Wenn wir unsdieser Sachlage bewusst werden, knnen wir etwas dagegen oder besser: dafr tun.Achtsamkeit und Aufmerksamkeit lassen sich trainieren, wenn wir es wollen.

    Aber warum ist die Ausbildung dieser Fhigkeiten auch auerhalb spezieller sachlicherNotwendigkeiten so wichtig? Eine verfeinerte Achtsamkeit im Allgemeinen und einestrkere und erweiterte Aufmerksamkeit im Besonderen fhren zu einer hherenLebensqualitt. Mehr Achtsamkeit in allen Lebensbereichen kann das Leben erleichternund verbessern. Sie erweitert unsere Fhigkeit Dinge wahrzunehmen, die sonst unbeachtetbleiben. Die Kraft der Aufmerksamkeit ist darber hinaus die Schnittstelle zu unsererinneren Welt, zum Feld des Bewusstseins und zum kreativen Feld. Mit der Entfaltung deraufmerksamen Wahrnehmung, gelingt es auch, die Energien zu erkennen, die in denverschiedenen Feldern wirken, mit denen wir in Verbindung stehen. Man kann sogarbehaupten, dass das Leben an uns gewissermaen unbemerkt vorbeiluft, wenn wir nichtbemerken, was wir tun und wie wir handeln. Hinzu kommt: Wenn die Aufmerksamkeitzu sehr auf die Befriedigung persnlicher Bedrfnisse gerichtet und weniger auf dieBedrfnisse der Mitmenschen und der Umwelt wird die uere und innere Welt immerkleiner. Je weniger wir von der Welt wahrnehmen, umso weniger inneren Raum undinnere Zeit haben wir. Je mehr wir unsere Aufmerksamkeit erweitern, umso grer undreicher wird unsere uere und innere Welt und es erffnen sich immer mehrMglichkeiten der eigenen Verwirklichung.

    Um intelligent handeln zu knnen sind Achtsamkeit und Aufmerksamkeit dieSchlsselfaktoren.

    Achtsamkeit ist sensitive Wachheit, Einfhlungsvermgen und ein feines Gesprfr eine Situation.

    Achtsamkeit erweitert die Fhigkeit, Dinge wahrzunehmen, die sonst unbeachtetbleiben.

    Aufmerksamkeit kann in jeder Situation entweder selektiv, konzentriert, erweitert,geteilt und anhaltend sein, manchmal sogar alles zugleich.

    Die Kraft der Aufmerksamkeit ist darber hinaus die Schnittstelle zur inneren Welt,zum Feld des Bewusstseins und zum kreativen Feld.

    SCHULEN DES AUGENBLICKS"Nach der Selbst-Verwirklichung sind alle Verhaltensweisen oder Handlungen, diedurch den Krper eines Weisen zum Ausdruck kommen, spontan und frei von allenBedingtheiten. Sie lassen sich nicht durch irgendeine Disziplin binden. Sri Nisargadatta Maharaj

    "Der Tausendfler ging seelenruhig und spontan seines Weges; als er gefragt wurde, wie er esschaffte, all die Bewegungen seiner tausend Fe zu koordinieren, dachte er darber nach und

  • war darauf nicht mehr imstande zu laufen." Diese Parabel zeigt den Kern der Ausbildung ineiner "Schule des Augenblicks". Fr den japanischen Schwertkampf Kendo, das eineSchule des "Zen der pltzlichen Erleuchtung" ist, muss der Schler lernen, jederzeit imHier und Jetzt zu sein. "Wenn der Geist bei irgendeinem Objekt verweilt, sei es das Schwertdes Gegners oder der Gegner selbst, das eigene Schwert, der eigene Krper, die Handlung, dieman zur Verteidigung oder zum Angriff ausfhren will, ist man auf jeden Fall berwunden undbesiegt. Der Gegensatz zwischen Subjekt und Objekt muss berwunden werden. Der Angriffund die Verteidigung mssen ein einziges Ding werden" (Nitob in: Bushido). Das Ziel derAusbildung ist "der untrbbare Geist". Dies ist ein "Geist" der sich "von jederReglementierung befreit hat, jede Einengung durch menschliche Bedingtheitenzurckweisen und aus eigener Kraft und nach eigenem Gutdnken flieen" muss.

    Einer der "Meister des Augenblicks", der "interspirituelle" Lehrer G.I. Gurdjieff, entwickeltefr dieses Training unter anderem Gruppentnze und Bewegungsbungen, bei denen nichtnur die verschiedenen Krperteile zu einer Musik koordiniert bewegt werden mssen,sondern manchmal auch gegen den Rhythmus der Musik. Gleichzeitig muss der Schler sichauf die Bewegungen der anderen Tnzer einstellen und mit ihnen koordinieren. Ballett-Tnzer lernen dies auch. Bei Gurdjieff kommen auerdem komplizierte Wort- oderZahlenfolgen dazu, die im Kopf gedacht oder laut ausgesprochen werden; desweiteren mussder Schler bestimmte Stellen seines Krpers in einer bestimmten Reihenfolge spren undGefhle aktivieren. Diese komplizierte Verbindung bringt den Schler entweder dazu, ander bung zu verzweifeln oder er schafft es wie der Tausendfler, in sein Zentrum zukommen, so dass die bung wie von alleine fliet und der Geist des benden sich derSituation voll bewusst ist. "Schulen des Augenblicks" gibt es innerhalb vieler spirituellerTraditionen. Ich sage bewusst "innerhalb", weil nicht alle bekannte Traditionen, die aufgrundder Literatur als "Schule des Augenblicks" gelten, grundstzlich auch solche sind. Es gibtstarre zenbuddhistische Schulen genauso wie starre Sufi-Schulen. In gewisser Weise sind die"spontanen" Lehrformen wie Sahnehubchen auf einem Capuccino. Eine besondere Liniedieser Schulen verschiedenster Traditionen lassen sich unter dem Oberbegriff der heiligenVerrcktheit oder verrckten Weisheit zusammenfassen. "Um spirituelle Wahrheiten zuvermitteln, greifen jene Meister hufig zu sehr unkonventionellen Mitteln, die man vonreligisen Menschen nicht erwarten wrde. So benutzen sie beispielsweise Alkohol sowieDrogen aller Art und Sexualitt fr die religise ["spirituelle", wrde ich sagen] Unterweisung. Obsie in der Gosse oder im grten Luxus leben, ist ihnen gleichgltg, und ihr nachkonventionellen Mastben oft unerhrtes Verhalten entspricht meist ganz und gar nichtunseren liebgewonnenen Vorstellungen von Religion, Moral und Heiligkeit." (Georg Feuerstein)

    In einer "Schule des Augenblicks" geht es immer um die direkte Wahrnehmung derWirklichkeit des Seins ohne Schnrkel und umstndliche Ritualisierungen. Doch man solltesich nicht vom Anschein tuschen lassen. Wenn z.B. Schamanen ( Schamanismus)farbenfrohe Kleidung anziehen und mit viel Brimborium Rituale durchfhren, heit dasnicht, dass sie formal arbeiten. Das ist nur der uere Schein. Nachgefragt sagen sie, dass siedas fr ihr Publikum machen, die das Bedrfnis nach "magischen" Darbietungen hat. Aufdiese Weise wird der Heilerfolg verstrkt. Doch ihre eigentliche Arbeit muss immer uerstspontan sein, weil sie mit einer Welt in Berhrung kommen, die nicht unserenZeitmastben unterliegt. Die "Geister" mit denen sie es in einer "anderen Wirklichkeit" zu

  • tun bekommen, sind unberechenbar. "Schule des Augenblicks" bedeutet zu lernen, dielebendige Wirklichkeit durch einen Moment der Geistesgegenwart zu erwischen. DieGrundlage des Trainings basiert auf der Fhigkeit und Schulung, in jedem Augenblickachtsam zu sein und die Aufmerksamkeit bis an ihre Grenzen auszudehnen. Eine Zen-Geschichte illustriert dieses Thema eingngig: "Zen-Schler bleiben mindestens zehn Jahrelang bei ihrem Meister, bevor sie es wagen knnen, andere zu belehren. Nan-in erhielt Besuchvon Tenno, der, nachdem er seine Lehrzeit hinter sich gebracht hatte, ein Lehrer geworden war.Der Tag versprach regnerisch zu werden, darum trug Tenno Holzschuhe und hatte einenRegenschirm bei sich. Nachdem Nan-in ihn begrt hatte, bemerkte er: 'Ich nehme an, du hastdeine Holzschuhe im Vorraum gelassen. Ich mchte gerne wissen, ob dein Regenschirm rechtsoder links von den Holzschuhen steht.' Tenno wusste in seiner Verwirrung keine sofortigeAntwort zu geben. Er erkannte, dass er nicht in der Lage war, seine Aufmerksamkeit in jederMinute bei sich zu haben und studierte weitere sechs Jahre bei Nan-in."

    Selbstverstndlich muss das durch vielfltige bungen, die darauf hinzielen, dieAufmerksamkeit zu schulen, gelernt werden. Dabei wird selten mit vorgegebenen Formengearbeitet. "Ein bestimmter Sufi wurde gefragt: "Warum tolerieren Sie unbesonnene Fragen?" Erlchelte und sagte: "Um fr uns alle, die Vorurteile zu haben, derartige Fragen kennenzulernen,wie sie gerade eine gestellt haben." Eine hufig beschriebene Lehrmethode ist eine Reise mitdem Meister. Gurdjieff nutzte die Methode der unmittelbaren Erkenntnis auch, wenn ermit einigen Schlern Ausflge mit dem Auto unternahm. "Wir brachen mit drei Autos auf,und andere fuhren mit dem Zug, um sich uns in Vichy anzuschlieen. Eines von Gurdjieffsberraschungsmanvern bestand darin, vor der verabredeten Zeit loszufahren. Wer das nichtwusste, der mochte zwar pnktlich zur Stelle sein, musste dann aber feststellen, dass dieanderen schon vor einer halben Stunde aufgebrochen waren." In jeder Situation ist derSchler so vor immer neue, unerwartete Herausforderungen gestellt. Das schult dieWachheit und innere Flexibilitt.

    Der Alltag ist ein breites bungsfeld; alle groen Meister - mit wenigen Ausnahmen -benutzen die alltglichen Umstnde fr die beispielhafte Ausbildung der Schler. Der"Meister" oder die "Meisterin" mag dem Schler bestimmte Auftrge oder Aufgaben geben,die er besonders "richtig" erfllen muss, oder er lernt durch das Handeln des Lehrers, derihn immer wieder durch Unberechenbarkeit fordert. Auch wenn bestimmte Handlungen oftwidersprchlich oder paradox erscheinen, bei einem "Meister des Augenblicks" geschiehtselten etwas ohne Grund. Es wre aber unvernnftig, ihn deswegen fr "unfehlbar zuhalten. Ein schnes Beispiel fr eine unerwartete Handlungsweise gibt folgende Geschichte:"Ein Sufi gab eine Reihe von Vortrgen, die begeistert aufgenommen wurden. Whrend desVortrags pausierte er von Zeit zu Zeit und blickte in einen dicken Stapel von Blttern, die vor ihmlagen. Ein Zuhrer ging nach dem Vortrag zum Pult und bat den Sufi, ob er diesen Vortrag inseinem Universittsmagazin verffentlichen drfe. Beilufig blickte er in die Papiere und stelltefest, dass diese vollkommen leer waren. 'Sie scheinen einen Notizblock zu haben, der gar keineNotizen enthlt', sagte er. 'Ach ja', antwortete der, 'das hat seinen Grund. Ich konnte frher hufigbemerken, dass viele Leute das kritisieren, was ich vortrage, weil sie meinen, es sei nichtsorgfltig genug ausgearbeitet, wenn es frei gesprochen wird. Oder sie interessieren sich mehrfr die Tatsache, dass man ohne Notizen sprechen kann und hren auf, dem Vortrag zuzuhren."Von einigen Zen-Meistern ( Zen) werden hnliche Anekdoten berliefert. Ein Zen-Meister,in dessen Raum es durch das undichte Dach regnete, rief seinen Aufwrtern zu, sie sollten ihmetwas bringen, womit man die Tatami (Strohmatten) trocken halten knne. Einer von ihnenbrachte ohne einen Augenblick des Zgerns einen Bambuskorb, whrend der andere berall

  • nach einem festen Zuber suchte... Der Meister, so wurde berliefert, war hocherfreut ber denMnch, der den Korb brachte. Er hatte den Zen-Geist erfat... Dies nennt man im Zen 'Nicht-Unterscheidung' (nach D.T. Suzuki). Es geht in diesem Beispiel eben nicht um den"richtigen" Eimer, sondern vielmehr um die spontane "Richtigkeit".

    Als "Meister des Augenblicks" geht es den Zen-Meistern bei der Schulung nicht so sehrdarum, den Schler tagelang meditieren oder Koans (paradoxe Lehrstze) lsen zu lassen,sondern die Aufmerksamkeit des Schler fr jeden Augenblick so wach zu halten, dass ereine Entscheidung treffen kann, die gerade richtig ist, oder eine spontane Erkenntnisgewinnt - auch wenn sie in einem anderen Moment falsch sein kann. Koans sind auchbungen darin, bei alltglichen Verrichtungen einen Teil der inneren Aufmerksamkeitwachzuhalten. Spontane Erkenntnisse knnen bei jeder Gelegenheit auftreten, der Adeptmuss nur fhig sein, diese Erleuchtung oder die Intuition im gegebenen Momentwahrzunehmen. Es gibt viele berlieferte Koans, doch ein wirklicher Meister wird seineeigenen erfinden. Diese Fhigkeit wird z.B. in der Zen-Malerei ausgedrckt. "KeinZgern ist erlaubt, kein Lschen, kein Nachziehen, kein Retuschieren, kein Neugestalten... Einmalgezogen, stehen die Linien ein fr allemal unverrckbar fest. Die Inspiration ist etwas Spontanes,Absolutes, Augenblickliches..." (D.T.Suzuki).

    Methoden einer "Schule des Augenblicks"Eine "Schule des Augenblicks" nimmt je nach Bedarf eine neue Form an, sie hat keineformale Methode und kein festes Lehrgebude. Natrlich bentigt jedes Training, sei es ineiner Gruppe, einer Gemeinschaft oder in einem Kloster eine gewisse uere Struktur, dochwenn sie im Kern die Geistesgegenwart der Schlerinnen und Schler ausbilden will, dannmuss man damit rechnen, dass die tgliche Routine immer wieder durchbrochen wird. DerUnterschied zwischen Mahamudra ( Tibet-Tantra) und Zen verdeutlicht diese zweiFormen: Als es nach Hui Neng (638-713) zur Teilung der Schulen kam, verwandelte sich daschinesische Zen sowohl im Stil auch in der Praxis. Im Gegensatz zum Mahamudra kennt dassptere Zen keine "Wegmarkierungen" oder Instruktionen. Der Schler muss "im Dunkel"beginnen, dem Meister vertrauen und eine pltzliche innere Erleuchtung erreichen.Mahamudra bietet eine Schritt-fr-Schritt-Schulung. In einer Schule des Augenblicks sinddie Dinge nie so, wie sie scheinen. In Gurdjieffs bungszentrum Fontainebleau gab es einenTeilnehmer, mit dem keiner zurechtkam. Er war reizbar, schlampig, fing mit allen Streit anund wollte sich auch sonst nicht so recht beteiligen. Als er schlielich abreiste, waren allefroh. Gurdjieff hielt ihn jedoch am Bus an, um ihn zurckzuholen. Der Mann hatte jedochkeine Lust mehr. Schlielich bot ihm Gurdjieff einen ansehnlichen Lohn fr seine Rckkehran. Als die anderen Schler davon hrten, brach ein Aufruhr aus. Gurdjieff lachte underklrte ihnen den Grund: "Dieser Mann ist fr euch das, was frs Brot die Hefe ist. Wenn ernicht hier wre, wrdet ihr niemals lernen, was Wut, Reizbarkeit, Geduld und Erbarmen ist.Deshalb msst ihr mir Geld fr den Aufenthalt bezahlen, und ich bezahle ihn, damit ihr etwaslernen knnt." Gerade die Auseinandersetzung mit den eigenen Gefhlen kann dieWahrnehmung fr die Ganzheit einer Situation schaffen. Deshalb sind Schulen dieser Art(mit formaler Struktur oder ohne) wichtig, weil sie erst die notwendigen Grundlagen imSchler legen, damit er fhig ist, zum Kern der Erkenntnis vorzustoen. Die notwendigeAufmerksamkeit und Intuition kann nur durch bung und Training entwickelt werden. Eingutes Beispiel dafr ist das bereits erwhnte Kendo: "Wenn ein Schler die Kunst des Kendo

  • zu erlernen wnscht, werden seine Abwehrbewegungen am Beginn seiner Unterrichtung ...instinktiv sein. Nach einer langen Zeit wird er genauestens alle Angriffs- undVerteidigungstechniken lernen. Beim Kampf wird er jetzt versuchen, die Techniken, die er erlernthat, anzuwenden: dabei wird sich sein Geist der Handlung bewusst sein: er wird denursprnglichen Hauch der Unschuld und der Freiheit verloren haben. Erst in der dritten Phase,nach einer langen Ausbildungszeit, wird es ihm gelingen, endlich die Techniken zu vergessen,die sein 'Krper' berdies selbstndig angenommen haben wird, und sein Geist wird wieder zurfrheren Freiheit und Intuition zurckfinden, jedoch auf einem anderen Niveau." (Nitob,Bushido)

    Aufmerksamkeit ist eine Eigenschaft oder direkt zugngliche "Funktion" des individuellenWillens (oder des "wirklichen Ichs" oder wie im Buddhismus die "berpersnliche Kraft desGeistes") und wird normalerweise von vielen Dingen angezogen und verbraucht. Wie dieAufmerksamkeit konzentriert werden kann, ist eines der Geheimnisse der Lehre. Eine gutebung ist die Beobachtung, die Wahrnehmung des eigenen Verhaltens. Sie kann demSchler zeigen, wie er von vielen Dingen angezogen oder abgelenkt wird und entsprechendreagiert. Deshalb rufen bestimmte Lernsituationen sehr viele Spannungen hervor, weil derSchler mit seinen Identifikationen konfrontiert wird, welche seine spontaneAufmerksamkeit blockieren. Diese Spannungen dienen auch dazu, Energien aufzubauen, diehelfen, den notwendigen Abstand von den eigenen Verhaftungen zu gewinnen. Ziel ist dieBefreiung von der Identifikation mit inneren und ueren Dingen, selbst der gelerntenTechnik. Ein guter Kampfsportmeister braucht nur drei oder vier Armhaltungen um jedenAngriff abzuwehren. Eine Methode zur Schulung der Aufmerksamkeit ist krperliche Arbeitoder Krpertraining. Dabei lernt der Aspirant, konzentriert an seiner Aufmerksamkeit zuarbeiten, entweder mit Hilfe von Selbstverteidigungstechniken, Tanz oder anderen bungen,die schnelle Bewegungsko-ordination erfordern. Denn gerade Bewegung, die schneller ist alsdas Denken, kann den benden zum Zentrum seiner Bewegung fhren, das bewegungslosist. Eine weitere Methode benutzt eine handwerkliche Ttigkeit oder Ausbildung. Dabei gehtes in erster Linie nicht darum, handwerkliche Fhigkeiten auszubilden, sondern inungewohnten Situationen mehr ber sich selbst zu erfahren. Da ein handwerklichunausgebilderter Schler bzw. eine Schlerin zuerst lernen muss, mit dem neuen Materialzurechtzukommen, verfllt er nicht sofort in Routinen, die ein gebter Handwerker besitzt.In dieser Situation wird der Wille, etwas Neues zu lernen, ebenso geschult wie dieAusdehnung der Aufmerksamkeit. Ein weiteres Element ist die gezielte Unterbrechungdurch den Lehrer, um den Schler immer wachsam zu halten. Gurdjieff benutzte dazu dieStopp-bung. Wenn der Leiter einer Gruppe laut hrbar das Wort Stopp ruft, mssendie Schler alle Bewegungen und Ttigkeiten einfrieren bis sie nach kurzer Zeit wiederzum weitermachen aufgefordert werden. Diese bung sollte auch wenn sie einfach zu seinscheint nur von einem erfahrenen Lehrer durchgefhrt werden, der alles im Blick hat,damit keine Unflle passieren knnen. Hufig werden Gruppensituationen geschaffen, indenen die Teilnehmer den Eindruck haben, der Lehrer sei chaotisch und knne nicht gutorganisieren. Man erwartet eben, dass in einem Seminar alles so geschmiert abluft, wie manes gewohnt ist. Wenn der Leiter diese Form absichtlich gestalten kann, dann gelingt es ihmschnell, die Teilnehmer zu verunsichern, die am Gewohnten festhalten wollen und eigentlichnichts Neues lernen mchten. Erweiterte Aufmerksamkeit und spontanes Handeln ist vonbesonderer Bedeutung fr die eigene Entwicklung. Es ist eine Wachheit, die nicht nur aufeine Sache konzentriert ist, sondern gleichzeitig mehrere Dinge auf einmal einbezieht, die

  • um den benden herum passieren, ohne die Aufmerksamkeit auf den Job zu verlieren.Gebte Hausfrauen und Mtter mit Kindern sind natrliche "Meisterinnnen desAugenblicks", wenn auch meist "unbewusst". Wenn Sie lernen, diese natrlichen Fhigkeitenihrer besonderen Lebensumstnde auf andere Situationen zu bertragen, sind sie auch imLeben erfolgreich. Mnnern fllt es meistens schwerer, mehrere Dinge gleichzeitig zubeachten, was teilweise mit ihrer etwas anderen Gehirnstruktur zu tun hat. FortgeschritteneTrainingsmethoden verlangen gerade diese vielseitige Aufmerksamkeit. In sich selbstzentriert zu bleiben und dennoch mit einem Teil der Aufmerksamkeit der ueren Umweltgewahr zu sein, ist eine grundlegende bungspraxis einer "Schule des Augenblicks". Dennfr unser normales Denken und Empfinden sind spirituelle Impulse zu schnell. Wir knnensie erst im Nachhinein wahrnehmen. Das beste Beispiel ist die Wirkung der Intuition undKreativitt. Wir haben einen Einfall, der wie aus dem Nichts kommt, also nicht von uerenFaktoren bedingt ist oder jedenfalls keine unmittelbare Reaktion auf einen ueren Anlassdarstellt, und sind selten in der Lage, diesen Einfall im Augenblick seines Entstehens zusehen, vielleicht noch nicht einmal hinterher. Er fliet einfach durch uns hindurch, ohneSpuren zu hinterlassen. Doch wenn der Einfall wichtig ist, sollten wir in der Lage sein, ihnzu bemerken! Manche spirituelle Richtungen, die heute verbreitet sind, sprechen davon, dassman einfach "im kosmischen Strom flieen" soll. Das mag zwar ein sehr angenehmes Gefhlsein, geht aber ganz am Kern der Sache vorbei. Denn die ungebundene Sensitivitt solltenicht einfach erlebt, sondern konzentriert werden, damit die Aufmerksamkeit, dasBewusstsein und die Kreativitt, die intensivere "Energien" sind, berhaupt auf eine Basisbzw. "Gef" in uns treffen. Ohne diese Basis sind wir allen mglichen inneren und uerenImpulsen ausgeliefert, die uns von unserer wirklichen Arbeit ablenken. Wir fhlen uns zwarfrei, doch sind nicht frei; Freiheit ist eine Eigenschaft des Willens und der Aufmerksamkeit.(Die Welt des Willens, d.h. der geistigen Wirkkraft, darf natrlich nicht als rigide Strukturverstanden werden, sie ist gerade das Gegenteil, sonst wre es auch keine Welt der Freiheit.)

    Was ist der Augenblick?Wie bereits am Beispiel der Aufmerksamkeitsschulung gesehen werden konnte, ist die"Meisterung des Augenblicks" keine willkrliche Angelegenheit, sondern basiert auf einergewissen Disziplin des Schlers. Auch eine strukturierte Methode kann viele Augenblickeschaffen, die gemeistert sein wollen. Die Herausforderung ist permanent. DieseEinstimmung in die Situation, in das "grere Ganze" ist Teil des Trainings fr denAugenblick. Jeder Moment ist der einzige, den wir haben, nicht die Vergangenheit oder dieZukunft. Doch die Einheit eines gegenwrtigen Augenblicks liegt nicht in derverschwindenden Sekunde eines Zeitablaufs, sondern im Heraustreten in eine andereZeitdimension, den greren gegenwrtigen Augenblick. Hier wird eine Sekunde zurUnendlichkeit.Je mehr inneren "Raum" wir erschaffen, desto mehr Zeit haben wir. Das klingtParadox, aber durch die Entfaltung eines inneren Seins, das auerhalb der Zeit ist, wird dieZeit gemeistert. William Blake drckt das sehr schn aus: "Die Ewigkeit ist verliebt in dieHervorbringung der Zeit."

    Der innere Raum wird frei durch die Befreiung von vielem Schrott, den wir in uns tragenund durch die bewusste Ausdehnung und Strkung der inneren Kraft. Der Augenblick kannsich erweitern. Die Meister des Augenblicks arbeiten mit dieser Tatsache, sie haben eineVision und eine Verbindung mit dem greren Raum und der greren Zeit. Deshalb

  • knnen sie im gegebenen Augenblick in einer Zeitsequenz der normalen Zeit richtige Dingetun, die von anderen fr vllig unsinnig gehalten werden, weil diese nicht sehen knnen, inwelchem Zusammenhang die entsprechende Aktion steht. Eine Schule des Augenblicks fhrtim Idealfall keine festgelegten Rituale durch, hat kein dogmatisches Lehrgebude oder gibtbestimmte Vorschriften. Sie schafft vor allem intelligente Umstnde, die nicht nur demSchler eine Mglichkeit zum Wachstum bringen, sondern auch in einer greren Ordnungeine Rolle spielen. Sie knnen jedes Material benutzen, das zur Verfgung steht, und seien esSteine, die herumliegen. Eine Zen-Geschichte illustriert diesen Punkt: Zwei Zen-Mnchediskutierten ber Subjektivitt und Objektivitt. Einer sagte: "Dieser Stein dort, ist er auerhalboder innerhalb meines Geistes?" Der andere: "Nach den Regeln des Buddhismus ist er innerhalb."Der Meister kam dazu: "Dein Kopf muss ganz schwer sein, wenn du den Stein dort herumtrgst."

    Die Meister des Augenblicks sind sich natrlich bewusst, dass jede ihrer Aktionenirgendwann imitiert wird, dass jede Form und Struktur, die sie vorbergehend annehmen,erstarren kann. Deshalb haben diese Meister immer neue Formen und neue Situationengeschaffen, die der Augenblick geboten hat. Wir knnen uns also nicht darauf verlassen,dass ein "Sufi" immer ein "Sufi" sein wird oder diesen Namen trgt. Wahrscheinlich wird ersich selbst sowieso nicht so benennen. Eine Bezeichnung fr die Manifestation einer Lehregilt immer nur fr eine bestimmte Zeit und wird fallen gelassen, wenn sie ihren Dienst getanhat. Diejenigen, die dann daran festhalten, halten an einer toten Form fest, die weniglebendige Kraft hat. Das Beharren der Menschen an bestimmten ueren Formen istnatrlich der Grund, warum manche Formen ber Jahrhunderte berleben. Zum Teil ist dasauch beabsichtigt, weil wenige in der Lage sind, die Herausforderung der Schule desAugenblicks anzunehmen. Im Zen gibt es den Ausspruch: "Triffst Du Buddha unterwegs,dann tte ihn", was besagt, dass es einen Buddha nach unserer Vorstellung nicht gibt.

    Wenn heute ber spirituelle Traditionen wie Sufismus oder Zen geschrieben und gesprochenwird, wird meistens die berlebte Form oder die Form der Anpassung an unserenGeschmack gemeint. Wirkliche "Meister des Augenblicks" spielen nicht mit im Zirkus derEitelkeiten. Sie mgen uns bekannt sein, Vortrge halten und Bcher schreiben, doch ihrewirkliche Arbeit geschieht im Verborgenen. Selbstverstndlich hat jeder eine bestimmte Rollezu spielen, einen Dienst fr die Menschheit zu erfllen, und dieser wird wahrgenommen.Dennoch wird es der Sucher schwer haben, einen kreativen "Meister" zu finden. "Ein Schlerlernte seit einigen Monaten bei einem Sufi. Eines Tages sagte er: 'Meister, Du bist einer dergrten Mnner in der Welt und doch verhltnismig unbekannt. Ich fhle es als eine Pflicht,herumzureisen und den Leuten von Deiner Gre zu erzhlen. Wie kann es nur sein, dass ein sounendlich perfekter Mensch unbekannt bleiben soll.' Der Meister sagte: 'Wenn ich sagen wrde,ich sei ein unendlich perfekter Mensch, oder jemanden dies von mir verbreiten lassen wrde,wrdest du wissen, dass ich dies nicht bin. Das Gefhl, dass du deinen Lehrer als den grtenMenschen auf Erden darstellen musst, ist ein Zeichen deiner eigenen berheblichkeit."Das Ziel unseres Strebens ist jenseits jeder Vorstellung. Auch die Meister des Augenblickssind gewissen Bedingungen unterworfen, doch sie sind wahrscheinlich eher in der Lage, sicham eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen. Das kosmische Unendliche schafft immerneue Gelegenheiten zur Arbeit, und mischt sich nicht ein. "Wenn wir uns dem Werkverpflichten, das manchmal der Geist Gottes genannt wird, verpflichten wir uns fr immer derVernderung."(Reshad Feild)

  • DIE RELATIVITT DES ZEITBEGRIFFS(Quelle: Bruno Martin - Auf einem Raumschiff mit Gurdjieff)

    Zeit an sich existiert nicht, sondern sie ist nur die Gesamtheit der Resultate, die ausallen mglichen an einem gegebenen Ort vorhandenen kosmischen Erscheinungenentstehen. Zeit an sich kann von keinem Wesen weder mit dem Verstande begriffennoch durch irgendwelche ueren oder inneren Seins-Funktionen empfundenwerden.

    Bevor Gurdjieff in Beelzebub auf den Grund und die Ursache der menschlichenExistenz kommt, spricht er ber die Relativitt des Zeitbegriffs und fhrt zugleich die Ideeein, da die Lebensdauer des Menschen aufgrund seiner Existenzform sich objektivgesehen immer weiter verkrzt hat. Zeit ist die Potentialitt der Erfahrung; sagt A.R.Orage. Er meint dabei die Anzahl von Erfahrungen, die wir mit unserem Krper, unserenGefhlen und unserem Denken machen knnen. Alles, was wir mit unseren Sinnenerfahren, unterliegt der Entropie durch die Zeit ebenso, wie unser Krper und unserDenken - wenn wir nicht einen Weg einschlagen, um unser inneres Leben zu intensivieren,es auf eine andere Stufe des Bewutseins zu bringen. Dann knnen unsere Erfahrungen ineinen vllig anderen Zeitablauf kommen.

    Wenn wir durch Arbeit an sich selbst unser inneres Sein entwickeln, wird unsereErfahrungswelt reicher und tiefer - wir gewinnen Zeit, d.h. wirkliche Lebensqualitt. Wirmgen zwar das Gefhl haben, da der uere Zeitablauf zu schnell ist und wir nichtgenug Zeit fr alles haben, was wir tun mchten, aber je mehr wir mit dem Bewutseinin Kontakt sind, desto mehr innere Zeit haben wir. Diese Erfahrung wird beimAusfhren der Gurdjieff-Tnze unmittelbar deutlich. Anfangs haben wir das Gefhl, denAnforderungen unterschiedlicher Bewegungsablufe mit Kopf, Armen und Beinen nichtgewachsen zu sein. Doch dann kommt ein Punkt, wenn wir in die innere Konzentrationkommen, zentriert werden. Pltzlich gelingen alle Bewegungen ohne jede Hektik.

    Anhand dieser zwei Zeitebenen erklrt uns Gurdjieff, da es zwei Arten der Existenz gibt:Erstens das normale Leben, das mit dem Strom der Zeit fliet und der Entropie unterliegt.Wenn wir nur in und durch die Prozesse der materiellen Welt leben, sind wir auch Teil derkosmischen Energietransformation, doch wir gewinnen nichts fr unsere eigene seelischeEntwicklung. Denn so wie wir normalerweise leben, geschieht die tgliche Erfahrungohne unser eigenes bewutes Zutun. Wenn wir nicht lernen, die Energien zu kontrollierenund zu transformieren, die durch unseren Krper und unsere Erfahrungen erzeugtwerden, luft unsere innere Uhr immer schneller ab, wir werden von der Zeit getrieben.Orage bringt ein Beispiel: Eine Person liest etwas in der Zeitung oder hrt etwas undidentifiziert sich sofort damit. Er fhlt intensiv, aber seine wertvolle emotionale undmentale Energie wird verschwendet. Er hat seine Lebenszeit verkrzt. Dasselbe geschiehtmit vielen anstrengenden Lebenserfahrungen, die uns graue Haare wachsen lassen,unsere Uhr luft schneller ab, weil wir nicht in der Lage sind, unsere begrenzten Energienzu halten.

  • Das zweite Lebensprinzip geht gegen den Strom der Zeit und der Entropie. Wir erschaffenuns selbst gegen alle Widernisse des mechanischen Drucks des Alltagslebens. In diesemFalle erschaffen wir eine neue Seinsqualitt, die nicht der Abnutzung durch die Zeitunterworfen ist.

    Zeit an sich existiert nicht, sondern sie ist nur die Gesamtheit der Resultate, die ausallen mglichen an einem gegebenen Ort vorhandenen kosmischen Erscheinungenentstehen. Zeit an sich kann von keinem Wesen weder mit dem Verstande begriffennoch durch irgendwelche ueren oder inneren Seins-Funktionen empfundenwerden .... Zeit kann man nur beurteilen, wenn man verschiedene kosmischeErscheinungen miteinander vergleicht... Es mu hervorgehoben werden, da imgroen Weltall berhaupt alle Erscheinungen ohne Ausnahme, wo immer sieentstehen und sich manifestieren, nichts als folgerichtige gesetzmige Bruchstckeeiner ganzen Erscheinung sind, die ihren Ursprung in der Allerheiligsten SonneAbsolut hat. Im Kapitel ber den Zeitbegriff vergleicht Gurdjieff das Flieen desHeropas, der keine Quelle hat, mit dem Flieen der gttlichen Liebe.

    Die kosmischen Fraktale der verschiedenen Welten werden nach dem Gesetz der Siebenverwirklicht. Jeder der sieben Kosmen, von denen Gurdjieff spricht, hat seine eigene Zeit.Die Zeit luft immer mit, wie Gurdjieff sich ausdrckt, und ist deshalb die einzig-ideal-subjektive-Erscheinung. Gurdjieff macht deutlich, da jedes Lebewesen und jederKosmos seine eigene subjektive Zeit hat. Je nach Intensitt des Erlebens haben wir mehroder weniger Zeit. Wenn wir ins Bewutsein aufwachen, ist unsere subjektive Zeit imVerhltnis zum normalen Wachzustand wesentlich lnger. Wir erleben die Dingegleichzeitig und in hchster Intensitt. Wenn wir in unserem wirklichen Ich zentriertsind, haben wir die Freiheit zu whlen und zu entscheiden. Entscheidung ist einspontaner Akt, der nicht in der Zeit abluft, aber Einflu auf das Geschehen der Welt hat.

    In Ouspenskys Niederschrift seiner Lehren sagt Gurdjieff: Aber alleMglichkeiten, die geschaffen worden sind, oder in der Welt entstanden sind,mssen verwirklicht werden. Die Verwirklichung aller geschaffenen oderentstandenen Mglichkeiten bestimmt das Wesen der Welt. Gleichzeitig ist fr dieVerwirklichung dieser Mglichkeiten innerhalb der Grenzen der Ewigkeit kein Platz...Wenn wir uns die Linien der Verwirklichung dieser Mglichkeiten vorstellen, sowerden sie entlang der Radien verlaufen, die von einem Punkt in verschiedenenWinkeln zur Zeit- und Ewigkeitslinie ausgehen. Diese Linien werden auerhalb derEwigkeit verlaufen, auerhalb des fnfdimensionalen Raumes,... in der sechstenDimension. Die sechste Dimension ist die Linie der Verwirklichung allerMglichkeiten.

    Der Physiker Anthony Blake bezeichnet die Zeitdimension der Ewigkeit alsInformationsfeld. Insofern ist der Begriff Ewigkeit eher irrefhrend. Es ist die Welt derMglichkeiten, der Formen, die noch nicht aktualisiert, also mit der materiellen Weltverbunden sind. Umgekehrt gibt es eine Aktion in dieser Welt, die auf dasInformationsfeld zurckwirkt und dort gespeichert wird. Die Aktion, die in der Lage ist,den Inhalt des Informationsfeldes zu gestalten, ist der Akt des Willens, der aus dersechsten Dimension kommt.

  • ADAM NOTT INTERVIEW VON ADAM TURNER1bersetzung Mani Gerlach

    F: Ich bin nicht mein Vater und ich bin mir sicher, du bist nicht deiner, aber ich habe vorunserer Zusammenkunft noch einmal einige von C.S. Notts Bcher gelesen, um fr denBeginn unseres Gesprches eine gemeinsame Basis zu haben. In einem dieser Bcher steht,dass ein Moment des Selbst-Erinnerns ein Moment von Bewusstheit ist, nicht imgewhnlichen Sinne, aber ein Bewusstsein des wirklichen Selbst, welches das Ich ist. Wiewrdest du jemanden, der neu in den Ideen der inneren Arbeit ist, den Unterschiedzwischen diesem Ich und wie sich Leute normalerweise in ihrem gewhnlichen,alltglichen Leben selber sehen erklrt?

    A: Ich schtze, dass ist eine Sache, die man tun muss. Das Erste, was mir dazu einfllt ist,dass man den Unterschied nur versteht, wenn er passiert. Es ist eine vllig andere Erfahrungvon sich selber. Und ich wrde sagen, wenn jemand in Bezgen denkt, sagen wir, dass diedrei Zentren gewhnlich keine Beziehung zu einander haben; aber wenn sie zusammenkommen, dann hast du eine vllig andere Erfahrung von dir selbst, bist mehr und mehrzusammen oder mehr vereinigt. Es ist selbstverstndlich nicht etwas, was innerhalb unsererKontrolle geschieht oder besser gesagt, es ist ein Moment, der nicht kontrollierbar ist. Manbekommt Hinweise fr bestimmte Anstrengungen, welche zunchst anscheinend keinerleiEffekte in Bezug auf die Erfahrung des Selbst-Erinnerns haben, aber ich bin mir sicher, dasssie eine kumulative Wirkung haben. Man versucht es so gut wie mglich zu machen unddafr braucht man Anleitung. Aber egal, wie viel Anleitung man hat, wenn man es versucht,jedes mal wird es wahrscheinlich ganz unterschiedlich sein und nicht unbedingt passend,aber manchmal ist es passend. Man muss es versuchen, ohne auf ein Ergebnis zu schauen,ohne ein Ergebnis zu erwarten. Und als Ergebnis dieser Versuche treten diese Momente auf.So, schtze ich, gehst du voran. Einer der Effekte solcher Anstrengungen ist ein kurzerEindruck wie man eher mechanisch funktioniert. Denn wenn man eher auf einemmechanischen Niveau ist, fhlt es sich nicht mechanisch an, es fhlt sich normal an. Aberwenn du anfngst einen Geschmack von etwas anderem zu bekommen, dann kommst du aneinen Punkt, von dem du dies sehen kannst, tatschlich ist, was passiert, vllig unbewusst.Zum Beispiel, wenn du mit jemandem anderen zusammen bist und erkennst, dass du nichtzuhrst. dann kannst du sehen, dass da die Mglichkeit des Zuhrens wre und dass dunicht zuhrst. In einem mehr erleuchteten Zustand kann dies als eine flchtige Erfahrungder Wahrheit gesehen werden, aber etwas in mir ist unfhig dies zu ertragen undberwltigt durch Selbstkritik verliere ich die Erfahrung.

    F: Diese Ideen ermutigen uns in unserem Krper prsent zu sein zu spren aber eserinnert uns auch daran, dass wir NICHT unsere Krper sind. Warum ist das so paradox?Warum akzeptieren wir nicht einfach wie wir sind, ein Haufen Fleisch, der von vielenkomplexen Systemen zusammen gehalten wird, und fertig damit?

    A: Nun, warum nicht? Aber tatschlich ist es kein Widerspruch, weil dieses Mutmachen oderdiese Hinweise, dass es notwendig ist seinen Krper zu spren, eine zweispurige

    1 http://www.gurdjieff-internet.com/article_details.php?ID=319&W=55

  • Angelegenheit ist. Wer sprt den Krper? Ich vergesse dies andauernd und muss mich daranerinnern, dass die Anstrengungen den Krper zu spren, tatschlich den Kopf und denKrper zusammen bringen. Nur wenn Kopf und Krper zusammen sind, kann der Krpergesprt werden. Die Leute reden die ganze Zeit von der Notwendigkeit, im Krper zu seinund das ist richtig, aber was sie meinen ist, dass ich diese Verbindung zwischen den beidenBereichen bentige. Ich brauche die Erfahrung, dass ich in meinem Krper bin. Mannvergisst, von wo der Impuls kommt. Er kommt vom Kopf. Es ist der Kopf, der sich mit demKrper verbindet, der die Erfahrung des Sprens ermglicht. Beim Versuch die Zentren zuverbinden, tendieren wir dazu mit dem Kopf und dem Krper zu beginnen, weil das leichtermglich ist. Wenn ich versuche eine Verbindung zwischen Kopf und den Emotionen zumachen, wird mein Kopf durch die Strke der Emotionen weg getragen und eineVerbindung ist nicht mglich. Also brauchst du diese Allianz zwischen Kopf und Krper, umin der Lage zu sein, dich dem Pfad (Emotionen) zu stellen, ohne von ihnen weg getragen zuwerden. Und dann, vielleicht, knnen die Drei zusammen kommen. In den frhen Jahrenwar der Weg wie die Arbeit gelehrt wurde, etwas kopflastig. Die Leute beschwerten sich,dass da kein Platz fr Gefhle sei. Aber tatschlich erscheint es mir nun, dass genau diesesdas Ziel ist. Man kann nur erfahren, dass Gefhle im Gegensatz zu Emotionen stehen, wennalle drei Bereiche vereinigt sind.

    F: Im gleichen Buch heit es Selbst-Erinnern fngt mit Selbst-Spren an. Es muss durchdas Instinktive-Bewegungs-Zentrum und das Emotionale Zentrum gemacht werden. Daskann ich nachvollziehen. Meistens fngt das, was ich Selbst-Erinnern nenne, mit meinerWahrnehmung von krperlichen Spannungen einer Haltung an, als Beispiel. Wenn man dasso macht, was meinst du, ist dann die Rolle von unserem intellektuellem Anteil?

    A: Sind das Zitate von meinem Vater? Den Einflssen, denen er ausgesetzt war, abgesehenvon seinem direkten Kontakt mit Herrn Gurdjieff, waren das, was wir heute als sehrformatorisch bezeichnen wrden. Und die Ideen, ich habe einige Notizen von der Gruppe,die sie mit Orage in New York hatten, gesehen, meistens haben sie ber die Ideengesprochen. Ich schtze, du hast die dritte Serie gelesen, wo Mr. Gurdjieff nach New Yorkfhrt und jedem sagt, dass er die Orage-Gruppe zu verlassen hat und Orage aufgeben soll.Und am Ende macht Orage das Gleiche. Ich denke, was das Ganze provoziert hat, war dieErkenntnis, dass alles was dort passierte, auf dem Niveau ber Ideen zu reden stattfand.Nun tendiert man dazu, Leute aufzufordern von Erfahrungen zu sprechen, Erfahrungen vonihnen selber, anstatt nur von einer Idee. Ich wrde sagen, dass die Ideen jetzt einen anderenStellenwert haben, aber das heit nicht, dass sie nicht wahr sind. Es war immer der Fall,wenn du jemanden getroffen hast, der an der Arbeit interessiert war und an einer Gruppeteilnehmen wollte, dass sie Auf der Suche nach dem Wunderbaren gelesen hatten. Aber dukannst feststellen, dass die Leute es nicht in der Art lesen, wie sie es gewohnt sind. Ich warsehr berrascht, als ich letztes Wochenende in Irland war, dass es immer noch das Buch Aufder Suche nach dem Wunderbaren war, was sie wirklich dazu gebracht hat nach etwasanderem zu suchen. Das wrde mir auch so gehen. Ich hatte Eltern, die mit Mr. Gurdjieffwaren. Ich traf Mr. Gurdjieff, aber ich wusste nicht, was er lehrt. Das habe ich nurherausgefunden, als Auf der Suche nach dem Wunderbaren herauskam. Und meine Eltern,das kann ich mit Glck sagen, haben mich nicht indoktriniert. Es ist wichtig, sich darberklar zu sein, was man unter dem intellektuellen Zentrum versteht. Man sollte den

  • formatorischen Apparat nicht mit dem intellektuellen Zentrum durcheinander bringen. Manknnte sagen, dass der formatorische Apparat der lauteste Teil des intellektuellen Zentrumsist. Aber wenn wir zu dieser Idee von der Verbindung des Kopfes zum Krperzurckkommen, wenn man versucht sich zu spren, da ist ein stiller Teil des intellektuellenZentrums, der weiter weg ist, und das ist der Teil, der diese Verbindung erzeugen kann. Sogib es da kein Problem, er wird einbezogen, wenn du dich selbst sprst.

    F: Ich habe neulich Gras gemht und habe versucht, meine Aufmerksamkeit auf bestimmteDinge zu behalten. Ich habe festgestellt, dass meine Aufmerksamkeit eine Minute da war,dann wieder weg, und das ich keine Kontrolle hatte, wann und wie sie verschwindet.Tatschlich sind mir die Grnde fr das Verschwinden manchmal ein Mysterium. WelcheBedeutung hat es, auf diese Weise zu kmpfen, die Aufmerksamkeit zu behalten?

    A: Ich denke, es kommt darauf an wie man kmpft. Es scheint mir, dass das, was du versuchthast, whrend du den Rasen gemht hast, eine sensible Idee ist, mglicherweise ein wenigkomplex, verschiedene Teile des Krpers zu spren. Wahrscheinlich wrde ich vorschlagen,oder wrde in dieser Situation selber versuchen, zu schauen, ob ich whrend desRasenmhens mit meinen Fen in Kontakt bleiben kann. Und wahrscheinlich wrde ichherausfinden, dass ich das nicht kann. Da ist immer die Mglichkeit, indem man etwasausprobiert, man seine Fhigkeiten bt und diese Fhigkeit muss trainiert werden, undvielleicht ist es wie ein Muskel. Du kannst bestimmte Sachen mit bestimmten Muskeln nichtmachen, wenn sie noch nicht benutzt wurden. Du musst sie benutzen, und wenn duanfngst sie zu benutzen, erscheint es erst einmal so, dass es keinen Unterschied macht. Manist nicht sensitiv genug, um festzustellen, dass man ein wenig mehr Strke als am Vortagdabei hat, weil ich daran gearbeitet habe. Das ist der Grund es zu versuchen, aber ich habe esimmer in meinem Hinterkopf, dass ich nicht genau wei was ich tue. Wenn ich also sage,dass ich es versuche wie ich es gestern versucht habe, kann dies wahr sein oder auch nicht.Ich bin es gewohnt ber Zinsen nachzudenken. Ich denke auf die gleiche Art ber Zinsen alssie 6% betrugen. Ich dachte: was interessiert mich das? Aber wenn du 10.000 hast, knnen6% Zinsen eine Menge Bedeutung haben, besonders wenn du es irgendwo anlegst, dann hastdu beim nchsten Mal Nachschauen die 10.000 und etwas mehr.

    F: Wie siehst du die Bedeutung von Empfindungen (sensations) in der Arbeit mit Bewegungund Aufmerksamkeit?

    A: Nun, Empfindung ist das gleiche Ergebnis der Bemhungen, von denen ich bereitsgesprochen habe, Verbindung des Kopfes mit dem Krper. Und besonders, wenn man mitdem Movements arbeitet oder einigen Movements, kann es einen Moment geben, wo wir sieaufgrund der verschiedenen Anforderungen der Bewegungen wahrnehmen. Du kannsteinfach nicht alles mit dem Kopf regeln. Da ist etwas fr den Kopf und dann kommt etwasanderes hinzu. Der Kopf kann nicht nachvollziehen, was zuerst kam und genauso wenig,was dann hinzukommt. Und so fngst du an zu realisieren, dass in diesem ganzen Prozessetwas anderes lenken oder beteiligt werden muss, auerhalb von dem, was ich versuche, waswahrscheinlich mein ordinrer Verstand ist. Manchmal passen die Sachen an einem gutenTag, und aufgrund der Anforderungen der Movements ist man verpflichtet, einen anderenWege zu finden, wie man mit diesen Movements umgeht. Dann passiert oft ein Empfinden

  • intensiver als gewhnlich, aber es ist immer noch das Ergebnis des Versuchs, die Dinge ineinem zusammen zu bringen, bei denen selbstverstndlich die Movements hilfreich sind. Ichmchte sagen, dass ich diese Erfahrung am strksten durch die Movements gemacht habe.Nicht nur die Anforderungen der Movements auch durch die Musik. So bringen mich diesEinflsse gemeinsam zu einem anderen Platz in mir. Ich mchte hinzufgen, egal welcheTiefen jemand in sich gefunden hat, sie mssen stets erneut gesucht werden. Die Idee desinneren Wachstums knnte interpretiert werden als die Fhigkeit zu Suchen. Die Fhigkeitzu Suchen ist da, und indem ich es mache, bekomme ich Erfahrungen ber mich selbst. Umdiese zu intensivieren ist es notwendig, dass ich stets weiterhin suche. Eine der Nachteileeiner sehr starken Erfahrung wie eine intensive Empfindung ist, dass du daran festhltst undzurck schaust. Ich hatte das gestern, ich versuche es heute wieder, aber es ist nicht wiegestern. Das hilft natrlich nicht, weil du diese Erfahrung nicht bekommen kannst, indem duzurck schaust.

    F: Diese Ideen haben etwas Gemeinsames mit den Ideen, die in den Westen gekommen sind,die man unter dem gemeinsamen Nenner Selbstverbesserung sehen knnte und das istVernderung. Ich denke, wenn wir uns ehrlich betrachten, sind wir unzufrieden, und dasverursacht viel Leiden. Wir sehen, dass wir nicht so sind wie wir dachten oder wie wir seinsollten. Was ist der Wert in der inneren Arbeit, zu versuchen uns zu ndern oder zuwnschen uns zu verndern?

    A: Nun Adam, Selbstverbesserung ist ein Begriff, der nicht gro genug ist, um die Lehre vonHerrn Gurdjieff mit einzuschlieen. Der Begriff Selbstentdeckung ist in seiner Bedeutung danher. Ich wrde sagen, dass der Wunsch sich zu ndern uns vielleicht zur Arbeit hinfhrt.Was wir aber tatschlich brauchen ist, dass du dich so siehst wie du tatschlich bist, unddieser Wunsch nach Vernderung ist hierbei hufig ein Hindernis, weil er auf einemgewhnlichen Niveau existiert. Ich sehe etwas in mir und reagiere, ich mchte es verndern,aber in welche Richtung? Ich bentige das ganze Bild. Also ist die Vernderung, die bentigtwird, die Fhigkeit wahr zu nehmen ohne zu reagieren. Und von dort knnte es mglichsein auf eine intelligentere Art sich in die Richtung zu bewegen, die ntig ist. Tatschlich isteines der Dinge, die wir in unserem Selbststudium begegnen, die Erfahrung, dass man insich ein frchterliches Durcheinander antrifft.

    Man mchte gerne von diesem Durcheinander befreit sein, und das geht nur wenn alleszusammen passt, wenn du anfngst zu erkennen, dass dieses Durcheinander mein Materialist. Und wenn ich das sehe und reagiere, dann entzieht es mir Energie, aber wenn ich esakzeptieren kann, kann es transformiert werden. Das ist eine andere Art zu sagen, dass dieSachen, die ich als mein Durcheinander bezeichne, nicht gendert werden mssen. Wassich ndern muss ist meine Haltung dazu, und das kann nur durch eine strkere Verbindunggeschehen. Aber in Betrachtung der Lehren von Herrn Gurdjieff geht es nicht nur um michin der Welt, es geht um mich im Verhltnis zum Universum und um die verschiedenen Teiledes Universums im Verhltnis untereinander. Dies erklrt, warum Selbst-Verbesserung nichtdas passende Motto ist. Dies kann ein Anfang sein. In welche Richtung arbeitest du? Manbraucht eine Richtung fr seine Arbeit, ganz wie im normalen Leben auch. Was ist Dein Ziel?Die Reise findet zwischen dem Anfang wie man ist und dem Erreichen prsent zu sein statt.Ich habe diese Idee von gegenwrtig sein, und ohne das macht es keinen Sinn anzufangen.

  • Meine Art dies zu erklren ist, dass ich diese Objektivitt bentige, obwohl sie tatschlichEinbildung ist. Es ist eine Metapher. Dieses Bild hilft dir anzufangen, aber es ist wichtigdarauf nach und nach zu verzichten, weil es eingebildet ist. Wenn ich an diesem Bildverhaftet bin, riskiere ich es, die Realitt, die ich suche, zu verpassen, weil sie nicht zu demBild passt, welches mich auf den Weg gebracht hat. Ich vergleiche das gerne mit den Einweg-Benzintanks, die die Kampfflugzeuge im 2. Weltkrieg hatten. Um ihre Flugweite zuerweitern, benutzten sie diese freien Benzintanks wenn sie starteten, und entkoppelten siesowie sie leer waren.

    Q: Das Enneagram-Symbol ist etwas worber viel gesprochen wird, manche Aspekte davonsind in einen gewhnlichen Gebrauch gekommen. Ich habe die sogenannte esoterischeVersion davon studiert, mit bestimmten Qualitten in Verbindung mit den Punkten 1-4-2-8-5-7. Zum Beispiel die Opposition, Widerspruch und Balance von Punkt 1 (Mond), die sichrichtig in Richtung Passivitt, Offenheit und das Potenzial von Punkt 4 (Venus) bewegt undso weiter. Kennst du dich damit aus oder siehst du einen Wert darin?

    A: Ich muss sagen, dass du den Vorteil hast, dich damit besser auszukennen als ich. Ich binsicher, dass du weit, dass es da eine Riesenmenge Literatur ber das Enneagramm gibt, dasvon ein paar Nonnen entwickelt wurde, was nichts damit zu tun hat wie wir es verstehen.Aber ich habe mich niemals damit in Bezug auf mich selbst befasst. Meine einzige Erfahrungvom Enneagramm habe ich durch die Movements gemacht, und selbst da kann ich nichtsagen, dass es mich weiter gebracht hat ... nun, ich kann die Verbindung zwischen ihm undanderen Dingen, die ich verfolgt habe, nicht sehen, aber das kann ein Unvermgenmeinerseits sein. Mein Verstndnis ist, dass Gurdjieff seine Lehren zu verschiedenen Zeitenauf verschiedene Art prsentiert hat. Wenn du das Material vergleichst, wie es vonOuspensky so gut aufgezeichnet wurde als er in Moskau mit Gurdjieff war und mitBeelzebub, kann man sich gar nicht vorstellen, dass dies aus der gleichen Quelle stammt. Siehaben ihre Bedeutung, und unterschiedliche Menschen wurden durch verschiedene Sachenangesprochen. Ich habe einen meiner Lehrer gefragt, der jede Woche aus Paris kam, Warumgibt es all diese Sachen ber Hydrogene und anderes in Auf der Suche nach demWunderbaren, whrend du uns lehrst zu versuchen den Krper zu spren? Nun, sagteer, das hngt alles zusammen. Es richtete sich an eine bestimmte Art von Menschen, wieAlexander seine Lehren prsentierte. Er sprte, dass er seine Entdeckungen als etwasWissenschaftliches vorstellen musste, das war zu seiner Zeit wichtig. Heutzutage ist vielesvon dem, was er geschrieben hat mehr von historischer Bedeutung als von praktischemNutzen. Eines seiner Bcher hie Der Gebrauch des Selbst, in dem er den Weg zuEntdeckungen beschrieb, und weil er aus seiner Erfahrungswelt schrieb, ist das, was er zusagen hat, immer von Bedeutung. Vieles, was er sonst geschrieben hat, ist Spekulation unddaher sehr veraltet.

    Q: Es gibt heilige Tnze oder Movements, die mit diesen Ideen in Verbindung stehen, vondenen ich denke, dass das du mit ihnen verbunden bist, und ich glaube, du stehst auch inVerbindung mit der Alexander-Technik. Ich habe mit Interesse zur Kenntnis genommen,dass die Alexander-Technik nicht nur in Verbindung zu Schmerzen, post-traumatischeBelastungsstrungen, Panikattacken und Stottern gebracht werden muss. Die Movementsarbeiten auch mit mehr als nur unserer krperlichen Maschine. Siehst du Parallelen

  • zwischen den Movements von Gurdjieff und der Alexander-Technik und wenn ja welche?

    A: Ich denke, man muss sagen, dass du Gurdjieffs Lehren nicht innerhalb der Alexander-Technik unterbringen kannst, aber du kannst die Alexander-Technik innerhalb GurdjieffsLehren einordnen. Das eine bewegt sich in einer wesentlich anderen Grenordnung als dasAndere. Was bewundernswert an Alexander ist, dass er es alleine aufgebaut hat, und ichdenke was die Menschen, die Gurdjieffs Arbeit studieren, von Alexander lernen knnen, istein praktischer Weg von dem, was Gurdjieff als Leben im Schlaf beschrieb. Aber dieAlexander-Technik gibt einen mehr zentrierten Blick darauf, wie du deinen Krper im Alltagund speziell in Beziehung zwischen Kopf, Nacken und Rcken zu seinem Nachteil benutzt.Aber es kann helfen deutlicher wahrzunehmen, dass du nicht weit, was du mit dem Krpermachst, obwohl es eine Menge Lehrer gibt, die stndig vergessen, dass sie nicht wissen wassie mit ihrem Krper machen. Es ist schwierig das wahrzunehmen, es gibt nur bestimmteMomente, in denen man ausreichend in sich gesammelt ist, um das wahrzunehmen. Deshalbwrde ich zwischen der Alexander-Technik und den Movements keinen Zusammenhangsehen, mit der Ausnahme zu sagen, dass man manchmal eine Erfahrung durch dieMovements haben kann. Eine Erfahrung an die ich mich erinnere, ist die Bewegung in einerungewhnlichen Art und mit weniger Anstrengung und flieender. Eine solche Erfahrungknnte man auch nach einer Alexander-Sitzung haben. So denke ich, was die Alexander-Technik erreichen kann, knnte mehr sein als generell angenommen wird. Aber das mussnicht so sein. Wahrscheinlich, Alexander sagt irgendwo, dass sie etwas Hheres berhrenkann, aber ich bin sicher, dass er das so nicht formulieren wrde, weil er seine Arbeit alsetwas sehr Praktisches prsentieren wollte.

    F: Bei dieser Gelegenheit, ich habe gesehen, dass der westliche Mensch als ber-intellektuellbeschrieben wird. Man knnte sagen, er denkt zu viel, aber fhlt und sprt nicht genug. Aufder anderen Seite fordern uns die Ideen auf immer mehr und mehr ber die Gesetze derWeltschpfung und er Welterhaltung zu wissen. Manchmal denke ich, dass ich mehr weials ich anwenden kann und glaube in anderen eine egoistische Anhufung von Wissen zusehen. Was meinst du ist der richtige Wert von Wissen?

    A: Nun, ich schtze mal du wirfst die Fragen nach dem Unterschied zwischen Wissen undVerstehen auf. Und ich vermute, dass du fragen knntest, wenn du von Wissen sprichst, wasdas ist? Ich denke, dass Wissen hilfreich ist, und dass es in bestimmten Momenten das ganzeWesen erhellen kann, wenn etwas in einem ist, das es auf die richtige Art empfangen kann.Lass uns zum Beispiel den Schpfungsstrahl nehmen. Nehmen wir mal an, ich wre vertrautdamit, dann kann ich ihn auf einem Stck Papier aufzeichnen. Bei Gelegenheit kann ichvielleicht in ihm mich selbst erfahren, und die Mglichkeit dieser Erkenntnis ist vielleichtdurch mein Wissen ber das Diagramm mglich geworden. Und immer wieder, einebestimmte Zeile oder ein bestimmter Satz bekommt eine ganz neue Bedeutung je nachdem,wo ich mich auf dem Weg gerade befinde. So kann ich nun sagen, dass ich ohne diese Versenicht die gleiche Erkenntnis gemacht htte. Meine Ehefrau hat auf der Schule groeAbschnitte der Bibel gelernt, und sie ist stets dankbar dafr, dass sie das dort bekommen hat.Das muss nicht notwendigerweise etwas bedeuten, aber manchmal eben schon. Und ichschtze, dass ist der Vorrat an Wissen. Du bekommst Wissen, dass dich nhren kann.

  • F: Manchmal sehe ich in diesen Ideen die Mglichkeit harmonisch zu leben,ausgewogen zu sein und Lebensfreude zu erfahren und auch richtige Stille und Friedenin der Meditation zu finden. Dieser erhabene Zustand, obwohl er ansprechend ist, erscheintim Widerspruch mit dem Streben, seinen Zweck in dieser Welt zu erfllen, der zu einemgewissen Grad Unzufriedenheit bedeutet. So knnte man sagen, dass dies unvereinbarmiteinander ist. Wie siehst du das?

    A: Wenn du die Ideen nimmst, um deine eigene Situation zu akzeptieren, was natrlich nichtheit, dass du dich hinlegst und alles passieren lsst und aufgibst. Die Fhigkeit zuakzeptieren, was wiederum tatschlich bedeutet nicht zu reagieren, ist normalerweise nichtmglich, und so kannst du es als eine Frage der Gnade, den eigenen Reaktionen ausgesetztzu sein, sehen. Wenn ich das Leben akzeptieren kann, wie es ist, wie ich bin, dann bin ichausreichend integriert, und meine unterschiedlichen Teile kommen ausreichend zusammen,dann bin ich nicht lnger auf dem Niveau der Reaktion. Ich denke das Reaktionsschematendiert dazu, dass ein bestimmtes Zentrum reagiert, so funktioniere ich im wesentlichenvon einem Zentrum aus, die Reaktionen komme aus diesem Zentrum. Wenn die Zentrenmehr zusammen kommen, dann ergibt sich die Mglichkeit nicht zu reagieren und sogar,dass ich mich akzeptiere so wie ich bin. Du siehst, das Ziel, das Verstndnis von seinem Ziel,wird unterschiedlich sein, je nachdem wie man ist. Und du knntest in manchen Momentensehen, dass das Streben von dem du dachtest es wre notwendig, nicht das Streben ist,welches notwendig ist, trotz dessen es dich zu dem Punkt gebracht hat dieses zu erkennen.Es scheint eine Notwendigkeit zu Streben zu geben, aber vielleicht, na die Leute sprechen oftber muskulre innere Anstrengungen, und mit der Praxis findest du raus, dass dieAnstrengung nicht so muskulr ist wie du begonnen hast. Aber das findet man nur heraus,indem man es macht. Wie alles andere auch, du fngst an, Movements zu machen, und nacheiner Weile stellst du fest, dass du unntige Spannungen aufbaust, aber das findet man ebennur heraus, wenn man es macht. So sehe ich hier keinen Widerspruch, obwohl es soerscheint, weil man auf einem Niveau eine bestimmte Sichtweise hat und dann auf einemanderen Niveau eben eine andere. Ich muss sagen, die Sache mit dem da sein und ruhigemSitzen, still mit sich zu sein und zu versuchen besser im Kontakt mit sich zu sein, wird nichtleichter. (lacht) So gibt es immer eine Notwendigkeit fr eine bestimmte Art vonAnstrengung. Wenn man nicht dran bleibt (lacht), wird es noch schwieriger, und wenn mandran bleibt, wird es nicht leichter. (lacht)

    F: Welchen Herausforderungen steht die Work-Organisation als Ganzes gegenber, da dieinternationale Gemeinschaft eine strkere integrierte Globalisierung erfhrt, und die uerenAspekte der Lehre ein greres Publikum ber das Internet und andere Medien erreicht?

    A: Ich denke, man knnte sagen, dass genau dies die Herausforderung ist, die vor uns liegt.Ich denke, dass die Essenz der Lehre ... irgendwo ist sie als etwas beschrieben, dass sie nurvon einer Person zu einer anderen transferiert werden kann, weiterhin abhngig vommenschlichem Prozess ist. So, obwohl das Wissen ber diese Lehre oder darber zu wissensich breit gemacht hat, ist da immer noch die Frage, was von einer Person zur anderen weitergegeben werden kann, ich sage nicht, was es ist. Durch die Leute, mit denen ich gearbeitethabe, wurde mir ein bestimmter Weg des Seins gezeigt, welchen ich nicht erfahren htteohne diese Begegnungen. Dinge knnen sich ohne das entwickeln und haben sich ohne das

  • entwickelt und sind zu entwickeln ohne das, aber fr die, die ein anderes Level von Seinerfahren haben ist, die Anforderung dran zu bleiben, um zu versuchen, diese Erfahrung insich selbst zu finden und mglicherweise dies an andere weiter zu bermitteln. Ich gehedavon aus, dass das du mit dieser Idee vertraut bist. Ich habe vergessen, wo sie herkommt,aber das ist aus einem der Bcher, dass du nur Fortschritte in der Entwicklung deinesWesens machen kannst, indem du jemandem geholfen hast, der auf fortgeschrittenerEntwicklungsstufe ist. Und der einzige Weg auf deiner Entwicklungsstufe hher zu kletternist, dass du jemand anderem geholfen hast, der auf einer niedrigeren Entwicklungsstufe ist.Ich denke das ist eine wundervolle Formulierung. Und ich denke, dass die Lehre sich so inbestimmten Gegenden verbreitet hat, so etwa. Aber natrlich, irgendwann kommt es inBereiche, irgendwann ist es gedruckt, aber siehst du, die gedruckte Seite enthlt keinerleiSein. (lacht) Es ist beeindruckend, wenn Worte von einem Menschen, einer lebenden Persongesprochen werden. Dann hast du nicht nur die Form der Wrter, die Bedeutung, sondernauch die Intonation und trotzdem, manche Leute knnen auf eine Art und Weise schreiben,die dich berhrt als wen sie ein lebendiges Wesen zu dir sprechen wrde. Das ist groartigeSchreibkunst.

    F: Zum Schluss, impliziert in diesen Ideen ist der Gedanke, dass wir auf diese Welt zu einemsehr bestimmten Zweck kommen, und dass es in dieser Arbeit darum geht sich zu bemhendiese Bestimmung zu erinnern und sie zu erfllen. Ich habe den Charakter Beelzebub inGurdjieffs Buch als den idealen, normalen Menschen beschrieben gesehen, dessenFunktion auf diesem Planeten aufhrt. Angenommen ein Mensch erreicht diese Erfllung,was wre deine Vermutung, was ihn erwartet?

    A: (lacht) Erreichen, tut mir leid, welche Erfllung? Was wrde erfolgreich zu seinbedeuten? Es ist wie mit dem Bergsteigen. Du kletterst einen Berg hoch und der Berg, an denich denke ist einer den du erklettern kannst. Du siehst etwas weiter oben etwas, nach dem dustrebst, dass wie die Spitze aussieht. Aber wenn du da angekommen bist, siehst du dass esberhaupt nicht die Spitze ist, es ist auf dem Weg und dann ist dort ein weiterer Platz dendu anstrebst. So denke ich, dass man nicht an einen Punkt gelangt, wo man sagt Jetzt habichs geschafft. Zu denken, dass so etwas mglich sei, ist vllige Illusion, aber vielleichtkann sogar diese Illusion ntzlich sein, einen vorwrts zu bringen. Ich habe kein Bedrfniszu vermuten. Ich war am Dienstag auf der Beerdigung von einem Freund, und es gabmehrere Beitrge von verschiedenen Quellen, die im Wesentlichen ausdrckten, dass dasLeben weiter geht, nur eben in einer anderen Form. Die Form, in diesem Krper auf dieserWelt zu sein, ist beendet, und das Leben ist irgendwo anders hingegangen und ich findediese Idee ziemlich akzeptabel. Die Sache, die wir Geist nennen, nimmt eine andere Form an.Ich wei nicht, was fr eine Form und ich gehre nicht zu den Leuten, die darber grbelnwas das sein knnte (lacht). Es knnte einfach nur Energie sein. Es gibt aufwendige Systeme,nach denen wir, wie es uns gesagt wird, wieder in einer anderen Form zurckkommen. Dashat mich niemals interessiert. Mein Gefhl ist, falls so eine Wiederkehr passiert, werde ich esmitbekommen, wenn es passiert, (lacht) oder wahrscheinlich eher nicht.

  • NEW AGEDieser Begriff wurde wahrscheinlich von Carl Gustav Jung (geboren 26. Juli 1875 in Kesswil;gestorben 6. Juni 1961 in Ksnacht, Schweizer Mediziner, Psychologe und der Begrnder derAnalytischen Psychologie) im Bezug auf die in das Wassermannzeitalter eintretende Erdeeingefhrt. Wassermannzeitalter bedeutet lediglich, dass fr einen Zeitraum von etwa 2000Jahren die Sonne zum Frhlingspunkt (21. Mrz) von der Erde aus gesehen imSternzeichen Wassermann steht. Abhngig davon, wen man fragt, hat dasWassermannzeitalter bereits begonnen oder wird im frhen 21. Jahrhundert (Stichwort2012-Mythos) beginnen. Im allgemeinen Sprachgebrauch bezieht sich New Age auf eineganze Suite spiritueller bzw. geistlich-religiser Glaubensvorstellungen, die grtenteilsdurch alte Traditionen oder manchmal auch durch neue gechannelte Informationen auseiner Vielzahl von Quellen wiederbelebt wurden. Die New Age Bewegung steht mit dersexuellen Revolution der 1960er Jahre und der Humanpotenzialbewegung der 1970erJahre in Verbindung. Ihre ideologischen Wurzeln senken sich in das 19. Jahrhundert, alsder Okkultismus, die Theosophie, das Praktizieren des Spiritualismus, etc. wiederbelebtwurde. New Age wurde zur Umsetzung des in der Offenbarung des Johannesbeschriebenen Plans des Teufels, eine Weltreligion hervorzubringen, beschuldigt.

    New Age ist heute jedoch ein von COINTELPRO inspirierter Ersatz fr traditionelleReligionen geworden. Nach dem Sprichwort Vom Regen in die Traufe werdenMenschen davon abgeleitet, fr sich selbst zu denken um dadurch die wahre Naturunserer Realitt zu entdecken. New Age Doktren verschmelzen westliche und stlichePhilosophien und heben hervor, dass die Erde in naher Zukunft aufsteigen bzw.gerettet wird oder sich anderweitig oft zum Besseren hin transformiert. Siebeinhalten manchmal eine verzerrte Version der Idee christlicher Erlsung, die helfendeoder hoch entwickelte auerirdiescher Zivilisationen involviert. Allgemein ist New Agezu einem Marktplatz der Spiritualitt geworden. Vieles ist auf subjektive Erfahrungenausgerichtet. Populre Beispiele sind z.B. das Channeln persnlicher Geistfhrer, dasErfahren glckseliger oder kosmischer Einheit, das Senden von Licht und Liebe, dieAktivierung einer persnlichen Aufstiegsmatrix, Reaktivierung von Energiekrpern mitHilfe von heiliger Geometrie, das Empfangen von hochschwingenden oderfeinstofflichen Arten von Energien, positives Denken, neurolinguistischesProgrammieren, Channeling-Workshops, etc. Manchmal ist in New Age Kreisen dieWeigerung zu beobachten, das, was ist, anzuerkennen und es stattdessen selbst besser alsdas Universum zu wissen, wie die Wirklichkeit ist.

    Gegenwrtig wird die New Age Marke auch mit breiten Medienrummel in Verbindunggebracht, z.B. Kartenlegen im Fernsehen.

    Kritisches Denken ist in der New Age Bewegung nicht blich und auch nicht sonderlicherwnscht. Es existiert oft eine adaptierte, von Wissenschaft und Technologie geborgteFachsprache, wobei aber oft fehlerhafte Logik vorherrscht und wenig Wert auf Kohrenzoder Przision der Bedeutungen gelegt wird. Die New Age Bewegung ist eine ernst-zunehmende Industrie geworden, die angefangen von persnlichen Sitzungen, Literatur,Seminaren und Workshops bis hin zu Tourismus und Reisen ein farbenfrohes Spektruman Produkten und Dienstleistungen verkauft.

  • New Age kann grtenteils als ein Projekt der sozialen Manipulation gesehen werden, dasaus bestimmten Grnden von der etablierten Machtstruktur, die besonders in den USAaber auch auf der gesamten Welt angesiedelt ist, an seinen Platz gesetzt wurde. Ein Grund,der dies notwendig machte, war die wachsende Entfremdung der Menschen von denReligionen. Menschen begannen, sich nicht lnger mit den alten Mythen derWeltreligionen zufrieden zu geben, die sie fr fast 2000 Jahre in Reih- und Glied hielten.Deshalb wurden neue, komplexere Mythen notwendig. Die heutige New Age Bewegungstartete bereits in der Elite der spten 1800er Jahre und erreichte den Massenmarkt bedingtdurch den allgemeinen Wohlstand erst in den 1960er Jahren. Aus einem esoterischenBlickwinkel gibt es tatschlich Grund anzunehmen, dass die Erde auf eine Art Unstetigkeitzurast. Viele haben bereits davon gesprochen und es kann in der Tat eine Explosion derAnzahl von Vorzeichen gesehen werden.

    Die New Age Bewegung kann jedoch als Maneuver gesehen werden, dem startendenErwachen der Massen hin zu den Fakten bzw. der Wahrheit vorzubeugen. Deshalb wurdedas geistige Erwachen durch Schlafmedikamente namens du erzeugst deine eigeneRealitt, automatischer planetarischer Aufstieg, Rettung durch hochentwickelteZivilisationen, etc. bekmpft. Die meisten dieser Ideen haben tatschlich eine wahreBasis, um den suchenden Geist der Massen zufrieden zu stellen. Manche wurden aber biszur Unkenntlichkeit aus ihrem Zusammenhang gerissen. Die dabei verwendetenplausiblen Lgen sind wegen ihrem wahren Kern besonders fr jene schwer erkennbar undnachvollziehbar, die nicht ber hinreichend Wissen verfgen, wie die objektive Weltfunktioniert, oder denen das Konzept des Freien Willens (eigene Entscheidungs-mglichkeit, offene Zukunft, kein unbeugsames Schicksal, etc.) unbekannt ist. So kam es,dass der Groteil der New Age-Inhalte lediglich eine bung im Wunschdenken sind; oder,wie Gurdjieff sagte: vom Aufwachen zu trumen.

    NEW-AGE COINTELPRO UND DIE OPTIMISMUS-GESTAPO2

    Warum gab es keine im Weltfrieden gipfelnde Massentransformation des Bewusstseins, sowie es uns damals, in den frhen Tagen der New Age Bewegung, so viele versprachen?Die Antwort ist, dass ein metaphysisches COINTELPRO am Werk ist unter demDeckmantel von Licht und Liebe. Die meisten Menschen kennen COINTELPRO nur ausden Tagen der Black Panther, der Yippies und anderen revolutionren Gruppen, dieunsere Regierungen whrend der Zivilrechtsbewegungen und dem Vietnamkrieg unsichermachten. In der Befrchtung, dass diese Gruppen amerikanische Brger zu radikalenHandlungen anstacheln wrden, sendete das FBI Agenten aus, um Mitglieder dieserunterschiedlichen Gruppen zu verunsichern und sie durch unterschiedliche Formen derTuschung, wie z.B. Erpressung, gegeneinander aufzureiben. Es sieht so aus, als ob heutedie CIA, FBI und NSA ihre Spitzel auf den metaphysischen Marktplatz senden umsicherzustellen, dass Leute, die denken, dass sie zu hheren, positiveren transformativenDingen aufsteigen, in Wirklichkeit nur selbstgeduldiger, zerstreuter und verwirrterwerden. Der grte Zufluss dieser Agenten fand whrend der Blte derHumanpotenzialbewegung in den frhen 70er Jahren ber Institutionen wie z.B. Esalenstatt. Ganze Legionen von Menschen warfen ihre Protestbanner weg und verfolgten2 https://web.archive.org/web/20110104184305/http://quantumfuture.net/gn/zeichen/newage/optimismus-gestapo.html

  • stattdessen ausschlielich ihre Glckseligkeit. Und das whrend einer Zeit, in der mansozialpolitische Probleme direkt htte konfrontieren mssen. Seitdem ist durch dieHervorhebung der Persnlichkeitsentwicklung und krzlich durch die Bewegung rundum das Dogma Man erschafft die deine eigene Realitt ein signifikanter Teil derBevlkerung dahingehend gehirngewaschen worden, alle sozialpolitische Streitfragen zumissachten. Welchen eleganteren Weg gibt es schon, Menschen zu entmachten, indemman sie auf die Evolution ihrer Person fokussieren lsst? Und das auf die Kosten von ihrenFamilien, Gemeinschaften und Lndern?

    Metaphysische Schnrednerei

    Die mglicherweise schamlosesten Exemplare von New Age und COINTELPRO sindChannels, die beruhigende Nachrichten von vorgeblich hochentwickelten geistigenWesenheiten bermitteln. Zum Beispiel: Als der Irak-Krieg im Jahr 2003 begann,behauptete ein bekannter Channeler in Santa Fe, New Mexico, der angeblich diegyptische Gtten Sekhmet channelt, dass dieser Krieg ein ultimativer Ausdruck von[Sekhmets] Mitgefhl fr die menschliche Rasse sei. Es bentigt eine betrchtliche Mengean Leichtglubigkeit, um derartigen Schwachsinn zu schlucken. Aber Schlucken war es,was die New-Ager taten. Mit solcher auf der Hand liegenden multidimensionalen Logikkann somit praktisch jede Ungerechtigkeit ob Folter, Umweltzerstrung oderManipulation der Wirtschaft durch globale Mchte als ein Akt des Mitgefhlsgerechtfertigt werden. Es ist nichts anderes als George W. Bushs theokratische Aussage,dass ihm Gott mitgeteilt habe, in den Irak einzufallen. Jene metaphysische Schnrednereiist gefhrlich, aber nichtsdestotrotz in der populren Kultur vorhanden. Natrlich arbeitennicht alle Channeler fr die Schattenregierung. Wir sollten aber mehr Urteilsvermgenbetreffend gechannelter Information aufbringen. Wenn uns gechannelte Informationendurch Prophezeiungen entwurzeln, unsicher bzw. misstrauisch machen, kommt esmglicherweise von einer COINTELPRO Quelle und sollte mit Vorsicht behandelt werden.

    Die Optimismus-Gestapo

    Der mglicherweise heimtckischste Aspekt der New Age Bewegung ist, was ich dieOptimismus-Gestapo nenne. Das sind jene, die positives Denken anordnen und mit allennotwendigen Mitteln darauf bestehen. Es ist ein Denken, in dem jedwede Kritik oderAusdruck negativer Emotionen verachtet werden. Ich konfrontierte einmal einenAufstiegsfanatiker und Anhnger des Galaktischen Kommandos von Ashtar (eineGruppe, die glaubt, dass Auerirdische kommen werden, um uns zu retten) mit derTatsache, dass es theoretisch mglich ist, dass der demokratische Senator Paul Wellstonenur deswegen ermordet wurde, damit ein republikanischer Senator gewhlt wird. Bevorich noch weitersprechen konnte, unterbrach sie mich mit den Worten, Es war fr ihneinfach Zeit zu gehen. Sie war intolerant der Tatsache gegenber, dass ich es wagte, michin die Realitt, die sie erzeugte frei von Verschwrungen, gerissenen Politikern undBetrgerei einzumischen. Und je mehr ich mit New Agern Des Teufels Advokat gespielthabe, umso mehr sah ich, dass solche Intoleranz die Regel, nicht die Ausnahme, ist. Dennin New Age-Kreisen gibt es derzeit die Glaubensvorstellung, dass alles Negative nur dazubeitrgt, weiteres Negatives magnetisch anzuziehen. Aber im Endeffekt werden jene, die

  • dieses Denken ausben, nur ihre negativen Emotionen unterdrcken, die dann imspteren Leben unkontrolliert hervorbrechen werden. Zum Beispiel war ich einmal eineinem Massagesalon, um fr den Inhaber ein Manuskript Korrektur zu lesen. Der Texthandelte davon, wie sehr der Inhaber die japanischen Vorgnger respektierte, die dieseMassagetechniken entwickelten, die er in seiner Praxis verwendete. Das Telefon luteteund ich hrte ihn sagen, Ruf doch 911, woaufhin er den Hrer auf das Telefon schlug. Erkam zu mir zurck und erklrte: Das war meine Frau. Mein Kind ist gerade die Stiegenheruntergefallen. Ich kann damit nicht umgehen. Oberflchlich betrachtet vermittelte derMassagetherapeut eine Aura von Menschlichkeit und Frsorglichkeit; aber gleichzeitigunterdrckte er seine Schattenseite, wie er durch die Klte seiner Frau und seinem Kindgegenber zeigte. Der Psychologe Dr. Carl Gustav Jung erkannte die Gefahren solcherVerdrngung und empfahl, sich mit den Schattenseiten z.B. durch Traumarbeitauseinanderzusetzen als ein Weg zum Erlangen eines gesunden psychologischenGleichgewichts. Jeder, der Untersttzung in einer metaphyischen Gemeinschaft sucht,sollte sich zunchst fragen, ob die eigene Fhigkeit, unabhngig zu denken, eingeschrnktist. Denn das Aufrechterhalten der Funktionstchtigkeit des eigenen metaphysischenRadars ist von hchster Bedeutung in einer Welt, in der es vor Gurus des angeordnetenHochmuts, COINTELPRO-Channelern und Selbsthilfe-Autoren nur so wimmelt.

  • ZUR HERKUNFT DES ENNEAGRAMM-SYMBOLS1

    Ein Literaturverzeichnis fr diese Seitesowie fr die Seiten zur Wortherkunft ( ) undzur Wissenschaftlichkeit des Enneagramms ( )

    befindet sich am Ende der Seite.

    Jemand sandte mir ein im Internet gefundenes Foto. Dieses Foto motivierte mich zuEnneagramm-Nachforschungen :

    Das Bild findet sich auch auf dieser Webseite ( nach unten scrollen zu "Anegondi").Anegondi ist Teil von Hampi, der Hauptstadt des letzten Hindu-KnigreichesVijayanagara. Das Knigreich bestand vom 14. bis 16. Jh. und die berreste gehrenheute zum Weltkulturerbe der UNESCO ( - hier ein Artikel mit vielen Fotos: ). Esgab dort ein ber 20 Jahre andauerndes Forschungsprojekt ( ). Eine der ehemaligenLeiterinnen des Projektes, Prof. Anna L. Dallapiccola, teilte mir auf Nachfrage per e-mailmit :

    "The 'flagstone' is a fragment of a ceiling. It is not an unusual piece. The carved motifs displayedon it are very common and are found in a number of buildings at the site. [...] As far as I amaware, this motif appears in the early years of the 15th cent." Leider war Ihres Wissens keinerder Projekt-Mitarbeiter des Vijayanagara Research Project "particularly interested in themeaning of the symbols carved on ceilings, pillars etc." Sie machte dann noch eineinteressante Ergnzung : "My gut feeling is that the motif is partly Islamic-inspired (i.e. therotating square) and partly Hindu-inspired (i.e. the lotus at the centre). We must not forget thatthere was a steady exchange of ideas between the Islamic Deccan and Vijayanagara, as evident,for instance, from the stucco decorations on the ceilings and little balconies at the interior ofthe Queen's Bath, on the stucco work on the Lotus Mahal etc. As a matter of fact, there is a verypalpable Bahmani influence in a number of little 'details' in architecture and stucco work."

    1 http://www.motivatoren.de/enneagramm-symbolherkunft.htm

  • Interessant sind fr mich die Hinweise, dass das Motiv "very common" sei, IhrBauchgefhl darin einen islamischen Einfluss sieht und dass sie dies an dem "rotatingsquare" festmacht (was, wenn berhaupt, ein rotating triangle ist).

    Auf der vorigen Webseite zur Wortherkunft zitierte ich Eric Salmon :"Die lteste Spur seines Neuner-Schemas geht bis auf 600 v.Chr. zurck. Das Enneagramm, alsodas Neuneck, war das neunte der zehn Siegel des Pythagoras." Und: "Zu einer Zeit, wo sich alleWissensweitergabe mndlich vollzog, bediente man sich hufig geometrischer Figuren, dieunter anderem als didaktische Hilfsmittel dienten. Pythagoras hatte zehn geometrische Figurenals Trger der symbolischen Bedeutung der zehn Ziffern von eins bis zehn entworfen. Spter hatman sie die >>zehn Siegel des Pythagoras>Diegroen Eingeweihten

  • gesammelt in der Theurgie des Proclus - Just: Die Seherin von Provost - Chaignet: Pythagore et laphilosophie pythagoricienne - Diogenes Laertius. Das Buch von Schur ist als pseudo-wissenschaftliche Literatur einzustufen, bei dem zwischen eigener Dichtung undsauberer Quellenarbeit nicht zu unterscheiden ist. Schur schwrmt geradezu von Fabred'Olivet (1767-1825; "Fabre d'Olivet, dieser wunderbare Seher des prhistorischen Zeitaltersder Menschheit, ..." [Schur [1889]/ 121956: 39; vgl. auch S. 461f Anm. 47]), doch wie dieseQuelle im Vergleich zur Quelle August Bckh (1785-1867) zu bewerten ist, knnen Sie ausden Darstellungen der entsprechenden Wikipedia-Webseiten ablesen ( und ) - hiernoch ein Link zur Einordnung der Goldenen Verse ( ). Nachdem d'Olivet 1813 seineSchrift zu Pythagoras verffentlicht hatte, begann 1819 mit Bckh durch eine Schrift zuPhilolaos-Fragmenten die moderne Pythagoras-Forschung (vgl. Zhmud 2005: 135). Eswurde rund 150 Jahre ber die Einschtzung der Philolaos-Fragmente gestritten, bis1962/1972 Walter Burkert klarstellte, welche Fragmente authentisch sind und welche alsPseudopythagorica einzuschtzen sind (vgl. Zhmud 2005: 135) Schlielich ist auch diesptantike Quelle Diogenes Laertius nicht frei von Dichtung ("ein Autor, bei dem notorischviel Geflschtes steht"; Fehling 1985: 24). Doch Zhmud sieht Diogenes zumindest frPythagoras als eine akzeptable Quelle - ganz im Gegensatz zu den oft zitiertenPorphyrios und Jamblichos : "Die Analyse der von Diogenes herangezogenen Quellen hatgezeigt, da es bei weitem nicht die schlechtesten sind, zudem ist seine Beziehung zu denWundergeschichten innerhalb der Pythagoras-Tradition sehr viel verhaltener als die desPorphyrios oder Jamblichos." (Zhmud 1997: 49)

    Drittens habe ich im September 2011 den renommierten Altphilologen und Pythagoras-Experten Walter Burkert ( ) nach den zehn Siegeln des Pythagoras gefragt. DieErwhnung solcher Siegel ist ihm nicht bekannt. Da Burkert bereits 1962 mit der ArbeitWeisheit und Wissenschaft zu Pythagoras habilitierte, dann 2006 den Band Mystica,Orphica, Pythagorica verffentlichte und 2011 eine berarbeitete und erweiterte Auflageseines bereits 1977 erschienenen Werkes Griechische Religion der archaischen undklassischen Epoche herausgab, drfen wir davon ausgehen, dass Burkert irgendwann inseinem langen Forscherleben davon erfahren htte, wenn eine wissenschaftlichbedeutsame Quelle "zehn Siegel des Pythagoras" erwhnt htte - und selbst wenn dem sowre, wre zu klren, welchen Wahrheitsgehalt eine solche Quelle htte. Was dieZahlenlehre des Pythagoras angeht, finden wir bei Zhmud (2005) folgende uerungen :"Die Theorie der vollkommenen Zahl 10 ist aber eine akademische, spezifisch speusippischeDoktrin, im vorplatonischen Pythagoreismus finden sich davon keine Spuren." (Zhmud 2005:143; vgl. auch Burkert 1962: 63ff)

    "Da der eigentliche Urheber der pythagoreischen Zahlenphilosophie weder bei Aristoteles nochbei Theophrast erscheint, hat die sptere berlieferung diese Lcke mit >>Pythagoras>Dingen

  • ganz andere Seelenlehren." (Zhmud 2005: 150) Zhmud findet auch Argumente gegen dieSchamanismus-These und mgliche ekstatische Kulthandlungen bei Pythagoras. (Zhmud1997: 107-116) Die Seelenwanderungslehre (Metempsychose) ist seiner Meinung nachkeine Erfindung des Pythagoras, sondern "ist im Kontext der Transformation dergriechischen Religion vom achten bis sechsten Jahrhundert zu sehen, die nicht zuletzt zueiner nderung der traditionellen Vorstellung vom Menschen, seiner Beziehung zu denGttern, seiner Seele fhrt, und auf diesem Hintergrund ohne weiteres erklrbar." (ebd.:122; in Anm. 27 bemerkt Zhmud: "Der Verfasser einer speziellen Untersuchung der indisch-griechischen Kontakte hlt die bernahme der Metempsychose aus Indien fr unmglich(Karttunen. Op.cit., 112f)." Auerdem : "Zeugnisse, die diese Lehre mit den Namen konkreterPythagoreer verknpfen, gibt es nicht; dagegen kennen wir eine ganze Reihe von Fakten, diedem Glauben der Pythagoreer an die Metempsychose widersprechen." (ebd.: 125)Andererseits : "Fest steht, da Pythagoras selbst und auch einige seiner Anhnger von derSeelenwanderung berzeugt waren. Die Namen dieser Anhnger kennen wir nicht, soweit nichteinige >>Pythagoristen
  • Bewutsein davon haben, da der gegenwrtige Zeitpunkt der Geschichte, mit seinenmateriellen Reichtmern, vom Standpunkt der Seele und ihres unsterblichen Sehnens aus,nichts ist als eine traurige Wste. Die Stunde ist ernst und die uersten Konsequenzen desAgnostizismus machen sich fhlbar in der sozialen Auflsung. Fr Frankreich wie fr Europahandelt es sich um Sein oder Nichtsein. Es handelt sich darum, die zentralen, organischenWahrheiten auf unzerstrbaren Grundlagen festzusetzen oder endgltig in den Abgrund desMaterialismus und der Anarchie zu strzen." (ebd.: 28)

    An dieser Stelle macht es Sinn, kurz den Blick auf Rudolf Steiner ( , , ) und Marievon Sivers ( ) zu richten. Steiner hatte 1907/9, 1911 und auch 1916 die Vorwrter fr dieerste, zweite und dritte Auflage der dt. bersetzung Die Groen Eingeweihtengeschrieben (im dritten Vorwort nennt Steiner 1909 als Erscheinungsjahr der erstenAuflage, was mir ein Irrtum zu sein scheint, da bereits 1907 im Max Altmann Verlag dieerste Auflage erschien ( , ); mglicherweise ist das Buch 1909 erstmals in dem OttoWilhelm Barth-Verlag erschienen). Steiners Frau Marie Steiner-von Sivers hatte das Werkbersetzt - Teile des Buches erschienen zuvor in der Zeitschrift Lucifer & Gnosis ( , vgl.auch Fedjuschin 1988: 86, 326 Anm. 1).

    Zu Beginn des 20. Jhd. wurde Steiner auch in Russland immer gefragter. So brachte dieTheosophin Elena Petrovna Piserva in einem Brief an Marie von Sivers den Bedarf nachSteiners Vortrgen zum Ausdruck : ">>Wir brauchen in Ruland unbedingt Material von derArt, wie es der Doktor zu geben hat. Die verzweifelten Menschen werfen sich auf alles, was nachGeist aussieht. Neuerdings kam ein schlechtes, billiges, spiritistisches Journal heraus, welchesschon jetzt mehr als 16 000 Abonnenten hat. Krzlich erst erfuhr ich, da die Werke von Papusund anderen franzsischen Okkultisten eines nach dem anderen auf Russisch im Druckerscheinen. Deshalb darf es nicht sein, da wir, die wir das Glck haben, einen solchen Lehrerwie den Doktor zu kennen, nicht wissen, wo wir den Stoff fr unsere okkulte Arbeitherbekommen mssen.>Einweihung>Erleuchtung

  • "Zwei Mittel sind heute vorhanden, um den Zugang zu der Sprache derjenigen zu finden, dieaus der Seher-Erfahrung heraus Kunde geben knnen von einer geistigen Welt. Der eine Weg istder direkte des Hinhorchens auf die Quellen, die auch in der Gegenwart aus dem Urgrunde desDaseins flieen. Der andere Weg ist der in Schurs Buch gebotene. Fr viele wird das letztereMittel wohl erst auf den vorgenannten Weg fhren. Wenn sich solche Menschen erstberzeugen knnen, da die groen Geistesimpulse der Vorzeit, die noch in ihren Seelenfortleben, aus Seherkraft entsprungen sind, dann werden sie sich zu der Einsichthindurchringen knnen, da auch in der Gegenwart ein Erreichen dieser Kraft mglich ist.Wer das Geistesleben der Gegenwart nicht nur an seiner Oberflche, sondern in seinen Tiefenverfolgen kann, der vermag auch zu sehen, wie sich nach dem Abfluten der materialistischenStrmungen von vielen Seiten die Quellen des spirituellen Lebens ffnen. Gerade wer dies klardurchschaut, wird nicht die zeitliche Notwendigkeit des Materialismus bestreiten. Er wirdwissen, da dieser Materialismus in den letzten Jahrhunderten entstehen mute, weil nur unterseinem einseitigen Wirken die ueren Erfolge der Kultur mglich waren. Ein solcher wird aberauch sehen, wie ein neues Zeitalter der Spiritualitt heraufzieht. Eine der besten Erscheinungendieses beginnenden spirituellen Zeitalters glauben wir mit Schurs >>Groen Eingeweihten
  • Quellen keine Auskunft zu geben pflegte, so dass die wahre Bedeutung des Pythagorasfr Gurdjieff schwer einzuschtzen ist. Indirekt lsst sich eine hohe Bedeutung ableiten -mehr dazu in der Langversion zur Wissenschaftlichkeit des Enneagramm. Im brigen istes auch bei Platon so, dass der "Einflu des pythagoreischen Denkens" unbestritten ist,obwohl er Pythagoras und die Pythagoreer "nur zweimal erwhnt (Res. 600a, 530a-531b) -wenn wir von den Hinweisen auf Philolaos und seine Schler im >>Phaidon>Timaios>StaatAPythagorean Greek,
  • Im Jahr 1283 verfasste der Franziskaner Raymundus Lullus/ Ramn Llull (1232-1316, ) die Ars demonstrativa, die unter anderem die in diesem Zusammenhang

    bedeutsamen Figuren A und T enthlt :

    (Quelle: )

  • Es folgten in der Ars brevis (1308) zwei Figuren, die auf der deutschen Seite des Centre deDocumentaci Ramon Llull so dargestellt sind :

    (Quelle: )

  • Die Ars brevis war 1308 geschrieben worden, um den Zugang zur "groen Kunst" - alsoder Ars generalis ultima (1305-1308), auch Ars magna genannt - zu erleichtern. Seltsam ist,dass in der Figur A einige Verbindungslinien fehlen. Die Grafiken auf der spanischenVersion der entsprechenden Webseite ( ) sehen anders aus und werfen die Frage auf,was die Grundlage fr diese beiden Grafiken der deutschen Version ist. Auch habe ich aufder Webseite es Centre de Documentaci Ramon Llull nicht die Figuren A und T deseigentlichen Werkes Ars generalis ultima finden knnen - sie sind auf dieser Webseite ( ) :

  • Rund 280 Jahre spter finden wir die Figur A bei Giordano Bruno (1548-1600) in zwei Versionenwieder :

    (Quelle: )

    Bei James Webb finden wir 1980 eine interessante Ableitung der Figur A (rechtes Bild,Webb 1980: 519) :

    Auf den ersten Blick sehen die Figuren gleich aus (wenn wir darber hinweg sehen, dassin der rechten Figur das Dreieck und das unregelmige Sechseck ergebenden Linien fettgedruckt sind). Beim zweiten Blick ist zu entdecken, dass Webb das Muster der innerenVerbindungslinien um 20 Grad gedreht hat - im Original sind die Buchstaben ber denZwischenrumen, bei Webb sind sie nun ber den Knotenpunkten. DiesesDarstellungsprinzip findet sich durchgehend bei der Figur T und fr die Figur A in der

  • Ars demonstrativa und der Ars brevis. Was mag es wohl zu bedeuten haben, dass Llull inder Ars generalis ultima bzw. der Ars magna fr die Figur A von seinemDarstellungsprinzip abgewichen ist ? Diese Frage scheint mir fr den auf dieser Webseitedargestellten Zusammenhang nicht wesentlich, so dass ich ihr nicht weiter folge. Seit 1665gibt es den Neunstern, die "Enneade", in der Arithmologia sive de abditis numerorummysteriis (Arithmologie oder das verborgene Geheimnis der Zahlen) des JesuitenAthanasius Kircher (1602-80, , Erluterndes siehe hier: ). Kircher hat den Neunsternvon Llull bernommen.

  • In Kirchers Bild sitzen auf der Erde zwei Menschen (unten links und unten rechts), dienach oben kucken. Quasi als deren Verlngerung oder himmlische bermittler sind zweiEngel zu erkennen, die zum Neunstern weisen, der in der Mitte das Auge Gottes enthlt."The Monad, which is also the Holy Trinity, is represented by the eye in the triangle at the centerof the ennegram." (Webb 1980: 508; was hier in der englischen Sprache "enneagram" heit,ist bei Kircher die "Enneade", siehe den Hinweis zur Sprache bei Bartels 2005: 68 Anm.128)

    Unter Einbeziehung des Kreises mit den zwei Flgeln heit es bei Godwin : ">>DieGottheit, dargestellt als Auge in einem Dreieck, das dreimal durch die hebrischen BuchstabenJH markiert ist, sendet ihre Strahlen auf dem Weg ber die neun Engelsscharen in ihren dreidreieckigen Abteilungen in die Welt. Die Engel bewohnen die himmlische oder archetypischeWelt. Darunter sind die Sphren der sieben Planeten, umgeben von den Fixsternen desTierkreises und dem primum mobile. Die Erde befindet sich in ihrem Zentrum.>Zusammenfassung der 'gyptischen' PhilosophieSchulen der Wiederholung

  • Eine mgliche Erklrung dafr, wieso die Zahlen bei Kircher so angeordnet sind und wasdas vermutlich mit der Kabbalah und Llull zu tun hat, ist sehr spannend bei Webb 1980:509-525 nachzulesen. Vorweg gesagt sei, dass die geometrische Figur der Enneade nicht inder Kabbalah zu finden ist. Die Ursache fr die Verbindung des Lebensbaumes ( ) mitder Enneade liegt bei Franz Bardon (1909-1958, ). Er fgte in den von Robert Fludd(1574-1637, , ) gezeichneten Lebensbaum ( ) verschiedene geometrische Symboleein ( , ) - bei Bardon heit die "Enneade" von Kircher allerdings "Nonagon" ( ). FrWebb ist klar - auch wenn er korrekt einschrnkt "We cannot say for certain that Gurdjieffdid take his cosmology from Athanasius Kricher." - dass Gurdjieff durch Kircher inspiriertwurde (Webb 1980: 512, 518). Das folgende obere Symbol ist das heute blicheEnneagramm-Symbol, doch ist es nicht bei Gurdjieff zu finden ! Gurdjieffs Symbole sinddie beiden darunter, und sie sind zu finden bei Ouspensky 1949: 286 (ohne Ziffern), 288(mit Ziffern) :

    Das richtige Symbol wurde noch im Jahr 2000 auf dem Cover der deutschen bersetzungeines Riso/Hudson-Buches verwendet - allerdings nur in der/den ersten Auflage/n.Die ebenfalls im Jahr 2000 gedruckte sechste Auflage sieht anders aus :

  • Der linke Buchtitel hat ein groes rotes Enneagramm-Symbol mit Pfeilen. Doch das Symbolbefindet sich ohne Pfeile und Nummern in dem schwarzen mittleren Bild. Seinen Ursprunghat es auf dem Plakat des Institut fr die harmonische Entwicklung des Menschen (siehe weiterunten). Auf Seite 377 sind bei Ouspensky (1949) zwei ergnzte Formen zu finden, die amAuenrand noch Zahlen des "Diagram of Everything Living" und Oktaven-Buchstabenbeinhalten, was er dann als "food diagram" bezeichnet. Webb verweist darauf, dass frGurdjieffs Enneagramm die Bewegung wesentlich ist "and the direction of the movement ismarked by Ouspensky with arrows." (Webb 1980: 517) Ich habe bei Ouspensky (1949) keineEnneagramm-Figur oder eine Hexade mit Pfeilen gesehen. Es sei noch auf eine Anmerkungvon Bartels verwiesen : "Webb spricht von Kirchers Enneade als einer >>figure called an'enneagram'enneagram>enneade>enneagram
  • die meine Phantasie in keiner Weise mit dem unregelmigen Sechseck des Enneagramm-Symbol

    in Verbindung bringen kann. In dem 1979 von Peter Brook verffentlichten Film MeetingsWith Remarkable Men wird deutlich, dass es um dieses unregelmige Sechseck geht,wenn wir uns Fragen, was Gurdjieff angeblich bei einer sufischen Bruderschaft in einemKloster gefunden hat :

    Ein helles Sechseck mit einem dunklen Kreis als Hintergrund in einem Buch ab 6:10 : Ein helles Sechseck mit einem dunklen Kreis als Hintergrund auf einem Papyrus ab 0:50 :

  • Das Sechseck in hellen Linien auf einem dunklen Boden im Kloster der Bruderschaft,wobei die Tnzerinnen auf dem Symbol weiblich sind, von 2:40 bis 3:30 : Der gesamteFilm startet hier: Der Film ist gerade deshalb eine serise Quelle, weil Jeanne deSalzmann fr den Inhalt mitverantwortlich ist. Sie war es, die Gurdjieff half, seine Ideenfr die movements (Heilige Tnze) in die Tat zu bringen bzw. Wirklichkeit werden zulassen und ihn seit Tiflis bis zum Tode begleitete. Und bei Ouspensky heit es : ">>Eachcompleted whole, each cosmos, each organism, each plant, is an enneagram,>Butnot each of these enneagrams has an inner triangle. The inner triangle stands for the presence ofhigher elements, according to the scale of 'hydrogens,' in a given organism. This inner triangle ispossessed by such plants, for example, as hemp, poppy, hops, tea, coffee, tobacco, and manyother plants which play a definite role in the life of man. The study of these plants can revealmuch for us in regard to the enneagram." (Ouspensky 1949: 293, eigene Hervorhebung)

    Das Symbol kann also ohne Dreieck dargestellt werden. Zu Llull und Kircher schriebJohannes Bartels im November 2001 den Beitrag Die Suche nach dem >>Ur-Enneagramm>Ur-Enneagramm

  • von Belobockijs russischer Ars Magna; Gorfunkel' 1995, 25). [...] Wissenschaftliche Literatur inrussischer Sprache ber Autoren und Werke der lullistischen Tradition kommt gegen Ende des19. Jahrhunderts auf. Die ars combinatoria erscheint hier als Teil einerLiteraturgeschichtsschreibung, die ihre fremdkulturellen Stimuli dokumentiert. [...] InSymbolistenkreisen drfte Lullus und die lullistische Kunst ziemlich bekannt und geschtztgewesen sein." (aus dem Kapitel "Exkurs: Kombinatorik in Ruland. Spuren derTradierung der Ars Combinatoria und des lullistischen Denken" in: Greber (2002): 544f,547, 549)

    Diese Befunde deuten fr mich darauf hin, dass das von Gurdjieff (Georgi IwanowitschGjurdschijew, 1866-1949, ) in die Welt gebrachte Enneagramm-Symbol eine interessanteAbwandlung ist. Gurdjieffs Geburtsdatum ist umstritten. Bennett nannte 1877 und derGurdjieff-Biograph James Moore nennt 1866 (Bennett [1973]/ 1976: 17f und Moore 1991:339 [Moore verweist darauf, dass Bennett sich an einem Reisepass von Gurdjiefforientierte, aber bersehen hatte, dass Gurdjieff mehrere Reisepsse hatte, von dem einersogar das Geburtsdatum 1. Januar 1864 trug. Moore argumentiert fr 1866. Bennett hatte"es als schwierig empfunden, die Chronologie seines Lebens mit dem Datum von 1877 inEinklang zu bringen, aber seine Familie behauptet, da es richtig sei." Bennett [1973]/ 1976: 18])

    Sehen Sie hier eine Zeichnung, die Alexander von Salzmann (1874-1934) - ein in Tiflisgeborener russischer Maler, Karikaturist und Bhnenbildner - vermutlich fr das imSeptember 1919 in Tiflis erffnete Institut fr die harmonische Entwicklung des Menschenangefertigt hatte :

    (Quelle: )

  • Noch wichtiger als Alexander war fr Gurdjieff dessen Ehefrau Jeanne de Salzmann(1889-1990). Jeanne hatte 1912 am Festspielhaus in Hellerau ihren Mann kennen gelernt,im gleichen Jahr geheiratet, war 1917 mit ihm nach Tiflis gezogen und hatte dort eineTanz- und Musikschule erffnet. Im Frhjahr 1919 trifft das Paar dann - durchVermittlung des Komponisten Thomas von Hartmann - auf Gurdjieff. Bereits im Juni 1919haben Jeanne und Gurdjieff eine erste ffentliche Auffhrung der Movements (HeiligeTnze) im Tiflisser Opernhaus. Sie war von nun an seine Schlerin, begleitete ihn bis zumTod, machte sein Gedankengut in Frankreich bekannt und fhrte Gurdjieff nachSchlieung seines Instituts in Paris neue Gruppen zu. Nach Gurdjieffs Tod grndete siemit anderen Schlern eine Gurdjieff-Stiftung, die sie bis zu ihrem Tod leitete ( , , ).Fr das am 1. Oktober 1922 in Fontainebleau bei Paris ( ) erffnete Institut und den imJahr 1923 erschienenen Prospekt des Instituts vernderte Alexander von Salzmann dieursprngliche Zeichnung etwas (in den Wirren der russischen Revolution mussteGurdjieff mit seinen Schlern 1920 Tiflis verlassen, machte die Gruppe im gleichen JahrStation in Konstantinopel sowie 1921 in Hellerau (bei Dresden) und Berlin, undschlielich waren sie 1922 kurz in London und Sdengland)

  • (Quelle: - in anderen Quellen wird das Bild auf das Jahr 1919 datiert: und in Roob(1996): 655; und Ouspensky scheint wohl erst 1920 Kenntnis von diesem Bild gehabt zuhaben : "There was yet another drawing of the enneagram which was made under his directionin Constantinople in the year 1920. In this drawing inside the enneagram were shown the fourbeasts of the Apocalypse - the bull, the lion, the man and the eagle - and with them a dove.These additional symbols were connected with the >>centers.
  • (Quelle: - es ist aus: Jacob Bhme: Theosophische Wercke, Amsterdam, 1682; vgl. Roob 1996: 427)

  • Bei Roob heit es zu dem Zeichen :"Der Teufel stellt der armen Seele, die sich von Gott abwenden will, sein eigenes Abbild als denKreislauf der Natur vor, und zwar >>in einer Schlangengestalt: das Feuer-Rad der EssenzDu bist auch ein solcher feurischer Mercurius, so du deine Begierde in diese Kunsteinfhrest. Aber du mut von einer Frucht essen, darinnen die vier Elemente ein jedes in sichselber ber das andere regieren, darinnen sie im Streit sind.>zndet der Vulcanus das Feuer-Rad der Essenz an und es erwachten alle Eigenschaften derNatur in der Seele, und fhrten sich in eigene Lust und Begierde ein>steht ihr Sinn nur noch nach der Vielheit natrlicher Dinge
  • Das Hakenkreuz - die Swastika ( ) - ist beim persnlichen Siegel von Frau Blavatskyrechts herum und beim Siegel der Theosophischen Gesellschaft links herum. Am Randesei bemerkt, dass amerikanische Historiker eine Ausgabe von Blavatskys Geheimlehre inAdolf Hitlers persnlicher Bibliothek gefunden haben - "mit zahlreichen handschriftlichenRandbemerkungen Hitlers versehen und damit Zeichen einer intensivenAuseinandersetzung" (siehe "Kommentare", dritter Punkt: , der sich auf die QuelleConstance Cumbey (1987): Die sanfte Verfhrung, Asslar: Schulte und Gerth, S. 140bezieht; es gibt auch eine interessante Fernseh-Dokumentation ber den okkultenHintergrund in der Nazi-Fhrung: ). Timothy W. Ryback hat rund 1.200 der insgesamt"mehr als 16 000 Bnde" umfassenden Bchersammlung Hitlers "auf Marginalien,Anstreichungen, Widmungen und andere Spuren ihres Vorbesitzers hin untersucht" unddie Ergebnisse 2008 verffentlicht (Frenschkowski in: Webb [1974]/ 2009: 32f). An dieserStelle sei auf ein Postskriptum und einen Bericht des Journalisten Rom Landau aus dessenBuch God Is My Adventure (1935, ) verwiesen, was beides in Gurdjew der Magier vonLouis Pauwels (1956: 29-48) zu finden ist. Es geht dabei zum einen um eine angeblicheVerbindung von Gurdjieff zu Karl Haushofer und eine angebliche Verbindung zum 13.Dalai Lama.

    "Gurdjew hat sich immer geweigert, die Namen jener Leute zu nennen, die mit ihm zusammendie Gruppe der >>Wahrheitssucher>Ichwar damals auch in Lhasa, und in einem gewissen Sinne haben wir gegeneinandergearbeitet.

  • hohen Geistlichkeit, keinesfalls nur mit bloen Worten zufrieden gibt und man ihn also als einegeistige Potenz betrachtete. Er war Erzieher des Dalai-Lama und floh mit ihm, als die Englnderin Tibet einmarschierten." (ebd.: 23f) Es gibt Leute, die behaupten, da er in Lhasa nur dehalbals Geheimagent aufgetreten ist, um die wahre Absicht seines Aufenthaltes zu verschleiern - erwollte im Grunde die bernatrlichen Methoden der Lamas studieren. Andere behauptenwieder, diese Geheimstudien seien ein Vorwand gewesen, um dahinter politische Absichten zuverbergen. Aber was ist nun wahr ?" (ebd.: 31f) Landau bekam bei Drucklegung seinesBuches einen Brief von Achmed Abdullah, der gestehen muss : "Im Falle Gurdjew steht mirkein anderes Beweismittel fr die Richtigkeit meiner Auffassung zur Verfgung, als da ich ihrergewi bin." (ebd.: 44) In diesem Brief taucht folgender wichtiger Hinweis auf : "Den Russenwar er unter dem namen Hambro Akvan Dorzhiew bekannt. Beim britischen Geheimdienst hieer der Lama Dorzhiew." (ebd.) Pauwels gibt dazu in einer abschlieenden Anmerkung zweiwidersprechende Hinweise, die die Richtigkeit des Dargestellten offen lassen. MeineDeutung des Ganzen ist, dass Gurdjieff nicht identisch ist "mit einem burjtischen Lamanamens Dordjiew". (ebd.: 48) Abdullah verweist in seinem Brief darauf, dass Gurdjieff alsDorzhiew mehrere Sprachen sprach - darunter "franzsisch (mit starkem Akzent) und einziemlich phantastisches Englisch." (ebd.: 44) Wir wissen, dass Gurdjieff in England undFrankreich bersetzer brauchte - Abdullah kann also nicht Gurdjieff meinen. AlexandraDavid-Neel ( ) wies bereits 1954 darauf hin (vgl. ebd.: 48), dass jener Dorzhiew nichtGudjieff sei, sondern der burjtische Lama Agvan Lobsan Dorzhiev (1854-1938) bzw.Agvan Dorjiev oder Dorjieff ( ) - hier ein Artikel der Geschichtsprofessorin HelenHundley ( ), weitere Ausfhrungen im Kapitel "Der Traum vom buddhistischenGroreich" ( ) - die wohl ausfhrlichste Quelle zu dieser Person drfte das Buch vonJohn Snelling sein ( ). Bei den Trimondis findet sich im Zusammenhang mit Dorjiev undVladimir Solovjov (vermutlich Vladimir Soloviev) der Hinweis "Since the end of the 19thcentury Buddhism had become a real fashion among the Russian high society, ..." ( ). Da ichdas Autorenehepaar Herbert und Mariana Rttgen bzw. Victor und Victoria Trimondizitiere, mchte ich auch auf eine Kritik an deren Kritik ( ) hinweisen, die der Indologeund Religionswissenschaftler Karl-Heinz Golzio verfasste ( ) - hier noch eineStellungnahme von Thomas Lautwein, Einzelmitglied der Deutschen BuddhistischenUnion ( ). Und abschlieend zwei Texte von Alexander Berzin - in dem ersten ist vielvon Dorjiev die Rede ( ), in dem zweiten nur an einer wichtigen Stelle ( ).

    An diesen beiden Beispielen - Gurdjieffs angebliche Verbindungen zu Karl Haushofer undzum Dalai Lama - wird deutlich, wie sehr man aufpassen muss, nicht irgendwelchenGerchten aufzusitzen und sie weiter zu verbreiten. Als positives Gegenbeispielgegenber der Verbindung, die sich von Blavatsky zu Hitler ziehen lsst, sei bemerkt,dass die Anthroposophische Gesellschaft 1913 aus der Theosophischen Gesellschafthervorging ( , ). Gurdjieff aber sah in der Anthroposophie "eine Verirrung der gleichenArt wie die Theosophie und der Spiritismus" (Moore 1991: 66). Doch setzten sich "so gut wiealle bedeutenden Vertreter der russischen Kultur des 1. Viertels unseres Jahrhunderts inirgend einer Weise mit der Anthroposophie auseinander, lieen sich durch siebeunruhigen oder begeistern, fanden in ihr Anregungen fr ihre eigene Lebensaufgabeoder lehnten sie heftig ab." (Barbara Fedjuschina im Vorwort von Fedjuschin 1988)Im Jahr 1907 hielt A. R. Orage, der Herausgeber des The New Age, "a series of lectures tothe Manchester and Leeds branch of the Theosophical Society on the topic of >>Consciousness:

  • Animal, Human and Superman.>Musaget
  • verschiedenen Vlkern teil, unter denen die Russen mit ihrem Beitrag fr die gemeinsame Arbeiteinen bedeutenden Platz einnahmen: ..." (Fedjuschin 1988: 130).

    Orage und Bennett lernten Gurdjieff zwar erst nach der Institutserffnung kennen, dochThomas und Olga de Hartmann trafen ebenso wie Ouspensky bereits 1915 in Petersburgauf Gurdjieff ( ) - und die de Hartmanns hatten in Tiflis den Kontakt zu den vonSalzmanns. Fr die Zeit bevor Olga und Thomas auf Gurdjieff trafen, sagte Olga: "At thattime everyone was reading Blavatsky." ( ; zu Blavatsky siehe auch "E. P. Blavatskaja" beiFedjuschin (1988: 47-64), ein Unterkapitel des Kapitels "Theosophie in Ruland") BeiLachman finden wir : "... Theosophy quickly mushroomed into a worldwide occultphenomenon, gathering under its wing an assortment of influential and important disciplesthat would be the envy of any movement, political or otherwise." Und speziell fr die USA :"Few things are as American as baseball, and for a time at the turn of the nineteenthcentury, Theosophy seemed in that league, too." (Lachman 2008: 119) Blavatskys DieGeheimlehre - Die Vereinigung von Wissenschaft, Religion und Philosophie (1888/ 31893)finden Sie hier als pdf-Dateien - siehe ganz unten auf der Seite unter "Weblinks": ).

    Es sei angemerkt, dass die russische TG im Jahre 1916 "Erziehungsmethoden fr die jungeGeneration erarbeitet[e]. Sie wurden in der theosophischen Organisation >>Vereinigung zurErziehung eines freien Menschen>esmge Licht werden>SobornostAlleinheitlichkeit>Das Endziel der Kultur - ist nmlich eine Umgestaltung derMenschheit; in diesem Endziel trifft sich Kultur mit den letzten Zielen der Kunst und der Moral;Kultur verwandelt theoretische Probleme in praktische.neuen religisen Gesinnung

  • bezeichnet F. M. Dostojevskij (1821-1881) als "geistigen[n] Vater des Symbolismus aufrussischem Boden" und Solovjev als einen "andere[n] Vorbote[n] der religisenWiedergeburt in Ruland ..., den Rudolf Steiner den >>reinsten und schnstenReprsentanten des Christus-Volkes>The Antichrist.
  • Eine wichtige Brcke wurde bereits Ende des 17. Jahrhunderts hergestellt : "Am Ende des17. Jahrhunderts und Anfang des 18. Jahrhunderts strmten in das Moskauer Zarenreich wieeine unaufhaltsame Welle die Vertreter und Waren der westeuropischen Kultur - von denTechnikern und Werkzeugen bis zu den Bchern und Philosophen. Als einer von diesenPhilosophen erschien in Moskau im Jahre 1689 der Vorlufer des russischen Rosenkreuzertums,der deutsche Mystiker Quirinius Kuhlmann (1651-1689). Er war ein berzeugter NachfolgerJakob Bhmes, ein Theosoph und Chiliast. Kuhlmann kam auf den Gedanken, da das sndigeBabylon Westeuropa untergehen und ein Jesuelitisches Knigreich entstehen wrde. In denGerchten ber das Wiederaufleben des nrdlichen moskowitischen Volkes sah er dieMorgenrte eines neu beginnenden Lebens. [...] Mit seinen Predigten bhmischer Ideen brachteer Aufruhr in das Deutsche Viertel von Moskau. [...] Der Einflu Kuhlmanns beschrnkte sichnicht nur auf das Deutsche Viertel. Nach seinem Tode begannen sich russische bersetzungender Werke von Jakob Bhme zu verbreiten." (Fedjuschin 1988: 41f; ergnzt sei folgendes Zitat:"Das Wirken der russischen Rosenkreuzer, die sich voll und ganz der Vertiefung der Lehre berdie gttliche Allweisheit gewidmet hatten, wurde im Jahre 1827 offiziell unterbunden. In diesemJahr hatte der russische Selbstherrscher Nikolaus I. (1796-1855) jegliche Logen in Rulandverboten." (Fedjuschin 1988: 46))

    Die vorigen zehn Abstze sollten auf die Bekanntheit von Jakob Bhme in Russlandhinweisen und ein wenig den geistig-atmosphrischen Hintergrund schildern, in dem sichGurdjieff bewegt hatte. Nebenbei stellt sich die Frage, ob Gurdjieff das "seperate chapteron a certain >Soloviev

  • neuer Typus von Machthabern ber menschliches Geschick in der historischen Arenaauftauchen werde: der Redner-Demagoge, der Machtschtige, der ber die Menge herrscht,und in dem deutlich die Charakterzge der Diktatoren des XX. Jahrhunderts zutage treten -Lenins, Trotzkij's, Hitlers und Stalins." (Fedjuschin 1988: 26) Und Gurdjieff hatte in seinerdritten Buchserie, die er in den 1930ern mit den Erfahrungen des ersten Weltkrieges undder Weltwirtschaftskrise schrieb, eine "Sorge der wachsenden Mechanisierung desmenschlichen Lebens, der Massenhypnose und der verlorenen Fhigkeit zu unabhngigemUrteil" (Bennett [1973]/ 1976: 285).

    Vor allem aber gab es eine enge Verbindung zwischen Solowiew und Rudolf Steiner : "DieLeute, die anfangs der Russischen Anthroposophischen Gesellschaft beitraten, gehrten zueinem Kreis, der den Philosophen Vladimir Solovjev verehrte. Meistens besaen sie akademischeBildung und glaubten daran, da die Wissenschaft tief vom Geist Christi durchdrungen seinsollte. Im Werk Rudolf Steiners sahen sie eine Vereinigung der Mystik Solovjevs mit der exaktenWissenschaft, und deshalb erhielt die erste Anthroposophische Gesellschaft in Ruland denNamen Vladimir Solovjevs." (Fedjuschin 1988: 107)

    Bennett vermutet ein direktes Zugehen Gurdjieffs auf die Theosophen : "Um schnellvoranzukommen, machte er sich daran, das Vertrauen und die Untersttzung okkulter undtheosophischer Gesellschaften zu gewinnen, die viele Anhnger hatten unter den Russen undanderen Menschen aus dem Westen, die in den bedeutenden Wachstumszentren wie zumBeispiel Taschkent lebten." (Bennett [1973]/ 1976: 117) Auerdem : "Wenn man diebruchstckartigen Informationen zusammenfgt, scheint es, da er sich 1910 und 1911 als einberufsmiger Lehrer des Okkulten niedergelassen hatte mit Hauptsitz in Taschkent. [...] ... nureine sehr begrenzte Auswahl von Menschentypen an okkulten und theosophischen KreisenInteresse fnde. [...] ... er mit den Menschen intensiver arbeiten msste, als es bei denmonatlichen Treffen der theosophischen Kreise mglich war." (Bennett [1973]/ 1976: 119, 122)

    Insgesamt stellen die Abstze ab den Symbolen von Blavatsky und der TheosophischenGesellschaft einen indirekten Weg dar, der zeigt, wie wir vermuten drfen, dass Gurdjieffein Wissen von der Theosophischen Gesellschaft gehabt haben muss. Der direkte Wegfhrt ber Zitate von Gurdjieff zu unseren vier Krpern und zur Quersummenbildung beider Erklrung des Enneagramm-Symboles :

    "The first is the physical body, in Christian terminology the 'carnal' body; the second, in Christianterminology, is the 'natural' body; the third is the 'spiritual' body; and the fourth, in theterminology of esoteric Christianity, is the 'divine' body. In theosophical terminology the first isthe 'physical' body, the second is the 'astral,' the third is the 'mental,' and the forth the 'causal.' 1 In the terminology of certain Eastern teachings the first body is the 'carriage' (body), the secondbody is the 'horse' (feelings, desires), the third the 'driver' (mind), and the fourth the 'master' (I,consciousness, will).1 That is, the body which bears the causes of its actions within itself,isindependent of external causes, and is the body of will." (Ouspensky 1949: 41) "In Westernsystems of occultism there is a method known by the name of 'thesophical addition,' that is, thedefinition of numbers consisting of two or more digits by the sum of those digits. To people whodo not understand the symbolism of numbers this method of synthesizing numbers seems tobe absolutely arbitrary and to lead nowhere. But for a man who understands the unity ofeverything existing and who has the key to this unity the method of theosophical addition has aprofound meaning, for it resolves all diversity into the fundamental laws which govern it andwhich are expressed in the numbers 1 to 10." (Ouspensky 1949: 283; siehe auch 286 und 289)

  • Und bei Webb finden wir : "Gurfjieff - witness his remark about the time he wasted on H. P.Blavatsky's The Secret Doctrine - had as much trouble as any other inquirer in sifting the grainfrom the chaff." (Webb 1980: 502) Schauen wir uns nun das Siegel der TG und GurdjieffsZeichen im Vergleich an :

    Deutlich sichtbar ist im linken Bild nichts Menschliches zu erkennen. Das einzige Lebewesen istdie Schlange. Ansonsten nur (geometrische) Symbole. Whrend das theosophische Symbol toteGeometrie + Schlange ist, ist das Gurdjieffsche Symbol durch Lebewesen + (hintergrndige)Geometrie gekennzeichnet. Schauen wir uns nun das Bild zu Kirchers Arithmologia im Vergleichmit dem Gesamtbild von Gurdjieffs Instituts-Bild an :

  • Im linken Bild dominieren ein Kreis mit Flgeln und ein Neunstern die Bildflche. Imrechten Bild wird der Blick von einem Kreis mit darin enthaltenen Lebewesen angezogen.Fast im gleichen Augenblick nimmt das Auge zwei den Kreis umrahmende Figuren wahr,und auf den zweiten Blick wird das gegenstndliche Allerlei, welches sich im unterenDrittel des Bildes befindet, sichtbar. Im Gurdjieffs Bild ist vordergrndig nichtsHimmlisches zu erkennen, doch : "Ein Vortrag enthielt einen sehr bedeutsamen Hinweisauf >>die SufisIn einigen der alten Lehren wird gesagt, >Als Gott den Menschenschuf, schuf er am gleichen Tag auch zwei Geister fr jeden Menschen, den Geist Gottesund den Geist des Bsen oder Engel und Teufel, Seite an Seite. Den Engel setzte er auf dierechte Schulter und den Teufel auf die linke Schulter des Menschen.
  • Anders verhlt es sich auf dem unteren Bilddrittel des Gurdjieff-Bildes. Ich erspare Ihnendas Aufzhlen des dort Dargestellten. Sie werden selbst einiges entdecken knnen. Damites leichter wird, hier der gleiche Ausschnitt etwas grer :

    Allgemein gesprochen, sehen wir hier ganz irdische 'Dinge des tglichen Gebrauchs'aus der Kunst (Musik & Malerei), der Naturwissenschaft und aus dem Handwerk. Umdieses Irdische zu verstehen, empfehle ich, Ouspensky zu lesen (1949: 44-52 - hier geht esum den "Vierten Weg"). Zum Verstndnis des Enneagramm-Symboles empfehle ichebenfalls, die Originalseiten bei Ouspensky zu lesen (1949: 278-298 sowie 376-378). DasKapitel 14 bei Ouspensky sollte jemand, der sich ernsthaft fr das Enneagramminteressiert, gelesen haben (hier in englisch: ). Fr Personen, die Anderen ber dasEnneagramm Vortrge halten, ist das eine unumgngliche Pflichtbung. Das Buch mitdem deutschen Titel Auf der Suche nach dem Wunderbaren ist laut Bennett "diemagebende Zusammenfassung der Gurdjieffschen Ideen" (Bennett [1973]/ 1976: 5f). Zurleserischen Pflichtbung zhlen auch die Seiten 200-227, 253-273 und 289-318 in: Bennett,J. G. ([1973]/ 1976): Gurdjieff - Der Aufbau einer neuen Welt, Freiburg: Aurum - dieseSeiten enthalten die Kapitel "Das Gesetz der gegenseitigen Erhaltung", "Der Mensch","Anhang I: Gurdjieffs Stil und Terminologie" und "Anhang II: Die groen Gesetze".Dieses letzte Kapitel, welches die Pentade enthlt, ist eine notwendige Ergnzung zuOuspenskys Enneagramm-Kapitel : "Die zwei Symbole - die Pentade und das Enneagramm -stellen das gesamte System des Weltalls als einen Schauplatz der Energieumwandlung (...) undder gegenseitigen Erhaltung (...) dar." (Bennett [1973]/ 1976: 317) Genauso wichtig istschlielich auch das Kapitel "The Sources of the System" bei Webb 1980: 499-542.

    Die rituellen Bewegungen der Tnzerinnen in Form des Enneagramm-Symboles stellenlaut Bennett "die berwindung des Zufalls durch die Wechselwirkung dreier Prozesse"dar. (Bennett [1973]/ 1976: 210, zur Bedeutung der "Bewegungen" und "der heiligenGymnastik" in Gurdjieffs Lehre siehe auch S. 237-245) Bennett benennt den tiefen Wert

  • jeglicher kosmologischer Weltanschauung am Beispiel Gurdjieffs : "Das Traurige an jederWeltanschauung, die alle Werte und alle Bedeutungen allein aus der menschlichen Erfahrungabzuleiten sucht, ist, da sie keinen Sinn hat. Die Welt an sich ist zu gro und offensichtlich zuerregend, als da man sie als einen Hintergrund fr das menschliche Drama behandeln kann.Die enorme Bedeutung des Gurdjieffschen Schemas ist, da es uns zeigt, wie wir einezusammenhngende Erklrung von >>All und Allem>Dienst und Opfer
  • Verweis auf die Quellen: Kabbani, Shaykh Muhammad Hisham: The Naqshbandi SufiWay. History and Guidebook of the Saints of the Golden Chain, Chicago 1995, S. 360f undein Artikel des selben Autors im Enneagram Monthly 32 [Oktober 1997], S. 10) Wenn lautMoore und Bartels bis heute niemand das von Gurdjieff verwendete Symbol in einerfrheren Quelle gefunden hat, gehe ich davon aus, dass Gurdjieff den gleichmigenNeunstern in (s)ein neues Symbol gendert hat.

    Es wre folgerichtig, wenn das von Gurdjieff eingefhrte oder erfundene Symbol ein"Markenzeichen" ist, das ausschlielich von der gurdjieffschen Enneagramm-Gemeindeverwendet wird. Insbesondere den kirchlich orientierten Enneagrammern empfehle ich,den regelmigen Neuneck-Stern als Symbol zu nehmen und ihre eigene Enneagramm-Lehre weiter zu entwickeln - allerdings mssen Sie mit der nderung des Symboleseiniges Umschreiben, weil die wissenschaftlich ohnehin nicht haltbare Dogmatik derFlierichtungen dann nicht mehr verwendet werden kann. Am freihesten wren sie, wennsie von dem Neunstern und der Figur A abstrahierend

    dieses Symbol

    verwenden und jeweils die Verbindungslinien ziehen, die sich aus der Selbsterkenntnisergeben. In diesem Zusammenhang sei an eine Aussage erinnert, die Helen Palmer inihrem ersten Buch im Kapitel "Die Grenzen des Typisierens" machte : "Das Enneagramm istjedoch kein starres System, sondern ein Modell miteinander verbundener, eine dynamischeBewegung anzeigender Linien, in dem jeder von uns das Potential aller neun Typen - oderPunkte - in unterschiedlichem Mae besitzt, auch wenn er sich am strksten mit den Themen

  • seines eigenen Typs identifiziert. Darber hinaus deutet die Struktur eines Sterns mit neunSpitzen, die untereinander durch Linien verbunden sind, an, da jeder sich zwischen denPunkten frei bewegen kann. Die neun Punkte stimmen gut mit der heutigen psychologischenTypologie berein, und die sie verbindenden Linien weisen auf spezifische Beziehungenzwischen den verschiedenen Typen hin, mit deren Untersuchung in der aktuellenpsychologischen Literatur gerade erst begonnen wird." (Palmer [1988]/ 1991: 27, eigeneHervorhebung)

    Das Problem der heutigen Enneagramm-Praxis liegt womglich darin, dass sie sich aufdie Untersuchung der Verbindungslinien konzentriert hat und dabei die Beweglichkeitaus dem Blick verloren hat. Es ergibt sich sogar ein Problem innerhalb des beweglichverstandenen Gurdjieff-Modells : "Gurdjieff versuchte, seinen Schlern ein Gefhl fr dasEnneagramm als Modell der ewigen Bewegung zu vermitteln. Auf dem Boden der Halle seines>>Instituts zur harmonischen Entwicklung des Menschen

  • die in Bereiche des tglichen Lebens wie die Pdagogik, die Landwirtschaft und dasBankwesen hinein gewirkt hat. In der Psychologie ist Carl Gustav Jung die Persnlichkeit,die sich mit Okkultem und Spirituellem befasst hat und die bis heute durch Instrumente,die auf seiner Lehre grnden, in die Personalabteilungen von Unternehmen hineinwirkt.Webb kommentiert zu Gurdjieff und Jung : "The similarity is sometimes so marked thatthe two are said to have met; but Arnold Keyserling once secured a denial from Junghimself. The parallel stems chiefly from Jung's own occult reading, and particularly fromhis reliance on the Christian Gnostics." (Webb 1980: 536)

    Fr ein Verstndnis des geistigen Klimas, in dem Gurdjieff mit seiner Lehre gedieh, siehe :Fedjuschin, V. B. (1988): Rulands Sehnsucht nach Spiritualit, Schaffhausen: Novalis

    Soboleva, M. (2007): Aleksandr Bogdanov und der philosophische Diskurs in Russlandzu Beginn des 20. Jahrhunderts, Zrich/ New York: Georg Olms

    Die starke Betonung des mechanischen Menschen kann nicht anders als imZusammenhang mit Iwan Petrowitsch Pawlow (1849-1936, ) verstanden werden.Pawlow/Pavlov hatte bereits im Jahr 1904 den Nobelpreis erhalten und der aus seinenErkenntnissen hervorgegangene Behaviorismus kann als genau die Denkrichtungbetrachtet werden, zu der Gurdjieff sich in Opposition stellte.

    In Anknpfung an Pavlov und Bogdanov ist der Film Menschenlabor Sowjetunion (2009)von Boris Rabin sehr interessant ( ); zum Anschauen im Internet: ( ). Siehe auch :Rting, T. (2002): Pavlov und der Neue Mensch, Mnchen: Oldenbourg

    Im nchsten Kapitel geht es um die Wissenschaftlichkeit des Enneagramm : Zum Literaturverzeichnis :

  • Selbst-ErinnerungGURDJIEFFS "KAMPF GEGEN DEN SCHLAF"6DIE BUNGOBJEKTIVITT UND SUBJEKTIVITT16ERKENNE DICH SELBST. DER SCHLSSEL ZUR OBJEKTIVEN WELTANSCHAUUNG UND DER WEG AUS DER MATRIX21

    Caroline Myss "The Consciousness Movement"NEW-AGE COINTELPRO UND DIE OPTIMISMUS-GESTAPO25Metaphysische SchnrednereiDie Optimismus-Gestapo

    NEW-AGE COINTELPRO UND DIE OPTIMISMUS-GESTAPO2Metaphysische SchnrednereiDie Optimismus-Gestapo

    BUNGEN ZU DEN 5 ANZUSTREBENDEN ZIELENTAIJI: 5 ELEMENTE10TAIJI: 5 ELEMENTE10