30 jahre unter den toten.pdf

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  • Carl Wickland

    Dreiig JahreDreiig Jahre

    unter den Totenunter den Toten

    *

    bersetzt und herausgegeben von Dr. med. Wilhelm Beyer

  • = 2 =

  • Umschlag

    Anhand von zahlreichen Beispielen aus seiner jahrzehntelangen Praxis weist der bekannte amerikanische Irrenarzt nach, da es sich bei den meisten Fllen geisti-ger Verwirrung nicht etwa um Bewutseinspaltung, oder dergleichen handelt, sondern um Besessenheit durch Fremdwesen, die von dem Patienten Besitz er-griffen haben und ihm ihren Willen aufzwingen. Indem diese Wesenheiten durch ein Medium zum Reden gebracht werden, geben sie sich als Verstorbene kund, die sich ber ihre vernderte Seinsweise nach dem Ablegen ihres irdi-schen Krpers noch gar nicht klar geworden sind und sich einbilden, nach wie vor in ihrer gewohnten Umgebung zu leben.

    Die Gesprche, die Dr. Wickland mit diesen Geistern fhrt und Wort fr Wort wiedergibt, zeigen den verhngnisvollen Einflu der Verstorbenen auf Lebende, wenn sie sich in deren Aura festsetzen und sie zu Werkzeugen ihrer Schte ma-chen. Da sie Persnlichkeiten mit ausgesprochenem Ichbewutsein, d.h. tat-schlich Verstorbene sind, geht auch daraus hervor, da sie sich nach Aus-drucksweise, Herkunft und Bildung als vllig unverwechselbare Individuen dar-stellen ja, sie nennen sich sogar mit Namen, und die Angaben ber ihre irdi-sche Existenz besttigen sich nachtrglich als richtig.

    Erst nachdem die Geister ber ihren neuen Zustand und die Aufgaben, die sie im Jenseits haben, Belehrung angenommen haben, finden sie sich bereit, von ihrem Opfer zu lassen, das damit wieder Herr seiner selbst, mit anderen Worten, wie-der normal wird. Keine Phantasie kann die Vielzahl der Gestalten hervorbrin-gen, die da aus allen Lebensbereichen an uns vorberziehen und mit wenigen Stichworten ihre Schicksale aufzeigen. Erstaunlich ist es, mit welcher Treffsi-cherheit das meist harmlos beginnende Gesprch auf den wunden Punkt hinsteu-ert und die Ursache des Versagens im Leben ohne Schonung blolegt. Umge-trieben in ihrem eigenen engen Vorstellungskreis wird der Seele solange der Spiegel vorgehalten, bis sie sich zu Selbsterkenntnis durchringt. Nicht eher darf sie zu hheren Stufen aufsteigen, als bis sie alles begangene Unrecht wieder gut-gemacht hat.

    So erweist sich die Unwissenheit ber den Sinn des Daseins und das Leben nach dem Tode als das schlimmste Hindernis fr die Entwicklung des Menschen im Diesseits und im Jenseits, und nichts sollte ihm dabei wichtiger sein, als bei Lebzeiten Wahrheit ber die geistige Welt, in die er eintreten wird, zu erlangen.

    Die letzten Kapitel behandeln Theosophie, Christliche Wissenschaft, (deren Grnder selbst zu Worte kommen) und die Wiederverkrperungslehre. Zum Schlu gewhren fortgeschrittene Geister Einblick in die wundervollen Verhlt-nisse lichterer Sphren, wie sie seit jeher von den groen Sehern geschaut und beschrieben worden sind.

    = 3 =

  • Hat vielleicht ein Dante sein Inferno und Purgatorio nicht erfunden, sondern als die eigentliche Wirklichkeit ber unserer Welt des Scheins erfahren?

    REICHEL VERLAG, ST. GOAR

    * * *

    Lieber Leser!

    Das vorliegende Buch zeigt einen Weg zu erfolgreicher Heilbehandlung von so-genannten Geisteskranken und gibt einen klaren Hinweis auf Ursache und We-sen der hufigsten Geistesstrungen. Es lehrt, da Unwissenheit hinsichtlich des Weiterlebens nach dem krperlichen Tode nicht nur fr die Verstorbenen ber-aus peinvolle Folgen hat, sondern auch der Erdenmenschheit unendlich viel Not und Unheil verursacht. Damit mahnt es uns, das Erdenleben als eine Schule zur rechten Vorbereitung auf das eigentliche Leben in geistigen Reichen sehr ernst zunehmen.

    Die Verstorbenen, welche hier zu Worte kommen und von ihren Erlebnissen nach dem Tode berichten, erzhlen von Zustnden in der Erdsphre, schildern also, wie es auf der fr uns unsichtbaren Rckseite unserer irdischen Lebensebe-ne zugeht. Von der geistigen Welt wissen sie nichts, denn in ihrer Unwissenheit haben sie den Zugang zu dieser gar nicht finden knnen.

    Schlielich lassen die Berichte dieses Buches erkennen, da der gewi nicht un-bedenkliche mediale Geisterverkehr doch reichen Segen zeitigen kann, wenn ernste und verantwortungsbewute Menschen ihn im rechten Sinne nutzen. Denn durch Dr. Wicklands aufklrendes Wirken sind nicht nur zahlreiche Geis-teskranke wieder zu gesunden Menschen geworden, sondern noch sehr viel mehr unwissende und hilflos umherirrende Verstorbene haben durch ihn den Weg in die geistige Welt und damit zu ihrem Aufstieg in glckliche Zustnde gefunden.

    Die vorstehenden Bemerkungen glaubte der Herausgeber der neuen Auflage vor ausschicken zu sollen, weil die eben aufgefhrten wesentlichsten Hauptpunkte in verschiedenen Besprechungen der ersten Auflage von den Referenten an-scheinend bersehen worden sind, whrend sie nebenschliche Eigenheiten des Buches und seiner Rendite meinten ihrer Kritik unterziehen zu mssen.

    Eine arge Verkennung ist es insbesondere, Dr. Wickland, wie geschehen, einen Atheisten zu nennen. Gewi ist seine Laientheologie recht primitiv, aber seinem Wesen und Wirken nach ist er ein echter Tatchrist, und die Vorstellungen, die er dem Leser von den ersten Lebensverhltnissen unwissender Verstorbener ver-mittelt, werden offensichtlich, der jenseitigen Wirk besser gerecht, als die kirch-lichen Lehren.

    Die sachlich-nchternen Erlebnisberichte dieses Buches sind von groer Ein-drcklichkeit und wollen und sollen ebenso unbefangen aufgenommen werden,

    = 4 =

  • wie sie hier gegeben sind. Weite Kreise unvoreingenommener Leser haben das Erscheinen der deutschen bersetzung lebhaft begrt und das Buch als will-kommene Aufklrung angenommen. Das hier in Frage stehende Gebiet ist noch viel zu wenig bekannt und erforscht, als da irgend eine Instanz darber endgl-tig entscheidende Urteile abzugeben vermchte.

    Seelsorgerischen Befrchtungen, Dr. Wicklands nicht immer dogmengerechte uerungen knnten Glubige in die Irre fhren, sei beruhigend entgegengehal-ten, das ja nicht das Glaubensbekenntnis, sondern die Beweggrnde fr unser Tun und Lassen dem Nchsten gegenber die wahre Stellung des Menschen zu Gott und seiner Weltordnung kund tun. Im Vergleich zum Tatbeweis der Nchs-tenliebe ist es recht nebenschlich, welche Vorstellungen sich der Mensch vom Wesen und Walten Gottes macht, und es gibt ausgesprochene Atheisten, die ob ihrer wohlwollenden Einstellung zu ihren Mitmenschen Gott wohlgeflliger sind als manche kirchentreue Rechtglubige.

    Der Herausgeber

    * * *

    = 5 =

  • Vorwort

    Ein Buch wie das vorliegende auf den deutschen Bchermarkt zu bringen, be-darf einer Rechtfertigung. Eigentlich mte man ihm eine eigene neue Psycho-logie vorausschicken. Doch es mag auch gengen, wenn wir uns in kurzen Z-gen mit der heutigen Seelenkunde auseinanderzusetzen versuchen.

    Dr. Wicklands Buch berichtet von Besessenheit und Besessenheitsheilungen. Die Gattin des Verfassers hat ihm bei seiner Ttigkeit in diesem Kampfe gegen die Besessenheit ber mehr als drei Jahrzehnte hin als Medium gedient. Viele Hunderte, ja Tausende von Persnlichkeiten haben im Laufe dieser langen Zeit aus ihr gesprochen und sich als scharf umrissene, eigenartige und eigenwillige Wesenheiten bekundet. Das seien Geister Verstorbener, meint der Verfasser, meist unwissende, irrende Seelen von Menschen, die, von ihrem Krper endgl-tig getrennt, sich in ihren neuen Lebensverhltnissen nicht zurechtfinden konn-ten, weil sie, auf diese Wandlung ihrer Lebens nicht richtig vorbereitet oder durch falsche Vorstellungen irregeleitet, sich in ihrer Ratlosigkeit und Verlas-senheit nicht anders zu helfen wuten, als da sie bei medial veranlagten Men-schen Anschlu und Anhalt suchten, weil gerade diese ihnen besonders leicht zugnglich sind. Bei dieser beiden Teilen unbewuten Zugesellung komme es dann zu Belstigungen und schlielich zu einer vlligen Inbesitznahme des Menschen von seiten des Verstorbenen.

    Da er selbst aus voller berzeugung diese Auffassung teile, bekennt hiermit auch der bersetzer und deutsche Herausgeber. Ja, gerade diese berzeugung lt es ihn, als Pflicht erscheinen, den auergewhnlich lehrreichen Inhalt dieses Buches, das von einem unermelichen Segen eines rztlichen Lebenswerkes zeugt, der deutschen Leserschaft und im besonderen den deutschen rzten und Psychologen zugnglich zu machen.

    Ich frage unsere Seelenforscher und Seelenrzte: Wie kommt es, da gerade Frau Wickland als stille und geduldige Mitwirkerin an Dr. Wicklands erfolg rei-chem rztlichen Hilfswerk in ihrem Unterbewutsein eine solche berraschende Flle von "verschiedenen Bewutseinskreisen ihres eigenen Ichs als selbstndig agierende Personifikationen hervorbringen" konnte? Das gilt doch wohl heute als die einzig annehmbare Erklrung fr derartige Erscheinungen, die als Disso-ziation, oder Spaltung der Persnlichkeit jedem Psychiater und Psychologen ge-lufig ist. Aber wird solche Annahme nicht geradezu zur Unvernunft, wenn die Mannigfaltigkeit der Personifikationen in die Hunderte und in die Tausende geht?

    Ich frage weiter: Wie kommt es zum Verschwinden der psychischen Strungen in einem Kranken dadurch, da Frau Wickland in ihrem Ich eine Personifikation zustande bringt, welche die gleichen Wesenszge erkennen lt, die den Kran-ken als psychisch krank erscheinen lieen? Eine solche Mannigfaltigkeit von

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  • "Personifikationen im Medium und weit mehr noch ihre heilende Wirkung auf die psychisch Kranken nehmen den heute gebruchlichen Erklrungen der neu-zeitlichen Psychologie jede Glaubwrdigkeit.

    Unsere neuzeitliche Seelenkunde ist beherrscht von einer unbezwinglichen Furcht, und zwar von der Furcht vor Geistern. Vielleicht ist es auch nur die Furcht vor dem Spott der Ganzgescheiten, fr die es schon deshalb keine Geister geben kann, weil sie den eigentlichen Geist in sich vllig erstickt haben und den Gtzen Verstand fr den Geist halten.

    Auffllig ist jedenfalls, da die Seelenkunde von heute kein geistiges Gegenber gelten lassen will, wenn solches nicht an einen sichtbaren und greifbaren Krper gebunden ist und als Mensch vor aller Augen steht. Der gestorbene Mensch be-steht fr sie nicht mehr; er ist und bleibt verschwunden und hat sich keinesfalls mehr in irdisch-menschliche Angelegenheiten zu mischen. Alles, was aus einer jenseitigen Welt zu kommen behauptet, seien es Stimmen, seien es Gesichte, seien es physikalische Kraftleistungen, das alles kommt aus dir selbst, liebes Menschenkind. Es gibt Illusion, Halluzination, Pseudohalluzination, Suggestion, Telepathie, Telekinese, Exteriorisation, Teleplastik, Stigmatisation, usw., usw., alles schpferische Fhigkeiten deines eigenen unbewuten innern. Selbst schaffst du all diese merkwrdigen, geheimnisvollen Erscheinungen. Du hast also gar keinen Grund, dich vor Geistern oder Gespenstern zu frchten; ja, du machst dich lcherlich damit, berhaupt nur zu glauben, da es Geister gbe. Das ist das Wiegenlied unserer Psychologie zur Einschlferung des fatalen, ein-fltigen Geisterglaubens, der als Unsterblichkeitsglaube in letzter Folgerung zu der unbequemen Annahme eines persnlichen Gottes ntigt.

    Ich will jedoch nicht behaupten, da die Feststellungen der neuzeitlichen See-lenkunde gnzlich unzutreffend und wertlos seien. Vielmehr ist an allem, was sie herausgefunden hat, ohne Zweifel etwas Richtiges. Nur geht sie mit all ihren Erklrungen am eigentlich Wesentlichen vorbei.

    Versuchen wir einmal, einander auf halbem Wege entgegenzukommen. Mir will scheinen, da wir damit der wirklichen Wahrheit sehr viel nher kommen kn-nen.

    Doch bevor wir an solchen Einigungsversuch gehen, mchte ich der Eindring-lichkeit halber noch an den Fall Mirabelli erinnern. Durch dieses mnnliche Me-dium, das in den zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts erstaunliche Materiali-sationen hervorbrachte, geschahen auch schriftliche Geisterkundgebungen. Viele Seiten lange Schreiben in 28 Sprachen wurden durch die Hand dieses Mannes zu Papier gebracht mit einer alle Schnellschreiber in Erstaunen setzenden Ge-schwindigkeit. Darunter waren Sprachen, deren Schriftzeichen smtlichen An-wesenden vllig unbekannt waren. Man mute nach Sprachforschern und Sprachwissenschaftlern suchen, um feststellen und sich belehren zu lassen, da es sinnvolle und kenntnisreiche Abhandlungen in arabischer, koptischer, syri-scher, usw. Schrift und Sprache waren, und das geschrieben im Schlafzustand von einem Manne in Sdamerika, der bestenfalls in zwei bis drei Sprachen der

    = 7 =

  • dortigen Lnder leidlich zuhause war. Wie konnte Mirabelli so viele verschiede-ne Personifikationen in seinem unterbewuten Ich beherbergen, welche derartig ungewhnliche Sprachenkenntnisse und ausgedehntes Wissen im Inhalt ihrer Schriften bekunden konnten? Welche Gehirnverrenkungen sind dazu ntig, die-se Kundgaben nach den Regeln der wissenschaftlichen Psychologie als aus dem Unbewuten des Menschen Mirabelli kommend zu erklren?!

    Treten wir jetzt dem vorgeschlagenen Einigungsversuche ernsthaft nher. Dafr wollen wir einen Ausspruch Goethes zum Ausgangspunkt nehmen: "Unsere Zu-stnde schreiben wir bald Gott, bald dem Teufel zu und fehlen ein wie das ande-re Mal: in uns selbst liegt das Rtsel, die wir Ausgeburten zweier Welten sind." Derselbe Goethe hat auch gesagt:

    Wr' nicht das Auge sonnenhaft, wie knnte es die Sonn' erblicken?!Lg' in uns nicht des Gottes eigne Kraft, wie knnt' uns Gttliches entzcken?

    Er hat damit aber gewi nicht gemeint, da das Auge erst die Sonne erschaffe; sondern er lt der Sonne die Wirklichkeit ihres Daseins. Und ebenso wenig meint er, da die in uns liegende Gotteskraft erst den Gott erschaffe; sondern die Fhigkeit, dem Rufe des allmchtigen Gottes, der auch ohne uns da ist, einen Widerhall geben zu knnen, ist ihm ein Zeichen unserer Wesensverwandtschaft mit Gott. Da wir aber auch dem Teufel wesensverwandt sind, und auch er mit seinem Rufen in uns gar leicht Widerhall zu wecken vermag, liegt eben das Rt-sel der Unausgeglichenheit und des Schwankens in unserem Innern; und von un-serer Entscheidung hngt es ab, wessen Parteignger wir sein wollen. Wie wir aber Gott und Teufel nicht erzeugen, sondern nur die Fhigkeit haben, beider ge-wahr zu werden, indem beider Krfte in uns Widerhall finden, so erzeugen wir auch die Geister nicht, sondern geben ihrer Einwirkung auf uns nur einen Wi-derhall, da wir in unserem Innern gleichen Wesens mit ihnen sind.

    Lassen wir den Geistern also auch in unserer psychologischen Vorstellung ihr Eigendasein und geben wir getrost die nachgerade komisch wirkende Geister-furcht auf. Wir brauchen den Ausgangspunkt und Quell aller mglichen Geister kundgaben nur nach rckwrts zu verlegen, hinter das Unbewute, hinter die Seele des medialen oder magischen Menschen, und alles ist in bester Ordnung.

    Was die Psychologie ergrndet hat und behauptet, das stimmt aufs Haar genau. Alle jene geheimnisvollen, medialen, magischen, okkulten Erscheinungen, alle, ohne jede Ausnahme, kommen sie aus der Seele eines dabei beteiligten, krperlich lebenden Menschen. Aber diese Seele ist keineswegs der ur-sprngliche Quellgrund, sondern nur Durchgang, Mittlerin, Leitungsbahn fr jene Krfte, welche die medialen Erscheinungen hervorbringen. Ihren Ursprung haben alle okkulten Vorgnge und Erscheinungen in einer krperlichen Geist-persnlichkeit. Diese durchaus selbstndigen, eigenbewuten Geistpersnlich-keiten entstehen nicht in, sondern stehen neben und hinter der Seele des media-len Menschen und haben fr ihre Bekundungen in unserer Sinnenwelt keine an-

    = 8 =

  • dere Mglichkeit, als nur den Weg ber eine solche Seele. Jegliche Geistbekun-dung von jenseitigen Daseinsebenen her an das Tagesbewutsein krperlicher Menschen ist unumgnglich an die vermittelnde Mitwirkung einer noch im Kr-per lebenden Seele gebunden.

    Selbst Gott und Christus haben keine andere Mglichkeit, sich einem Glubigen sichtbar oder hrbar zu bekunden, als nur ber dessen eigenes, geistig-seelisches Innere. Die Lichtstrahlen aber, welche die Erscheinung Christi dem Frommen vor Augen stellen, stammen nicht aus der Seele des Schauenden, kommen nicht aus seinem Unterbewutsein, sondern ber sein unterbewutes Innere durch die-ses hindurch aus einem wirklichen Lebensquell, was der Erlebende auch mit un-verrckbarer Gewiheit erkennt. Nur geistlose, tote Verstandesweisheit wird sich weiterhin unter dem ihr selber unzugnglichen Erlebnis den Schemen einer aus der Seele des Schauenden abgespaltenen Christus-Persnlichkeit vorstellen. Das selbe gilt auch fr alle Stigmatisierungen: Die formenden Krfte haben niemals ihren Ursprung in der Seele des Stigmatisierten, sondern nehmen nur ih-ren Weg zum Krper, den sie zeichnen, ber diese Seele und kommen von einer Quelle her, die vllig auerhalb der menschlichen Persnlichkeit, dahinter oder darber, zu suchen ist.

    Ein unermelicher Abstand und Gegensatz klafft zwischen den eben erwhnten heiligen Erlebnissen der echten, tief religisen Mystiker, (welche, nebenbei be-merkt, dem Verfasser, Dr. Wickland, anscheinend ganz unbekannt gewesen sind) und den unheimlich wirren und qulenden Bekundungen von seiten durch-aus unheiliger Besessenheitsgeister. Und doch haben heilige und unheilige geis-tige Einflsse gleicherweise nur die eine Leitungsbahn, sind auf den gleichen Weg ber die Seele des erlebenden Menschen angewiesen, so da fr den von auen beobachtenden Seelenforscher alles in gleicher Weise aus dem menschli-chen Unterbewut sein zu kommen scheint.

    Da dennoch der Weg der verschiedenen Einflsse ein recht verschiedener ist, indem sie je nach ihrer andersartigen Herkunft und ihrem grundverschiedenen Werte ebenso verschiedene Eintrittsstellen in die Seele und nur ein und dieselbe Ausgangspforte haben, lt sich in dem knappen Rahmen eines Vorworts nur andeuten und bedrfte einer eingehenden Darlegung in einer besonderen Geist-lehre (Pneumatologie), welche aus den Erfahrungen der hoch entwickelten Mys-tiker klar und einleuchtend unschwer abzuleiten ist.

    Zum Verstndnis dieses Buches ist eine solche Geistlehre nicht unbedingt not-wendig. Doch scheint es mir nicht unwichtig, daraus wenigstens einiges mitzu-teilen. Zunchst dieses: "Die Geister", denen wir in diesem Buche begegnen, ha-ben eigentlich auf diesen Titel keinen Anspruch. Sie sind vielmehr lediglich Seelen, ungengend erzogene, ungebndigte, unwissende und irrende Triebwe-sen, die zwar mehr oder weniger gute Verstandesfhigkeiten, aber keine Ver-nunft besitzen, weil sie viel zu unvollkommene, gnzlich ungengende Verbin-dung mit dem zu ihnen gehrigen individuellen Geiste haben, der es nicht ver-mocht hat, sie whrend des Lebens im Krper richtig in seine Zucht zu nehmen

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  • und zu Vernunft und Erkenntnis zu bringen. Als Seelen sind sie ihrem Wesen nach durchaus den Seelen der unter dem Menschen stehenden irdischen Ge-schpfe gleichartig und haben vor diesen nur den Vorzug, da sie unverlierbar einem individuellen Geiste zugehren, aus dem heraus ihnen all die Fhigkeiten zuflieen, durch welche sie sich vor den Tieren als Menschen auszeichnen.

    Aus dem Bereiche dieser durchaus noch ungeistigen Seelen kommen smtliche Kundgaben dieses Buches. Diese haben je auch allenthalben die Zeichen groer menschlicher Unzulnglichkeit an sich und sind nicht anders zu bewerten als uerungen unserer lieben irdischen Nachbarn; d.h. sie mssen mit urteilendem Verstande nach Wert und Bedeutung ihres Inhalts abgewogen werden. Sie haben keinerlei Offenbarungscharakter, und ihre Quellen, die seelischen Personen, von denen sie ausgehen, entstehen nicht in der Seele des medialen Menschen als Ab-spaltungen von dieser, wie die wissenschaftliche Psychologie das auffat, son-dern stehen als sonderheitliche, selbstndige und gleichwertige Wesen neben der Seele des medialen Menschen auf gleicher Stufe mit dieser. Auf ihrer eigenen Daseinsebene stehen diese Seelen einander als greifbar gegenstndliche Gestal-ten gegenber und haben dementsprechend auch eine Art Stofflichkeit, welche jedoch von der Stofflichkeit unserer irdischen Krperwelt grundverschieden ist. Da dieser Art Kundgaben von der Seelenebene her die weitaus hufigsten sind, welche der Seelenforschung zum Gegenstand dienen, ist es leicht verstnd-lich, da sie ihrer menschlichen Unzulnglichkeit wegen die Forscher zu der Annahme verleiteten, es seien in ihnen lediglich Erzeugnisse der Seele des Me-diums zu sehen. Die schier unerschpfliche Mannigfaltigkeit dieser vermeint-lichen "Personifikationen" aber, sowie deren bertragbarkeit von einem media-len Menschen auf einen anderen, lassen uns die Anschauungen der wissen-schaftlichen Psychologie mit Sicherheit als Irrtum erkennen. Sie sind vielmehr ein eindringlicher Beleg dafr, da sich tatschlich ungezhlte Millionen abge-schiedener, unwissender, irrender Seelen zwischen uns, den im Krper lebenden Menschen, herumtreiben, sich selbst und der Menschheit zur Last und Qual.

    Neben diesen gewhnlichen und hufigsten geistigen Kundgaben gibt es offen-sichtlich noch zwei ganz andersartige, welche sich sowohl von den bisher be-sprochenen als auch untereinander nach Wert und Herkunft scharf unterschei-den. Da steht zunchst hinter der Seele, und zwar in recht weiter Ferne hinter ihr, der zu ihr gehrige "eigentliche" Geist, der innerste Wesenskern des Men-schen, der Trger und Spender all der hoheitsvollen Fhigkeiten, welche den Menschen so deutlich ber das Tier erheben. Auch er ist greifbar gegenstndli-che Gestalt fr seinesgleichen und als solche wahrnehmbar und erkennbar sogar fr Menschen, jedoch nur fr solche, welche als hochentwickelte, religise Mys-tiker zu seinem Erleben befhigt sind. Keiner der im landlufigen Sinne "hellse-herisch begabten" Menschen ist fhig, diese reine Geistgestalt zu erblicken. Zu solcher Schau gelangt der Mensch nur ber eine unendlich leidvolle Entwick-lung, die er nicht aus seinem menschlichen Willen anstreben kann, zu der er durch hheren Willen ausdrcklich berufen sein mu. Doch es bedarf durch-aus nicht der Schau dieser Geistgestalt, damit der Mensch mit mehr oder weni-

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  • ger klarem Bewutsein aus der Flle der Machtvollkommenheit seines Geistes etwas schpfen und es der ueren Welt als Kunstwerk, Erfindung oder Er-kenntnis zum Geschenk machen kann. Die Ebene dieses eigentlichen Geistes ist der Quellgrund, aus dem die Schpfertaten des Genies flieen. Auch diese ho-hen Krfte haben keinen anderen Weg als nur den ber die Seele, wenn sie fr die Auenwelt und in ihr etwas gestalten wollen. Und der von auen her beob-achtende Seelenforscher sieht auch diese sehr viel seltener zur Beobachtung kommenden Geistkundgaben aus der Seele herauskommen und lt sich durch den Augenschein verfhren, sie ebenfalls als Leistung des unbewuten, der See-le, anzusprechen. Wohl kommen diese Leistungen nun wirklich aus der Persn-lichkeit des Menschen selbst, doch nicht aus seiner unbewuten Seele, sondern aus seinem berbewuten Geiste.

    Und noch hhere, noch seltenere Geistkundgaben sind uns bekannt und gelufig, deren Quelle in unermelicher Hhe ber Seele und Geist des Menschen zu su-chen ist. Auch von dort her, aus dem ursprnglichen Lebensquell Gottes geht der Weg der Offenbarung geradlinig ber den Geist durch die Seele bis in das Tagesbewutsein des Menschen, freilich nicht jedes beliebigen Menschen. Nur dort, wo nicht nur die Seele durch unablssiges Leiden dahin erzogen worden ist, sich vllig ihrem Geiste zu fgen, sondern wo auch dieser Geist selbst in ei-nem luternden Leidensfeuer dazu fhig geworden ist, alles sonderheitlich Eige-ne gnzlich aufzugeben und sein Wollen vorbehaltslos dem Gttlichen Willen einzuordnen, nur dort ist der Weg frei fr eine irrtumslose Offenbarung, wo der ganze Mensch, in Geist, Seele und Krper, in Gehorsam bis zum Tode nur die Losung kennt: "Nicht wie ich will, sondern wie du willst!" Die Krfte derartiger Offenbarung, ob sie dem Erlebenden hrbar oder sichtbar werden, ob sie ihm die Wundmale aufdrcken, oder gar in voller Durchdringung des ganzen Menschwesens ihn die UNIO MYSTICA, die Einswerdung oder Wesensver-schmelzung mit Gott, erleben lassen, diese Krfte kamen noch niemals aus den Tiefen der menschlichen Persnlichkeit, sondern immer nur auf dem Wege ber diese aus Gott. Doch das nur nebenbei.*

    *) Es sei in diesem Zusammenhang auf Carl Welkisch "Im Geistfeuer Gottes", erschienen im Otto Reichl Verlag 1957, verwiesen.

    In dem vorliegenden Buche finden wir nur Kundgaben der erstgenannten, nied-rigsten Art, drfen also von ihnen keine hohen Offenbarungen erwarten. Den-noch sind sie beraus wertvoll und lehrreich, denn sie veranschaulichen mit groer Deutlichkeit, da jenseits des Grabes die Entwicklung des Menschen ohne Unterbrechung ihren Fortgang nimmt und jeder im anderen Leben erntet, was er hier gest hat. Charakter und Wesen werden durch das Ablegen des Kr-pers nicht verndert, sie treten nur mit grerer Deutlichkeit zu Tage und wirken sich mit unbeirrbarer Folgerichtigkeit auf die Gestaltung des jenseitigen Schick-sals aus. Der Hauptwert des Buches aber liegt darin, da es einen Weg zeigt, wie Geisteskranken erfolgreich und nachhaltig zu helfen ist. Um diesen Weg als Helfer gehen zu knnen, mu man sich freilich zuvor mit der Auffassung be-freunden, welche dieses Buch vertritt. Da es nun erfahrungsgem gerade fr

    = 11 =

  • den Fachmann besonders schwer ist, altgewohnte, tief eingefahrene Gedanken-geleise zu verlassen, ist nicht damit zu rechnen, da die gelehrten Seelenforscher dieser Auffassung gleich beitreten werden. Doch mchte ich die auf wirksames Helfen eingestellten rzte einladen, die hier vorgetragene Auffassung wenigs-tens als Arbeitshypothese gelten zu lassen und zu benutzen, um nach dem Vor-bilde Dr. Wicklands zu segensreichen Erfolgen zu gelangen.

    Einen zusammenfassenden berblick ber das Gebiet des medialen Geisterver-kehrs findet der Leser in dem folgenden Einfhrungskapitel des bersetzers zu dieser deutschen Ausgabe.

    * * *

    = 12 =

  • Einfhrungskapitel des bersetzers, Wesen, Gefahren und Segen des medialen Geisterverkehrs

    Was dem vorliegenden Buche Dr. Wicklands seinen einzigartigen und beraus wertvollen Charakter gibt, das ist nicht so sehr der Inhalt der darin berichteten Gesprche mit Jenseitigen, als vielmehr die Art und Weise, mit der er als Arzt und tatkrftiger Helfer diese medialen Kundgaben zum Anla und zur Grundla-ge eines segensreichen Wirkens gemacht hat.

    An Berichten ber Jenseitsschicksale und jenseitige Lebensverhltnisse ist auch ohne Dr. Wicklands Buch wahrlich kein Mangel. Im Schrifttum aller Sprachen finden sich derartige Berichte in reichlicher Flle. Da diese jedoch immer nur einem kleineren Kreise von Menschen beachtenswert und wichtig erscheinen, fr die groe Allgemeinheit des abendlndischen Kulturkreises aber bisher vl-lig gegenstandslos geblieben sind, hat seine gewichtigen Grnde. Ganz im Gegensatz zum Asiaten, dem das Wissen um die Unzerstrbarkeit des Lebens und damit das Weiterleben jenseits des Todes selbstverstndlich ist, ist die Le-bensauffassung des Abendlnders unserer Tage trotz dem Christentum derart stoffgebunden und ungeistig, da von der weitaus berwiegenden Mehrzahl un-serer Zeitgenossen der Gedanke an ein Jenseits berhaupt nicht ernstlich in Be-tracht gezogen wird. Ein wirklich berzeugtes Wissen um die Fortsetzung des eigenbewuten Lebens ber den Tod hinaus, ist nur bei einer verschwindend kleinen Minderzahl zu finden, und nur in diesen Kreisen hlt man es der Mhe wert, sich ernsthaft mit dem Gebiete medialer Erscheinungen auseinanderzuset-zen.

    Klar und voll bejahend stehen zu den medialen Erscheinungen und Vorgngen nur die Spiritisten.

    Die kirchlichen Kreise sind diesem Tatsachengebiete gegenber sehr zurckhal-tend, ja ablehnend. Die kirchliche Seelsorge warnt ihre Schflein recht einmtig und eindringlich davor. Der katholischen Kirche steht die Tatschlichkeit all dieser Erscheinungen auer Frage, aber ber ihre Herkunft und ihr Wesen be-steht auch bei ihr noch keine Klarheit. Zur Frderung christlichen Wesens im Gemeindeleben sind sie nicht zu verwerten; das Unheimliche und Gefahrvolle daran ist aber greifbar deutlich. So sieht das ganze sehr nach Teufel aus, und man hlt sich daher fr berechtigt, ja verpflichtet, in Bausch und Bogen davor zu warnen. Der evangelischen Kirche machen diese Dinge im allgemeinen sehr viel weniger Sorgen. Doch wo sie Anla gehabt hat, dazu Stellung zu nehmen, hie es gewhnlich kurz und bndig: Hebt dich weg von mir Satan, du bist mir rgerlich.!

    Nun tastet noch von anderer Seite unter ganz anderen Voraussetzungen und in ganz anderem Sinne ein matter Erkenntniswille der Wissenschaft an diesem Ge-biete herum. Man gewinnt den Eindruck, da die Wissenschaft sich immer nur

    = 13 =

  • notgedrungen und ohne groen Eifer diesen Fragen zuwende, und eigentlich im-mer nur zu dem Zwecke und in der Absicht, nachzuweisen, da sich die Mhe nicht lohne. Was den wissenschaftlichen Forscher dabei hemmt, ist weniger die Furcht, dem Teufel ins Gehege zu kommen, als vielmehr die Sorge um sei-nen Ruf als ernst zu nehmender Wissenschaftler. Das Gebiet ist nach wie vor so anrchig, da er von vornherein vor jedem bejahenden Ergebnis seiner For-schungen Angst haben mu, denn es bringt ihn ja unausweichlich in die Gefahr, vom Urteil seiner Fach mit den "grenzenlos leichtglubigen" Spiritisten in einen Topf geworfen zu werden. Die Wissenschaft im ganzen genommen ist heute noch nicht einmal dazu bereit, die medialen Erscheinungen als Tatsachen anzu-erkennen. Zwar hat sich eine ganze Reihe namhafter Forscher von der Tatsch-lichkeit dieser Erscheinungen berzeugt und sich auch freimtig vor der Welt zu der berzeugung bekannt, da an dem Zustandekommen dieser Vorgnge ver-nunftbegabte, krperlose Wesen beteiligt sein mssen; aber diese mutigen Be-kenner mssen es sich auch heute immer noch gefallen lassen, im Urteil soge-nannter wissenschaftlicher Sachverstndiger als nicht magebliche, getuschte Leichtglubige beiseite geschoben zu werden. Es gibt heute noch keine Stelle, welche es wagen drfte, im Namen der Wissenschaft zu erklren, die Fortset-zung des einzelbewuten, seelisch geistigen Lebens ber den krperlichen Tod hinaus und die Mglichkeit des Eingreifens Verstorbener in irdisch diesseitige Lebensvorgnge sei wissenschaftlich erwiesen. Vielmehr erlebt man immer wie-der, da die amtlich berufenen Vertreter der Wissenschaft, wenn sie als Gutach-ter vor Gericht ber das Gebiet gehrt werden, darauf aus sind, darzulegen, da es sich, wenn nicht von vornherein um bewuten Betrug nur um Einbil-dungen und unbewute Tuschungen handele, deren Grund in unkontrollierba-ren Fhigkeiten der Seele des sogenannten Mediums und in der Leichtglubig-keit seiner Anbeter zu suchen sei.

    So htten wir also drei verschiedene Urteile vor uns, zu denen wir Stellung neh-men mssen. Alle drei haben gleichzeitig Recht und Unrecht, wie das bei allen menschlichen Urteilen der Fall ist, die von einem feststehenden Standpunkte aus abgegeben werden und darum einseitig sein mssen.

    Wer aber in das menschliche Wesen (als eine Dreieinheit, bestehend aus Krper, Seele und Geist) einen tieferen Einblick gewonnen hat, der wird unschwer er-kennen knnen, wo und wieweit diese drei verschiedenen Beurteilungen der Spiritisten, der Kirchen und der Wissenschaft zu Recht bestehen und wo und wie weit sie irren.

    Der Spiritist zunchst bejaht die Erscheinungen auf Grund eindrucksvoller Er-lebnisse und nimmt sie so schlicht und einfach als Tatsachen hin, wie sie sich ihm darbieten. Daraus allein ihm den Vorwurf grenzenloser Leichtglubigkeit zumachen, ist durchaus nicht angngig. Wer so urteilt, verrt damit nur, da er selber gnzlich unwissend ist. Entweder fehlt ihm jede eigene Erfahrung in die-sen Dingen, oder aber er ist durch stoffglubige Grundstze wie durch Scheu-klappen gehindert, Tatsachen als Tatsachen zu erkennen, wenn sie nicht in sein

    = 14 =

  • Weltbild passen. Jeder Unvoreingenommene wird sich nicht nur davon ber zeugen knnen,

    da der Tisch klopft,

    da das gleitende Glas folgerichtig und sinnvoll buchstabiert,

    da Gegenstnde, allen Gesetzen der Schwere Hohn sprechend, durch den Raum schweben,

    da durch das Medium in fremden Sprachen geschrieben und gesprochen wird, die es nie in seinem Leben gehrt hat,

    da Gegenstnde spurlos verschwinden und aus dem scheinbaren Nichts wie-der erscheinen,

    da Gegenstnde und sogar lebende Wesen aus verschlossenen Rumen in andere, ebenfalls verschlossene Rume versetzt werden knnen, ohne da sich ihnen ein natrlicher Zugang dorthin zu ffnen brauchte,

    da menschliche Gestalten sich aus dem scheinbaren Nichts bilden, sich wie lebende Menschen gebrden und vernunftgem mit lebenden Menschen spre-chen, von diesen betastet, untersucht und anatomisch als gleichartige menschli-che Wesen erkannt und anerkannt werden knnen,

    nicht nur von der Tatschlichkeit all dieser Erscheinungen wird sich jeder Unvoreingenommene berzeugen knnen, wofern er nur gesunde Sinne und einen gesunden, kritischen Menschenverstand hat, sondern er wird auch auf Grund solcher wahrgenommenen Tatsachen gar nicht umhin knnen, anzuerken-nen, da ein denkender, ziel- und eigenbewuter Wille, der nicht vom Medium oder einem Sitzungsteilnehmer, sondern von vernunftbegabten Geistwesen aus-geht, an der Hervorbringung dieser Erscheinungen entscheidend beteiligt sein mu.

    Aus der Anerkennung der Tatschlichkeit dieser Erscheinungen ist also den Spi-ritisten wirklich kein Vorwurf der Leichtglubigkeit zu machen. Gefhrlich aber ist die Leichtglubigkeit, mit der hufig der Inhalt medialer Mitteilungen als zu-verlssige Wahrheit entgegengenommen wird. In achtungsvoller Scheu vor den Verstorbenen lt man leicht alle Kritik beiseite und nimmt gar zu oft fr gltige Mnze, was doch nur vllig wertloses Truggold ist. Es kann gar nicht entschie-den genug betont werden, da grundstzlich allen medialen Mitteilungen keine grere Glaubwrdigkeit zukommt als irgendeinem Ausspruch unseres irdisch-menschlichen Nachbarn. Wenn wir ihn kennen, wird es uns nicht schwer fallen, seine uerung richtig aufzufassen, ob sie ernsthaft oder scherzhaft gemeint, ob er sie in klarem Bewutsein oder in trunkenem bermut gesprochen, ob sie eine sachlich bedeutsame Mitteilung oder nur eine nichtssagende Redensart gewesen, ob er uns vor einer Gefahr hat warnen wollen oder die Absicht gehabt hat, uns zu tuschen. In gleicher Weise mssen mediale Mitteilungen stets erst geprft und beurteilt werden und zwar um so sorgfltiger, als es uns nicht einmal ohne weiteres mglich ist, festzustellen, ob der Schreibende oder Redende wirklich

    = 15 =

  • derjenige ist, fr den er sich ausgibt. Man hat sich stets gegenwrtig zu halten, da alle medialen Mitteilungen aus einem Reiche kommen, dessen Bewohner noch durchaus unvollkommene, zum groen Teil sogar jmmerlich trichte, vl-lig unwissende, charakterlich mangelhafte, oft sogar bswillige Wesen sind.

    Es soll nun hiermit nicht etwa bestritten werden, da auf medialem Wege auch wirklich wertvolle Kundgaben mglich sind, welche uns hohe Erkenntnisse ver-mitteln knnen. Solche sind aber derart seltene Ausnahmen, da sie im landlu-figen spiritistischen Geisterverkehr grundstzlich gar nicht in Betracht gezogen zu werden brauchen. Wohl sind medialen Mitteilungen viele sachliche Einzel-heiten ber Jenseitszustnde zu entnehmen, welche uerst lehrreich sein kn-nen, wie dies aus den Berichten des vorliegenden Buches deutlich genug hervor-geht. Von wirklich hohen, im eigentlichen Sinne "geistigen" Erkenntnissen ist darin jedoch nichts zu finden, nicht einmal in den selteneren Mitteilungen, wel-che von Geistern stammen, die schon eine gewisse Selbsterkenntnis und einen weiteren berblick ber ihre jenseitige Umwelt besitzen. Auch sie sind noch vllig in ihrem Seelisch-Eigenen befangen und haben von dem eigentlichen Geistigen noch kaum eine Ahnung. Es sind in erster Linie immer erdgebundene ,oder wenigstens erdnahe Geister, welche sich durch Medien kundgeben. Wo durch den klopfenden Tisch, oder die medial schreibende Hand ein Geist hohen Ranges sich mitzuteilen behauptet, da hat man es in der Regel mit einem Trug-geiste zu tun, der entweder selbst wahnbefangen, oder in bewut trgerischer Absicht seiner Meinungsuerung besonderes Gewicht geben, oder seine Zuh-rer ganz einfach zum Besten halten will.

    Es bedarf doch wahrhaftig nur einer geringen Mhe folgerichtigen Nachden-kens, um jedes Erstaunen und Verwundern ber die klgliche Ungeistigkeit so vieler Verstorbener zum Schweigen zu bringen. Wie wenigen Menschen ist es doch wirklich ernste Herzensangelegenheit, ber die religisen Untergrnde ihres eigenen Daseins sich Gedanken zu machen und nach Klarheit zu suchen!? Wie viele dagegen bleiben mit ihrem Sinnen und Trachten nur an den ueren Dingen haften! Wie vielen ist der flchtige Sinnengenu, die Zigarette, der Schnaps, das rein tierische Behagen an geschlechtlichen Dingen alles, was ihrem Leben Wert verleiht! Inwiefern und wodurch soll nun der Tod, das Ablegen des ueren Gewandes, an der Beschaffenheit ihres inneren seelischen Men-schen so pltzlich etwas ndern? Der haltlose Genumensch, der leichtfertige Betrger, der eitle Prahlhans, der eigenschtige Hochstapler, der rechthaberische Hndelsucher, sie alle bleiben, was sie bisher waren, und knnen sich, wo auch immer sie weiterhin von sich hren lassen, nicht anders uern, als es ihrer inneren Hohlheit entspricht.

    Ob bei einer Sitzung mehr oder weniger ernste und lehrreiche Mitteilungen zuta-ge kommen, das ist erfahrungsgem abhngig von der sittlichen Hhe und dem charakterlichen Werte sowohl des Mediums als auch der brigen Sitzungsteil-nehmer. Je einmtiger der ganze Kreis in edler Gesinnung bei der Sache ist, um so glatter und wertvoller sind auch die Ergebnisse. Verschiedenheit der Sinnes-richtung wirkt immer strend. Und da die niederen Gewalten stets auch die

    = 16 =

  • rcksichtsloseren und darum auch zugleich die uerlich erfolgreicheren sind, so kann ein einziger ungeeigneter Sitzungsteilnehmer eine ernstgemeinte For-schungssitzung zum Scheitern bringen, indem er minderwertigen Geistwesen, Gesinnungsgenossen seiner eigenen unlauteren Absichten den Zutritt zu diesem Kreise und die Gelegenheit zu unliebsamen Kundgaben ermglicht. Nur Men-schen von wirklichem sittlichen Ernst und unwandelbarer Lauterkeit ihrer Ab-sichten knnen auch vor den schweren Gefahren, die hier lauern, bewahrt blei-ben.

    So konnte den Eheleuten Wickland fr die Echtheit ihres christlich selbstlosen Helferwillens und die Lauterkeit ihrer daraus flieenden Absichten und Ziele kein deutlicheres Zeugnis ausgestellt werden, als durch die Tatsache, da Frau Wickland ihrem Gatten durch mehr als drei Jahrzehnte als Medium zur Verf-gung gestanden hat, ohne jemals durch solche Mittlerttigkeit den geringsten Schaden zu erleiden. Denn das ist die gefhrlichste und verhngnisvollste Klip-pe des medialen Geisterverkehrs, da sowohl das Medium als auch irgendwel-che Sitzungsteilnehmer schweren gesundheitlichen Schaden davon tragen kn-nen. Am meisten gefhrdet ist stets das Medium, mit dessen seelisch-krperli-chem Organismus die Geistwesen ja in allerengste Berhrung kommen. Aber auch jedem Sitzungsteilnehmer kann es geschehen, wenn er medial veranlagt und somit seelischer Beeinflussung in hherem Grade zugnglich ist, da niede-re Geisteinflsse sich ihm anhngen und ihn unter den allerverschiedensten Be-schwerden hartnckig bedrngen. Von leichter Benommenheit angefangen, ber Kopfschmerzen, nervse Unruhe, Zwangsgedanken, Gemtsbedrckungen, Ver-folgungsideen geht die Stufenleiter solcher Beschwerden bis zu vlliger geisti-ger Umnachtung oder Verwirrtheit und Zwangshandlungen, die den betreffen-den Menschen dann im Irrenhause enden lassen. Es sind ganz einfach Umses-senheits- und Besessenheitszustnde aller erdenklichen Grade, denen bei jeder Sitzung sich die Menschen aussetzen, wenn in ihnen nicht genug sittliche Kraft zu sicherer Beherrschung der eigenen Charakterschwchen und damit auch die zuverlssige Macht der Abwehr gegen jene Geister vorhanden ist, welche ihren Schwchen entsprechen. Um dieser Gefahren willen kann vor leichtfertigem Eindringen in dieses Gebiet ungeklrter, grender seelischer Mchte gar nicht eindringlich genug gewarnt werden.

    Anderseits lehren der Verlauf und die Erfolge des Wickland-Zirkels, da der kundige Forscher und ein lauteres Medium bei sachgemem, vorsichtigen Vor-gehen keinerlei Nachteile zu befrchten haben. Vielmehr steht aus der rechten Klrung der seelischen Zusammenhnge und ihrer folgerichtigen Verwertung und Ausntzung sowohl fr die leidenden Erdenmenschen als auch fr zahlrei-che irrende, erdgebundene Verstorbene viel segensreiche Hilfe zu erwarten. In Wirklichkeit sind die medialen Erscheinungen nicht mehr und nicht weniger Teufelswerk, als etwa die Kraftentladungen des hochgespannten Dampfes, des elektrischen Stromes, brennbarer Gase oder rasanter Sprengstoffe. Von sachkun-diger Hand unter allen erforderlichen Vorsichtsmanahmen angewendet knnen sie mannigfachen Nutzen schaffen. Wenn freilich leichtfertiger Vorwitz und

    = 17 =

  • kindlicher Unverstand sich daran vergreifen, dann ist schwerstes Unheil daraus zu erwarten.

    Ebenso dringlich und wichtig aber wie die Warnung Unbefugter und Unberufe-ner vor dem Betreten dieser Gefahrenzone, erscheint anderseits die Forderung an die Wissenschaft und die Kirchen, hier weitere Klrung schaffen zu helfen und die erlangte Klarheit in der rechten Weise auszuwerten fr ein Hilfswerk, aus dem nicht nur der leidenden Erdenmenschheit, sondern auch groen Scharen erdgebundener Verstorbenen reicher Segen erwachsen kann. Nicht als Teufel haben wir sie anzusehen, die sich durch Medien kundgeben, oder als Besessen-heitsgeister Menschen krank machen, sondern als mehr oder weniger hilfsbe-drftige Brder und Schwestern, die in der Vorschule ihres Erdenlebens das Ziel nicht erreicht haben und nun nicht ein und aus wissen. Da ihnen von Diesseits-menschen wirksam geholfen werden kann, und auf welche Weise dies mglich ist, das lehrt Dr. Wicklands Vorgehen greifbar deutlich. Im Hinblick auf diese Hilfsmglichkeit mu es geradezu als eine schuldhafte Unterlassung erscheinen, wenn man das gefhrliche Gebiet einfach mit einem Sperrzaun kirchlicher Ge-bote umgeben will, anstatt danach zu trachten, nach dem erfolgreichen Vorge-hen eines ernsten rztlichen Helfers mit gleichem Ernst und Eifer das ebenso notwendige wie segensreiche Hilfswerk fortzusetzen und auszubauen.

    Das von kirchlicher Seite hufig geuerte grundstzliche Bedenken gegen den medialen Geisterverkehr, "es sei nicht recht, da wir Menschen die Toten in ih-rer Ruhe strten", ist gnzlich hinfllig und entspringt falschen Vorstellungen oder der Unkenntnis von den Lebensverhltnissen der Abgeschiedenen. Gewi ist es berechtigt, von wirklich selig Verstorbenen zu sagen, sie ruhen in Gott. Das ist aber keine Ruhe im Sinne von Arbeitsruhe, wie im allgemeinen Sprach-gebrauch das Wort Ruhe aufgefat wird. Die Seligen haben die Seelenruhe als den unerschtterlichen inneren Seelenfrieden gefunden im Nahesein, oder gar im Einssein mit Gott. Deshalb aber sind sie nicht unttig und pflegen nicht der Ruhe, aus der sie aufgestrt werden knnten. Und all die anderen unzhlbar Vie-len, welche die Ruhe in Gott noch nicht gefunden haben, sind erst recht nicht in einer Ruhe, die man nicht stren durfte.

    Es ist auch vllig irrig, zu glauben, da solcher Versuch, durch Medien mit Ab-geschiedenen in Verbindung zu treten, irgendeinen Zwang auf die Geister aus-be. Das ist selbst dann nicht der Fall, wenn man versucht, auf diesem Wege eine bestimmte Persnlichkeit herbeizurufen. Auch der jenseitige Mensch hat seinen freien Willen und kann dem Rufe folgen, oder ihn unbeachtet lassen, wenn er seine Grnde dafr hat. Wirksam ist ein Anruf an erhabenere Geister berhaupt nur als liebender Gedanke zu ernstem Zwecke innerlicher Frderung und Hilfe. Die niederen und hilfsbedrftigen Geister braucht man nicht zu rufen, sie drngen sich von selbst nur allzu eifrig an mediale Menschen heran, und auf ihrer Seite ist das Mitteilungsbedrfnis offensichtlich noch wesentlich strker als auf Seiten der Menschen. Unter allen Umstnden aber ist das Inverbindungtreten mit jenseitigen eine sehr verantwortungsvolle Angelegenheit, die nicht als Spie-

    = 18 =

  • lerei oder zur Befriedigung miger Neugier leichtfertig betrieben werden darf, wenn man sich nicht schweren Gefahren aussetzen will.

    Ein Haupterfordernis, um im Sinne Dr. Wicklands erfolgreich arbeiten zu kn-nen, ist die Gewinnung eines geeigneten Mediums, wie es ihm in seiner Gattin zur Verfgung stand. Das macht insofern einige Schwierigkeit, weil nicht nur gute mediale Fhigkeiten, sondern auch Lauterkeit des Charakters und selbstlose Hingabe an diese Vermittlerttigkeit erforderlich sind. Was ungengende Zu-verlssigkeit des Mediums nach sich zieht, das lehren die Gerichtsverfahren, in denen den angeklagten Medien offensichtlicher Betrug nachgewiesen werden konnte. Dem Kriminalisten und dem ihn untersttzenden wissenschaftlichen Gutachter ist es gewhnlich eine groe Genugtuung, wenn es ihnen gelingt, ein Medium beim Betruge zu ertappen. Und vor der breiten ffentlichkeit wird kaum ein anderer Betrugsfall mit solchem Eifer besprochen und breitgetreten, wie die Entlarvung eines Mediums. Natrlich geschieht das stets in dem Sinne, als sei damit wieder einmal bewiesen, da der gesamte Spiritismus mit seinem angeblichen medialen Geisterverkehr nur durch Tuschung und Betrug der einen und durch die grenzenlose Leichtglubigkeit der anderen ins Werk gesetzt und am Leben erhalten werde.

    Dabei liegen die Dinge in Wirklichkeit ganz anders: Kein einziges der beim Be-trug ertappten Medien ist von vornherein mit Vorbedacht lediglich Betrger ohne mediale Fhigkeiten gewesen. Wohl aber fehlte ihnen die sittliche Kraft des Widerstandes gegen Versuchungen, denen ein Medium sich dadurch aus-setzt, da es aus der Bettigung seiner medialen Fhigkeiten ein Gewerbe macht. Einmal vor die ffentlichkeit getreten und etwa gar vertragsmig zu re-gelmigen Darbietungen verpflichtet, wird es sich ber kurz oder lang in der peinlichen Verlegenheit sehen, etwas leisten zu sollen in einem Augenblick, wo es seiner seelischen und krperlichen Verfassung nach, gar nicht dazu in der Lage ist. In solchem Falle aushilfsweise mit einem kleinen geschickten Kniff nachzuhelfen, kann nicht einmal vorstzlicher Betrug genannt werden. Zu sol-chem kommt es aber sehr bald, wenn sich derartige Lagen wiederholen und im Medium die Rcksicht auf den Erwerb strker ist als der Sinn fr Wahrheit und Aufrichtigkeit.

    Ist der erste Schritt auf dem Wege der Unredlichkeit getan, dann wchst die Ge-fahr, zum regelrechten Betrger zu werden, lawinenartig. Denn zahlreiche Geis-ter, denen das Betrgen in ihren Erdentagen Lebensbedrfnis gewesen ist, er-greifen nur allzu gern die Gelegenheit, ihre Spitzfindigkeit und Abgefeimtheit durch ein Medium wieder einmal in die Tat umzusetzen, indem sie ihm entspre-chend "gute" Gedanken eingeben und ihm mit ihrem Einflu auch bei der Aus-fhrung bereitwilligst Hilfe leisten. Haben sie das Medium zum richtigen Betr-ger werden lassen, dann machen sie sich noch einen Spa daraus, dem Opfer ih-res Betrugseinflusses ein Bein zu stellen und es der kurzsichtigen irdischen Ge-rechtigkeit auszuliefern, indem sie jetzt wiederum mithelfen, den Betrug in ei-nem entscheidenden Augenblick offenkundig werden zu lassen. Ihre Freude dar-ber, da es ihnen gelungen ist, die Welt wieder einmal grndlich zu nasfhren,

    = 19 =

  • ist nicht geringer als die Befriedigung des Gerichts, die betrgerischen Unter-grnde des Spiritismus erneut aufgedeckt zu haben. Da in derartigen Fllen je-doch die eigentlich Schuldigen die unsichtbaren Betrugshelfer der jenseitigen Ebene sind, und das ertappte und verurteilte Medium mehr oder weniger nur de-ren Spielball und hilfloses Opfer, das zu erkennen, dazu fehlt den Urteilenden die notwendige Sachkenntnis.

    Alles Unzuverlssige, Unwahrhaftige, Lgnerische und Betrgerische am Spiri-tismus ist in allererster Linie jenseitigen Ursprungs. Die medialen Erschei-nungen sind durchgehend echte Bekundungen Jenseitiger. Die Gelegenheiten und Mglichkeiten dazu sind allenthalben viel zu einfach und leicht erreichbar, als da es sich berhaupt lohnte, zu solchem Zwecke eine Tuschung ins Werk zu setzen. Der Echtheit solcher Geistermitteilungen widerspricht auch keines-wegs die Tatsache, da sie inhaltlich oft so hohl, nichtssagend, albern und lp-pisch, sogar lgnerisch und bswillig irrefhrend sind. Es spiegelt sich in ihnen folgerichtig das ganze Elend, in welchem die Geister der Erdsphre und der nie-deren Regionen des Zwischenreiches durch ihre Wahnbefangenheit, Unreife, Unwissenheit, unbeherrschte Triebhaftigkeit und Lasterhaftigkeit umgetrieben werden.

    Wegen ihres wertlosen Inhalts hat man solche Mitteilungen durch Medienhand und -mund nicht als Geisterkundgaben gelten lassen wollen. Mitteilungen von Geistern mssen, so meinen diese klugen Leute, sich durch berragenden Wis-sens- und Weisheitsgehalt ganz besonders auszeichnen; aber solch albernes, t-richtes Zeug knne unmglich von Geistern kommen. Sie haben ja nicht ganz unrecht; sie haben aber auch nicht recht. Der ungenaue Sprachgebrauch des Wortes Geist trgt hier die Schuld an solcher Unklarheit. Was der Philosoph und der Theologe unter Geist versteht, jener Geist, "der da erforscht alle Dinge, selbst die Tiefen der Gottheit", und von dem man mit Recht berragendes Wis-sen und Hohe Weisheit erwarten darf, der spricht aus solchen Geisterkundgaben gewi nicht. Wir haben es bei den "Geistern", die sich durch Medien kundgeben, auch nicht mit "Geist im eigentlichen Sinne" zu tun, sondern mit den abgeschie-denen Seelen gewesener Erdenmenschen. Und zwar handelt es sich in dem vor-liegenden Buche ja gerade um recht geistverlassene und gottferne Seelen, denen das Licht ihres eigenen Geistes noch gar nicht aufgegangen ist und die eben dar-um in solcher erbrmlichen Finsternis herumtappen.

    So ist zwar von vornherein von medialen Geistermitteilungen kein Gewinn an hoher Weisheit zu erwarten. Doch eine sehr gewichtige Erkenntnis ist in jedem Falle und unter allen Umstnden daraus zu entnehmen, nmlich, da das Ent-wicklungsgesetz, nach welchem alles organische Leben sich folgerichtig Schritt fr Schritt entfaltet, auch ber den Tod hinaus in voller Geltung bleibt, so da der innere Mensch jenseitig seine Entwicklung von eben demselben Punkte aus weiterfhren mu, an dem der Tod sie diesseits abgebrochen. Der Vorgang des Todes, das Ablegen der sterblichen Hlle, nimmt dem Weisen nichts von seiner Weisheit, macht aber aus einem Narren keinen Weisen, sondern belt ihn bei seiner gewohnten Narrheit.

    = 20 =

  • Ihrem ganzen Wesen und Zustand nach ist diese Welt der niederen, unreifen Geister ein Notstands- und Missionsgebiet, das in gleicher Weise den priesterli-chen wie den rztlichen Seelsorger angeht.

    Die katholische Kirche wei um ihre Pflicht diesem Notsandsgebiete gegenber und sucht ihr gerecht zu werden durch Toten- und Seelenmessen. Auch die evangelische Kirche kennt das Gebet fr die Verstorbenen und hat im Gedcht-nisliede und der Feier des Totensonntags Reste der kultischen Gebruche beibe-halten, mit denen die katholische Kirche den abgeschiedenen Seelen eine Sttze bietet.

    Da die Seelenmesse und sonstige kirchliche wie auch persnliche Frbitte den Verstorbenen wertvolle Hilfe zu leisten vermag, dafr liegen zahlreiche Bestti-gungen vor, wenn sie auch in dem vorliegenden Buche nicht in Betracht gezo-gen worden sind. Wirksam werden kann jedoch solche Gebetshilfe nur an Ver-storbenen, welche wenigstens einen gewissen Grad von Bewutsein ihrer Man-gelhaftigkeit und Hilfsbedrftigkeit in sich haben. Es gibt aber abgeschiedene Seelen genug, gegen deren schwere Wahnbefangenheit und dumpfe Unwissen-heit solche geistlichen Hilfen erfolglos bleiben. Wie aus den Wicklandberichten zu ersehen ist, mhen sich auch die fortgeschrittenen helfenden Geister vergeb-lich, derartige unglckliche Verstorbene zum Erkennen ihrer vernderten Le-bens zu bringen. Um in solchen schwierigen Fllen zum Ziele zu kommen, su-chen und erstreben die helfenden Geister die Mithilfe diesseits lebender, media-ler Menschen. Wir erfahren weiter, da manchen schwer verrannten Wahnbe-fangenen gar nicht anders zu helfen sei, als dadurch, da sie noch einmal wieder mit der schwerstofflichen irdisch-menschlichen Krperlichkeit in engste Fh-lung kommen. Solchem Zwecke dienen zweifellos vielfach die Verbindungen, welche Verstorbene mit medialen Menschen eingehen; und besonders nutzbrin-gend mu es fr die Verstorbenen dabei sein, wenn sie von einem wohlmeinen-den und kundigen Helfer belehrt werden, wie Dr. Wickland dies durch die Zwie-sprache mit den ausgetriebenen Besessenheitsgeistern anstrebte.

    Die enge Bindung der Seele an den schwerstofflichen, irdischen Krper ist von grter Wichtigkeit fr ihre Schulung und Erziehung. Die strenge Begrenztheit aller irdischen Materie durch unabnderliche Naturgesetze bietet offenbar die besten Mglichkeiten, um die zu haltlosem Schweifen geneigte Seele in Schran-ken zu halten und ihr eine gewisse Verstndigkeit aufzuntigen, ihre Triebe zu bndigen und ihr die ersten Grundbegriffe einer gesetzmigen Ordnung einzu-prgen. Der Krper ist ein uerer fester Rahmen, in den die Seele whrend des Erdenlebens eingespannt ist. In der ganz einseitig stoffglubigen Lebensan-schauung spielt der Krper ja berhaupt die Rolle der einzig zuverlssigen We-sensgrundlage, und die Seele gilt lediglich als Funktion des Krpers, die mit dem Tode des Krpers demzufolge auch erlsche. Da dem nicht so ist, dafr haben wir Tatsachenbeweise in so erdrckender Flle, da nur Unwissenheit oder Verstocktheit diese berlebte stoffglubige berzeugung noch aufrecht er-halten kann.

    = 21 =

  • Wird ihr durch den krperlichen Tod der sie sttzende Rahmen genommen, dann ist die Seele hilflos, wenn sie whrend des Erdenlebens nicht gelernt hat, sich an ihren inneren Fhrer zu halten, den sie ganz tief im eigenen Innern be-sitzt und dessen Stimme als mahnendes Gewissen ihr nicht unbekannt geblieben sein kann. Ob und wie weit sie diesem Fhrer gehorcht hat und sich hat von ihm erziehen lassen, das zeigt sich an ihrem Schicksal nach dem Ableben des Kr-pers.

    Es ist wichtig, diesen inneren Fhrer etwas nher kennen zu lernen. Wir nennen ihn den "Geist" des Menschen. Dieses ist nun "der Geist im eigentlichen Sinne", den auch die Bibel meint, wenn das Menschenwesen als "Geist ganz samt Seele und Leib" (1.Thess.5,23) gekennzeichnet wird. Und was ist er nun, dieser Geist? Zu allererst einmal der uerste Gegensatz zu dem schwerstofflichen und vergnglichen Krper, das Gegenteil von ihm in jeder Hinsicht. Wie nah und handfest greifbar der Krper, so vllig unfabar und unerreichbar der Geist. Wie hinfllig und vergnglich der Krper, so ewig bestndig und kraftvoll der Geist. Dem Menschen eigen und doch so fern, da wir als Menschen immer nur einige seiner Strahlen zu fhlen bekommen, wenn bei hochbedeutsamen Erlebnissen uns wirklich echte "Begeisterung" packt, oder wir in religiser Andacht "tief er-griffen" werden. Wie der Feuerball der Sonne im fernen Weltenraume uner-reichbar bleibt und wie wir seine unmittelbare Nhe auch gar nicht ertragen knnten, so bleibt dem krperlichen Menschen unerreichbar fern sein eigener Geist, dessen unmittelbare Einwirkung er ebenso wenig wie die unmittelbare Sonnennhe ohne Schaden zu ertragen vermchte. Unser Geist lt uns von sei-nem erhebenden Einflu immer nur soviel zukommen, wie wir unserem jeweili-gen Entwicklungszustande entsprechend ertragen knnen, wenn wir "begeistert" werden.

    Es ist recht wenig, was sich ber diesen so unerreichbar fernen Fhrer in unse-rem Innern sagen lt, aber doch genug, da man seine berragende Bedeutung begreifen kann. Ihm ist all das als wesenseigentmlich zuzuschreiben, was den Menschen vom Tier unterscheidet. Die Seele hat das Tier mit dem Men-schen gemeinsam. Was den Menschen ber das Tier erhebt, das kommt aus ei-ner erhabeneren Quelle, dem Geist. Das hhere Erkenntnisvermgen, die Ver-nunft, die Urteilsfhigkeit, die weite Welt der hheren Gedanken und Schlufol-gerungen, das Gewissen, Verantwortungsgefhl, Eigenbewutheit und das Be-wutsein, da das eigene Dasein in Zusammenhang mit seiner Umwelt steht und zugleich in Abhngigkeit von einem hchsten Schpfer, mit anderen Worten die Religiositt, alle diese Fhigkeiten flieen aus seinem Geiste dem natrlichen Menschen zu, als Ausdruck der allerinnersten schpferischen Lebensquelle. Und dem hochentwickelten religisen Seher verdanken wir als Krnung aller Schlu-folgerungen die bildhafte Schau, da dieser Geist ein Mensch von Gestalt ist, machtvoll und strahlend schn, ein Engel, der mit dieser unserer Erdenwelt vor seiner Menschwerdung nichts zu tun gehabt hatte, dann aber hierher kam, um sich die Seele wie ein Hemd und den Krper wie ein ueres Kleid fr seinen Weg ber diese Erde anzuziehen. Diesen Engel gewahrt der Seher schon hinter

    = 22 =

  • dem Wesen des neugeborenen Kindes stehen, als einen vollkommenen Men-schen auf der Lebenshhe, also als einen Jngling oder eine Jungfrau, whrend seine irdischen Gewnder, Seele und Krper, noch die Ausmae des Kindes ha-ben. Schon vom Augenblick der Zeugung an, leitet dieser Geist die Entwicklung seines werdenden natrlichen Menschen und speist diesen aus seiner strahlenden Lebenskraft. Er ist und bleibt der innere Fhrer des Menschen und wartet darauf, da sich auf seine Mahnungen hin des Menschen Seele ihm zukehre und sich immer ausschlielich seiner Fhrung unterstelle. Tut sie das, dann ist ihr am Ende des Lebens das Abfallen des Krpers durch den Tod kein Verlust, sondern der Weg in die Freiheit und in stndig sich steigernde Glckseligkeit. Bleibt sie aber, von den krperlichen Sinnen betrt, mit ihrem Dichten und Trachten nach Auen gerichtet, und kann auch die Enttuschung ber die Flchtigkeit und Schalheit der irdischen Gensse sie nicht dazu bewegen, sich bei guter Zeit den hheren und bestndigeren Gtern in ihrem Innern zuzuwenden, dann freilich steht sie nach dem Tode ohne ihren Krper hilflos im Dunkeln. Denn fr das na-trliche irdische Licht sind ihr die einzig dazu brauchbaren Augen genommen; und das Licht ihres Geistes ist ihren ungebten seelischen Augen viel zu grell, als da sie darin etwas zu erkennen vermchte. Geblendet hlt sie sie geschlos-sen oder wendet sie ab und schaut weiter in der gewohnten Richtung nach auen ins Treiben der Erdenwelt, in die sie doch nicht mehr hinein gehrt, von der sie sich aber nicht trennen kann.

    Unabsehbare Scharen solcher hilflosen Seelen, mehr oder weniger dunkle We-sen einer in wilder Unordnung brodelnden, recht ungeistigen seelischen Unter-welt drngen sich, Halt und Hilfe suchend, unaufhrlich an uns Erdenmenschen heran. Die Spiritisten brauchen die Geister gar nicht erst zu rufen. Das Verlan-gen und Drngen nach gegenseitigem Austausch von Mitteilungen ist von den niederen jenseitigen Sphren her zweifellos viel strker, als auf Seiten der dies-seits Lebenden.

    Diesem Drngen der dunklen, unsichtbaren Geistwesen steht die Menschheit in der Mehrzahl vllig ahnungslos gegenber und lt sich von diesen Unglckli-chen unendlich viel Leid, Not und Elend aufbrden. Bei allen Erkrankungen, welche mit mehr oder weniger aufflligen Strungen des nervlichen und seeli-schen Gleichgewichts einhergehen, spielt Geistereinflu eine bedeutsame Rolle. Und alle sogenannten Geisteskranken sind auch heute noch, genauso wie zu den irdischen Lebzeiten Jesu, Besessene, aus denen sich die unreinen Geister austrei-ben lassen, wenn der rechte Helfer die rechten Mittel und Wege dazu kennt. Un-sere Irrenanstalten knnten auch ohne verbrecherische Manahmen leer gemacht und ihre Insassen bis auf einen geringen Rest dem brgerlichen Leben zurckge-geben werden, wenn nur unsere Psychiater einmal dahin kmen, aus den Erfol-gen Dr. Wicklands etwas zu lernen. Dazu bedrfen sie freilich einer grndlich vernderten Welt- und Lebensanschauung, welche den tatschlichen Zusammen-hngen besser Rechnung trgt, als es die heute noch in Geltung stehende medizi-nisch wissenschaftliche Anschauung vermag.

    = 23 =

  • So entschieden und dringend von unserem Standpunkte her ein planmiges Hilfswerk im Sinne des Wicklandschen Verfahrens befrwortet und gefrdert werden mu, ebenso entschieden sei aber auch gleichzeitig hiermit Verwahrung eingelegt gegen die leicht mgliche Mideutung, als ob hier in einer Art rztli-chen Exorzismus das Allheilmittel fr alle psychischen Strungen und Erkran-kungen gesehen und empfohlen werde.

    Wie das Befallenwerden von einer Infektionskrankheit nicht lediglich von dem Vorhandensein bestimmter Bakterien abhngt, sondern eigentlich weit mehr da-von, ob der angegriffene Organismus gengend Schutzstoffe in sich hat, oder zu geschwcht ist, um den Angriff abwehren zu knnen, so ist auch fr das seeli-sche Befallenwerden durch fremden Geistereinflu nicht blo das Dasein der Geister, sondern weit mehr der Gesundheits- und Krftezustand des bedrohten Menschen ausschlaggebend. Sowohl seelische als auch krperliche Unordnung und Schwche knnen einer Besessenheit Eingang verschaffen.

    Wie durch eine wirklich gesunde Lebensweise die Widerstandskraft des Orga-nismus gegen Infektionen erhht werden kann, so gibt es auch bewhrte Mittel zur Hebung und Festigung der seelischen Widerstandskraft gegen unheilvolle seelisch-geistige Einflsse.

    Fr die Widerstandskraft gegen seelische Beeinflussung von der jenseitigen Ebene her ist also auch der rein krperliche Krfte- und Gesundheitszustand von grundlegender Bedeutung. Die allerengsten Beziehungen zum Seelischen hat das vegetative Nervensystem, welches die dem Bewutsein nicht unterstellten Lebensvorgnge zu regeln und zu steuern hat. So gibt der Zustand des vegetati-ven Nervensystems in erster Linie den Ausschlag fr den seelischen Gleichge-wichtszustand. Nicht minder bedeutsam in dieser Hinsicht ist die gesundheitli-che Ordnung in den groen Leibdrsen Milz und Leber; auch die Schilddrse, das Zentralnervensystem und schlielich auch alle anderen Organe, die ja zu einander in bestndiger Wechselbeziehung stehen, knnen durch ihr Versagen zu seelischen Strungen Anla geben. Oft ist es rein krperliche Schwche, z.B. nach schweren Blutverlusten, was dem Platzgreifen einer Besessenheit die Wege bahnt. Weit hufiger jedoch sind Gifte, welche, einerseits lhmend, ander-seits erregend, auf bestimmte Nervenzentren wirken und den mannigfaltigsten seelischen Gleichgewichtsstrungen Vorschub leisten. Die Wirkungen des Alko-hols, des Opiums, des Morphiums, des Haschisch und noch mancher anderer Rauschgifte sind in dieser Beziehung zur Genge bekannt. Sehr wenig bekannt dagegen und zwar gerade auch in rztekreisen kaum gekannt ist die Tat-sache, da feinstverteilte bakterielle Gifte (in hoher und hchster Potenzierung und darum keinem medizinischen Untersuchungsverfahren erreichbar) auf das Nervensystem eine ganz hnliche Wirkung ausben und somit Anla zu Beses-senheit geben. Nur der biologische Versuch, bzw. der Erfolg einer Behandlung solcher Kranken mit hoch potenzierten spezifischen Antistoffen gibt den bndi-gen Bewei fr diese Behauptung, die sich keineswegs auf bloe logische Schlufolgerungen, sondern auf ganz bestimmte sichere Erfahrungen grndet.

    = 24 =

  • Dem rztlichen Wirken stellen sich also auch bei der Behandlung seelischer Gleichgewichtsstrungen, welche als Besessenheit anzusprechen sind, wichtige Aufgaben, welche der Hebung und Sicherung der gesundheitlichen Ordnung im rein Krperlichen dienen und unter keinen Umstnden vernachlssigt werden drfen, weil sie fr die Sicherung und Haltbarmachung des Erfolges jeder ande-ren gegen die Besessenheit getroffenen Manahme unerllich sind. In leich-teren Fllen kann die Hebung des krperlichen Gesundheitszustandes allein schon gengen und die Wiedergewinnung des verlorenen seelischen Gleichge-wichts ermglichen.

    Die neuzeitliche Seelenheilkunde mht sich redlich um seelisch-geistig gestrte Kranke mit sehr verschiedenem und wechselndem Erfolge. Nur derjenigen Me-thode wird ein wirklich nachhaltiger Erfolg beschieden sein, der es gelingt, in dem Kranken ein wirklich echtes religises Leben zu wecken und wach zu hal-ten. Nur auf diese Weise kommt die Seele unter die zuverlssige Fhrung ihres eigenen Geistes, der allein die Macht hat, sie vor Fremdeinflssen zu schtzen. Freilich mu die Seele sich dem Einwirken ihres Geistes bereitwillig hingeben und offen halten.

    Der Erdenmenschheit die sie schwer bedrckende Last allmhlich zu erleichtern, welche das Elend und die Hilfsbedrftigkeit der erdgebundenen Verstorbenen ihr bestndig aufbrdet, dafr gibt es nur ein wirksames Hilfsmittel: "Die Ver-breitung der rechten Erkenntnis der Unzerstrbarkeit des Lebens. Nicht nur glauben, sondern klar und sicher wissen mu jeder Mensch, da jedes menschli-che Einzel- und Eigenbewutsein ber das Grab hinaus fortbesteht, da also der Tod nichts anderes ist, als die Geburt in ein neues jenseitiges Leben, fr welches das diesseitige nur die Vorschule ist." Mit welchem Ergebnis, in welchem Reifegrad der Mensch diese Vorschule verlt, das ist grundlegend und mage-bend fr die weitere Gestaltung seines Schicksals auf jenseitigen Ebenen, wo seine Entwicklung in unerschtterlicher Folgerichtigkeit ihren Fortgang nimmt.

    "Das ist die groe Gerechtigkeit der Schpfung, da jeder sich die Bedingungen seines knftigen Lebens selbst schafft. Darum seid rstig und wacker! Denn wer hier langsam geht, wird dort lahm gehen; und wer hier seine Augen nicht auftut, wird dort ein bldes Gesicht haben; und wer Falschheit und Bosheit bt, wird seine Disharmonie mit dem Chor der wahren und guten Geister als Schmerz fhlen, der ihn noch in jener Welt treiben wird, das bel zu bessern und zu heilen, was er in dieser verschuldet, und ihn nicht Rast und Ruhe finden lassen wird, bis er auch seine kleinste und letzte beltat abgestreift und abge-bt. Und wenn die anderen Geister schon lange in Gott ruhen, oder vielmehr leben als Teilhaber Seiner Gedanken, wird er noch umgetrieben werden (als Be-sessenheitsgeist) in Trbsal und in der Wandelbarkeit des Lebens auf der Erde; und sein Seelenbel wird die Menschen plagen mit Ideen des Irrtums und Aber-glaubens, sie fhren zu Laster und Torheiten; und indem er selber dahinten bleibt auf seinem Wege in der jenseitigen Welt zur Vollendung, wird er sie, in denen er fortlebt, zurckhalten auf ihrem diesseitigen Entwicklungswege."

    = 25 =

  • So schrieb vor mehr als 100 Jahren ein namhafter Naturwissenschaftler, Gustav Theodor Fechner, weiland Ordentlicher Professor der Physik an der Universitt Leipzig. Seine kleine Schrift, welcher die angefhrten Zeilen entnommen sind, Das Bchlein vom Leben nach dem Tode, ist eine Perle deutschen Schrift-tums, sowohl durch die auerordentliche Gedankentiefe ihres Inhalts, als auch durch die Wrde und Schnheit ihrer sprachlichen Form.

    Die Vertrautheit mit den Erscheinungen und Gesetzen der irdischen Natur, hat dem Naturwissenschaftler Gustav Theodor Fechner den Blick fr die Tatsachen des seelisch-geistigen Lebens nicht zu trben vermocht. Ihm war es zur klaren Erkenntnis geworden, da der Tod dem menschlichen Ich nicht die Vernichtung bringt, sondern die Geburt ist zu einem neuen freieren Dasein mit neuen, erwei-terten Entwicklungsmglichkeiten, welche den Menschen in ungeahnte Hhen gelangen lassen, vorausgesetzt, da er die Mglichkeiten und Aufgaben seines Erdendaseins richtig ausgenutzt und erfllt hat. Andernfalls mu er in leidvollen jenseitigen Entwicklungszustnden nachholen, was er im diesseitigen Leben versumt hat, bis er nach unverhltnismig viel lngeren Zeitlufen auf weiten Umwegen dorthin gelangt, wo auch fr ihn endlich ein wirklicher Aufstieg be-ginnen kann.

    Fechner ist nicht Spiritist gewesen, sondern ihm hat sich solch tiefe Erkenntnis des menschlichen Innenwesens aufgetan unter schwerem eigenen Krankheits-leid, durch das er hindurchgefhrt worden ist. Es ist fr ihn ein unsagbar schwe-res Ringen gewesen, und er war dabei oft in Gefahr, dem Leidensdruck zu erlie-gen. Nur Menschen wirklich starken Geistes kommen auf solch schwerem Wege zu so tiefer Erkenntnis. Um so dankbarer sollten die Menschen dafr sein, da sich ihnen im medialen Geisterverkehr eine so viel bequemere Gelegenheit bie-tet, sich von der Unzerstrbarkeit des eigenbewuten Lebens zu berzeugen. Es braucht keineswegs jeder an spiritistischen Sitzungen teilzunehmen. Das Zeug-nis glaubwrdiger ernster Menschen ber ihre Erlebnisse dabei gengt vollauf, um sich ber das persnliche Fortleben nach dem Tode Gewiheit zu verschaf-fen. Man mu dazu freilich den ernsten Willen zur Wahrheit mitbringen und jede Art Vorurteil beiseite lassen. Die Angst vor diesen Tatsachen ist ebenso un-angebracht, wie allzu strmischer Eifer, dem oft nur Neugier und Sensationslust zu Grunde liegt. Alles, was Gottes weise Weltregierung geschehen lt, hat nicht nur Daseinsberechtigung, sondern ist uns Menschen zu Nutz und Frommen zugelassen, auch der Mediumismus mit der Mglichkeit, Gewiheit ber das Weiterleben zu bekommen. Man mu nur mit dem dieser ernsten Frage ange-messenen Ernste daran gehen. Gerade der religise Mensch braucht diesem Ge-biete gegenber keine Angst oder Bedenken zu haben, denn auch hier gilt das Wort des Apostels Paulus, da denen die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.

    Dr. med. W. Beyer

    * * *

    = 26 =

  • = 27 =

  • Wechselseitige Beziehungen der beiden Welten

    Das Vorhandensein einer unsichtbaren Welt, die unsere irdische umgeben soll, ist fr viele Menschen schwer zu begreifen, da unser Verstand nur zu oft mit dem Sichtbaren und Greifbaren seine Grenze findet! Und doch bedrfte es nur geringen Nachdenkens und eines Besinnens darauf, da die irdische Materie sich doch in einem stndigen Wechsel zwischen dem Sichtbaren und Unsichtba-ren befindet, indem sie sich innerhalb ihrer drei Erscheinungsformen vom festen Krper zur Flssigkeit und zum unsichtbaren Gas und dann wieder zurck zu verwandeln vermag

    Die sichtbare Natur ist nur das Unsichtbare in sichtbarer Form, das wirklich Sei-ende, das sich den Sinnen kundgibt durch eine besondere Anordnung und Zu-sammenstellung seiner Urbestandteile. Durch wissenschaftliche Forschung ist festgestellt, da die Pflanzenwelt von 100 Teilen ihrer Krpermasse, volle 95 Teile der Luft oder der Atmosphre entnimmt. Und lebt nicht das ganze Men-schengeschlecht auf dem Grunde eines unsichtbaren Ozeans, der Atmosphre, die fr unser krperliches Dasein von grerer Bedeutung ist, als irgendein sichtbarer natrlicher Stoff? Denn auerhalb der Atmosphre wre die Aufrecht-erhaltung des Lebens doch kaum ein paar Augenblicke mglich!

    Der Stickstoff, ein unsichtbares Gas, das den greren Teil unserer Atmosphre ausmacht, ist lebensnotwendig fr Wachstum und Erhaltung von Pflanze und Tier. Die Gase Wasserstoff und Sauerstoff wandeln stndig ihre Erschei-nungsform vom Zustande unsichtbaren Dampfes zu sichtbaren und greifbaren Krpern. Der Kohlenstoff bietet uns ein weiteres Beispiel hnlicher Wand-lungen.

    Der Schall, Dfte, die thermischen Krfte, als Hitze und Klte und eine Men-ge anderer Erscheinungen, vom winzigen Elektron angefangen bis zu den Ener-gien, welche Planeten und Sonnen bewegen, sind smtlich nichtgreifbare und unsichtbare Wirklichkeiten.

    Alles Winken, ob chemischer, natrlich-lebendiger oder geistiger Art, geht un-sichtbar vor sich, wie wir es beobachten in chemischer Wahlverwandtschaft, in Energiespannung, in pflanzlichen und tierischen Lebensvorgngen, in Gedan-ken- und Gemtsregungen. So wird auf allen Gebieten unserer irdischen, sicht-baren Natur offenbar, da alles im Unsichtbaren wurzelt und von dorther erhal-ten wird. Das Unsichtbare ist der Ursprungsquell alles Sichtbaren!

    Wenn wir uns daher vergegenwrtigen, da das Krperliche nur eine besondere

    Zusammenfassung unsichtbarer Substanzen und Krfte ist, dann wird auch das Vorhandensein einer unsichtbaren Welt leicht begreiflich. Gerade wenn man in Betracht zieht, welche wunderbaren Fortschritte die Wissenschaft auf dem Ge-biete der feineren Naturkrfte gemacht hat, ist es unfalich, wie ein denkender Verstand so fehlgehen kann, der vernunftgemen Folgerung eines selbstndi-

    = 28 =

  • gen Bestehens des menschlichen Geistes auch getrennt von seinem irdischen Krper die Anerkennung zu versagen Nichts ist zu allen Zeiten und in al-len Literaturen besser bezeugt und glaubhaft gemacht worden, als das Vorhan-densein von Geistern und die Tatsache eines Lebens nach dem Tode! Der Historiker Fiske sagt: "Unter allen Menschen-Rassen, soweit sich heute berse-hen lt, war die Ahnenverehrung (Fhlungnahme mit den Geistern der Abge-schiedenen), die frheste Form religisen Kults, vorwiegend in Afrika, Asi-en, China, Japan, unter den Ariern Europas und den amerikanischen Indianer-stmmen!"

    Allen schreibt in seiner "Geschichte der Zivilisation": "Bei Naturvlkern berall in der Welt findet man ganz bestimmte Vorstellungen von der menschlichen Seele, einer geistigen Welt, und, allgemein verbreitet, den Glauben an Unsterb-lichkeit. Die Wilden stellen sich das jenseitige Leben ganz einfach als eine Fort-setzung des diesseitigen vor. Sie wissen auch um ein anderes Selbst, das ge-heimnisvolle Krfte besitzt. Im Tode verlt dieses geheimnisvolle andere Selbst den Krper, hlt sich aber, nach den herrschenden Vorstellungen, noch in nchster Nhe auf. Liebe und Ha werden aus diesem Leben in die geistige Welt mit hinbergenommen."

    Konfuzius sagt: "Betrauert die Abgeschiedenen nicht mit bertriebenem Klagen. Die Verstorbenen sind unsere ergebenen und treuen Freunde, sie sind immer um uns!"

    Schriftsteller klassischer Zeiten Sokrates, Herodot, Sophokles, Euripides, Plato, Aristoteles, Horaz, Virgil, Plutarch, Josephus, Maximus von Tyra be-ziehen sich wiederholt auf das geistige Fortleben, als auf eine wohlbekannte Tat-sache. Cicero schrieb: "Ist nicht der ganze Himmel voller Menschen? Sogar jene Gtter selbst haben ihre Urbilder hier unten und stiegen von hier hinauf in den Himmel."

    Da das frhe Christentum das Vorhandensein von Geistern anerkannte, ist in den Schriften des heiligen Antonius, Tertullians, Origines, und ihrer Zeitgenos-sen zu wohl bezeugt, um noch besonderer Betonung zu bedrfen. Die Bibel ist voll von Hinweisen auf das geistige Fortleben: "Darum auch wir, dieweil wir solchen Haufen Zeugen um uns haben, (Hebrer.12,1) "Ihr Lieben, glau-bet nicht einem jeglichen Geist, sondern prfet die Geister, ob sie von Gott sind" (1.Joh.4,1) "und zu den Geistern der vollkommenen Gerechten" (Hebrer.12,23) "Hat man einen natrlichen Leib, so hat man auch einen geistlichen Leib. Aber der geistliche Leib ist nicht der erste, sondern der na-trliche, darnach der geistliche" (1.Kor.15,44.46). Und noch viele andere hnliche Bibelstellen knnte man anfhren. Swedenborg steuerte dicke Bn-de bei ber diesen Gegenstand. Dr. Samuel Johnson sagte: "Ich glaube nicht an Geister ich habe ihrer zu viele selbst gesehen!"

    John Wesley schrieb in Die unsichtbare Welt: Es ist leider wahr, da der Eng-lnder ganz allgemein wie brigens die meisten Gebildeten Europas alle Berichte von Zauberern und Geistererscheinungen, als bloe Altweibergeschich-

    = 29 =

  • ten, und mehr ernst nimmt. Das bedauere ich und benutze gern die sich mir hier bietende Gelegenheit, feierlich Widerspruch zu erheben gegen diesen Bei-fall, den so viele, die noch an die Bibel glauben, damit denen zollen, die ihr nicht mehr glauben! Solcher Glaube steht nicht nur in geradem Gegensatze zur Bibel, sondern auch zu dem Bekennen der Weisesten und Besten aller Zeit-alter. Sie wissen sehr wohl, da sie mit dem Glauben an die Wunderkrfte auch den Glauben an die Bibel aufgeben!"

    Die medialen Erscheinungen, die sich im Hause des Herrn Samuel Wesley, des Vaters des Rev. John Wesley, zu Epworth zutrugen und sich viele Monate hin durch unter Geruschen und Belstigungen verschiedener Art immer wiederhol-ten, sind wohl bekannt.

    Shakespeare, Milton, Wordsworth, Tennyson, Longfellow und viele andere Dichter schrieben mit tiefem Verstndnis ber das Weiterleben des Menschen.

    Wir haben alle gehrt von den berzeugenden Ergebnissen der psychischen (pa-rapsychologischen) Forschung moderner Wissenschaftler, Philosophen, Geistli-cher, rzte, Psychologen und anderer Forscher wie da sind: Prof. Crookes, Alfred Wallace, Sir Oliver Lodge, Sir Arthur Conan Doyle, Rev. R. J. Campbell, Archdeacon Colley, Rev. Newton, Rev. Savage, W. T. Stead, Camille Flamari-on, Dr. Baraduc, Dr. Janet, Prof. Richet, Cesare Lombroso, Dr. Hodgson, Dr. I. K. Funk, Prof. James, Prof. Hyslop, Dr. Carrington und viele andere. Dr. Thomas J. Hudson schrieb in seinem Buch Das Gesetz der psychischen Er-scheinungen: "Wer heutzutage noch die Tatsachen des Spiritualismus leugnet, hat kein Recht sich einen Skeptiker zu nennen, sondern ist ganz einfach unwis-send!"

    Der Rev. Dr. George M. Searle, Pfarrer der katholischen Kirche des Apostels St. Paulus in New York sagt: "Ob es wirklich Geister gibt und sie sich im modernen Spiritismus kund geben, ist frderhin auch fr Wissenschaftler, die dies Gebiet durchforscht haben, keine offene Frage mehr! Wer solche Kundgebungen als bloen Humbug, Tuschungen und Einbildungen ansieht, ist einfach rckstn-dig!"

    "In unseren Tagen leugnet niemand mehr die Wirklichkeit der spiritualistischen Tatsachen, mit Ausnahme einiger Weniger, die zwar mit ihren Fen auf der Erde stehen, mit ihrem Hirn aber im Monde leben", schrieb G. Franco, S. J., in seinem Buche Katholische Kultur. "Spiritistische Phnomene sind uere Tat-sachen, die in das Gebiet der Sinne fallen und von jedermann leicht beobachtet werden knnen; und wenn derartige Begebenheiten von so vielen gebildeten und glaubwrdigen Zeugen bekundet werden, dann ist es nicht nur zwecklos, son-dern geradezu tricht und lcherlich, gegen offensichtliche Tatsachen zu strei-ten. Auch fr urteilsfhige Menschen bleiben diese Tatsachen als solche beste-hen!"

    Die geistige Welt und die Sinnenwelt greifen bestndig ineinander ber; die geistige Ebene ist nicht ein leeres Ungreifbares, sondern sie ist wirklich und na-trlich, ein unendlich groes Reich feinerer Substanzen voller Ttigkeit und Ent-

    = 30 =

  • wicklung und das Leben dort ist eine Fortsetzung des irdischen Lebens. Hier auf Erden sammelt die Seele Kenntnisse durch Erfahrung und Berhrung mit den ihr begegnenden Dingen und wird sich in ihrem Verstande ihrer selbst be-wut, indem sie sich durch die krperlichen Organe kundgibt. Auf der geistigen Ebene nimmt die Entwicklung des Menschen ihren Fortgang. In sinnvoller Gesetzmigkeit werden durch freiwilliges Dienen die Krfte des Gemts zur Entfaltung gebracht, setzt der Mensch sich immer hhere Ideale zum Ziel und lernt den Zweck des Lebens immer weiter und tiefer begreifen.

    Der Wechsel oder bergang, "Tod" genannt das Wort ist eine falsche Benen-nung und allgemein mit Furcht und Schrecken betrachtet, vollzieht sich ge-whnlich so natrlich und einfach, da die Mehrzahl der Menschen nach dem Verlassen des Krpers sich ihres "Hinbergangs" gar nicht bewut ist. Und so-weit die Verstorbenen von einem geistigen Fortleben nichts wissen, sind sie in vlliger Unkenntnis darber, da sie in einen anderen Daseinszustand hinber-getreten sind. Ihrer krperlichen Sinnesorgane beraubt, leuchtet ihnen kein irdi-sches Licht mehr; und aus Mangel an Verstndnis fr das hohe Lebensziel sind diese Menschen geistig blind und finden sich in einem Dmmerlicht die "u-erste Finsternis" nennt es die Bibel und treiben sich in dem Bereich herum, das als Erdsphre bekannt ist. Der Tod macht keinen Heiligen aus einem Snder, und keinen Weisen aus einem Narren. Die Gesinnung bleibt nach wie vor dieselbe, und jeder Mensch nimmt seine alten Leidenschaften, Gewohnhei-ten, Meinungen, Lehrirrtmer, Gleichgltigkeit oder Zweifel mit ins jenseitige Leben hinber. "Wie der Mensch denkt in seinem Herzen, so ist er!" Indem sie geistige Gestalten annehmen, die das Ergebnis ihres irdischen Vorstellungs-lebens sind, verbleiben Millionen Verstorbener eine Zeitlang in der Erdsphre und oft sogar am Schauplatz ihres Erdenlebens, festgehalten durch Gewohnhei-ten und Neigungen. "Wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz" (Matth.6,21).

    Solche Verstorbenen dagegen, die in ihrer Entwicklung fortgeschritten und in eine hhere geistige Welt gelangt sind, sind eifrig bemht, diese erdgebundenen Geister zu belehren. Die letzteren sind aber infolge der falschen Vorstellungen vom Zustande nach dem Tode in dem Wahne befangen, die vor ihnen Verstor-benen seien ja "tot" oder "Gespenster". Daher lehnen sie es oft ab, ihre Freunde wiederzuerkennen und sich ber ihren eigenen Zustand klar zu werden.

    Viele befinden sich im Zustande tiefen Schlafes, andere glauben, sich verlaufen zu haben oder sind verwirrt. Die Verstandesverwirrten werden in dem befremd-lichen Dunkel von Furcht geqult. Anderen schlgt das Gewissen, und sie leiden unter Angst und Gewissensbissen wegen ihres Lebenswandels auf Erden. Man-che werden von selbstischen und bsen Regungen getrieben, Gelegenheit zur Bettigung ihrer Neigungen zu suchen. In diesem Zustande bleiben sie dann, bis sich die zersetzende Wirkung ihrer Wnsche herausgestellt hat, die Seele nach besserer Einsicht und Erleuchtung schreit und fortgeschrittene Geister an sie herankommen und ihr helfen knnen.

    = 31 =

  • Ohne eigenen physischen Krper, durch den sie ihre irdisch-menschlichen Lei-denschaften bettigen knnten, werden viele entkrperte Geister von den leuch-tenden Ausstrahlungen angezogen, die von Menschen ausgehen. Sie gesellen sich dieser "magnetischen Aura" bei und finden so einen Weg, ihr Wnschen und Wollen auf der irdischen Ebene kundzutun, indem sie Menschen beeinflus-sen, sie besessen machen, oder von ihnen Besitz ergreifen! Solche aufdringli-chen Geister beeinflussen empfngliche mediale Menschen mit ihren Gedanken, bertragen auf diese ihre Regungen, schwchen ihre Willenskraft, beherrschen oft ihr Tun und Lassen und richten damit groes Elend an, verursachen Verstan-desverwirrung und andere Leiden!

    Diese erdgebundenen Geister sind die "Teufel", an die man zu allen Zeiten ge-glaubt hat; Teufel menschlicher Herkunft, Erzeugnisse menschlicher Selbst und falscher Lehren und Unwissenheit, die, vllig blind auf die geistige Ebene ge-langt, dort in den Banden ihrer Unwissenheit festgehalten werden!

    Der Einflu dieser entkrperten Wesenheiten ist die Ursache vieler unerklrli-cher und geheimnisvoller Ereignisse hier im Leben und trgt die Schuld an ei-nem groen Teil des Elends dieser Welt. Reinheit des Lebenswandels und der Grundstze, oder hohe Verstandeseinsicht gewahren durchaus keinen siche-ren Schutz gegen Besessenheit! Nur allgemeine Anerkennung der Bedeutung dieser Fragen und Belehrung, sowie Aufklrung darber, sind Schutzmittel da-gegen!

    Der krperlichen Zustnde, welche das Eindringen von Geistern in einen Men-schen begnstigen, gibt es verschiedene. Oft ist solche Beeintrchtigung einer in der natrlichen Veranlagung begrndeten medialen Empfnglichkeit zuzuschrei-ben, oder einer Erschpfung des Nervensystems, oder einer pltzlichen seeli-schen Erschtterung. Auch rein krperliche Strungen begnstigen das Beses-senwerden; denn wenn die natrliche Lebenskraft geschwcht ist, leistet der Or-ganismus geringeren Widerstand, und andrngenden Geistern wird leichter Ein-gang gewhrt, obwohl sehr oft weder der Sterbliche noch der Verstorbene von der Anwesenheit des anderen etwas wei!

    Diese Beeintrchtigung durch Geister verndert den Charakter des davon Befal-lenen, und es entsteht daraus eine offensichtliche Vernderung der Persnlich-keit, bei der zuweilen mehrere fremde Persnlichkeiten zugleich oder in scharf verschiedenem Nacheinander dargestellt, resp. nachgeahmt werden. Hufig ver-ursacht solcher Geistereinflu ausgesprochene Verrcktheit der verschiedensten Grade, von einfacher Verstandesverwirrung ber alle Formen von Irresein, Hys-terie, Fallsucht, Schwermut, Granat-Schock, Stehlsucht, Bldsinn, religisen- und Selbstmord-Wahn, wie auch Gedchtnisverlust, seelisch bedingte krperli-che Gebrechlichkeit, Trunksucht, bis zu unbeherrschbarem Hang zur Unsittlich-keit und Grausamkeit, Vertiertheit und anderen Formen schwersten Verbrecher-tums.

    Die Menschheit ist umschwirrt vom Gedankeneinflu von Millionen entkrper-ter Geister, die den hheren Sinn des Lebens noch nicht erfat haben! Erkennt

    = 32 =

  • man das als Tatsache an, dann erklrt sich aus ihr ungezwungen eine Unmenge von Erscheinungen, wie unerwnschte Gedanken, unbegrndete Erregungen, seltsame Ahnungen, Launen, Reizbarkeit, bertriebene Erregbarkeit, unvernnf-tige Leidenschaftsausbrche, unlenksame Wahnbefangenheit und zahllose ande-re Entgleisungen im Gemts- und Denkleben.

    ber Flle von Geisterbeeinflussung und Besessenheit haben wir zahllose Be-richte von den ltesten Zeiten her bis in unsere Tage. Dr. Tyler, der bekannte englische Anthropologe, sagt in seinem Buche Primitive Culture = Ur-sprungs-Kultur : "Es ist nicht zu viel behauptet, wenn man sagt, da sich der Glaube an dmonische Besessenheit, als wesentlich gleichbleibende Theorie zur Erklrung fr wesentlich gleichartige Tatsachen, bei der Hlfte der Menschheit lebendig erhalten hat. Alle Vertreter dieses Glaubens stehen folgerichtig auf den Schultern ihrer Vorfahren seit "Urzeit"!

    In Mllers "Urreligionen" finden wir folgende Bemerkung: "Die allgemeine An-sicht der Naturvlker ist noch heute, da solche Krankheiten, wie Epilepsie, Hysterie, Delirium, Verbldung und Irrsinn, durch Geister verursacht werden, die vom Krper Besitz ergreifen."

    Homer nimmt wiederholt Bezug auf dmonische Einwirkung und sagt z.B.: "Ein Kranker, der dahinsiecht, ist einer, den ein bser Geist angeblickt hat. Plato be-hauptet, da Dmonen Menschen besessen machen. Sokrates spricht geradezu von Dmonen, welche die Irren beeinfluten. Plutarch schreibt: "Gewisse herrschschtige Dmonen suchen sich zur Befriedigung ihrer Gelste eine noch im irdischen Krper lebende Seele da sie (als krperlose Geistwesen) ihren irdi-schen Leidenschaften anders nicht mehr Genge verschaffen knnen, reizen sie Menschen auf zu Aufruhr, Wollust, Eroberungskriegen, und erreichen auf diese Weise das, wonach es sie gelstet." Josephus sagt: "Dmonen sind die Seelen bser Menschen."

    Besessenheits-Geister werden hufig sowohl im Alten als auch im Neuen Testa-ment erwhnt. In 1.Samuelis 16,23 lesen wir: "David nahm eine Harfe und spiel-te mit seiner Hand; so erquickte sich Saul, und ward besser mit ihm, und der bse Geist wich von ihm".

    So allgemein war der Glaube an Geister und Besessenheit zur Zeit der Apostel, da die Fhigkeit, bse Geister auszutreiben, als eins der wichtigsten Kennzei-chen echter Jngerschaft galt; und man mu zugeben, da eine betrchtliche Menge der Wunder, die Jesus zugeschrieben werden, Flle von Austreibung b-ser Geister Waren.

    Wenige Stellen aus dem NT werden gengen. "Jesus gab seinen 12 Jngern Macht ber die unsauberen Geister, da sie dieselben austrieben Matth.10,1. "Jesus predigte und trieb die Teufel aus" Marc.1,39. "Ein Mann, der hatte Teufel von langer Zeit her Jesus gebot dem unsauberen Geist, da er von dem Menschen ausfhre, der Besessene war gesund geworden" Luc.8,27.29.36 "Die von unsauberen Geistern umgetrieben wurden."

    = 33 =

  • Luc.6,18 " also da die bsen Geister von ihnen ausfuhren." Apost.-Gesch.19,2.

    "Meister, ich habe meinen Sohn hergebracht zu Dir, der hat einen sprachlosen Geist Und er fragte seinen Vater: Wie lange ist es, da ihm dieses widerfah-ren ist? Er sprach: Von Kind auf Jesus bedrohte den unsauberen Geist und sprach zu ihm: Du sprachloser und tauber Geist, Ich gebiete dir, da du von ihm ausfahren, und fahrest hinfort nicht in ihn. Da schrie er, und ri ihn sehr, und fuhr aus. Und er ward, als wre er tot, da auch viele sagten: Er ist tot. Jesus aber ergriff ihn bei der Hand, und richtete ihn auf, und er stand auf" Mark.9,17.21.25.27. (Ganz hnliche Begebenheiten sind bei psychopatholo-gischen Forschungen durchaus nichts ungewhnliches.)

    Unter den frhchristlichen Schriften finden wir bei St. Antonius: "Wir wandeln mitten unter Dmonen, die uns bse Gedanken eingeben; aber auch mitten unter guten Engeln. Wenn uns diese letzteren besonders nahe sind, dann besteht keine Unruhe oder Streit und Lrm, sondern ein so milder Friede, da er die Seele mit Freude erfllt. Gott ist mein Zeuge, da ich einst nach vielem Weinen und Fas-ten mich von einer Engelschar umgeben sah und voller Freuden in ihren Gesang einstimmte." Tertullian forderte die Heiden in aller Form zu einem Versuche heraus, wer im Dmonenaustreiben der berlegenere wre. Minucius Felix, ein rmischer Anwalt und Verteidi