capelle, irmlind; goltz, maren: wilhelm berger ( (1861-1911). komponist – dirigent – pianist

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composer, conductor, pianist, music

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  • Wilhelm Berger (18611911)

  • Beitrge zur Kulturgeschichte der Musik

    Herausgegeben von Rebecca Grotjahn

    Band 6

  • Wilhelm Berger (18611911)Komponist Dirigent PianistVortrge der Tagung 2011, veranstaltet von der Sammlung Musik-geschichte der Meininger Museen/Max-Reger-Archiv in Kooperation mit dem Musikwissenschaftlichen Seminar Detmold/Paderborn

    Herausgegeben von Irmlind Capelle und Maren Goltz

    Allitera Verlag

  • Weitere Informationen ber den Verlag und sein Programm unter:www.allitera.de

    Februar 2013Allitera VerlagEin Verlag der Buch&media GmbH, Mnchen 2013 Buch&media GmbH, MnchenUmschlaggestaltung: Kay Fretwurst, Freienbrink, unter Verwendung der Fotografie von Johannes Lpke, Berlin, um 1903, in: Universittsbibliothek Frankfurt am Main, Sammlung Manskopf, S36_F08202.Herstellung: Books on Demand GmbH, NorderstedtPrinted in Germany isbn 978-3-86906-491-8

  • 5Inhalt

    Abkrzungsverzeichnis ...............................................................................6Vorwort ......................................................................................................7

    Maren Goltz

    Die Berger-Rezeption im Spiegel der Korrespondenz von Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen mit Max Reger und weiterer Quellen .............................................................. 11

    Robert Pascall

    Wilhelm Berger, der Symphoniker ............................................................. 37

    Irmlind Capelle

    Komponieren in Meiningen Zum Einfluss von Richard Mhlfeld und Johannes Brahms auf Wilhelm Bergers spte Kammermusik .............77

    Christoph Flamm

    Sonate und Variation: Wilhelm Bergers Klaviermusik in groen Formen .. 103

    Alexander Butz

    Wilhelm Bergers Gesang der Geister ber den Wassern fr Chor und Orchester op.55 ................................................................ 121

    Gesine Schrder

    Kaiser Wilhelms Orient. Zu den Mnnerchorstzen von Wilhelm Berger ...................................... 149

    Wolfgang Schult

    Per aspera ad astra durch Nacht zum Licht Groe Musik zu seltsamer Textauswahl. Wilhelm Bergers Musik fr gemischten Chor a cappella ......................... 167

    Hendrik Brunlich

    Wilhelm Bergers Lieder und Gesnge Gedanken aus der Sicht eines Musikers und Lehrers ............................... 177

    Nikolaus Mller

    Wilhelm Berger als Dirigent der Meininger Hofkapelle .......................... 189

    Register ................................................................................................... 199

  • 6Abkrzungsverzeichnis

    Altmann Wilhelm Altmann, Wilhelm Berger-Katalog. Vollstndiges Verzeichnis smtlicher im Druck erschienenen Tonwerke und Bearbeitungen Wilhelm Bergers mit Preisangabe nebst systematischem Verzeichnis und Registern aller Titelber-schriften, Textanfnge u. Dichter, deren Dichtungen Berger vertont hat, nebst einer Wrdigung Bergers, Leipzig 1920.

    Ernest Gustav Ernest, Wilhelm Berger. Ein deutscher Meister, Berlin 1931.

    Finscher Ludwig Finscher, Art. Berger, Wilhelm, in: MGG2, Perso-nenteil 2, Kassel 1999, Sp.12661267.

    Kahl Willi Kahl, Art. Berger, Wilhelm, in: MGG1, Kassel u. Basel 19491951, Sp.16931695.

    Krause Emil Krause, Wilhelm Berger, in: Monographien moderner Musiker, Bd. II, Leipzig 1907, S.4151.

    Reinhardt1 Klaus Reinhardt, Eine Musiker-Jugend in Bremen. Die Wiederentdeckung des Komponisten Wilhelm Berger (18611911.) Nach Dokumenten des Nachlasses und zeit-genssischen Quellen. Mit Chronik des Lebens und Schaf-fens, Abbildungen und Notenteil sowie einem literarischen Anhang, Bremen 1989.

    Reinhardt2 Klaus Reinhardt, Zu Leben und Schaffen des Komponisten Wilhelm Berger, in: Friedrich-Kiel-Studien 3 (1999). S.149163.

    Reinhardt3 Klaus Reinhardt, Unbekannte Briefe des Herzogs Georg II. von Sachsen-Meiningen aus den Jahren 19041910 an den Hofkapellmeister Wilhelm Berger, in: Mf 40 (1987), S.135149.

    ThStAMgn Thringisches Staatsarchiv Meiningen

    PrAdK Preuische Akademie der Knste

    Im brigen werden die blichen Abkrzungen nach MGG2 verwendet.

  • 7Vorwort

    VorwortWerden bei groen Komponisten Jubilen Jahre im Voraus geplant und Feierlichkeiten, Symposien und Kongresse vorbereitet, so muss man bei un-bekannteren hoffen, dass aufmerksame Musiker und Wissenschaftler recht-zeitig an sie erinnern, so dass eine wissenschaftliche Tagung und Begleitver-anstaltungen geplant werden knnen. Wir danken dem 1. Solovioloncellisten des Gewandhausorchesters Leipzig, Christian Giger, dass er in diesem Sinne an das Doppeljubilum von Wilhelm Berger (150. Geburtstag, 100. Todes-tag) gedacht und Kontakt mit den Veranstaltern aufgenommen hat, ebenso den beteiligten Institutionen, der Sammlung Musikgeschichte der Meininger Museen/Max-Reger-Archiv und dem Musikwissenschaftlichen Seminar Det-mold/Paderborn, dass sie bereit waren, diese Idee zu untersttzen.

    Wilhelm Berger ist in der musikwissenschaftlichen Forschung bislang schlicht-weg bersehen worden.. Dabei war er in seiner Zeit ein hchst anerkannter Musiker und Komponist. Um es an dieser Stelle kurz zusammenzufassen: Mit 17 Jahren nahm Berger sein Studium an der Musikhochschule in Berlin auf und studierte Klavier bei Ernst Rudorff, Partiturspiel bei Woldemar Bargiel und Komposition bei Friedrich Kiel. Er entwickelte schon whrend des Studi-ums eine rege Ttigkeit als Klavierlehrer und Begleiter und erhielt 1888 eine Anstellung am Scharwenka-Konservatorium, die er bis 1893 inne hatte. 1899 bernahm Berger als Nachfolger von Heinrich von Herzogenberg die Leitung des Berliner Oratorienchors Musikalische Gesellschaft. 1903 erhielt er den Professoren titel und wurde Mitglied der Kniglichen Akademie in Berlin. Be-reits Ende 1902 hatte sich Berger auf Anregung von Fritz Steinbach um dessen Nachfolge als Kapellmeister der Meininger Hof kapelle beworben. Er konnte sich gegen 18 Mitbewerber durchsetzen (darunter Waldemar von Baunern, Dresden), trat die Stellung im Herbst 1903 an und behielt sie bis zu seinem To-de im Januar 1911. Berger wurde Chef eines Ensembles in bester Verfassung, nahm die Meininger Hofkapelle doch durch ihre intensive Brahms-Pflege und ihre zahlreichen, hchst erfolgreichen Konzertreisen einen Spitzenplatz unter den deutschen Orchestern ein. Ihm folgte im Amt des Sachsen-Meiningischen Hofkapellmeisters zuletzt nur noch Max Reger.

    Nach der Urauffhrung von Bergers Sonnenhymnus durch Siegfried Ochs mit dem Philharmo nischen Chor und Orchester in Berlin am 29. Januar 1917 plante der Dessauer Hofkapellmeister Arthur Dette eine Ausgabe der Werke von Wilhelm Berger und eine Biographie. Beide Projekte wurden trotz promi-nenter Untersttzung durch Mnner vom Range eines Weingartner, Nikisch, Wendel, Scheinpflug usw. nicht ausgefhrt.

  • 8Vorwort

    Wilhelm Berger hatte seit seiner Kindheit komponiert und sein op.1 (Vier Lieder fr eine Singstimme) bereits 1878 verffentlicht. Lag der Schwer-punkt seiner kompositorischen Arbeit anfangs auf kleineren Besetzungen (Lieder, Klaviermusik, Chorwerke), so wandte er sich bald grer besetzten Werken bzw. anspruchsvolleren Gattungen zu. 1898 erhielt er zwei bedeu-tende Auszeich nungen: einerseits wurde das Werk Meine Gttin op. 72 fr Mnner chor und Orchester (Text von J. W. von Goethe) mit dem Preis der Stadt Knigsberg ausgezeichnet, andererseits das Streich quintett op. 75 mit dem 1. Preis des Beethovenhauses Bonn. Auerdem brachte in diesem Jahr Fritz Steinbach mit der Meininger Hofkapelle Bergers 1. Symphonie op. 71 zur erfolgreichen Urauffhrung.

    Wie schnell gerade die Werke der Meininger Zeit Eingang in das aktuelle Musikleben fanden, sei stellvertretend an den Variationen und Fuge ber ein eigenes Thema op. 97 (1907) erlutert. Die Urauffhrung fand am 12.Febru-ar 1909 in Dresden unter Adolf Hagen statt. Wenig spter fhrte Arthur Nikisch das Werk mit dem Gewandhausorchester Leipzig auf und telegra-phierte anschlieend: Auerordentlicher glnzender Erfolg. Beglckwnsche Sie herzlich. Im Dezember 1912 stand das Werk unter Max Reger dann auch auf dem Programm der Meininger Hofkapelle. Eine besondere Pflege erlebten die Werke Bergers bei den Tonknstlerversammlungen des All gemeinen Deut-schen Musikvereins.

    Doch trotz dieser steilen Karriere als Komponist ist nicht zu leugnen, dass Wilhelm Bergers Werke sehr bald nach seinem Tod in Vergessenheit gerieten. ber Grnde hierfr lsst sich (bislang) nur spekulieren. Mit verantwortlich sein knnten seine schwere Erkrankung ab 1907, sein frher Tod zu einer Zeit als sich gerade erst seine Stellung zu festigen schien. In Frage kmen ferner Einschrnkungen des Kulturlebens whrend des 1. Weltkriegs, die komposi-torischen Umwlzungen um 1910, welche sein eher konservatives Werk ver-drngten u. a. m. Dennoch ist es bemerkenswert, wie nachhaltig in seinem Fall das Verschwinden aus dem Konzertleben ausfiel und dass heute nur noch wenige begeisterte Musiker und Musikwissenschaftler seine Werke kennen.

    Eine generelle musikhistorische Einordnung wagte zuletzt Ludwig Finscher:

    Berger gehrt zum Kreis der sog. Berliner Akademiker, wie vor ihm sein Lehrer [Friedrich] Kiel und gleichzeitig mit ihm H[einrich] von Herzogenberg, und ent-sprechend deutlich ist in seinem Vokal- und vor allem seinen Instrumentalwerken die Nhe zu Brahms. [] In der Instrumentalmusik zeigen sich am deutlichsten die Tendenzen der zweiten Berliner Generation, die ber Brahms hinausweisen, und auf diesem Weg geht Berger wesentlich weiter als etwa Herzogenberg: chromati-sierte Harmonik, dissonanzreicher Kontrapunkt, berladen vielstimmiger Satz,

  • 9Vorwort

    barockisierende Formen [] und Monumentalisierung der Dimensionen, getragen von wilhelminischem Pathos, aber auch von stu pendem Handwerk.

    Diese Stichworte waren fr viele Beitrger bei dem Sym